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Full text of "Nachrichten von der Georg-Augusts Universität und der Königliches ..., Volume 11"

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Nachrichten 



von der 



K. Gesellsdiaft der Wissensehallen 



und der 



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>^eorg- Augusts - üniTersität 

' * aus dem Jahre 1864. 



Qöttingen. 
Verlag der Dieterichschen Bnchliandluiig. 



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DB ÖAND. 

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Nachrichten 

von der Königl. Gesellschaft der Wissen- 
schaften und der G. A. Universität zu 
Göttingen. 



Januar 13. JV6i 1. 1864. 



Kdniglielie Gesellschaft der Wissenschaften. 

Sitzung am 2. Januar. 

Grisebach, über die von Fendler in Venezuela gesam- 
melten Bromeliaceen. 
Derselbe, über die Welwitschia. 
Wicke, über die Krystalle in der Welwitscbia. 
Listing, über einen terrestrischen Sonnenhalos. 
W ö h 1 e r, Verzeichniss d. Meteoriten in d. Üniv.-Sammlung, 

Ueber die vonFendler inVenezuela ge- 
sammelten Bromeliaceen 

von Dr. Grisebach. 

Die Bromeliaceen sind dadurch merkwürdig, 
daös sie mit den Cacteen die beiden einzigen 
grösseren Pflanzengruppen bilden, welche auf 
den amerikanischen Kontinent ursprünglich be- 
schränkt sind. Die in den Sammlungen der 
Reisenden vorkommenden Formen sind in neue- 
rer Zeit wenig beachtet worden , während die 
lebend eingeführten Arten in den Gartenschriften 
zu vielfachen Besprechungen Anlass gaben. Für 
unser üniversitätsherbarium wurden neuerlich 
Fendler's Öromeliaceen aus Venezuela vollstän- 
dig erworben, wodurch in Verbindung mit den 
von Kegel in Surinam gesammelten Formen ein 
schätzbares Material entstand, welches ich bei 



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2 

der Bearbeitung der westindischen Flora zu be- 
rücksichtigen mich veranlasst fand, um die un- 
genügend festgestellten Gattungen dieser Familie, 
auf eine umfassendere Artenkenntniss gestützt, 
revidirpn zu können. Der üebersicht der Fend- 
ler'schen Sammlung, die ich hier mittheile und 
voa der etwa der dritte Theil aus unbeschriebe- 
nen Arten besteht, schicke ich einige Bemerkun- 
gen über meine Auffassung der Gattungen vor- 
aus, wobei ich indessen bedauere über andere, 
die anscheinend gut begründet sind, bis jetzt 
keine Beobachtungen zu besitzen : dahin gehören 
von Ananasseen Cryptanthus Kl., Androlepis 
Brongn., Pothuava Gaudich., Araeococcus Brongn., 
von Tillandsieen Encholirion Mart. und Garri- 
elia Gaudich., Cottendorfia Kl., Naviä Mart., 
Dyckia Seh., Bonapartea ß. P. 

Ananassa Lindl. beschränke ich auf die 
Ananasseen, deren Frucht durch Verwachsung 
der Ovarien eine ganze Inflorescenz umfasst. 

Nidularium Lem. entspricht Plumier'sKa- 
ratas, und unterscheidet sich von Bromeha durch 
sympetalische Corolle mit epipetalischen Stami- 
nen und durch gedrehte Narben. 

* Bromelia L., auf B. Pinguin begründet, 
entspricht Beer's Agallostachys. 

Chevalliera Gaudich. beruht nur auf den 
Tafeln im Atlas der Bonite, zu denen der Text 
bekanntlich nicht erschienen ist. Ich ziehe da- 
hin Bromelia hngulata L., die den eigenthümli- 
chen Bau der Corolle besitzt, welchen Gaudi- 
haud bei seiner C. ornata (a. a. 0. t. 62. f. 12) 
dargestellt hat. Der unguis petalorum verdickt 
sich und erhärtet nach der Blüthezeit nebst den 
gleichfalls persistirenden, epigynischen 3 Fila- 
menten, während die Laminartheile der Corolle 
frühzeitig zerstört werden. Die Eier sind in der 



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s 

Linne'schen Art freilich nicht mit einem Schna- 
belfortsatz versehen, und die Blumenblätter, die 
in Gaudichaud's Abbildungen tubulöse Anhänge 
zeigen, sind wahrscheinlich nackt: allein diese 
Charaktere haben auch in anderen Gattungen 
keinen generischen Werth und der Habitus ist 
übereinstimmend. Nach Rudge's Abbildung sei- 
ner Bromelia longifolia, zu welcher Lindley's 
Homonym indessen nicht gehört , ist diese Art 
vielleicht ebenfalls eine Chevalliera. 

Aechmea R. P. (non Brongn.). Die ur- 
sprüngliche Art ist mir nur aus der Abbildung 
der peruvianischen Flora bekannt : indessen halte 
ich, der Ansicht v. Martins' und Sir W. Hooker*s 
folgend, Hoplophytum Beer's und C. Koch's für 
dieselbe Gattung, welche habituell an den Gran- 
nen oder Domen, in welche die Brakteen und 
gewöhnlich auch die Kelchlappen auslaufen, leicht 
erkannt wird. Brongniart hat Beer's Lampro- 
coccus von Ruiz' und Pavon's Aechmea für nicht 
verschieden erklärt:- diese Gattung, von der 
gleich die Rede sein wird, steht Billbergia nahe, 
und ich vermuthe daher , dass Brongniart von 
Aechmea eine abweichende Ansicht hegt. Sollte 
es sich indessen auch nicht bestätigen , dass 
Hoplophytum und Aechmea identisch sind, so 
würde doch der erstere Name vor anderen , äl- 
teren Synonymen zurückstehen. Dahin gehört 
namentlich Gaudichaud's Pironneaua, die genau 
den typischen Arten meiner Aechmea entspricht, 
und die, wiewohl nicht beschrieben, doch durch 
seine treffliche Analyse vollständig begründet ist. 
Noch weit älter ist ferner Hohenbergia Schult., 
deren beide voranstehenden Arten (H. stellata 
und capitata) nach der Beschreibung Aechmeen 
sind: die dritte (H. strobilacea) , welche einem 
nahe verwandten Typus angehört, kann hingegen 

1* 

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nicht in Betracht kommen, da Klotzsch auf die- 
selbe seine Gattung Acanthostachys gegründet 
hat. Die, wie es scheint, zahlreichen Arten von 
Aechmea, von denen allein fünf das britische 
Westindien bewohnen, unterscheiden sich von 
Bromelia, unter welcher Gattung sie bei Linne 
und Swartz eingeschlossen waren , dadurch dass 
drei Staminen den Blumenblättern hoch ange- 
wachsen sind und dass die letzteren zwei Ligu- 
larschuppen besitzen : ferner stimmen die von 
mir verglichenen Formen darin überein, dass die 
Antheren incumbiren und die -Narben gedreht 
sind, sowie dass die Kelchföhre über das Ova- 
rium hinausreicht, wodurch die connivirenden 
Blumenblätter perigynisch werden. Ihre Frucht 
wird als trockene Beere beschrieben, üebrigens 
lassen sich mehrere Sectionen unterscheiden, für 
deren Bezeichnung ich zum Theil die oben er- 
wähnten Synonyme verwende : 

Sect. 1. Pironneaua Gaudich. Die Schuppen 
der Blumenblätter stehen weit von der Basis 
derselben entfernt, dem Insertionspunkte des 
epipetalischen Stamens genähert. Die Kelchlap- 
pen sind begrannt. — Dahin gehört P. glome- 
rata Gaudich. und eine neue Art aus Westindien. 

Sect. 2. Hohenbergia Schult. Die Schuppen 
stehen an der Basis der Blumenblätter, entfernt 
von dem Insertionspunkte des epipetalischen Sta- 
mens ; die Kelchlappen sind begrannt. — Be- 
kannte, westindische Arten sind: Bromelia pa- 
niculigera Rchb. (non Sw.), die ich nach C. Kodi's 
Andeutung über deren ältesten Bezeichnung bei 
Salisbury A. aquilega nenne, ferner Bromelia 
bracteata Sw. und B. paniculigera Sw. (Bot. 
mag. t. 3304;. 

Sect. 3. Haplaechmia. Die zerschlitzten 
Schuppen der Blumenblätter stehen, wie die epi- 

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5 

petälischen Saminen, unterhalb der Mitte des 
Unguis; die Kelchlappen sind grannenlos, aber 
kurz zugespitzt. — Diese Section nähert sich 
durch ihre einfache Aehre Billbergia: sie ist 
durch die Bromelia nudicaulis L. bezeichnet, 
welche Lindley und Schultes zu Billbergia ge- 
zogen haben. 

WahrscheinUch wird Quesnelia Gaudich. eine 
vierte Section von Aechmea bilden. 

Macrochordium Vries. steht Aechmea sehr 
nahe , hat aber aufrechte , leicht zusammenhän- 
gende Antheren, kurze, nicht gewundene Narben, 
und stumpfe, fleischige Kelchlappen. 

Acanthostachys Kl. ist ebenfalls von 
Aechmea vielmehr habituell, als durch bedeu- 
tende Merkmale unterschieden: ihre Kelchlappen, 
sind, wie in dieser Gattung, mucronirt, aber die 
aufrechten Narben sind nicht gedreht, und die 
Ovarium- Fächer enthalten nur zwei, lang -ge- 
schnäbelte Eier. 

BillbergiaL. und Lamprococcus Beer. 
Diese beiden, nahe verwandten Typen weichen 
von den vorigen Gattungen dadurch ab, dass 
alle sechs Staminen von den Blumenblättern völ- 
lig getrennt bleiben oder nur mit ihrer Basis 
verbunden sind; von Bromelia unterscheiden sie 
sich durch die Ligularschuppcn der Blumenblät- 
ter. Bei Lamprococcus ist die Kelchröhre, wie 
bei Aechmea, weit über das Ovarium hervorge- 
trieben: deshalb wird hier die Insertion der 
Blumenblätter und Staminen perigjmisch, die bei 
Billbergia epigynisch ist. Sodann hat Billbergia 
gedrehte, Lamprococcus aufrechte Narben. Von 
Aechmea unterscheidet sich Lamprococcus durch 
6 perigynische Staminen, aufrechte Narben und 
dadurch, dass der kurz Szähnige, gefärbte Kelch 
nicht durch Bräkteen gestützt wird, wie ich aus 



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6 

dem Bau der bekannten Hauptart (Brongniart's 
A. fiügens) entnehme. 

Brocchinia Schult, und Pitcairnia THer. 
Die hemiepigynischen Staminen , wodurch diese 
beiden Gattungen von den übrigen abweichen, 
geben keinen genügenden Grund, sie von den 
Tillandsieen zu trennen, da auch bei ihnen die 
Frucht eine aufspringende Kapsel ist und Annähe- 
rungen an die Verbindung der Kelchröhre mit 
dem unteren Theile derselben bei Tillandsia nicht 
selten sind. Zu Brocchinia ziehe ich ^ine west- 
indische Bromeliacee, die mit der unrichtigen 
Bezeichnung »Bromelia paniculigera« in der 
Swartz'schen Sammlung zu Stockholm sich be- 
findet, aber durchaus nicht mit der Beschreibung 
der gleichnamigen Pflanze bei Swartz überein- 
stimmt. Ich kenne indessen ihre Frucht nicht, 
die bei Brocchinia nur an der inneren Seite der 
freien Spitze sich öffnen soll, während die Kap- 
sel von Pitcairnia durch Trennung der Disse- 
pimente in drei, längere Zeit geschlossen blei- 
bende Stücke sich absondert. Meine Brocchinia 
weicht auch durch den Bau der Blumenkrone 
und der Staminen bedeutend von Pitcairnia ab. 

Tillandsia L. Vielfache Versuche sind ge- 
macht worden, diese grosse Gattung in mehrere 
natürliche Bestandtheile aufzulösen: allein so 
•scharf sich habituell verbundene Reihen von Ar- 
ten absondern lassen, so ist es mir doch bis 
jetzt nur in wenigen Fällen gelungen, hinläng- 
liche generische Charaktere aufzufinden, so dass 
ich mich genöthigt sehe, Vriesea, Strepsis, so- 
wie die von C. Koch und Beer aufgestellten Gat- 
tungen wieder mit Tillandsia zu vereinigen, in- 
dem ich ihnen zum Theil den Werth von Sec- 
tionön lasse. Alle diese Formen stimmen in der 
septidden Kapsel und in den langen, aufrechten. 



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gewöhnlich, aber nicht in allen Fällen in Haare 
sich auflösenden Funiculis überein. Lindley 
glaubte Yriesea auf die Adhaesion der Basis des 
Ovariums an die Kelchröhre , so wie auf Ligu- 
larschuppen der Blumenkrone begründen zu kön- 
nen : was den ersteren Charakter betrifft, so hat 
er keine Bedeutung, wenn die Verwachsung nur 
in einer leichten Einsenkung besteht und nicht, 
" wie bei Pitcaimia , einen bedeutenden Theil der 
Kapsel ergreift und das Ovarium von TiUandsia 
flexuosa Sw. (T. aloifolia Hook.) ist in dieser 
Beziehung gerade so gebildet, wie das der Vrie- 
sea glutinosa Lindl., von welcher ich Lindley 
selbst ein Originalexemplar verdanke ; diese letz- 
tere Art aber besitzt ausgezeichnete Ligular- 
schuppen und hierin einen bei TiUandsia unge- 
mein seltenen Charakter, den ich in einer von 
Wendland in Costarica entdeckten, ausgezeich- 
netea, neuen Art wieder fand, die im Herren- 
häuser Garten blühte und mir vom Entdecker 
lebend mitgetheilt ward: allein die Blumenblät- 
ter sind onne Ligular - Anhang bei Vriesea gi- 
gantea und vier neuen Arten Westindiens, Sie 
sämmtlich habituell sich unmittelbar an V. glu- 
tinosa anschliessen und mit dieser zu derselben 
Section vereinigt werden müssen. Die Stellung 
der Laminartheile der Blumenkrone, sowie die 
in verschiedenen Organen der Blüthe vorkom- 
menden Torsionen sind gleichfalls von keiner 
generischen Bedeutung. Die Narben, welche- 
grosse Verschiedenheiten des Baus und der Rich- 
tung zeigen , müssen indessen an lebenden Pflan- 
zen in dieser Beziehung durchgreifend verglichen 
werden, da mehrere EigenthümUchkeiten dersel- 
lien an trockenen Exemplaren sich nicht mehr 
genau erkennen lassen und bis jetzt im Verhält- 
niss zum Umfange der Gattung nur wenige Ar- 

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ten in die europäischen Gewächshäuser einge- 
führt worden sind. Es scheint jedoch, dasö, 
wenn bei den Ananasseen auf die Narben und 
überhaupt auf den Bau der Blüthe ein grosses 
Gewicht bei der Charakteristik der Gattungen 
gelegt werden muss, bei den Tillandsieen hinge- 
gen nicht die Blüthe , sondern die Frucht durch 
die verschiedenartigen Nonnen ihrer Dehiscenz 
I und des Samenbaus die natürliche Gliederung 
der Gruppe begründet. So finde ich bei allen 
von mir untersuchten Tillandsia-Samen (vielleicht 
von 30 Arten) den Embryo frei unterhalb des 
Albumens liegend, wie Brongniart ihn zuerst im 
Kupferwerk der Coquille bei seiner T. bicolor 
beschrieb, und wodurch eine Annäherung dieser 
Gattung an die Xyrideen angedeutet erscheint. 
Wenn sich ferner der Funiculus in Haare auf- 
löst, so bleiben dieselben stets an dessen Grunde 
befestigt und breiten sich von hieraus, wie ein 
Pappus wirkend, aus : die Tillandsia-Arten, denen 
dieser Apparat fehlt und wo der Funiculus un- 
getheilt bleibt, bilden indessen keine natürliche 
Reihe, so dass sich nicht einmal Sectionen dar- 
auf gründen lassen. Die erste Anomalie dieser 
Art beschrieb v. Martins bei seiner T. pityphylla, 
die wahrscheinlich mit T. pulchella Hook, zu- 
sammenfällt: hier und in einer anderen Art der 
Section Anoplophytum-, sowie auch in zwei, un- 
ten beschriebenen Arten von Platystachys und 
zwei anderen, die zu der neuen Section Cono- 
stachys gehören, fand ich denselben Bau wieder, 
ohne doch behaupten zu wollen, dass nicht eine 
Faserung des Funiculus in einigen dieser Fälle 
vielleicht noch in einer späteren Zeit eintreten 
könnte. Endlich ist auch die Zahl der Samen, 
durch deren Reduktion T. usneoides sich aus- 
zeichnet, hier kein zu generischen Trennungen 

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geeignetes Merkmal: denn es variirt in dieser 
Art selbst bis zu einem gewissen Grade, indem 
jedes Kapselfach bald 6, bald nur 3 Samen ent- 
hält, und T. recurvata L. bildet zwischen jener 
und den übrigen Tillandsien einen deutlichen 
Uebergang. Die Sectionen von Tillandsia, cha- 
rakterisire ich hauptsächlich nach habituellen 
Merkmalen und nach der Entwickelung der Fila- 
mente , der Antheren und der Narben. 

Guzmannia R. P. und Caraguata Plum. 
Diese Gattungen kann ich nicht ohne gewichtige 
Bedenken als selbständig anerkennen, indem sie 
vielleicht nicht hinlänglich von Tillandsia ge- 
schieden sind. Guzmannia hat zwar den be- 
stimmten Charakter verwachsener Antheren, 
stimmt aber habituell mit Tillandsia überein, wo 
sie sich an die Section Conostachys nahe an- 
schliessen würde. Was hingegen Caraguata be- 
trifft, so verhält sich diese Gattung entgegenge- 
setzt. Sie erscheint habituell durchaus eigen- 
thümlich, aber ihre Charakteristik, die sympeta- 
lische Blumenkrone mit der epipetalischen In- 
sertion der Staminen auf der Mündung ihrer 
cylindrischen Röhre, genügt vielleicht nicht, um 
ihre Selbständigkeit zu begründen. Denn bei 
Tillandsia vittata Linden's , die zu Conostachys 
gehört und keine Verwandtschaft mit Caraguata 
zeigt, finde ich die üngues petalorum unten zu- 
sammenhängend und hier mit den Filamenten 
verwachsen : oben sind sie von einander getrennt, 
dann aber verbinden sich die abstehenden La- 
minarplatten an ihrem Grunde zu einer zweiten 
Röhrenbildung von etwa 4'" Länge. Ferner be- 
sitzt Tillandsia xiphioides nach der Abbildung 
im Botanical register eine sympetalische Blu- 
menkrone: doch bildet sie, wenn ihre einfache, 
keulenförmige, mit fadenförmigen Anhängen ver- 

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10 

sehenen Narbe richtig dargestellt ist, vielleicht 
ebenfalls eine besondere Gattung. 

Catopsis Gr. Gut begründet ist die von 
Klotzsch vorgeschlagene Absonderung mehrerer 
Tillandsien und die aus ihnen gebildete Gattung 
Tussacia, die ich indessen wegen der Priorität 
der gleichnamigen Gattung Reichenbach's mit 
dem Namen Catopsis bezeichne, der sich auf die 
Stellung ihrer Samen bezieht, wodurch sie sich 
von Tillandsia unterscheidet. Hier sind nämlich 
die Funiculi gebogen imd die Samen hängen 
daher herab. Ausserdem sind die Pappushaare 
amHilum befestigt und breiten sich von diesem 
Punkte, also in entgegengesetzter Richtung wie 
bei den Tillandsien aus. Zur Zeit der Blüthe 
kann man die Gattung an den fast völlig sitzen* 
den Narben erkennen. 

Neumannia Brongn. hat die septicide 
ICapsel von Tillandsia, aber Schnabelfortsätze 
an den Eiern, die am Samen lang auswachsen, 
und nähert sich Pitcairnia im Habitus : so fand 
ich im hiesigen Garten eine Art unter dem Na- 
men Pitcairnia densiflora, die eine einfache 
Schuppe am Grunde der Blumenblätter trägt. 

Puya Mol. unterscheidet sich von den vori- 
gen Gattungen durch ihre loculicide Kapsel. 

Uebersicht der untersuchten Gat- 
tungen. 

Trib. I. Ananasseae. Ovarium inferum. 
Fructus baccatus v. indehiscens. 

1. Ananassa Lindl. Sjncaipium bacca- 
tum, rosula foliorum coronatum. 

2. Nidularium Lern. Stamina feuci co- 
roUae sympetalae inserta. 

3. !BromeliaL. Petala distincta, nuda. 

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11 

Stamina omnia epigyna; antherae ereotae, sagit- 
tatae. Bacca polysperma. 

4. Chevalliera Gaudich. Petala distincta, 
unguibus induratis persistentibus. Stamina 3 
epigyna, 3 epipetala et a basi petali distantia; 
antherae incnrnbentes. Stigmata conniventia, 
stricta. Bacca polysperma. 

5. Aechmea R. P. Petala distincta, intus 
2squamata , perigyna v. rarius epigyna. Stamina 
3 cum petalis inserta, 3 epipetala et a basi pe- 
tali distantia; antherae incumbentes. Stigmata 
convoluta. Bacca »sicca«, polysperma. 

6. Macrochordium Vries. Petala di- 
stincta, intus 2squamata, epigyna. Stamina 3 
epigyna, 3 epipetala et a basi petali distantia; 
antherae erectae, leviter cohaerentes. Stigmata 
brevia, stricta. Bacca sicca, polysperma. 

7. Acanthostachys Kl. Petala distincta, 
intus 2squamata , epigyna. Stamina 3 epigyna, 
3 epipetala et a basi petali distantia. Stigmata 
erecta, longiuscula; ovarii loculi 2ovulati, ovulis 
rostratis. 

8. Billbergia Thunb. Petala distincta, 
intus 2squamata, epigyna. Stamina omnia epi- 
gyna V. coroUae basi approximata. Stigmata 
convoluta. 

9. Lamprococcus Beer. Petala distincta, 
intus 2squamata, perigyna. Stamina cum peta- 
lis inserta. Stigmata erecta. 

Trib. n. Tillandsieae. Ovarium superum 
V. infeme adnatum. Pericarpium capsulare. 

10. Brocchinia Schult. Petala basi di- 
stincta, medio staminibus monadelphis hemiepi- 
gynis adhaerentia. Capsula »apice intus dehi- 
scens«. 

. 11. Pitcairnia l'Her. Petala distincta, 



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12 

saepius basi Isquamata. Stamina hemiepigyna. 
Capsula 3cocca, coccis intus dehiscentibus. 

12. Neumannia Brongn. Petala distincta. 
Stamina hypogyna v. fere hypogyna. Capsula 
8epticida, seminibus rostratis. 

13. Puya Mot. Petala distincta. Stamina 
hypogyna. Capsula loculicida. 

14. Tillandsia L. Petala plerumque di- 
stincta. Stamina hypogyna v. fere hypogyna. 
Capsula septicida; funiculi erecti, plerumque in 
pappum a basi eorum radiantem soluti; embryo 
infra albumen. 

15. Guzmannia R. P. Char. Tillandsiae, 
sed antherae connatae. 

16. Caraguata Plum. Char. Tillandsiae, 
sed stamina fauci corollae sympetalae inserta. 

17. Catopsis Gr. Char. Tillandsiae, sed 
Stigmata subsessilia, et funiculi incurvi, in pap- 
pum a hilo radiantem soluti, semine pendulo. 

Verzeichniss der vonFendler in Venezuela 

und von Kegel in Surinam gesammelten 

Bromeliaceen. 

1. Nidularium alboroseum Gr. (n. sp.) 
foliis (3' — 4' longis) glaucovirentibus acuminatis 
infra medium attenuatis superne spinuloso-serru- 
latis: serraturis deorsum sensim remotioribus ; 
capitulis foliosis breviter pedunculatis folia invo- 
lucrantia subulato-elliptica subaequantibus : brac- 
teis calycem aequantibus ; calyce glabro : lobis 
lanceolato - acuminatis tubo aequilongis corollae 
tubum aequantibus ; corolla »alborosea« : lobis 
oblongo-lanceolatis tubo duplo brevioribus erecto- 
patentibus. — Hab. in montibus pr. Tovar alt. 
7500': Feudi, nr. 1521. 

2. Bromelia chrysantha Jacq. ht. schoenbr. 



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18 

1. t. 55. — ' Hab. in terra, inter La Victoria et 
Biscaina alt. 2200' : Fendl. nr. 2574. 

3. Chevalliera lingulata Gr. Sjrn. Bromelia 
L. Hab. Surinam, in truncis arborum vetustis: 
Keg. nr. 938: »flores albidi«. 

4. Aechmea aquilega Gr. Fl. Ind. occ. p. 592. 
(ined.). (Syn. Bromelia paniculigera et capituli- 
gera Rehb. exot. t. 239. 240. Hoplophytum 
bracteatum C. Kch. [exclus. syn. Sw.]). — Hab. 
pr. La Victoria alt. 2500': Fendl. nr. 2451; in 
arboribus Guianae : Keg. nr. 941. 

5. A. paniculigera Gr. 1. c. p. 593. (Syn. 
Bromelia Sw. Billbergia purpureorosea Hook. 
Bot. mag. t. 3304.) Formae exstant duae : a. 
conformis jamaicensi et Hookerianae, floribus 
majoribus, extimis cymulamm spiculis saepe ce- 
nuflexo - scorpioideis ; b. floribus minoribus, ple- 
risque in cymulas dichotoraas dispositis. — Hab. 
a. inter Petaquiu et Tovar, alt. 7000': Fendl. 
nr. 2454 ; b. inter Petaquiu et litus alt. 3000' : 
Fendl. nr. 2453. 

6. A. spicata Mart. Variat bracteis roseis 
et coccineis. — Hab. Surinam : Keg. nr. 343. 
1207. 

7. Macrochordium tinctorium Vries. — Hab. 
pr. Guigue alt. 3000': Fendl nr. 1352. 

8. M. melananthum Beer. — Hab. Surinam, 
ad radices arborum : Keg. nr. 1373. 

9. Billbergia filicaulis Gr. (n. sp.) foliis 
rosulatis oblongis apice mucronato - rotundatis 
integerrimis gcapo longissimo (4 — öpedali) pen- 
dulo filiformi duplo brevioribus; racemo inter- 
rupto, infeme composito: pedicellis flori subae- 
quilongis, superioribus fasciculatis : bracteis mem- 
branaceis deciduis oblongo-lanceolatis pedicello 
brevioribus; calycis tubo basi bracteolato : brac- 
teolis 2 minutis subrotundis basi connatis; pe- 



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14 

talis basi bisquamatis calycis lobos tubo duplo 
' longibres subaequantibus. — Hab. versus Valen- 
ciam alt. 5000':Fendl. nr. 2452. ' 

10. Pitcairnia angustifolia Ait. — Hab. Su- 
rinam , in truncis putridis : Keg. 1097. 

11. P. bromelifolia THer. var. platyphylla 
Schrad. — Hab. inter Caracas et La Guayra, 
alt. 1500':Fendl. 1550. 

12. P. exscapa Hook. var. albiflora. — Hab. 
pr. Tovar, in rupibus, alt. 6000'— 6700' : Feudi. 
nr. 1520. 

13. Neumannia Altensteinii Gr. (Syn. Puya 
Lk. Kl. Ott. Lamproconus v. Pitcairnia Lern.) 
Capsulae maturae a cl. Fendler missae septici- 
dae, valvis demum planiusculis (ut in Tillandsia), 
semina appendice terminali longissima fulva in- 
structa, folia mediane distincto subtus prominulo 
percursa, ima petiolata genus verum indicant. — 
Hab. inter Maracai etChoroni, alt. 2500'— 3000' : 
Feudi, nr. 1529, 2164. 

14. Puya Bonplandiana Schult, var. floribus 
purpureis. — Hab. pr. La Victoria, alt. 2000': 
Feudi, nr. 2161. 

Tillandsia. Sect. 1. Platystachys C. Kch. 
Spica disticha. Filamenta supeme torta: anthe- 
rae incumbentes. — Folia in angustum acumen 
excurrentia, saepe lepidota. 

15. T. setacea Sw. ! (non Hook.). — Hab. 
in convalle S. Carlos, alt. 3500': Feudi. 1532. 

16. T. coerulea Kth. (ex descr.) differt a 
praecedente foliis paullo latioribuSf exterioribus 
expansis, floribus remotiusculis , bracteolis an- 
gustioribus acuminatis: T. conspersam Miq. de- 
scriptione distinguere nequeo. — Hab. pr. Bis- 
caina, alt. 3000': Feudi, nr. 1533. 

17. T. xiphostachys Gr. (Syn. Vriesea Hook. 
Bot. mag. t. 5287.) Affinis T. compressae Ber- 



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15 

ter. (T. setaceae Hook), bracteolarum apice por- 
recto distinguenda. — Hab. inter Petaquire et 
Utus, alt. 3000':Fendl. nr. 3447. 

18. T. angustifolia Sw.l — Hab. pr. Bis- 
caina , alt. 3000' : Fendl. nr. 1528. 

19. T. narthecioides Prl. — Hab. Surinam, 
in sylvis umbrosis : Keg. nr. 823. 

20. T. robust a Gr. (n. sp.) foliis e basi 
dcltoidea in acumen tenue convolutum sensim at- 
tenuatis erectiusculis incano - lepidotis caule ro- 
busto stricto quadruplo brevioribus; spica com- 
posita: ramis erecto - patentibus paucis distanti- 
bus centrali spicae aequilongis : bracteolis (IV2" 
— 2"longis) disticho-imbricatis^internodio demum 
conspicuo multo longioribus oblongo-lanceolatis 
acutiusculis nudis calyce ter, Capsula ^/s longio- 
ribus; sepalis 3 distinctis, oblongo-lanceolatis 
breviter acuminatis coroUa plus duplo superatis. 
—- Hab. pr. Biscaina, alt. 3000' ; Fendl. or. 1525. 

21. T. Kunthiai^a Gaudich. Bonite t. 53. 
Ab icone parum nostra differt petalis obtusius- 
culis , variat spicis paucis v. solitariis. — Hab. 
in convalle pr. S. Carlos , alt. 3500' : Fendl. nr. 
3527 : »flores purpurei« ; eandem in Cuba litorali 
legit Rugel. 

22. T. floribunda Kth. A descriptione nostra 
recedit calyce e bracteolis paullulum exserto. — 
Hab. pr. Tovar, alt. 5— 6000' : Fendl. nr. 1530, 
1531 : »flores coerulei, superue albi.« 

23. T. incurva Gr. (n. sp.) foliis lanceo- 
lato - linearibus basi subulatis patenti - incurvis 
cauli supra basin recurvato-pendulo subaequilon- 
gis incano - lepidotis superne convolutis ; spica 
siroplici , caulem longitudine *multo superante : 
bracteolis (1" longis) imbricato - distichis inter- 
nodio ter longioribus oblongis obtusis nudis 
margine membranaceis calyce sesquilongioribus, 



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16 

capsuTä sesquibreioribus ; sepaKs 3 distinctis ob- 
longis obtusiusculis ; seminibus epapposis. — 
Hab. pr. Tovar, alt. 6000' : JFendl. nr. 1524. 

24. T. pumila Gr. (n.sp.) foliis convoluto- 
filiformibus e basi subulata recurvo - flexuosis 
caule nano longioribus lepidotis; spica brevi 
simplici : bracteobs (5'" — 6'" longis) approxima- 
tis squamulosis oblongo-lanceolatis acutis calyce 
paullo longioribus , Capsula duplo brevioribus ; 
sepalis 3 fistinctis, postico oblongo obtuso, la- 
teralibus angustioribus acuminatis ; seminibus 
epapposis. — Habitus T. pruinosae Sw., sed 
squamulae adnatae, non patulae. — Hab. inter 
Maracai et Choroni, alt. 3000' : Fendl. nr. 2163. 

25. T. pruinosa Sw. ! — Hab. pr. Tovar, in 
ramulis arborum , alt. 5000' : Fendl. nr. 2448 : 
»flores libacini«. 

26. T. flexuosa Sw. — Hab. pr. Choroni, 
alt. 500': Fendl. nr. 2451; inter Caracas et La 
Guayra, alt. 1000' : Fendl. nr. 1526; Surinam, 
in ramis Citri et Erythrinae : Keg. nr. 436, 1048. 

27. T. utriculata L. — Hab. inter Maracai 
et Choroni, alt. 6500': Fendl. nr. 2160. 

28. T. parviflora R. P. — Hab. pr. Tovar, 
alt. 7000' : Fendl. nr. 1523. 

29. T. aurantiaca Gr. (n.sp.) foliis su- 
bulato - acuminatis incano - lepidotis erectiusculis 
caule brevioribus ; spicis in paniculam racemifor- 
mem dispositis subSfloris oractea ovata »au- 
rantiaca« cohcava (IV2" — 2" longa) inclusis 
eique aequilongis recurvato-patentibus remotis : 
rhachi rufo-villosiuscula, communi flexuosa ejus- 
que internodiis bractea duplo brevioribus : brac- 
teolis (4'" longis) distichis remotiusculis late 
ovatis acutiusculis calyce Sphyllo obtusiusculo V^ 
brevioribus et cum eadem pubescentibus. — 
Proxima T. parviflorae, sed bracteae multo ma- 



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jores, inferiores bipollicares. — Hab. inter Pe- 
taquire et Coriaca, alt. 4500' : Fendl. nr. 2575. 

30. T. elongata Kth. — Hab. pr.Tovar, dt. 
6200':Fendl. nr. 1522: »sexpedalis*. 

Sect. 2. Vriesea Lindl., Gaudich. Spica 
disticha. Filamenta stricta. — Folia lata, ab- 
ruptim apiculata, viridia, squamulis omnino v. 
paene destituta. 

31. T. gracilis Gr. (Syn. Vriesea Gaudich. 
Bonite t. 67.) foliis imis oblongis ajrice mucro- 
nato-rotundatis , caulinis brevioribus sursum de- 
crescentibus patulis; spica ampla laxa simpliciter 
divisa : ramis patentibus : bracteis distantibus in- 
temodium subaequantibus oblonge - lanceolatis 
calycem Sphyllumaequantibus; petalis »flavescen- 
tibus« nudis erectis apice patulis calyce ^/s lon- 
gioribus. — Hab. Surinam, pr. Paramaribo, in 
Mangiferis : Eeg. 924. 

32. T. excelsa Gr. (Fl. Ind. occ. p. 597.) 
var. latifolia. — Hab. pr. Tovar, alt. 6000': 
Fendl. nr. 1516; eandem formam in Cuba orien- 
tali legit 0. Wright (nr. 1522. ej.). 

33. T. Fendleri Gr. (n. sp.) foliis imis ob- 
longis acutis, caulinis decrescentibus , superiori- 
bus bracteiformibus ; spica semel divisa : ramis 
paucis elongatis : bracteis distiche imbricatis 
ovato- oblongis acutis calycem Sphyllum aequan- 
tibus; petalis apice patentibus breviter exsertis. 
— Affinis T. rubrae R. P., sed caulis basi fo- 
liatus. — Hab. inter Caracas et Tovar, alt. 6000' : 
Fendl. 1515: »leaves with minute cross-ridges«. 

34. T. axillaris Gr. (Fl. Ind. occ. p. 597). — 
Hab. pr. Tovar , alt. 6500' — 7500' : Fendl. nr. 
1512, 1513: »flowers blueish-purple«; eandem 
in rupibus montium Jamaicae legit Purdie. 

35. T. spiculosa Gr. (n. sp.) foliis oblon- 
gis breviter acutis squamuliferis , omnibus rosu- 



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latis ; scapo elato paniculato »purpurascente« : 
ramis ad basin usque spicam suam producenti- 
bus , bracteam parvam multo , superantibus di- 
stantibus simplicibus v. in spicas plures inhae- 
quales divisis (spicis 2" — 3" longis) : bracteolis 
distichis subapproximatis (3'"— 5'" longis) inter- 
nodium duplo fere superantibus ovatis obtusius- 
culis dorso convexis calycem aequantibus ; corolla 
aequali apiee patula »violacea« breviter exserta; 
Capsula calycem quadruple superante. — Hab. 
pr. Maya, alt. 4000'; Tovar, alt. 5000'; Inda 
versus Petaquire, alt. 7000':Fendl. nr. 1518, 
1511, 2446. 

36. T. tetrantha R. P. Fl. peruv. t. 265. 
— Hab. pr. Tovar, alt. 6500' : FendL nr. 1509. 

37. T. compacta Gr. (n. sp.) foliis oblongis 
rotundato - mucronatis basi subaequalibus nudis 
virentibus rosulatis scapum subaequantibus ; 
panicula brevi compacta ovata: spicis singulis 
simplicibus latiusculis contiguis sub 4floris brac- 
tea ovata acutiuscula »margine et apice purpu- 
rascente« subinclusis : bracteolis distichis appro- 
ximatis conduplicatis ovatis obtusiusculis calycem 
superantibus (10'" longis); sepalis 2 ad Vs uni- 
tis, tertio oblonge obtuso; corolla parum exserta; 
Capsula calyce pauUo longiori. — Affinis T. 
tetranthae, sed bracteolae duplo majores. — 
Hab. pr. Tovar, alt. 6000' : Fendl. nr. 1508. 

38. T. heliconioides Kth. Specimen capsu- 
liferum : Capsula subsessili calycem duplo excedente 
et foliis breviter acuminatis (nee solum mucro- 
natis) a sequente differt. — Hab. in convalle 
fluminis S. Carlos, alt. 3500': Fendl. nr. 2165. 

39. T. laxa Gr. (n. sp.) foliis oblongis ro- 
tundato-mucronatis basi dilatatis, omnibus rosula- 
tis ; scapo centrali simplici folia demum exce- 
dente spica 5 — 8 flora interrupta terminato : 



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bracteis distichis remotis ovato - oblongis obtu- 
siusculis calyce paullulum superatis; coroUa 
apice expansa calycem demum Sphyllum supe- 
rante; Capsula calycem aequante. — AfBüis vi- 
detur T. psittacinae Hook., sed bracteae sub 
anthesi breviores, pollicares, corolla bipollicaris. 
— Hab. inter Maracai et Choroni , alt. 3000' : 
Fendl. nr. 2166. 

40. T. platynema Gr. (Syn.Vriesea Gaudieb. 
Bonita t. 66). Hab. inter Valencia et Cam- 
panero, alt. 6000': Fendl. nr. 2450. 

Sect. 3. Conostachys Gr. Spica pleio- 
sticha. Antherae incumbentes. — Folia viridia, 
squamulis destituta. 

41. T. acorifolia Gr. (n. sp.) caule basi 
foliato, apice glomerato-spicato ; foliis imis gfa- 
mineis lineari - acuminatis basi breviter dilatatis 
(2' — 2V2' longis, 8'" latis), cauünis multo bre- 
vioribus angustioribus ; glomerulis bracteam lan- 
ceolato - acuminatam inferioribusque remotis in- 
temodium axeos subaequantibus : bracteis 3 — 
pleiostichis subrotundis approximatis Capsula ter 
brevioribus; seminibus papposis. — Hab. pr. 
Tovar, alt. 6500': Fendl. nr. 1771. 

42. T. pleiosticha Gr. (n. sp.) caule basi 
foliato apice plurispicato ; foliis imis oblongis 
breviter acuminatis (2V2' — 3' longis, 2" latis) 
basi dilatatis, caulinis oblonge -lanceolatis acu- 
minatis erecto-patentibus; spicis densifloris ab- 
breviatis remotis , lateralibus bracteam late su- 
bulatam subaequantibus internodio axeos brevio- 
ribus : bracteolis approximatis pleiostichis rotun- 
dato-obtusis calycem aequantibus; Capsula brevi- 
ter exserta. — Hab. in montibus pr. Tovar, alt, 
7000'— 8000' : Fendl. nr. 1514. 

43. T. ventricosa Gr. (n. sp.) foliis imis 
oblongis breviter acuminatis (2" fere latis), cau- 

2* 

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20 

linis brevibus ovato-acutis ^excepto apice brevi 
late ventricosis; spica terminali imbricatim mul- 
tiseriali densiflora oblonga (6" longa), axillari- 
bus brevibus bractea subinclusis: bracteolis 
ovato - subrotundis ; coroUa semiexserta ; Capsula 
calycem et bracteolas aequanto ; seminibus epap- 
posis. — Petala 1" longa, viridilutea : lamina 
oblonga, ungue lanceolato-lineari; Stigmata pa- 
tentia. — Hab in montibus pr. Tovar, alt. 7000' : 
Fendl. nr. 1517. 

44. T. mucronata Gr. (n. sp.) foliis imis 
oblongis mucronato-obtusiusculis (2" latis), cau- 
linis oblongo-lanceolatis decrescentibus; spica so- 
litaria terminali imbricatim multiseriali densiflora 
ovoidea : bracteplis late ovatis, inferioribus mu- 
cronatis coroUam subaequantibus ; Capsula caly- 
cem aequante. — Hab. interMaracai etChoroni, 
alt. 6500': Fendl. nr. 2159. 

Sect. 4. Anoplophytum Beer. Spica 3 — 
östicha. Stamina inclusa : antherae erectae. 
Stigmata patentia. — Folia lepidota, lineari-acu- 
minata, canaliculata. 

45. T. pulchella Hook. (Bot. mag. t. 5229.). 
— Hab. inter Petaquire et Cariaca, alt. 4500': 
Fendl. nr. 2576; forma major in Guiana, pr. 
Geyersberg, in ramis Crescentiae: Keg. nr. 801. 

Sect. V. Diaphoranthema Beer. Spica 
disticha, pauci-(l)flora, pedunculata. Filamenta 
stricta, inclusa: antherae erectae. Stylus bre vis, 
stigmate obsolete 31obo. — Caulis humilis, folia- 
tus; folia lepidota, disticha. 

46. T. recurvata L. — Hab. pr. Caracas, alt. 
3200': Fendl. 1534; var. spica 3 — 5flora : pr. 
Tovar, alt. 6800': Fendl. nr. 2162. 

Sect. 6. Strepsis Nutt. Pedunculi laterales, 
Iflori. Character setioni^ praecedentis, sed ova- 
rium loculis pauciovulatis et stigmata 3, paten- 



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21 

tia, apice capitata; — Gaules filiformes, penduli, 
ramosi, foliati; folia lepidota, alterna. 

47. T. usneoides L. — Hab. pr. Tovar, alt. 
6000': Fendl. nr. 1535. 

48. Guzmannia tricolor R. P. — Hab. in 
convalle fluminis S. Carlos alt. 3500' : Fendl. nr. 
1510: »leaves striped with ölongated, brown 
spots.« 

49. Caraguata lingulata Lindl. — Hab. Su- 
rinam in arboribus sylvarnm pr. Geyerslyt:Keg. 
nr. 415; var. foliis angustioribus (10'" latis) bre- 
viter acuminatis, bracteis quoque angustioribus: 
pr. Paramaribo : Keg. nr. 822. 

50. C. coriostachya Gr. (n. sp.) foliis 
oblongis acutis, imis caulem sesquipedalem sub- 
aequantibus ; spica terminali densa oblonga (4" 
longa) : bracteis coriaceis nitidis subrotundo-del- 
toideis flores subaequantibus (8'"— 10'" diam.) ; 
sepalis coriaceis oblongo-lanceolatis obtusis con- 
volutis corollae tubum aequantibus; coroUae lo- 
bis expansis elliptico- oblongis obtusis tubo cla- 
vato duplo brevioribus ; antheris oblongis, alternis 
filamento brevi longioribus. — Hab. inter Ma- 
racai et Choroni, alt. 4000': Fendl. nr. 2167. 

51. Catopsis fulgens Gr. (Syn. TussaciaKl.). 
Variat spica simplici. — Hab. pr. Caracas, alt. 
3000' : Fendl. nr. 1507 : »flores lutei.« 

52. ,C. nitida Gr. (Syn. Tillandsia Hook.l). 
— Hab. passim in ramis Crescentiae pr. Para- 
maribo et in arenosis pr. Saron:Kcg. nr. 1272, 
864: »flores exigui, albi.« 



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lieber einen in Russland von Herrn 

Korsakoff beobachteten terrestrischen 

Sonnenhalo, nebst Bemerkungen über 

das krystallisirte Wasser. 

Von Professor Listing. 

Die bekannten, meistens im schleierförmigen 
Cirrostratus vorkommenden farbigen Ringe um 
Sonne und Mond nebst den sie öfters begleiten- 
den Nebensonnen oder Nebenmonden, sowie die 
seltneren daneben auftretenden weissen oder ge- 
färbten Streifen, Kreise und Berührungsbogen 
nehmen ausser der Aufinerksamkeit , die ihnen 
der Meteorologe schenkt, auch ein rein physika- 
lisches Interesse in Anspruch. Fast gleichzeitig 
mit der von Newton gegebenen Theorie des Re- 
genbogens ist für die Erklärung der eben er- 
wähnten Phänomene durch Huyghens (de coronis 
et parheliis) der erste Versuch gemacht worden, 
und wenn auch die hierbei vorausgesetzte cylin- 
drische Gestalt der in hohen Regionen der At- 
mosphäre schwebenden Eisnadeln sich mit den 
Thatsachen der heutigen Krystallographie nicht 
verträgt, so ist es doch nicht mehr zweifelhaft, 
dass der Eiskrystall in der Theorie dieser Er- 
scheinungen eine wesentliche Rolle spielt. Da 
wir nun aber auf dem Wege directer Beobach- 
tung von der Form des festen Wassers nicht 
viel mehr wissen, als dass sie dem isoklinischen 
oder rhomboedrischen Krystallsystem angehört, 
so sind wir — seltsamerweise — zur Ermitte- 
lung der numerischen Daten des krystallisirten 
Wassers wesentlich auf den durch diese optisch- 
meteorologischen Vorkommnisse dargebotenen 
Weg angewiesen, einen Weg, den die Natur 
aber auch nur zu Gunsten dieses einen Körpers 
für uns eröffnet hat. Dieser Weg ist es, wel- 



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23 

chen nachdem die Theorie der fraglichen Er- 
scheinungen seit Huyghens durch Mariotte, Ven- 
turi, Fraunhofer, Brandes, Babinet u. A. unter 
Voraussetzung drei- und sechsseitiger mit gera- 
den Endflächen versehenen Eisprismen weiter 
ausgebildet j¥orden, GaUe in seiner Abhandlung*) 
über Höfe und Nebensonnen betrat. Er gelangt 
zu dem vorläufigen Ergebniss, dass dem Eiskrj- 
stall die Gestalt eine« Dirrhomboeders (ähnhch 
dem Quarz, Beryll u. s. w.) zukomme, dessen Ele- 
mentarwinkel , d. h. die Neigung der Normale 
einer Fläche der sechsseitigen Pyramide gegen 
die Pyramidenaxe 29®40'6 beträgt, und dessen 
Flächen die Combinationskanten des mit geraden 
Endflächen versehenen sechsseitigen Prismas ab- 
stumpfen , demzufolge der Combination nach 
Miller' scher Bezeichnung das Symbol 100, 122, 
111, 2Il zukommen würde. So wenig indess 
gegenwärtig die Theorie des Regenbogens zu 
wünschen übrig lässt, so viel bleibt in der The- 
orie der in Rede stehenden Phänomene und in 
der Bestimmung der Krystallgestalt des Eises 
noch von der Zukunft zu erwarten. Aus diesem 
Grunde haben aber Beobachtungen, welche sich 
auf diese Phänomene beziehen , fortwährend ein 
wissenschaftliches Interesse, zumal wenn sie die 
seltneren Complicationen betreffen, oder, wie es 
bei gegenwärtiger Mittheilung der Fall ist, in 
einer bisher noch wenig oder gar nicht beachte- 
ten Modalität auftreten. 

Eine Beobachtung dieser Art ist mir durch 
Vermittelung des Herrn Dr. Teichmüller von 
Herrn Korsakoff, russischem Ingenieur - Officier, 
mitgetheilt worden. • Sie betrifft die Wahrneh- 
mung eines terrestrischen Sonnenhalos zu 

*) Joggend. Ann. Bd. 49. S. 1. und 241. 

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24 

Tarussowo im Gouvernement Moskau. Am 1. 
(13.) December 1862 wurde daselbst bei Wind- 
stille und klarem Sonnenschein, während sich am 
Himmel leichte Cirfocumuli zeigten, und bei einer 
Temperatur von etwa — 10® E. auf der Ober- 
fläche frisch gefallenen, die Eisdeckö eines Flus- 
ses überkleidenden Schnees ein faroiger Bogen 
von 22® angularem Radius wahrgenommen. Die- 
ser Bogen, dessen Centrum die Sonne bildete, 
änderte mit verändertem Standpunkt des Beob- 
achters seinen Ort, indem er über die Schnee- 
fläche ähnlich einem Spiegelbilde hinzugleiten 
schien. Das Roth bildete den concaven nach 
der Sonne, gekehrten Innenrand, wie beim ge- 
wöhnlichen Halo, hierauf folgte Gelb und lichtes 
Blau. Der Bogen schien aus blitzenden Licht- 
punkten gebildet, wie sie der Schnee im Sonnen- 
schein zu zeigen pflegt, nur dass sie hier nach 
ihren Farben geordnet waren, und zeichnete sich 
mehr durch die blendende Intensität des Glanzes 
als durch die Lebhaftigkeit der Färbung aus. 
Die zur Seite und nach oben gerichteten Enden 
des Bogens zeigten entschiednere Farben, wäh- 
rend der mittlere, tiefer gelegene Theil fast nur 
weiss erschien. Rothe Lichtfunken glitzerten in 
allen Farbenregionen zerstreut, während blaue 
sich weder in den rothen noch in den gelben 
fanden. Im Innenfeld des Bogens erschien der 
Schnee in gedämpftem Weiss ohne Funken, der 
Aussenraum leuchtete in blendend weissem Glänze. 
Der Beobachter mass den Winkel, welchen dieser 
farbige Bogen mit der Sonne bildete, mittelst 
des Sextanten und fand ihn vom Sonnenrand bis 
zum Innenrand des Roth 21®45', und vom Mit- 
telpunkt der Sonne bis zur Mitte des Roth 
22Ö15'. 

Dieser Bogen hatte hiemach ganz das Anse- 



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25 

hen und die Dimension eines Sonnenhalos, der 
ans der Minimalablenkung bei dem Durchgang 
der Sonnenstrahlen durch die Prismen der Schnee- 
krystalle resultiren musste. Die directe Untere 
suchung dieser Krystalle unter dem Mikroskop 
zeigte in der That, dass dieselben zumeist aus 
sechsseitigen Prismen bestanden, am einen Ende 
mit sechsseitigen pyramidalen Zuspitzungen, am 
andern mit geraden Endflächen versehen. Oef- 
ters waren sie unregelmässig sternförmig grup- 
pirt , und von den übrigen sonst gewöhnlichen 
regelmässigen Schneefiguren zeigten sich nur 
spärlich sechsseitige Tafeln. Die in der Mitthei- 
lung enthaltenen Skizzen erläutern die Details 
des Phänomens und die beobachteten, bei 50 
maliger Vergrösserung gezeichneten Formen der 
erwähnten Schneeprismen, deren Länge sich, in 
russischen Tenglischen) Zollen gemessen und in 
metrisches Maass übertragen, auf 0.38 bis 0.66, 
die Dicke auf 0.13 bis 0.19 Millimeter beläuft. 

Dieselbe Erscheinung ist an den zwei fol- 
genden Tagen wahrgenommen, bis alsdann ein 
neuer Schneefall dieselbe verschwinden machte. 
Während des Phänomens war am Himmel keine 
Spur eines Halos wahrnehmbar; auch zeigte sich 
auf der Schneefläche ausser dem Halobogen von 
22^ Radius keiner der bei meteorischen Halos 
sporadisch vorkommenden Kreise, Berührungsbo- 
gen oder Parhelien. 

Die Beobachtung terrestrischer Farbenringe 
um Sonne oder Mond bei hinreichend kleiner 
Höhe des Gestirns über dem Horizont scheint 
geeignet den vorhin bezeichneten indirecten Weg 
zum Studium der Krystallisation des Wassers zu 
erweitern. Man wird fortan bei günstiger Ge- 
legenheit die Aufmerksamkeit auf die neue Art 
des Vorkommens parhelischer Kreise richten, 



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26 

bei welchem die das Phänomen erzeugenden 
Krystalle wenigstens einigermassen der directen 
Untersuchung zugängKch sind, und durch wel- 
ches die spärKche Frequenz der sonstigen Be- 
standtheile der Erscheinung inskünftige mögli- 
cherweise einen Zuwachs gewinnen kann, falls 
am niedergefallenen Schnee oder an bereiften 
Flächen, ähnlich wie an den im ersten Stadium 
der Bildung begriffenen Eiskrystallen in hoher 
Atmosphäre, je nach Umständen diese oder jene 
Combinationsform in überwiegender Mehrzahl 
auftreten sollte. 

Hr. Korsakoff bemerkt seinerseits, dass die 
Beobachtung der Gestalt der Schneekrystalle, die 
das Substrat dieses Halos bildeten, der Erklä- 
rung, welche man für die verschiedenen Halo- 
kreise gibt, eine neue Stütze zu verleihen scheint, 
denn sie zeige erstlich, dass diese Farbenkreise 
wirklich durch Eiskrystalle erzeugt werden,* und 
sodann dass die Form hexagonaler Prismen mit 
Endflächen senkrecht zu ihrer Axe, welche die 
Erklärung der verschiedenen Theile gewöhnlicher 
Halophänomene erforderlich macht, in der That 
diejenige ist, die man vorzugsweise an den Eis- 
krystallen antrifit. 

Aus den an diesem terrestrischen Halo ge- 
messenen Werthen der Minimalablenkung von 
2P45' für den Anfang des Roth, 22n5' für die 
Mitte des Roth und 23^15' (bei einer anderen 
Gelegenheit an einem gewöhnlichen Halo gemes- 
sen) föj den Anfang des Blau berechnet Hr. Kor- 
sakoff nach bekannter Vorschrift die drei ent-' 
sprechenden Brechungsindices des Eises 1.3086, 
1.3151 und 1.3283. 

Brewster setzt iür mittlere Strahlen den In- 
dex des Eises auf 1.309, WoUaston auf 1.310, 
und Fraunhofer nach einer Schätzimg auf 1.32. 



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27 

Eämtz nimmt in Ermangelung directer Messun- 
gen die Dispersion des Eisea der des Wassers 
gleich an und setzt, von der Brewster'schen Zahl 
ausgehend, den Index des Eises für rothe und 
violette Strahlen auf 1.303 und 1.316, welchen 
Werthen sich diejenigen nahe anschliessen , wel- 
che Miller für die einzelnen Farben des Spec- 
trums auffuhrt. Galle leitet aus seinen Messun- 
gen an horizontalen Nebensonnen und unter der 
Annahme, dass das Zerstreuungsverhältniss im 
Eise dem im Wasser proportional sei, folgende 
Indices ab: für B im Roth 1.31171, für den 
hellsten Theil des Spectrums zwischen D und E 
1.31504, für G im Blau 1.32179. Nun ist das 
Eis, weil im rhomboedrischen System krystallisi- 
rend, einaxig doppelbrechend, wenn schon die 
Doppelbrechung, wie ich aus den cyklophanen 
Ringen schliesse, welche Eisplatten im polarisir- 
ten Lichte zeigen , weit schwächer als z. B. im 
Quarz sein dürfte, so dass das ordentliche und 
das ausserordentliche Spectrum eine grosse 
Strecke entlang einander überlagern und Com- 
binationsfarben erzeugen müssen. Die ungenü- 
gende üebereinstimmung der eben aufgeführten 
Indexwerthe zeigt aber, wie mangelhaft zur Zeit 
noch unsere Kenntniss auch hinsichtlich der op- 
tischen Constanten des festen Wassers ist, und 
wie wenig somit bisjetzt die Doppelbrechung des 
Eises in die Theorie der Halophänomene aufge- 
nommen werden konnte, die darin einst eine we- 
sentliche Aufnahme zu beanspruchen hat. In 
der Doppelbrechung und der damit verknüpften 
Uebereinanderlagerung höherer Farben des or- 
dentlichen mit tieferen des ausserordentlichen 
Stahles (im positiv einaxigen Krystall) scheint 
mir übrigens der Grund zu liegen sowohl von 
der verhäitnissmässig geringeren Ausprägung des 



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28 

Grrün in der Farbenreihe des Halos, als von der 
scheinbar grösseren Dispersion, auf welche einige 
obiger Zahlen hindeuten. 

Um den vorhinbezeichneten optisch -meteoro- 
logischen Weg zur krystallometrischen Bestim- 
mung des Eises mit grösserer Sicherheit, als bis- 
her möglich gewesen, betreten zu können, ist 
die Dispersionsmessung sowohl des ordentlichen 
als des ausserordentlichen Sonnenspectrums mit- 
tels eines aus einer Eisplatte geschnittenen Pris- 
mas, dessen Kante auf den natürlichen Flächen 
der Platte senkrecht steht, das nächste Erfor- 
demiss. Ich hoffe, wenn nur durch anhaltende Pe- 
rioden gleichmässigen Frostes und sonnige Tage 
begünstigt, diese intricate Arbeit zur Ausführung 
zu bringen. 

Im Interesse der Theorie der Halophänomene 
benutze ich noch diese Gelegenheit, aus einer 
anderen, in den bei uns wenig bekannten Peters- 
burger Melanges de Physique et de Chimie T. IE. 
veröffentlichten Beobachtung: Description d'un 
Kalo observe ä Toula le 20 et 22 fevrier (4 et 
6 mars) 1858 pär A. Korsakoff (avec 3 planches) 
hervorzuheben, dass die überaus seltene Erschei- 
nung zweier weissen Nebensonnen auf dem durch 
die Sonne gehenden Horizontalkreis in 120® gros- 
sen Azimutalabständen von der Sonne, wie sie 
unter andern bei diesem Phänomen vorgekom- 
men, von Hm. Korsakoff auf doppelte innere 
Reflexion in den sechsseitigen vorzugsweise ver- 
ticalen Eisprismen in vollkommen genügender 
Weise zurückgeführt worden, wobei — was be- 
sonders beachtenswerth — diesen Prismen eine 
so zu sagen rhombotype Gestalt, d. h. ein Quer- 
schnitt beigelegt werden muss, an welchem die 
Distanz eines Paares gegenüberliegender Seiten 
wesentlich grösser ist als die der beiden ande- 



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29 

ren Paare. In der Absonderlichkeit dieser Ge- 
staltung scheint auch in der That die grosse 
Seltenheit solcher Nebensonnen begründet zu 
sein. Wahrscheinlich sind zwei weisse Neben- 
sonnen des bekannten Lowitz'schen Phänomens 
zu Petersburg am 29. Juni 1790, deren Distanz 
von der Sonne (im grössten Kreise gemessen) 
schätzungsweise zu 90^ angegeben wird, mit den 
hier erwähnten gleichbedeutend gewesen. Die 
Rechnung zeigt überdies, dass bei einer Höhe 
der Sonne von 26® über dem Petersburger Ho- 
rizont zwei Punkte des durch die Sonne gehen- 
den Horizontalkreises , deren Distanz von der 
Sonne 90® beträgt, Azimutaldifferenzen unter 
sich und mit der Sonne von 120® besitzen, wenn- 
gleich die von dem Phänomen gegebenen Zeich- 
nungen diesem Azimutalverhältniss nur unvoll- 
kommen entsprechen. 



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30 



Die Meteoriten 

in der üniversitäts - Sammlung zu Göttingen 
am 1. Januar 1864. 

I. Meteorsteine. 





Fall-Zeit 


Localität 


Gewicht 


in Grm.*) 




Datum 


Jahr 


Haupt- 


Zahl der 










stück 


Exemplare 


1 


7. Nov. 


1492 Ensisheim, Elsass . . . 


~TÖ6" 


7 


2 


13. Sept 


1766 Albereto bei Modena . . 


)) 


1 


3 


20. Nov. 


1768Maaerkirchen, Oestreich . 


1^927 


1 


4 


19. Febr. 


1785Eich8tädt, Bayern . . . 


26 


1 


5 


13. Oct. 


1787 Charkow, Russland . . . 


32 


1 


6 


24. Juli 


1790Barbotan, Frankreich . . 


95 


3 


7 


16. Juni 


1794Siena, Toscana 


17 


2 


8 


13. Dec. 


1795 Wold Cottage, England . 


130 


2 


9 


März 


1798Sale8, Frankreich .... 


1 


1 


10 


13. Dec. 


17 98 'Benares, Indien .... 


4 


2 


U 


26. April 


1803;rAigle, Frankreich . . . 


230 


3 


12 


13. Dec. 


1803 


Mässing, Bayern .... 


4 


1 


13 


5. April 


1804 


High PossU, Schottland . 


1,5 


1 


14 


15. März 


1806 


Alais, Frankreich .... 


1 


1 


15 13. Man 


1807 


Timochin, Russland . . . 


10 


2 


16 


14. Dec. 


1807 


Weston, Connecticut, V. St. 


10 


6 


17 


19. April 


1808 


Parma, Italien 


„ 


3 


18 


22. Mai 


1808 


Stannern, Mähren . . . 


249 


5 


19 


3. Sept. 


1808 


Lissa, Böhmen 


5 


2 


20 


Aug. 


1810 


Tipperari, Island . . . 


18 


1 


21 


23. Nov. 


1810 


Charsonville, Frankreich . 


2 


2 


22 


12. März 


1 81 1 Kuleschowka , Russland . 


2 


2 


23 


8. Juli 


]81l|Berlangaillas, Spanien . 


2 


1 


24 


15. April 


1812Erxlebeii, Preussen . . . 


295 


2 


25 


5. Aug. 


1812 Chantonnay, Frankreich . 


201 


3 


26 


10 Sept. 


1813,Limerick, Irland .... 


105 


2 


27 


15. Febr. 


1814'Bachmiit, Russland . . . 


82 


2 


28 


5. Sept. 


1814| 


Agen, Frankreich . . . . | 


35 


4 



*) Gewichte unter 1 Gramm sind nicht angegeben. 



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31 





FaU-Zeit 


LocalitäU 


Gewicht 


in Grm. 




Datum 


Jabr 


Haupt- 


Zahl der 










Stück 


Exemplare 


29 


18. Febr. 


T8f5 


Dnralla, Indien .... 


17 


1 


30 


3. Oct 


1815 


Chassigiiy, Frankreich . . 


5 


5 


31 


Juni 


1818 


Seres, Macedonien . . . .' 


41 


3 


32 


13. Juni 


1819 


Jonzac, Frankreich . . . 


„ 


1 


33 


13. Oct. 


1819 


Politz, Reuss . . . . . 


5 


2 


34 


12. JuU 


1820 


Lixna, Russland .... 


61 


3 


35 


15. Juni 


1821 


Juvinas, Frankreich . . . 


151 


1 


36 


30. xNov. 


1822 


Allahabad, Indien . . . 


6 


1 


37 


10. Febr. 


1825 


Nanjemoy, Maryland, V. St. 


5 


3 


38 


14. Sept. 


1825 


Honolulu, . Sandwich -Inseln 


3,5 


1 


39 


9. Mai 


1827 


Nashville, Tennesee, V. St. 


5 


1 


40 


5. Oct. 


1827 


Bialystock, Russland 


»» 


1 


41 


14. Juni 


1828 


Richmond, Virginien, V. St. 


6 


1 


42 


8. Mai 


1829 


Forsyth, Georgia, V. St . 


?» 


1 


43 


18. Juli 


1831 


Vouill^, Frankreich . . . 


14 


1 


44 




1832 


Umbala, Indien .... 


1,5 


2 


45 


11. Nov. 


1836 


Macao, Brasilien .... 


10 


1 


46 


18. April 


1838 


Akbnrpore, Indien . . . 


9 


1 


47 


6. Juni 


1838 


Chandakapoor, Indien 


2,5 


1 


48 


13. Oct. 


1838 


Capland, Afrika .... 


6 


5 


49 


13. Febr. 


1839 


Little Piney, Missouri, V. St. 


1,5 


2 


50 


12. Juni 


1840 


Uden, Holland 


>, 


1 


51 


22. März 


1841 


Grüneberg, Schlesien . . 


1 


2 


52 


12. Juni 


1841 


Chatean-Renard, Frankreich 


324 


1 


53 


26. April 


1842 


Milena, Croatien .... 


11 


2 


54 


25. März 


1843 


Bisbopsville, Süd-Carolina V.St. 


4 


2 


55 


2. Juni 


1843 


Utrecht, Holland .... 


1 


1 


56 


Gefunden 


1846 


Assam, Asien 


»? 


1 


57 


25. Febr. 


1847 


Jowa, V. St 


29 


4 


58 


31. Oct. 


1849 


Cabarras County,Nd.Car.V.St. 


30 


4 


59 


30. Oct. 


1850 


Shalka, Indien .... 


1 


2 


60 


23. Jan. 


1852 


Nellore, Indien .... 


36 


2 


61 


4. Sept. 


1852 


Mezö-Madaras, Siebenbürgen 


38 


2 


62 


Gefunden 


1852 


Mainz, Gr. Hessen . . . 


43 


2 


63 


6. März 


1853Segowlee, Indien . . . 


1 


3 


64 


13. Mai 


1855 


Bremervörde, Hannover . 


2M55 


3 


65 


11. Mai 


1855 


Insel ösel, Russland . . 


14 




66 


7. Juni 


1855 


St. Denis- Westrem, Belgien 


50 




67 


5. Aug. ' 


1855:Petersbiirg, Tennesee, V.St 


5 




68 


Gefunden 


1856|Haiilholz, Weslphalen . . 


134 




69 


12. Nov. 


1856 


Trenzano, Italien . . . 


2,5 





dby Google 



32 



— 


Fall-Z 


eit~~ 


L c a 1 i t ä l. 


Gewich 


L in Grm. 






Haupt- 


Zahl der 




Datum 


Jahr 




Stück 


Exemplare 


7Ö 


28. 'FebrT 


1857 


Parnallee, Indien . . 


80 


4 


71 


1. April 


1857 


Heredia, St. Jos6, Costa Ria 


1 449 


1 


72 


15. April 


1857 


Kaba, Ungarn .... 


1 


2 


73 


10. Od. 


1857 


Ohaba, Siebenbürgen . . 


9 


2 


74 


19. Mai 


1858 


Kakova, Siebenbürgen . 


14 


1 


75 


26. März 


1859 


HarrisoiiCounty,Kentacky,> 


\Si 17 


2 


76 


1. Mai 


1860 


New Concord, Ohio, V.St 


199 


2 


77 


14. Juli 


1860 


Dhnrmsala, Indien . . 


52 


1 


78 


12. Mai 


1861 


Gomkpore, Indien . . 


50 


1 


79 


7. Oct 


1862 


Meno, Neustre 1 itz,. Mecklenburg 


»» 


1 


80 


7. Dec. 


1863 


Tirlemont, Belgien . . 
IL Meteoreisen. 


57 


1 


1 


26. Mai 


1751 


Agram, Croatien . . . 


10 


4 


2 


Gefunden 


1751 


Steinbaoh, Saehsen . . 


10 


i 


.3 


— 


1763'Seiiegal, Afrika . . . 


1 


2 


4 


— 


1776 


Krasnojarsk, Sibirien . 


223 


15 


5 


— ■ 


1784 


Toluca, Mexico . . . 


. 2^.25 


12 


6 


— 


1788 


Tncuman, Arg.Rep. Süd-Amr 


• »> 


1 


7 


— 


1792 


l^acatecas, Mexico . . 


48 


1 


8 


— 


1801 


Capland, Africa . . . 


14 


4 


9 


— 


1811 


Elbogen, Bohnen . . 


34 


4 


10 


— 


1811 


Durango, Mexico . . . 


50 


1 


11 


— 


1814 


Texas, Red River . . . 


8 


2 


12 


— 


1814 


Scriba, Oswego C. V. St. 


17 


2 


13 


— 


1815|Lenarto, Ungarn . . . 


51 


4 


14 


— 


1816 


Babia, (Bemdego) Brasüien 


257 


4 


15 


— 


1818 


Green-Connty, Tennesee, V.S 


»t. 69 


2 


16 


— 


1819 


Burlington, Neuyork, V. St 


62 


1 


11 


— - 


1819 


Grönland, Bamnsbai (V.Sabine 


) 


1 


18 


— 


1822 


Brahin, Russland . . . 


17 


1 


19 


— 


1823 


Rasgata, Neu-Granada . 


5 


1 


20 


— 


1827 


Atacama, Bolivia . . . 


1^.840 


7 


21 


— 


1829Bohtimilitz, Bühmen . 


31 


1 


22 


— 


1830 


Gnilford , Nord - Carolina 


8 


1 


23 


— 


1839 


Asbville , Nord-Carolina V. St 


»» 


1 


24 


— 


1840 


Cartbago, Tennesee, St. V. 


22 


1 


25 


— 


1840 


CokeCounty,Cosby, Ten- 












nesee V. St 


25 


3 


26 


— 


1840 


Smitbland, Livingston C. 












Kentucky, V. St 


8 


1 


27 


— 


1840 


Hemalga, Chiü . . . . 


» 


1 



dby Google 



Fall -Zeil 



Datum 



Jahr 



33 



L ca 1 i t ä t 



Gefallen 
Gefunden 



1844 
1845 
1847 
1847 
1849 
1850 
1850 
1850 
1850 
1851 
1853 
1854 
1854 
1854 
1854 
1854 
1856 
1856 
1856 
1856 
1856 
1856 
1857 
1861 
1861 

1861 
1861 

1862 
1863 



Arva, Ungarn 

Lockport, Neu -York, V. St 
14. Juli zu Braunan, Böhmen 
Seeläsgen , Preussen . . . 
Chesteryille, Süd-Carol. V.Sl. 
Schwets, Preussen . . . 
Ruffs Mountain, Söd-Car. V.St. 
Pittsburg , Pennsylvanien, V.St 
Santa Rosa, Mexico . . 
Seneca River, Neu-York, V.St 
Löwenfluss, SadafKka . . 
Tazewell, Tennesee, V. St 
Pntnam-Oonnty, Geoiigia,V.St 
Madoo, Canada, V. St . . 
Tabarz, Thüripgen . . . 
Sarepta, Russland . . . 
Orange River, Südafrika . 
Nebraska, V. St. ... 
Nelson Connty, Kentucky, V.St 
JewellHill, Madison C. V.St 
Denton Connty, Texas . 
Marshall G. Kentucky, V.St 
Tula, Russland .... 
Lagrange, Oldham G. V.St 
Robertson Connty, Ten- 
nesee, V. St 

Rittersgrün, Sachsen . . 
Breitenbach bei Joh.Geor- 

genstadt, Böhmen . . . 
Sierra de Chaco, Atakama 
Obemkirchen, Schanmburg, 

K. Hessen 

Brasilien, 60 Meilen ▼. Bue- 

nos-Ayres. Tucuman? . . 
Paraguay, Paranafluss, von 

einer angeblich 30,000 Pfd. 

schweren Masse (von Sir J. 

Banks) Tucuman? . . . 
Grönland 



Gewicht in Grm. 



Haupt- 
Stück 



Zahl der 
Exemplare 



425 


6 


43 


2 


108 


4 


26 


4 


115 


1 


48 


1 


36 


2 


104 


2 


50 


2 


121 


1 


4 


1 


198 


1 


33 


t 


19 


1 


40 


1 


20 


1 


31 


1 


»» 


1 


48 


1 


3 


1 


26 


1 


142 


1 


7 


1 


383 


2 


28 


t 


63 


2 


22 


1 


3,5 


1 


14 


1 


18 


1 


5 


1 


34 


1 



w. 



dby Google 



34 



Verzeichniss der bei der kön. Gesellschaft 

der Wissenschaften eingegangenen 

Druckschriften. 

Juli 1863. 

Compte - rendu de la commission imperiale archeologique 
pour Taimee 1861. Petersburg 1862. 4. M. Atlas 
in Fol, 

Annuaire de l'observatoire royal deBruxelles par A. Que- 
telet. 1863, 80e annee. Bruxelles 1862. 12. 

— de l'Academie roy. de Belgique 1863. 29e annee. Ebd. 
1863. 12. 

M^moires couronnes et autres memoires pnblies par l'Aca- 
demie roy. Xm. XIV. Ebd. 1862. 8. 

Bulletins de l'Academie roy. 81e annee. 2e serie. XIII. 
XIV. Ebd. 1862. 8. 

Bibliotheque de M.le baron de Stassart, leguee ä l'Acad. 
roy. Ebd. 1863. 8. 

Jac. y. Maerlant, Alexanders geesten, uitgegeven door 
F. A. Snellaert. 2e deel. Ebd. 1861. 8. 

Annale^ de l'observatoire royal de Bruxelles, publies par 
A. Quetelet. XV. Ebd. 1862. 4. 

— des mines. 6e serie. III. 1863, 1. 2. Paris 1863. 8. 
Historia e memorias da Ac^demia real das sciencias de 

Lisboa.. Classe de sciencias moraes, politicas, e bellas- 

lettres. Nova serie. II, 3. Lisboa 1863. 4. 
G. Forchhammer, Oversigt over det k. DaHske Viden- 

skabemes selskabs forban41inger og dets medlemmers 

arbeider i aaret 1862. Ejöbenhavn. 8. 
Det k. Danske Videnskabemes selskabs skriHer. 5e 

raekke. Naturvidenskabelig og mathematisk afdeling. 

V, 2. Ebd. 1861. 4. 
12. Jahresbericikt der naturhistorischen Gesellschaft in- 

Hannover. 1861 - 62. Hannover 1863. 4. 
Jahrbuch d6r k. k. Geologischen Beichsanstalt. 1863. 

Xin, 2. Wien. 8. 



(Fortsetzung folgt). 

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Nachrichten 

von der Königl. Gesellschaft der Wissen- 
schaften und der G. A. Universität zu 
Göttingen. 



Februar 10. M 2- • 1864. 



Ktaigliehe Gesellschaft der WissenchafteM. 

Sitzung am 6. Februar. 

Stern, über die Eigenschaften der negativen periodischen 
KetteDbrüche, welche die Quadratwurzel aus einer gan- 
zen positiven Zahl darstellen. 

W.aitz, über die Quellen dm e^^sten Theils der Annales 
Fuldenses. 

Marme, über die Wirkung des Digitalin auf die^ Herz* 
thätigkeit verschiedener Thiere. 

Beilstein, über die Reduction der Nitrokörper durch 
Zinn und Salzsaure. 

Fittig, über einige Derivate des Phenyls. 

üeber die Wirkung des Digitalin auf 

die Herzthätigkeit verschiedener 

Thiere 

von Dr. Marme. 

(Vorgelegt von Prof. Meissner). 

Seitdem Traube (1. u. 2. Bd. der Annalen 
des Charitekrankenhauses) die bekannte Wirkung 
der Digitalis auf die Herzaction dabin erklärt 
hat, dass massige Gaben entsprechend denjeni- 
gen, wie sie bei Kranken zur Anwendung kom- 
men , erregend auf das regulatorische Nervensy- 
stem des Herzens wirken, grössere Gaben alsbald 

4 

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36 

eine Lähmung desselben Systems bedingen, und 
sehr grosse nicht nur das regulatorische , son- 
dern auch das muskulomotorische Herzfnervensy- 
stem lähmen, sind von verschiedenen Seiten Ex- 
perimente mit Digitalis und DigitaJin angestellt 
worden, welche alle die Traube' sehe Hypothese 
mehr oder weniger bekämpfen, zugleich aber 
untereinander (Stannius, Dybkowsky und 
Pelikan, Lenz, Winogradoff) in mannig- 
fachem Widerspruche stehen. Um diese ver- 
schiedenen Angaben zu prüfen und womöglich 
^ine Vereinigung derselben zu erlangen, gestat- 
tete Herr Professor Meissner mir in seinem 
Laboratorium eine Reihe von Experimenten mit 
Digitalin an verschiedenen Thieren anzustellen, 
deren Resultate sich in Kürze dahin zusammen 
fassen lassen: 

Digitalin wirkt, wenn es gelöst in 
reinem Glycerin 

1. Bei Fröschen subcutan applicirt wird 
in massigen Gaben (0,018 — 0,036 Grm. ver- 
langsamend , 

in grösseren (0,054) anfangs verlangsamend, 

dann beschleunigend, 
in sehr grossen (0,072 u. mehr Grm.) rasch 
verlangsamend und tödtlich lähmend auf 
die Herzaction. 
Der Verlangsamung oder Lähmung der Herz- 
thätigkeit geht nicht etwa eine durch Lähmung 
der vaspmotorischen Nerven bedingte Erweite- 
rung der Gefässe voraus. 

Zu diesen Versuchen dienten Frösche, welche 
mit möglichst wenig Curare (0,0001— 0,0002 Grm.) 
gelähmt waren. 

2. Kaninchen a. subcutan applicirt wird 
in Gaben von 0,010 — 0,020 Grm. vorüber- 
gehend verlangsamend, 



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37 

in grösseren Gaben von 0,080 Grm. erst' 
verlangsamend, dann enorm beschleuni- 
gend und einige Zeit vor dem Tode wie- 
der verlangsamend, 
in sehr grossen Gaben (0,160 Grm.) ver- 
langsamend (kaum beschleunigend) bis 
zum Tode. 

b. in eine Vene injicirt wird 
a. bei intacten Ni. Vagi: 
in kleinen Gaben (0,008 — 0,010 Grm.) ver- 
langsamend und wieder beschleunigend 
wenn und ehe das Thier zu Grunde geht. 
in grossen Gaben meist erst verlangsamend, 
dann beschleunigend und häufig tödtlich 
' ohne nochmalige Verlangsamung. 
in sehr grossen Gaben, falls nicht schon 
nach wenigen Sekunden der Tod erfolgt, 
kaum verlangsamend, sondern enorm be- 
schleunigend und mit dem Tode erst ver- 
langsamend, 
.bisweilen zeigt das Herz selbst 2 Stunden 
nach dem Tode noch schwache, spontane 
Contractionen. 
Durch jede Injection von Digitalin wird 
ausserdem sofort die Respiration wesentlich be- 
einträchtigt. 

ß. nach vorgängiger Durchschnei- 
dung beider Ni. Vagi. 

in kleinen Gaben meist gar nicht und wenn 

doch, ebenso wie 
in grösseren Gaben sehr wenig verlangsamend, 
in sehr grossen Gaben rasch tödtlich. 
y. Die der Injection verlangsamend wirken- 
der Gaben nachfolgende Durchschnei- 
dung beider Ni. Vagi setzt die Verlangsa- 
mung der Herzthätigkeit sofort in enorme Be- 
schleunigung um. 

4* 



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88 

3. Die der Injection vorangehende odef nach- 
folgende alleinige Durchschneidung beider- 
Ni. Sympathie! am Halse ist von unbedeu- 
tendem und unbeständigem Einfluss auf die Di- 
gistalinwirkung. 

Genannte Folgen der Digitalininjection be- 
obachtet man an Kaninchen, welche mit mög- 
liebet wenig Curare gelähmt und mittelst künst- 
licher Respiration am Leben erhalten sind, in 
ganz gleicher Weise wie an nicht gelähmten 
Thierön. 
3. Hunden a. subcutan appliciii; wird 
in Gaben von 0,030 bis 0,060 Grm. ver- 
langsamend; wenn der Tod erfolgt tritt 
vorher Beschleunigung ein. 
in Gaben von 0,120— 0,180 Grm. kurze Zeit 
verlangsamend, bald enorm beschleunigend 
und plötzlich tödtlich. 
b. in eine Vene injicirt wird, 
a. bei intacten Ni. Vagi, 
in kleinen Gaben (0,010 — 0,020 Grm., bei 
sehr grossen Thieren auch 0,030 Grm.) 
verlangsamend , 
in grösseren Gaben (0,030 — 0,050) sehr kurze 
Zeit verlangsamend, dann enorm beschleu- 
nigend und meist ohne nochmalige Ver- 
langsamung tödtlich. 
in sehr grossen Gaben meist sofort beschleu- 
nigend und entweder plötzlich oder nach 
einigen sehr verlangsamten Herzschlägen 
tödtlich. 
Neben der Wirkung auf die Herzthätigkeit 
tritt auch hier immer eine Benachtheiligung der 
Respiration und ausserdem Würgen und Erbre- 
chen auf. 

ß. nach vorgängiger Durchschneidung 
beider Ni. Vagi. 



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39 

in kleinen Gaben nicht verlangsamend, 
in grösseren auch fast immer nicht verlang- 
samend , sondern plötzlich tödtUch , 
in sehr grossen Gaben nach momentaner 

Verlangsamung rasch tödtlich. 
y. Die nachfolgende Durchschneidung 
beider Ni. Vagi hebt sofort jede durch Digi- 
talininjeetion gesetzte Verlangsamung auf. 

Diese sämmtUchen Erscheinungen kommen 
bei Hunden, die mit Curare gelaunt sind und 
solchen, die nicht gelähmt sind, gleichmässig 
zur Beobachtung. 

4. Katzen in eine Vene injicirt wird 
a. bei intacten Ni. Vagi, 
in relativ sehr kleinen Gaben (0,003 — 0,005 

Grm.) schon verlangsamend, 
in grösseren Gaben (0,010 Grm.) erst ver- 
langsamend, dann stark beschlemiigend 
und kurz vor dem Tod wieder verlangsa- 
mend, 
in grossen Gaben (0,020 und mehr Grm.) 
kaum verlangsamend, rasch stark beschleu- 
nigend und tödtlich. 
Benachtheiligung der Respiration, Würgen 
und Erbrechen erfolgen hier wie bei Hunden. 

ß. nach vorgängiger Durchschnei- 
dung beider Ni. Vagi. 

in kleinen Gaben (bis zu 0,005 Grm.) keine 
Verlangsamung oder nur in den ersten 
Momenten eine sehr unbedeutende, 
in tödtlichen Gaben nicht wesentlich ver- 
langsamend bis kurz vor dem Tode. 
y. Die nachfolgende Durchschneidung 
beider Ni. Vagi hebt sofort jede durch Di- 
gitalininjection gesetzte Verlangsamung auf. 

rf. Die der Injection vorangehende oder nach- 
folgende Durchschneidung beider Ni. 

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40 

sympathici am Halse zeigt auch hier einen 
unbecleutenden und unbeständigen Einfluss. 

Bei vorgängiger Lähmung der Thiere mit 
Curare. (0,004 — 0,006 Grm.) und künstlicher 
Bespiration ergaben sich dieselben Besultate. 

5. Misst man den mittleren Blutdruck 
in der Art. Carotis oder Cruralis bei Hunden und 
Katzen vor und nach der Digitalininjection , so 
zeigt sich derselbe ganz gegen Erwarten und im 
Widerspruch mit Traube's Theorie während 
der Verlangsamung der Herzaction 
nicht vermindert, sondern erhöht und 
wieder im Einklang mit Traube's Annahme 
während der Beschleunigung der Herz- 
action noch bedeutender gesteigert. 

Diese Steigerung des mittleren Blutdrucks 
ist unabhängig von der Respirationsstörung und 
den Muskelanstrengungen des Thieres; es zeigt 
nämlich das Manonieter bei Thieren, die mit 
Curare gelähmt sind , ganz gleiche Druckver- 
hältnisse. 

Die genauere Darlegung der Experimente 
soll nach Feststellung der physiologischen Wir- 
kung der Spaltungsproducte des Digitalin an an- 
derer Stelle erfolgen. 



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41 



üeberdie Beduktion vonNitrokörpern 
durch Zinn und Salzsäure. 

Von F. Beil stein. 

(Vorgelegt vom Secretair.) 

Zur Umwandlung der Nitro- in Amido- 
Verbindungen bedient man sich, nach Zinins 
Vorgange, meist des Schwefelwasserstoffs. Doch 
ist die Wirkung des Letzteren nur eine be- 
schränkte, da er meist nur ein einziges Atom 
Untersalpetersäure gegen NH^ auszutauschen ver- 
mag. So kann, nach Girard's Versuchen, in 
der Pikrinsäure, selbst durch anhaltendes Be- 
handeln mit Schwefelwasserstoff, nur ein (NO^) 
gegen (NH*) ausgewechselt werden. Auch pfle- 
gen die entstandenen Reduktionsprodukte meist 
sehr intensiv gefärbt zu sein. Anstatt des 
Schwefelwasserstoffs kann man sich nach Be- 
champ's Versuchen, eines Gemenges von Eisenfeilen 
und Essigsäure bedienen, welches Nitrokörper 
ganz in gleicher Weise wie Ersterer reducirt. 
Diese Methode hat indess nur zur Reduktion von 
nitrirten Kohlenwasserstoffen eine zweckmässige 
Anwendung gefunden. Viel bequemerund in allen 
Fällen anwendbar, ist nun zu diesem Zweck, 
ein Gemenge von Zinn und Salzsäure, dessen 
heftig reducirende Eigenschaften bereits aus ein- 
zelnen Beispielen bekannt sind. Doch lehren 
erst die folgenden Versuche die allgemeine Wir- 
kungsweise dieses Gemenges kennen. 

Mengt man Nitrosalicylsäure mit der 
erforderlichen Menge granulirten Zinns (auf 1 
Molekül Nitrosäure — 6 Atome Zinn) und etwas con- 
centrirter Salzsäure, so findet nach einiger Zeit, 
rascher beim Erwärmen , eine heftige Reaktion 



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statt, nach deren Beendigung alle angewandte 
Nitrosäure in Lösung gegangen ist. Wird die 
stark verdünnte Flüssigkeit durch Schwefelwas- 
serstoff vom Zinn befreit und eingedampft, so 
erhält man Krystalle , welche nach Herrn P. 
Eühner's Analyse salzsaure Amidosalicyl- 
säure sind. 

€7 fi» (»O«) O» + 6Sn + 6H€l = 
€^ H* (»fl«) O» ^ 2 H«0 + 6 Sn€L 
Ebenso fand Herr Kühner, dass Dinitro- 
toluol durch Zinn und Salzsäure sehr leicht 
in Toluylendiamin übergeführt wird, eine 
Base die schon Hofmann durch Behandeln des 
Dinitrotoluols mit Essigsäure und Eisenfeile er- 
halten hat. 

€^ H« (SO^)^ -h 12 Sn + 12 HCl = 
€^ H« (»ft«)2 -f. 4 H^O + 12 &n€l. 

Endlich fand Herr G. Lehmann, dass die 
Krystalle, welche Roussin durch Behandeln der 
Pikrinsäure mit Zinn und Salzsäure erhalten 
hatte, nichts anders sind als 

€« H» (isjH2)3 ^ 3gci + 2SnCl 

also ein Doppelsalz von salzsaurem Pikram- 
min mit Zinnchlorür. Die Pikramminverbin- 
dungen hatte Lautemann durch Beduktion der 
Pikrinsäure mit Jodphosphor dargestellt. Sie 
leiten sich vonder Pikrinsäure in der Art ab, dass 
alle 3 (HO^) der Letzteren durch die aequivalente 
Menge WH^ vertreten sind. 

Aus den vorhergehenden Versuchen crgiebt 
sich eine sehr einfache Folgerung: das Gemenge 
von Zinn und Salzsäure kann als eines der hef- 
tigsten Reduktionsmittel für Nitrokörper ange- 
sehen werden und zwar wirkt dasselbe stets so 
ein, dass sämmtliche üntersalpetersäure 



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43 

durch die aequivalente Menge ÄH^ ver- 
treten wird. 

Ausser in den aufgezählten Fällen wurden 
noch zahlreiche andere Nitrokörper der Behand- 
lung nrit Zinn und Salzsäure unterworfen, und 
stets ein der obigen Regel entsprechendes Re- 
sultat erhalten. 



üeber einige Derivate des Phenyls 
von Dr. Rudolph Fittig. 
(Vorgelegt vom Secretair.) 

Vor einiger Zeit hatte ich die Ehre, der 
Königl. Societät Mittheihingen über die Eigen- 
schaften und einige Zersetzungsproducte eines 
neuen, prächtig krystallisirenden Kohlenwasser- 
stoffs zu machen, den ich bei der Einwirkung 
von Natrium auf Monobrombenzol erhielt und 
der, wie ich später fand, auch bei der Zersetzung 
des Phenyläthers mit concentr. Schwefelsäure 
auftritt. Im Verfolge dieser Untersuchung bin 
ich 5SU einigen neuen Resultaten gelangt, welche 
deshalb besonders von Interesse sein- dürften, 
weil unsere Kenntnisse über die Natur der so- 
genannten Alkoholradicale bis jetzt noch eine 
sehr beschränkte ist. 

Bei meinen frühern Arbeiten standen mir nur 
geringe Quantitäten Phctoyl zu Gebote, so daös 
ich einige physikalische Eigenschaften, Ijesonders 
den Siäepunct nicht mit grosser Genauigkeit 
bestimmen konnte. Meine damalige Angabe ist 
zwar in der Zwischenzeit vonChurch bestätigt 
worden, aber trotzdem ist sie nicht ganz richtig. 

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u 

Durch einige Modificationen in der Darstellungs- 
weise gelang es mir^ grössere Quantitäten dies 
interessanten Körpers auf bequemere Weise zu 
erhalten, so dass ich denselben durch Destillation 
bei constanter Temperatur vollständig reinigen 
konnte. Ich habe dabei gefunden, dass er ge- 
nau zwischen 239 und 240® siedet. 

Diphenylschwefelsäure €^m^^^^ »^ Das 
Phenyl löst sich in erwärmter concentr. Schwe- 
felsäure leicht auf unter Bildung einer organi- 
schen Sullosäure. Diese lässt sich aber nicht 
auf die gewöhnliche Art von der überschüssigen 
Schwefelsäure trennen, weil sie merkwürdiger 
Weise sich mit Baryt, Kalk und Blei zu voll- 
ständig unlöslichen Salzen verbindet. Nach vie- 
len vergeblichen Versuchen fand ich endlich in 
der Darstellung des Kalisalzes eine bequeme 
Methode, sie rein zu erhalten. Dieses Salz ist 
nämHch noch schwerer in Wasser löslich, als das 
schwefelsaure Kali und lässt sich durch mehr- 
maliges Umkrystallisiren aus heissem Wasser 
leicht von diesem trennen. Es krystallisirt ent- 
weder in grossen, ziemlich dicken, völlig durch- 
sichtigen Säulen, die bisweilen von der Länge 
eines Zoll's erhalten wurden, oder in grossen 
wasserklaren, an zwei Seiten rund bfegreüzten 
Tafeln, welche die Form von Hechtschuppen ha- 
ben. Ich glaubte anfänglich, durch diese ver- 
schiedene Krystallform verldtet, mit zwei ver- 
schiedenen Salzen zu thun zu haben, aber sie 
zeigten genau dieselbe Zusammensetzung und 
dasselbe chemische Verhalten. Die Zusammen- 
setzung dieses Salzes ist durch die Formel 
C12 H» Ka2 S2 O« + 2 V2 H^O ausgedrückt. Die 
demselben zu Grunde liegende Säure, welche ich 
Diphenylschwefelsäure nenne, entsteht 
somit aus dem Phenyl nach der Gleichung: 



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45 
1312 Hio ^ 2S H« ö* = €i2Hi«&2Q6 ^ 2H«0 

und wir haben hier den merkwürdigen Fall, wo- 
für wir bis jetzt, so viel ich weiss, noch keine 
Analogie kennen, dass schon bei der Einwir- 
kung englischer Schwefelsäure eine Disulfosäure 
gebildet wird. 

Das Barytsalz €^^ H» Ba^ &^ &^ lässt sich 
leicht aus dem Kalisalz durch wechselseitige Zer- 
setzung erhalten. Die heisse Lösung desselben 
giebt auf Zusatz von Chlorbarium einen krystal- 
Unischen Niederschlag, der mit siedendem Was- 
ser gewaschen werden kann. Er ' ist in Wasser 
und Mineralsäuren fast so unlöslich, wie der 
schwefelsaure Baryt uiid wird nicht allein aus 
der Lösung der freien Diphenylschwefelsäure, 
sondern auch aus der mit starker Salzsäure an- 
gesäuerten Lösung des Kalisalzes sofort aus- 
gefällt. 

Das Kalksalz Ci^H^Ca^S^oe jässt sich aus 
dem Kalisalze ebenfalls durch Fällen mit Chlor- 
caldum darstellen und durch Waschen mit sie- 
dendem Wasser reinigen. Die Lösung des Kali- 
salzes muss indess vorher zum Sieden erhitzt 
werden, in der kalten Lösung erzeugt Chlorcal- 
dum auch nach längerem Stehen keine Fällung, 
obgleich das einmal gefällte Kalksalz auch in 
kaltem Wasser so gut wie unlöslich ist. 

Das Silbersalz €^^WAg^&^&^ scheidet sich 
nach einiger Zeit in kleinen farblosen Krystallen 
ab, wenn die heiss gesättigte Lösung des Kali'' 
salzes mit Silberlösung versetzt wird. Es ist 
leichter löslich als das Kalisalz und in der kal- 
ten Lösung des letzteren entsteht deshalb kein 
Niederschlag. In heissem Wasser löst es sich 
kaum mehr, als in kaltem und lässt sich daher 
nicht durch ümkrystallisiren reinigen. 

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46 

Das Blei 8 alz ist ein schwerer weisser Nie- 
derschlag, der auf Zusatz von salpetersaurem 
Blei zu der Lösung des Kalisalzes entstellt. Es 
ist in Wasser unlöäich, löst sich aber in Säuren. 

Die freie Saure aus dem Bleisalze mit Schwe- 
felwasserstoff dargestellt, krystallisirt in langen 
Prismen. Sie ist in Wasser in jedem Verhält- 
niss löslich , zieht mit Begierde Wasser aus der 
Luft an und zerfliesst zu einer sehr sauren, der 
concentr. Schwefelsäure täuschend ähnlichen Flüs- 
sigkeit. Sie ist ausserordentlich beständig, lässt 
sich mit Wasser kochen und im Wasserbade zum 
Syrup/ verdunsten, ohne zersetzt zu werden. Sie 
schmilzt bei 72^5 und kann bis über 200^ ohne 
Schwärzung oder sonstige Veränderung erhitzt 
werden. In höherer Temperatur wird sie voll- 
ständig zerstört. Es scheidet sich eine grosse 
Menge Kohle ab und man erhält in geringer 
Quantität ein weisses Sublimat, welches im We- 
sentlichen aus Phenyl zu bestehen scheint. 

Die bemerkenswerthe Beständigkeit , durch 
welche sich diese Säure von fast allen andern 
Sulfosäuren unterscheidet, zeigt sich in noch 
weit höherem Grade bei ihren Salzen. Bei ober- 
flächlicher Prüfung wird man diese kaum für or- 
ganische Verbindungen halten. Sie zersetzen sich 
nämlich erst, nachdem sie längere Zeit einer 
starken Glühhitze ausgesetzt sind; bei der Ele- 
mentaranalyse z. B. fand eine regelmässige Ent- 
wicklung von Kohlensäure erst statt, nachdem 
das ganze Bohr zum Glühen erhitzt war und 
dai8 chromsaure Blei zu schmelzen begann, ein 
Umstand, durch den die Analyse ausserordent- 
lich erschwert, wurde. 

Die Zusammensetzung der Salze zeigt, dass 
die Säure eine zweibasische ist, aber es gelang 
mir nicht saure Salze derselben darzustellen« 



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47 

Selbst ans der Lösung des Kalisalzes in einem 
grossen Ueberschuss freier Säure krystallisirte 
sowohl beim Verdunsten in der Wärme, wie 
über Schwefelsäure nur neutrales Salz in grossen 
rhomhoedr. Krystallen, welche freilich ganz an- 
ders aussahen, als das oben beschriebene Salz, 
aber sich von diesem nur im Krystallwasserge- 
halt unterschieden. Sie enthielten anstatt 2V« 
nur 2 Molecüle Wasser. 

Die Diphenylschwefelsäure enthält offenbar 
das zweiatomige Eadical des Benzidin's G^^ IP 
und ist der Disulfometholsäure völlig analog 
zusammengesetzt. Ihre rationelle Formel ist 

SO^l . Sie steht zu der Säure «^2{ 

welche ich vor Kurzein aus dem Phenyläther 
erhielt, in derselben Beziehung, wie die Sulfoben- 

€« HH 
zolsäure SO^/ zur Phenylschwefelsäure 
H }0 

H }0 

Bromphenyl C^^H^Br^ Brom wirkt sehr 
energisch auf Phenyl ein. Bringt man beide 
Körper unter Wasser zusammen, so erhält man 
bei Anwendung eines Ueberschusses an Brom 
eine teigige Masse, welche nach dem Waschen 
mit KaHlauge und Lösen in heissem Benzol sich 
beim Erkalten in prachtvoll glänzenden, völlig 
farblosen, concentrisch vereinigten Prismen ab- 
scheidet. Es ist unlöslich in Wasser und kaltem 
Alkohol , schwer löslich in siedendem , leicht in 



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48 

Benzol, schmilzt bei 164^ und lässt sich ohne 
Zersetzung destilliren. Das Bromphenyl lässt 
sich als die Bromverbindung des zweiatomigen 
Badicals €^^ H^ betrachten. Ich hoffte daraus 
den zweisäurigen Diphenylalkohol €^* H^^ O* zu 
erhalten, aber alle Versuche scheiterten an der 
grossen Beständigkeit der Verbindung. Sie 
wurde zwei Tage lang mit einer concentr. alko- 
holischen Ealilösung und 4 Tage lang mit einer 
concentr. Lösung von essigsaurem Kali in Al- 
kohol gekocht, ohne dass sich weder in dem ei- 
nen, noch in dem andern Falle auch nur eine 
nachweisbare Spur von Bromkalium gebildet 
hatte. Ja selbst metallisches Natrium ist nicht 
im Stande das Band, womit das Brom gebunden 
ist, zu lösen. Ich .habe die Lösung in Benzol 
lange Zeit mit metaUischem Natrium zum Sie- 
den erhitzt, ich habe die trockne Bromverbin- 
dung über metallisches Natrium destUlirt, ohne 
sie zu zersetzen. 

Mit Jod verbindet das Phenyl sich nicht. — 
Nitrobromphenjl €i2ij6Br2(N0^)2. Rau- 
chende Salpetersäure wirkt auf Bromphenyl in 
der Kälte kaum ein, beim Erwärmen löst es 
sich unter ziemlich starker Reaction darin auf 
und beim Erkalten erstarrt dann die ganze 
Masse zu einem Krystallbrei. Das Nitrobrom- 
phenyl ist unlöslich in Wasser, schwer löslich in 
Alkohol, leichter in Benzol. Aus letzterer Lö- 
sung krystallisirt es in langen sehr feinen, schwach 
gelb gefärbten Nadeln. 

Brombenzidin €i2ii6Br2(NHY. Die Re- 
duction des Nitrobromphenyls in alkohol. Lösung 
mittelst Ammoniak und Schwefelwasserstoff ge- 
lingt nicht. Man erhält nur braune, harzähn- 
liche Producte, ohne basische Eigenschaften. 
Das salzsaure Salz des Brombenzidin's entsteht 



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49 

aber leicht, wenn das Nitrobromphenyl mit Zinn 
und Salzsäure einige Zeit bis zur yoUständigen 
Lösung gekocht wird. Verdünnt man darauf mit 
wenig Wasser und filtrirt siedend heiss, so 
scheidet es sich nach längerem Stehen fast yoII- 
ständig in farblosen Krystallen ab. Wasser 
zersetzt es unter Abscheidung der freien Base. 
Es löst sich leicht in heisser verdünnter Salz- 
säure, aber auch aus dieser Lösung scheidet es 
sich beim Erkalten gemengt mit der freien Base 
ab. In conc. Salzsäure ist es unlöslich, die Lö- 
sung in verdünnter Salzsäure liefert deshalb 
auf Zusatz von concentrirter Satire nach kui'zer 
Zeit glänzende nadelformige Erystalle des rei- 
nen Salzes. Beim Kochen dieses Salzes mit 
Ammoniak scheidet sich die freie Base als eine 
schwere fast farblose Flüssigkeit ab, welche beim 
Erkalten amorph erstarrt. Sie ist sehr wenig 
löslich in siedendem Wasser, löst sich aber leicht 
in Alkohol. Die anfangs fast farblose Lösung 
färbt sich an der Luft nach ganz kurzer Zeit 
braun und beim Erkalten scheidet sich daraus 
die freie Base in kleinen concentrisch vereinig- 
ten Nadeln ab. 

Das schwefelsaure Salz ist leichtlöslich. Es 
wird aus der Lösung der freien Base in ver- 
dünnter Schwefelsäure auch auf Zusatz von con- 
centrirter Säure nicht abgeschieden. Dadurch 
unterscheidet es sich wesentlich vom schwefel- 
sauren Benzidin. — 

Die Angaben von Riebe, der bei Einwirkung 
von Natrium auf das, freilich nach einer andern 
Methode dargestellte Monobrombenzol kein Phe- 
nyl, sondern nur Benzol erhielt, führte mich zu 
der Vermuthung, dass das von ihm angewandte 
Brombenzol wasserhaltig gewesen sein könnte 
und dass vielleicht durch den gleichzeitig ent- 



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wickelten Wasserstoff das Phenyl sich wieder in 
Benzol verwandelt habe. Darauf schienen mir 
auch die Angaben yon Ghurch hinzudeuten, wel- 
cher bei Wiederholung meiner Versuche ausser 
Phenyl beträchtliche Mengen von Benzol erhielt. 
Ich habe mich jedoch überzeugt, dass Wasser- 
stoff im statu nascendi auf das freie Phenyl 
nicht einwirkt. Natriumamalgam mehrei-e Tage 
mit der alkoholisdien Lösung desselben in Be- 
rührung hatte keine nachweisbare Spur von Ben- 
zol gebildet. Trotzdem ist es immerhin möglich, 
dass bei der Darstellung des Phenyls, wo also 
auch dieses sich im statu nascendi befindet eine 
solche Anlagerung von Wasserstoff stattfindet, 
denn auch ich habe mehrmals die Erfahrung 
gemacht, ckiss die Ausbeute an Phenyl beträcht- 
lich verringert wurde, wenn das Monobrombenzol 
nicht absolut trocken war. Bei ein^n Prozess, 
der so glatt verläuft, wie die Bildung des Phe- 
nyls, möchte die Entstehung von Benzol aus 
Monobrombenzol schwer anders zu erklären sein. 

lieber sogenannte gemischte Alkohol- 
radicale. 

Da bei ^er Bildung des Phenyls, wie die vor- 
stehende Untersuchung zeigt, sich die beiden 
gleichen Radicale €^H^ mit solcher Festigkeit 
an einander lagern, dass sie selbst durch sehr 
energisch einwirkende Substanzen nicht wieder 
zu trennen sind, so schien es mir von Interesse 
zu sein, zu versuchen, ob das Radical €^H^ sich 
auch mit Kadicalen, die einer ganz andern 
Gruppe von Körpern angehören, vereinigen lasse. 
Wenn eine solche Vereinigung z. B. mit den ßa- 
dicalen des Aethylalkohols und seiner Homologen 
gelänge, so müssten dadurch Kohlenwasserstoffe 



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51 

entgehen, wielche gleiche Zusammensetzung mit 
den Homologen des Benzols besitzen und die 
vielleicht identisch mit dieseti sein könnten. 

Herr B. Tollens aus Hamburg hat auf mei- 
nen Vorschlag und unter meiner Leitung im hie- 
sigen Laboratorium diese Versuche ausgeführt. 
Er schlug dabei die Methode ein, welche von 
Wurtz mit Erfolg zur Darstellung der sogenann- 
ten gemischten Badicale der Aethylreihe benutzt 
war und es gelang ihm leicht auf diese Weise 
die gewünschten Kohlenwasserstoffe zu erhalten. 

Natrium wirkt sehr energisch auf ein mit 
Benzol verdünntes Gemisch von gleichen Molecü- 
len Monobrombenzol und Bromamyl ein, unter 
Abscheidung von Bromnatrium und Bildung ei- 
nes flüssigen bei 193® constant siedenden Koh- 

lenwasserstoff's €^^H^^ = ^5uiil, den wir einst- 
weilen Amyl-Phenyl nemien wollen. 

Auf dieselbe Weise bildet sich aus Bromäthyl 
und Monobrombenzol das Aethyl-Phenyl 

^8Hio=^^g5J ein farbloses, bei 134® siedendes 

Liquidum. 

Die^e* Kohlenwasserstoffe zeigen in ihrem 
Verhalten eine auffällige Verschiedenheit vom 
Phenyi. Sie geben mit rauchender Salpetersäure 
unter heftiger Reaction flüssige Nitroverbindun- 
gen, welche nur ein Atom NO^ enthalten und 
verbinden sich mit conc. Schwefelsäure zu sehr 
beständigen Säuren, die nicht der Diphenyl- 
scbwefelsäure, sondern der Sulfobenzolsäure ana- 
log zusammengesetzt sind. Sie absorbiren Chlor 
in grosser Menge und geben damit sehr dick- 
flüssige Producte, ähnlich demjenigen, welches 
ich vor längerer Zeit bei der Einwirkung von 
Chlor auf Cumol erhielt. 



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52 

^ So selir dieses Verhalten auch mit demjenigen 
der Homologen des Benzols übereinstimmt , so 
ist die Identität dadurch doch noch keineswegs 
bewiesen. Herr Tollens ist jetzt damit beschäf- 
tigt das Methyl-Phenyl €TI^ = ^h»I ^^" 
zustellen, um die Frage, ob dieses mit dem gut 
untersuchten und leicht in reinem Zustande dar- 
stellbaren Toluol identisch oder nur iöomerisch 
ist, durch eine vergleichende Untersuchung zu 
entscheiden. 



Verzeichniss der bei der kön. Gesellschaft 

der Wissenschaften eingegangenen 

Druckschriften. 

Juli 1863. 

(FQrtsetzuog). 

A. Klüger, über die Parallaxe dea Sterns LL 21258. 

Helsin^ors 1863. 4. 
C. Schmidt, die Wasserversorgung Dorpats. Dorpat 

1863. 8. 
Giov. Vecchi, biografia del prof. Gius. Bedeschi. Mo- 

dena 1855. 12. 

— a Lazaro Spallanzani , canzone. Ebd. 1862. 4. 

— solla generazione spontanea. Ebd. 1863. 8. 
Kederlandsch kraidkundig archief, onder redacti§ Tan 

Suring&r en Cop. V, 2- Leeuwawlen 1863. 8. 

August — October 1863. 

Marci a S. Paduano, bibliotheca Camioliae. Laiba^h 
1862. 4. 



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53 

Ifittlieilaugen des histor. Vereins für Krain. 1862. Lai- 
bach 1862. 4. 
^ aus dem Osterlande, herausg. vom Kuüst- u. Hand- 
werksvereine u. von der naturforschenden Gesellschaft 
zu Altenburg XVII, 1—3. Altenburg 1862. 63. 8. 

— der Geschichts- u. Alterthnmsforschenden Gesellschaft 
des Osterlandes. V, 4. Ebd. 1862. 8. 

H.R. Stör er, on artiücial dilatation of the os and cervix 
uteri by fluid pressure from above. Boston 1863. 8. 

R. Wolf^ Mittheilungen Über die Sonnenflecken. XIV. 
XV. (Sep.-Abdr.) 8. 

A. V. Burg, Compendium der höheren Mathematik. 3, 
Aufl. Wien 1859. 8. 

— Supplementband zum Compendium der populären Me- 
chanik u. Maschinenlehre. 2. Aufl. Ebd. 1863. 8. 

L. Zeiszner, o gipsie mijocenicznym w poludniöwych 
stronach krolestwa Polskiego. Poznan 1863. 8. 

— mijocenicznych gipgach i pokladach soli kuchennej 
w gomej czes'ci dobny wisly. (Sep.-Abdr.) 8. 

G. Libri, monuments inedits ou peu connus faisantpar- 
tie du cabinet de G. Libri, et qui se rapportent ä l'hi- 
stoire des arts du dessin etc. London 1862. gr. FoL 

J. G. BöLm u. M. Alle, magnetische u. meteorologische 
Beobachtungen zu Prag. XXTTT. Prag 1863. 4. 

L. Seidel, Kesultate photometischer Messungen an 208 
der vorzüglichsten Fixsterne. München 1862. 4. 

Warren de la Eue, on the total solar eclipse Jrli 18. 
1860, observed at Rivabellosa. London 1862. 4. 

W. Henaeberg u. F. Stohmann, Beitrage zur Be- 
gründung einer rationellen Fütterung der Wiederkäuer. 
Braunschw^ 1864« 8. 

A. W. Volkmann, physiologische Untersuchungen im 
Gebiete der Optik; 1. Hft.. Leipzig 1868. 8. 

J. D. Graham, Report on Mason & Dixoa's line. Chi- 
cago 1862. 8. 

F. Kenner, Karl Kreil, ßine biogr. Skizze. (Sepr.-Abdr.) 
Wien. 8. , 

C; F. Ph. V. Ma.rtius, die Fieberrinde, der Ghinabaom. 
(Sep.-Abdr.) 8. 

— glossaria Brasiliensium. Erlangen 1863. 8. 

Martin, memoire sur le calendrier h6braique. Angers 

1863. 8. 
48. Jahresbericht der naturf. Gesellschaft in Emden 1862. 

Emden 1863. 8. 



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54 

Kleine SchrifteB der naturf. C^esellschaft in Emden. X* 
Ebd. 1863. 4. 

9. Jahresbericht des German. Nationahnoseunui. Nüm-- 
berg 1863. 4. • 

40. Jäiresbericht der Schles. Gesellschaft für yaterl. Cul- 

tur. Breslau 1863. 8. 
Abhandlungen der Schles. Ges. für vaterl. Gultur. Abh. 

f. Naturw. u. Medicin. 1862, II. Ebd. 1862. 8. 

10. Bericht der Oberhess. Ges. für Natur- u. Heilkunde. 
Giessen 1863. 8. 

Verhandlungen der naturforsch. Ges. in Basel. III, 4. Ba- 
sel 1863. 8. 

Transactions of the Linnear Society of London. XXm, 3. 
XXIV, 1. London 18Cß. 63. 4. 

Journal of the proceedings of the Linnean Society. Bo- 
tany 24-26, Zool. 24-26. Ebd. 1862. 63. 8. 

Address reed at the auniversary meeting of the Linn.Soo. 
Ebd* 1862. 8. 

List of the Linnean Society. 1862. 8. 

Denkschrift zur Feier des 25jähr. Bestehens herausg. von 
der Phüomathie in Neisse. Neisse 1863. 8. 

Bulletin de la Soc. imp. de Moscou. 1862, II -IV. Mos- 
cou 1862. 8. 

üpsala universitets arsskrift 1862. üpsala 1862. 8. 

Indices scholarum und Doktor -DisserUtionen von Üpsala 
1862/68. 6 in 4, 36 in 8. 

Monatsbericht der Berliner Akademie. 1863, 3—7. Ber- 
lin. 8. 

Revue de l'instr. publ. 1863, 6 — 19. 

Fr. Lanza, delP antioo palazzo di Dlocleziano in Spa- 
lato. Triest 1856. 4. 

Philosophical transactions of the Roy. Soc. of London 
1862. 151, 1. 2. London 1663. 4. 

The Roy. Society. Ist Dec. 1862. 4. 

Proceedings of ihe Roy. Soc. Xu, p. 617 — 684. 8. 

— of the scientific meetings of the Zoological Soc. of 
London 1861, 8. 1862, 1-8* London. 8. 

List of vertebrated animals living in the gardens of the 
Zool. Soc. of London. Ebd. 1862. 8. 

(Fortsetzung folgt). 



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Naehrichten 

Yon der Königl. Gesellschaft der Wissen^ 

Schäften und der G. A. Universität zu 

Göttingen. 



Februar 17. M 3. 1864, 



Ktai^idie desellsciiaft der Wissenschaften. 

Sitzung am 6. Februar. 

üeber die Quellen des ersten Theils 
der Annales Fuldenses. 

Von Prof. G. Waitz. 

Pertz in der Ausgabe der widhitigen Fuldaer 
Annalen hat für den älteren Theil, als dessen 
Verfasser eine Handschrift einen Enhardus nennt, 
als Quellen die Annales Laurissenses minores, 
die Laurissenses majores mit der dem Einhard 
beigelegten Fortsetzung, vielleicht die Vita Ka- 
roU Magni, alte aber ganz kurze Fuldaer Anna- 
len und wie er hinzusetzt andere vielleicht von 
Alters her in dem Kloster bewahrte Nachrichten 
genannt ; nachher fügt er noch die Annales Lau- 
reshamenses und Einhards Translatio S. Mar« 
cellini et Petri (S. 359 N.) bei. Er hat es da- 
bei unterlassen, wie es später meist in den Aus- 
gaben der Monümenta Germaniae historica ge- 
schehen ist , bei den einzelnen Jahren und Nach- 
richten die.betreflf^aden Quellen nachzuweisen und 
so zugleich dM*zulegen, was als ei^enthümlicher 
Zusatz oder auf andere Herkunft zurückgehend 
betrachtet werden muss. Ein solches Verfahren 
würde theils die ganze Behandlungsweise des Au-. 



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56 ' 

tors mehr umnl^elbar vdr Atigen gelegt, auch 
wohl auf das Vorhandensein noch anderer yon 
dem Enhard benutzter Hülfsmittel hingei^desen 
haben. Solcher sind mehrere anzunehmen. So 
wahrscheinlich die Gesta pontificum Romanorum ^). 
Namentlich aber sind ausser den genannten An- 
nalen auch die. nach dem frühem Besitzer der 
Handschrift sogenannten Petaviani von dem En- 
hard zu Bathe gezogen worden. Aus ihnen ist 
auch die Stelle (758), welche Pertz auf die Anga. 
Laureshamenses zurückfuhren will^). Das Ver- 
fahren Enhards ist aber diesen verschiedenen 
Nachrichten gegenüber der Art, dass er nicht 
ganz wörtlich abschreibt, sondern mit eina: ge- 
wissen Selbständigkeit seinen Ausdruck wählt, 
den etwas abgerissenen Sätzen der kurzen Annö- 
len eine Ergänzung im Ausdruck giebt , dagegen 
später die sehr ausführlichen Erzählungen .der 
Annales Laur. maj. und Einhardi zusammenzieht 
und so seiner Arbeit, bei dem verschiedenarti- 
gen Material das er für sie benutzte, einen ge- 
wissen gleichmässig^i Charakter zu verleihen 
sucht. Ein paar Beispiele machen das deutlich. 
Zunächst ganz aus dem Anfang: 



1) S. Simson in der gleich nachher anzuführenden Abhand- 
lung. Die von ihm zur Vergleichung herangezogenen Ann. Met- 
tenses und S. Albani sind offenbar aus den Fuldenses abgeleitet; 
ich halte dies in der That so sehr *aber allen Zwdfel erhaben', 
dass eine andere Möglichkeit zu statuiren nur alles Sichere un- 
sicher machen heissU 

2) Die andern Stellen die Simson S. 26 vergleicht finden sich 
•He auch in den Ann. Peta?., mit Ausnahme von 793, wo aber 
nur das eine Wort ^Gotia' statt 'Septimaoia' in den Ami. Einli. 
in Betracht kommen könnte, was sich aber natürlich leicht auf an- 
dere Webe erklärt. Die Ann. Mosellani und Quedlinburgenses, die 
derselbe zur Vergleichung an eiu paar Stellen heranzieht, S. 26, 
kommen gar nicht in Betracht 



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57 



Ann. Fiild. 
715. Po5t moitem Pippini 
Püdtbrad, relicU ejus vidua, in- 
comparabili odio contra Karolum 
succensa, custodia eum publica 
observari jubet Unde ille divino 
auxilio liberatus, primo certamine 
contra Ratbodam regem Fresobum 
pugnans, dum fortiter dimicat, 
magnum exercitus sui damoam 
conseqiiitur. 

Die Worte 'incomparabili odio contra Karo- 
lum succensa', und 'publica' sind blosse Zusätze 
des jüngeren Bearbeiters. 



Anu. Laur. min. 
(715) Karlus... auxilio Dei 
de custodia qua detenebatnr a 
Plicthiude matrona, relicta Pippini, 
Kberatur; qui primo certamine ad- 
versus Ratbodum regem Fresooum 
congreditur; in quo dum Ibrtiter 
diraieat, plurimum exerdtos sui 
damnum consequitur. 



740. Karlus Gotbos supera 
tos, Saxones et Fresones sub- 
actos, SarracenoB expulsos, Pro- 
vinciales receptos, regnum Fran 
comm possidens moritur. 



740. Paxetquies regnoFran- 
corum per Karolum redditur ad 
tempus, Oothis superatis, Saxo- 
nibns et Fresonibus subactis, ex- 
pulsis $arracenis, Provincialibus 
receptis. • 

741. Karolus . . . moritur. 

Der ganze Satz: Tax — redditur ad tempus' 
ist von Enhard zugefügt, enthält nichts wahrhaft 
Thatsächliches. 

Ann. LAur. min. Ann. Petav. 

(741) Carlmannus 
et Pippinus Hunoldnm 
res novas molientem 
obprimunt 

(742) Per idem 
tempus rebellante Tbe- 
otbaldo Karlmannus 
vastavit Alamanniam. 

(743) Carlmannus 
et Pjppinus in Bajoa- 
riam exerdtum du* 
cuDt adversus Huodi« 
lonem. 



742. Carolo- 
mannus perrexit in 
Wasconbm. 



Ann. Petav. Ann. Fuld. 

742. Karlomannus et 
Pippinus Hunaltum, Aqui- 
taniae ducem, imperio suo 
resistenten), bello supera- 
tum ad Wascones fiigere 
compellunt: simul et Ala- 
manoos duce Thiotbaldo 
rebellare temptantes mira 
celeritate compiimunt. 

743. Karlomannus et 
Pippinus Oudilonem ducem 
Bajoariorum rebellare co- 
nantem praelio superant 

744. Pax inter 744. Karlomannus cum 
Karolomannum etOdilone duce Bajoariorum 
Odiloncm. |pacem fadt 

Hier wird 742 zur Verdeutlichung Hunald als 

6* 



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58 



Aquitaniae dux, 744 Odilo als Aus. Bajoariorum 
bezeichnet; das 'res novasmolientem' yerwandelt 
sich in *imperio suo resistentem' ; aus einer Ver- 
eimgung der Nachrichten der beiden benutzten 
Annalen wird: hello superatum ad Wascones fu- 
gere compellunt; bei den Alamannen wird das 
jtdbellante Theotbaldo' mit 'rebellare temptäntes' 
yertauscht, die Unterwerfung *mira celeritate' voll- 
bracht; dem ersten entsprechend bei Odilo hin- 
zugefugt: 'rebellare eonantem'. An Benutzung 
anderer Quellen ist hier nirgends zu denken. Die 
Zusätze enthalten nichts sachlich Neues; es sind 
nur Amplificationen, Ausschmückungen des spä- 
teren Autors. 

Ganz ähnlich sind die folgenden Jahre ; z. B. 
gleich 745. 

Anu. Laur. min. [ Ajin. Pelav. Ann. Fuld. 

Carlmannus ad- Karolomannus et Kariomannus et Pippinus 

versag Saxones di- Pipinus abierunt in simul Saxonum perfidiam 

micat et castnim Saxoniam. vastata eonim regione ulci- 

Ohseburg capit fiCHntar et castnim Ohseburg 

capiunt. 

Die Worte /perfidiam vastata eorum regione 
ulciscuntur' wird niemand für etwas anderes als 
einen solchen erweiternden Zusatz halten. 

Ann. Pelav. Ann. Fuld. 

745« Kariomannus intravit Ala- Kariomannus Alamannos iterum 
manniam ; ubi fertur quod ipulta res novas molientes , nonnullis 
hominum milia ceciderit. eorum interfecUsy compescuit. 

Nach den vorher gegebenen Beispielen, kann 
man, glaube ich, nicht anstehen, diese Stelle, auch 
bei stärkerer Abweichung im Ausdruck, ebenso 
zu betrachten. Der Schreiber, dem Karolingi- 
schen Hause unbedingt günstig, mildert den star- 
ken Ausdruck seines Gewährsmannes. 

Das Verhältnis zu den ausführlichen Annales 
Laurissenses majores oder Einhardi in dep spä- 



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5^ 



tern Jahren ergiebt sich aus der Vergleichung 
jedes beliebigen Jahres. 

Ann. Fuld. 
823. HIotharius juvenis Togante 



Ann. Laur. msg. et Einh. 

823. HIotharius .... rogante 
Pasehale papa Romam Yenit; et 
honoriflce ab eo sosceptus, in s, 
paachali dio apud S. Petrum et 
regni coronam et imperatoris at- 
que augosti nomen acccpit . . . 

822. Liudewitas, Siscia dvi- 
iti» relicta, ad Sbrabos, qnae 
natio magnam Dalmatiae partem 
obtineredidtur, fugiendo se contuUt; 

823. adlatam est ei de iater- 



Paschale papa Romam veniens, 
ab e^em coronattr, et a popoip 
Romano imperator augustus ap- 
pellatur. Liudewitus, qui supe- 
riore anno propter exercitum con- 
tra se missum, relicta Sisda dvi- 
täte, ad Sorabos, qni magnaro 
Ddmatiae paitem obtinere dican- 
tiir, fugiendo se coutalit^ et ite- 
ruminDalmatos adUudemubsluoi, 



avunculum Bomae duds, perve- 
nisset, doio ipdus interfectas est. 



itn Liudewiti, quod, relictis Sora- 
bis, cum Dalmaliam ad Lindemuh- 
dum, avancnlum Bomae ducis, 
pervenisset, et aliquantum tem- 
pom oim. eo moratus foisset, 
doIo ipsius esset interfectus. 

Da WO die Texte der Ann. Laurissenses majo- 
res und der Ann. Einh. verschieden neben ein* 
ander stehen, hat der Verf. beide benutzt. Die 
Uebereinstimmung mit jenen überwiegt; doch ei' 
nige Nachrichten und Wendungen finden sich nur 
in den letzteren, z. B. 790 der Brand von Worms, 
793 der Einfall der Araber in Gothien ^). Ein an- 
deres Beispiel führe ich nachher an. Dass es 
eine zwischen beiden in der Mitte stehende 
Form gegeben habe, die dann vielleicht auch der 
Verfasser der Vita Hludowici benutzt, wie 
neuerdings vermuthet worden ^), scheint mir eine 



1) Dahin sind auch die Stellen 785. 792 zu rechnen, die 
ausserdem nur einzelne Handschriften der Ann. Laur. m^. ^ertz 
5. 6) haben und anders, als dass Enhard sie benutzt haben könnte 
(792: * partim et caedtate' findet sich auch nicht in Ann. Einh. 
und überhaupt in keiner mir bekannten älteren Quelle ) ; eine Stelle 
aber 787 steht nur in 6, eine andere 804 nur B. 2. 3. Vergl. 
Simson S. 16. 

2) Simson, De statu quaestionis sintne Einhardi necne sint 



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60 

Annahme, die wenigstens niöht nothwendig ist, 
um was uns vorliegt zu erklären : der Autor der 
Vita BQudowici könnte, wenn man auf die üe- 
bereinstimmung , die sich zweimal in einzelnen 
Ausdrücken findet, Gewicht legen wiU, den En- 
hard gekannt haben. 

Nur wenige Nachrichten werden übrig blei- 
ben, die nicht auf die eine oder andere der ge- 
nannten Quellen zurückgeführt werden köntien *). 
Einzelnes was so erscheint beruht offenbar auf 
blossem Irrthum, z. B. 

723. ftenim Alamanni et Noiid pads jora temerare mtuntor, 
statt des Satzes der Ann. Latir. min.: 

(723) Per idem tempns Eudo pads jara temerare nitUiir. 

Näher hierauf einzugehen ist nicht der Zweck 
dieser Erörterung. 

Sie ist zunächst yeranlasst durch eine neuer- 
dings ausgesprochene, Yon der hier gegebenen 
ganz abweichende Auffassung, die, wenn sie be* 
gründet wäre, die Annales Fuldenses in einem 
ganz andern Licht erscheinen lassen würde, in- 
dem sie eine bis dahin als solche gar nicht in 
Anschlag gebrachte Quelle für einen grossen Theii 
derselben nachzuweisen meint. 

Im J. 1836 veröffentlichte Mono in dem 5. 
Bande des Anzeigers für Kunde der teutschen 
Vorzeit aus einer Handschrift, welche aus dem 
Kloster S. Bertin herstammt, jetzt in Boulogne 
aufbewahrt wird, Annalen, die er als ÄnnaJes 
Sithienses bezeichnet, die mit dem Werke En- 
hards eine nahe Verwandtschaft zeigten: nach 



qnos ei adscribunt aooales imperii S. 59. Vgl. die spätere Schrift 
desselben S. 26. 

1) Bethmann im Verzeichnis der Handschriften, Archi? VIII, 
nennt sie nicht. 



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$1 

dem Herausgeber beruhen beide Werke auf dem 
nämlichen Original. 

Dem gegenüber suchte ich in einem kurzen 
Aufsatz im Archiv d. G. f. ä. 0. G. III, S. 739—741, 
zu zeigen , dass hier nichts als ein Auszug der 
Fuldaer Annalen vorliege, nur mit einzelnen ganz 
unbedeutenden Zusätzen aus den Ann. Lauriss. 
majores oder Einhardi, ohne allen selbständigen 
Werth, wahrscheinlich eine spätere Compilation, 
die AUis nur unvollständig erhalten, da sie schon 
mit dem Jahre 823 abbricht. 

Dem ist jetzt der Dr. Simson in einer eignen 
Abhandlung (Habilitationsschrift zu Jena): üeber 
die Annales Enhardi Fuldenses und Annale^ Si- 
thienses, entgegengetreten, und hat sehr weit- 
läuftig (30 Seiten m Quart) und mit viel Eifer 
eine ganz entgegengesetzte Ansicht vertheidigt: 
diese Annales Sithienses seien vom Enhard aus- 
geschrieben, wenn auch in vielem nicht selbstän- 
dig, doch durch eigenthümliche Fassung und 
manche Zusätze bedeutend, jedenfalls der Beach- 
tung, also auch des Abdrucks in denMonumenta 
Germaniae durchaus würdig: sehr mit Unrecht, 
meint er, seien sie durch mein Verdammungs- 
urtheil von diesen ausgeschlossen worden. 

Der Verf. führt zu Anfang einiges an, was 
einen gewissen Schein für seine Ansicht ~ geben 
kann. Wer die Schrift aber aufmerksam liest, wird 
im weiteren Verlauf schob Momente genug finden, 
die dieselbe als bedenklich, ja unmöglich erschei- 
nen lassen. Eine erneuerte, etwas nähere Un- 
tersuchung, die ich mit den Theilnehmern an 
meinen historischen üebungen anstellte, hat bald 
das ganz Unbegründete der von Simson verthei- 
digten Ansicht zu Tage gelegt. Es mag mir ver- 
ji^önnt sein, an dieser Stelle, wo ich wiederholt 
kleine Beiträge zur Kritik der Quellen deutscher 



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B2 



/ 



Gjßschichte vorgelegt habe, auch dies mit einigen 
Worten zu begründen. 

Ich fange die Vergleichung von hinten an. 
Wo die Ann. Fuldenses handgreiflich ein Auszug 
aus den Laurissenses majores oder Einhardi sind, 
findet die genauste Üebereinstimmung mit den 
Sithienses statt, aber immer in der Weise, dass 
diese eine noch kürzere Fassung geben, den Aus- 
zug weiter excerpirt haben. 

Das schon angeführte Jahr 823 lautet hier: 

Hlothaiius juv^Bis rogante PMchale pupa Rontm TettieM, tk eo- 
4em MronaUir et a populo Romano imperator ippellatir. Uni- 
witas in Dalmatia ab hostibus suis interQciUir. 

Der erste Satz ist ganz übereinstimmend, der 
zweite ein ganz kurzer Auszug aus Enhard. Nach 
Simson müsste dieser den einen aus A. Sith. ab- 

feschrieben, den andern aus der Quelle, den A. 
linh. genommen oder ergänzt haben. Scheint 
das hier wenigstens möglich (um so mehr da A^ 
Sith. einen dritten Satz geben, der auf dieselbe 
Quelle zurückgeht), so ist an anderen Stellen an 
ein solches Verhältnis offenbar gar nicht zu 
denken. 

Ann. Einh. 821. 
EmiDuit in hoc placito 
piissimi imperatoris mi- 
sericordia singulaiis , 
quam ostendit super eos 
qui cum Berohardo ne* 
pote suo in Italia contra 
Caput ac regnum suum 
coDJoraverunt , quibus 
ibi ad praesentiam re- 
nire jussis, non solum 
vitam et membra con- 
cessit, verum etiam po9- 
sessiones judicio legis in 
(Iscum redaclas magna 
Uberalitate restituit 



Ann. Fuld. 
omnes qui suo tempore 
in exilium missi fuerunt 
revocavit, et singulis in 
statom pristumm resti- 
tutis possessiones qo(H 
que judicio legis in fi- 
scum redactas magna li- 
beralitate restitnit. 



Ann. Sith. 
omnes qui suo tem- 
pore in exilium missi 
fuerant revocavit et 
unumquemque in su- 
um stalum restitiHt. 



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63 



Ann. Fuld. 
Propter nimietatem plu- 
vianim aere comipto 
honuDQm et boum pe- 
ftüleatia looge lateque 
ita grassaU est, ut vix 
Ulla pars regoi Franco- 
mm ab hac peste in« 
monis posset inveniri. 
Frühes quoque vel col- 
ligi non poterant Yel 
collectae patrueraat. 
Vinnm etiam propter 
catoris iüopiam aceiv 
bnm et insuaTe flebaU 



Ann. Shh. 
Propter nimietatem 
pluviarom aer cor- 
ruptvs et fames Ta- 
lida erat. 



Ann. Etnb. 820. 
Hoc anno propter juges 
pluvias et aerem ni- 
mio bumore resolutum 
magna incommoda con- 
tigerunt Nam et bomi- 
nnmet bonm pestilentia 
tarn inmane longe late- 
qne grassata est, ut vix 
Ulla paijs totios regni 
Francoram ab bac peste 
inmunis atque intacta 
posset inveniri. Fm- 
menta quoqne et legu- 
ipiaa inÄriam adsidui- 
täte cormpU vel colli($ 
noQ poterant ve^coUeeta 
imputrescebant. Vi- 
nnm etiam, cujus par- 
ms proventos eodem 
amio fok, iMi^ter ca- 
toris inopiani acerbom 
et insnaTe fiebat. 

Wer hier abgeschrieben hat, glaube ich kann 
keinem auch nur einen Augenbück zweifelhaft 
sein. Und so geht es Jahr für Jahr fort. 

In dieser Weise erklären sich denn auch 
manche Dinge, auf die der Verf. selbst auftnerk- 
sam gemacht hat^ die er aber sich nicht zurecht 
zu legen wusste. 

Ann. Laur. maj. 796 heisst es: 

Sed et Heiiirichus dux Forojulensis . . . . bring um gentis 
Avarorum . . . spoliavit, tbesaumm priscoruro regum malta sac- 
culorum prolixitate collectnm d. Carolo regi ad Aquas palatiom 
misit .... Pippino cum exercitu suo in bring o sedere .... 
Pippinum e Pannonia redeuntem et partem thefiauri quae reman- 
serat adducentem laetus aspexit. 

Statt dessen die Ann. Einh.: 

magnam partem tbesauri, quem Ericns dux Forojuliensis , spoliata 
Hunomm regia quae bringus vocabatnr, eodem anno regi 
de Pannonia detulerat, misit. ... Pippinus antem ... eommque 
regia, quae, ut dictum est, bringns, a Langobardis aütem 
campns vocatnr, ex toto desthicta, (breptis pene oomibus 



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64 

Ranoram opibus, ad patrem Aquisghini hiberna hahcntem Tenk ac 
spoUa regai quae secum delulit eidem praesentaviL 

Dies ziehen die Ann. Fuld. zusammen: 

campns eorum, quem focant hringnm, primo per Ehe- 
ricnm ducem Forojaliensem, deinde per Pippinnm filium regis adi- 
tns et (»ptns est, et omnes Hmxntim opes ac thesaari soblati et 
Karolo ia Aqnisgrani palatio allati sont 

Die Ann. Sith. aber sagen: 

Campus Hunorum primo per Ericnm ducem Forojutiensem, 
deinde per Pippinum filium regis subactus est, et omnes Hunorum 
opes ac thesauri sublati sunt. 

Deutlicher als hier glaube ich kaim es nicht 
sein, ^ie ein Bericht allmählich aus dem andern 
entstanden ist. Das fremde 'hringus' der Ann. 
Laur. maj. erklären die Ann. Einh. diirch den 
wie sie sagen langobardischen Ausdruck ^t^am- 
pus'; diesen als den lateinisch klingenden stellen 
die Ann. Fuld. voran; die Ann. Sith., die auch 
sonst ihren Bericht noch weiter abktirzesi, behal<- 
ten nur dies eine Wort bei. Wie Hr. Sitnson 
denken kann, der Ausdruck 'campus' sei aus 
den Ann. Sitn. zu dem Verfasser der Ann. Fuld. 
gekommen, und meinen; einmal, es sei denkbar, 
dass diese den Ann. Einh. vorgelegen hätten, dann 
jenes angeblich langobardische Wort sei vielleicht 
als ein * Judicium' zu betrachten, * welches mög- 
licher Weise eine Hindeutung auf den Verfasser 
unserer Annalen (der Sithienses) enthalten könnte', 
ist mir ganz unbegreiflich. Das heisst in der 
That die Dinge auf den Kopf stellen, oder vor 
lauter Möglichkeiten die einfache Wirklichkeit 
nicht sehen. 

In derselben Stelle der Ann. Fuld. haben 
übrigens die vorhergehenden Worte: 

Cagan et Jugurro principibus Hunorum dvili bello et intestina 
clade a suis occisis 

ihre Quelle in denen der Ann. Laur. maj.: 

Cbagan seu Jugurro intestina dade addictis et a suis occisis, 

welche die Ann. Einh. nicht wiedergeben. — 



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65 

Hr. Simson glaubt seine Ansicht besonders 
dadurch zu erhärten, dass namentlich in dem 
früheren Theil von 741 ^) an, wie er sagt, die 
Ann. Sith. alles das nicht enthalten was aus den 
Ann. Laur. minores genommen ist. 'Wer in die- 
sem Verhältnisse nicht die Nöthigung, eine Ab- 
hängigkeit der Sithienses von den Fuldenses aus- 
ssuschUessen, anerkennen wollte, der mttsste im 
Ekuste behaujpten wollen, dass der Autor derer- 
steren biemit eine absichtliche und bewusste 
Ausscheidung vorgenommen habe — und dafür 
würde er gewiss keine plausibeln Gründe beibrin- 
gen können'. In dem Letzteren hat der Verf. 
Recht, natürlich aber vorausgesetzt, dass die Sache 
«ich verhält wie er sagt: me er sie hinstellt und 
durch die Einrichtung eines Paralleldrucks der 
betreffenden Stellen den Lesern vor Augen legt, 
hat sie, wie schon bemerkt, auf den ersten Blick 
etwas Scheinbares. Aber auch nur auf den er- 
sten Blick. 

Denn sieht man näher zu, so verfahrt der 
Verf. so, dass er alle Stellen ^ wo im Wortlaut 
Ann. Fuld. und Sith. n^^her zusammen stimmen, 
durch den Druck als zusammengehörig aushebt, 



1) Dass die Ann. Sith. überhaupt erst hier begionen, vorher 
nar einzelne Königsnamen haben, kann sehr verschiedene Gründe 
haben, und kommt wenig in Betracht. Nicht richtig aber ist es, 
wenn Simson meint , dass mit diesem Jahr ein ganz anderes Ver- 
hältnis der Ann. Fuld. den Laur. min. gegenüber sich zeige. Sind 
auch die kurzen Notizen dieser manchmal mehr unverändert bei- 
behalten als später, so fehlt es doch auch hier nicht an Verän- 
derungen; 715 habe ich schon angeführt; 716 steht *fines Golo- 
nieosium' statt *Coloniam'; 717 ist 'fugientes caedendo' eingefügt, 
anderes zusammen gezogen; 718 *instaurata rursusade' zugesetzt; 
719 ebenso: *qui ad eum confngerat'; 724 ^vastata et incensa 
regione ejus' statt ^vastata regione'; 726 'cum manu valida 
occurrens' zugesetzt. So bindet sich Enhard ebenso wenig hier 
wie später ' ängstlich an ihren Wortlaut', wie der Verf S. 6 sagt. 



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66 



und eben nur die welche die Sith. nicht haben 
mit den Laur. min. zusammenhält. 

Also in den oben angeführten Stellen 743. 
745 werden die Nachrichten über den Kampf mit 
Odilo und die Unterwerfung der Sachsen zu den 
Ann. Sith. gestellt: sie stammen aber ganz offen- 
bar aus den Laur. min. (745 mit Zusatz aus Pet. ^), 
und sind nur in der veränderten Fassung der 
Fuld. in die ^th. übergegangen: diese entbehren 
nicht, was jene den Ann. Laur. verdanken, son- 
dern sie schreiben es wörtlich ab. Ebenso ist es 
747. 748.752.753 u.s.w. Ich gebe als Beispiel 
noch die Jahre 747, 748. 



Ann. Laar. 

Carknaimns regDnm 
lemporale pro aeterno 
despiciens, fratri regnam 
dereliquit, et Romtm ad 
llmiiia b. apostoloruin 
de?otas pervenit, ibiqoe 
toosoratus religioois ha- 
bitum suscepit, et in 
Serapte monte monaste- 
riom aedificavit et non 
post mnltum in mona- 
sterio. s. Benedict! mo- 
nacbus effidtur. Grifo, 
frater Pippini, in Saxo- 
nia anfiigit. 

(748) ... IdemGri- 
pho noQ credens se 
Saxbnibiu neqne Fran- 
de, de Saxonia Bajoa- 
riam pdit. 



Abb. Fnld. 
Karlomannus, roliett 
quam tenebat potesta- 
te, Romam ?adit, ibi- 
que matato babitu re- 

lose victnras, in 
Caainnni ad S. Ben«- 
dictum secedit, et 
nachus eflidtur. 

748. Gripbo, fra- 
ter Karlomanni et 
Pippini, ^ potestatem 
quandam affectana, ad 
Saxones se contulit 
Gripho autem , nee 
Saxonibus nee Fran- 
cis se credens, in Ba- 
joariam fugit. 



Ann. Sith. 
CariomauiBs, re- 
lictt quam tenebat 
potestate, tlomam va- 
dit, ibique mutato ba- 
bitu religiöse victuras 
in Casinumad S. Be* 
nedictum secessit. 

748. Gripho, fra- 
ter Cariomanni et 
Pippini y potestatem 
quandam affeetans, 
primoad,Saxones, de- 
inde ad Bajoarios se 
contuüt. 



1) Was der Verf. S. 13 über die Verwirrung sagt, welche En- 
hard in der Geschichte der Sachsenkriege angerichtet haben soll, 
ist nicht so arg wie er meint; es scheint vielmehr ganz richtig, 
dass er nur einen Zug in diesen Jahren hat, unrichtig vielleicht 
nur, dass er auf Autorit&t der Ann. Petav. den Pippin theilnehmen 
Idsst; s. Hahn, Jabii>Qcher 741-752. Excurs 9. S.175. 



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67 

Was liegt hier anders Yorals eine etwiui Miere 
Wiedergabe des ganzen Inhfdts der Ann. Lanr. 
min. in den Ann. Fuld. und ein wörtliches, aber 
etwas abgekürztes Abschreiben der letzteren in 
den Ann. Sith.? 

Was diese mit den Fuld. zusammen mdir ba^* 
ben als die Laur. min., stammt , Vie bemerkt, 
hier aus den Ann. Petav.: das eine wie das an- 
dere ist in der Gestalt die die Fuld. ihm geben 
in die Sith. übergegangen. Aus jenen aber sind 
757. 764 ('et praeter solitum proUxa' aus der An- 
gabe der Dauer), 767 Einnahme Ton Limoges u.SiW. 

Ich hatte also vollständig Recht, wenn ich 
im J. 1836 schrieb: *Wir sehen, wie dieser (En- 
bard) seine Quellen — benutzt: überall folgt ihm, 
glei(^mässig der Verfasser dieser Annalen ; er be- 
hielt auch den wörtlichen Ausdruck desselben 
bei, wie die Vergleichung jedes beliebigen Jah- 
res lehrt'. Der Verf. aber hatte kein Recht zu 
sagen (S. 8): meine Ansicht sei 'unzulänglich,, 
weil ihm dabei offenbar nur die betreffenden 
beiden Schriften selbst, nicht, wie der Sicherheit 
wegen, nöthig gewesen wäre, zugleich die be- 
kannten Quellen der Annales Fuldenses vor Au* 
gen gelegen haben'. Diese Annahme ist in nichts 
begründet : ich hielt es nur nicht für nöthig, eine 
so einfache und klare Sache wie. diese weitläuf- 
tiger darzutiiun, als unumgänglich erforderlich war. 

Ob ich das Verhältniss der Ann. Petav. zu 
den Fuldenses damals schon erkannt, kann ich 
in der That nicht sagen: jedenfalls gehörten sie 
nicht zu den bekannten Quellen der Fulden-. 
ses, da weder früher Pertz, noch jetzt Hr. Sim- 



1) Habn, Jahrbücher 741- t52. S. 47 N. bat sich auch uur, 
tWi'ifehid geausseit. 



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68 

Emzehes was weder die Ann. Laur. niin.^) 
noch die Petaviani enthalten, wird natürlich in 
seinem Ursprung dadurch um nichts klarer, dass 
e» ausser dem Fuld. audi die Sith. haben; so 
die Angabe, dass Karl Martell zu Carisiäcum, 
Karlmann zu Lugdunum gestorben (vgl. Simson 
S. 13), die Nachricht 787 über die Hruod- 
trud «). 

Unter dem Wenigen was den Ann. Sith. d- 
genthümlich weist wenigstens eins entschieden auf 
einen späteren Ursprung dieser Arbeit hin; die 

lückenhaften Worte 810: et inde pulci orum 

fabula exorta est. Dass sie auf Interpolation be- 
ruhen, ist eine durdi nichts zu beweisende Ad* 
nähme; die Beziehung, welche Hr. Simson ver- 
muthet, indem er unter Verweisung auf Ann. 
Sang. maj. 955 ergänzt: Pulci regis Hunorum, 
dünkt mich wenig wahrscheinlich, indem ich we- 
nigstens nicht absehe, was dieser Ungarnförst 
mit der vorher erwähnten boum pestilentia zu 
thun haben soll, und überhaupt nicht weiss, 
welche Fabel von demselben im Umlauf war. 

Ausserdem haben die Ann. Sith., wie ich schon 
in dem frühem Aufsatz bemerkte, neben den 
Ann. Fuld. allerdings auch die Quelle dieser, die 
Laur. maj. oder Einh. benutzt; was an sich nichts 
Auffallendes hat. 

Sie schreiben, wie die angeführten Beispiele 



1) Dass diese nicht blos bis 788, soodern wenigstens auch 
noch 794 benutzt, bemerkt Simson mit Recht S. 15. Gegen die 
Ansicht von Pertz, dass die Ann. minores bb zu jenem Jahr 
auch in den majores benutzt seien, habe ich mich schon in die- 
sen Nachrichten 1857. S. 51 ff. erlUärt: mngekehrt jene haben 
eine Handschrift der letzteren die bis 788 ging vor sich gehabt. 

2) Einiges was bei Simson so erscheint gehört nicht hierhin; 
so ist die Nacfaricfal 797 über die Blendung des griecbiscbeu Kai- 
sers Constantin aus Ann. Laur. maj. 798. 



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Eur Genäge dartban, meist wörtlich ab, ziehet 
nur häufig noch mehr ins Kurze. 

Schon dies Verhältnis allein musste von der 
Annahme, abhalten, die Hr. Simson hat empfeh- 
len wollen. Es ist weder denkbar, dassEiüiard 
den kurzer n Text der Sithienses immer aus der* 
selben Quelle, aus der jene selbst geflossen sein 
müssten, ergänzt und erweitert habe; noch ent- 
spricht überhaupt ein so wörtliches Wiedergeben 
mner anderen Fassung der ganzen Art seines 
Verfahrens: vielmehr hat er, wie wir zu Anfang 
bemerkten, mit einer gewissen Freiheit aus ver- 
schiedenen Quellen seine Darstellung zusammen- 
gestdlt. Sie gefiel später anderen und ist wie- 
derholt wieder ausgeschrieben worden. Zu die- 
sen Ableitungen gehören die Ann. Sithienses: ih- 
ren Verfasser, sage ich jetzt wie früher, 'für 
gleichzeitig zu betrachten ist durchaus kein Grund; 
das Ganze ist ohne historischen Werth'. 



Verzeichniss der bei der Kön. Gtesellschafit 

der Wissenschaften eingegangenen 

Druckschriften. 

August — October 1863. 

(Fortsetzung). 

Tramaotions of the Zool. See. of London lY, 7. Y, 1. 2, 

London 1862. 68. 4. 
— of the aoademy of sciences of St. Louis II, 1. St* 

Louis 186S. 8. 
Annaal report of the trustees of the museum of compa* 

rative zoology 1862. Boston 1863. 8. 



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70 

Annagl report of tke board of regenti «f ihe SnMI^onaMi 

Insiiiation. Washingtcm 1862. 8. , . 

Address of J. A. Andrew to Uie legisluture of Ifosi^btt- 

setU, 1868. 8. 
Smithson»!! misdellatteöus <x>ll6etioiM. m. WtslnngioB 

1862. 8. 
Proeeeding« of Üie academy of naivurel s^enoef of PUla* 

delphia. 1862, 5—12. Philad. 1862. 8. 

— of the Boston Society of nat. bist, IX, p. 49—176. 8. 

— of the American Academy. V, p. 585 — 458. VI, p. l- 96. 
Cambridge A Boston. 1862. 68. 8. 

Memoirs of tbe American Acad. oi arts and soieiieas. ünr 

series Vm, 2. Ebd. 1863. 4. 
Report öf tbe Superintendent of tbe coast snrvey sIioto^ 

the progress of the survey 1859. 60. Wash. 1860.6). 4. 
16. Jafaresbmcbt der Ohio Staats- Ackerbau -BebflllK^ faac 

1861. Columbns 1862. 8. ^ 

Constitution and by- laws of tbe Boston Soo. 1855. % 
Boston Journal of natural iiistory. YII, 2. 8» Boston 

1861. 62.* 8. 

A. Weber, indische Studien. VII, 8. Berlin 1868. 8. 
Zeitschrift der Deutschen morgenl. Gesellschaft. XYII, 8. 4. 
Leipzig 1863. 8. 

— für die gesammten Naturwissenschaften^ berausg. y. 
Giebel & Heintz. 1862, 7-12. 1863. 1—6. Berlin 

1862. 8. 

Lotos. Zeitschr. für Naturwissenschaften. 1863, 1—7. 

Prag. 8. 
G. Mettenius, über den Bau von Angiopteris. Aus d. 

Abhandlungen d. Sachs. Ges. d. Wisß. Leipzig 1863. 8* 
J. G. Droysen, die Schlacht von Warschau 1656. Ebd. 8. 
Berichte über die Verhandlungen der k. Sachs. Ge». der 

Wiss. Pbii.-hist. Cl. XIV. (1862). Math.-phys. Cl. XIV. 

(1862). Leipzig 1868. 8. 
A. J. Ellis, Bessel's hypsometric tables as corrected by 

Plantamour, redoced to EngUsh measurea. Sep.-Abdr. 8. 
Beglückwünschungsscbrifl des J'rankfurter physik. Vereins 

zur Jubelf. der Senckenberg« Stiftung. Franko 1863. 4. 
Annales des sciences physiques et naturelles, d'agriculture 

et d'industrie, publ. par la Soc. imp. d'agricultare der 

Lyon. 31e serie. V. VI. Lyon 1861. 62. 8. 

(Fortsetzung folgt). 



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Nachrichten 

von der Königl. Gesellschaft der Wissen- 
schaften und der G. A. Universität zti 
Göttingen. 



März 2. M 4. 1864. 



Universität. 

Verzeichniss der Vorlesungen; die von den hie- 
sigen öffentlichen Professoren und von den Pri- 
vatlehrern auf das künftige halbe Jahr angekün* 
digt sind, nebst vorausgeschickter Anzeige der 
öffentlichen gelehrten Anstalten zu Göttingen. — 
Die Vorlesungen werden den 15, April ihren An- 
fangnehmen, u. den 15, J^w^^ws/ geschlossen werden. 

Oeffentliche gelehrte Anstalten. 

Die Versammlmigen der Königl, Sodetät tfer Wissen- 
schaften werden in dem üniversitätsgebäude Sonnabends 
um 3 ühr gehalten. 

Die Universitätsbibliothek wird aUe Ta^e geöffnet: Mon- 
tags, Dienstags, Donnerstags und Freitags von 2 bis 3 ühr. 
Mittwochs und Sonnabends von 2 bis 4 ühr. Zur Ansicht 
auf der Bibliothek selbst erhält man jediBS Werk, das man 
nach den Gesetzen verlangt; über Bücher, die man aus 
derselben geliehen zu bekommen wünscht, gibt man einen 
Schein, der von einem hiesigen Professor unterschrieben ist. 

Die Sternwarte, der botanische und der ökonomische 
Garten f das Museum ^ das physiologische Institut^ da| 
2%eatrtim anatomicum, die Kupferstich- und Gemälde- 
sammlung ^ die Sammlung von Maschinßn und Moäel(e7%t 
das physikalische Cabinet imd das chemische Laboratorium 
können gleiohialls von Liebhabern, welche sich gehörigen 
Orts melden, besucht werden. 



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72 

Vorlesungen. 

Theolc^sche Wissenschaften. 

Die Einleitung in das Studium der Theologie tragt Hr 
Ober-Consist.-R. Abt Ehrenfeuchter Mittw. u. Sonnab. um 
12 Uhr öfifentlich vor. 

Exegetische Vorlesungen über das AUe Testament: Hr 
Prof. Ewald erklart den lob und die Salomonischen Schrif- 
ten um 10 Uhr ; Hr Prof. Bertheau den Jesaias 6 St. wöch. 
um 10 Uhr; Hr Dr. Nöldeke die Psalmen 4 St. wöch. 
um 10 Uhr; Derselbe das Hohe Lied Salomonis Sonnab. 
um 10 Uhr gratis. 

Exegetische Vorlesungen Über das Neue Testament: Hr 
Prof. Wiesinger erklart den Brief des Apostels Paulus an 
die Römer 5 St. wöch. um 9 Uhr; Hr Prof. Ritschi den 
Brief an die Hebräer 5 St. wöch. um 9 Uhr; Hr Prof. 
Lünemann das Evangelium des Ap. Johannes 5 St. wöch. 
um 9 Uhr: Derselbe die Briefe des Ap. Paulus an die 
Korinther 6 St. wöch. um 7 Uhr. 

Das Leben Jesu Christi tragt Hr Ober-Consist.-R. Abt 
Ehrenfeuchter Mont. Dienst. Donnerst, u. Freitags um 12 
Uhr vor; 

Die Theologie des A, T. Hr Prof. Bertheau 4 St. wöch. 
um 11 Uhr; 

Die Theologie des N, T, Hr Prof. Wiesinger Mont. Dienst. 
Donnerst, u. Freit um 4 Uhr; 

Die Dogmengeschichte Hr Consist.-R. Duncker Mont. 
Dienst. Mittw. Donnerst, und Freit, um 11 Uhr, Sonnab. 
um 9 Uhr; 

Die christl. Dogmengeschichte Hr Licent. Dr. phil. Holz- 
hausen 6 St. wöch. um 11 Uhr; 

Die Einleitung in die christl. Dogmatik Hr Consist.-R. 
Schöberlein Freit, u. Sonnab. um 12 Uhr; 

Der christl. Dogmatik ersten Theil (Theologie, Anthro- 
pologie u. Ponerologie) Derselbe Mont. Dienst. Mittw. u. 
Donnerst, um 12 Uhr. 

Die symbolischen Bacher der lutherischen Kirche und 
die Hauptstücke ihrer dogmatischen Lehren erläutert Hr 
Prof. Matthai Mont. u. Dienst, um 2 Uhr. 

Die Synodalverfassung der Kirche tragt Derselbe, für 
die Hörer der Vortrage über die lutiierischen Symbole 
unentgeltlich, Mittwoch um 2 Uhr vor; 

Die theologische Ethik Hr Prof. Ritschi 6 St. wöch. 
um 8 Uhr; 



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73 

Die bibUsehe Geographie und ausffewahlte Kapital der 
htbl, Archäologie Hr Dr. phil. BiaUoblptzky in ^ die 
Zuhörer bequemen Stunden. 

Ueber die neuesten Reiseunternehmungen mit Beziehung 
auf das Missionawesen u. d, heil, Stätten liest Derselbe. 

Vorlesungen über Kirchengeschichte : Herr Consist. • R, 
Dunoker tragt den zweiten Theil der K. G. 6 St. wöch. 
um 8 Uhr vor ; Hr Prof. Wagenmann der Kirchengeschichte 
ersten Theil 6 St. wöch. um 8 Uhr; die neuere Kirchen- 
gesch. öfF. Mont. Dienst. Donnerst, u. Freit, um 3 ühr; 
HrLic. Dr. phil. Holzhausen den ersten Theil der allg. Kir- 
chengeschichte vom Ursprung der Kirche bis auf WiclefiTe 
6 St. wöch. um 8 Ühr. 

Die praktische Theologie in Grundzügen trägt Hr Con- 
sist.-R. Schoeberlein 5 St. wöch. um 4 ühr vor; 

Der prakt. Theologie 2. 2'?ieil {Liturgik, Homiletik^ 
Seelsorge und kirchL Politik) Hr Ob. Consist.-R^ Abt Eh- 
renfeuchter 5 St. wöch. um 3 Uhr. 

Die Uebungen des k. homiletischen Seminars leitet ab- 
wechselnd mit Hr Prof. Wiesinger Hr Ob.- Consist. -E. 
Abt Ehrenfeuchter Sonnabend von 10— 12 Uhr öffentL 

Die liturgischen Uebungen im praktisch ^ theologischen 
Seminar leitet Hr Consist. -R. Schöberlein Sonnab. um 9 
Uhr öffentlich. 

Die Katechetik u. die katech^t. Uebungen wird Hr Ga- 
neraki^erintendent Dr. phil. Rettig am schwarzen Brete 
anzeigen. 

Die katechetischen Uebungen leiten Hr Ob.- Consist. -R. 
Abt Ehrenfeuchter wie bisher öffentl. Sonnabend um 5 
Uhr; Hr Prof. Wiesinger Mittwoch um 5 Uhr öffentlich.: 

Zum Kirchengesang gibt Hr Ccmsist.-R. Schoeberlein 
mit Hm Musikdirektor Hille Mittw. um 6 Uhr Ab. im 
prakt. theol. Seminar Anleitung, öffentlich. 

Eine exegetische Societät veranstaltet Hr Prof. Wiesinr 
ger; seine historisch - theologische Societät wird Hr Prof. 
Wagenmann zu leiten fortfahren. 

Zur Ertheilung von Privatissimis erbietet sich Hr Lic. 
Dr. phil. Holzhausen. 

Die systematischen f historischen u, exegetischen Conver^ 
satorien werden in üblicher /Weise Mont. um 6 Uhr Ab. 
von den Repetenten geleitet werden. 

Hr R^et. Gropp erklart die Korintherbriefe 4 St. wöch. 
um 9 Uhr; den Br. an die Philipper Mittw. um 11 Uhr 
unentgeltl. Hr Repetent Hansexi erklart das Hohe Lied 

7* 

Digitized byVjOOQlC 



u 

Sak>TA<miii, Elagliedei*, Kobelet Moni. a. Donnerst, um 
ll Ukr ctti^orisch und anentgeltlich. 

Keohtswissenschaft. 

Die Juristische i!ncyklopädie trägt Hr Staatsrath Zaclia- 
riae 4 St. wöch. um 12 Uhr vor; Die Encyklopädie des 
Mechts Hr Dr. von Bar 4 St. wöch. um 9 od. um 8 Uhr ; 

Die deutsche Sttutts- und Rephtsgeschichte Hr Dr. Ernst 
Meier 5 St. wöch. um 7 Uhr ; m Dr. Frensdorff 6 St. 
wöch, um 11 Uhr; 

Das deutsche Staats- u. Bundesrecht Hr Staatsrath Za- 
chariae 6 St. wöch. um 10 Uhr; 

Das Europäische Völkerrecht Hr Dr. Ernst Meier 8 St. 
wöch. um 9 Uhr; Die Geschichte der deutschen Einheits- 
b^strebungen seit dem Anfange des gegenwUrt, Jdhrh, Hr Dr. 
Ernst Meier Sonnab. um 12 Uhr unentgeltl.; 
- Die deutsche Verfassungsgeschichte seit dem westphäli- 
9chen Frieden Hr Dr. Frensdorff 2 St. wöch. um 12 Uhr 
unentgeitlich ; 

Das Criminalrecht Hr Hofr. Herrmann 6 St. wöch. um 
10 Uhr; 

Ausgewählte Abschnitte des Criminalrechts Hr Hofr. 
Hemnann 2 St. wöch. öffentlich. 

Ueb^ die Verbrechen des Diebstahls, der Unterschla- 
gung, Fälschung und des Betrugs liest Hr Dr. von Bar 2 
St. wöch. um 9 Uhr gratis. 

Die römische JRechtsigeschichte Hr Prof. Pernice 6 St. wöch. 
um 10 ühr; Hr Prof Ubbelohde 6 St. wöch. um 10 Uhr; 
Hr Prof. Schlesinger 6 St. wöch. um 10 Uhr; Hr Dr. G. 
Jlartiaann 6 St. wöch. um 10 Uhr. 

Ein Exegeticum veranstaltet Hr Geh. Justizr. Ribben- 
trop Mont. Dienst. Donnerst, u. Freit, um 5 Uhr u. übt 
diejenigen Zuhörer, welche es wollen, im Inteipretiren u. 
im Antworten auf Fragen, die ihnen vorgelegt werden* 

Eine summarische Exegese der Justinianeischen Institu- 
tionen gibt Hr Prof. Ubbelohde 2 St. wöch. um 4 Uhr. 

Das vierte Buch von Gajus' Institutionen erklärt Hr Dr. 
Maxen 2 St. wöch. gratis. 

Mesponsa u. Quaestionen römischer Juristen erklärt Hr 
Dr. Hartmann 2 St. wöch. um 4 Uhr. 

Die Institutionen des röm. Hechts trägt Hr Hofr. Fiiancke 
um 11 Uhr vor; Hr Prof. Mommsen mn 11 Uhr, 



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7« 

Die Pandekten mit Ausschluss des Obligationenrechts 
(welches Hr Prof. Mommsen vortragen wird), Hr Geh. Ja^ 
stizrath Eibbentrop um 9 u. 11 ülJ* 
' Das Erbrecht Hr Hofr. Francke um 8 ühr; Hr Prof. 
Mommsen um 8 Uhr; 

Das Obligationenrecht Hr Prof. Mommsen um 12 ühr; 

Das römische Familienrecht Hr Dr. Maxen 4 Si. wöch 
um 9 ühr. 

Die schwereren Abschnitte des römischen JRechis erklärt 
Hr Prof. Pernice 1 St. wöch. um 5 ühr öffentlich. 

Die Geschichte des römischen Civilprocesses tragt Hr Prof. 
Schlesinger Mittwoch u. Sonnabend um 9 ühr vor ; Hr Dr. 
Hartmann 2 St. wöch. um 12 ühr. 

Die Theorie des gemeinen CSmlprocesses Hr Prof. Hart- 
mami 5 St. wöch. um 11 ühr u. 5 St. wöch. um 12 Ühr; 
Hr Prof. Pernice 6 St. wöch. um 11 ühr; 

Ein Civilpracticum hält Hr Hofrath Thöl 4 St. wöch. 
Mont u. Donnerst, v. 4 — 6 ühr 

Das kathoL u. protestant, Kirchenrecht tiÄgt Hr Hofr. 
Hefrmann Ö' St. wöch. um 9 ühr vor ; Dasselbe Hr Dr. 
Ernst Meier 4 St. wöch. um 8 ühr: 

Das deritsche Privatrecht mit Inbegriff des Lehn- und 
Handelsrechts Hr Hofr. Kraut nach der 4. Aus^. seines 
Gnmdrisses zu Vorlesungen über das deutsche Prwatrecht 
. . . nebst beigefügten Quellen, Gott. 1855, 12 St. wöch. 
ran 7 u. 9 ühr; und verbindet damit theoret, prakt. Ue- 
bungen in einer den Zuhörern bequemen St.; 

Das deutsche Privatrecht mit Lehn- u. Handelsrecht 
Hr Prof. Wolff 12 St. wöch. um 7 und um 9 ühr; 

Das Privatseerecht Hr Prof. Schlesinger Dienst. Donnerst, 
u. Freit, um 8 ühr; 

Das Handelsrecht Hr Hofr. Thöl nach der 4. Ausg. s. 
Handelsrechts 5 St. wöch. um 7 Ühr; ,, 

Das Hannoversche Hecht Hr Dr Grefe 5 St. wöch. um 
lUhr; 

Das bäuerliche Recht des Königreichs Hannover Hr 
Prof. übbelohde 4 St. zu einer passenden St, 

Den deutschen Strafprocess sowohl des gemeinen Rechts 
als der neuem deutschen Strafprocessordnungen Hr Staats- 
rath Zachariae 5 St. wöch. um 9 ühr. 

Die Geschichte des deutschen GerichtsuJesens Hr Dr Ma- 
xen 2 St. wöch. gratis. 

Ein Process-Practicum veranstaltet Hr Prof. Briegleb 
4 St. wöch. Dieust. u. Freit, von 4 bis 6. 



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76 

Ein Relatorium veranstaltet Ht Prof. Hartmann 2 St. 
wöch. V. 4-6 Uhr. 

Zu Repetitorien u. Privatissima erbieten sich Hr Prof, 
übbelohde; Hr Dr. Hartmann; Hr Dr. Maxen. 

Die Vorlesungen über gerichtliche Medicin s. unter Hetl" 
künde, 

Heilkunde. 

Die Vorlesungen über Botamk und Chemie s. unter 
Naturlehre, 

Die vergleichende Anatomie tragt Hr Prof Keferstein 
Mont. Dienst. Mittw. Donnerst, um 3 ülir vor; 

Die allgemeine Anatomie Hr Hofr. Henle Mont. Mittw. 
und Freit, um 11 Uhr; 

Der systematischen Anatomie Tbeil 2 (Angiologie und 
Neurologie) Derselbe 6 St. wöch. nm 12 Uhr. 

Einen mikroskopischen Cursus im patholog* InstätU 
hält wie bisher Hr Prof. Krause. 

Mikroskopische Ziehungen leitet Hr Profi Kraemer pri- 
vatissime; Hr Dr. Ehlers wie bisher. 

Die allgemeine und besondere Physiologie j mit Erläute- 
rungen durch Versuche und mikroskopische Demonstra- 
tionen trägt Hr Prof. Herbst 6 St. wöch. um 10 Uhr vor; 
Der Experimental- Physiologie ersten Theil (Ernährung) 
Hr Prof. Meissner 5 St. wöch. um 10 Uhr, Die Physio- 
logie der Zeugung und der Entwicklungsgeschichte Derselbe 
2 St. wöch» Sonnab. von 10 bis 12 ifhr; 

Dib Zeugung der Thiere Hr Dr. Ehlers Dienst, u. Freit, 
um 8 Uhr gratis. 

Zu praktischen zoologischen , zootom, und mikrosk, üe- 
hungen im physiolog. Institut wird Hr Prof. Keferstein 
Mont. und Dienst, von 10 — 1 Uhr bereit sein. Desgl. 
Hr Prof. Meissner iägl. in pass. Stunden. 

Die allgemeine Pathologie und Therapie trägt Hr Hofr. 
Marx Mont. Dienst, u. Mittwoch um 4 Uhr vor ; Hr Prof. 
Krause Mont. Dienst. Donnerst, und Freit, um 8 Uhr; 

Die physikalische Diagnostik ^ vornehmlich die Auscul- 
tation u, Percussion, verbunden mit praktischen Uebun- 
gen, trägt Hr Prof. Kraemer Mont. Dienst'. Donnerst, und 
Freit, um 8 Uhr vor; 

Die physikalische Untersuchung der Itespirationa- und 
Circulationsorgane, in Verbindimg mit prakt. Üebungen an 
Gesunden und Kranken, trägt Hr Dr. Wiese 4 St. wöch. 
in später zu verabredenden Stunden vor. 



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77 

Die Arzneimittel- Lehre u, Receptirkunde tragt Hr Hofr. 
Marx 5 St. wöch. um 3 ühr vor; 

Pharmakognosie Hr Prof. Wiggers, nach s. Grundrisse 
der Pharmakogn. 5. Aufl. 

Die Pharmacie Derselbe 6 St. wöch. Morg. um 6 ühr; 

Die Pharmacie für Mediciner Hr Dr von Uslar in spä- 
ter zu bestimmenden Stunden. 

Die Pharmacopoea hanoverana nova erklärt Derselbe 
3 St. wöch. 

Privatissima über Pharmacie gibt Hr Dr. Stromeyer. 

Die spedeüe Pathologie und Therapie trägt Hr Geh. 
Hofipath Hasse 6 St. wöch. um 7 ühr und Mittwoch und 
Sonnabend um 8 ühr vor; 

Die Augen- und Ohrenkrankheiten Hr Hofr. Baum 4 St. 
wöch. um 2 ühr; 

Die Augenheilkunde Hr Dr. Lohmeyer 4 St. wöch. um 
8 ühr; 

Den ersten Theil der Chirurgie Hr Hofr. Baum 5 St. 
wöch. um 4 ühr und Sonnab. um 8 ühr; 

Die Lehre von den KnochenbrUchen und Verrenkungen 
Derselbe Freitag und Sonnabend um 2 ühr öfifentlich. 

Die Bandagenlehre, praktisch geübt, Hr Prof. Kraemer 
3 St. wöch. in passenden Stunden. 

Die Lehre von der Gehurtshülfe Hr Prof. Schwartz 
Mont. Dienst. Donnerst, und Freit, um 8 ühr. Den ge- 
burtshälßichen Operationscursus hält Derselbe Montag und 
Donnerstag um 3 ühr. Die gehurtshUlfl, Klinik leitet 
derselbe Dienstag und Freitag von 3 — 5 ühr. 

Die systematische Gehurtshülfe trägt Hr Dr. Eüneke 
Mont. Dienst. Donnerstag und Freitag um 7 Ühr vor. 

Die geburtshülß. Operationslehre und den Operations' 
curstM leitet Derselbe Mittw. und Sonnab. um 7 Ühr und 
Montag um 8 ühr. 

Die Frauenkrankheiten trägt Derselbe Dienst. Donnerst, 
und Freitag um 8 ühr vor; 

Zu Repetitorien u. Privatissima erbietet sich Derselbe. 

Die gerichtliche Medicin trägt Hr Prof. Krause Montag 
Mittwoch und Donnerst, um 3 ühr vor. 

Die medicinische Klinik und Poliklinik leitet Hr G^h. 
Hofr. Hasse täglich um 10|^ ühr. 

Die Klinik und Poliklinik für Chirurgie und Augen- 
heilkunde leitet im Emst-August-Hospitale Hr Hofr. Baum 
täglich um 9-10i^ ühr. 

Die Uebungen in chirurgischen Operationen und 
in Augenoperationen an Leichen stellt Derselbe 



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78 

tSglicli so oft Leichen da sind im anatomischen Museum 
an um 5 oder 6 Uhr Abends. 

In dem Thierhospitale wird Hr Inspector Dr, Luelfing 
die Krankheiten der Hausthiere in Verbindung mit klini- 
schen Demonstrationen 6 St. um 7 Uhr vortragen. 

Den Rdtunterricht ertheilt Hr Universitats- Stallmeister 
Schweppe, Rittmeister a. D., Mont. Dienst. Mittw. Freit, 
und Sonnab. des Morgens von 7 — 11 Uhr und Nachmit- 
ta'gs ausser Sonnabend um 4 Uhr. 

Philosophische Wissenschaften. 

Die allgemeine Geschichte der Philosophie trägt Hr 
Rnof. Peip 5 St. wöch. um 4 Uhr vor; 

Der Geschichte der Philosophie ersten l'heü d. h. Ge- 
schichte der Philosophie hei den alten Völkern Hr Geh. 
Hofrath Ritter 5 St. wöch. um 5 Uhr; 

Der Geschichte der Philosophie ztceiten Theü d. L Ge- 
schichte der Philosophie seit Wiederherstellung der Wiesen^ 
Schäften bis auf die neuesten Zeiten Hr Prof. von Stein 
5 St. wöch. um 5 Uhr; 

Die Geschichte der antiken Theologie Derselbe Mittwoch 
um 4 Uhr öffentlich. 

Den philosophischen Gehalt des Goethe'schen Faust legt 
Hr Prof. Peip öffentlich Mittwoch um 12 Uhr dar. 

Die Logik und Metaphysik lehrt Hr Geh. Hofr. Ritter 
5 St. wöchentlich um 3 Uhr; 

Die Logik und Metaphysik Hr Prof. von Stein 4 St. 
wöch. um 10 Uhr; 

Die Psychologie Hr Prof. Bohtz Mont. Dienst, u. Don- 
nerst, um 11 Uhr; Hr Dr. Langenbeck Dienst. Mittwoch 
Donnerst, und Freitag um 8 Uhr; 

Die Metaphysik Hr Dr. Langenbeck Dienstag Mittwoch 
Donnerstag und Freitag um 7 Uhr; 

Die Religionsphilosophie Er Hofr. Lotze 4 St. wöch. um 
9 Uhr. 

Die Naturphilosophie Hr Hofr. Lotze 4 St. wöch. um 11 Uhr. 

Ueber Rettungsanstalten liest Hr Assessor Dr. Moller 
öffentlich Mittwoch um 12 Uhr gratis. 

Die Lehre und Geschichte der Pädagogik tragt Hr 
Prof. Krüger Mont. und Dienst, um 12 Uhr vor; 

Die al/gemeine Pädagogik Hr Assessor Dr. Moller Mont. 
Dienstag und Donnerst, um 12 Uhr. 

Hr dJ. Teichmüller wird von einer Reise zurückgekehrt 
Vorlesungen ankündigen. 



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79 

Ausser* der bisher von dem Hm Prof. Peip gpeleiteten 
philos, Societät, welche Freitag Abend von 6— -8 fortbe- 
stehen soll, wird er eine neue eröffnen, in der Montag 
Abend von 6—8 zunächst die Grundlehren der Logik auf 
eine dem Bedürihiss aller Facultäten angemessene Weise 
sollen durchgenommen werden. Eine philosoph, Societät 
leiten Hr Ass. Dr. Moller, Hr Dr. Langenbeck (Montag 
zweistündig). 

Die üehungen des kön, pädagogischen Seminars leitet 
Hr Hofr. Sauppe Montag und Dienstag um 11 Uhr. 

Staats Wissenschaften und Gewerbs Wissen- 
schaft. 

Die Statistik des Königreichs Hannover trägt Hr Prof. 
Wappäus Mont. Dienstag und Donnerst, um 12 Uhr vor ; 

Die Volksmrlhschaflspolitik Hr Prof. Helferich Montag 
Dienstag Donnerstag und Freitag um 3 Uhr; 

Die Geschichte der Staatswissenschaft Derselbe Montag 
Dienstag Mittwoch um 8 Uhr. 

Die Theorie der Viehzucht (Schafzucht, Schweinezucht, 
Rindviehzucht u. s. w.) trägt Hr Prof. Griepenkerl Montag 
Dienstag Donnerstag und Freitag um 8 Uhr vor. 

JSxcursionen nach benachbarten Landgütern veranstaltet 
Derselbe. 

Mathematische Wissenschaften. 

Die Differential- und Integralrechnung trägt Hr Prof, 
Stern 6 St. wöch. um 7 Uhr vor; 

Die Variationsrecfmung Derselbe Montag Dienstag und 
Mittwoch um 8 Uhr; 

Die Theorie der partiellen Differentialgleichungen mit 
Anwendungen auf physikal. Fragen Hr Prof. Biemanii 5 St. 
wöch. um 9 Uhr; 

Die Theorie der partiellen Differentialgleichungen , mit 
Anwendung auf verschiedene physikal. Fragen Hr Prof, 
Schering 4 St. wöch. um 3 Uln-. 

Die ebene und sphärische Trigonometrie ^ die JPolggono^ 
metrie nnd die Stereometrie Hr Hofr. Ulrich um 10 Uhr; 

Die praktische Geometrie Derselbe Mont. Dienst. Don- 
nerstag und Freitag von 5 bis 7 Uhr; 

Die sphärische Astronomie Hr Prof. Klinkerfiies Montag 
Dienstag Donnerstag und Freitag um 12 Uhr; 



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80 

Die Tfieorie der elliptischen Functionen HrDr. Eimeper 
Montag Dienstag Mittwoch und Donnerstag um 9 Uhr; 

Die Reihen von Lagrange und Fourier Derselbe Sonnab. 
um 9 Ubr gratis. 

In dem physikalisch - mathematischen Seminar leitet Hr 
Hofr. Ulrich die mathematischen üebungen Mittwoch um 
2 Uhr; liest Hr Prof. Stern über Anwendung der Reihen 
auf die höhere Arithmetik Donnerstag um 8 Uhr ; erklärt 
Hr Prof. Schering die Elektricitatsbewegung Freitag um 
4 Uhr öffentlich. Hr Prof. Klinkerlues wird unentgeltlich 
einmal wöch., zu einer passend zu wahlenden St. mit den 
Theilnehmem des Seminars die astronomischen und magne- 
tischen Beobachtungen fortsetzen. 

Naturlehre. 

Die Naturgeschichte des Menschen tragt Hr Hofr. Wagner, 
wenn er von schwerer Krankheit wiederhergestellt ist, vor. 

Zu zoologischen Demonstrationen erbietet sich Hr Prof. 
Keferstein im akadem. Museum Dienstag und Freitag von 
3-5 Uhr. 

Allgemeine und specielle Botanik, in Verbindung mit 
Excursionen und Demonstrationen, lehrt Hr Hofr. Grise- 
bach 6 St. wöch. um 7 Uhr Morgens ; die medicinische 
Botanik Derselbe 4 St. wöch. um 8 Uhr. — Die specielle 
Botanik lehrt nach einAn Vortrag über die allgem. Bota- 
nik Hr Hofr. Bartling 6 St. wöch. um 7 Uhr; die medi- 
cinische Botanik 5 St. wöch. um 8 Uhr; die ökonomische 
Botanik Montag Dienstag Donnerstag und Freitag um 11 
Uhr. Botanische Excursionen mit s. Zuhörern werden in 
bisheriger Weise Statt finden; Demonstrationen im bota- 
nischen Garten zu passender Zeit gehalten werden. — 
Die allgemeine und specielle Botanik tragt Hr Assessor Dr. 
Lantzius- Beninga 6 St. wöch. Morgens um 8 Uhr vor; 
Derselbe wird ein Repetitorium über allgem. und specielle 
Botanik 6 St. wöch. Morgens um 7 Uhr halten und au- 
sserdem zu pass. Zeiten botanische Excursionen, Demon' 
strationen sowie Üebungen im Bestimmen u. Zergliedern 
von Pflanzen anstellen. 

Die Mineralogie u, landwirthschaftliche Geognosie tragt 
Hr Prof. Sartorius von Waltershausen 4 St. wöch. um 12 
Uhr vor. 

Die Geognosie Hr Prof. von Seebach Dienst, bis Freit, 
um 8 Uhr, verbunden mit geologischen Excursionen; 



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81 

Die Physik der Erde als Einleitung in die Geologie 
Derselbe Dienst, u. Donnerst, um 12 iRir; 

Der Geologie 2. Theil Hr Prof. Sartorius von Walters- 
hausen um 11 Ulir; 

Praktische Uehungen in der Mineralogie veranstaltet 
Derselbe wie bisher. 

Privatissime, aber gratis leitet Hr Prof. von Seebach 
geologische u. paläontologische Hebungen Dienst, u. Freit, 
von 9 bis 12 Uhr. 

Der Experimentalphysik ersten Theil tragt Hr Hofr. 
Weber Mont. Dienst, u. Mittwoch von 5 — 7 Uhr vor; 

Die Hydrostatik u, Hydrodynamik Hr Dr Pape 4 St. 
wöch. um 12 Uhr ; die mechanische Wärmetheorie Derselbe 
2 St. wöch. um 12 Uhr. 

Uehungen in meteorologischen Rechnungen leitet Hr 
Prof. Listing in einer bequemen St. 

Die Optdc tragt Hr Prof. Listing 4 St. wöch. um 12 
Uhr vor; 

Die mathematische Physik Hr Dr. 0. E. Meyer 5 3t. 
wöch. um 10 Uhr. 

üeber eine der neueren Moleculartheorien der Physik 
liest derselbe Freit, um 5 Uhr gratis. 

Die Chemie tragt Hr Obermed.E. Wöhler 6 St. wöch. 
um 9 Uhr vor. Derselbe leitet die praktisch- chemischen 
Uehungen u. Untersuchungen in den drei Abtheilungen 
des akademischen Laboratoriums in Gemeinschaft mit den 
&n. Dr. von Uslar, Dr. Fittig u. Dr. Beilstein. 

Hr Prof. Wicke leitet die chemischen Uehungen im land- 
wirthschaftlichen Laboratorium ; Hr Prof. Boedeker die im 
physiologischen Laboratorium in den Vor- und Nachmit- 
tagsstunden. Derselbe wird ein Examinatorium über die 
theoretische u, pharmaceutisch- praktische Chemie 6 St. 
wöch. veranstalten. 

Die organische Chemie mit besonderer Berücksichtigung 
der physiologischen Chemie tragt Hr Dr. Fittig, Montag, 
Dienst. Donnerst, u. Freit, um 3 Uhr vor; die organische 
Chemie Hr Dr. Beilstein, 4 mal Dienst, bis Freit, um 12 Uhr ; 
Die Agriculturchemie Hr Prof. Griepenkerl Mont. Dienst. 
Donnerst, u. Freit, um 10 Uhr; dieselbe Hr Prof. Wicke 
2 St. wöch. 

Ausgewählte besonders in der Nationalökonomie wich- 
tige Abschnitte der technischen Chemie Hr Dr. Buff Dienst. 
Mittw. u. Donnerst, um 8 Uhr. 

Die analytische sowohl qualitative als quantitative Che- 
mie Hr Dr Hübner Dienst. Mittw. u. Freit, um 4 Uhr; 



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ST 

' Em Itepetitorxum def pharmaceutischen Chemie wird Hr 
Dr. Husemann nach s. Rückkehr aus Italien 4 St. wöch. 
veranstalten. 

Die physikalische Chemie trägt Hr Dr Pape einmal wöch." 
unentg^tlich vor. 

In dem physikalisch -mathematischen Seminar leitet Hr 
Hofr. Grisebach die praktischen üebongen in der syste- 
matischen Botanik ; Hr Hofr. Weber die praktischen phy- 
sikalischen Üebungen von 5 — 7 Uhr öfif.; Hr Prof. Listing 
die physikalischen üebungen Mittw. mn 11 Uhr. 

Privatissima üb. einzelne Zweige in der theoretischen 
Chemie ertheilt Hr Dr. Stromeyer. 

Historische Wissenschaften. 

Die biblische Geographie s. unter TheoL Wiasensch. 

Die Handschriftenkunde w, Diplomatik trägt Hr Prof. 
W. Müller Mont. Dienst, u. Donnerst, um 12 Uhr vor; 

Die alte Geographie, nebst genauerer Beschreibung der 
Wohnsitze und Denkmäler der Griechen, Hr Prof. Curtius 
5 St. wöch. um 12 Uhr; 

Die allgemeine Einleitung in das geschichtliche Studium 
Hr Dr. Cohn Donnerst, um 5 Uhr gratis; 

Die Geschichte des Mittelalters Hr Prof. Waitz 4 St. 
wöch. um 8 Uhr; 

Die Geschichte der deutschen Geschichtschreibung im 
Mittelalter Hr Dr Abel 2 St. wöch. um 9 Uhr; 

Die neuere Geschichte Hr Dr. Cohn 4 St. wöch. um 12 
Uhr; 

Die Geschichte der vorzüglichsten europäischen Reiche 
V. 1740 bis 1815 Hr Prof. Havemann Mont. Dienst. Don- 
nerst, u. Freit, um 8 Uhr: 

Die Geschichte der neuem Zeit, seit Anfang des 16. Jh., 
Hr Dr. Vischer 4 St. wöch. um 10 Uhr; 

Die Geschichte unseres Jahrh, v. 1814 an Hr Dr Usin- 
ger 4 St. wöch. Mont. Dienst. Donnerst, u. Freit, um 12 
Uhr; 

Die Braunschweig -LUneburgsche Geschichte Hr Prof. 
äavemann Mont. Dienst. Donnerst, u. Freit, um 11 Uhr. 

Die Geschichte des deutschen Königthums Hr Dr. Usin* 
ger 1 St. wöch. gratis; 

Die englische Geschichte v. 1689—1832 Hr Dr. Abel 2 
St. wöch. um 12 Uhr unentgeltl. 



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83 

Die Geschichte der schweizertschen Eidgenossenschaft Hr 
Dr Vischer 2 St. wöch. um 10 Uhr gratis. 

Historische Uebungen leitet Hr Prof. Waitz 1 Sl, vroch. 
öffentlich um 6 Uhr. Eine historiscJie Sodetät leitet Hr 
Dr. Gohn Montag ran 6 Uhr Abends. 

Hr Assessor Dr. Wüstenfeld und Hr Dr. Bessell werden 
nach -ihrer Rückkehr aus Italien Vorlesungen ankündigen. 

Die Kirchengeschichte s. unter TheoL Wissensch. 

Litterärgeschicl^te. 

Die allgemeine Litteratwgeschichte trägt Hr Hofr. Hoeck 
in einer am schwarzen Brete anzuzeigenden Si. vor; ' 

Den zweiten Tkeil der allgemeinen Litteraturgeschichte 
Hr Prof. Schweiger 4 St. wöch.; 

Die Geschichte und Kunst der griechischen Prosaiker 
Hr Prof. von Leutsch 3 St. wöch. um 10 Uhr; 

Die ältere Geschichte der deutschen Litteratur Hr As- 
sessor Dr. Tittmann 5 St. wöch. um 10 Uhr; 

Die Geschichte der italienischen Dichtung Derselbe 2 St. 
wöch. um 11 Uhr gratis. 

Die Uebersicht der spanischen Tragödie trägt Hr Lector 
Melford vor (s. unter: Neuere Sprachen). 

Die Vorlesungen über die Geschichte einzelner Wissen- 
schaften u, Künste sind bei jedem einzelnen Fache erwähnt. 

Schöne Künste. 

Die Aesthetik trägt Hr Prof. Bohtz Montag Dienstag u. 
Freitag um 4 Uhr vor. 

Unterricht im Zeichnen so wie auch im Malen ertheilt 
Hr Gn^e. 

Die Geschichte besonders der deutschen Architektur trägt 
Hr Prof. Unger 4 St. wöch. um 8 Uhr vor. 

Die vorzüglichsten Werke Itafaels und anderer Maler 
seiner Zeit erläutert Derselbe Mittwoch um 6 Uhr öffentl. 

Die Kupferstich- und Gemäldesammltmg ist geöf&iet 
Donnerstag von 11—1 Uhr. 

Die Geschichte der Musik lehrt Hr Prof. Exüger Don- 
nerstag und Freitag um 12 Uhr; r 

Die Harmonie- Lehre Derselbe Montag Dienstag und 
Mittwoch um 8 Uhr. 

Die Harmonielehre und Theorie der Mmik lehrt Hr 
Musik-Director Hüle in pass. Stunden. Derselbe ladet zur 
Singakademie und zum Orchesterspiel^ Verein ein. 



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84 
Alterthumskunde. 

Die Biblische Archäologie b. oben: Theolog. Wissensch. 

Die Archäologie der griechischen und rümisohen Kunst 
tragt Hr Prof. Wieseler 4 St. wöch. ran 10 Uhr vor. 

Privatim, den Zuhörern der Archaölt5gie aber unentgelt- 
lich, erldart Derselbe die Kunstwerke im königl, Museum, 
und tragt zugleich die Theorie der plastischen Künste 
Mittwoch Und Sonnabend um 10 Uhr vor. 

Das griechische Theaterwesen tragt Derselbe 2 oder 3 
St. wöch. um 4 Uhr vor. 

Deutsche Alterthümer tragt Hr Prof. Waitz vor und er- 
klärt Tacitus' Germania 4 St. wöch. um 4 Uhr. 

Im archäologischen Institut leitet Hr Prof. Wieseler die 
Uebungen der Mitglieder im Behandeln von römischen 
Münzen öffentlich annähend um 12 Uhr. 

Orientalische und alte Sprachen. 

, Die Vorlesungen über das AUe und Neue Testament 
8. unter: Theologische Wissenschaften, 

Die hebräische Grammatik lehrt Hr Lic. Dr. phil. Holz- 
hausen 3 St. wöch. um 2 Uhr; 

Die Anfangsgründe der ardbischen Grammatik lehrt Hr 
Prof. Wü8tei5eld privatissime in passenden St.; 

Die arabische Sprache Hr Dr. Nöldeke in später anzu- 
zeigenden Stunden; 

Die syrische und arabische Sprache lehrt Hr Prof. Ber- 
theau um 2 Uhr privatissime aber unentgeltlich. 

Die arabische Sprache lehrt fortsetzend Hr Prof. Ewald. 

Die koptische Sprache lehrt Derselbe um 2 Uhr öffentl. 

Die persische und armenische Sprache, verglichen mit 
dem SarCskrit, lehrt Hr Prof. Ewald 4 St. wöch. um 2 Uhr öff. 

Sanskrit \fAai Hr Prof. Leo Meyer Dienstag Donnerstag 
und Freitag um 3 Uhr; 

Die Sanskrit- Grammatik lehrt Hr Prof. Benfey Montag 
Dienstag um 12 Uhr. Das siebente Mandala des Big- 
veda erklärt Derselbe Mittwoch Donnerstag Freitag und 
Sonnab. um 12 Uhr. 

Die vergleichende Grammatik der griechischen und latei- 
nischen Sprache mit besonderer Berücksichtigung der JP/«a:ton 
der Verba lehrt Hr Prof. Leo Meyer 5 St. wöch. um 8 Uhr. 

Die metrische Compositum der lyrischen Strophen bei den 
Griechen Hr Prof. von Leutsch Mittwoch von 3—6 Uhr; 



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85 

Die griechische und lateinieehe Epigraphik Hr Hofrath 
Sauppe Montag Dienstag Mittw. u. Donnerst, früh um 7 Uhr. 

In dem philologischen Seminarium lässt Hr Prof. von 
Leutsch Theokrits Idyllien Mont. u. Dienst, um 11 Uhr 
öffentlich erklären ; leitet Hr Prof. Curtius die schriftlichen 
Arbeiten und Disputationen Mittw. um 11 Uhr öffentlich; 
Hr Hofr. Sauppe lässt öffentlich Ciceros Orator, Donnerst 
und Freitag um 11 Uhr erklären. 

In dem philologischen Proseminarium leitet Hr Prof. v. 
Leutsch die Disputirübungen Mittwoch um 9 Uhr öffent- 
lich; lässt Hr Prof. Curtius Tibulls Gedichte Mittw. um 
9 Uhr öff. erklären; lässt Hr Hofr. Sauppe Xenophons 
Symposion Mont. Ab. um 6 Uhr öff. erklären. 

Vorlesungen über die griechische Sprache und über grie- 
chische Schriftsteller. Hr Hofr. Sauppe erklärt Demosthe- 
nes Bede vom Kranze Mont. Dienst. Donnerst, u. Freit, 
um 9 Uhr; Hr Dr. lion Plutarchs Lebensbeschreibungen 
um 11 Uhr. — Zum Privatunterricht im Griechischen 
erbietet sich Hr Dr. Lion. 

Vorlesungen über die lateinische Sprache und über la* 
teinische Schriftsteller. Hr Prof. von Leutsch erklärt 
Livius Reden 4 St. wöch. um 3 Uhr; Hr Prof. Waitz Ta- 
citus Germania (s. ob. Alterthumskunde) ; Hr Prof. Curtius 
ausgewählte Satiren des Persius u. Juvenalis 3 St. wöch. 
um 8 Uhr. Hr Dr. Lion erklärt Ciceros lib*. I. de ofBciis 
um 1 Uhr. — Zum Privatunterricht im Lateinischen er- 
bietet sich Derselbe. 

In seiner philologischen Societät wird Hr Prof. Wieseler 
Aristophanes Acharner privatiss. erklären lassen. 

Deutsche Sprache und Litteratur. 

Die historische Orammatik der deutschen Sprache lehrt 
Hr Prof. W. Müller 4 St. wöch. um 3 Uhr. 

Gregorius von Hartmann von Aue erklärt Derselbe nach 
Lachmanns Ausgabe, Mittw. u. Sonnabend um 9 Uhr öff. 

Die ältere Edda erklärt nach vorausgeschickter Ueber- 
sicht über das Altnordische Hr Prof. Leo Meyer Dienst. 
Donnerst, u. Freit, um 12 Uhr. 

Die Uebungen der deutschen Gesellschaft leitet Hr Prof. 
W. Müller. 

Die Geschichte der deutschen Litteratur s. unter Litte- 
rärgeschichte. 



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, ' 8« 
Neuere Sprachen und Litteratür. 

Das aU/rafizö8%8che JRolandslied erklärt nach seiner Aus- 
gabe (Gott 1863) Hr Prof. Th. MüUer Montag Dienstag 
und Donnerstag um 12 Uhr. 

Französische Schreib- und Sprechübungen veranstaltet 
Derselbe Dienstag Mittwoch Freitag und Sonnabend 8 Uhr 
Morgens oder zu einer andern gelegenem Zeit. 

Zum Privatunterricht in der französischen Sprache er- 
bietet sich Derselbe. 

Hr Lector Dr. Melford und Hr Dr. Lion sind zu Schreib- 
und Sprechübungen so wie zum Unterricht im Französi- 
scheii erbotig. 

Das Altsächsische lehrt Hr Prof. Leo Meyer um 12 Uhr. 

Die englische Grammatik lehrt, in Verbindung mit prak- 
tischen Uebungen, Hr Prof. Th. Müller Montag Dienstag 
Donnerstag u. Freitag um 6 Uhr Abends. 

Die Grammatik der englischen Sprache in Verbindung 
mit praktischen Uebungen lehrt Hr Lector Dr. Melford, 
nach seiner »vereinfachten englischen Sprachlehre,« nach 
seinem »engl. Lesebuch (5. Aufl. 1860)« n. s. Ausg. v. 
»Byron's Mazeppa (2. Aufl. 1856)« 4 $t. wöch. um 6 UJir 
Abends. 

Die engl. Grammatik lehrt und Shakespeares Trauer- 
spiele erklärt Hr Dr. Bialloblotzky in einer den Zuhörern 
bequemen St. 

Cervantes Tragödie La Numancia erklärt, nach einer 
kurzen Uebersicht der Geschichte der spanischen Tragödie, 
Hr Lector Dr. Melford. 

Schreib- und Sprechübungen in den neueren Sprachen 
stellt mit Benutzung seiner Handbücher Derselbe 4 St. 
wöch. um 2 Uhr au. 

Zum Unterricht in der englischen Sprache erbieten sich 
Hr Prof. Th. Müller , Hr Lector Dr Melford. 

Die italiänische sowie die spanische Sprache lehren Die- 
selben. 

Die Fechtkunst lehrt der Universitatsfechtmeister Hr 
Castropp; die Tanzkunst der Universitätstanzmeister Hr 
Höltzke. 

Bei dem Logiscommissär, Pedell Huch, können diejeni- 
gen, welche Wohnungen suchen, sowohl über die Preise 
als andere Umstände Nachricht erhalten, und auch durch 
ihn im Voraus Bestellungen machen. 



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Nachrichten 

von der Königl. Gesellschaft der Wissen- 
schaften und der G. A. Universität zu 
Göttingen. 



März 9. M. 5. 1864. 



KdHiglidie «esellscliaft der WisseiseliafteB. 

Sitzung vom 5. März. 

B. Wagner, über Schädel aus alten Gräbern u. s. w. 
Eeferstein, über die geograph. Verbreitung der Proso- 

bronchien. 
V. Seebach, über Orophocrinus , ein neues Grinoideen- 

geschlecht. 
Hüb n er, vermischte chemische Mittheilungen. 



Ueber einige Sendungen von Schädeln, 
die in der letzten Zeit an die anthro- 
pologische Sammlung des physiologi- 
schen Instituts gemacht worden sind, 
und über eine besondere Forderung, 
welche man an unsere Alterthums-Ver- 
ei^6 und die Geologen jstellen muss. 

Von Rudolph Wagner. 

Unter den Schädeln, welche mir besonders in 
letzterer Zeit zugekommen sind, sind diejenigen 
von hohem Interesse, welche aus älteren uräbem 
stajnmten. Die historische Anthropologie fängt 
an, an diesen Funden das höchste Interesse zu 
nehmen. Nebst den Schädeln von lebenden Völ- 
kern müssen in die Schädelsammlungen auch die 
der untergegangenen Völker aufgenommen werden. 

8 

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.88 

Als ich nach dem Tode unseres seel. Colle- 
gen Berthold die von ihm angekauften Sachen 
durchmusterte, vermisste ich zu meinem Leid- 
wesen den aus den Königsgräbem von Mitla 
stammenden Schädel aus der Provinz Oajaca in 
Mexico, den er beschrieben und abgebildet hatte 
in den novis actis academiae Leopoldinae vol. 
XlX pars n. Dieser Schädel war Seiner Maje- 
stät allerhöchst unserm König überreicht , wie 
ich später erfuhr. Durch die Vermittelung des 
Herrn Oberhofmarschalls von Malortie wurde 
derselbe von Seiner Majestät unserer Sammlung 
einverleibt. 

Durch Herrn Dr. Murray, Inspector am 
Naturalien-Cabinet in Göttingen, erhielt ich kürz- 
lich zwei wohlerhaltene Schädel, ausgegraben 
auf dem Drakenberge bei Roringen in der Nähe 
von Göttingen, angeblich aus alten Schwedengrä- 
bern aus dem 30jährigen Kriege. Es ist ein 
grösserer und ein kleinerer Schädel ohne Unter- 
kiefer, jedoch wohl erhalten. Den kleineren 
wüsste ich nicht mit Bestimmtheit zu clsssifici- 
ren, den grösseren wage ich aber mit einiger 
Sicherheit als einen Schwedenschädel zu bezeich- 
nen. Er zeigt in ausgezeichnetem Maasse die 
langgestreckte dolicho - cephalische Gestalt, den 
mächtigen Hinterhauptstheil und alle die charak- 
teristischen Formen der ächten Schwedenschädel. 

Besonders freudig überrascht wurde ich im 
vorigen Jahre durch einen Brief vom 9. Juni vom 
Herrn W. v. Freeden, Rector der Grossherzog- 
lich Oldenburgischen Navigationsschule in Els- 
fleth. Derselbe übersandte uns einen ausgezeich- 
net schönen Schädel eines Kanaka von Honolulu 
auf der Insel Oahu. Er hatte den Schädel von 
einem befreundeten Schiffscapitain erhalten, der 
Folgendes von der Acquisition mittheilte» Es 



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"war auf einem Ritt, den er mit mehreren Colle- 
gen ins Innere ausgeführt -hatte, bei welcher Ge* 
legenheit sie über ein altes Schlachtfeld gekom- 
men wären, auf welchem den Erzählungen der 
Eingeborenen zufolge dieselben schon vor den 
Zeiten des ersten Entdeckers (Cook's) sich eine 
Bataille geliefert hätten. Aus Scherz habe er 
einen dieser gebleichten Schädel, welche in Menge 
dort herum gelegen, an den Sattelknopf befestigt 
lind mitgenommen. Doch habe ein Bremer Ca- 
pitain den Unterkiefer an sich genommen; der- 
selbe sei damit nach Ostindien gesegelt. Bei der 
Betrachtung des prachtvollen, wirklich ganz wohl 
erhaltenen Schädels fällt es auf, dass derselbe 
ganz vollständig erhalten und wie frisch präpa- 
rirt ist. Die 16 Zähne des Oberkiefers zeigen 
sich in wunderschöner Erhaltung und sind fast 
gar noch nicht abgenutzt. Sie verkünden einen 
Mann in den 20ger oder höchstens zu Anfang 
der SOger Jahre. Diese Zähne sind die schön- 
gebildetsten fast unserer ganzen Sammlung. Es 
war mir interessant, diesen Schädel von den 
Sandwich -Inseln, von denen wir bis jetzt noch 
keinen in unserer Sammlung besassen, mit den 
Abbildungen zu vergleichen, welche Herr Dr. 
Uhde in seiner unten citirten Abhandlung ge- 
geben*), lieber die Acquisition dieses Schädels 
sagt Herr Dr. Uhde Folgendes: „Im Jahr 1854 
kam Hr. Bielitz, als Schiflfsarzt auf der Hansa, 
zum achten Mal nach den Sandwich-Inseln. Des 
mir gegebenen Versprechens eingedenk, für mich 
Kanaka-Schädel mitzubringen, wusste er von den 



*) ühde, Ueber die Schädelform der Sandwich-Insu- 
laner. Mit 2 Tafeln. Jena bei Fr. Frpmmann 1861. 4. 
(Aus den Verhandlungen der K. L.-C. d. Akad. der Na- 
toxforscher Bd. XXYIU besonders abgedruckt). 

8* 

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80 

Eingeborenen die Stellen zu erfahren, wo solche 
aufzufinden. Als Golgatha wurde ihm vor allem 
die Ebene Kulau auf der Insel Oahu bezeichnet, 
und vorzüglich der Theil derselben, welcher von 
Honolulu ab, etwa eine englische Meile hinter 
der Fali liegt. — die Fali ist ein am Ende des 
von jener Stadt nach Nordost laufenden Thals 
Nuuanu zwischen zwei bewaldeten Bergen sich 
öffnender, beinah senkrechter, 600 Fuss tiefer 
Abgrund und im Munde der Eingebornen einer 
der historisch merkwürdigsten Punkte der in 
Rede stehenden Inseln. „Hier starb der tapfere 
Kalanikupule , der letze König von Oahu, eines 
gewaltsamen Todes. Als Kamehameha I — von 
seinem Freunde JohnYoung, der die dem Feinde 
unbekannte Artillerie für ihn führte, unterstützt, — 
denselben im Nuuanuthal geschlagen hatte, und 
der Vasall und Erbfeind des Kamehameha, der 
Verräther Kiana, in dem nemlichen Treffen ge- 
fallen war, zog Kalanikupule sich nemlich fech- 
tend zurück und stürzte sich den Rand des Ab- 
grundes erreichend, mit allen seinen Kriegern in 
diesen Mnab, den Heldentod der Botmässigkeit 
jenes Häuptlings vorziehend". — Die blendend 
gebleichten Schädel nebst den übrigen Gebeinen 
sind sämmthch im Laufe der Zeit durch das 
Bergwasser von ihrer ersten Ruhestätte in die 
Ebene Kulau geschoben und liegen hier in tiefen, 
von jenem gerissenen, zum Theil aber versande- 
ten Furchen. Wenige derselben sind noch wohl 
erhalten. Die meisten sind theils bei der diirch 
das Bergwasser bewirkten Versetzung in -die 
Ebene zerdrückt; theils durch Witterungsein- 
flüsse dem Zerbröckeln nahe gebracht oder be- 
reits zerstört ; theils durch den Huf der dort hin 
und wieder weidenden Pferde vollends zertreten. 
Von diesem denkwürdigen, etwa 8 englische Mei^- 



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91 

len von Honolulu entfernten, Punkte der Insel 
Oahu hat Hr. Bielitz im November 1854 die 
Schädel Nr. 1, 2, 3, entnommen. — „Gleichfalls 
durch Eingebome auf eine andere Schädelstätte 
aufmerksam gemacht, unternahm es Hr. Bielitz 
auf dem Heimwege von der Pali auch dorthin 
zu reiten, um einen Schädel von da mitzunehmen. 
Dieser Platz ist etwa 6 englische Meilen von 
Honolulu entfernt, befindet sich auf der südöst- 
lichen Küste von Oahu, östlich von dem Demant- 
Hügel (DiamondshUl, Lealu), der Küste von der 
Insel Malakai gegenüber. Nach Einigen hat hier 
Kamehameha I auch eine Schlacht gegen die Be- 
wohner von Oahu geliefert, nach Andern soll 
hier eine Opferstätte gewesen sein, nach wieder 
Andern hat hier derselbe eine Landungsstelle 
auf seinen Eroberungszügen gehabt. Aber auf 
diesem Platze kommen kaum noch ganze Schä- 
del vor. Sie sind meistens stark beschädigt. 
Von hier stammt der Schädel Nr. 4. Auch die- 
jenigen stammen daher, welche von e^inigenAerz- 
ten zu Honolulu aufbewahrt werden oder in das 
Ausland versendet sind. Meyen sagt zwar von 
diesem Orte: Knochen waren daselbst aber nicht 
mehr zu finden". 

Von den 4 Schädeln, welche Hr. ühde ab- 
gebildet hat, zeigen sich alle mehr oder weniger 
mutilirt, namentlich sind die Zähne nur sehr 
unvollständig. Die Unterkiefer gehören nirgends 
zu den Schädeln. Unser Schädel stimmt am 
meisten mit dem Fig; H a und b überein, da 
ausser, dass er auf der Mitte des Kopfes etwas 
flacher ist wie IV b, auch das Hinterhaupt ein 
wenig mehr entwickelt sich zeigt. Der Oberkie- 
fer, wie bei allen malayisch-polynesischen Völkern 
ziemlich stark prominirend. Es ist nach Ret- 
ziusEintheilung ein Brachycephalus prognathus. 



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92 

Ich bezweifle also nicht im Germgsten dieAecht- 
heit des Schädels. Aber sollte nicht hier eine 
Verwechslung stattgefunden haben, dass etwa 
ein wohl präparirter Schädel aus der Hand eines 
Arztes auf den Sandwich -Inseln sich mit einem 
gefundenen Grabesschädel verwechselte? 

Einen für mich sehr interessanten Schädel 
habe ich unter dem 2. Januar 1864 aus Neisse 
in Schlesien von Hn. Sylvester Mutke, Gymna- 
siallehrer daselbst, erhalten. Derselbe war ähn- 
lich wie Herr Dr. v. Freeden durch meinen 
Aufsatz in den Peteimannschen geographischen 
Mittheilungen, den Aufruf zu einer ScMdelaufstel- 
lung in Göttingen betreffend, dazu veranlasst wor- 
den. Herr Mutke schreibt darüber: „der Kopf 
ist auf dem Gute Landen in Schlesien in einem 
Sandberge gefunden worden und zwar mit einer 
Menge anderer Ejiochen, die zeigten, dass dort 
ein Heidenkirchhof war, wie auch in der Nähe 
gefundene Urnen, vor Allem aber die Stellung 
bewies. DieTodten wurden nämlich in aufrech- 
ter Stellung vorgefunden. Es sind dies jedenfalls 
die ärmeren Glieder des Stammes, während die 
vermögenden verbrannt wurden. Der Kopf ge- 
hört wahrscheinlich dem sogenannten Eisenzeit- 
alter aü, da in der Nähe eine Art von Schlüssel 
aus diesem Metall gefunden worden ist, den ich 
aber leider nicht besitze imd erhalten konnte. 
Welcher Nationalität derselbe angehört, ist somit 
nicht nachweislich, da nach den Studien in der 
alten Geographie, die ich für meine Arbeit über 
die Pfahlbauten unternommen habe, zur Zeit des 
Jahres 300, welches vielleicht für den Norden 
.Europas als der Anfang der Eisenzeit angesehen 
\verden kann, unter den Germanen die eisenar- 
beitenden Cotini, welche nach Tacitus ausdrück- 
licher Angabe celtisch redeten und deren Schürfe 



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98. 

vielleicht die. alten Schutthalden auf den Sude- 
ten, welche der mittelalterliche Bergbau z. B. 
im Neissischen vorfand, Bind, noch tschudische 
Stämme wohnten und der Kopf natürlich auch 
den viel später eingewanderten Gelten angehö- 
ren kann". Der Schädel ist, obwohl in einzelne 
Stücke zerfallen, doch noch sehr vollständig. 
Im Ober- und Unterkiefer sind alle Zähne noch 
vorhanden, aber auch stark abgekäuet, so dass 
ich den Schädel für einem Mann dem mitt- 
leren Lebensalter angehörig halte. Der Schädel 
ist ausgezeichnet schön gebildet, ein Dolichoce- 
pholes mit etwas stark ausgewirkten Kiefern. 
Ich halte ihn für einen celtisch - germanischen 
Schädel. Nichts hat er mit unseren Tschuden- 
schädeln der Blumenbachschen Sammlung ge- 
mein. Ob es ein Gelte war, lässt sich nicht 
entscheiden; wenigstens ich wage dies nicht, 
wiewohl es Forscher ^ebt, welche auch eine Un- 
terscheidung des celtischen Typus wahrnehmen. 
Es ist wahiv, der Schädel ist nicht gross und 
steht wahrscheinHch hinter dem mittleren Maass 
des germanischen Kopfes und somit dem celti- 
schen Maasse näher. Mir war es merkwürdig, 
diese exquisit schöne dolichocephalische Form 
Äier so weit nach Osten wahrzunehmen. 

Die grösste Umsicht ist bei allen Grabes- 
schädeln nöthig und sehr viele Schädel, die jetzt 
in Sammlungen aufbewahrt werden, sind gegen- 
wärtig bei dem Mangel aller Notizen und gleich- 
zeitig alle anderen Grabesfunde werthlos. Was 
hat man davon, wenn es heisst: aus einem alten 
Hünengrabe? Muss man doch vor Allem erst 
sich verständigen, was ein Hünengrab ist. In 
dieser Hinsicht erlaube ich mir eine Auflforde- 
rung an alle Alterthumsfreünde , insbesondere 
die deutschen. JDurch die vortreffliche Arbeit 



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94 

von Weinhold (die heidnische To^tenbestattnng 
in Deutschland. Wien 1859. Ans den Sitzungs- 
berichten der historisch -philosophischen Classe 
der k. Akademie der Wissenschaften besonders 
abgedruckt) hat man die erste recht zweckmä- 
ssige Darstellung erhalten, welche benützt wer- 
den kann, bis sich der Gegenstand noch weiter 
vor uns entwickelt. In jeder Lokalsanmilung 
sollte der entsprechende Schädel und seine Ge- 
beine mit allen Fündlingen des Grabes zusam- 
mengehalten werden , wie dies z. B. in der vor- 
treffichen von Lisch angelegten Sammlung in 
Schwerin der Fall ist. Eine Hauptaufgabe wäre 
es nun, wenn irgend ein Alterthumsforscher sich 
mit allen Alterthums - Vereinen in Verbindung 
setzte und sich bemühte, eine kartographische 
Darstellung Deutschlands in mehreren Blättern 
und wo möglich der benachbarten Länder auszu- 
führen, in welcher gewisse Verhältnisse den über- 
sichtlichen Ausdruck fanden. Ich mache hier- 
für jetz einen ungefähren Vorschlag. Es müssten 
Karten sein, die zunächst das ganze Mittel-Europa 
umfassten, nämlich Deutschland, Frankreich, 
England, Dänemark, das südliche Schweden, 
Ober -Italien bis an die Grenzen von Russland. 
Diese müssten nach verschiedenen Zeiträumen 
ausgeführt sein. Und hier komme ich darauf, 
auch die Geologen hereinzuziehen. Folgendes 
würden zunächst die grossen Perioden sein , in 
welche ich die Darstellung gliedern möchte. 

I. Eine Eintragung aller derjenigen Stellen, 
welche als Fündlinge von Menscheiinochen in 
den Höhlen und aus dem Diluvium der Thäler 
zugleich und unmittelbar mit Knochen solcher 
Thiere zusammen gefunden wurden, die jetzt 
gänzlich ausgestorben sind und der tertiären 
Formation angehören, Ich bin zwar in diesem 

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95 

Bezug in jeder Hinsicht äusserst skeptisch und 
halte keinen der bis auf diese Stunde beobachte- 
ten Fälle für vollkommen tadellos. Aber eben 
so wenig kann man das Gegentheil behaupten, 
dass Menschen und ausgestorbene Thiere der^ 
Urzeit nicht mehr zusammen gelebt hätten , und 
ich bin weit davon entfernt, dies zu thun. Ja, 
ich hoflfe den Wahrscheinlichkeitsbeweis antreten 
zu können, dass die Abkommen noch lebender 
Völker mit den Diluvialthieren zusammen gelebt 
haben. Die höchst merkwürdige Vertheilung der 
Eskimos bis nahe an dem Humboldt - Gletscher 
und an den unzugänglichen Inseln des nordame- 
rikanischen Eismeeres scheinen mir eine und 
dieselbe Ursache zu haben mit dem Vorkommen 
der Cadaver der Mammuths am Ausfluss der 
Lena. Alle Versuche zum Abschätzen der Zeit- 
räume halte ich von vornherein für undurchführ- 
bar; doch dürfte man wohl unbedingt annehmen, 
dass das Alter dieser Thiere weit über 4000 
Jahre hinausgehen dürfte und somit die älteste 
Epoche für den Menschen bezeichnen würde. 
Solche Perioden anzunehmen, wie die von 57000 
Jahren, wie das menschliche Skelett am Missis- 
sippi, dessen Schädel noch dazu nicht von dem* 
jetzigen amerikanischen Typus abweicht , bitte 
ich mir nicht zuzumuthen. Zu dieser Gruppe 
hat man denn auch den Neanderthalschädel ge- 
rechnet, der neuerdings so grosses Aufsehen er- 
regt hat und an dem die Herren Lyell und Hux- 
ley mit Anderen geneigt sind, eine so grosse 
Affen -Aehnliohkeit zu sehen. Herr Schaafhau- 
sen wird darüber eine Arbeit publiciren. Ich 
bin bisher immer der Meinung gewesen, dass 
dieser bei Düsseldorff in einer Höhle gefiibdene 
Schädel einem alten Holländer angehört habe 
und dass derselbe nur einen noch stärker ab- 



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96^ 

Wche&clen Typus zeigte, ds die welche wir in 
unserer Blumenbach'schen Sammlung in mehre- 
ren Exemplaren alter Sdhädel der l^sel Marken 
im Zuyder See aufbewahren. Den berühmten 
Engishöhlenschädel finde ich gar nicht besonders 
abweichend von dem allgemeinen europäischen 
Schädeltypus. Die meisten neuerdings berühmt 
gewordenen Schädel aus alten Fundstätten be- 
sitzen wir in Gypsabgüssen. 

n. Die zweite Karte müsste eine Darstel- 
lung der Pfahlbaubauten in dem betreffenden 
grossen Bezirke nachweisen , wo zugleich die 
höchst sparsamen, zu ihnen gehörigen Schädel- 
funde b^eichnet werden könnten. Ich will diese 
Periode etwa 2 — 3000 Jahre vor Christi Ge* 
burt legen, nur um sie ungefähr als die älteste 
historische zu bezeichnen. Uebrigens hat eine 
solche Setzung von Jahrszahlen so wenig etwas 
Positives für sich, als wenn man da annimmt 6, 
8, 10 oder 12000 Jahre, wie geschehen ist. 

in. Zeit der Finnen im Norden Eüropa's 
und der Iberer im westlichen Europa. Dahin 
gehört die Bevölkerung, welche den alten Ger- 
manen und selbst den Gelten voranging. Ich 
will sagen, es ist die Zeit von 3000 Jahren, 1000 
Jahre vor Christo, wo die kleinköpfigen und 
kurzschädeligen Menschen , wie sie sich jetzt in 
den Lappen vorfinden, über Dänemark und wahr- 
scheinlich einen Theil Norddeutschlands ausge- 
breitet waren. Ob hierher die alten Iberer, 
ihre Ueberreste die Basken in ihrer Ausdehnung 
bis ins mittlere Frankreich gehörten, ob von ih- 
nen die jetzigen Bewohner der romanischen Pro- 
vinzen in Graubünden herstammen, ist zwei- 
felhaft. 

IV. Die Gelten, die in Frankreich und Eng- 
land mehr oder weniger reine Niederlassungen 



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97 \ 

hinterlassen haben. Sie würden ungefähr das 
fünfte Jahrhundert vor unserem jetzigen Zeit- 
raum zum Mittelpunkte haben. ^ 

V. Die Germanen in den ersten Jahrhun- 
derten vor und nach Christi Geburt. Ihre west- 
liche Grenze fällt an den Rhein. Nördlich und 
ösüich ist sie nicht genau bekannt. 

VI. Grosse Schwierigkeiten würden die Natio- 
nen der Völkerwanderung und die ewigen Ver- 
schiebungen der Volksstämme verursachen. Theil- 
weise lassen sich aber schon jetzt die alten Grab- 
stätten mancher Völker bestimmen. 

Vn. Den Schluss würden die Slaven bilden 
mit ihrer äussersten westlichen Ausbreitung weit 
nach Deutschland bis an den Main und die west- 
liche Seite der unteren Elbe. Sie ragen mit 
ihrer selbständigen Gestaltung und Absonde- 
rung herein bis in unser Jahrtausend. Die 
Grossherzoge von Mecklenburg stammen noch 
unmittelbar von dem Sclavenstamm der Obotri- 
teü her. Wenn man die Landbevölkerung Meck- 
lenburgs in den Kirchen betrachtet, wird ähn- 
lich wie in gewissen Theilen der Schweiz die 
Brachycephalie auffallend. 

Bei allen verschiedenen Mischungen der 
Stämme der Slaven und Germanen scheint der 
brachyc^halische Schädelbau noch merkbar zu 
sein. Es versteht sich von selbst , dass die Na- 
tur der Grabstätte von besonderer Wichti^eit 
ist. In dieser Hinsicht sind besonders wichtig 
alle gewöhnlichen Beerdigungsorte als alte Kirch- 
höfe von Ortschaften u. s. w. Sind ee dagegen 
Massen von angesammelten Leichen in Gi^bge- 
wölben alter Kirchen, auf Schlachtfeldern, so, 
ist es hier viel schwieriger, daraus einen Schluss 
zu ziehen. So habe ich kürzlich erst 110 Schä- 
del aus Franken erhalten, angeblich , doch noch 



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mir zweifelhaft, aus dem Bauernkrieg, welche in 
drei Hauptabschnitte zerfalleB, nämlidi: 1. grosse 
Kurzschädel, 2. grosse Langschädel, 3. kleine 
Langschädel, so dass es scheint, dass man es 
mit drei verschiedenen Völkern zu thun hat. 

üeberaus wichtig scheint mir die Herstellung 
einer kartographischen Darstellung des altger- 
manischen oder hercynischen Waldes, der alle 
die deutschen Mittelgebirge umfasste, sich auf 
die Strecke von 30 Tagereisen nach Norden und 
Süden und weit nach Osten ausdehnte. Die 
sehr starke Bevölkerung, die Massen an Todten- 
feldem durch mehre der genannten Perioden 
hindurch, wie sie sich noch heute in Mecklenburg 
und an den ganzen Ostseeküsten finden, fehlen 
in dem eigentlich deutschen Walde bis zu Christi 
Geburt, und wahrscheinlich auch noch nachher 
ganz. Die eigentlichen Hünengräber, die grossen 
Todtenhügel, die noch in Schleswig so häufig 
sind, werden in Norddeutschland viel seltener, 
finden sich nur noch einzeln in der Breite des 
Thüringer -Waldes und hören dann ganz auf. 
Manchmal sind auch in älteren Zeiten dieselben 
Gräber mehrmals in verschiedenen Perioden 
entleert und besetzt wordien, was eine Beachtung 
verdient. 

Ich empfehle diese kurzen Betrachtungen zur 
weiteren Beachtung und Ausführung den Män- 
nern, welche sich für die historische Anthropo- 
logie interessiren. 

Ich habe mich auf eine kurze Skizzirung 
meiner Ansichten beschränkt und habe auch 
oben bei den einzelnen Schädeln die Messungen 
weggelassen. So sehr ich einen Werth auf ifes- 
sungen und Wägungen lege, so kommen sie doch 
bei manchen Fragen kaum in Betracht. In der 
Ethnographie geht es uns wie mit einem Por- 



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99: 

trait und einer guten Photograi^e. Wir erhal- 
ten öfter. viel schnellere, sichere und oft nur al- 
lein dadurch mögliche Vergleichungen hei ver- 
schiedenen Völkern, wenn man gute und cor- 
recte Abbildungen zur Hand hat. Die Verzeich- 
nisse der Maasse von Kopf, Ohr, Nase, Mund 
u. s. w. geben uns doch kein anschauUches 
Bild. Ausserdem bin ich selbst leider nicht im 
Stande gewesßn, jetzt diese Messungen vorzuneh- 
men. Derselbe Grund, welcher mich verhindert 
hat, diese kleine Abhandlung der Societät selbst 
zu überreichen und die Objecte in der heutigen 
Sitzung direct vorzulegen, hat mir leider auch 
diese Messungen unmöglich gemacht. Der schwere 
Schlag -Anfall, der mich im vorigen Jahre auf 
einer Eeise für anthropologische Zwecke zu An- 
fang Octobers in Frankfurt befallen hat, lastet 
noch schwer auf mir und die halbseitige Läh- 
mung auf der rechten Seite geht nur , nament- 
Hch während des Winters, einer langsamen Bes- 
serung entgegen. 



Verzeichniss der bei der Kön. Gesellschaft 

der Wissenschaften eingegangenen 

Druckschriften. 

August — October 1863. 
(Fortsetzung.) 

M. WeisB.e, positiones mediae stellarum fixarom in zo- 
nis Eegiomontanis a Besselio inter -}- 15° et -|- 45° 
observataram ad annum 1825 reductae et in catalo- 
gum ordinatae, ed. 0. Struve. Petersburg 1863. 4. 

Annalen der k. Sternwarte bei München. XL, München 
1862. 8. 



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100 

C. Prj Ph. V. Martine, Denkrede auf J. A. Wagner. 

Ebd. 1862. 4. 
J, V. Lieb ig, Rede zur Feier des 104. Stiftungstages. 

Ebd. 1863. 4. 
Cornelius, über die deutschen Einheitsbestrebungen im 

16. Jahrhundert. Ebd. 1862. 4. 
Abhandlungen der phil. Olasse der k. ba^r* Akad. der 

Wiss. IX, 3. Ebd. 1863. 4. 

— der math. naturw. Cl. IX, 3. Ebd. 1863. 4. 
Sitzungsberichte der k. bayr. Akad. 1863. I, 3. Ebd. 

1868. 8: 

— der kais. Akad. der Wiss. Phil. bist. Ci. 40, 3-5. 
41. 1. 2. Register zu Bd. 31-40. Wien 1863. 8. 

— — math. naturw. Cl. 1. Abth. 46, 1-5. 47, 1-3. 
- 2. Abth. 46, 3--5. 47, 1-4. Ebd. 1862. 63. 8. 

Fontes rerum Austriacarum. Scriptores V. Dipl. et acta 

XXn. Wien 1863. 8. 
Achiy för Kunde österr. Gesch. Quellen 28 , 2. 29 , 1. 2. 

Ebd. 1863. 8. 
Jos. Diemer, Genesis und Exodus nach der Milstatw 

Handschrift. 2 Bde. Ebd. 1862. 8. 
J. R. Lorenz, physikalische Verhältnisse und Verthei- 

lung der Organismen im Quamerisehen Golf. Ebend. 

1868. 8. 
Denkschriften der k. Akademie. Math, natvorw. Cl. ZXI. 

Ebd. 1863. 4. 

November und December 1863. 

Journal of the Society of arts & of the institution in 
Union. Vol. Xu. N. 574. 8. 

G. L. V. Maurer, Geschichte der Fronhöfe, der Bauern- 
höfe u. der Hofverfassung in Deutschland. 4. Bd. Er- 
langen 1863. 8. 

A. Mühry, Beiträge zur Geschichte und Klimatographie 
IL in. Leipzig u. Heidelberg 1863. 8. 

F. Piper, Rom die ewige Stadt. Berlin 1864. 8. 

— der Baum des Lebens. Ebd. 1863. 8. 

— Virgilius als Theolog u. Prophet. Ebd. 1862. Ö. 

— über den Verfasser der dem Athanasius beigelegten 
Schrift de paschate (Sep.-Abdr). 1862. 8. 

— de la representation symbolique la plus ancienne du 
crucifiement. (Sep.-Abdr,) Paris 1861. 8. 



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401 

C Cavedoni, dichiarazione di tre moncte di Giulk) 
Cesare. Bologna 1863. 8. (Sep.-Abdr.) 

— la statua d'Augusto scoperta a Prima Porta. 8. (Sep.- 
Abdr.) : 

C. K. Lepjaius, Standard aiphabet for reducing raiwrit- 

• ten languages and foreign graphic Systems to a uniformy 

- orthography in European letters. 2d edit. London and 
Berlin 1863. 8. 

J. Fournet, details concemant l'orographie et la geo- 
logie de la partie des Alpes oomprise entre la Suisse 
et le comte de Nice. (Sep.-Abdr.). 8. 

L. Lange, römische Alterthümer. 1. Bd. 2. Aufl. Berlin 
1863. 8. 

Fr. Wi A. Argelander, astronomisohe Beobachtun- 
gen auf der Sternwarte zu Bonn. 5. Bd. Bonn 1862. 4. 

Atti del R. Istituto Lombarde. HI, 11— 14. Milano 
1863. 4. 

Memorie del R. Istituto Lombardo. IX, 3.^ Ebend. 
1863. 4. 

• 4. Bericht des OfFenbacher Vereins för Naturkunde 1862 

—63. Offenbach 1863. 8. 

•Gratulationsschrift des Offenbacher Vereins für die Sen- 
ckenbergsche Stiftung zu ihrer Säcularfeier. 4. 

■Kongl. Svenska Vetenskaps - Akademiens handlingar. 

.. Ny följd. IV, 1. 1861. Stockholm 1862. 4. 

Öfversigt af Kongl. Vetenskaps -Akademiens förhandlin- 
gar. Nittonde argangen 1862. Ebd. 1863. 8. 

E. Edlund, meteorologiska iakttagelser i Sverige. IQ. 
bandet 1861. Ebd. 1863. qn. 4, 

Nova acta regiae Societatis Scientiarum üpsalienisis. Ser» 
m. Vol. IV, 2. üpsaliae 1863. 4. 

Memoirs of the Roy. astronomical Society. XXXI. Lon- 
don 1863. 4. 

Abhandlungen, der k. AJcademie der Wissensch. zu Ber- 
lin. Aus dem J. 1862. Berlin 1863. 4. 

Sitzungsberichte der k. bayr. Akademie. 1863, I, 4. 11, 
i. München 1863. 8. ' 

Memoires de l'Academie imp. des Sciences de St.-Peters- 
bourg. 7e serie. IV, 10. 11. Petersburg 1862. 4. 

Bulletin de l'Acad. imp. de St.-Petersbourg. IV, Bogen 
26-36. V, 1-8. Ebd. 4. 

Tijdschrift voor bidische taal-, land en volkenkunde. XI. 
Xn. 4e serie n. lU. Batavia 1862. 8. . 

Verhandelingen yan het Bataaviaasch genootschap van 
kunsten en wetenschappcn. XXIX. Ebd. 1862. 4. 



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102 

Verhandlungen des naturhist.-mediz. Vereins zu Heid^l- 

h&pg m, 2. 8. 
Jahresbericht dem Gomite der Nicolai - Hauptstemwarte 

abgestattet vom Director der Sternwarte. Petersburg 

1863. 8. 
Annales des mines. 6e serie. 1863, 3. 4. Paris 1863. 8. 
Jahrbuch der k. k. geologischen Reichsanstalt. 1863. 

Xm, 3. Wien 1863. 8. 
Sooiete des sciences naturelles du grand-duch6 de Lur 

xembourg. VI. 1863. Luxemb. 1863. 8. 
J. Lippert, Geschichte der Stadt Trautenan. Prag 

1863. 8. 
J. Nassl, die Laute der Tepler Mundart. Ebd. 1863. 8. 

F. Hecht, das Homiliar des Bischofs von Prag. Ebd. 
1863. 4. 

Mittheilungen des Vereins för Geschichte der Deutschen 

in Böhmen. U, 1-3. Ebd. 1863. 8. 
Acta Societatis Scientiarum Fennicae. VII. Helsingfors 
.. 1863. 4. 
Qfversigt af Finska Vetensk.-Societetens forhandlingar. V. 

1857—63. Ebd. 1863 8. 
Bidrag tili kannedom af Finlands natur och folk. V. VL 

Ebd. 1862. 63. 8. 
— tili Finlands naturkannedom, etnografi och Statistik. 

Vm. IX. Ebd. 1863.' 8. 
Förtekning öftrer Finska Vetensk.-Societetens boksamling. 

Ar 1862. Ebd. 1862. 8. 

Januar 1864. 

Philosophical Transactions of the Roy. Society of Lon- 
don. 153, 1. London 1863. 4. 

G. B. Airy, astronomical and magnetical and meteorolögi- 
cal observations made at Üie Boy. Observatory, Green- 
wich 1861. London 1863. 4. 

J. R. Hind, errata in Hansens lunar tables. 1862. 8. 

(Fortsetzung folgt). 



Berichtigiiiif. 



S. 79, Z. 14 soll es heissen: Die Statistik des König- 
reichs Hannover trägt fir. Prof. Wappaeus öffentlich 
Montag, Dienstag und Donnerstag um 12 Uhr vor. 



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^Nachrichten 

von der Königl. Gesellschaft der Wissen- 
schaften und der G. A. Universität zu 
Göttingen. 



März 16. JVSi 6. 1864. 



Königliche Gesellschaft dur Wissensehaften. 

Sitzung vom 5. März. 

lieber die geographische Verbreitung 
der Prosobranchien. 

Von 
Wilhelna Keferstein M. D. 

Indem ich mir erlaube der K. Societät eine 
in Farbendruck ausgeführte Karte*) der geo' 
graphischen Verbreitung der Prosobranchien vor- 
zulegen füge ich einige erläuternde Bemerkungen 
hinzu. 

Die geographische Verbreitung der Thier- 
Ordnungen, welche durch zahlreiche Repräsen- 
tanten in den untergegangenen Schöpfungen ver- 
treten sind, betrachten wir mit einem besonderen 
Interesse, da wir uns für berechtigt halten ähn- 
liche Ursachen, welche jetzt die Verbreitung be- 
wirken, auch in den früheren Zeiten der Erde 
anzuneiimen: eine über weite Gegenden sich er- 



*) Dieselbe gehört zti dem von mir fortgesetzten Bronnschen 
Werke „die Classen und Ordnungen des Tbierreicbs" , Bd. IIL 
MfdacoKoa. Abtheilung 2. 

9 

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104 

streckende oder axif enge Orte beschränkte Ver- 
breitung fossiler Arten in den verschiedenen geo- 
logischen Formationen, suchen wir danach aus 
ähnlichen in der Jetztwelt obwaltenden Verhält- 
nissen zu erklären. 

Von den etwa 14000 bekannten Arten der 
Prosobranchien kommen ungefähr 5500 auf die 
ausgestorbenen Schöpfungen und wenn von die- 
sen auch die üeberzahl allein in der tertiären 
Formation lebten und in den älteren nur wenige 
unserer Thiere sidi finden, so. sind sie gerade 
in diesen der Jetztwelt auch sonst so ähnUchen 
Zeiten von so hervorragender Bedeutung, dass 
aus ihrem Vorkommen die wichtigsten Schlüsse 
für die damalige Beschaffenheit der Erdoberfläche 
zu ziehen sind. 

Wenn wir die jetzt herschende geographische 
Verbreitung der Prosobranchien betrachten, für 
die in vielen Local -Faunen und in einer allge- 
meinen Darstellung der Verbreitung aller Mol- 
lusken in Woodward's trefflichen Manual of 
the Mollusca ein beträchtliches Material vorliegt, 
so bemerken wir alsbald, dass sich die Erde in 
mehrere von einander ganz oder fast unabhängige 
Verbreitungsbezirke (Reiche) thcilt, indem einer- 
seits die grossen Ländermassen der Alten Welt, 
wie die der Neuen Welt, sich als grosse Dämme 
durch alle Breiten zwischen die Meere schieben, 
anderseits aber auch die insellosen Tiefzüge des 
Atlantischen, wie Stillen Oceans der Verbreitung 
unserer Küstenthiere ein mächtiges Hindemiss 
entgegen stellen. 

Zwar scheint es mir sehr wahrscheinlich, dass 
auch in grossen Tiefen der Boden des Oceans 
bewohnt ist. Von vornherein lässt sich, auch 
wenn man den dort stattfindenden ungeheuren 
Wasserdruck bedenkt, nichts dagegen einwenden, 



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105 

da alle die Thiere welche hier in Betracht kom*- 
men durch und durch von Wasser durchzogen 
sind und sogar besondere Einrichtungen haben, 
welche das umgebende Waseer in den Körper 
hineinlassen (Mollusken, £chinod«ime&) hmd ilhet* 
dies liegen jetzt dafür eine Menge directer Beob- 
achtungen Yor. So holten a. ß. bei der 
Untersuchung des atlantischen Telegraphen-Plai- 
teaus Wallich und King lebelnde. Foraminiföi- 
ren, Ophiuren und Muscheln aus 1000-^500 
Faden Tiefe hervor, AI. Milne Edwards be* 
schrieb von einem Telegraphen * Kabel des Mit- 
telmeers aus 2000—2800 Meter Tiefe' eite ganze 
Menge daran sitzende TbÜere (3 Musdiehi, 2 
Prosobranchien, 3 Korallen u. s. wi) und. auf 
der Torell'schen Spitzbergen-Exipedition fing man 
mit der Madean * Maschine in 1400 Faden Tiefe 
eine ganze Sammlung niederer Thdere (Orosta'- 
ceen, Cylichna, Phascoldsoma^ Anneliden^ Spa- 
tangus, Myrioitrochus, Spongien, Bryoroen,. Rhi- 
zopoden u. s. w.) , welche ich selbst in Stock* 
holm in Augenschein nehmen konnte. Gan2 all* 
gemein sprach sich vor Allen Ehrenberg nach 
der Untersuchung vieler Tiefenproben der ver- 
schiedensten Stellen der Oceane für die Bewohn* 
barkeit und Belebtheit der grössten Tiefen aus; 
Stets zeigt sich aber in den Tiefen die Mannig- 
faltigkeit der Arten gering, wenn auch di^ Zahl 
der Individuen gross ist und da von Prosobran- 
chien fast keine Beobachtungen vorliegen, wie 
jedenfalls auch in den Tiefen andere Arten als 
an den Küsten wohnen, bildet die Bewohnbarkeit 
der Tiefen an sich kein Hinderniss in ihnen 
Scheidegründe unserer Faunengebiete zu sehen. 
Wir erhalten nach dieser Betrachtung ein 
Europäo - Afiikanisches , ein. Ostamerikanisches, 
ein Westamerikanisches und ein Indo-Pacifisches 

9* 

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106 

Reich. Im Norden kommt in der kalten Zone, 
dort wo die Gontinente sich eng an einander 
drängen nnd das inselreiche Eismeer nmschlie- 
Bsen, w^hes nur durch die Beringsstrasse und 
das GrönländischeMeer mit den wärmeren Ocea- 
nen zusammenhängt, ein Arctisches Beich hinzu 
und im Süden beiUngt vielleicht der australische 
Continent die Absonderung eines besondem Au- 
stralischen Reiches. 

Wenn wir Ton diesem in seiner Selbständig- 
keit noch zweifelhaften Australischen Reiche ab- 
sehen, werden die übrigen im Norden alle durch 
das Arctiscbe Reich mit einander in Verbindung 
gebracht und es wird dadurch wie durch das 
Naherücken der gegenüberliegenden Küsten in 
den nördlichen Theilen jener vier Reiche eine 
solche Uebereinstimmung der Faunen in diesen 
Gegenden hervorgebracht, dass man sowohl im 
Atlantischen Meere, wie im Stillen Oceane süd- 
lich von dem Arctischen Reiche eine Region fin- 
det wo die gegenüberliegenden Küsten, wie es 
sonst nirgends vorkommt, eine wesentlich gleiche 
Thierwelt zeigen. 

Diese grossen Reiche tiieilen sich nun wieder 
in eine ganze Zahl von zoolog^ischen Provinzen, 
welche einen besonderen Typus der Fauna zei- 

Sen und eine bedeutende Zahl der verkommen- 
en Arten ausschliesslich besitzen. Allerdings 
gehen aller Orten die Provinzen in einander 
über lind es bleibt meistens zwischen ihnen ein 
nicht unbeträchtliches neutrales Gebiet übrig, in 
dem die Bestimmung der Grenze hin und her 
schwanken kann, aber im Ganzen lassen sich 
doch die Provinzen mit Sicherheit bestimmen, 
da für ihre ümgrenzimg dieMeeresströmun- 
gen und die von Dana sogenannten Isokr j- 



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öifen*) fl. h. die Linien gleicher Temperatur der 
Oberfläche des Meeres an den dreissig auf ein 
der folgenden kältesten Tagen, von entscheiden- 
der Bedeutung sind und wenn die Angaben über 
die Verbreitung d^r Mollusken nicht ausreichen, 
diejenige der Ki*ebie, Echinodennen und Koral- 
len zu Rathe gezogen werden dürfen^ So be- 
wirkt z.B. dief Agulhas Strömung, dass die ganze 
Küste des Kaplandes zutn Indo-Pacifischen Binche, 
die Cap Harn Strömung, das» diejenige des 
Feuerläüdes und der Malvinen ^um Westameri- 
kanischen Reiche gehört und wie die Grenze der 
Reiche an den Südendeh der Gontinente durch 
diese Strömungen etwas vek^schoben werden, las- 
sen sie anderseits diese Grenien besonders scharf 
hei*vortreten. 

Das Arctische Reich, über das vor allen 
die Untersuchungen Middendotff's yprliegen, 
umfasst alle Küsten des Eismeers, das Beritigs 
Meer mit den Küsten Kamtsdiatkas , im Atlan- 
tischen Meere erleidet es aber eine tiefe Einbucht 
durch die Wirkung des Golfstroms, sodass die 
Südküste Islands und die ganze Küste Norwe- 
gens nicht zu ihm gehört, während es in Ame- 
rika bis Neufundland hinab reicht. 

Das Europä'o*Afrikanische Reich ent- 
hält die atlantische Küste der Alten Welt mit 
ihren tiefen Einbuchtungen in der Ostsee und im 
Mittelmeer, mit dem Schwarzen imd Caspischen 
Meere. Im Norden beginnt es in Finnmarken, 
in Süden endet es am Kaplande etwa unter dem 
Wendekreise des Steinbocks. Es zerfällt in drei 
Provinzen, yon denen die nördliche die At- 



*) Anf der Karte sind desshalb die hauptsächlichsten Meeres- 
strömungen angedeutet und die Isokrymen von 1,67^0. und 20^ 
C. gesogen. 



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108 

lantO'Boreale in das Ostamerikanische Reich 
hinüberzieht, dort aber nur von Neufundland bis 
zum Cap Cod ausgedehnt ist, während es auf 
der Europäischen Seite Tom Nordcap bis zum 
Ganal alle Küsten , also auch die Ostsee • um- 
fasst. Im Süden schKesst sich daran die Lusi- 
tanirche Pi^övinÄ, die vom Canal bis zu den 
Canarischen Inseln hinabreicht, das Mittelmeer 
und Schwatze Meer in sich aufnimmt. Auch das 
thierarme Caspische Meer, wie der Aralsee kann 
zu ihr get'echnet werden, und in der Thierwelt 
der Acoren sehen wir noch manche Annäherung 
an die gegenüberliegende amerikanische Fauna. 
Den tropischen ' Theil des Reiches nimmt die 
Westafrikani sehe Pi-ovinz ein, über die je- 
doch unsere Kenntnisse noch viele Lücken be- 
sitzen. 

In dem Ostamerikanischen Reiche 
finden wir im Norden dieselbe Atlanto -Bor- 
eale Provinz wie in der gegenüberliegenden Alten 
Welt, im Süden schliesst sich daran die Penij- 
sylvanische Provinz, welche die östliche und 
südliche Küste der Vereinigten Staaten bis nach 
Texas hin umfasst, dann kommt als tropische 
Provinz die Caräibische, die im Süden bis 
Sa. Oatharina geht und endlich die La PI ata 
Provinz, welche unter etwa 50®S. B. an das auf 
die Ostseite hinübergreifende Westamerikanische 
Bmch grähzt. 

Das Westamerikanische Reich hat zu- 
nächt eine Pacifiko-Boreale Provinz im 
Norden, bis zum Oregon Gebiet hinunter, welche 
entlang der Kette der Aleuten zu dem asiati- 
schen Continente hinüberreicht und dort die 
Süd- und Ostküsten des Ochotskischen Meeres 
einnimmt. Es folgt darauf die Californische 
Provinz südlich bis zum Cap San liucas ^jm, 



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109 

die Panama Provinz bis zum Cap Parina welöhe 
den ganzen Golf yon Californien und die Galo- 
pagos in sich aufnimmt. Die Peruanische 
Provinz reicht vom 50^ S. B. ^hinauf bis zum 
Cap Parina, also durch die gemässigte und tro' 
pische Zone, indem die s. g. Humboldt Strö- 
mung an der ganzen Westküste Südamerikas 
eine bemerkenswerth ähnliche Fauna verbreitet. 
Im Süden schliesst sich daran die Magelhan 
Provinz, welche besonders die Magelhan-Strasse 
und die sehr eigenthümlichen Falklands -Inseln 
umfasst. 

Von allen das grösste Reich ist das beson- 
ders in den Tropen so ausgedehnte Indo-paci- 
fische, welches von Ochotsk bis zum Cap der 
guten Hoffnung die ganze Ost- und Südküste, der 
Alten Welt, dann die Inseln des Indischen Meers 
und die Nordküste Australiens und endlich die 
Inseln des Stillen Oceans in sich schliesst. Im 
Norden finden wir die dieselbe Pacifico-Bor- 
eale Provinz, wie in dem Westamerikanischen 
Reiche, die hier bis zu den Kurilen hinabreicht, 
dann folgt die Japanesische Provinz mit den 
Küsten Japans und des Festlandes bis zum Wen- 
dekreise. Die Südspitze Afrikas sondert sich 
gut als SüdafrikanischeProvinz ab, welche 
begünstigt durch die Meeresströmungen auf die 
atlantische Seite hinübergreift und dort au das 
Europäo - afrikanische Reich stösst, der ganze 
übrig bleibendö tropische Theil des Indo-pacifi- 
schen Reichs von den Sandwich -Inseln bis zur 
Ostküste Afrikas zeigt eine grosse üebereinstim- 
mung der Küstenfauna. Wir sondern davon zu- 
nächst eine Indo -afrikanische Provinz ab, 
welche die afrikanische Küste von Natal an und 
die asiatische bis Ostindien umfasst, das Rothe 
Meer und den Persischen Busen, wie Madagas- 



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ilö 

kar, die Maskarenen, Seychellen u. s. w. in sich 
einschliesst-, die Südküste Asiens von Ostindien 
bis Formosa, der Indische Archipel ^eu Guinea 
nnd die Nordküste Australiens bilden dann die 
Indische Provinz wo unsere Thierordnung am 
reichsten entwickelt ist und die Inselgruppen 
des Stillen Oceans vereinigen sich endlich zu 
einer Polynesischen Provinz. 

Im Süden geht das Indo - pacifische Reich in 
das Australische Reich über, das vielleicht 
aber eine solche Trennung nicht erfordert. Es 
umfasst die südlichen Küsten des australischen 
Continents vom Wendekreise an und Neuseeland. 
Jedenfalls zerfällt es in zwei Provinzen, eine 
Australische welche jene Küsten des Conti- 
nents und eine Neuseeländische, welche Neu- 
seeland und die nächstliegenden Inseln in sich 



lieber Orophocrinus, ein neues Crinoideen- 

geschlecht aus der Abtheilung der Blastoideen 

von 

K. V. Seebach. 

Vorgelegt von 
Prof. Sartorius von Waltershausen. 

Die einzige Art der Gattung ist: Orophocrinus 
stellaeformis (Pentatrematites stellaeformis D. 
Owen u. Shum.) aus dem Kohlenkalk von Bur- 
lington in Jowa. 

Die vorliegenden drei Exemplare stehen im ha- 
bitus auf der Grenze von F. Roemers clavatenPen- 



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111 

tamätiten und Codöna stlr. M'Coy. Die Pseudam- 
bulacralfelder sind schmal ein wenig über V2 Mal so 
lang als die ganze Höhe des Kelchs. Der centrale 
Mund wird von (? einem sternförmigen und) 5 ra- 
dialen, linearen, nach unten concavenTäfeldien be- 
deckt, welche die Scheitelgegend der Pseudambula- 
cralfurchen schützen und so 5 nach dem Munde fuh* 
rende Camäle bilden. Der After steht isolirtin ei- 
nem der Deltoidstücke. Die 10 Genitalöfl&aimgen 
sind lange zu beiden Seiten der Pseudambulcralfel- 
der stehende Spalten, die von den Lancett-, Deltoid- 
nnd Gabelstücken begrenzt werden. Sie über- 
treffen die halbe Länge der Pseudambulcralfelder. 
Eine ausführliche Darstellung der Gattung 
verbünden mit einer Beschreibung des Genital- 
apparats von Pentatrematites melo D. Owen und 
Shum. wird in der Zeitschrift der Deutschen 
geologischen Gesellschaft erscheineii. 



Vermischte chemische Mittheilungeü 

von H. Hübner. 

(Vorgelegt vom Secretair.) 

Die nachfolgenden Untersuchungen, welche ich 
die Ehre habe der K. Societät vorzulegen, sind 
theils von mir selbst, theils auf meine Veranlas- 
sung im akademischen Laboratorium ausgefahrt 
woi^äen. 

L Ueber einige neue Verbindungen aus 
dem Acrolein, von Aronstein. 

Zur Entscheidung der Frage ob das Acrolein, 
als Vertreter der Aldehyde der Oelsäurereihe, 
wie die Aldehyde andrer Säurereihen, einAcetal 
zu bilden vermag stellte man folgen Versuche an. 



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112 

Acroleinchlorid wurde mit überschüssigem 
Natriumalkoholat in zugeschmolznen Röhren er- 
hitzt. Es trat eine starke Ausscheidung von 
NaCl ein und es bildete sich eine geringe Menge 
einer bei 50o siedenden Flüssigkeit von folgen- 
der Zusammensetzung CsEUCl nach der Gleichung: 
€8H4Cl2 + NaCgHöO = NaCl + CaEfcO + CsHsCl. 

Ein grösserer Theil des Acroleinchlorids wurde 
aber in eine bei 115o— 120o siedende Flüssigkeit 
umgewandelt, deren Zusaipmensetzung durch fol- 
gende Formel ausgedrückt wird : GsHeClO. Diese 
Verbindung ist eine Flüssigkeit von lauchartigem 
Geruch, unlöslich in Wasser, löslich in Alkohol 
und Aether. 

Ihre Bildung erklärt sich aus der Gleichung: 

GsEiCh -f CaHsO l =NaCl + €8H4C10\ 

Na/ e^üsf 

Diese Verbindung ist somit als Zwischenglied 
zwischen Acroleinchlorid und Acroleinacetal zu 
betrachten. 

Wird diese Flüssigkeit nochmal mit Natrium- 
alkoholat behandelt oder Acroleinchlorid sehr 
lange mit sehr viel Natriumalkoholat auf 130o 
erhitzt so entsteht eine zwischen 140o— liö*^ sie- 
dende, in Wasser unlösliche, stark riechende 
Flüssigkeit, die durch eine Verbrennung als das 
Acetal desAcroleins GsH* O O erkannt wurde. 

€2H5 G2E5 

Eine 2. Reihe .von Versuchen wurde ange- 
stellt um zu prüfen ob nicht das Acrolein in den 
meisten Fällen nicht nur 2 sondern, wie dies 
einzig für 4 Atome Wasserstoff nachgewiesen ist, 
4 einäquivalentige Bestandtheile aufzunehmen 
vermag. 

Zu diesem Zweck wurde: 

1) Acrolein mit Acetylchlorid auf lOOo er- 
hitzt. Es trat hierbei eine Vereinigung ein und 



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113 

man Erhielt eine bei 140 — 145o siedende Flüs- 
sigkeit von folgender Zusammensetzung €3H402. 
(CsHsOCl). 

Also hatten sich wirklich 2 Atome Acetyl- 
chlorid, die 4 einäquivalentigen Bestandtheilen 
entsprechen, mit dem Acrolem vereinigt. 

Acrolei'n scheint sich auch in gleicher Art 
mit Benzoylchlorid zu vereinigen doch ist die 
Einwirkung so heftig, dass Verkohlung eintritt. 

2) Trocknes Brom würde tropfenweise zu 
Acrolei'n gegeben. Es trat eine heftige Vereini- 
gung ein und es entwichen nur Spuren von Brom- 
wasserstoffsäure xmd zwar verbrauchte man zu 
dieser Verbindung auf 1 Atom Acroleün nur 2 
Atome Brom. Daher die entstandne zwischen 
130 — 1500 siedende Flüssigkeit folgende Zusam- 
mensetzung haben muss: €3H40Br2. Die Ver- 
bindung zeigt in ihrem Verhalten ammeisten 
Aehnlichkeit mit den gechlorten Valeraldehyden. 

3) Trocknes Chlor vereinigt sich ebenfalls 
sehr leicht mit Acrolem , man erhält eine nicht 
destillirbare dicke Flüssigkeit, die hier dadurch 
merkwürdig wird, dass sie sich mit Alkohol zu 
einem ziemlich dünnflüssigen, in Wasser unlös- 
lichen Oel, vereinigt, das zwischen 150 — 155o 
siedet und dessen Analysen zu folgender Zusam- 
mensetzung führten; €8H40. CI2. CgHsO. 

H 
Die Natur dieser eigenthümlichen VerWndung 
festzustellen behalte ich mir vor, hier genügt es 
nachgewiesen zu haben, dass auch in diesem Fall 
4 einäquivalentige Bestandtheile vom Acrolem 
aufgenommen worden sind. 

Endlich sei noch bemerkt, dass das Cyangas 
das Acroleih verharzt. 



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114 



IL üeber das Valeriansäurecyanid von 
D. Cunze. 

Je tiefer man in die Chemie eindringt, desto 
wichtiger erscheint es möglichst viele Grlieder 
einer Beihe organischer Verlrindungen kennen 
zu lernen, weil es sich zeigt, dass nicht immer 
alle Glieder ganz gleiche Eigenschaften haben 
und es daher nothwendig wird ihre Gleichartig- 
keit oder Verschiedenheit wenigstens bei einigen 
Gliedern nachzuweisen. Da nun kürzlich erst 
das erste Fettsäurecyanid dargestellt ist, so hielt 
man es nicht für tiberflüssig noch ein 2tes( zu un- 
tersuchen. Zumal unter den Fettsäurealdehyden, 
die in nahen Zusammenhang mit den Chloriden 
und somit auch den Cyaniden der Säuren ste- 
hen, sdir grosse Unterschiede im Verhilten der 
dnzelnen Glieder gegen ein und denselben 3t^ 
Stoff Yorkommen. Mail braucht nur daran zu 
denken wie yersdiieden die Einwirkung von Chlor 
einerseitö auf Valeraldehvd und andrerseits auf 
Essigaldehyd ist. — Das Valeriansäurecyanid 
wurde durch die Einwirkung von Ag€N auf Va- 
leriansäurechlorid erhalten. Dies Cyanid ist eine 
farblose ziemlidi dicke Flüssigkeit , die leiditer 
als Wasser ist und einen an Sellerie erinnernden 
Geruch besitzt. Mit Wasser zerfällt sie langsam, 
mit Kalilauge sehr viel schneller in Cyankalium 
und väleriansaures IMi. Bei der Einwirkung 
von Wasserstoff auf das Cyanid konnte keine mit 
sauren schwefligsauren Jdkalien kristaUisirende 
Verbindung erhalten werden sondern man beob- 
achtete ebenfalls nur ein Zerfallen in Blausäure 
und Valeriansäure. — 

Durch diese Beobachtungen ist es hinreichend 
nachgewiesen, dass sich das Cyanvaleryl ganz 
gleichartig dem Cyanacetyl verhält. Sogar ein 



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:1:1S 

festes Valerylcyanid wurde in geringen Mengen 
beobachtet, wahrscheinlich eine dem Dicyandia- 
cetyl entsprediende Verbindung. 

in. lieber Cyanessigsäurebromid und 
Bromessigsäurecyanid v. H, Hübner. 

Als Ausgangspunkt zur Darstellung dieser 
Verbindungen diente Bromessigsäurebromid. Cyan- 
silber wurde in einem kalt gehaltenen Rohr mit 
. diesem Bromid übergössen und zur vollständigen 
Umsetzung im Wasserbad erhitzt. Darauf kochte 
man das gebildete Bromsilber mit Aether aus. 
In diesem Auszug entstanden bald kleine weisse 
sehr unlösliche Nadeln und später grosse durch* 
sichtige sehr lösliche Tafeln. Durch ihre grosse 
Versdiiedenheit in der Löslichkeit in Chlorform 
oder Aether konnte man die zwri Verbindungen 
leicht trennen. Die schwerlöslichen Nadeln zeig- 
ten alle die Eigenschaften, die ich von ihnen in 
^ner früheren Arbeit bereits mitgetheilt habe. 
Vor allem ist nochmal hervorzuheben, dass die 
Verbindung mit Wasser oder leichter mit Kali- 
lauge keine Blausäure liefert sondern neben Brom- 
ammonium eine Säure die ich nur spärlich auf 
diesem Weg erhalten konnte und daher lange 
erfolglos ihre Salze zu reinigen suchte. (Als 
ich mich darauf damit beschäftigte diese Säure 
oder ihr nächst höheres Glied aus Chloressig- 
äther oder Chlorpropiansäureäther und Cyanka- 
lium darzustellen , da die genannten Aether auf 
Cyansilber, wie ich früher mitgetheilt habe, nicht 
einwirken; erfuhr ich, dasa Prof. Kolbe die 2 
Säuren, Cyanessigsäure und Malonsäure die hier 
entstehen mussten bereits in ganz gleichartiger 
Weise mit wässrigem Cyankalium dargestellt und 

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116 

untersncht habe. Ich musste also diesen Theil 
meiner Arbeit aufgeben.) 

Die Bildung verbunden mit der Zersetzung 
durch Kali unter Ammoniakentwicklung kenn- 
zeichnen dieses Cyanidbromid unzweideutig als 
Cyannssigsäurebromid €2H2(€N)OBr, 

Die erwähnten in Aether löslichen Kristalle 
zeigten dieselbe Zusammensetzung wie das Cyan- 
essigsäurebromid , dagegen zerfielen sie mit Al- 
kalien, Wasser oder Alkohol gekocht in Brom- 
essigsäure oder Bromessigäther und Blausäure, 
daher diese Verbindung nur Bromessigsäurecya^ 
nid sein konnte. 

Das Dicyanid der (Jlycolsäure oder Milch- 
säure darzustellen wollte nicht gelingen, Brom» 
essigsäurecyanid wirkte auf Ag€N oder KCN 
nicht ein. Auch Lactid verbindet sich nicht 
mit Cyan selbst nicht mit Jodcyan oder Chlor- 
cyan oder wasserfreier Blausäure wohl aber mit 
Brom. Femer Bemsteinsäurechlorid setzt sich 
nicht mit Cyankalium oder Cyansilber um. 

Ich sehe in den 2 oben beschriebenen Ver* 
bindungen das schlagendste Beispiel für den 
Wechsel der Eigenschaften ein und desselben 
Verbindungsbestandtheils je nach seiner Stellung 
innerhal der Verbindung; wie sich aus folgenden 
Gleichungen ergiebt. 

CHs+ 2H^^=€00 
Cyanmethyl NEU 

ebenso 

H 

?aS?} + 3ao=€H2 + NH4Br. 
*.«i5rj ^^^ 

H 
Cyanessigsäurebromid Malonsäure. 



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117 

CO.CN + ^^=€00+ ^^^ 
H 

Essigsncyanid. Essigsäure. 

ebenso 

H 

Bromessigsäurecyanid. Bromessigsäure. 



Verzeichniss der bei der Kön. Gesellschaft 

der Wissenschaften eingegangenen 

Druckschriften. 

Januar 1864. 

(Fortsetzung). 

A. Schäfer, das deutsche Recht in Schleswig-Holstein. 

Greifewald 1863. 8. 
Wildberger, 10 photogr. Abbildungen zum Nachweis 

der günstigen Heilresultate meiner Behandlung veral- 
teter spontaner Luxationen im Hüftgelenk. Leipzig 

1863. 8. 
C. Wittmann, Beitrag zum Menschenwohl. Hamburg 

1863. 8. 
St. Cannizzaro, orazione inaug. per l'apertura degli 

studi dell anno scolast. 1864. Palermo 1863. 8. 
£. Schlagintweit, Buddhism in Tibet. Leipzig & 

London 1863. 8. Mit Atl. in gr. Fol. 
H., A. u. R. Schlagintweit, results of a scientific 

mission to India and High-Asia. Vol. UI. Ebd. 1863. 4. 

mit Atl. ni. gr. Imp.-Fol. 
Atlas des nördlichen gestirnten Himmels, entworfen auf 

der kön. Sternwarte zu Bonn. 5. Lfg. Bonn 1859. 

qu. gr. Fol. 



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118 

Jahrbücher d..k. Akademie i^ Erfurt. Neue Folge. III. 

Erfurt 1863. 8. , 
Jenzsch, die Theorie des Quarzes. (Sep.-Abdr.) Erfurt 

1861. 8. 
Yerhandlungen des naturforschendezi Yereines in Brunn. 

I. 1862. Brunn 1863. 8. 
Bulletin de la Soc. imp. des naturalistes de Moscou. 1863, 

I. n. Moscou. 8. 

Der zoologische Garten. V, 1. Frankfurt 1864. 8. 
Mittheilungen des histor. Vereins für Steiermark. XII. 

Gratz. 1863. 8. 
Sitzungsberichte der k. bayr. Akad. der Wissensch. zu 

München. 1863, 11, 2. München 1863. 8. 
Norske rigsregistranter , tildeeis i uddrag, udgivet af 

C. C. A. Lange, S. Petersen, 0. G. Lundh. I. II. 

1523 — 88. Christiania 1861 — 63. 8. 

Februar 1864. 

Memorias da Academia Real de Lisboa. Classe de sc. 

mathem. etc. lU, 1. Classe de sc. moraes etc. m, 1. 

Lisboa 1863. 4. 
Jahrbuch der k. k. geolog. Reichsanstalt. 1863. XTTT, 4. 

Wien. 8. 
Annales des mines. lY. 1863, 5. Paris. 1863. 8. 
Lotos. 10. u. 13. Jahrg. Prag 1860. 63. 8. 
Sitzungsberichte der k. bayr. Akademie 1863* 11, 3. 

München 1863. S! 
Schriften der k. phys.-ökon. Gesellschaft zu Königsberg. 

4. Jahrg., 1. Abth. Königsberg 1863. 4. 
Gasparini, memorie botaniche. Napoli 1863. 8. 
Rendiconto deW Accad. delle scienze fisiche e matem. 

II, 4 - 10. Napoli 1863. 4. 

— delle tornate e dei lavori dell' accademia di scienze 
morali e poHtiche. II, 4 - 10. Ebd. 1863. ' 4. 

Det k. Frederiks üniversitets halvhundredaars - fest. 
Christiania 1862. 8. 

Holmboe, norske vaegilodder, fraQortende aarhundrede. 

. Ebd. 1863. 4. . . 

Kraft & Lange, norsk fbrfatter lexikon' 1814—66. 
Ebd. 1057-63. S: 

(Fprtsetzung folgt). 

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'■ ■( 



JVaehriehten 

von der Königl. Gesellschaft der Wissen- 
schaften und der G. A. Universität zu 
Göttingen. 



Mai 11. JV8l 7, 1864. 



KOüigliclie fiesellscliaft der Wisseiiseliafteii. 

Sitzung am 7. Mai. 

Heule, über die äussere Kömerschichte der Betina. 

Klinker fu es, über einen neuen einspiegligen Heliostaten. 

Derselbe, übör die Berechnung von Fix8tem-Odrtem4 

Ewald, über die grosse Karthagische Inschrift und an- 
dere neu entdeckte Phönizische Inschriften. 

Curtius, über Delphische Inschriften. 

Beilstein, über Amidozimmtsäure und Carbostyryl. 

Marme, über ein neues, giilig wirk^idee Glyaoeid der 
Radix Heüebori nigri. 

üeber die äussere Körners<5liicht6 der 
Eetina. 

Von J. Henle. 

Der alkuausschliessliche Gebrauch der Chrom* 
säure und des chromsauren KaK zur Erhärtung 
der Retina ist Schuld, dass eine Reihe aufial* 
lender unterschiede der Elemente der äussern 
und iimem Kornerschichte bis jetzt verborgen 
blieb. Fertigt man von getrockneten oder in 
Alkohol gehärteten Augenhäuten feine Dicken* 
diirdischnitte und lässt man diese in destiUirtem 
Wasser quellen, so zeigt sich an der Stelle der 

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äussern Kömer eine Lage einer fast wasserhellen, 
durchsichtigen Substanz , in welcher man nur 
mit Mühe die Umrisse der einzelnen Kugeln er- 
kennt, während die innere Kömer- und die 
Ganglien - Zellenschichte sich durch die dunkeln 
Conturen und den Glanz ihrer Bestandtheile 
auszeichnen. 

Chromsäure, auch in sehr verdünnter Lösung, 
Essigsäure, Glycerin und viele andere Reagentien, 
dem Präparate zugesetzt, machen die Körner 
der äussern Schichte denen der innem ähnlich: 
die helle Lage wird plötzlich dunkel und zeigt 
deutlich ihre Zusammensetzung aus Kugeln, die 
sich mit scharfen, zuweilen etwas eckigen Con- 
turen gegeneinander absetzen. Auch durch Car- 
minimbibition wird die Verschiedenheit der äus- 
sern und innem Körnerschichte verwischt; beide 
Kömerschichten färben sich, wie die Ganglien- 
zellenschichte, intensiv roth und zwischen die- 
sen drei rothen Schichten erhalten sich zwei 
Streifen ungefärbt, die schmale Zwischenkörner- 
schichte mit ihren der Ebene der Eetina paral- 
lelen Fasern und die mächtige granulirte 
Schichte zwischen der innem Kömer- und der 
Ganglienzellenschichte. 

Ebenso wie gegen die innern Schichten ste- 
chen an den in Wasser aufgequollenen Durch- 
schnitten der Retina die äussem Körner gegen 
die Elemente der nächst äussem Schichte , die 
Stäbchen und Zapfen, ab. Auch diese büssen 
durch die Behandlung mit Wasser nichts von 
ihrem Glänze ein; so zeigt sich an Schnitten 
von hinreichender Feinheit, wie sie von trocknen 
Präparaten leicht herzustellen sind , die Mem- 
brana limitans extema als einfach lineare Grenze 
zwischen den Endflächen der glänzenden Stäb- 
chen und Zapfen einerseits und den blassen, 



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121 

gleichfbrinigen Eügelchen der inüem Kömer- 
schichte andrerseits. Und auch diese scharfe 
, Abgienzung wird durch Chromsäure-Behandlung 
au%ehoben, so dass sogar die Selbständigkeit 
der Limitans externa zweifelhaft werden konnte. 
Was diese Membran betrifft, so stimmen 
meine Beobachtungen mit denen von M. Schnitze 
überein. Ich habe nur hinzuzufügen^ dass an. 
derselben die Innenglieder der Zapfen fester 
haften, als die Stäbchen. Oefters trennt sich 
die äussere Eömerschichte sammt der Limitans 
von der Stäbchenschichte und dann ziehen sich 
die Zapfen aus der Beihe der Stäbchai heraus 
und folgen der äussern Eömerschichte. 

So nützlich übrigens die Behandlung mit 
Wasser ist, um die Körner der äussern Schichte 
den andern Elementen der Betina gegenüber zu 
charakterisiren, so zeigt sie dieselben doch nicht 
in ihrer ursprünglichen Gestalt. Diese ist nur 
an frischen Augen, namentlich vom Schaf, Kalb 
und Ochsen, imd an fein 2:ertheilten und mit 
Glaskörperflüssigkeit bedeckten Bruchstüdcen 
der Betina zu erkennen. Die isolirten, nxEi ih- 
rem ^Verband gelösten Kömer zeigen dann in 
ge¥rissen Lagen eine ebenso zierliche als regel- 
mässige Abwechslung stark und schwach licht- 
brechender Schichten, welche an die Querstarei- 
fung animalischer Muskelbündel, noch mehr an 
die kürzlich von Valentin (Ztschr. für rat. Med. 
Bd. XVIII p. 217. Bd. XXI p. 39) beschriebene 
und abgebildete Zeichnung der Spermatozoiden- 
körper erinnert; nur dass die Streifung der Be- 
tinakömer sich nicht zum Probeobject eignet, 
da jedes brauchbare Mikroskop sie ohne beson- 
dere Vorrichtungen zeigL Eine Querstreifimg 
verdient aber die Zeichnung in sofern genannt 
zu werden, ab die altemirenden Sduchten, wenn 

10* 

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ESZ 

^e Köriier «ich in 'ihrer BiatüificheniLagei h^ 
finden, der Ebene der Betina paraüel UegiBti; 
Ak Sdhichtien, die dasp Hiora: in Beiner faoizeQ 
Dieke durchsetzen^ erweisen sie sich dadiu-eh, 
dass de nur in der Seitenansidii <ier Körner > 
walumebmbar sind und unsiditbar weȊen,i i^nn 
die letztern das der Choroidea oder d^ ZwlsobesH: 
körnerschidite engewiaikdte Ende deii Auge des 
Beobachtei*s zukehren. ■ In dieser Lagenersohei* 
nen die Körner entwedear ganz homiogeriodetr mit 
einem feinen, dunkdn centralen Körnchen ver^ 
sehen,' .■■'..; ^ 

Im frischen Zustande sind die Körner^der- 
äussern Kömerschichte durchgängig nicht Ku^ 
geln , sondern Ellipsoide , init der langem Axe 
senkrecht auf die Ebene der Retina gestdUt. 
Diese Aue beträgt 0,006—^0,007 MM., die klei- 
nere Axe mitunter nicht viel mehr^ als die Hälfte 
der grossem. Oefters sind beide Pole in kurze 
Spitaen verlängert , die aber nur dazu^ bestimmt 
scheilien, die Lücken zrnsch^i Aen Kärnem ans^ 
zufallen. Stark lichtbrechende oder dunkek 
Streuen sieht man bei einer gewissen Einstein 
lung drei, die unter dich und von den Polen 
der Kömer durch Streifen blasser Substanz ge- 
schieden sind; doch kann man, wie bei allen 
Mngestreiften Substanzen, je nach der Einstel-» 
kmg des AGkroskbps aueh die dunkeln Strafen 
hell glänzend und die blassen dub^el iehn. 
Ebenfalls wie bei andern feinstreifigen lObjecteii 
giebt es eine Einstellung • des Mikroskops , bei 
welcher die Streifen sidi in eine: ßeihe vcm Kü- 
gfelchen aufzulösen «scheinen ; dass aber die dun- 
keln Streifen der fi*aglicben KÖmer der Rejtina 
wirklich dur0h eigöntfaiimHch angeordnete/Kügel* 
eben . hervorgebracht werden, ist deshalb dniger- 
massen wal^sdleixdach , wseü die Körner bald 



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JM3 

iAßk dem T6de, Trenii ihre Stfeifttifg lu^iDbeui«- 
bäf wird,, eine Astzahl Mnei? Ptuaktob^i unre^ 
gelinäs&ig zerstreut. enthalten. Di^ci Farm; liegt 
den bisherigen Besdireibraig^n der Körner zu 
(irunde; so fand ich sie auch einmal in änem 
zwd. Stunden nach dem Tode untersuchten 
jBtenschliichen Auge^ irähr^id in einigen andern 
FSJlen einxelÄe Kömer noteh im- späterer Zeit 
ihre Quie^streifimg bewahrt hatten. 

.Einigt Mal, ich weiss nicht nnt^ weldien 
beseaidem Umständen, ist es mir genügen , aiu 
Düröhischnitten in Alk4)hol gehärteter Netahäute 
4i(3 Quetistreifung der' Köi'ner'. zu erhalten. Di« 
in Glycerin eingeschlossenen Pt*äpÄröte bi^tto 
jaa' döp' Sfelle -der äussern Eönlerschidite ;eine 
-0^^4)5. .MM. mächtige Lage einer Substanz; dar, 
4ib m£ dtu ersten Blick dem feixisten Eorbgs- 
&^t f^eicfat. Eeihiai ron glädzend^n, in die 
Bl^He verzogenen, idcht über. O^Oftl MM. mäcb- 
tigfen Körpexoben (die stark Licht brechenden( 
i^erstiräifön der Kömer) abwechselnd mit hel- 
len Ziv^sdienräumein f on gleicher Stärke ^ stehn 
in rjfediäEerifAJiordiitting dicht nebeneinander, von 
leilkan^et getr^iint durdi' radiäre Liniiea,;di6 den 
Snäcwk feiner, difird^etemder Fasern machen. 
Dies aber erweist sich als Täuschung. Die ra- 
dS&en linien dnd die Grenzen dei^ Kömer; es 
bleibt nichts davon; silbrig, weom ^e ^ina^nd^r 
berührenden Körnfer je zwdber beimdibarter ra- 
diäjrer Beiben ausleinaindeirgezogi^ werden« Die 
Form d^ Körner ai)^, die durch die Wijrkung 
dös Altöholö schlanker geworden ^feind,! wüsste 
ich mit nichts besser zu vetgleidben , als mit 
dem Bild, welches eine geöffnete Schote mit Lh- 
xet Röihe tron ErbeeA gewährt. 

. liteberbÄu^t habe idi an andern als Chrom- 
a&ilrepfäpaFaten vergeblich nadx radiär«^» Fasöm 



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124 

iiiherha.lb der äussern Eörnerschicbte gesucht 
und so Diuss ich annehmen, entweder dass Trock- 
nen und Alkohol diese Fasern zerstört öder dass 
Chromsäure dieselben künstlich hervorbringt. 
Erwägt man , wie einerseits das Trocknen die 
feinsten Fäden, Flimmercilien , Spermatozoiden- 
schwänze und im Torliegenden Falle die zarten 
Fasern der Ausbreitung des N. Opticus in der 
Betina und die radiären Fasern der Neryen&- 
serschichte Tortarefflich conserrirt, während an- 
drerseits die FäUgkeit der Chromsäure, faden- 
förmige Gerinnungen zu erzeugen, constatirt ist, 
so scheint mir die Wahl in jener Alternative 
nicht zweifelhaft. 

Die Elemente der innem Eörnerschicbte sind 
kugelförmige Kerne, einfach oder von einer en- 
gen, feinen Zellmembran und wasserbellem Ih<- 
halt umgeben, häufig mit einem centralen Eem- 
JrörperGhiKa versehn. Nur diesen lassen sich die 
mit dem Namen »Körner« belegten Eörperchen 
der Kinde des grossen imd kleinen Gehirns an 
die Seite stellen, indess die Eömer der äussern 
Schichte ihres Gleichen in den Gentralorganen 
nicht haben und mit den Stäbchen und ^pfen 
als specifische Organe des Gesichtsapparats zu 
betrachten sind. 

Gelegentlich sei noch erwähnt, dass die Me- 
thode des Trocknens wohl dazu geeignet ist, die 
völlige Structurlosigkeit des Glaskörpers zu er- 
weisen. Erwacht man feine Durchschnitte dnes 
Augensegments, auf welchem der Glaskörper ein- 
getrocknet ist , in Wasser , so quillt auch der 
Glaskörperdurchschnitt wieder auf zu einer ab<- 
solut durdisichtigen Masse, deren Grenze nur 
an den Staubpartikeln erkannt wird, die sich 
während des Trocknens auf der Sdhnittfläche des 
Glaskörpers abgelagert haben. Das Häqtch^, 



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125 

welches übrig bleibt, wenn man den frischen Glas- 
körper sich selbst und dem Zerfliessen überlässt, hat 
nur die Bedeutung eines Gerinnsels, ähnlich dem, 
welches zurückbleibt , wenn ein anfangs gallert- 
artig und homogen geronnener Faserstoff bei 
fortgesetzter Zusammenziehung das Serum aus- 
getrieben hat. 



üeber einen neuen einspiegligen 
Heliostaten. 

Von W. Klinkerfues. 

Die erste Beschreibung eines Heliostaten und 
merkwürdigerweise gerade eines einspiegligen 
(so genannt, weil derselbe ohne Zuziehung eines 
zweiten Spiegels das Sonnenlicht nach jeder zu 
wählenden Bichtung wirft) ist schon in einem, 
seiner Zeit sehr geschätzten Werke von Grav«- 
sande über die Newtonsche Physik vor mehr als 
100 Jahren gegeben. Die sonst sehr beachtens- 
werthe Lösung des interessanten Problems ist 
indessen in praktischer Beziehung keine 'glück- 
liche; die Maschine von Gravesande ist nicht 
nur sehr schwer in der nöthigen Vollkommen- 
heit herzustellen, sie ist ausserdem noch für den 
Gebrauch ziemlich unbequem; jedoch hat der 
Apparat durch Silbermann und durch Gambey 
Verbesserungen erfahren, welche die besonders 
hervortretenden Mängel beseitigen. Im Hinblick 
auf den hohen Preis dieser Instrumente, welcher 
bei ihrem complicirten Bau nicht sehr ermässigt 
werden zu können scheint und welcher als ein 
Hauptgrund ihrer auffallend seltenen Anwendung 
von Seiten d^ Physiker angesehen werden muss, 



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126 

lobnt es sich noch jetzt der Mühe , nach einfa- 
cheren Constructionen au sucheiL Ak wün- 
schenswerthes Ziel schwebte mir dabei vor, durch 
möglichst geringe Modificationen im Bau des so 
einfachen und bequemen zweispiegeligen Hello« 
staten diesem die ihm fehlende Allgemeinheit der 
Anwendung zu geben; ich glaube, da^s dieses 
Ziel in dem Instrumente, welches ich der Kö- 
nighchen Societät mir vorzuzeigen erlaube und 
welches von Herrn Mechanicus Dr. Meyerstein 
mit.grossier Sorgfalt ausgeführt ist, vollkon)(men 
erreicht ist; denn die Vorrichtung, welche aus 
dem zweispiegligen Heliostaten den einspiegligen 
macht, ist so einfach, dass sidi derselbe dem 
Ansehn nach nur wenig vom letzteren unter- 
scheidet. Das Wesentliche der Einrichtung be- 
steht darin, dass der Spiegel mit Oompäss- Auf- 
hängung an der Stunden -Axe befestigt ist, so 
dass seine Ebene jede Lage annehmen kann; 
zugleich wird der Spiegel in 24 Stunden so um 
die Stunden- Axe gedreht , dass , während der in 
der Verlängerung der Axe selbst befindliche 
Mittelpunkt des Spiegels in Ruhe bleibt, jeder 
andere Punkt mit gleicher Winkelgeschwindig- 
keit an der üthdrehungs - Axe durch alle Meri- 
diane geführt wird. An einem dieser Punkte, 
in einer Entfernung vom Mittelpunkte , welche 
von der Declination der Sonne abhängt und 
senkrecht zur Spiegel-Ebene ist ein cylindrischer 
Stift befestigt, welcher während der Bewegung, 
des Spiegels an einem festen Punkte gestützt 
wird. Die Lage dieses letzteren Punktes, wel- 
cher durch den Mittelpunkt einer cardanisdl 
aufgehängten kleinen Hülse gebildet wird, hängt, 
ausser von der Declination der Sonne, von der 
Richtung ab, welche der reflectirte Strsdil haben 
soll; desshalb ist diese HüUe an einem stdl- 



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Iä7 

baren Arm verschiebbar. Wird dieser Stütz- 
punkt in die Weitaxe gebracht, so verrichtet das 
Instrtiment den Dienst eines zweis^iegMgen He- 
liostaten und man kann leicht, wenn dasselbe 
schon sonst orientirt ist, durch Stellung des 
Declinations-Schiebers und Drehen um die Stun- 
den -Axö, das Licht einem den Pol repräsenti- 
renden Punkt an einer Wand oder an der Decke 
des Zimmers zuwerfen. Will rtian nun das 
Licht auf einem anderen Punkte haben, so braucht 
man nur den Stiitzplinkt des Stifts zu verschie- 
ben und den stellbaren^ Arm zu drehen, bis da$ 
Sonnenbiid auf dem gewählten Punkte erscheint; 
das Uhrwerk wird es danü fortwährend auf dio^ 
sem Punkte erhalten. Aus dem Vöi'bergehehden 
geht -noch die nicht ganz unwichtige Bemerkung 
hervor, dass während der Bewegung die Entfer- 
nung* des Stützpunktes des Stiftes von seiüem 
Fusspunkte am Spiegel ganz unveränderlich ist, 
so dass also der Stift in der Hülse nur gedrejit 
wird, ohne zu gleiten. 

Der eben beschriebene Heliostat steht zu dem 
August' sehet* in einer interessanten Beziehung 
AUgeniein muss sich nämlich offenbar die Spie- 
gelnormale eines Heliostaten so bewegen, dägs 
von ihr der Bogen zwischen der auf einem ge- 
wissen Parallelkreis laufenden Sonne und einem 
festen Punkte auf einem andern Parallelkreis 
halbirt wird. Dieser Bedingung ist nun auf 
eine besonders einfache Weise zu genügen, wenn 
die beiden Parallelkreise zum Aequator symme- 
trisch liegen, d. h\ wenn der eine so weit süd- 
lich, ak der andere riördHcK ist. Es ist fei^net 
klar, dass die Spiegelöormale in diesem Falle 
den Aequator selbst mit gleichförmiger Gesöhwin- 
digktit in 48 Stunden durchlaufen muss. Diese 
Einrichtung hat der A u g ti s t' sehe Heliostttt j bei 

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128 

dieser grössten EinfEichheit ist uur zu bedauern, 
dass man das Licht nnr auf bestimmte Kreise 
werfen kann, z. B. nur 5^ südlich, wenn die 
Sonne 5® nördlich vom Aeqnator steht , und 
überhi^upt auf einen Punkt von der Declination 
— rf, wenn die Declination der Sonne + S ist, 
und umgekehrt. Diese Punkte, welche der Au- 
gust' sehe Heliostat erreichen kann, sind nun ge- 
rade die einzigen, welche dem obigen Heliostaten 
nicht zugänglich sind. Die eben erwähnte merk- 
würdige Beziehung besteht darin, dass man nie 
mit beiden Instrumenten das Sonnenlicht nach 
Punkten von gleichen Polabständen richten, also 
auch nie in parallelen Richtungen werfen kann. 
Zu zeigen, wessbalb das neue Instrument diese, 
in praktischer Beziehung sehr wenig in Betracht 
kommende Ausnahme seines Gebrauchs erleidet, 
würde die gegenwärtige Notiz zu sehr ausdehnen. 

üeber die Berechnung von Fixstern- 
Oertern. 

Von W. Elinkerfues. 

Für die durch die Präcession, Nutation und 
Aberration im Orte der Fixsterne hervorge- 
brachten scheinbaren Aenderungen hat Bessel 
folgende Formen: 
Aenderung in AR = Ja = f^ gsin (0+ ctj tangä 

-j- hsin (E + a)secansd 
Aenderung in Decl. =Jd^^ icosd -|- gcos (G -f- a) 

-|- hcos(H + cc)sind 
eingeführt, in welchen die Bedeutung aller Grös- 
sen den Astronomen hinlängUch bekannt ist, da 
sie im iJlgemeinsten Gebrauch sind. Die astro- 
nomischen Jahrbücher, wie Nautical Almanac, 
Berliner Jahrbuch und andere geben von 10 zu 



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129 

10 Tagen die Werthe der Grössen, f, g, h, iy 
G und ff, wodurch, in Verbindung mit der über- 
sichtlichen Form diie so äusserst häufig wieder- 
kehrende Reduution vom mittleren Ort auf den 
scheinbaren imd die umgekehrte eine viel grös- 
sere Bequemlichkeit, als vordem erlangt haben. 
Die obigen Formeln lassen eine Transformation 
zu, welche diese Rechnungen noch femer etwas 
erleichtert. Führt man nämlidi statt der De- 
dination d die Nord - Polar - Distanz p ein und 
macht von den Gleichungen: 

cotang p = -1 cotang p — ^ iang p 
cosecamp == ^ cotang p -j- -^tangp 
Gebrauch, so erhält man 
^a = /• + ^ (gsin(G + «) + hsin(H -(- a)) cotangp 

+ \ (g^if^ (G + a) — hsin (ff + «)) iangp 

^iJ = icosd + (gco$(G + a) + hcos(H -[- ct))cosp^ 

+ (gcos(G'\'a) — *co«(Ä4-a))m»* 

oder: 

sec,d.Jd = I + i(gcos(G-i' a) + hcos{H-^ay)cotangp 

+ i(gcos(G^a) ~ hco${B-^ct))tangp 
daher, wenn man setzt: 

gsinG -f- hsinH = 2k sin K 

gcosG + hcosH = 2kco$K 

gsinG — hsinH = 21 sin L 

gcosG — hoosH =b 2lcosL 

Ja =^f+ Äm(Ä'+ a) cotang p -|- Isin (L + a)tangp 

secans d, /td =s i -j- k cos (K-^ a) cotang p 

-[- Icos (L + a) iof^g P' 



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Ganz lesonders •eignen sifeh cReselSrkiditßigeji 
4iaztL, jene Reductirinen graphisch darssuätelleit, 
da die Grössen , um weldie es sich handelt, 
während eines Jahres umd mit Ausnahme der 
CircumpolaTsteme sich zrrischen ziemlich engen 
Gränzen bewegen. Setzt« man'^. B. in der be- 
kannten Formel für die PräcessioninKeotascensibn 
Ja=ssm -^ »sin a tang V^ 
aj = |/^. sin et; yxttyCn. tang^d 
80 wird die CnrVte gfeiciher Präcebsion in Eec- 
tascension eine gleichseitige Hyperteb^ welche die 
Coordinateji-Axen selbst .zu Asymptotei) hat, und 
es kann dann, wie man leicht erkennt, ein Sy- 
stem solcher ;Curven dazu ^ebra^cht werden, die 
Präcession für diQ verschiedensten Epochen zu 
entnehmen, wobei ndöh leicht,- ;wie die Ef- 
fahxung. gezeigt hat, 0,001 Zeiteeounde in d^ 
jährlichen Präcession verbürgt werden kanii. Für 
die Natation und Aberration leistet aber die 
gleichseitige Hyperbel ganz die n^mlicljken Dien^, 
nur mit dem ünterscluede, dass die zu bestim- 
menden Girösäen^ nicht mit grSsseröii Zählen zu 
multipliciren sind, daher das CurvensystijBm eine 
weit geringere Ausdehnung zu haben braucht. 
Die für diesen' Zwecken in äen obigeti Gleiiihun- 
gen zu n^achenden Substitutioneti isllßp. nach 
dem Vorhergehenden so in die Augen, dass es 
unnöthig scheint, dieselben Wet* aus:iüfiihren,' -iü^ 
mal eine von mir beabsichtigte Anwendung eine 
bessere Gelegenheit dazu bieten wird. 

L. ^ 

lieber eiÄ nettes, giftig wirkendes Gly- 
, cpsid der Radix He.ljebori nigfL ., 

Von Dr. Marme. 

Die bisherigen chemischen Untersuchungen 
der schwarzen Niesswurzel Ixaben teinen wirksa- 



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1821 

Dien Best andtheil dergelben keoTiön' gelehrt. F e^ 
neulle TiikdCäpron's BehauJ)tttn^ (Jouriaäl de 
PhamiaäeYII)- das .ivoa- ihnen zijer&t nachge- 
wiesene fette Oel der Hdleboreen sei dias pnn- 
oipium acti^um * hat Schroff widerlegt» Ueber 
diei physfolo^siche Wirkung, von Bastik's Bel- 
ieb o5r in r(Phärmao. Jouri and Transact Xu 
p. 274), weisse, glänzende; schwer in Wasser, 
leidht.iÄ Aether, ain leichtestferi in \A:lkohor lös* 
lichö, bitterkratzend 'schmeckebide/ beuiral reagi- 
r^nde, aber NhattigeiErystaile ist nichts bekannt. 
Vanquelin's Hellöhorin ist ein Harz aus Eran^^ 
tbus hyemalis Salisb. Die neueste Deutsche 
Untersuchung ron E. H i e g e 1 (Archiv d: Pharmac* 
XXIV pu 80) aus donl Jahre 1840 stimmt im 
•Wesentlichen ndit dear von: Feneulle imd'CapTon 
übereiri. -^ Sc kr off nimmt naob seinen phy* 
sidogfechen üntersuiöhungen der Helleborüs-Arten 
(Prager, VierteljahrsöhriftMSöö wid Wiener Zeit* 
Bchrift 1860, III, 2ö) ein scharfes» und ein nar- 
kotisches Ptfncip in denselben an. Als Träger 
des letzteren glaubt er die in den alkoholischeil 
Extracten von Hdlebortis niger langsam aber 
reichlich, in denen nder übrigen Arten rasch und 
deutlich sich bildenden miki-oskopischen Erystalle 
ansdhetft zu können, von- wislchen aber jede' ge- 
nauere Unterßuühung zur Zeit fehlt. 

Das Folgende enthält die bis jetzt erlangten 
ßesidtate^ eiöeif! vor Kurzem; in physioJogischKche- 
mischen Laboratöriuiti begonüenen Untersdchung 
zunächst der mäix HeUebori' nigri. 

Versetzt! man den wässtigen mit Bl^essig 
gereinigten , und durch .Schwefelsäure von über- 
schüssigem Blei befreiten und dann stark sauer 
gemachten Anibmig Aeä iaA H. n. mit Phosphors 
molybdänflaunemJSatroai, so entsteht ein flockiger 
Niederschlag; wird dieser mit kohlaisaureln Baryt 



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182 

zersetzt, vorsichtig zur Trockne gebracht, mit 
absolutem Alkohol ausgezogen, die alkoholische 
Lösung stark eingeengt und dann entweder über 
Schwefelsäure verdunstet oder mit Aether im 
Ueberschus» versetzt, so erhält man einen 
unter gewissen Bedingungen auch krystalli- 
sirenden Körper, der auf dem Platinblech bei 
gelinder Erwärmung schmilzt, sich dann auf- 
bläht, stärker erhitzt sich bräunt, verkohlt und 
schliesslich ohne Bückstand verbrennt. Auch 
angezündet verbrennt er imd zwar mit leuchten- 
der Flamme. Gretrocknet und gepulvert ist der- 
selbe weiss, schmeckt bitter, ist stickstoffirei, 
löst sich leicht in Wasser und Alkohol, nicht in 
Aether. Seine wässrige Lösung röthet Lakmus- 
papier kaum und wird durch keines der ge- 
bräphUcheren Beagentien getrübt. Mit verdünnter 
Schwefelsäure behandelt, spaltet er sich in Zucker 
und einen dunkel veilchenblauen Körper, gehört 
also zu den Glycosiden. Der dunkel geßlrbte 
Spaltungskörper ist unlöslich in Wasser imd 
Aether, leicht löslichen Alkohol und diese Lösung 
reagirt vollkommen neutral. — 

Die wässrige Lösung von 0,200 Grm. des 
Glycosids einer starken ausgewachsenen Katze 
in die Vena jugularis injicirt, erregte nach V* 
Stunde wiederholtes Erbrechen ohne weitere Stö- 
rungen. Fernere 0,200 Grm. eine Stunde später 
subcutan applidrt, hatten selbst nach 2 Stunden 
keine besondere Wirkung: Der eintretenden Nacht 
wegen koimte das Thier nicht weiter beobachtet 
werden. Am nächsten Morgen wurde es todt 
und bereits vollständig erstarrt gefunden. Die 
sorgfaltigst ausgeführte Section ergab keine örtlidie 
Laesion, welche den Tod hätte erklären können. 

Genauer konnte ich die Erscheinungen an 
einem Kaninchen verfolgen. 



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133 

0,325 Grra. in Wasser gelöst einem jungen 
Kaninchen in die linke Vena jugularis injicirt, 
bewirkten erst nach zwei Stunden leichte con- 
vulsivische Erschütterungen des ganzen Körpers 
ohne irgend welche Narcose. Die Herzaction 
blieb während dieser Zeit lebhaft beschleunigt. 
Dann und wann machte das Thier Würgebewe- 
gungen. Das Futter blieb unberührt. Entlee- 
rungen des Darms und der Blase traten wieder- 
holt ein. Das Thier sass zusammengekauert da. 
Vier Stunden nach der Injection, Nachmittags 2 
Uhr wurden 0,325 Grm. unter die Haut ge- 
bracht. Das frühere Erzittern des ganzen Kör- 
pers kehrte nach 10 Minuten stärker zurück. — 
2 pir 30 Minuten häufiges Lecken und Zähne- 
knirschen; wiederholte H^nentleerung. Zwei 
Stunden sitzt das Thier still und traurig da. 
Bei Berührung, auf laute Geräusche hin wechselt 
es ganz behende seinen Platz. — 4 Uhr 30 M. 
werden nochmals 0,200 Grm. in das ünterhaut- 
bindegewebe injicirt. Nun erfolgt kein Zittern. 
4 Uhr 45 M. sitzt das Thier wie schlaftrunken 
da, die Augen halb geschlossen. Der Kopf sinkt 
langsam bis zur Erde , wird dann plötzlich wie- 
der erhoben, um ebenso langsam wieder herab 
zu sinken. Gegen Geräusch ist das Thier ganz 
unempfindHch. — 5 Uhr der Kopf wird und 
bleibt auf die Erde gestützt, Zähneknirschen. 
l>as Thier fühlt sich kühl an; aufgehoben macht 
es nur schwache Bewegungen mit den Extremi- 
täten Herzschlag verlangsamt, 12 Pulsschläge 
m 5 Sek. ; desgleichen die Respiration, 5 Athem- 
2»ge m 5 Sek. — Auf die Seite gelegt versucht 
das Thier vergebens sich aufzurichten, bleibt 
dann wie ganz gelähmt liegen. 5 Uhr 25 M. 
4 Athemzüge in 5 Sek. — 5 Uhr 27 M. Oefihen 
des Mundes bei jeder Inspiration; 3 Pulsschläge 



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.18^ 

ia 5 Sek. 5 Uhr 29 Min, .5 AtheiQZiig© in. V* 
^inijite , weites Oeffnen deg Mundes bei jedei: In* 
spiration. — 6 Uhr 32 M. Ni|r Lippeö und 
Jfasenflügel bewegen sich beim Athmen; 4 un* 
regelmässige Pulsschläge in 5 Sek., bei Berüh- 
rung der Cornea keine Beflexbew^guflg ^r. Au- 
genlider. 5 Uhr 35 M. steht die Rpspiratipn 
still. Lebhaftes Zucken in den Muske}n d^s Na- 
ckens, Rückens und der Extremitäten biß 5 Uhr 
38 M. •— Nach Eröffnung derBrusthphle pjalairt 
das Herz in allen seinei^ Theilen bald regelmä- 
ssig, b^d stürmisch und ^nregelmässig. 10 Mi* 
nuten später ist es vollständig gelähnit. Lungen 
lebhaft geröthet, zeigen an einzelnen jStellen 
kleine Blutextravasate. Schleimhaut des st^rk 
angefüllten Magens ebenso wie die des ganzen 
l)armkanals blass. Im Darm qur feste faeces. 
Die Harnblase weisslich gefüllt. Leber i Milz 
und Nieren normal — 

Hiernach unterliegt es keinem Zweifel, dass 
das von mir gefundene Glycosid wenigstens ein 
wirksamer Bestandtheil der rad. Hellebori nigri 
ist. Die äusserst langsam eintretende Vergiftung 
entspricht ganz der äusserst geringen toxischen 
Wirkung der schwarzen Niesswurzel. In Schroflfs 
Experimenten wurde mehr als eine halbe Unze 
der gepulverten Wurzel von Kaninchen ohne 
Nachtneil ertragen und erst grosse Quantitäten 
desExtracts vermochten den Tod herbeizuführen. 

Die genauere Verfolgung des Glycosids und 
seiner SpaUungsproducte in chemischer und phy- 
siologischer Hinsicht, die Beantwortung der Erage 
nach dem Verhältniss dieser Körper zu den von 
Schroff als Träger des narcotischen Princips an- 
gesehenen KrystaÜen, so wie endlich eine gleiche 
Untersuchung der rad. Hellebori viridis behalte 
ich mir vor. 



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Nachricht^ 

von der Königl. Gesellschaft der Wissen- 

sche^ften und der G. A. Universität zu 

Göttingen. 



Mai 18. . M 8. 1864. 



Königliche Gesellschaft der Wissenschaften. 

üeber die neu entdeckten Delphischen 
Inschriften. 

Von Ernst Curtius. 

Nachdem Karl Otfried Müller in dem ver- 
hängnissvollen Sommer 1840 einen Theil der 
Mauer, welche die Terrasse des Delphischen 
Tempels stützt, ausgegraben hatte, hat ein Ein- 
wohner des heutigen Dorfes Kastri damit fort- 
gefahren und eine weitere Strecke von dreissig 
Meter Länge freigelegt. Es kamen dadurch ei- 
nige zwanzig Inschriften zu Tage, von denen 
Conze und Michaelis 1860 ejnen Theil abge- 
schrieben und veröffentlicht haben in den An- 
nalen des Rom. Inst. XXXHI S. 66. Vgl. Phi- 
lologus XIX S. 178. Bald darauf unternahm 
es die französische Schule in Athen, in grösse- 
rem Massstabe Müllers Werk fortzusetzen. Zwei 
Zöglinge derselben brachten längere Zeit in Del- 
phi zu, Hessen über 40 Meter derselben Mauer 
aufdecken und fanden mit Ausnahme geringer 
Zwischenräume die ganze Oberfläche dicht mit 
Inschriften bedeckt. Nachdem der Eine dersel- 

11 

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136 . 

ben, Herr Wescher, kurz vor Beendigung dieser 
Arbeiten im Juni 1861, einige briefliche Mitthei- 
lungen über die Ergebnisse derselben gemacht 
hatte (BuUettino delP Inst. 1861 S. 131), liegt 
uns nun die ganze Ausbeute in dem Werke vor: 
Inscriptions recueillies äDelphes et publiees 
pour la premiere fois sous les auspices de 
Son Exe. Mr. Rouland Ministre de Tlnstru- 
ction et des Cultes par M. Wescher. P. 
Foucart, membres de Tecole Fran^aise d' 
Athenes. 
Es sind im Ganzen 480 Inschriften, von de- 
nen 420 dem Theile der Mauer angehören, wel- 
cher auf Veranstaltung der französischen Schule 
aufgedeckt worden ist. Die Mauer hat durch- 
weg denselben Charakfer, wie ihn die in meinen 
anecdota delphica gegebene Zeichnung veran- 
schaulicht. Es ist eine mächtige Polygonmauer, 
drei Meter hoch, unten mit einem sokkelartigen 
Vorsprunge versehen , oben von einigen Lagen 
regelmässig behauener Steine bedeckt. Eine 
vollständige Freilegung und Säuberung der gan- 
zen Mauer wird hoffentlich auch zu Stande kom- 
men. Zu diesem Zwecke müssen einige moderne 
Gebäude, welche sich an die Terrassenmauer 
anlehnen, hinweggeräumt, werden; dann wird 
man bis zur weltlichen Ecke gelangen und so 
die Südseite der grossartigen Tetopelterrasse in 
ganzer Länge vor Augen haben. 

Die Herausgeber haben keine Zeichnung der 
Mauer gegeben, aus welcher man die Anordnung 
der Inschriften und ihre Folge erkennen kann. 
Sie haben auch die Texte nur in Cursivschrift 
mitgetheilt und allerdings würde eine Veröffent- 
lichung in Facsimiles dem Werke einen unver- 
hältnissmässigen Umfang gegeben haben. Auch 
erkennt man, dass im Ganzen durch diese Art der 



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137 

Veröffentlichung die Genauigkeit und Treue in 
keiner Weise beeinträchtigt worden ist, und Nie- 
mand kann die Ausdauer und Unverdrossenheit 
der Herausgeber besser würdigen und lebhafter 
anerkennen, als wer selbst in delphischer Som- 
merschwüle vor jener Mauer gestanden und sich 
bemüht hat, dies grosse Steinmanuskript zu ent- 
ziflfem; eine Arbeit, welche durch die Gleichar- 
tigkeit des Inhalts um so ermüdender wird. 

Die Herausgeber haben sich einstweilen 
begnügt, die Inschrifttexte vorzulegen; sie haben 
weder Erklärungen des Einzelnen, noch ausführ- 
lichere Prolegomena noch auch Wort- oder Sach- 
register hinzugefügt. Es bleibt also Anderen 
überlassen, auf den Gewinn hinzuweisen, welchen 
die Alterthumskunde daraus ziehen kann, und es 
wird namentlich in Deutschland nicht an Arbei- 
tern fehlen, um die neue delphische Erndtß für 
die Wissenschaft zu verwerthen. In dem beson- 
dem Interesse , welches die Societät für diese 
Fortsetzung der letzten Arbeit Ofiried Müllers 
haben muss , imd in dem Antheile , welchen ich 
selbst an jener ersten Aufdeckung des delphi- 
schen Steinarchivs gehabt habe , seh^e ich eine 
Aufforderung, über den wissenschaftlichen Ge- 
winn, den diese neuen Entdeckungen gewähren, 
einige Bemerkungen mitzutheilen. 



Die bei weitem grösste Menge der Inschriften 
(19 bis 451) sind Freilassungsurkunden, und ich 
versuche daher zunächst das zusammenzustellen, 
was sich aus dem neu gewonnenen Materiale 
zur Ergänzung und Erweiterung unsrer Kennt- 
niss jenes merkwürdigen Rechtsinstituts ergiebt, 
welches ich als manumissio sacra in meinen 
anecd. delphica besprochen habe und dann M. 
H. E. Meier in der Allg. Litt. Ztg. 1843 Dec. 

11* 

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138 

in seinem Aufsatze über die Freilassung bei den 
Griechen. 

Was zunächst die Ausfertigung der Urkunden 
betrifft , so wird im Einklänge mit früheren In- 
schriften eine doppelte mehrfach erwähnt, und 
beide werden als cSvai bezeichnet. Die eine ist der 
ursprüngliche Vertrag (a ygaipcl, (TvyyQaq)d, w 
dfjköXoyoPj To ävxiyQctcfov xäq toväg), welcher ent- 
weder bei einer amtlichen oder bei einer Privat- 
person aufbewahrt wird, und zwar in zwei Ex- 
emplaren, wenn der Freilasser ein Auswärtiger 
ist wie 53: d covä nagd iisv 0a)x^ Ka(pia(Ava^ 
nagd ds Jslifov u. s. w. Die andere ist die 
monumentale Urkunde (a wrd d iv t« Isq^ 
dpuyeyQctiiiiivd) y welche nach dem Staatsgesetze 
erfolgt unter Autorität der delphischen Beamten 
(dpayQatpdptca ol dq^ovreq iv %(a ieQm) , und 
durch diese amtliche Aufzeichnung, von der zu- 
weilen wie 239, 7 auf die andere ausführlichere 
Urkunde hingewiesen wird, erhält der ganze 
Vertrag seine volle Rechtskraft Qd iovd xvQia 
iffilv dvayfyQafifiivd). 

Für die Form des Verkaufs an den Gott 
kommt ausnahmsweise die Form der Weihung 
vor. N. 432 ist eine solche zu Physkos vollzo- 
gene [Tqiaxddi iv ivv6(i(p ixxXfjoiq) und nach- 
träglich in Delphi aufgezeichnete. N. 436 ist 
unter den Weiburkunden die merkwürdigste, sie 
ist im Philol. XIX S. 173 abgedruckt und von 
Keil im Rhein. Mus XVIII 262 besprochen. Sie 
enthält die Anathesis eines Kalydoniers Alke- 
sippos, in Form einer letztwilligen Verfügung. 
Er weiht dem Gotte und der Stadt (also hatten 
beide eine gemeinsame Kasse) ein Kapital, von 
dessen Zinsen ein jährliches Opferfest zu seinen 
Ehren mit feierlicher Prozession aller Priester, 
Beamten und Bürger (novneve^v ix mg dXioog 



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139 

wvg IsQstg) gehalten werden soll; sein ganzes 
übriges Besitzthum (rd äXXa ndvta tä Idia 
dvaTi&fju die Herausgeber wissen hier nichts von 
der Lücke, welche die deutschen Reisenden (nach 
?d*a) angeben und Keil durch ein X^laxs zu ergänzen 
gesucht hat) vermacht er dem Gotte und der 
Stadt, und darunter auch seine Sklavin Theu- 
tima , diese aber in der Weise, dass sie nach 
seinem Tode frei sei, mit dem Auftrage, dass 
sie nebst drei Anderen von dem Kupfervorrathe 
in seinem Nachlasse ihn bestatte. Hier wird 
also die manumissa geradezu als ein Anathema 
angesehen, dessen üebergabe an den Gott nur 
unter besonderen Voraussetzungen erfolgt. Als 
eine testamentarische Verfügung wird auch 419 
die Freilassung verkündet; also ist auch hier 
wie bei der Anathesis von keinem Kaufpreise 
oder Lösegelde die Rede (nur von einer Zahlung 
an die Erben, wenn der Erblasser vor einer be- 
stimmten Frist sterben sollte) , dennoch wird 
auch diese Verfügung eine vSvd genannt. End- 
lich noch ein Beispiel der Anathesis und zwar 
hier nach vorgängiger Zahlung 406 : dvati^ifi<si, 
iXsvd'iqav i[A naQad'ijxji rdv 7ta&dicfxap xaraßs^ 
ßXfjxvtap dgccxfidg ^ Als'^avdqsiag diccxofflag. Dies 
ist die ßinzige mir erinnerliche Ausnahme von 
der Regel, nach welcher die Form der Weihung 
nur da eintritt, wo die Freiheit geschenkt wird. 
Auch kommt nur hier der Ausdruck ip na^a- 
&^xii vor. 

com ist der Kaufvertrag, der mit dem Gotte 
geschlossen wird ; daher iXsvS'sqog xa%d tdp 
fivdv wv &€0v 66, 11; 354, 15. SaTco & ävd 
ßißatog T« &€(a 397. 399. d dvd (acvstca «:« 
&€M 189,'* 14. 213, 12. Da (ovä in uneigentli- 
chem Sinne soviel wie äpdd'€(ftg bedeutet, kann 
es auch heissen: Sdoaxe tdv äväv Joaqfnkaxog xio 



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140 

AnöXXoav^ 419. Dem früheren Kaufvertrage, auf 
welchem die Unfreiheit des Freizulassenden' be- 
ruht, wird der Verkauf an den Gott als der An- 
fang der Freiheit entgegengesetzt und deshalb 
die Nichtigkeit des früheren Vertrags ausdrück- 
lich ausgesprochen. 81, 4: dStrts tcty nQotsQa- 
(Siav (avdv ägfiSrav (aufgehoben) elfisv xal äxv- 
QOP. 169, 7 : ä ngötegov dvd äv slxs yiafAngiag 
Biotag äq^kiva xa* dTsXijq soToa 179 , 7. Hier 
ist also wvä das durch Kauf erworbene Eigen- 
thumsrecht; yl. elxsv (ovav Biotaq^ ö d'edg ixsy. 

Um etwaige Ansprüche und Einreden Dritter 
abweisen zu können, wird zuweilen der frühere 
Besitzer namentlich angeführt und so das recht- 
mässige Eigenthumsrecht des Freilassers con- 

statiert (nQÖtsQov inqlato naqä 126. 130. 

197. 198. 247. 275. nqoanidfno xatä wy vo- 
(iov — 325. TtQoanodÖTM xavä vdy cvfißaXäv 
363. X. T. vöikov \11, 

Obgleich der Verkauf an den Gott nur ein 
Scheinverkauf ist, so werden dennoch dem sym- 
bolischen Charakter des ganzen Rechtsgeschäfts 
gemäss die Freigelassenen als Eigenthum des 
Gottes bezeichnet, wenn auch mit solchen Zu- 
sätzen, welche jedem Missverständnisse vorbeu- 
gen und das wirkliche Sachverhältniss klar aus- 
sprechen. So z. B. 310, 253, 8: %ov ^eov iatoa 
^Jiya%^afi€Qlg %dv ndvxa ßiov »a&dg iniauvüe t^ 
d^em mv (avdv. 376, 384 {%ov ^eov B(nm — xv- 
Quvoop adidg airov). 404 , 11: Ugd satt» wv 
IdnölXoapog xal dv4(pamog. 301, 11: iXsv&iga 
oiaa xal wv &€0^. Diese Ausdrücke erweisen 
deutlich den Ursprung dieser Freilassungsform 
aus der Hierodulie. Die Freigelassenen werden 
wie zum Inventar des Heiligthums .■ gehörig an- 
gesehen; sie ^.werden von denen, welche sie ex 
officio oder^ freiwillig gegen Angriffe schütten, 



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141 

dem Gotte vindiciert (cfvXstp inl tbv ^bov 100, 
7; 167, 22; vnhq %dv d^sov 163, 5; 166) und, 
wie entwendete Anathemata, dem Heiligthume 
restituiert (407, 20 : Tivqioi, iovvco ol xs ßeßmwT^qsg 
xal äXlog 6 &iX(ov änovtad'i(5%dovi;Bg Sivoava iv 
TÖ Uqov. Vgl. 417, 6: <5 naqaTVx^l^v xvQiog satta 
äqiaigelfuvog cS^ Uqccp ov(Sctv. 450: äcpaiQeta&at 
lii iXsv&SQlqc), 

Zur Gewährleistung dessen, was durch den 
Scheinverkauf erzielt wird, werden besondere 
Vertrauensmänner bestellt, welche mit dem Ver- 
käufer zusammen für die Rechte des Freigelas- 
senen einstehen und jeden Angriff auf seine 
Person (ämso&at^ i(pdTruad'aij ivdnuad-ai,^ im- 
Xafißdvsöd^atj wofür 66 auch das attische äysiv) 
abwehren. Das ist der confirmator des Ge- 
schäfts, ߀ßa$coT^Q (xal nQoazdTiig 38), der mit 
dem Freilasser zugleich verantwortlich ist, von 
ihm ernannt oder, wenn eine Frau manumittiert, 
von ihrem Verwandten und rechtlichen Beistande, 
mit dessen Einwilligung die Freilassung erfolgt 
(xsXsvovtog S^pwvog 120, 14. xeXsvöaPTog 236, 7). 
Ueber die Pflichten des confirmator gab es be- 
stimmte delphische Gesetze, daher der gewöhn- 
liche Zusatz xard top vöfiov (tag nöhog). In 
den neu gefundenen Inschriften kommt nun 
auch ein bestimmter Strafsatz vor. Wenn der 
Freilasser und der amtliche Gewährsmann den 
Vertrag nicht aufrecht erhalten, änovsiadvnAV 
adzä xai zd ^fiiöha 347, 6 oder, wie d'ie zweite 
Formel lautet, TtQdxnfAOt iöprcop tdi d-sto xdi 
2(oticopt (dem Freigelassenen) xal tm vtisq top 
d-aöv xhiXovTi, ngdaasiv adwv xai tov '^fi^oXlov 
(jbväp IJ 341, 384, 407; nQdxnfiot scxcav atfzmp 
xai Tcov ^[noXloDp. Da in dem Eingange der 
Urkunden immer der Preis angegeben ist, um. 
welchen der Sklave losgegeben wird, so kann 



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142 

sich das avvd wohl nur darauf beziehen und es 
muss ergänzt werden: dnoT€$adT(a adrä td Xv- 
%Qa xal td ^(iioha, TtgäxnfMg avTmv ttoP Xvtqwv 
X, r. ^. Das Lösegeld selbst und dann noch 
anderthalbmal soviel kann von dem Gewährs- 
mann wie von dem Freilasser, wenn sie zur Si- 
cherstellung des Freigelassenen etwas versäu- 
men, eingetrieben werden. Die formelhafte Wie- 
derkehr desselben Strafsatzes lässt darauf schlies- 
sen, dass dies gesetzliche Bestimmungen in 
Delphi waren; es sind wörtliche Anführungen 
statt des allgemeinen xatd %qv pÖ[aop rag nohoq. 
Ganz Singular ist die Formel, die 421 leider 
unvollständig erhalteii ist: xvQi^og stnoa d naga- 

Tvxdv avXdcov 2<o<Jtxl^ dg Xinqu 

zog ix noXsfAicop. Bis jetzt hatte man über die 
Busse des säumiigen Gewährsmanns nach del- 
phischem Rechte nur die Stelle im C. I. Gr. n. 
1706, wo das Sechsfache des Lösegelds ausge- 
macht wird (sxufAO^ iovxia fiväv tqidxovra 2€^ 
Xsvxat SeXsi^xov dg SiXsvxog x^iXfi), Hier soll 
das Strafgeld an einen Dritten ausgezahlt wer- 
den, so dass dieser ein Literesse dabei hat, auf 
die strenge Erfüllung des Vertrags von Seiten 
des Verkäufers und des Gewährsmanns zu ach- 
ten, und es wird dann seinem freien Willen an- 
heimgestellt, ob er die volle Summe einziehen 
will oder nicht. Das sind Bestimmungen, welche 
aus besonderer üebereinkunft hervorgegangen 
sind, wie auch in delphischen Inschriften (Anecd. 
Delph. n. 3) neben dem Gesetze die persönliche 
Verabredung als massgebend für die Stellung 
des Gewährsmanns angeführt wird: ßeßa&cotvjg 
xccrä tdp vöfjbov xal xard vd (fvftßoXoy oder xai^ 
zdv av(AßoXdp (404, 16). Auch bloss xcctd rdv (f. 
213, 6. Noch ist zu bemerken über die Stel- 
limg des Bebaioter, dass die genaue Fonntdi- 



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143 

mng seiner Verantwortlichkeit sich vorzugsweise 
auf die Frist bezieht, in welcher die Bedingun- 
gen der Freilassung noch nicht alle erfüllt sind 
und der Freigelassene also um so leichter mit 
einem Unfreien verwechselt werden kann. Für 
die spätere Zeit, in welcher die volle Freiheit 
eingetreten, ergeht 'feine ganz allgemeine Auffor- 
derung an Jeden, der des Wegs kommt, (xtfQtog 
Scftaa xal d naqaTVx^v) die vindicatio in liber- 
tatem vorzunehmen und ihm wird bei dieser Hand- 
lung Straflosigkeit zugesichert (d^dfuog itov xal 
dvvnodtxog ndaag dixag xal ^afiiag). Ein Er- 
löschen der besonderen Verpflichtungen des amt- 
lichen Gewährsmanns wird aber nirgends er- 
wähnt. Eine ganz eigenthümliche Bestimmung 
findet sich 138, 6, wo der Frau, welche für die 
Mutter der Freigelassenen gilt, eine besondere 
Vollmacht zur Vindication ertheiltwird {^ovaiav 
elfjbsp JcoQijfian xal äXX(a tm d'iXovn cfvX^p *^Hdv- 
Xav äg iXevd-^Qav), In einzelnen Inschriften 
130, 5; 134, 10; 135, 5 wird die Verantwort- 
lichkeit des Gewährsmanns dem Freigelassenen 
gegenüber besonders hervorgehoben; er ist dem- 
selben vnodixogj nQdxtifiog. Endlich wird auch 
dem manumissus das volle Kecht der Selbst- 
hülfe zugesprochen xvqiog adrog aitov avXicav 
62, 8. aig aitöv 64, 14. 

Anstatt dass gewöhnlich nur der Name des 
Freigelassenen verzeichnet wird, kommen hie 
und da nähere Bezeichnungen vor, wie atxfid- 
XcoTOg 179, adXfiTQig 177, ßaüdtxä na$diaxa 336, 
tex^itfig axvTsvg 429. Merkwürdig ist, dasfe n. 
51 bei zwei Sklavinnen auch ihre Kleider er- 
wähnt werden (xal tä ivdvfAara ndvra), die ih- 
nen also noch besonders als Eigenthum zuge- 
sprochen Verden. Entsprechend ist der Aus- 



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144 

druck iXsvS-SQOi €(ma(fav xal ^dtcä xai tcc avrav 
ndvta 211, 17. 

Wichtiger sind die in unsem Urkunden zu- 
erst bekannt gewordenen Angaben über den 
Vollzug des Rechtsgeschäfts, ura das es sich han* 
delt, und die Sanktion, welche dasselbe durch 
die Oertlichkeit und die begleitenden Feierlich- 
keiten erhält. Am grossen Altare vor der Ost- 
seite des Tempels war die Stätte, wo die re- 
ligiös-juristischen Geschäfte vollzogen wurden. 
%avTcc iyivsTO ngd %ov vaov xai %ov ßwfiov 346, 
6; ävd(i€(5ov tov ßoDpov xal tov vaov 385, 13; 
384, 17; 407, 16. Noch merkwürdiger ist die 
genaue Bezeichnung des Orts, wo das Lösegeld 
an den Freilasser ausgezahlt worden ist: %o dg- 
yvQioP sXctßs iv TM vaw inl tov odov ieatd zd 
Ikiya d-vQcofia (238 , 5). Diese Auszahlung auf 
der Tempelschwelle ist eine wesentliche Bestäti- 
gung der Vermuthung, welche sich schon früher 
darbieten musste, dass nämlich die Sklaven ihre 
Ersparnisse in die Tempelkasse deponierten und 
dass diese das Lösegeld an den Herrn aus- 
zahlte. Denn dieser ist natürlich als Subjekt 
zu 8la߀ zu verstehen, wenn auch der Bebaio- 
ter unmittelbar vorhergeht. Auf den Tempel 
und seine Gebäude bezieht sich auch ausser der 
angeführten Stelle in der Alkesipposinschrift die 
erste Inschrift bei Wescher und Foucart , wo 
der grossen Halle und der Werkstätten Erwäh-' 
nung geschieht (tag nacfrclöog rag fuyälag xcd 
tvav iQYccfSvriQiwv xal tov vaonoUov impd^aä-ai). 

Der Oertlichkeit, wo das Kechtsgeschäft ab- 
gemacht wurde, entsprechend waren die das- 
selbe begleitenden Handlungen, namentlich die 
Vereidigung des Freilassers vor den Priestern, 
Welche den Gott vertraten, mit dem der Vertrag 
geschlossen wurde, 407, 11 : - OfioaccTco Mivaqxog 



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145 

ivavtiov t(ov Ugicav top vofUfAOV oqxop nctqä top 
'AndXXio fjif^ts avtöp ddi^x^asip Sivoava — — 
Ikflds äXXta innqiijjsip ^ sonst ist er Svoxog tco 
i(pioQX€tPj und ebenso wird der Freigelassene 
vereidigt seinerseits alle Verpflichtungen zu er- 
füllen. Diese doppelte Vereidigung wird übri- 
gens durch den Imperativ als ein späterer Akt 
bezeichnet, welcher erst nach Ausfertigung der 
Urkunde erfolgt, und am Schlüsse derselben lau- 
tet ein besonderer Zusatz also: cSfiocap notl zta 
ßatfAfp xal atxq ^[*^Q^ ivapxl vdap Ugicov xal tdUp 
(laQTVQcov. Hieraus geht auch hervor, dass die 
am Ende aller Urkunden unterzeichneten Zeu- 
gen nicht bloss die Richtigkeit der Urkunde be- 
scheinigen, sondern bei dem ganzen Rechtsge- 
schäfte in seinen verschiedenen Akten anwesend 
waren. 

Endlich ist noch eine Modalität der Manu- 
mission zu erwähnen, welche 29, 10 vorkommt, 
wo dieselbe durch einen Dritten vollzogen wird. 
Alexandros verkauft dem Boethos eine Sklavin 
unter der Verpflichtung, dass Boethos sie im 
Namen Alexanders im Heiligthume als Freie 
aufschreibe: dvayQat/jccTca Botjd'og &Qqaaap and 
%ov ""AXel^dpdqov dpöfAawg t« xh€(a ip fiffpl El- 
Xaido inl tag @QaavxXiog aQxäg — et di xa gj^ij 
äpayQcctpn, itqdxufAog StSTco ^AXs'^dpdqto dqyvQiov 
(APäg. i)er Zweck dieses Verfahrens ist, dass 
Boethos für die Zeit seines Lebens im Besitze 
der Patrgnatsrechte sein und auf die Dienstlei- 
stungen von Seiten der Freigelassenen Anspruch 
haben soll. 

Es tritt nämlich in der Regel nicht sofort 
eine volle Freiheit ein, sondein ein Interim, 
während dessen der Sklave schon frei, aber 
noch zu gewissen Dienstleistungen verpflichtet 
ist und zum Hausstände des Patronus gehört. 



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146 

Das ist das fiSvsiv, nagafiSveiP^ Svdog fjb4v€iv 87, 
4. üeber diese Paramone (welche nicht eintritt, 
wo eine Gemeinde manumittiert 41) kommen nun 
in unsem Inschriften viele merkwürdige und für 
die Kenntniss des Privatlebens belehrende Ein- 
zelheiten zu unserer Kunde. 

Die Verpflichtungen von Seiten des Freige- 
lassenen sind erstens allgemeiner Art, operae 
officiales (igyaaiai 86, 5)^ vnfjqstsXv td dward 
287, 4. noi>eXv ndv %d dwarop edvdcog 205, 4. 
did vvxtdg xal dfi^gag 116, 4. nagafAs^vdrco tov 
XQOPOV TOP ip tq tfvyyqatp^ ysygafifiSpoPj op xal 
naQicxhoa SoDaäg jQOfioxlslöap dßXaßi^ dno tag 
(Wyyqatpdg 239, 7 (er soll seinen Patron wäh- 
rend der Zeit um nichts von dem, was stipulirt 
ist, verkürzen). Andere negative Bestimmun- 
gen: liff poatfl^sad-ai, 154, 9; iiii ytanoTSjytXp 158, 
16. jt»^ iyxavaXiniroi ^ AnoXXod&iQOV iitjöeiA^q^ nag- 
BvqiGsi, 58, 11. Zweitens Verpflichtungen be- 
sonderer Art: der Dienst des Sänftenträgers wird 
erwähnt 273, 21; Begleitung auf einer Reise 
{(WfinaQanifjhnetp sig Maxsdopiap) 406, 6; ferner 
technische Dienstleistungen, welche der Freige- 
lassene während einer bestimmten Zeit als Arzt 
oder als Handwerker unentgeltlich zu übernehmen 
hat: (SwiaxqsviT(a Jiopvaito 234, 10. Auf tech- 
nische Geschäfte geht das cvpixXsXp td igya ndp- 
ta 213, 15. Eigenthümlich ist die Bestimmung, 
dass der Freigelassene vor Antritt seiner Selb- 
ständigkeit ein Gewerbe erlernen soll Q(iaPxhd' 
ifsip tdp %ijyap tdp ypatpixdp 239, 6). Das er- 
innert an die Verfügungen der Philosophen, 
welche ihren Erten zur Pflicht machten, ihre 
Haussklaven nicht anders freizulassen, als nach- 
dem sie gehörig unterrichtet worden ^ären 
(Diog. Laert. V, 4, 72). Häufiger ist die Ver- 
pflichtung des nccqaihipoiP zur Auferziehung und 



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147 

Unterweisung unmündiger Kinder: iH&Qsipä' 
«iw TvaidccQia ovo ddö^cog 54, 9. bis zur Verbei- 
rathung 306, 11. 300. N. 219 wird ausbedungen, 
dass Thrakidaa nach des Erblassers Tode die 
Dorkas, wahrscheinlich eine filia naturalis, er- 
halten soll, und zwar, wenn sie will, als Gatte 
(ii xa d^iXji olxetp^^avv av%w) ; wo nicht, so muss 
er fiir ihren Unterhalt sorgen i (ipßaXkiTta Joq- 
xddi rQoq)uv to€ [itjvdg ixäawv 7WQ(ay Tiaaaqcf, 
^fAlexTccy oXvov nqoxov). Es wird auch die Ver- 
pflegung der eignen Eltern den Freigelassenen 
zur Pflicht gemacht {Tqi(p€i.v %dv tdtov Ticctiqa 
xal %ä(jb fkaxiqa xal svaxfjfiopiC^iv 43, 13). Vgl. 
138, 15. 

Ganz besonders aber gehört die Pflege und 
die Bestattung des Patronus zu den ausdrücklich 
ausbedungenen Verpflichtungen, y^gotgotpetv dysy- 
xXiJTcog xal O'dnutPj TqiifHV xal svaxJ^^ovi^siPj 
noisXv ä vofiiiszaif totg TSx^vaxoxohg, noisTv vd noxl 
Yciv ndvxa 435, 15. noieXv dg natiq$ "^Eqya- 
oioiPi Td vofAtCd(^€va 141, 9, wo das Patronats- 
verhältniss am deutlichsten ausgesprochen ist» 
Für die feierliche Bestattung (in Stiris rd cSqia 
noisTp Anecd. Delph. p. 22) kommt hier mehr- 
fach der Ausdruck vor: noisXv xdg äXXad'sd' 
dag (xal rd Xotnd rd P0fA$^6fA€va ndvta) 66, 10 ; 
110, 29; td iv %dv vatpdv xal dXXad-sddag 131, 
5. Eine besondere Zuthat ist das Bekränzen 
des Bildes des Freilassers mit Lorbeer, am Neu- 
mond und am Siebenten, 136: OTSifavcaitca idv 
Blxova xof^* txaaiov ^^va dlg daifvlvM fSutpdvM 
nXsxtw , vgl. 142. und 420; welches zwei in allen 
Hauptsachen gleichlautende Urkunden sind , in 
denen sich alle Namen wiederholen. Es scheint 
aus Versehen dasselbe Aktenstück zweimal auf 
die Mauer geschrieben zu sein. Am genausten 
wird die Verpflichtung 134 ausgeführt. Der 



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148 

Freigelassene soll aus dem Vermögen der Frei- 
lassenden Namens Larisa ihr dia letzten Ehren 
wo möglich noch in dem ersten Jahre vollständig 
erweisen (ix twv 'Aaqioag i^ dSv xa ixji ß^Xt^aza 
iv TM TTQiaTta iviavTW, sX xa 6 xaiQng avzM ixTtoifj, 
Der Rest des Vermögens fällt dem libertus zu 
(so auch 435, 16). Sollte aber der Sohn der 
Erblasserin vor der vollständigen Ausrichtung 
der Todtenfeier zurückkehren, so soll der Frei- 
gelassene ihm das Vermögen übergeben {naqa- 
doig Tct AccqiiSag ndvta rw vm tag A. iXsvd-SQog 
Satoü). Man sieht wie solche Bestimmungen bei 
dem Mangel an natürlichen Erben namentlich 
zu dem Zwecke getroflfen wurden, um auch so 
der vollständigen Grabesehren wie von Sohnes 
Hand gewiss zu sein. 

Was die Vermögensverhältnisse betrifft, so 
wird in einer Reihe von Urkunden dem naqa- 
liivoav das Recht, Eigenes zu besitzen und zu 
erwerben, ausdrücklich zugesprochen: ödcc di xa 
xtfinfjTai Jaiiaqy^g (lipovtTa naqd ©., Jaiiaqxidog 
€<n(ö.l33, 14. Hier wird der Freigelassenen als 
Eigenthum zugesprochen, was sie während der 
Zeit der Paramone erwirbt. So ist auch das 
blosse naqd zu verstehen 209, 27. In anderen 
Urkunden, in welchen gar keine Paramone aus- 
bedungen wird, kommen aber auch solche For- 
meln vor , wie änorqsxhco Sxovaa "AfAfiiXa ä xa 
xaxaaxstjiafiTai 263, 8. auch 273, 20: xi;^*- 
svixoy dh xcu ttav sx€i xal xaxsdxiuxJtai (paqüipO" 
qiiav (lies (foqsaq}oqi(AV) Soot^q^xog nävtcov 273, 
20. Also hat Soterichos noch als Sklave sich 
Eigenes verdient, und bei allgemeinen Ausdrü- 
cken , wie iXevxhsqoi strToaaav xal adxal xal td 
adtäp pdpta 277, ^5, bleibt es zweifelhaft, ob 
nur das während der Paramone oder das auch 
in der Zeit der Unfreiheit Erworbene gemeint 



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149 

sei. Das zweite ist um so wahrscheinlicher, da 
das Eigenthumsl'echt des naQaiiivtav im Grunde 
keinem Zweifel unterliegt und keiner ausdrück- 
lichen Gewährung bedarf. 

Dies geht schon hervor aus den Vermögens- 
leistungen, welche demselben von Seiten des 
Freilassers zugemuthet werden, wie 202, 3: na- 
qa^ktlvm Svri ^^ (piqovaa tov iviavwv ixdarov 
fffAtfAyatoy. Dies scheint nur eine allmähliche 
Abzahlung des Lösegeldes zu sein, wie man dies 
mit Sicherheit aus dem Fehlen der Quittungs- 
formel Tixv tifiap sx^k schliessen könnte, wenn 
nicht diese Formel auch in andern Urkunden 
fehlte, wo an einer Baarzahlung bei der Frei- 
lassung zu zweifeln kein Grund ist. N. 52 wird 
vor dem Antritte der vollen Freiheit nach dem 
Tode des Freilassers noch eine Zahlung an den 
Erben ausgemacht {dnodoToa Ev^hX dgyvQlov 
fivdif xal iXsvO-iQa saTco). Dies ist vielleicht eine 
Restzahlung von dem Lösegelde, wie dies deut- 
lich der Fall ist 84, wo nur die Hälfte einge- 
zahlt ist, die andere aber (to iniXomov tdq w- 
lidq) nach dem Tode des Freilassers in Theil- 
zahlungen an die Erben gezahlt werden soll. In 
ganz allgemeinem Ausdrucke wird 66, 9 eine 
Leistung von Beiträgen an die Phylen erwähnt, 
welche der Freigelassene für den Freilasser über- 
nehmen soll: Tag avfißoXdg iv tag tpvXdg did6va$ 
vä äixai,a*vn^Q Ei(pq6viov. 

Hieher gehört nun auch eine Gruppe von 
Urkunden, wo bestimmte in festen Terminen zu 
zahlende Abgaben (xntaßoXal) an gewisse Kas- 
sen ausbedungen werden, (piqsiv^ xaxacpiqsiV iv 
%dv sqavov und xataffiqeiv tdy sqavov , so dass 
iqavog in demselben Satze die Zahlung bezeich- 
net und auch die Anstalt oder Kasse, an welche 
eingezahlt wird. In der zweiten Bedeutung wird 



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150 

Sqavog mit dem Namen desjenigen verbunden, 
welcher ' dieselbe gestiftet hat, o. S. i '"A^x^hxov 
oder eqavog tov ^^Qx^^ccog avvä^ev. (Vgl. in 
den piräischen Metrooninschriften : tov iqdvov äq- 
Xijr^Q cwax^^^vat Philol. X, 295 f. Annal. dell. 
Inst. 1862 S. 25). Zuweilen wird auch noch der 
Name dessen hinzugefügt, welcher als Geschäfts- 
führer und Bürge fungiert: o Sqawq o Bqoniov 
oi iyyvsvei ^latddag 139. Was die Sache selbst 
betrifft, so sind diese Sgapot offenbar Vereine, 
welche den Freizulassenden Vorschüsse machen, 
und dann diese Vorschüsse selbst. Daher ist 
von einem TQtaxovrafivatog 107, rsvraQaxovta' 
fAvatog 213 die Rede, und der Freigelassene tritt 
nicht eher in seine volle Freiheit ein, bis der 
Vorschuss von ihm abgezahlt ist (äxQi' Ka i|«- 
^^rX^fi 213, äxQ'' *« ^^fl * sQccvog). Die >Zah- 
lung erfolgt aiif den Nanaen des Freilassers 89, 
'oder auch an den Freilasser und event. an des- 
sen Erben 244, wohl deshalb weil der Vorschuss- 
verein mit dem früheren Herrn den Vertrag ge- 
macht hat und dieser am besten im Stande ist, 
den bedingungsweise Freigelassenen zu Erfüllung 
seiner Verbindlichkeiten anzuhalten. Denn wenn 
derselbe von dem bestimmten Datum an (89: 
ägXBi ä xavaßoXd im Herakleios des laufenden 
Jahres) seine Terminzahlung schuldig bleibt 
(dxataßoXiwp) oder den Geschäftsführer irgend- 
wie betrügt {xataßXdTiTCöy ^latdödp 130), so wird 
die ganze Freilassung ungültig. 

Worauf bezog sich nun der Vorschuss? Man 
denkt zunächst an das Lösegeld und so wird 
es auch wohl sein, wenn 244 der Sklave Komos 
um 13 Minen in die Freiheit verkauft wird und 
dieselbe Summe in 13 Jahren einzahlen soll: 
xaT€reyxdT(a OiXoxQdzst (dem Freilasser) dqyvqiov 
fAVug Ö€xaTQ€tg iv itioig dsxatqioig (piqojp tov 



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Kl 

iptctvwv ft/p&P iv TOP Sqavov TÖv^AqxsXdov, K. 89 
wird Aristo itm 3 Minen freigelassen, und sie 
(oder Pleistos für sie) Tttttsvsyxdtoa iv ioviqavov 
mv Baxx^ov inl w KaXlUxkiog avopa äqyvqiov 
TQla ^fHfipata ip itiotg rqioi^g — , bis zur Abzahlung 
dauert die Paramone. Hier scheint also die 
Hälfte des Lösegelds dem Freigelassenen oder 
dem Freilasser voi^escshossen zu sein. N. 126 
bezeugt der Freilasser ausdrücklich, das Löse- 
geld von 5 Minen vollständig empfangen zu ha- 
ben, und der Freigelassene wird verpflichtet, 
den Vorschuss, welchen Athambos undEuagoras 
zusammengebracht haben, einzuzahlen, und zwar 
die Hälfte auf den Namen des Amyntas : to iy/*i<y- 
Cov fpiQcoP xaTct TSTQcifjb^poP avoTfJQag Ttivrs xai 
iix^ dßoXovg inl to ^Aiivvtov orofia. Was die 
andere Hälfte betrifft , so halten sich also die 
Vorschusszahler unmittelbar an den Freigelasse- 
nen ; dieselbe Theilung auch 213, wo die Gültig- 
keit der Freilassung nur von der Einzahlung der 
auf den Namen des Freilassers geborgten Hälfte 
abhängig gemacht wird. Zahlt er sie nicht, so 
verfallt er mit Allem, was er hat, von Neuem 
der Gewalt seines früheren Herrn (dycoyifiog stytco 
KaXXi^iPM advog »al tä avTOv ndpta). Hier ist 
die Gesammtsumme auf 40 Minen angegeben, 
während das Lösegeld nur 6 beträgt; n. 107 auf 
30 Minen. Wenn also auch in einzelnen Fällen 
das Lösegeld durch den Eranos herbeigeschafft 
wmde, so waren es in anderen Fällen Summen 
zu anderen Zwecken, und wahrscheinlich ist es, 
dass sie dazu bestimmt waren, dem Freigelassen 
nen seine eigene Einrichtung und die Begrün- 
dung eines eigenen Gewerbes zu erleichtem. 
Mit Ausnahme von 213 sind es lauter von Del- 
phiern ausgehende Freilassungen, bei denen diese 
Eranoi vorkommen. 

12 

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182 

Was nun die rechtlichen Verhältoisse wäh- 
rend der Paramone betrifft, so enthalten auch 
darüber unsere Urkunden m^kwürdige und neue 
Bestimmungen; zunächst über die Rechte des Frei- 
lassers, abgesehen von den Ansprüchen auf die 
vertragsmässig festgestellten Leistungen, von de- 
nen die Rede gewesen ist. Er hat die ToUe 
Zuchtgewalt über den Paramenon, i^ovüia mnetv 
oxa d-iXfi, xoXd^iV xcr^' S u xa avTiS doxf, xa- 
^vig xa avtdg deiXi^tat (vgl. dtjXovTai, &4lov(fi He- 
sych.) 369, 400, 401. Die Strafgewalt kann auch 
einem Drittel übertragen werden 165, 13; sie 
geht auch auf die Erben über, wepn die Freige- 
lassenen eines Frevels gegen ihren Patron oder 
dessen Eigenthum schuldig befanden werden: el 
de ti xa d^ßTwd'iwvtt (vgl. ä^ßtw amotOM 
Stxelol Hesych.) neqi Nsonätqav nenoPi]Q€Vfjb£va& 
^ tiSv NsonatQag vnctQxdvTtav x», xvqiOh ioptta 
ot iniP0fAO& xoldZoyteg airdg 369, 17. 

Der Patron ist der Erbe des Freigelassenen, 
1, unbedingt: fä xatxzhtfpd^ivta vnaQxoPta vd JSv- 
nogiag ndvra ^Olvfinoy^vsog — iovtoi* ei di nvt 
Zoiovaa d6<Siv nodono %uiv Wifav Ednoqia^ dteX^g 
d üvd. n. 94, 9, 213, 14. vgl. 31, 13; 53,14. Es 
wird also durch ein Vermächtniss von Seiten der 
liberta die ganze Freilassung ungültig, während 
in andern Urkunden nur das Vermächtniss für 
ungültig erklärt wird. Vgl. 31, 11. Zweitens ist 
von einer bedingten Erbfolge die Rede, nämlich wenn 
die Freigelassene kinderlos bleibt : si u MvaaA nd* 
^<H äysvijg vndqxovca, %d xaTakBiip&ivtiK ^Aq^- 
(fToßovlccg iatm 432. si n yivo^w i^ 'iXdqov &- 
yovov, itUrofioy stmo cSp xa imxt^a^tät "iXaqQV, 
sl di u. s. w. 425, 20. et xd n ndx^ti Sccqccntdg 
xai ixfl yevsdv änd Tag dq%dg tag wXoxqdixog, 
xvqla &S€9» Sxövaa ä yersd Td ^aqaruddvg' et 
di äyiveiog eXri ^^Q^^^tkg ^Acvol^ivtfj ndvta %d 



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indgxovta *^ato^iyov S&aa xal nSp ix/opcov 
^Aatol^vov, 226. Das Jahr des Philokrates 
ist das der Freilassung; eine Nachkommen- 
schaft also, welche aus der Zeit der Unfrei- 
heit stammt, hebt die Erbfolge des Patrons nicht 
auf. Seine Ansprüche erstrecken sich auf die 
folgende Generation; auch die Kinder der Frei- 
gelassenen können, im Falle sie ohne Erben 
bleiben, über ihr Vermögen nicht verfügen: jiai) 
xvqia SiStw Kalhxqüt€ta änctXXoTQioiovtSa tä 
vnccQXovta, sl dyevfjg (A€takXd^a& tof* ßioVj fifjdi 
Ta ix %avtaq vixvaj sl äyspij fMtaXXci^ater to/a 
ßiov 19, Was im Allgemeinen den Status der 
Kinder von Freigelassenen betriffl, so gilt als 
Regel, dass die vor Beginn der Paramone gebo- 
renen Kinder Sklaven bleiben, wenn sie nicht 
besonders mitgenannt werden wie 289: '-^ß^crro- 
t4xa xal tavtag naiddqiov inom^ldiov ^ die 
nachher geborenen aber frei sind. Dies wird 
bezeugt 133, 15 {sl ysvsdv nonjitaito Jafiagxh 
&Bvdi6qag ßtovdag xdi ikivovda naqä &€vdwqav, 
ikeVx^^Qa iaToa a ysveä xa&mg xal Jaiiaqxig u. 
8. w.) und es ergiebt sich mit solcher Notwen- 
digkeit aus der rechtlichen Natur des ganzen 
Verhältnisses, dass es nur im höchsten Grade 
überraschen kann, in einer chäroneischen Urkunde 
(C. I. Gr. 1608 b) die ganz absonderliche Bestim- 
mung zu finden: %d yevvfjxhivta iv tm t^g naqa- 
jAovijg X^oVft) i(Utö(fav dovXa» 

Beschränkt ist das Hecht des Patronus zu- 
nächst durch die mehrfach ausdrücklich einge- 
schärfte Bestimmung, dass derselbe den in sei- 
nem Hause weilenden Freigelassenen untisr kei- 
nen Umständen wieder verkaufen dürfe {p^ ma- 
X^advQo 1^4c, nXdv iiri ndoXtjadTeo fifjd^svl 354, 
13). Thut er es dennoch, so ist Jeder zur vin- 
dicatio in libertatem berechtigt. Der Patron ist 

12* 

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164 

aber auch zu rücksichtsvoller Behandlung Ter- 
pflichtet. Seine Züchtigungen dürfen de^r Ge- 
sundheit nicht nachträglich sein (Anecd. delph. 
p. 41). Er muss anständigen Unterhalt, Klei- 
dung, Betten und Alles, was zur «tVx^fwxrvViy ge- 
hört, gewähren. Dies wird ausdrücklich bei dem 
Freigelassenen Dämon erwähnt, welcher als Haus- 
arzt beim Patrone bleibt Xaihßdvwv %a iv täv 
TQo(pdv ndma xal ipdvdtaxofuvog (für ivd&dvaxc- 
(A€Pog) xai atQwfiata XafAßdvuiP 234, 12. 

Bei einem so zarten Verhältnisse gegenseiti- 
ger Rechte und Pflichten zwischen dem Haus- 
herrn und seinem früheren Sklaven, welcher noch 
in seiner Gewalt steht, konnte es an Gonflikten 
nicht fehlen, und das ist nun eines der wichtig- 
sten Ergebnisse unsrer Urkunden, dass sie über 
ein in solchen Fällen einzuschlagendes Prozess- 
verfahren genaue Belehrung geben. Bisjetzt 
wusste man nur von Conventionalstrafen, auf de- 
ren Entrichtung der Herr ein Klagerecht hatte 
(vgl. An. del. p. 20); jetzt lernen wir ein Klage- 
recht auch des Paramenon kennen und ein Ge- 
richt, dessen Zusammensetzung auf Vereinbarung 
zwischen dem Herrn und dem Paramenon beruht. 
Wenn also über das Mass des zu Leistenden eine 
Entzweiung eintritt, st i» äpuXiyoKSav avtol no'd 
adtovg nsql wv nouXv to nontatSiSöiMPOP 306, 12. 
ein ipxaX^ot lw(fiag Nixaiq 24, 384, 14. bI %l »a 
iv totvoi t^ X?oVtt> &Q4^ca ^ Bo^d-og noti adtog 
aitovg dvsyXsloiV (?) 29; si di o [asp ya(^ 
dP€/xX^Tcog naqaiJbivshy xal fAi^x^ip xaxdp nqdaaeiVj 
""AfAvptag 3i o\ iyxaXioi — 167, 6 (N. 407 wird 
fein unterschieden zwischen dem inixaXsTp des 
Patrons und dem dvT^XiyaiV des libertus), oder 
wenn eine dauernde Dienstverweigerung vonsei- 
ten des Freigelassenen eintritt, sl di ti xa f^ 
noi^ — tiav nontaaaofA4p<»y 193, 6 : so wird die 



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155 

Sache vor Schiedsrichter gebracht. Als solche kom- 
men zunächst die Priester vor mit einem besonders 
dazu bestellten Beisitzer: xqid'^vxiov (nämlich der 
Patron und der Paramenon) iv tolg Ugioig wv 
*An6XX(ovog neu iv KqItouvi, Nixatda' xai o n xa 
oiroi xQlvcavn, xvQtov ifTrco 3Ö4, 15. Ebenso steht 
407 Kleon Dions Sohn neben den Priestern. Wenn 
das weltliche Mitglied des Schiedögerichts wäh- 
rend der Zeit der Paramone sterben sollte, so 
wird ein Anderer für ihn bestellt, entweder nach 
gemeinsamer üebereinkunft : äXXoy dv&eX^ird'oap 
Aiaiva xal ^AQicnofAccxog (die Freilasser) xai 2d-^ 
TVQog, ov xa adroi xhiXcapn 384, 17; oder auch 
nach einseitiger Bestimmung des Patronus («A- 
Xov äv&eXitr&oo Mivavdqog 407, 25). Der Gewählte 
scheint immer ein Delphier zu sein. Der zweite 
Fall ist, dass ohne Rücksicht auf den Stand drei 
Männer bestimmt werden, über welche die Par- 
teien sich geeinigt haben, oder dass wenigstens 
die Anordnung zu solcher Vereinbarung getroffen 
wird. Diese Richter sollen vereidigt werden, und 
beide Parteien verpflichten sich, ihren Wahr- 
spruch als unbedingt gültig anzuerkennen: xqi- 
d'ivTfav iv Svdqoig TQiotg odg awsiXovro, Hier fol- 
gen die Namen, (oder ovg xa avviXfovza^ 193,7), 
i w di xa OVTO& xqiviovv, ofiotfavtsg , tovTo xt^qiov 
Stmo 209, 18. Diese Geschworenen heissen oi 
xotvcSg <fvvfiQfi[iSvöi oder kurzweg ol xoivoi, xotvog 
wird man hier nicht als Gegensatz zum Priester- 
lichen auffassen, wie communis im Sinne von 
profanus (Rh. Mus. XVIII, 448), sondern in dem 
Sinne, wie man im Lateinischen den recuperator 
communis erklären muss. Vgl. Mommsen Zeitschr. 
f. gesch. Rechtswiss. XV. S. 350. Stirbt Einer von 
ihnen während der Zeit der Paramone, ig)€Xi(Sv^(ov 
äXXov äv^ avxov xal o ifpaiQs&slg xqivStco (Astä toov 
[xotv]cSg (fvvfiQfifAivcov, Scheitert aber dieordnungs- 



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156 

massige Ergänzung des Gerichts an dem Widerspru- 
che einer Partei, so soll das Gericht, wenn auch nur 
Einer noch am Leben ist, für competent gelten: 
et di fA^ &iXok ^AfA^vtaq ^ Smt^qixoq dptl wif 
änoyevofiiyoüP »oipcov €ij€ ivdg fiTS Tjds&ovcdv (Wpe-^ 
Kfa^QsXad'ak roig xotvovg im d^iXovrt avvfSv itpai- 
QsXv, xa\ xiiQiOi ioVToa ci xataleyöfASVot sXts elg 
€lt€ nXeiovsg shv ol XQivovteg xa&dg indvco yi- 
yQamcu 167, 12» In den meisten der Urkunden, 
in welchen ein gerichtliches Verfahren ausdrück- 
lich angeordnet wird, 193, 209, 384, 407, han- 
delt es sich um eine Paramone bis zum Tode 
des Patronus; 167 um eine achtjährige. Es ist 
natürlich, dass das Bedürfniss einer solchen Iplin- 
richtung um so grösser war, je länger die Zeit der 
Halbfreiheit dauerte. Eine eigenthümliche , auf 
denselben Gegenstand bezügliche, Clausel kommt 
167, 17 vor: to syxXfjfia iibinjb^xQotBqov iyxaXsiif&m 
dtfA^vov, Ich denke, es ist /lax^o v^^ov zu schrei- 
ben und essoll damit eine Präklusivfrist festge- 
stellt werden, weil man annahm, dass nach Ver- 
lauf von mehr als zwei Monaten Schuld und Un- 
schuld der bei einem häuslichen Conflikte Be- 
theiligten sich nicht mehr leicht werde constati- 
ren lassen. 

Beiläufig lässt sich aus diesen Bestimmtmgen 
auch mit voller Sicherheit schliessen, dass, wenn 
von den Priestern des Apollon in Delphi die 
Rede ist, immer an zwei gedacht wurde. Denn 
die Dreiz^hl des Bichterpersonals ist offenbar 
ein festes Herkommen, wie sie auch bei den at- 
tischen Privatschiedsrichtern das Gewöhnliche 
war. Auf die Zweizahl der delphischen Priester 
und Priestergeschlechter haben aber schon früher 
die Untersuämngen von Ahrens geführt (Gott. 
G. Anz. 1844 St. 29). 

Das Ende der Paramone tritt von Rechtswe- 



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157 

gen ein entweder nach Erfüllung bestimmter Ver- 
pflichtungen, wie sie oben angeführt sind, Ab- 
zahlung des Vorschusses, Begleitung auf einer 
R^se, Aufziehung der Kinder u. s. w. , oder 
nach einem bestimmten Zeittermine. Dies ist 
entweder der Tod des Freilassers (TtagaiJLStvdTw 
axQi' xfK fafjj 209 u. s. w.) oder der Ablauf einer 
vertragsmässig festgestellten Frist, welche nach 
Jahren und Monaten genau berechnet wird, z.B.: 
cIqxb& tov XQovov fA^v ^Ayvaiog i iid ^AQX^SdfAOV 
(HQorayov, lig di JeXipol äyovn fjtjv ^HqdnlskO^ 6 
inl ^AQxeXdov. ^Ensl di xa dte^iX&fi o XQ^^^^, ^^9* 
tgexo^'^^ iXevd'SQot 178, 16. Es* kommen vor: 
zwei Jahre 319, drei 31, 8, fünf 178, sechs 77, 
202, 251, 445, acht 167, 313, 350, zehn 99, ö. 
Es kommen auch testamentarische Fassungen 
vor, welche die beiden Arten derParamone, die 
auf Lebenszeit und die auf eine Reihe von Jahren 
festgestellte, verbinden. Nikon ä. B. bestimmt, 
dass seine Sklavin sofort frei sei, wenn er nach 
Ablauf einer achtjährigen Paramone sterbe ; wenn 
sein Tod aber früher eintrete, so solle s^e zwar 
gleich aus dem Hausverbande entlasse sein, als 
eine olxiovüa s^ta xal KVQi€Vov<fa ajvcg aitäg, 
aber fiür jedes Jahr, das an den acht fehle, der 
Erbin eine halbe Mine zahlen (410). Aehnlieh 
wird über die Abzahlung des schuldig gebliebe- 
nen Lösegeldes verfügt 202. Anstatt des Erben 
kann auch ein Anderer eintreten, an den nach 
dem Willen des Freilassers die Zahlung erfolgeöa 
soll (202, 3). Es kann auch bestimmt werden, 
dass der Freigelassene, falls der Patron vor dem 
Ablaufe der verabredeten Zeit sterbe, für den 
Rest der Jahre in die Paramone bei einem An- 
dern eintrete, so 350: tdp xatdXomov XQovov 
nagd ^AgKnovlxap (M^vd%m. Ganz eigenthiimlich 
sind die Bestimmungen 239. Dromokleidas be* 



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158 

dingt sich bei der Freilassnng des Sosas aus, 
dass dieser für eine gewisse, in der Original* 
Urkunde ((fvy/Qa(pd) näher bestimmte Zeit als 
Paramenon in das Haus des Artemidoros eintrete 
und bei diesem das Walkergeschäft lerne. Nach 
dieser Lehrzeit aber soll er alle einschlagenden 
Arbeiten im Hause seines früheren Herrn über- 
nehmen. 

Dauert dem Freigelassenen das Dienstver- 
hältniss zu lange, so werden ihm auch Mittel 
geboten, sich aus der Abhängigkeit zu befreien, 
entweder durch Stellvertretung, indem er seinen 
Patronus einen vicarius von gleichem Alter und 
gleicher Leistungsfähigkeit kauft {dvr^nquia&m 
atSfAa- Tccv avxciv äXixlav sxov 52, 6), oder durch 
Zahlung anstatt der Dienstleistung {sl d4 xa fk^ 
O'iXji TJTaQafjbiVHP, xaraipsQ^ca Ugd^avi %ov irtav^ 
töv ixä<frov oS xa fki] nagafbi^^y äqyvqiov tnav^^ 
Qag rQ$äxoPta 146). 

Die Zeit der Paramone kann aber auch ver- 
längert werden, wenn ein Theil derselben wegen 
KrankhiBit des Freigelassenen für den Herrn ver- 
loren gegangen ist, wo er ihn nur hat pflegen 
müssen, ohne Dienste von ihm zu empfangen. 
Dann wird das Versäumte nachgeholt, jJber nur 
wenn die Krankheit über zwei Monate gedauert 
hat. So 167, 24 : et ftaXaxKS&etij JS.Sf^ yipono 
nXeXov d$(A^vov, inanodöTto rov nXslovog xQopou 
2, ^Afivvtq xa\ nor&naQafji,€$vdT(o* Es wird 
aber auch wiederum zu Gunsten des Freigelas- 
senen ausdrücklich bestimmt, dass, wenn E&ank- 
heit die vertragsmässige Erfüllung der Pflichten 
hindere, dies den Vertrag nicht ungültig machen 
solle (213, 16), während sonst wiederholt einge- 
schärft wird, dass jede Verletzung der für die 
Paramone festgestellten Bedingungen die ganze 
Freilassung null und nichtig mache; äqikiva xal 



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159 

äuXfjgj dwX^g xai' äxvQog & dvcc satoa, o ßeßauo' 
• %fiq lAfi ßsßcenovvm (167, 23), ctyaiyifAog iütm aitog 
»at vct avtav ndvra (213, 8). dj^aij'tfihog 8<rc<o 
navToxö&cv in nääag noX^og xal Uqov (58, 13). 
Merkwürdig ist 254 als eine besondere (von 
den Freilassern ausgestellte und in steifem Kanz' 
leistile abgefasste) Urkunde über das Aufhören 
der Paramone: aQxowog Aatdda ikfjybg ^AtuX^ 
Xalov än^Otav xal änsXvdipf ^IsQoxi^g xcd ^Isqo^ 
xXsa ^Ayad'afisQiöög mg nagecfjboväg Tag naqct" 
^leQoxX^ xal ^IsqoxXeav mg dvaj^sjrQccfAfJi'^vag |y 
t<S IsQiS tag sds^ naQdfietrai l^yad-afMQida naqä 
'/. xal */. äxQt xa ^cocovn */. xal */. Xaßovrsg äq- 
yvqiov MM M. Also auch hier hat eine Ablö- 
sung durch Geld stattgefunden, und zwar wie 
es scheint nicht lange nach Abschluss des er- 
sten Vertrags, weil die zweite Urkunde unmittel- 
bar neben diesem auf die Mauer geschrieben 
worden .ist, damit sich Niemand wundere, wenn 
er im Widerspruche mit der Freilassungsurkunde 
Agathameris noch bei Lebzeiten ihrer Herrschaft 
in Delphi frei herumlaufen sähe. 

Aehnlich ist es mit N. 85, welches ein Nach- 
trag zu 84 ist und nichts Anderes als eine Quit- 
tung von Seiten der Erben über die Nachzah- 
lung, welche ihnen nach dem Tode des Freilas- 
sers von dem Freigelassenen zu leisten war, ehe 
dieser aus dem Verhältnisse der Paramone aus- 
scheiden konnte. Auch N. 86 enthält eine be-* 
sondere Urkunde über das vertragsmässig einge- 
tretene Ende der Paramone; sie ist aber einem 
Freilaesungsvertrage angehängt , welcher eine 
andere Person betrifft. Im ersten Theile setzt 
Philon die Philokrateia in Freiheit (und zwar 
in unbedingte), im zweiten Theile entbindet er 
die Leaina aller Dienstverpflichtungen :i:oy av^v 
tQonoP sidoxffis OiXmv voiaw xal (pqovimv xal 



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v/ka(vmv (dieselbe testamentariscbe Formel auch 
bei d^ Lischr. aus Daulis Ross Ibscf. ined. I 
n. 81) JMM Aiatvav änoXshoiUpav cif$sp tä^ na* 
gafioväg xcu ig^^cttrlag äi^ adtdg «vtov, ita&mg 

fHI&iv 7EQofSrjn(nftsav. Der Akkusativ erklärt sich 
BUS der Beziehung auf den Infinitiv dnolsXvfiS- 
P€tp €lfA€P^ WO das Wort dnokvsiTih»^ wie billig, 
vom Freigelassenen gebraucht wird, während 
n. 254 der Freilasser von sidi sagt: äneXv^ipf 
tag naqofkovag. 

Was nun den Zustand betrifft, wdcher nach 
der vertragsmässigen Auflösung des Yerhäitois- 
ses der Paramone eintritt, so wird er als ein 
Zustand vollkommene): Sicherheit und freier 
Selbstbestimmung bezeichnet: äpiifamov €lva% 
nal ievquv€$p aiiog ixdtot (über das versteinerte 
admg und avg, das audi in den Inschriften vor- 
kommt, vgl. jetzt K. Keil im Rh. Mus. XVill 
S, 268 f.) Diese Rechte und Freiheiten werden 
ansdrücldich auch den Nachkommen des Freige- 
lassenen beigelegt (133) und denselben zugleich 
ein ungeschmäl^tes Erbrecht verbürgt, wenn sie 
nach dem Anfange der Paramone geborai sind 
(226, 26; 425, 20). Die volle Selbstbestimmung 
wird im Geg^satze zu dem TmgafJuSPHv beson- 
ders als £reie Wahl des Aufenthalts cfa^rakteri- 
siert durch die Ausdrucke otKetP iJSta, drtot^xsiv 
(iQnB$p 115, S irdafutp 136) otg m ^iXy, otiesTp 
Kai noX$r€V€&y 179 oder d$a%^t߀$p 121, äpct&rgd^ 
g>€(Sd'a& ^ na adtoi d4k4»pu. 

Je mehr die freie Wahl des Aufenthalts das 
Hauptmerkmal der ilsv&eQia ist, um so auffal- 
lender sind die in einigen Urkunden vorkommen- 
den Besdiiränkungen der Freizügigkeit durch An- 
w^sung des Aufenthalts am Wohnorte des Frei- 
lassers. So 53: /Md^ olnipuJkm ^Ätski Sfm A$Xaiag 



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161 

fwyd^ nehrsvtfcltt» ävsv tag ^Entxccgida yroifuxg 
(dabei wird zugleich ausbedungen, dass sie nichts 
von dem veräussem soll, was sie als Ergenthum 
des FreÜÄsserö oder seiner Erben bebaut). Sonst 
bezieht eich die Wohnortsbeschränkung nur auf 
Delphi. Sie wird 420 dadurdi motiviert, dass 
die Freigelassene verpflichtet ist, das Bild des 
verstorbenen Patronus monatlich zweimal, am 
Neumond und am Siebenten, zu bekränzen, und 
dies ist der Hauptunterschied zwischen 420 und 
der sonst gleichlautenden Inschrift 142, dass 
hier nur das Bekränzen, dort aber auch die An- 
sässigkeit in Delphi ausbedungen ist. Man kann 
also annehmen, wenn man will, dass hierüber 
eine Controverse stattgefunden habe imd dadurch 
eine Wiederholung der Inschrift mit jenem Zu- 
sätze veranlasst worden sei. Auch 239, 9 wer- 
den Dienstleistungen nach der Paramone verk- 
langt. Ohne bestimmte Pflichten , welche über 
die Zeit der Paramone hinausreichen, wird aber 
auch 163 der Freigelassenen untersagt dlXaxfl 
otxsty dXX* ^ iv JeXifotg' st di (a^ olnio$ — ^ 

Eine negative Beschränkung der Freizügi^ceit 
wird 109 ausgesprochen, dahin lautend, dass ein 
Sklave, der ohne Paramone freigelassen wird, 
thun könne was er wolle, nur dürfe er sich nicht 
in Achaja sehn lassen (fiiy imßatpovra in'''A%u^ 
Xav). Der Freilasser stammt aber aus Aigion 
und will also dort nicht mit seinem früheren 
Sklaven zusammentreffen. Diese Bestimmung 
erinnert an den noch immer unerklärten Ausdruck 
der jüdischen Freilassungsurkunde aus Pantika- 
paion (C. I. Gr. 2114bb), Wo auch eine sofort 
{%u^dna%) eintretende, volle Freilassung örtlich 
beschränkt wird: tQdnei^ai dventxmXikmg -^^ 
X^Qh ^k ^v nqoiTevx^^ •^naiaq, wo idb trotz 



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162 

Meiers Widerspruch (Allg. Litt. Ztg. 1843 S. 619) 
doch auch noch jetzt eine negative Beschränkung 
annehmen möchte. 

Das ist das Wichtigste, was sich in Betreff 
der delphischen Freilassung aus den neu ent- 
deckten Inschriften ergiebt. Wir gewinnen nun 
Ton einer mit dem religiösen und dem bürgerli- 
dien Leben eng verwachsenen Volkssitte der 
Griechen, die in der litterarischen üeberliefe- 
rung gamicht erwähnf wird, eine so vollstän- 
dige und urkundliche Belehrung, wie sie uns 
wohl auf keinem anderen Gebiete der Privatal- 
terthümer gegönnt ist. Dadurch wird das ganze 
Institut der mannmissio sacra unserer Aufmerk- 
samkeit von Neuem empfohlen. Wir finden die 
rechtlichen Beziehungen zwischen dem Freilasser 
und dem Freigelassenen bis in alle Einzelheiten 
so sorgfältig ausgebildet und so genau festge- 
stellt, wie wir es sonst nur auf dem Gebiete rö- 
mischer Rechtsinstitute zu erwarten pflegen. 
Die Bestimmungen in Betreff der üebergangs- 
zeit, welche dazu dienen sollte, dass die Her- 
renrechte allmählich erlöschen und eine Gewöh- 
nung an die Freiheit dem vollen Genüsse der- 
selben vorausgehe, haben bis auf die einzelnen 
Ausdrücke (wie dg natiq^ S. 147) die grösste Ana- 
logie mit dem römischen Patronatsrechte , ohne 
dass an eine Nachahmung römischer Einrichtun- 
gen zu denken wäre. Wir finden die sicheren 
Spuren eines erblichen Rechtsverhältnisses , wir 
finden das Erbrecht des Patronus bis in die 
zweite Generation bezeugt, namentlich^ der li- 
berta gegenüber, wir finden das ganze Pietäts- 
verhältniss nach seinen durch altes Herkommen 
geordneten Normen vertragsmässig festgestellt 
und für den Fall ernsterer Conflikte ein gericht- 
liches Verfahren ausgebildet. Der Paramenon 



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163 . 

gehört zu den Hausleuten (daniestici) des Pa^ 
tronus, wie der römische libertus (Mommsen Rom. 
Forschungen I, 368), und in einzelnen Fällen 
trägt er auch den Namen des Freilassers, aber 
nicht als einen neu verliehenen, sondern er hat 
ihn schon als Sklave (An. delph. p. 35). Auch 
der vicarius an Stelle des Ordinarius kommt vor. 
Im Allgemeinen aber finden wir bei den Grie» 
chen wie bei den Eömern das Bestreben, der - 
Willenserklärung des Herrn , welcher an sich 
nur auf seine Eigenthumsrechte verzichten, aber 
damit noch nicht eigenmächtig ein bürgerlich 
freies Menschenleben begründen kann , eine so* 
lenne Form und dadurch, wie durch die amt- 
liche Thätigkeit dritter Personen, eine von aller 
Willkür unabhängige und öffentliche Gültigkeit 
zu verleihen. 

Eigenthümlich aber ist den Griechen, dass 
sie nicht mit strenger Gonsequenz die der Ma- 
numission zu Grunde liegenden Eechtsnormen 
durchgeführt haben. So zeigte sich ein Schwan* 
ken in Betreff der Ingenuität der Kinder einer 
liberta; dann die auffiallenden Beschränkungen 
der persönlichen Freiheit nach Auflösung der 
Paramone, Beschränkungen, welche nach stren- 
gen Rechtsgrundsätzen durchaus ungültig sein 
müssen, weil sie dem widersprechen, was ge- 
währt werden soll. Am eigenthümUchsten ist 
aber für die griechische Freilassung die symbot 
lische Form, welche von der Religion entlehnt 
ist. So gedankenlos diese Form auch gehand- 
habt werden mochte, so lag ihr doch ursprüng- 
lich der Gedanke zu Grunde , dass der an den 
Gott Verkaufte mit kindhchem Vertrauen von 
demselben erwartet, er werde sein durch den Kauf 
erworbenes Anrecht nicht wirklich geltend ma- 



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164 

ehmi^ sondern ihm anstatt eines neuen Herreiv 
nur ein Bürge seiner Freiheit sein. 

Die oben angeführten Formeln bezeugen, wie 
^r sahen , noch deutlicher als früher den reli- 
giösen Ursprung und es entsprechen ihnen fast 
wörtlich die Ausdrücke der Alten, welche die 
ToUkommene Sicherl^eit und den Frieden der 
Hierodulen schildern. Vgl. ausser den Aneed. 
ddph. 18 angeführten Stellen Ion 322 f. Phö- 
nissen 220. Aristeides I p. 412 Df. 

Wie weit die Hierodulie im Alterthume ver- 
breitet war und an welchen Tempelörtern sie 
benutzt wurde, um als Symbol der Freilassung 
zu dienen, darüber werden inschriftliche Funde 
immej vollständigere Auskunft geben. Jetzt ist 
in die Reihe des Apollo, Dionysos, Askl^ios, 
Serapis und der Athena auch die Aphrodite 
Syria getreten, an welche in Aetolien Sklaven 
zum Zwecke der Manumission verkauft wurden, 
wie die Herausgeber p. XIV aus den von Herrn 
Bazin 1861 gefundenen Inschriften bezeugen. Die 
syrische Göttin weist uns auf die Gegend hin, 
wo mit dem Gottesdienste wahrscheinlich auch 
die Hierodulie zu Hause war, und wir finden ja 
auch in den Schriften des alten Bundes (Josua 9) 
solche Einrichtungen bezeugt. 

In Delphi war aber die Anwendung der Hie- 
rodulie auf Manumission wenn auch nicht zu 
Hause, doch ohne Zweifel am meisten ausge- 
bildet, und wir dürfen voraussetzen, dass dies 
nicht zufalhg geschehen ist, sondern nach be- 
stimmten Gesichtspunkten. Die verschiedenen 
iQopiHs welche in den Inschriften erwähnt wer- 
den, weisen darauf hin, dass man es sich in 
Delphi angelegen sein Hess, durch Vorschüsse 
den Sklaven die Erlangung der Freiheit und die 
eigene Einrichtung zu erleichtem. Die Namen 



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165 

der dabei betheiligten Personen lassen sieh smqi 
Theil als solche nachweisen, welche den ersten 
Geschlechtem der Stadt angehören; man er- 
kennt, dasB es wohl geregelte Anstalten und 
Vereine zu diesem Zwecke gab, und wenn es 
sich bestätigt, was dodi gewiss die grösste 
Wahrscheinlichkeit hat, dass das Lösegeld, wel- 
ches auf der Thürschwelle des Tempels dem 
Freilasser eingehändigt wurde, aus der Tempel* 
kasse gezahlt wurde, diese also als eine Spar- 
kasse diente, in welcher den Sklaven ihre Er- 
sparnisse aufgehoben, gegen alle Ansprüche ge- 
schützt und wohl auch, verzinst wurden , wenn 
wir ims in allen Urkunden auf die delphischen 
Gesetze hingewiesen sehen, welche das ganze 
Verfahren regelten, die Pflichten aller dabei Be- 
theiUgten bestimmten und dem Freigelassenen die 
volle Ausführung des Vertrags sicherten, wenn 
wir endlich als Bürgen, Zeugen und gesdiworene 
Schiedsrichter die Priester vorzugsweise thätig 
sehen, so tritt uns doch in sehr deutlichen und 
zusammenhängenden Zügen eine Thätigkeit des 
delphischen Heiligthums entgegen, welche dar- 
auf gerichtet war, die Freilassung von Sklaven 
zu begünstigen, und die Humanitätsrucksichten, 
welche hiebei obwalteten, zeigen sich darin, dass 
dem Herrn gegenüber das Becht des Sklave 
auf eigenen Erwerb anerkannt und dem Sklaven 
gestattet wird, in ein näheres Verhältniss zu 
dem Gotte zu treten; dann aber auch besonders 
in der Einrichtung des Schiedsgeridits, bei des- 
sen Zusammensetzung der Freilasser und der 
Freigelassene wie zwei gleich berechtigte Par- 
teieti sich betheiligen und wo dieser so gut wie 
Jener seine Klagen anhängig machen kann. Das 
Institut der Paramone war in der Ausbildung, 
wie es uns vorliegt, wohl auch delphischen Ur- 



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166 

Sprungs, ürsprim^ch sckeint der Kai&e nur 
ein milderer Ausdruck für den Begriff der Un- 
freiheit zu sein. Denn nur so weiss ich es zu 
erklären', dass JIccQdfAovo^ 294, II§cQfjbövig 297, 
UaQafMPcc 173, JlaQiUvtAV u. s. w. als Sldayen- 
namen gebräuchlich waren. Es muss abo erst 
später dem Worte die tedinische Bedeutung ge- 
geben worden sein, dass es das Clientelverhält- 
niss bezeichnet, in welchem der frühere Sklave, 
dienstpflichtig, aber als freier Mann und durch 
die Gesetze geschützt, eine Zeitlang bei dem 
Patronus yerharrt. 

£s ist gewiss von Interesse, diese bisher 
nicht beachtete Seite der Wirksamkeit des del- 
phischen Hqiligthums zu erkennen und zu wür- 
digen. Dabei fragt es sich weiter, ob man in 
Delphi bei der Begimstigung und gesetzlichen 
Ausbildung der Manumission noch andere Mo- 
tive hatte, als das der Humanität und etwa der 
Rücksicht auf Yolkswohlfahrt , indem es nicht 
unwichtig war, wenn solchen Sklaven, welche 
sich durch Tüchtigkeit auszeichneten, Gelegen- 
heit gegeben wurde, als freie Leute in die bür- 
gerliche Gesellschaft einzutreten. Das Heilig- 
thum erwies dem Freigelassenen eine Wohlthat, 
deren Vortheile er sich auf andere Weise nicht 
anzueignen vermochte, denn von den besonde- 
ren Erleichterungen, welche Delphi gewährte, 
und von dem heiligen Schutze desselben abge- 
sehen, trat der Freigelassene nach Ablauf der 
Paramone oder, wenn keine solche stipuliert war, 
sofort in die volle Freiheit ein und es hörten 
alle Verbindlichkeiten dem frühem Herrn und 
seiner Familie gegenüber vollständig auf; es 
wurde durch die Intervention des Gottes ab 
eines Scheinkäufers die Entstehung eines dau- 
ernden CUentelverhältnisses verhindert; es konn- 



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167 

ten keine dtua$ änocfta<xiov gegen ihn anhängig 
gemaclit, keine Ansprüche auf Alimente, Unter- 
stützung, Dienste u. s. w. weiter erhoben werden. 
Vgl. Meier a. a, 0. S. 614. Ist es nun wahr- 
sdbeinlieh, dass der delphische Gott sich bei die- 
sem Rechtsgeschäfte bloss wie ein beliebiger Drit- 
ter, wie ein Ffgurant, benutzen liess, um einen 
Scheincontrakt zu Stande bringen zu helfen, des- 
sen ganzer Zweck darauf hinausging, dem Frei- 
gelassenen die Bürde seiner Pietätspflichten ab- 
zunehmen, oder trat etwa der Freigelassene, 
nachdem er durch die Wohlthat des Gottes eine 
so günstige Manumission erlangt hatte, zu ihm 
in ein Treuverhältniss und übernahm ihm ge- 
genüber gewisse Pietätspflichten, wie er sie 
sonst seinem menschlichen Patronus hätte leisten 
müssen? Eine sichere Antwort lässt sich hier- 
auf nicht geben. Der Umstand aber, dass von 
Verbindlichkeiten des Freigelassenen gegen das 
Heiligthum nirgends die Rede ist , kann nicht 
als hinreichender Beweis für die gewöhnliche 
Ansicht gelten, dass es sich nämlich um nichts 
Anderes als eine juristische Fiktion handele. 
Wir kennen den Inhalt der Gesetze nicht, auf 
welche sich Ausdrücke wie noulCx^ai, t^v ävä- 
^satv xatä tdv vöfjbov und ähnliche beziehen, 
und die wiederkehrende Formel, xad^wg ini^ 
fSteviSB (sc. i TtQcct^elg) t(S ^edi tdv (aväv ist 
vieldeutig genug, um der Möglichkeit Raum zu 
geben, dass der Gott bei diesem gegenseitigen 
Vertrauensverhältnisse seinerseits gewisse An- 
sprüche auf die Pietät des Freigelassenen machte, 
sei es bei dem Opferdienste oder bei der Beauf- 
sichtigung und Reinigung von Gebäuden und 
Weihgeschenken oder bei den Prozessionen oder 
bei anderen Gelegenheiten in oder ausserhalb 
Delphi. Vielleicht ist von einem solchen Clientel- 

13 

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168 

Terhältnisse zum Gotte öoch eine Spur in jenen 
Inschriften zu entdecken, wo dem Fr^gelassenen 
nach dem Ende der Paramone der fernere Auf- 
enthalt in Delphi ausdrücklich zur Pflicht ge- 
macht wird; eine Clausel, welche mit und ohne 
Motiv vorkommt und nichts Ungewöhnliches ge- 
wesen sein kann. Auch diejenigen Fälle sind 
hier zu erwähnen, wo gewisse Dienstverpflichtun- 
gen über die Zeit der Paramone hinausreichen. 
Wer soll dabei die Controlle führen, die Zucht- 
gewalt üben und im schlimmsten Falle die Rück- 
kehr in die Unfreiheit verfügen , wenn die Be- 
dingungen des Manumissionscontrakts nicht er- 
füllt werden? Die Macht des menschlichen Pa- 
tronus ist erloschen. Es muss also angenom- 
men werden, dass eine andere Macht da ist, in 
deren Gewalt der Freigelassene steht, und das 
kann doch nur die Tempelbehörde sein, welche 
die nächste Verpflichtung hat, die Ausführung 
der Bedingungen zu überwachen, unter welchen 
in des Gottes Namen ein Vertrag geschlossen 
ist. Also auch so werden wir auf die Annahme 
einer gewissen Abhängigkeit der Freigelassenen 
vom Heiligthume hingeleitet. Bei dem unzwei- 
felhaften Ursprünge der manumissio saci-a aus 
der Tempelknechtschaft kann es nicht befirem- 
den, wenn sich aus dem früheren Hörigkeitsver- 
hältnisse noch gewisse Pflichten der Anhänglich- 
keit und Dankbarkeit erhalten hätten, deren Er- 
füllung den Glanz der delphischen Feste und 
des delphischen Priosterthums zu erhöhen dienten. 
Man könnte aus 410: äniöot^ nv&io$g schlies- 
sen wollen, dass die Freilassungen bei den Fe- 
sten stattfanden, doch kann es auch bloss Zeit- 
bestimmung sein. 

Auf jeden Fall war die Manumission in den 
letzten Jahrhunderten griechischer Geschichte für 



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160 

Delphi ein Quell des Woblstandß, eine Förderung 
des Verkehi*s und eine Gelegenheit zu man- 
nigfaltigem Einflüsse auf die bürgerlichen Ver- 
hältnisse des Volks. Sie gehört zu den Förm- 
lichkeiten, in welchen die Thätigkeit des Heilig- 
thums fortlebte, nachdem seine grossen Funk- 
tionen im hellenischen Culturleben, die politi- 
schen wie die religiösen, längst erloschen waren. 
Diese Förmlichkeiten, in welchen die Erin- 
nerungen älterer Zeiten fortlebten, waren aber in 
Ansehung ihrer Wirkungssphäre zwiefacher Art; 
erstens solche, welche uns Delphi noch in Ver- 
bindung mit der ganzen griechischen und grie- 
chisch gebildeten Welt zeigen, und zweitens sol- 
che, die sich auf einen engeren Kreis umliegen- 
der Landschaften beziehen. Zu der ersten Gat- 
tung gehören die Ehrenbezeugungen, welche von 
Delphi ausgehen, namentlich die Ertheilungen 
der delphischen Pfoxenie. Hier erscheint Del- 
phi während der beiden letzten Jahrhunderte 
vor Chr. noch in seiner Eigenschaft als gemein- 
samer Herd von Hellas, und der Besitz seines 
Gastrechts als ein Band , welches die fernsten 
griechischen Ansiedelungen mit dem Mutterlande 
verbunden hielt und den Nichtgriechen des 
Abendlandes als eine Einführung in die helleni- 
sche Welt diente. Ausser einzelnen Proxeniede- 
kreten finden wir Nr. 18 ein ausgedehntes nach 
Archonten geordnetes Verzeichniss der von Del- 
phi ernannten Gastfreunde , eine sehr merkwür- 
dige und einer besondern Erörterung würdige 
Urkunde, in der wir Aegypter wie Phönizier und 
Syrer, Bürger der alten Pflanzstädte Pantikapaion 
und MassiHa, so wie der neuern hellenistischen 
Städte, endlich auch Italiker aus Canusium, Ar- 
gyrippa, Brundusium, Ancona und Rom finden, un- 
ter den Römern namentlich den Titus Quinctius. 

13* 



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170 

Die Manumissionen bilden die andere Gruppe 
von Urkunden. Sie zeigen uns das Delphi je- 
ner Zeiten in seinen nachbarlichen Verhältnissen 
und geben uns gelegentlich Auskunft über die 
Landschaften des westlichen und nördlichen 
' Griechenlands, von denen wir sonst nur dürftige 
Kunde haben, so dass über ihre Verfassungen, 
ihre zahlreichen Ortschaften und Städte, ihre 
Jahresrechnungen eine nicht unansehnliche Beihe 
statistischer Thatsachen gewonnen wird. 

Der Kreis von Landschaften, welche in die- 
sen Urkunden vorzugsweise vertreten sind, um- 
fasst Doris, Lokris, Phokis, Aetolien, Thessalien. 
Andere Städte kommen nur einzeln vor, aber 
auch diese nicht ohne bemerkenswerthe Sonder- 
barkeiten. Namentlich finden wir die damals 
weit verbreitete Jahresbezeichnung nach Strategen 
auch auf Böotien und Attica ausgedehnt. Von 
Böotien kommt ausser gelegentlicher Erwähnung 
der Lebadeer (18, 180; Asnadetg 18, 167; 
126, 3) nur Theben 367 und Thespiai vor 207; 
letzteres mit atqatayiopTog tmv BotiOTtav. Vgl. 
Keil Syll. inscr. Boeot. p. 117. £in Athener 
manumittiert 424: iv ^AO'^va&g aTQazayioytog 
SsvoxXiog im Poseideon (= Poitropios). Ein 
Oropier 217. Achaja ist durch Aigion vertreten 
n. 109, woraus wir lernen, dass dieAchäer ihre 
Monate zählten; Megara durch Phalykon, wenn 
hieher die 0a)uxaTo& gehören, welche 422 mit 
ätolischen Strategen, 390 mit delphischen Ar- 
chonten datieren. (Dieselben Phalikäer schei- 
nen auch im C. L Gr. 1707 vorzukommen). 
Macedonien durch Beroia n. 406 ; Arkadien durch 
einen Thelpusier, der aber in Delphi wohnhaft 
ist n. 200; in gleicherweise Kephallenia n. 169. 
Die fernsten Plätze sind einerseits Syrakus (433), 
andererseits Pergamos (336). Hier ist der Frei- 



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171 

lasser ein Hofbeamter des Königs Attalos, ohne 
Zweifel des Ersten , und die Freigelassene eine 
königliche Magd (anidoxo Jaikiag 6 naqa tov 
ßaff&XSwg ^AttdXov i inl t<Sv SqyodV riSv ßatfilt- 
xmP ^AqxsfAidoiqav rctv ßarfiX^xctv nmditfutav). 

Von den parnassischen Landschaften ist zu- 
nächst Doris zu beachten. Erineos und Boion 
waren schon früher in delphischen Urkunden be- 
zeugt (Anecd. delph. p. 31) und die noch in 
macedonischer Zeit bestehende Gesammtverfas- 
sung des Bergländchens war durch eine klein- 
asiatische Inschrift bekannt geworden (Arch. 
Zeit. 1855 S. 37). Jetzt lernen wir einen Do- 
riarchen als Eponymos von Erineos kennen 
{iv *EQiV€M SfOQiagx^oPTog OtXoxgccTeog fifjpög ""Aq^ 
xo<tta(fiov) 365. Drei Urkunden von Erineos 
haben ätolische Strategen in der Ueberschrift 
(121, 223, 284); ebenso eine von Boion (409). 
Merkwürdiger ist, dass nun auch die Stadt 
Dryope, welche nur aus sehr unlauterer Quelle 
bekannt war und deren Existenz durchaus be- 
stritten wurde (vgl. Schol. Aristoph. ed. Didot. 
p. 561. Müller Dörfer I 40. Bursian Geogr. v. 
Griech. I. S, 154, 2) n. 198 zum ersten Male ur- 
kundlich bezeugt wird (JcoQÖd^sog Avxov Jqvo- 
naXog mit ätolischem Magistrate und n. 362 in 
der Form Jqvnatog). 

Besonders zahlreich ist Lokris vertreten, 
wo in denselben Orten bald nach Stadtarchon- 
ten, bald nach Landesbehörden, bald nach ätoli- 
schen Strategen die Jahre bestimmt werden. 
Von Amphissa sind über 30 Urkunden vorhan- 
den. Die Stadt hatte wenig Patriotismus, wie 
Pausanias X, 38 bezeugt; sie hielt sich gerne 
zu den Aetolem ^ und über die Hälfte der In- 
schriften hat ätolische Beamte und Monate; elf 
haben städtische Archonten mit eigenen Mona- 

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172 

ten. um so merkwürdiger ist 405\ wo wir die 
Stadt Amphissa in einer lokris(ihen Gemeinschaft 
finden: ßovXaqxiovtog zov Aoitqtxov Tilsog Jafio^ 
Tilfog Ovaxiog fifjyog ^AyvHov, Vielldcht be- 
zieht sich diese Bezeidinung auf die militärische 
Organisation des ätolischen Bundes. Eine eigene 
lola-ische Landesbehö^-de wird aber in der Formel 
äyfjdvo&STiovrog riay Aoxqcov (oder iy AoxQotg^ 
auch äyiav. ohne Zusatz) durch eine Reihe von 
Inschriften bezeugt. So zunächst in Physkos, 
einem uralten Mittelpunkte des lokrischen Stam- 
mes (vgl. Kiepert Monatsber. 1861 S. 125), 
welches nach Amphissa als der damals bedeu- 
tendste Ort der Landschaft erscheint und eine 
grosse Zahl von Beamten stellt. Hieher gehören 
177, 186, 213, 354, 432. Neben domAgonothe- 
ten wird meistens der städtische Archon genannt 
und neben dem lokrischen Monate der städtische; 
so 432 : ix>i^vög ^Aqaxvov (hier ist die in Ph, er* 
folgte Manumission von dem Aufschreiben der- 
selben inD. zu unterscheiden. Daher kfgin dies 
in das zweite Semester des delphischen Jahres 
fallen, während die Manumission in das erste 
fällt), 177: ik.'Yxctiov. N. 186, 213, 354 sind 
nur die lolo*. Monate beigeschrieben. Andere 
Inschriften von Physkos (74,189) haben ätolische 
Strategen. Die verschiedenen üeberschriften 
kommen in so nahe stehenden Mauerinschriften 
vor, dass man aus dieser Verschiedenheit nicht 
auf inzwischen eingetretene Verfassungsverände- 
rungen schliessen darf. Man erkennt daraus das 
schwankende Verhältniss, in welchem die lokri- 
schen Städte zum ätolischen Bunde standen. 
Am merkwürdigsten ist in dieser Beziehung 
n. 243 aus Oiantheia (auch Eicivd^^a 346). 
Da haben wir zusammen: ctQatay^ovzog Tcay At- 
TooXmr — äycovo&st^ovtog tmv AoxqwVj äqxovtog 



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179 

ip Oiecv^ttif — dQX> iv JeXfpotg, — Auch Del- 
pbier datieren nach ätolischen Strategen 524. 
Die hervorragende Bedeutung yon Physkos wird 
auch dadurch bezeugt, dass andere Gemeinden 
nach physkischen Archonten datieren, so nament- 
Hch die bis dahin unbekannte Stadt Kvqa (etwa 
wie Phellos Antiphellos, so dem lokr. Antikyra 
gegenüber gelegen; Ethnikon: Kvqats^g wie Kv- 
yat&autg) 177 (dy(oPod^€%ioPtog — ft. Jsxdtov, 
iv di 0vaxioi^ ägxovtog [a. ^Yxcctov), Antikyra 
datiert nach eigenen Arhonten und lokr. Mona- 
ten 442. Lokrische Agonotheten finden wir au- 
sserdem noch in Tolophon 289 (äyonv. tdop A. — 
p,. ^/oodexctwv, aQXO^og ivToXtpwplq ja. ^AtisX" 
hxiov), in Triteia 363, 236 und in Myon {Mva- 
V€vg), von dem drei Urkunden vorhanden sind, 
keine mit eigenen Archonten, sondöm entweder 
mit dem lokrischen Agonotheten (213) oder mit 
ätolischen Strategen (323, 411). Aetolisch da- 
tiert auch Naupaktos 285 (72 nur delphisch), 
Oineon, hier OIpqi^ (vgLBursian I, 148, 2) 410, 
Tolphon 80, auch ChaJeion 372. Die letztere 
Stadt (Xdlfiop, XaXsisvg^ XccXti^vg, XaleUg) 
kommt aber auch mit eignen Magistraten und^ 
Monaten vor Im östlichen Lokris finden wir 
bei den Thermopylen . ätolische Datierung vor- 
herrschend; SQ in Thronion 320, und Skarpheia 
91 (nur delphisch 331). Auch in Opus 321. 
Von lokrischen Städten, welche bis dahin nur 
aus Stephanos vonByzanz bekannt waren, finden 
wir Axia (aber mit dem Ethnikon; Axios) 286: 
cfvQ. KaXvdoüPiov fi. Ed^valov — KqiPoXaog na- 
Tqd^ JlvandXov "A^tog, Die Zeugen sind aus 
Oiantheia, was auf die Nähe des Orts schliessen 
lässt, denn an das kretische Axos ist doch 
gewiss nicht zu denken. Dreimal kommen *'I(Uo^ 
vor 284, 328, 346 in Verbindung mitPlygoneem 



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174 

und Oiantheem; es fragt sich, ob dabei an die 
lokrischen ^H(f<ftot oder "Htraot zu denken sei, die 
neben den Oiantheem bei Thuk. 3, 101 erwähnt 
werden. 

Von den Städten in Phokis sind ausser 
Delphi zwölf in den Inschriften bezeugt, am häu- 
figsten Plygonion, bis jetzt nur als OXvyoviOV oder 
OXvyovia bekannt, (328. 337. 346. 380. 385. 
404. 407) und Lilaia (35, 50, 53., 63, 82, 90, 
212, 282, 312, 368, 389, 412). Die Urkunden 
von Lilaia zeigen uns einen &rQattiydg t(Sp <Pa)- 
Tcioov, 128, 368, 383, 412 oder ifjb OcoTciotg 212. 
Ebenso Stiris 62. Tithora 105. Derselbe Stra- 
tege ist auch ohne Zusatz anzunehmen in Ela- 
teia 47; hier sind auch phokische Monate ver- 
zeichnet, unter denen wir jetzt auch solche kennen 
lernen, welche nicht gezählt wurden. Dagegen 
sind die Strategen in den Urkunden der Plygo- 
neer (404, 407) für ätolische anzusehen , wegen 
der ätolischen Monate und wegen der Herkunft 
der Strategen, die entweder geradezu als Aetoler 
bezeichnet sind oder sich am Namen als Solche 
erkennen lassen. Eben so auch die Strategen 
von Daulis 304, und Tithronion 318, wo aber 
auch ein ägxfav iv Tsid-qfßv^ vorkommt. Von 
den übrigen phokischen Städten datieren Am- 
brysos (437) und Charadra (429) nach eigenen 
Archonten und phokischen Monaten. Andere pho- 
kische Urkunden haben nur delphische Archonten 
und Monate, so 358 (Ambrysos); 392, 402 (Me- 
deon), 98 (Tithora), 283 (Lilaia). Ausserdem 
werden uns noch die Städte Drymia 47, Phano- 
teus 105 bezeugt, und 318 ^xsdaikisXg iv Tel- 
&Q(jov^ xarotxiovug* 

Nach Thessalien gehört n. 55, eine In- 
schrift aus Gyrton: iv &€<f<XaXta otQcrmyiovtog 
Jafio&olvov fjkijvdg &v(w a>$ 0€<roaXoi äyovn. 



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175 

Die Aenianenstadt Hypata datiert, wie sich er- 
warten lässt, nach ätolischen Magistraten (408: 
(ftqaraYioVToq Oaiv4a fifjvdg Jiov) und ehen so 
Herakleia an den Thermopylen (294: otp — Äa- 
Xvdoavtov f*. ^Ayvstov), 230 aher nach städtischer 
Weise {ä^xotno^ if* fih^ ^HQcueXekf — /iiiydg 

Was endlich Aetolien betriflfl, so ist vor 
andern StädtenKallipoüs häufig vertreten. Zu den 
frühem Inschriften von dort (Anecd. delph. n. 
21. 22. p. 66.) kommen vier neue: 100, 204, 
322, 410; einmal mit städtischen Präskripten 
(aQx* iv K. ^^yijta fA. Jiovv(ftov), sonst mit Stra- 
tegen des Bundes. 313 kommen die Ophieer vor 
und 130 die Stadt Oiniadai, wenn hier für 'O/ocmx- 
dag Olvsnxdaq zu lesen ist. Mit ätolischen Magistra« 
ten und Monaten finden sich noch Urkunden von 
den 'EQfAaTaoi 178 (nach Aetolien weist uns d^ 
Vorkommen von Kallipoliten in derselben In- 
schrift), von Ald'avia 284 (die Stadt erscheint 
in Yerbindung mitErinäem und mitlsiem s. o. 
S. 173 f.; ein Zeuge nennt sich Ö>t;ßTaroc), von IFo- 
rdyil 393. Die ätolischen Datierungen zeigen 
die häufige Wiederwahl derselben Strategen; 
merkwürdig ist 329 und 330: cvgatayiovwg — 
td TtQwwv. Diese Urkunden scheinen also zu 
einer Zeit geschrieben zu sein, da die Wieder- 
wahl des Strategen für das nächste Jahr schon 
entschieden war. Ausserdem kommen noch ge- 
legentlich vor ^AvtfUBtg und Js^tsVg 320 als Zeu- 
gen einer Manumission in Thronion, ein Bovr- 
nog 388 als Zeuge eines Plygoneers, in Verbin- 
dung mit einem H^atäer und einem Isier. Ein 
Zeuge aus Apolloma 361, 9. 

Ein Hauptgewinn, der aus den neu entdeckten 
Inschriften gezogen werden kann, ist die Ver- 
yoUständigung der griechischen Ealenderkunde. 



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176 

Kirchhoff hat in den Monatsberichten der Pr. 
Akademie 1864 S. 129 f. das delphische Jahr 
mit Hülfe des phokiscfaen aus den Inschriften 
hergestellt und die Pythienfeier daraus bestimmt. 
Ich stelle nun mit den delphischen Monaten die 
der benachbarten Landschaften, welche in den 
Inschriften vorkommen, zusammen, indem ich 
die nur einzeln voi*kominenden Monate nadifol- 
gea lasse. 



Delphi. 


Phokis. 


Aetolien. 


Lokris. 


^jineXlaXog 

B^vxanog 

Boa&iog 

"HqaXag 

Jtfda^Q^og 


^Effd^xmog 

Ugwvog 
JsvuQog 

CAiidhog) 


ndvafiog 
UgoxvnXiOg 
^A&avatog 
Bovxdr$og 


Jcodixavog 
Timqtog 


JIottQÖmog 
aß- 


Tqitog 


iy^atfQiatog 

f JTog(J€Tog) 


1 JiOPv(fiog 


Bvfftog 

&€oliit^Mg 

""Epdwfnot- 


Uiikntog 
'Exvog 
(jidtpQwg) 
'EßdofAog 


Ed&vctwg 
'OptoXöSwg 
'EQfiMog 

JiOVV(ftog 


"ExTog 

"EQfbcciog 

"Oydoog 

noxiög 


tQomog 
^ÜQdxXsiog 


"Oydoog 

"Evomg 
(UipdfA$og) 


*Ayv€$og 

CAr^Bog) 

'IrmoÖQÖfHOg 


Jixatog 



Zu dieser Uebersicht ist zu bemerken, dass 
unter den phokisdien Monaten die drei nicht 
gezählten (Amalios 412, Laphrios 63, 212, Apha- 



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177 

mios 868) eämmtlich Urkunden angehören, 
welche aua der Stadt Lilaia stammen; indessen 
sind es nicht bloss städtische Monate und 368 
heisst es ausdrücklich wg Omnitg äyovn. 

Am verwickeltsten ist der lokrische Ka- 
lender. Hier ist die örtliche Verschiedenheit 
am grössten und das Verhältniss zum delphi- 
schen Jahre am unklarsten. Der Jhtatag 177 
und der JoodSxatog 289 kommen beid^ ohne 
delphische Gleichung vor. Wir können ihre 
Stellen nur nach den anderen lokrischen Zahl- 
monaten bestimmen, welche wiederum mit den 
phokischen Monaten nicht in Uebereinstimmung 
stehen. Von städtischen Monaten der Lokrer 
haben wir 1) in Amphissa den (im C. Inecr. 
Gr. 1607 falsch geschriebenen) ""Ayqa^vdiv 247, 
248. CJyQ€aw(atf 428 "" Ayqodtvdif 215 ""Arov- 
atveviv 256) = Bukatios, IlavayvQ^Q 163, 164, 
209 = Poitropios, nyävtiog 426 = Amalios, 
IJonQomog, welcher 360 dem Theoxeinos, 224 
dem Endyspoitropios entspricht, "^Afimv 19, 257 
= Daios. 2) in Physkos den ^AqarvQg (?) 
432, der dem lokrischen Tetartos, den ^YxoXog 
177, der dem lokrischen DekatoB entspricht. 
3) in Chaleion den Koovnog 69 *= Heraios, 
^AnsXXatog 262 = Amalios. 4) in Tolophon 
^AnsXXcaog 289, gleich dem lokrischen Dodekatos 
und darnach mit dem delphischen Apallaios zu- 
sammenfallend. 5) in Triteia den Hydi^t^og 
148 = Poitropios. 6) in Oiantheia den 
""AnsXXaXog 243 = Poitropios I. 

EndliÄ wird in Doris der '^^x^^'^^*^^^ 365 
dem Boatboos, der AccfQ$og 54 dem Theoxenios, 
der thessalische &vog 55 dem Endyspoitro- 
pios, der böotische Bovxauog 207 dem Poi- 
tropios, der ^Hdvtig von Herakleia 230 dem 
Daios gleichgestellt. 

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178 

Ausserdem bieten die neu entdeckten In- 
Schriften natüriich ein sehr reiches Material für 
unsere Kenntniss der in Delphi nnd den üm- 
landen üblichen Familiennamen, deren kritische 
Zusammenstellung eine lohnende Aufgabe sein 
wird. Ausserhalb Delphi kommen Namen vor, 
welche ebenso wie die mit unsicherer Orthogra- 
phie geschriebenen Monatsnamen den niedrigeren 
Culturzustand und den halbbarbarischen Cha- 
rakter des Volks bezeichnen {TlvtmaXog 286, 
^Yßglöta^ 153, ^fTSÖKfatg 426 u. s. v.)- In Delphi 
lässt sich die Tradition der Familiennamen in ge- 
wissen Geschlechtem immer deutlicher nachwei- 
sen und die Namen der Priester lassen sich be- 
nutzen, um nach ihnen die Masse der Inschriften 
chronologisch zu ordnen. Ausser den lebens- 
länglichen Priestern des Apollo kommen als 
Tempelbeamte der reooxÖQog oder vaxoQog^ wel- 
cher die Vertragsurkunden im Archive aufbe- 
wahrt (247, 248), der Baumeister (45, 17) und 
die Behörde der Tempel Vorsteher vor; toI ngo- 
ifidten 331 , b ngoatcitag tov Uqov 68. 411. 
Von onomatologischem Interesse ist auch die 
grosse Reihe von Sklavennamen, unter denen 
manche sehr vornehmen Klang haben, wie *^^*- 
otoxQcctBia 83, 268. ^AgxinoJUg 156, 255. 2m- 
atnohg 204. Sma^xQcheia 211. 2tQaT0vlxa 218. 
T$ikoxQd%€ia 168. Jixmotrvwx 423. SatpcptS 229, 
andere für die barbarische Herkunft charakteri- 
stisch sind. Da die letztere in der Regel in 
den Urkunden vermerkt ist, so erhalten wir da- 
durch einen reichen üeberblick der Gegenden, 
aus welchen die Griechen ihre Sklaven bezogen. 
Am zahlreichsten sind die Galater vertreten 
(144, 189, 195, 213, 216, 221, 306, 429 u. s.w.), 
dann die Armenier (105, 212, 250). Ausserdem 
kommen Sklaven vor i^ "'Avsoq 243, ^5 ^Aqy^- 

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179 

&tag 214. "A^aiff 224. BatnaQpa 89. Bs^&wog 
241. BQdvaog 380. ""EXvfAala 132. ^x OafMxviag 
322. YAit;^a 349. */ot;(Jaro$ 364. 'ItaXog 135. 
Kvnqtog 84. ^vda 286. Mcuwtag 327. Maatcdafv 
215. 260. Maxim i^ 'ügtanov 417* Meaaankc 
378. jx movtttv 361. "PmfMxla 320. 2aQfmj$(raa 
59. 443. 445. Savvivag 335. J| 2n€QXßtäv 373. 
Tißaqavd 229. Ooipiaaa 325. <P^r? u. s. w. 
Merkwürdig häufig sind aber die Fälle, wo als 
Herkunft der Sklaven eine griechische Gegend 
genannt wird und es lässt sich wohl annehmen, 
dass man in Delphi es sich vorzugsweise ange- 
legen sein Hess, Griechen, welche in Unfreiheit 
gerathen waren, wieder frei zu machen. Lace- 
dämonier kommen als Sklaven vor 188, 285, 
328, 338, 379, 385, 403, 410, Phokeer 20, 67, 
196. Böotier 309. Öpuntier 217. Megareer 405. 
Perrhäber 191. Chalkideer 329. 

Endlich bieten die delphischen Inschriften 
auch für griechische Sprachkunde viel Neues und 
Bemerkenswerthes dar, wovon schon Einiges bei* 
läufig hervorgehoben worden ist, wie nqouqda^og, 
äXXad'sddsgy MlofAat ftir ä^lof^at, ipövöiansad-m, 
dCfna&iaiPU, avtSavmg {aiarnzäg 201) u. s. w. 



Die Abhandlung über die grosse Kar- 
thagische und andere n euent deckte Phö- 
nikische Inschriften welche der ünterz. der 
K. Ges. der Wissensch. am 7. Mai vortrug, giebt 
in ihrer ersten Hälfte eine Wiederherstellung und 
erklärung der neuentdeckten grossen Karthagi- 
schen inschrift, welche als die dritte der uns 
jezt urkundlich vorliegenden grossen Phönikischen 
Inschriften eine besondere Wichtigkeit hat, aber 
sidi auf einem von allen Seiten schwer verstüm- 



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18« 

meiten Steine so unTollständig erhalten hat da^s 
es schon deshalb sehr schwer ist ihife Wieder- 
herstellung sicher zu versuchen und damit ihren 
rechten Sinn festzustellen. Nachdem jedoch ihre 
Wiederherstellung soweit gelungen war als es 
unsre heutigen Hülfsmittel gestatten, konnte auch 
die wichtige Frage gelöst werden oh die ihr zu- 
nächst verwandte grosse Massilische Inschrift 
welche der ünterz. in der der K. Ges. der WW. 
vorgelegten Abhandlung vom i. 1848 erklärte, 
älter sei als diese Karthagische, oder ob das 
umgekehrte Verhältniss statt habe, da an eine 
Gleichzeitigkeit beider aus vielen Gründen nicht 
zu denken ist. — Die zweite Hälfte umfasst die 
Erklärung meherer anderer neuentdeckter Phöni- 
kischer Inschriften, oder vielmehr aller der viel- 
fachen in der jüngsten Zeit entdeckten sofern 
etwas schwierigeres bei ihnen zu erläutern war. 
Dahin gehören besonders die 89 kleineren Kar- 
thagischen, welche mit jener grossen zusammen 
durch Hn. Nathan Davis auf dem Boden des 
alten Karthago's durch Nachgrabungen entdeckt 
in das Britische Museum gekommen und so eben 
auf Veranstaltung der Leiter desselben in einem 
grossen Bande glänzend veröflfentlicht sind. Fer- 
ner die wichtigste und längste der drei so eben 
von Renan aus dem Alt-Phönikischen Boden nach 
Paris entführten, deren Erklärung zwar schon 
von einigen anderen Gelehrten versucht aber 
nicht gelungen ist. Sodann die von dem Comte 
de Voque nach Paris gebrachte zweite Sidonische 
Inschrift, kleiner als die uns seit 1855 bekannte 
erste, aber nicht minder lehrreich. Auch die 
neulich in Sardinien entdeckte und in Turin ver- 
öffentlichte Lateinisch-Griechisch-Phönikisehe In- 
schrift findet hier ihre zuverlässigere Erklärung, 
dieses merkwürdige Sardische Denkmal aus der 



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J81 

Zeit zwischen dem ersten und zweiten Panischen 
Kriege oder kurz nachher. Dagegen konnte we- 
gen der neuentdeckten Kyprischen Inschrift, 
von welcher der Unterz. im J. 1862 zuerst den 
Wortlaut veröffentlichte, fest mir auf die beiden 
kleineren Aufsäze verwiesen werden welche der 
K. Ges. der W. vorgelegt in den Nachrichten 
von 1862 erschienen. — In einem Nachtrage 
wird noch ein kurzer Rückblick auf den ganzen 
heutigen Stand der Entzifferung Phönikischer 
Schriftdenkmäler geworfen: was aber hier nicht 
wohl weiter ausgeführt werden konnte, wird der 
Unterz. nächstens bei der Beurtheilung einiger 
hieher gehörender neuester Schriften in den Gel. 
Anzeigen bestimmter berühren. * 

Ewald. 



lieber Amidozimmtsäuire und Carbo- 
styryl 

von P. Beilstein. 

(Vorgelegt vom Secretair). 

Vergleicht man die Zusammensetzung der 
Zimmtsäure mit der der Cumarinsäure, 
80 wird man zu der Vermuthung geführt, dass 
diese beiden Säuren in einer einfachen Beziehung 
zu einander stehen : 

€^802 Zimmtsäure 
^9{js08' Cumarinsäure. 

Diesen Säuren stehen also in demselben Ver- 
hältniss zu einander wie Essig- und Glykolsäure 
wie Bernstein- und Apfelsäure u. s. w. und wer- 
den sich daher auch wahrscheinlich durch ähn- 
liche Reaktionen in einander überführen lassen, 
wie z. B. die Essigsäure in Glykolsäure. Die 

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182 

substituirten aromatischen Säuren zeigen ab^ 
bekanntlich eine viel grössere Beständigkeit ge- 
gen Alkalien, als die entsprechenden Verbindun- 
gen der Fettsäurereihe. Zur indirekten Oxyda- 
tion der Ersteren wählt man daher lieber die 
Zersetzung der amidirten Verbindungen durch 
salpetrige Säure. Folgende Formeln versinnli- 
chen die Bildung der Oxybenzoesäure aus Ben- 
zoesäure : 

Benzoesäure Nitrobenzoesäure 

Amidobenzoesäure Oxybenzoesäure. 
Für den vorliegenden Fall hätte man also 
ganz analog nurnöthigdie Amidozimmtsäure 
mit salpetriger Säure zu behandeln, um sie in 
Cumarinsäure (Oxyzimmtsäure) zu verwan- 
deln. Die Amidozimmtsäure war aber bis 
jetzt nicht bekannt. Chiozza hatte durch Er- 
hitzen der Nitrozimmtsäure mit Schwefelammo- 
nium nicht Amidozimmtsäure, sondern einen an- 
dern Körper erhalten, das Carbostyryl, wel- 
cher ein Molekül Wasser weniger als Erstere 
enthielt: 

€*H^O* Amidozimmtsäure 
C^H'NO Carbostyryl. 
Es war also in diesem Fall eine ganz ab- 
norme Beduction eines Nitrokörpers durch Schwe- 
felwasserstoff eingetreten. Das Carbostyryl 
scheint aber in nahem Zusammenhang mit dem 
Cumarin, einem der Cumarinsäure eng ver- 
wandten Körper, zu stehen. 
Nach der Gleichung: 

€^^0 + H^Ö^O»H«0* + NH» 
Carbostyryl Cumarin 

hätte man das Entstehen des Cumarins 
beim Behandeln des Carbostyryls mit sal- 



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183 

petriger Säure erwarten sollen, wie ja alle De- 
rivate des Ammoniaktypus , entsprechend obiger 
Gleichung durch salpetrige Säure zersetzt werden: 
C^H'N + H20 = €6H60 -f NH3 
Anilin Phenol 

C^H^NO + H^O = C2H^02 _|. NH3 u. s. f. 
Aertamid Essigsäure 

Es verdient hier noch hervorgehoben zu wer- 
den, dass die angedeuteten Beziehungen der Cu- 
marin- und Zimmtsäure sehr an Wahrscheinlich- 
keit gewinnen, wenn man das Verhalten dieser 
Säuren gegen schmelzendes Kalihydrat berück- 
sichtigt. Beide werden hierdurch auf eine ganz 
analoge Weise zersetzt: 

G^H^O^ + 2H20 = €'^H^02 ^ c^H^O« + H* 
Zimmtsäure Essigsäure Benzoesäure 

Cumarinsäure Essigsaure Salicylsäure 

Als ich zur experimentellen Prüfung der aus- 
gesprochenen Ansichten Nitrozimmtsäure , nach 
Chiozza's Vorschrift, mit Schwefelammonium 
behandelte, erhielt ich in der That, eine kleine 
Menge des von ihm beschriebenen Carbostyryls, 
aber dann ist es mir auch nie wieder gelungen, 
diesen Körper so leicht darzustellen, trotz der 
zahlreichsten Wiederholungen und Abwechselun- 
gen des Versuchs. Ich erhielt wohl viel von dem 
schon von Chiozza beobachteten Harz, aber 
nur durch anhaltendes Behandeln mit Säuren und 
Alkalien gelang es, das unmittelbare Reductions- 
produkt der Nitrozimmtsäure allmälig in Carbo- 
styryl umzuwandeln. 

Ich veranlasste deshalb Herrn Dr. Ph. Küh- 
ner das Verhalten der Nitrozimmtsäure gegen 
Zinn und Salzsäure zu prüfen. Wie zu erwarten 
war, gieng die Reduction hierbei sehr leicht und 
rasch vor sich. Wurde die erhaltene saure Lö- 

14 

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184 

süng dürdi Abdampfs concentrirt, so schfedeö 
sich bei längerem Stehen derselben smeierlei 
Erystaüe aus: Warzen nnd grosse, dicke sehr 
gissende Prismen. Die Analyse ergab, dass 
diese ErystaUe Doppelsalze waren Ton salz- 
sanrer'Amidozimmtsänre mit Zinnchlorür 
in wechselndem Verhältniss. Durch Schwefel- 
wasserstoff vom Zinn befreit, lieferten sie beim 
Abdampfen salzsaure Amidozimmtsäure. Die 
freie Amidozimmtsäure ist eine wenig be- 
ständige Substanz, sie zersetzt sich leicht, na- 
mentlich bei Gegenwart von Alkalien und das 
ist der einfache Grund, weshalb man diese Sub- 
stanz, noch nicht bei der Einwirkung des Schwe- 
felammoniums auf Nitrozimmtsäure erhalten hat. 
Die Reduktion ist demnach auch hier eine nor- 
male, nur wird die Amidozimmtsäure durch das 
überschüssige Ammoniak gleich weiter zersetzt. 
Das bei letzterer Operation in so grosser Menge 
auftretende „Harz" ist nichts als veränderte 
Amidozimmtsäure. Unterwirft man es der 
trocknen Destillation, so kann man leicht Carbo- 
styryl daraus gewinnen. 

Es ist uns bis jetzt, trotz mehrfacher Ver- 
suche, nicht gelungen Carbostyryl direkt in Cu- 
marin überzuführen, da sich das Ckrbostyryl 
j durch eine bemerkenswerthe Beständigkeit aus- 

I zeichnet. Man kann es ohne Zersetzung subli- 

I miren und mit verdünnter Schwefelsäure tagelang 

t auf 200^ erhitzen, ohne dass auch nur spuren- 

l weise eine Zersetzung sich bemerkbar macht. 

[ Wir haben aber um so mehr Hoffnung die Am i- 

f' dozimmtsäure in der oben angedeuteten 

Weise zu spalten, wenn man sich der leichten 
Zersetzbarkeit dieser Substanz erinnert. 

Aus den mitgetheilten Versuchen ist ersicht- 
^ lieh, dass eine Lösung der vorhandenen Wider- 



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185 

Sprüche niid die üeberwindung aller Schwierig- 
keiten der Untersuchung nur von dem Augen- 
blicke an möglich war, wo man sich zur Reduk- 
tio» der Nitrozimmtsäure des Gemenges von 
Zinu und Salzsäure bediente, dessen Vorzüge vor 
dem Schwrfelwasserstoffe., wir schon früher Ge- 
legenheit hatten,, hervorzuheben. — 



Nachträglich zu Nr. 7. S. 130. Die Ab- 
handlung des Herrn Dr. Marme hat Professor 
Meissner der K, Ges. d. Wiss. vorgelegt. 



Mittheilungen aus dem pathologischen 
Institut zu Göttingen. 

Von W. Krause, 

1. üeber dasAnalogon desßollum oss. 
femoris am Oberarmbein. 

Am Oberarmbein des Menschen findet sich 
in dem Lebensalter, wo die Diaphysen der Röh- 
renknochen ppch nicht mit ihren Epiphysen ver- 
schmolzen sind, eine hügelähnliche Hervorragung, 
welche ßh dem Collum oss. femoris gleichwer- 
thig ?u bptrjachten ist. 

Durchsägt man bei einem 10 — 20jährigen fn- 
dividji^upa da^ Oberarmbein in horizontaler Rich- 
tung und 19 einer Ebene, welche ganz wenig 
höher liegt, als der untere Rand des überknor- 
pelten Caput oss. brachii, so zeigt sich ein ei- 
genthümliches Aussehen der Sdmittfläche. In 



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186 

dem hinteren Quadranten der aniiähemd kreis- 
förmigen Sägefläche findet sich anscheinend ein 
besonderer Knochenkem, von einem Knorpel- 
streifen umgeben. Bei einem 15jährigen Indivi- 
duum betrug der Durchmesser der Sägefläche 
von vom nach hinten 37 MM. , von links nach- 
rechts 43 MM. ; beim Erwachsenen ist der grösste- 
Durchmesser des Knochens in der entsprechene 
den Horizontalebene zu 47 MM. , beim Neuge- 
borenen zu 20 MM., anzusetzen. Die Dicke des 
Knorpelüberzuges dieses scheinbaren Knochens 
kems beträgt ungefähr 2 MM., der erster e steht 
mit dem Knorpelüberzuge des Caput oss. brachii 
am hinteren Bande des letzteren in Verbindung. 
In der That aber geht ein so geführter Säge- 
schnitt durch eine prismatische Hervorragung 
der Diaphyse des Oberarmbeins, wie sich aus 
der Profilansicht eines macerirten Knochens er- 
gibt. Die Hervorragung erhebt sich im löten 
Lebensjahr um höchstens 10 MM. über die Ebene 
des Sägeschnittes, sie liegt excentrisch und von 
der Längsaxe des Oberarmbeins nach hinten. 
Dir grösster Durchmesser befindet sich in sagit- 
taler Richtung und erreicht 28 MM., die Breite 
aber nur 12 MM. An dieser Hervorragung sitzt 
seitlich die Epiphyse: das Caput oss, brachii 
auf, gerade wie das Caput oss. femoris in dem- 
selben Lebensalter auf seinem Collum. Daher 
bedarf es wohl keiner weiteren Auseinander- 
setzung, dass diese Hervorragung morphologisch 
betrachtet das Collum oss. femoris am Ober- 
armbein repräsentirt , obgleich das Verhältniss 
derselben zu den Tubercul. oss. brachii ein an- 
deres ist, als das des Oberschenkelbeinhalses 
zu den Trochanteren. 



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187 



2. Beiträge zur systematischen Neu- 
rologie der oberen Extremität des 
Menschen. 

Unter den Aesten für den M. triceps, welche 
der N. radialis abgibt, ist einer durch seinen 
Verlauf auffallend. Ein dünner Faden trennt 
sich nämlich als erster Ast vom N. radialis an 
der inneren Seite des Oberarmbeins im Niveau 
des unteren Randes der Sehne des M. latissi- 
mus dorsi etc. Dieser Ast steigt nach aussen 
und hinten vom N. ulnaris gelegen anfangs senk- 
recht herab, wendet sich an die hintere Seite 
des N. ulnaris, sich meistens mit der A. coUa- 
teralis ulnaris superior kreuzend, welche hier 
zwischen ihm und dem N. ulnaris liegt und ge- 
langt, während er mit letzterem durch eine ge- 
meinschaftliche Scheide eingeschlossen ist, hinter 
das Lig. intermusculare intemum. Der Zweig 
kann als Ramus coUateralis Nerti radialis be- 
zeichnet werden, und verästelt sich im unteren 
Theile des Caput intemum M. tricipitis. Dieser 
Theil umfasst die unteren Bündel des Triceps- 
kopfes, deren Sehnenfasem am inneren Bande 
des Olecranon vorbeilaufen und sich an den in- 
neren Band der ülna unmittelbar über der ober- 
sten Spitze des M. anconaeus quartus inseriren. 
Mitunter werden die am meisten abwärts gele- 
genen Muskelbündel in einer kleinen Strecke 
nicht mehr von dem Nerven versorgt. 

Der Bamus coUateralis ist schon seit Jahr- 
hunderten von verschiedenen Anatomen unvoll- 
ständig beschrieben, doch in seiner Bedeutung 
von den deutschen Schriftstellern nicht ganz 
richtig erkannt worden. Da derselbe zum Theil 
als evidentes Beispiel eines sog. Gelenknerven 
angesehen worden ist, von welchen letzteren ver- 



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18S 

muthet werden konnte, dass ihre Enden mit Va- 
ter'schen Körperchen besetzt sein möchten, so 
schloss sich an diese Arbeit eine genauere ana- 
tomische Untersuchung der Vater'schen Körper- 
chen der menschlichen Hand. 

3. üeber das Vorkommen von oxal- 
saurem Kalk in der Schilddrüse. 

In den coUoid entarteten Acini der Schild- 
drüse eines an allgemeiner Tuberculose und 
eines anderen an Peritonitis gestorbenen Man- 
nes fanden sich bei microscopisdier Untersuchung 
Krystalle. Dieselben lagen im Inneren der ver- 
grösserten Acini, von coUoider Masse umgeben 
und zeigten sich als regelmässig ausgebildete 
Quadrat -Octaeder. Häufig waren die Winkel 
abgestumpft, so dass sie auf den ersten Blick 
an die Sargdeckelform des TWpelphosphats er- 
innerten. Die Grösse schwankte von 0,002 — 
0,5 MM., viele waren mit blossem Auge erkenn- 
bar und es gelang durch Schlämmen mit Was- 
ser aus der Schilddrüse ein farbloses Pulver zu 
erhalten, welches alle Eigenschaften des Oxal- 
säuren Kalkes besass. Vielleicht verdient das 
Vorkommen desselben in einer sog. Blutgefass- 
drüse, deren Function so wenig bekannt ist, in 
physiologischer Beziehung verfolgt zu werden. 



Ausführlichere Mittheilungen sollen demnächst 
in der Z. f. r. M. und im A. f. A. u. Ph. publi* 
cirt werden. Dieselben befinden sich nebst den 
zugehörigen Tafeln schon länger in den Händen 
der betreffenden Redactionen. 



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189 

llniversitit 

Für den am 1. März 1864 aus dem Ver- 
waltungsausschusse ausscheidenden Pro- 
fessor Helferich ist der Professor Sartorius Frei- 
herr von Waltershausen für die Zeit vom I.März 
1864 bis 1. September 1866 und für den am 
1. April 1864 in Folge seines Dienstabganges 
ausgeschiedenen Professor Mommsen für dessen 
noch rückständige Functionszeit bis 1. Septbr. 
1864 der Staatsrath Professor Zachariae, 

für den am 1. März 1864 aus dem Bechts- 
pflegeausschusse ausscheidenden Abt und 
Oberconsistorialrath Ehrenfeuchter der Professor 
Curtius für die Zeit vom 1. März 1864 bis 1. 
September 1865 gewählt worden. 

Als Curator in der Universitäts-Kir- 
chendeputation ist der Consistorialrath 
Duncker erwählt und bestätigt. 

Der statutenmässig zum 1. Februar 1864 
als Vertreter der philosophischen Facultät in 
der Direction der Prof essor en- Witt- 
wen-Casse ausgeschiedene Professor Wüsten- 
feld ist von gedachter Facultät für die 8 Jahre 
vom 1. Februar 1864 bis dahin 1872 wieder- 
gewählt. 

Der Hofrath Wagner hat sein Amt als Ver- 
treter der medicinischen Facultät in derselben 
Direction niedergelegt und ist für denselben der 
Hofrath Grisebach als Directionsmitglied für die 
Zeit bis zum 1. Febr. 1870 eingetreten. 



Der Oberpedell Dierking ist am 10. März 
1864 gestorben. 



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190 

Verzeichniss der bei der Kon. Gesellschaft 

der Wissenschaften eingegangenen 

Druckschriften. 

Februar 186 4. 

(Fortsetzung). 

Hansen, P. A. Mönch. Cbnstiania 1868. 8. 
Vogt, en större bibelhistbrie. Ebd. 1860. 8. 
Bidenkap, aper^u des differentes methodes de iraite- 

ment contre la sypbilis. Ebd. 1863. 8. 
Steffens, Egeberg, Voss, committee-beretning an- 

gaaende syphilisationen. Ebd. 1863. 8. 
Knudsen, er Norsk det samme som Dansk? Ebd. 

1862. 8. 

— forslag til visse forandringer in den hidtil ved an- 
derviisninffen i modersmaalet. Ebd. 8. 

Det k. Norske Fred. Universitets aarsberetning for 1861. 

Ebd. 1862. 8. 
Beretning om det k. Selskab for Norges Vel. 1861. 

Ebd. 1862. 8. 

— om bodsfaengslets virksombed i aaret 1862. Ebd. 

1863. 8. 

Vibe, Statist, efterretninger om Ghristiania katbedr. skole. 

1848—53. Ebd. 1858. 8. 
Lieb lein, ägyptische Chronologie. Ebd. 1863. 8. 
Forhandlinger i Y idenskabs - Selsliuibet i Ghristiania 1862. 

Ebd. 1863. 8. 
Sars &Ejeralf, nyt magazin for naturvidenskabeme 

Xn, 1—3. Ebd. 1863. 8. 
Index scholarom 1863. I. II. Ebd. 1863. 4. 
Hansteen A Due, Resultate magnetischer, astronom., 

und meteorolog. Beobachtungen auf einer Reise nach 

dem östlichen Sibirien 1828-30. Ebd. 1863. 4. 
37 Hefte und Bände in Octav, 9 in Quart. Pest 

1862. 63. (v. d. Ungar. Akad.) 

Teleki, Hunyadiak kora magyarorszagon. 6. Ebd. 

1863. 8. 



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Naehriehten 

von der Königl. Gresellschaft der Wissen- 
schaften und der G. A. Universität zu 
Göttingen. 



Juni 8. M, 0. 1864. 



IJ]ii?ersitat 



Am vierten Jiinius beging die Universität in 
herkömmlicher Weise das Fest der öffentlichen 
Preisvertheilimg. Herr Prof. Dr. Curtius hielt 
die Festrede. . Sie ging davon aus, dass im Men^ 
sehen neben dem Streben nach Erweiterung sei- 
ner Wirkungssphäre und nach Befreiung von den 
anhaftenden Beschränkungen auch ein Zug zur 
Unfreiheit vorhanden sei, welcher ihn veranlasse 
sich des vollen Besitzes seines Eigenwillens zu 
begeben und für seine innem Entschliessungen 
die bestimmenden Gründe ausser sich zu suchen. 
Die wesentlichsten Ursachen dieser Eichtung wur- 
den nachgewiesen und dann die verschiedenen 
Erscheinungsformen derselben bei den Völkern' 
der alten Welt, zunächst im Morgenlande, wo Ba- 
bel der Ort ist, an welchem die Erforschung der 
für den Menschen massgebenden Himmelszeichen 
und Naturerscheinungen zuerst systematisch aus- 
gebildet worden ist. Die Griecnen lernten den 
orientalischen Fatalismus in Aegypten kennen. 
Für die weitere Entwickelung der Schicksals- 
kunde wurde besonders auf die Wichtigkeit der 
kleinasiatischen Lan^chaften am Süd -Abhänge 
des Taurus hingewiesen, wo semitische und ari- 

15 

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192 

sehe Völkerstamme tich tm nSchsten berührt 
haben, wo nach Ansicht der Oriechen nnd Rö- 
mer die prophetische Eimst zn Hanse war, wel- 
che in dem Dienste desApoUon ihre eigenthfim- 
liche griechische Gestaltung gewonnen hat. Es 
wnrden dann nach ihren wichtigsten Kennzeichen 
die griechische Mantik und die römische Divina- 
tion besprochen nnd das yerschiedene Verhalten 
der alten Völker in Bewahrung der sittlichen 
Freiheit betrachtet. 

Was die diesjährige Preisbewerbung betriflft, 
so wurde der homiletische Preis unter die Ver- 
fasser zweier Predigten getheilt, Hermann 
Bartels, ßtud. theol. ans Lüthorst, und Ehr- 
hardt Schulz, cand. tiieol. aus Dannenberg. 
Von den wissenschaftlichen Aufgaben hat dies- 
mal nur die ausserordentliche der philosophit 
sehen Facultät: nominum linguae Copticae quae 
Sit per omnes gradus origo et formatio compa- 
ratione cum ahis linguarum familüs institutado- 
ceatur, eine Bearbeitung erhalten und dem Ver- 
fasser dieser Abhandlung 

Veit Valentin stud. theol. aus Frank- 
furt a. M. . 
ist der volle Preis zu Theil geworden. 

Was die neuen Preisangaben betrifft , so 
ist zunädist zu erwähnen, dass der Termin der 
Emlieferung von letzt an auf den löten April 
des kommenden Janres hinausgerückt word^x ist. 

Die theoloffische Facultät stellt als wis- 
senschaftliche Aufgabe : 

fixplicetar qnotnodo doctrina Pnali apostoli 
eonveniateomiis, qone de Jesu Christi viUi 
atqfue effatis apnd Maftbaemn, Haream, 
Loeam tradita suiit« 



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193 

Als Predigttext wird gegeben : 

Philipper 2, 12 f.c Schaffet dass ihr selig 
werdet mit Furcht und Zittern. Denn 
Gott ist es, der in euch wirket beide das 
Wollen und das Yollbringfcn nach seinem 
Wohlgefatlen. 

Die juristische Facultät stellt die Aufgabe: 

Examinentur fines intra quos secundum 
principia ioris ecclesiastici eTangelicornm 
lustae divortii caussae continentar* 
Die medicinische Facultät stellt die fol- 
gende Aufgabe, deren Bearbeitung in deutscher 
Sprache erwartet wird: 

Mach der Angabe Ton Fr« Kilian u. A* 
sollen die Nerven des Uterus sowohl iä 
der Nähe wie in der SnbstanE des Organs 

Sanglienlos ^ein. Neuerdings wollen je- 
och Frankenhäoser (Jenaische Zeitschrift 
f. Med, u. Naturw. Leipzig 1864^ und 
Kehrer (Beitr. zur yei^l. und experiment. 
Geburtskoode. Giessen 1864) bei Kanin- 
eben und andern Säqgethieren das Gcgen- 
theil gefunden haben. Demnach würden 
die älteren, eines mikroskoniseben Nach-* 
weises entbehrenden Befunde von Tiede- 
mann, B^b. hee upd Siiow Beek sich be<- 
, stätigen und auch fiir den Uterus die glei- 
chen Verbältnisse nachzuweisen sein, die 
wir am Herzen und Darm bereits kennen. 
Inzwbcben bedarf die Sache einer neuen 
Prüfune und empfiehlt ßicb so.9iildie Anf- 
. gäbe, durch eine genügende Reihe 
von Untersuchungen festzustellen, 
ob und in welcher Yerbreitung die 
Nerven des Uterus Ganglien ent- 
halten? 



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194 

Die philosophische Facultät stellt 
1. eine ordentliche, zu deutscher Bearbeitung 
bestimmte: 

Eine elektromagnetische Inductionsmaschine 
firie z. B. die von Ruhmkorff besteht i) 
«US einem eisernen Kerne, S) einem Lei- 
tungsdrahte für den primären Strom, durch 
firelchen der eiserne nern magnetisirt wird 
und 3) einem Leitungsdrahte, in welchem 
beim Lösen und Schliessen des primären 
Stroms ein secundärer Strom inducirt wird. 
Es sollen die Gesetze zur Bestimmung 
der Grösse und Gestalt dieser Theile ent- 
wickelt werden, welchen die grössten Wir- 
kungen entsprechen. 
2. eine ausserordentliche: 

Aristoteles de spatii notione quid aut recte 
docuerit aut erraverit, explicetur*. 

Verzeichniss der bei der Kön. Gesellschaft 

der Wissenschaften eingegangenen 

Druckschriften. 

1. Geschenke des Britischen Museums in London: 

Description Of the collection of ancient terracottas in the 

British Moseum. London 1810. 4. 
^- — of ancient marbles in the Br. M. I — IX. 1812 — 

42. 4. 

— of the Anglo GaUic coios in the Br. M. 1826. 4. 
Annaal list of donations & bequests to the trastees of the 

Br. M. 1830. 31. 4. 
List of additions made to the coUections in the Br. M. 
1834. 35. 1837. 39. 8. 

— — to the manuBcripts in the Br. M. 1836 — 45- 
1843-50. 8. 

— of books of reference in the reading room of the Br. 
M. 1859. 8. 



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195 

Catalogue of inanuscripts in the Br. M. New Series I, 
1—3 1834—40. Fol. 

— — formerly in the possession of Fr. Hargrave, now 
in the Br. M. 1818. 4. 

— of the manuscript mnsic in the Br. M. 1842. 8. 

— of maps, prints etc. forming the geogr.^ & topogr. 
coUection I. U. 1829. 8. 

— of the manuscript maps, charts & plans & of the 
topogr. drawings in the Br. M. I. II. 1844. 8. 

British Museum. Guide to the exhibition rooms of the 
depart. of nat. hist. & antiquities. 1863. 8. 

— Guide to the printed books exhib. to the public. 
1863. 8. 

— Guide to the autogr. letters etc. 1863. 8. 

— Guide to the drawings & points etc. 1863. 8. 

— New reading room & libraries. 1862. 8. 
Nopaenclator of colopterous insects. VI. 1852. 8. 
Guide to the System, distribution of moUusca in the Br. 

M. I, by J. E. Gray. 1857. 8. 
List of the Shells of Guba in the Br« M. , described by 
A. d'Orbigny. 1854. 8. 

— — of South America in the Br. M., described by 
A. d'Orbigny. 1854. 8. 

— of British diatomaceae in the Br. M., by W. Smith. 
1859. 8. 

— of the Shells of the Canarics in the Br. M. 1854. 8. 

— of mollusca, in the Br. M., by J. E. Gray. I. 1855. 
8. 

— of mollusca & shells in the Br. M.. 1855. 8. 

— of the specimens of British anim. in the Rr. M. 5. 
6. 9. 11. 13-17. 1851-56. 8. 

— — of mammalia in the Br. M. 1843. 8. 

— — of birds in the Br. M. 8. 4. 1855—59. 8. 

— — of fish in the Br. M. I. 1851. 8. 

— — of lepidopterous insects , in the Br. M. 1 — 27. 
1854-68. 8. 

— — of lepidopterous insects, in the Br. M., by G. 
R. Gray. I. 1856. 8. 

— — of dipterous insects. 5—7, suppl. 1 — 3. 1854— 
, 55. 8. 

— — of coleopterous insects. I. 1851. 8. 

— -* of homopterous insects n — IV. 1851—58. 8. 

— — of hemipterous insects II. 1852. 8. 
Spedmen of a catalogue of lycaenidae in the Br. M. 

1862. 4. 



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196 

Gatalogae of Üie specimens of mammalia in the Br. M. 

m. 1862. 8. 
Gatalogae of the specimens Ü drawings of mammals, birds 

etc. of Nepal & Tibet. 2d edit. 1868. 8. 

— -of the ntammalia & birds of Kew Guinea in the Br. 
M., by J. E. Gray & G. R. Gray. 1859. 8. 

— of the bones of mammalia in the Br. M. 1862. 8. 

— of the birds of the tropical islands of the Pacific 
Ocean in the Br. M., by G.R. Gray. 1859. 8. 

^ of apodal fish in the Br. M., by Eaup. 1856. 8. 

— of fish described by L. Th. Gronow, in the Br. M. 
. 1854. 8. 

— of cophobranchiate fish in the Br. M., by Eanp. 
1856. 8. 

— of the acanthopterygian fishes in the Br. M., by 
Günther. 1--4. 1859—62. 8. 

— of shield reptiles in the Br. M., I, by J« E. Gray. 
1865. 8. 

— of the tortoises, crocodiles etc. in the Br. M. 1844. 8. 

— of the specimens of lizards in the Br. M. 1845. 8. 

— of the batrachia salientia in theBr. M., by Günther. 
1858. 8. 

— of hispidae, in the Br. M., by Baly. I. 1868. 8. 
•*- of lepidopteroos insects in the Br. M. 1852. 4. 

— of orthopterous insects in the Br. M. 1859. 4. 

•^ of coleopterous insects in the Br. M. 7 — 9. 1853 — 
56. 8. 

— — of Madeira, by Wo Hast on. 1857. 8. 

— of the hymenopteroos insects in the Br. M. 1-^7. 
^ 1853-59. 8. 

— of the specimens of neoropterous insects in the Br. 
M. 1-4. 1852-53. 8. 

— — — by Hagen. L 1858. 8. 

— of the myriapoda in the Br. M., by Newport. 1. 
. 1866. 8. 

— of the collection of Mazatlan shells in the Br. M., 
by Carpenter. 1857. 8. 

— of tiie condrifera or bivalve shells in the Br. M. 1. 2. 
1853* 54. 8. 

— of halticidae in the Br.- M., by Clark. 1. 186a 8. 

— of crustacea in the Br. M., by Bell. 1. 1855. 8. 

— of the specimens of amphipodons crustacea, in the 
Br. M., by Bäte. 1862. 8. 

— of colubrine snakes in the Br. M., by Gftnther* 
1858. 8. 



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197 

Catalogae of the mollusca in the Br. M. 4. 1853. 8. 

— of the species of entozoa in the Br. M. 1853. 8. 

— of phaneropneomona in the Br. M. 18Ö2. 8. 

— of auriculidae etc. in the Br. M., by Pfeiffer. 1857. 
8. 

— . of pulmonata in the Br. M. 1. 1855. 8. 

— of British hymenoptera in the Br. M., by Smith. 
1. 1865. 8. 

— of British fossorial hymenoptera etc. in the Br. M., 
by Smith. 1858. .8. 

— of British ichneumonidal in the Br. M*, by Des^ 
vigens. 1856. 8. 

— of the recent echinida or sea eggs in the Br. M. l. 
1855. 8. 

-« of the coUection of meteorits in the Br. M. 1863. 4. 

2. Sonstige Zusendungen. März. April 1864. 

Monatsbericht der k. Preossischen Akademie der Wissen- 
schaften. Aug. — Dez. 1863. 8. 

Sitzungsberichte der k. bayr. Akademie der Wissenschat- 
ten. 1863. II, 4. München 1863. 8. 

13. Jahresbericht der naturhistor. Gesellschaft zu Hanno- 
ver. 1862—63, Hannover 1864. 4. 

Verhandlmigen der k. Leopoldino - Carolinischen deutsch. 
Akademie der Naturforscher. 22. Bd. Dresden 1864. 4. 

— der k. k. zoologisch - botanischen Gesellschaft in 
Wien. Jahrg. 1863. XIH. Wien 1863. 8. 

Fr. Brauer, Monographie der Oestriden. Wien 1863. 8. 

Naturkundig Tijdschrift voor Nederl. Indie. XXIV (6e 
Serie IV), 5. 6. XXV (5e serie V) 1—6. XXVI (6e Se- 
rie, I), 1. 2. Batavia 1862—63. 8. 

Annales des mines. 6e serie, IV. 1863, 6. Paris 1863. 8. 

Memoires de la Societe de physique et d'hist. naturelle 
de Geneve. XVII, 1. Genf 1863. 4. 

— de la Societe roy. des Sciences de Liege. XVlll. 
Liege 1863. 8. 

Zeitschrift der Deutschen morgenländischen Gesellschaft. 

XVm, 1. 2. Leipzig 1864. 8. 
Bericht über die Thätigkeit der St.-Gallischen naturwiss. 

GeseUschaft 1862-63. St.-Gallen 1863. 8. 
Proceedings of the natural history Society of Dublin 1862 

—63. IV, 1. Dublin 1864. 8. 
Geologische Karte von Holland. N. 12. 15. 16. 18. 



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198 

Az Erdelyi Muzenm - Egylet Eykönyvoi. Mäsoüik kotet. 

Eolozsyartt 1863. 4. 
Erdely a Bomaiak Alatt. Eutfök nyoman irta Ya ss Joz- 

seff. Ebd. 1863. 8. 
R. Istituto Lombardo. Bendiconti. Classe di lettere ecc. 

I, 1. 2. Classe di scienze matem. e natur. I, 1. 2. 

Müano 1864. 8. 
Societa reale di Napoli. Bendiconto delle tomate e dei 

lavori dell' accad. di scienze morali e politiche. Anno 

n. Nov. Dez. 1863. NapoH 1863. 4. 
G. Schmidt, der Zug des Landgrafen Wilhelm von 

Thüringen gegen JiOmde & die Brambnrg im Jahre 

1458. Göttingen 1864. 4. 
M. Poggioli, alcmd scritti inediti, pubblicati per cora 

di Gins. Poggioli. Roma 1862. 8. 
A. W. Yolkmann , physiologische Untersuchmigen im 

Gebiete der Optik U. Leipzig 1864. 8. 
A. Ecker, die Anatomie des Frosches. 1. Abth. Braon- 

schweig 1864. 8. 
A. Mommsen, Heortologie. Antiquarische Untersuchmi- 
gen über die städtischen Feste der Athener. Leipzig 

1864. 8. 
K. Eahlbaum, die Gmppimng der psychischen Krank- 
heiten. Danzig 1863. 8. 
A. Schäfer, de ephoris Lacedaemonüs. Grei&wald 1868. 

4. 
L. Spengel, aristotelische Studien L München 1864. 

4. 



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Nachrichten 

von der Königl. Gesellschaft der Wissen- 
schaften und der G. A. Universität zu 
Göttingen. 



Juni 15. JV6l 10. 1864. 



Köttiglieke Gesellscluift der Wissenschafteii« 

Sitzung am 11. Juni. 

Sauppe, die Epitaphia in der späteren Zeit Athens. 
Wo hl er, über das Färbende imf Smaragd. 
Fittig, über die Synthese von Kohlenwasserstoffen, und 
über die Umwandlung des Aceton's in Allylen. 



Die Epitaphia in der späteren Zeit 
Athens. 

Von Hermann Sauppe. 

Selbst der ungeordnete und unvollständige Be- 
rieht, welchen Pausanias (1. 29, 4 ff.) über den 
grossen Friedhof der in den Kriegen Athens Ge- 
fallenen im äussern Kerameikos giebt , lässt uns 
den Eindruck ahnen, den diese beredten Zeugen 
der Vaterlandsliebe und Thatkraft ai\f die Leben- 
den machen mussten. Von den Gedenksteinen, 
welche im J. 460 v. Chr. dort die 10 Phylen für 
ihre in dem Jahre gebliebenen Angehörigen er- 
richteten, ist nur einer erhalten (C. I. 165), aber 
die schlichten Worte : ""Eqtx&riidog otds iv tm no- 
JLSfitp dnid^ccvov iv Kvttqm^ iv AiyvTtrcOy iv 0ot- 
vixri, iv "^AXiBvaiv, iv Atylvti, MsyaqoX rov aihov 

16 

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200 

ipiavtovj mit den Namen der 180 Gefallenen ge- 
nügen, um uns mit Bewunderung für die Lebens- 
fülle ujid den Heldensinn zu erfiillen, durch wel- 
chen die Bürger Athens ihre kleine Stadt zu un- 
vergleichlicher Grösse emportrugen. 

Mit dem Ende jedes Kriegsjahres wuchs die 
Gräberstätte. Bekanntlich erzählt uns Thukydi- 
des (2, 34): iv di t« adtM ^Skikiavt o\ ^A^rivaXok 
TM natQicd vdfAW xqmiAsvot dfnioaiq ratpdg inoi^- 
aavto T(av iv vmde vto noX^fAfo nqiatov dnod-avoV' 
t(üv tqonco toitods. rä (i€V data TiQOtid'SVTat twr 
dnoyBPOfAircov nqovqtta (yKfjp^v noiriaavTsq, xal 
iniifiqsi vm amov ixa(fTog ijv n ßovXfirat* inst- 
ddp di fj ixcpOQcc if, Xdqvaxaq itvnaqiaaivaq äyov- 
üip äfAa^at, (pvX^g ixdat^g [liay evsatt dszd 6om 
^g ixacftog ^v (pvXr^g. fiia de xXiPti ksv^ q)iq€Tcct 
i(fTqcofji,iyi^ tvdV dipaviZv ^ ot dv [Jb^ sigsB-tadiv ig 
dpafqsaiv. ^VP€ieq)^q€i d^ 6 ßovX6(A€Pog xai dtStmv 
xal ^ivoiV Ttal yvvatxsg ndqstdtv di nQo<fijxov<fat 
ini vov %d(pov dXo(pvq6(A€Vat. n&iadiv ovv ig tb 
dfjßotTioy Criiia, o iauv inl tov xaXXiatov nqoa- 
(tuiov tijg TtöXscog, xal dei iv avT<S x^d7nov(fi wi>g 
ix Tiav noX^(A(OPj nX^v y€ zoig iv Maqaä'doPi* ixei- 
vcov ÖS dianqsn^ r^v dqsx'^v xqivavTsg avtov xal 
Tov tdtpov inolijaav. insiddv ds xqvx/jcotfi, y^, 
dv^q ^q^[Aivog vnd ri^g noXecog, og dv yviafitf ts 
doxy [ifj d^vP€Tbg elvat xal d^^dast nqoijxfi, Xdy€$ 
in avxotg snaivov tov nqinovra* [istd os tovxo 
dnsqxovzai. cSds fiav d'dmovtfiv* xal dtd navtog 
TOV noXdfJLOVj onoTS ^Vfißatf] aÜTotg^ ixqcoVTO t(S 

VOfAO), 

Mit Absicht habe ich die ganze Stelle ausge- 
schrieben, denn die Sorgfalt und die Anschau- 
lichkeit, mit der alle§ geschildert wird, mit der 
selbst nachher noch hinzugefügt ist, dass Peri- 
kles, als der Augenblick gekommen war, von dem 
Grabe auf eine hohe, dazu errichtete Bühne ge- 



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201 

stiegen sei, um so weit als möglich in der Ver- 
sammlung verstanden zu werden, lassen ohne 
weitere Bemerkung erkennen, dass die Beschrei- 
bung erschöpfend sein sollte, dass kein irgendwie 
wichtiger Theil der Feier übergangen ist. Nur eines 
fügt Demosthenes (18 §. 288) noch hinzu. Von 
den hochherzigen Bürgern Athens war er, die 
Seele des Kampfes gegen Philippos, im Winter 
nach der Schlacht bei Chäronea zum Redner der 
Grabesfeier erwählt worden, xai ovx o i^lv 6^ 
fioq^ fahrt er fort, ovtcog, ol ds twy TSTeXevztjxö^ 
Tcop naxiqsq xal ddeXcpöl ol vno %ov d^fiov w^ 
algsd-ivTsg inl Tag Ta(pccg äXXcog ncog, dlXd diov 
noieXv avwig %d nsqCdsmvov cog naq oixeiOtdTia 
T(Sv TSTsXsvttixoTOtiV j (S(fn€Q tdXX €$(a^€ yiyvsaS-M, 
TovT inoifiaav nag* ifAoi, Indessen begreifen wir, 
dass dies dem Thukydides weniger wichtig er- 
scheinen musste. Bei der öffentlichen Grabes- 
feier, welche die altherkömmlichen Bestattungs- 
gebräuche im wesentUchen beibehielt, sie nur in 
feierlichem Ernste erhöhte, verstand sich die 
Veranstaltung des Leichenmals von selbst. 

Nirgends ist von glänzenden Spielen, Wettkäm- 
pfen aller Art, weder bei Thukydides, noch in 
Hypereides Grabrede, ein Wort, nirgends auch 
nur die leiseste Andeutung zu finden. Im Ge- 
gentheil. Dass durchaus nichts der Art zu der 
Grabesfeier gehörte, beweist unwiderleglich der 
Schluss der perikleischen Rede (Thuk. 2, 46): 
elgt^Tat xal ifiol Xöyoy xatd %dv vöfAOV oaa slxov 
nQd<f(pOQaj xai sqyiA oi S^aTttoiievot rd (isy ^dfj 
X€xd(f(j^pvat ^ td de avzcov vovg naXdag vö dnö 
wvde dfjfioffltf ^ noXtg fA^XQ^ ^ßV^ d^qiipfh cocpiXi- 
(AOP <ni(favov ToXadi ts xal tolg Xsmoiiivoig tvop toi- 
iavds dyoipcop nqotid^etaa • dO^Xa ydq olg xsttak 
dqstijg [isyiara, wTg de xal ävdqsg äq^awi noh-- 
TsvovCtv, PVP de dnoXo(fvqdii€PO^ op nqoaijxs^ Ixa- 

16* 

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202 

öto$ ämti. Gerade diese Worte, (feicpetvoq, dycS- 
Vf&Pj ad-Xa konnte Perikles hier nicht so in sym* 
holischer Weise gebrauchen, wenn unmittelbar 
nachher um wirkliche Kränze, als Preise wirkli«- 
eher Wettkämpfe gerungen werden sollte. Dar- 
auf musste er wenigstens in irgend einer Art hin- 
weisen. Sein Schweigen fallt um so mehr ins 
Gewicht, da er sonst solche Feste und Wettkäm- 
pfe nicht übergeht: vgl. 3, 104. 5, 11 u. a. St. 
Ich vermag also die Gründe nicht anzuerkennen, 
mit denen Steinhart (Uebers. d. Piaton 6 S. 403) 
dies Schweigen des Thukydides zu erklären oder 
zu entschuldigen sucht. Nicht alle Feste, wie er 
sagt, hatten auch gymnastische Wettkämpfe; und 
auch das kann ich nicht zugeben, dass Todten- 
feste ohne gymnastische Wettkämpfe kaum denk- 
bar seien. Gleich von den Fsviaia hat noch nie- 
mand behauptet, dass sie Wettkämpfe hatten. 
Ebensowenig das Todtenfest in Platää, wovon 
sogleich die Rede sein wird. 

Die Veranstaltung von Leichenspielen, wie sie 
im Homer und in den Sagen vorkommt, findet 
sich in der geschichtlichen Zeit Griechenlands 
bis Alexander nur als Theil des Heroenkultus. 
Der verstorbene um das Vaterland verdiente 
Bürger lebte in der Liebe und Verehrung seiner 
Mitbürger, in ihrer Sorge für seine Hinterlasse* 
nen fort, aber er wurde nicht zum Heroen und 
Gott erhöht. Man könnte Miltiades entgegen- 
halten, der nach Herodotos (6, 38) von den Cher- 
sonesiten durch reisige und gymnische Wettkäm- 
pfe (xai dycova InnixoP ts xal yvfAV$xdp inidtäa^) 
als Heros geehrt wurde, dann Brasidas, dem die 
Amphipoliten nach Thukydides (5, 11) Wettkäm- 
pfe veranstalteten und andere Heroenehren er- 
wiesen. Ferner was Herodotos 1, 112 von den 
Phokäern erzählt, die zu Agylla auf Apolloüs Ge- 



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203 

heiss gymnische und reisige Wettspiele nebst den 
Heroenopfern als Sühne erhielten. Auch was 
Gellius^ N. A. 10,. 18 von einem Agon sagt , zu 
welchem Artemisia aufforderte , wer die beste 
Lobrede auf Maussollos m^hen könne, lässt wohl 
auf noch andere Wettspiele schliessen, mit denen 
sie die Grabesfeier beging. Endlich setzten ^e 
Syral^ußier 337 v. Chr. bei Timoleons Tod fest, 
dass musische, reisige und gymnische Agonen ihm 
zu Ehren abgestellt werden sollten (Plut. Timol. 
39: ijifAfjifs ä' eig %dv ärmvTa %^voP dyiaat fAOV- 
(fixotg, InntxoXq^ yv(i>vi9totg) *). Aber alle diese Bei- 
spiele, finden ihre Erklärung durch die Gegen- 
den> in welche sie gehören : der griechische Geist 
stand dort uöter dem Einfluss fremder Sitte und 
Deiikungsart. Dazu kommt bei Timoleon die 
Zeit. Denn n^^ch Alexander nahmen allerdings 

*) Bei Diodor. 16, 90 geben die HSS. fuyaXonQtnoSg 
HS-aiptcv avToy xa,» xatä Tr,v ixtpogay ä&QOicS'iyTos fov nHj- 
&OVS Tode t6 %pifj<f>Kffjitt dyrjy6QSv<rty 6 d^/noe riay Svgaxov- 
ifuay TtfioHoytci n/uay injohoy rovtoy de d'dnTthy ano dha- 
xo<si(ay f4yoty t "n/Aaad'W di ils toy anayja XQ^^^^ dyoSüt 
fjLovahxois xal Inmxois xat yv/ayMois. Aach nach dem, 
was mein Freund Keil anal, epigr. p. 52 f. zur Verthei- 
digung sagt, kann ich weder das Adv. Irjoioy noch meh- 
reres Andere für richtig halten, sondern glaube, dass Dio- 
doros geschrieben habe: äytjyoQtvaty (neml. 6 xtjgv^: vgl. 
Plut. a. a. 0. und die Erklärer zu Xen. Anab. 1, 2, 17. 
Elmsl. zu Eur. Herakl. 830) * '0 d^/aog v3y Sugctxovcmy 
TkfAoUoyra T^ficuyi tov joyde S-an tsk fjity an 6 — , so 
dass den Namen des Vaters ausgenommen, den Diod 
auch 16, 65 T&jucciyfTog nennt, die Angabe über den Wort- 
laut des Psephisma ganz mit Pluterch übereinstimmt, 
Aus TIMAINKTOYTONJE entstand TIMAINETBCION- 
-TOYTONJE, nachdem über ein durch Versehen entstan- 
denes TtMAlNETHCIONJE als Verbesserung TOYTON 
gesetzt worden war, durch Verbindung beider Lesarten. 
Aus ^dniik /üiy entstand d-dnnty. Bei meiner Vermuthung 
habe ich die von Wesseling und L. Dindorf , die auch 
Seil anführt y benutzt. 



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204 

auch die Griechen die asiatische Sitte mehr und 
mehr an. So erzählt gleich Diodoros (20, 102), 
dass die Sikyonier zu Ehren des Demetrios Po- 
liorketes beschlossen: dyiavag tsvvxsXsXv adtto xai 
iviavtdv xal tag äXXqg änoviiistv ttfAcig (ag xvl^ 
ctfi*). Philopoemens Preis, so ordnete Megalo- 
polis an, sollten jährlich Chöre von Jünglingen 
verkünden : ohne Zweifel ein ftavo$icdg äydv (Diodor. 
exe. Vales. p. 111 Ddf.) Alexander selbst schon 
hatte dem Hephästion solche Leichenspiele hal- 
ten wollen (Arrian. 7. 14, 19: äywyä w insvoc^ 
noi^^aa^ yvpvtxdv ze xal fAOvaixdrjy und dieselben 
Wettkämpfer, welche er dafür zusammengebracht 
hatte, traten dann zum Theil bei den Spielen 
auf, die nach seinem Tode stattfanden (Droy- 
sen Hellenismus 1 S. 54). Auch die letzte bild- 
liche Aeusserung, die ihm bei Diodor. 17, 117 
zugeschrieben wird: xal nqoaeip^iY^avo^ Su (li- 
yav äywva airm inizdipiop avfn^dovxa^ ndvteg 
oi nqiüTsvovTsg vav (piXcav, findet darin ihre Deu- 
tung. Erst spät natürlich waren zu Sparta die 
IdBwviöeia eingesetzt, die Pausanias meint 3, 14, 
1 : %ov d^sdvqov di dnavnxgi Ilavaavlov %ov flXa- 
Tcncia^v riyijaaiJbivov fAPfjftvc icri, tö de hcQOV Asm- 
vidov xai Xoyovg xard hog ixaawv irt avtoXg 
Xiyovai xdi u&4a(Uv äycova, iv (S nXi^v ^nagna- 
TiüV äXXoi ye ovx SOUP dywvil^cd'M und die in 
der Inschrift C. I. 1421 genannt sind: iccsfpavoa- 
IJbivog xal Ovqdvta ß' xal Asdavidsia ndXnjPj nay- 
xqdtiov. Dass sie zugleich dem Pausanias und 

*) Dies Beispiel und mehrere aus der früheren Zeit 
verdanke ich der Abhandlung von K. Keü: de mortuia 
publice pro heroibus vel diis apud Graecos cultis, in den 
Analecta epigraphica et onomatologica p. 39 ff. Vgl. F. 
A. Ukert, lieber Dämonen, Heroen und Genien, in den 
Abhandl. der Sachs. Ges. d. Wiss. Philol. Eist. Klftss« X 
S. 190 ff. Welcker gr. Götterlehre 3 S. 274 ff, 



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205 

andern Heroen galten, zeigt C. I. 1417. Wenn 
es endlich in den platonischen Gesetzen 12. 947. 
E heisst, dass die Magneten in ihrem idealen 
Staate denjenigen Prüfern (svdvvoi), welche sich 
bis zum Tode als untadelig bewährt haben, nach 
ihrem Tode xaz* ivtawöv äy<apa (ji,ov(rifXijg xal 
yvfAV&xop Inmxöv %s d-i^aovai^^ so erklärt sich eine 
solche Bestimmung durch die Absicht, diese Män- 
ner als wahre Heroen hinzustellen, wie sie schon 
in den Anordnungen über die Bestattung dersel- 
ben hervortritt. Dann kommt wol auch die 
späte Zeit in Betracht , in der die Gesetze je- 
desfalls geschrieben sind, auch wenn sie von 
Piaton herrühren. Denn Berücksichtigung scheint 
mir doch die ganze Stelle auch bei der Unter- 
suchung über den Verfasser der Gesetze zu ver- 
dienen. 

Jedoch für Agonen bei der Grabesfeier in frü- 
herer Zeit könnte man sich etwa noch auf- die 
Analogie der jährlichen Feier zu Ehren der^ bei 
Platää Gefallenen berufen wollen, da man das 
Todtenfest, welches die Platäer nach Plutarch 
(Aristid. K. 21) am 16.,Mämakterion jährlich be- 
gingen, und die "^EXsv&iqia , die nach demselben 
Plutarch (Aristid. K. 19) und Pausanias (9. 2, 
6) alle vier Jahre am 4. Boedromion von den 
gesammten dort versammelten Griechen begangen 
wurden , zusammenwirft. Selbst Keil (Syllog. in- 
scr. boeot. p. 127 f.), Boeckh (zur Gesch. der 
Mondcyclen S. 67), Hermann (gottesd. Alterth. 
§. 63, 9) und Schoemann (gr. Alterth. 2 S. 96. 
487) thun dies. Aber E. Curtius (Gr. Gesch. 
2 S. 689) hat mit Eecht beide Feiern als ganz 
verschiedene bezeichnet; und nur, die Eleutheria 
hatten Wettspiele. 

Früher also waren mit der winterlichen Gra- 
besfeier der Kriegsjahre keine Agonen verbunden, 

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206 

Aber aus den Ephebeninschriften, die Tor weni- 
gen Jahren in Athen aufgefunden worden sind, 
erfahren wir, dass es in der Zeit, in welcher 
diese entstanden, ein Fest Epitaphia zu Athen 
gab, das mit Spielen aller Art verbunden war. 
Ich gebe zunächst alle Stellen dieser Inschriften, 
die hier in Betracht kommen: 

1. Inschrift zu Ehren der Epheben im Jahre 
des Archon Aristarchos (O^XUnrnQ 1 S. 57 f. = 
l^QXa$oX. ^E(pfiik. 4097 = Grasberger in d. Ver- 
handlungen der philol. Gesellschaft in Würzburg 
S. 4 ff.) Z. 9 f.: adqaikov ds xal %^v Aaihndda 
i\oXg\ ^Emvatpiotg ngog Tovg svovg iq>ijßovg, ovg 
xal [ivix]aiv. Zu den svo^ i(pfißo&, wofür Pittakis 
^ipovg iq>ijßovg lesen wollte, vgl. die Theseenin- 
schrift OiXiazwQ 2 S. 13aZ. 63. Dafür steht Of- 
Xi&i. 3 S. 154 Z. 64 ol i^ €q>riß(av, die dort umge*- 
kehrt tovg iqnjßovg besiegten. 

2. Inschrift für die Epheben des Archon Deme- 
trios (Od. a. a. 0. = !^ex- '^V 4098 = Grasb. 
S. 36 ff.) Z. 22 f.: inonfiavjo ds xal votg "^mta- 
(fiotg [ÖQÖfAOJv iv onkfng %6v %s and tot noXvav- 
ÖQsiov xal tovg dXXovg tovg xa^lxortag"] xal 
dnsdsil^avto ir toXg onXo$g tolg ts Of^Osiotg xal 
^Emtaffio^g. — Z. 77 (über den Kosmeten Diony- 
sios): \snot^Ca%o ds xal tag änod8\il^Shg aittav 
t^ ßovA^ SP t£ tolg Ofjifsiokg xal ^Ejuta^piokg xal 
tovg xah^ffxovtag dgöfAOvg övp\stiX£C€^v. 

3. Inschr. für die Epheben des Archon Eche- 
krates {OiXiatonQ a. a. 0. = ^^qx* "Ey. 4104 =« 
Grasberger S. 54 ff.) Z. 19 f.: noiiiadfASPOi Si 
xal fksXittjp ip totg onXotg'ditsdsiSaPto totg t^ 
Oticsiotg xal totg ^E7Uta(pio$g. 

4. Inschr. f. die Epheben des Archon Hippar- 
chos (Od. 1 p. 90 = *-^x- '^V' 4107) Z. 16 f.): 
no$ilffdfA€Po$ dl] x[al fisXitfjp ip totg onXotg ans- 
öiji^apto totg O^asiotg x[al totg] ^E7u\ta(piotg» 



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207 

5. Inschr. f. die Epheben d. Archon Hera- 
kleitos (E. Curtius Nachr. d. Gott. Ges. d. Wiss. 
1860 S. 328 S. = 'Jqx. 'E(p. 4041) Z. 12 f.: 
not[fi(yd(jh€Voi> 6i xa]^ fieXiv^v [iv totg onkotg ans'- 
dsi^aPTO iv toTg Ofjcfsijo&g 9cal votg ^Ennatpiovg. 
Dass so zu ergänzen sei, lassen jetzt 3 und 4 
nicht bezweifeln: anders musste Curtius urtheilen 
S. 337, der nach 6 Z. 20 naqsyivovto di xcä 
xoZg r€P€(Jl]otg xal totg "^Emva^iotg vermuthen zu 
müssen glaubte. 

6. Inschrift ohne den Namen des Archon C^QX* 
*Eg). 4042 vgl. E. Curtius a.a. 0. S. 341) Z. 11: 
aal tag AafAnddag sdgafMV votg ts Otjadoig [xal 
totg ^En$taiptotg und Z. 20: noi\^adiA€VO$ di xal 
IxeXswiv iv totg onXoi,g änedei^avto iv totg ©17- 
a]€ioig xal totg ''Ennaq>io$g. Curtius ergänzte />- 
ve\(sioig, aber die Vergleichung der vorhergehen- 
den Inschriften zeigt, dass 2 10 12 in den Ko- 
pieen nur Irrthum für EI0I2 sein könne. 

7. Wie A. Mommsen (Heortologie S. 282) be- 
merkt, ist in dem Bruchstück eines ähnlichen 
Volksbeschlusses, welches liangabe ant. hell. 788 
mitgetheilt hat, Z. 3, wo die Worte bv te totg 
@tl<r€[ioig erhalten sind, ebenfalls nach dem Bei- 
spiel der Inschriften 3 — 6 zu ergänzen. 

8. Inschrift im OiXidtfaq 2 S. 187: ^Aviioxog 
Oa^dqiov OXvsig *Enttcc(p$a Aaikndda V€^xij(tag 
iv t(S inl ^ui7toXij^&dog tov OiXoxQatovg i^ Oiov 
äqxovtog iviavt^ '^EQ(ji,fj» 

9. Inschrift in der ^Aqx. "Etp. 2031. 2032 = 
Lebas Voyage archeol. Inscriptions Vol. I. N. 610» 
A.B: 'EQdtoav ""Egdtcavog At^caveig t^v Aaikndda 
twv naqsvtdxtoav Oijasta p[i>]xijirag dvit^^xsv yvfA' 
vaaiaqxovvtog td dsvtsqov Aswvidov Mshtioag und 
daneben, nur durch zwei Linien getrennt: *JS^a- 
twv 'Eqdtwvog At^wv€i>g t^v Act(A7idda t(Sv dv- 



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208 

Tog TÖ ÖBVTsqov AaoaviSov Meht^atg. 

Wir erkennen aus diesen Inschriften, dass die 
*Em%diipta ein jährliches Fest waren, an welchem 
1. die Epheben im Wettstreit mit den Epheben 
des vorigen Jahres einen Fackellauf hielten (1.6). 
Wenn in den übrigen Psephismata der Fackellam 
der Epitaphien nicht besonders erwähnt ist, so 
fehlt doch nicht ein denselben mitumfassender 
allgemeiner Ausdruck, wie 2 Z. 11: *di TagAaik- 
ndSag Sögafiop rag xa&fjxov^ag, 3 Z. 13: Kai tag 
Aaiindöag idgafACP ändtfag^ 4 Z. 12: xal idg 
AafAnddag sdqafAOP [ii^^ xa&fjxovtfag. So geht 
auch der Angabe der Inschrift 1 Z. 9 über den 
Fackellauf der Epitaphien noch die allgemeinere 
Yoraus: CvvsxiXadav di xal tag AafAnddag tag 
xa&fjxovtfag iavwtg, in der der sonst gewöhnlich 
in Verbindung mit den Epitaphien erwähnte Fa- 
ckellauf der Theseen inbegriffen zu denken ist. 
Nach 2 Z. 22 muss man wohl annehmen, dass der 
Fackellauf von der Grabstätte im Kerameikos be- 
gann. Vgl. Grasberger s. 45 f. Dittenberger de 
ephebis atticis S. 67. — 2. Die Epheben führ- 
ten ausser dem Fackellauf auch noch einen Wett- 
lauf in Waffen aus (2). Wenn dieser in den 
übrigen Inschriften nicht besonders erwähnt ist, 
so liegt er doch mit in allgemeinen Wendungen, 
wie 1 Z. 10: ofiotcog di xal toi^g älXovg dgofiovg 
tovg imßdXlovrag iavxotg (idgafiov). 3 Z. 12: 
<tvve%ils(Sav di xai roig dqdfjiovg TOi)g iv totg yviir- 
paaiotg xal wtg XomoXg äy<aatv änavxag. — 3. 
Sie zeigten öffentlich die in der Handhabung der 
Waffen erlangte Fertigkeit. Femer zeigen wohl 
die Inschriften 8 und 9, dass der Fackellauf der 
Epitaphien nicht nur von den Epheben ausgeführt 
wurde, sondern dass auch noch andere dabei sich 



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209 

betheiHgten , da weder Eraton noch Antiochos 
Epheben gewesen zu sein scheinen. 

Mit diesen Zeugnissen der Inschriften dürfen 
wir jetzt auch einige Angaben bei' den Schrift- 
stellern verbinden, die bisher sich nicht recht 
unterbringen Hessen. So sagt Pollux 8, 91: o 
di nolifAagxog d^si fA€P ^AQti(A$d& äyqotiqq xai 
TW ^EvvaXlfA, diattd^fidt di rdv inndtpiov äytava 
t(Sp iv noXii^a änod-avovtoüv , wonach Bekkers 
anecd. p. 290, 27: HoX^fiagxog: äqxoav iüviv'A&fi' 
yjyC* Tmv ivvia ägxoP'^cov* xal tw 'EpvaXlao öia- 
tid'fiat tdv äydiva tdy inixdtpiov zu verbessern 
sind, vielleicht tmv ivvia* Itigrifiid^ (asp [x^ifsi] 
xai TW ^EvvccXlo), diailx^fidi^ di top dympa — • 
Man vgl. A. Mommsen Heortologie S. 281. Fer- 
ner heisst es bei Lesbonax (Oratt. 6r. ed. I. 
Bekker, vol. 5 S. 655, 21): dfifAotrlov tdqiov dl^y- 
ovptaify &vaiai in^- TOtfwtg yfypoPtM, dyoopeg ini 
tovwig ti&€PTa&, aPTi -d-Pt^ov acifAutog dd'dptxrop 
(AP^fia xaiaXslnovttiP. Philostratos V. Soph. 2, 
30 p. 273 K. erzählt über Philiskos den Thessa- 
1er: xexTfjfjbipogdi^Ad-ifPfjfft x^^fov odx dfjSsg ovx 
ip avT(S irdcpfj, äXX ip Ttj ^ Axadruiict, od Tl&fj(Tt 
TOP dycopa inl TOtg ix tvop jtoXSfAcop d'anroiiipoig 
noXifiagxog. Bei Menander neql inidsmxixwp 
9 p. 287 Walz = Spengels Rhetores 3 p. 418 
heisst es: J^^yerat na^ ^Ad^tjpahig inndifiog 6 
xaiJ^ ixatfrop iptavTÖp ini Totg neTtTooxöoiP ip TOtg 
noX^fAOig XsyöfjiSPog Xoyog' siXtjtps d^ t^p ngodfiyo- 
giap ovdafAO&cv äXXo&BP , ij dnö tov Xiysff&at 
M adTM TW (fijfkau , otoi elfSiP ol TqeXg '^AgKSTsi- 
dov Xöyof otovg ydg slnsp 6 noX^fiaQxog, insi,dfi 
xa\ TOVTO) TÖ T^g TiiAr^g TavTijg dnodidoxm nctg^ 
^ Ad'fiPalohg , TOiovtovg (WPiTa^sv i aoipKTTijg. ix- 
pspixf^xs öh d$ä TÖ XQOPOP noXip naqsXfjXvd'ipat 
iyxoifuop y€Pi(S&ah • Tig ydg dp hi, x)^QfjPij(fst€ nag 
A&ijpalotg Toi>g ngd nsvTaxoaiwp iTwp nsmoaxö- 



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210 

rag. Daraus erklärt sich, wie Himerios die zweite 
fksXinij eine Grabrede, wie sie zu Athen hätte 
gehalten werden können, deren Anfang gleich 
offenbaren Bezug auf PeriMes Grabrede hat, 
UolefjuiQx*^^^ nannte. Darauf bezieht sich auch 
Heliodoros Aethiopica 1, 17: iv ^AxadfjiAl(f* ndv- 
vag yivaicxe^g, svd'a %o%g i^QCOiftP ol noiJfiaQxo& 
td jfdtQtop ivaytCovtuv. Endlich dürfen ' wir 
nun audi die Stelle inCiceros Orator §.151 auf 
diese später zu Athen jährlich wiederkehi'ende 
Grrabesieier beziehen. Piaton, heisst es, habe 
den Hiatus nicht einmal yermieden in pofulari 
oratione^ qua mos est Athenis laudari in contione 
eoSy qui sint in proeliis interfecH; quae sie pro- 
baia est, ut eam quotanniSy ist scis, suo die recin 
iari necesse sit. Zwar hat lau Bake (de emen- 
dando Cic. oratore p. 67 f.) neuerdings die Worte 
quae sie probat a est, ut — necesse sit streichen 
wollen und Otto Jahn, wie L. Kayser hat sie 
nach seinem Vorgang eingeklammert. Aber der 
bestimmte Festtag, auf den illo die weist, und 
die jährHche Todtenfeier für die in den Kriegen 
Gefallenen, die Bake unbekannt waren, sind jetzt 
nachgewiesen. Dass der Menexenos vorgelesen, 
nicht eine neue Rede gehalten worden sei, wird 
freilich sonst nirgends bezeugt, aber in der Sache 
selbst ist nichts Unwahrscheinliches. Warum 
sollte nicht eine Eeihe von Jahren hindurch, damals 
als Cicero lebte und von attischen Dingen wusste, 
die viel bewunderte und gepriesene ßäe des Pia- 
ton vorgelesen worden sein? 

Das bisher Angeführte lässt es als gewiss 
erscheinen, dass an die Stelle der früher nur in 
Kriegsjahren veranstalteten ergreifenden Feier, 
welche in den Herzen der Bürger die trauernde 
Liebe zu den Verlorenen durch den ernsten Dank 
des gesammten Staates zu freudiger Vaterlands- 



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211 

liebe erhob , ein jährliches Pest trat, das durch 
glänzende Veranstaltungen einen Ersatz für die 
einfache Grösse der früheren Zeiten zu bieten 
bemüht war. NamentKch erhellt, denk' ich, aus 
der vielfach bezeugten Fortdauer der Grabrede, 
dem eigentlichen Mittelpunkt der früheren Gra- 
besfeier, dass die ^Emtdifta der spätem Zeit die 
Fortsetzung und Fortbildung der frühem, nur in 
Kriegsjahren eintretenden Feier waren. ^==^ 

Aber in welcher Zeit des Jahres wurden diese 
^Emxdcpi^a veranstaltet und wann trat die Um- 
wandlung in das jährliche, geräuschvolle Fest ein? 

In Bezug auf aie erste Frage sind, so viel mir 
bekannt, zwei Vermuthungen aufgestellt worden, 
von Ernst Curtius und von August Mommsen. 
Curtius (Nachr. d. Ges. d. Wiss. zu Gott. 1860 
S. 336 f. und 341) hält die Epitaphia für ein 
und dasselbe Fest mit den Genesia oder Neky- 
sia, dem öffentlichen Feste zum Gedächtniss der 
Todten am 5. Boedromion (Herm. Gottesd. Alt. 
§. 48, IL 56, 2. Schoem. Gr. Alt. 2 S. 455 f. 
Curtius Göttinger Festreden S. 141. A. Momm- 
sen Heortologie S. 209 ff.) und Grasberger S. 17 
folgt dieser Vermuthung, auch Dittenberger S. 67 
findet sie nicht unwahrscheinlich. Während aber 
die Genesia ein dem Andenken aller Verstorbenen 
gemeinsam gefeiertes Fest sind, erhellt aus den 
oben angeführten Stellen zur Genüge, dass die 
Epitaphia nur dem Gedächtniss und der Ehre 
der in den Kriegen Gefallenen galten, im Kera- 
meikos begangen wurden und die Grabrede da- 
selbst als wesentlichen Bestandtheil enthielten. 
Auch war wol Curtius nur durch die Z. 20 der 
Inschrift 6 falsch überlieferten Züge 2I01JS zu 
dieser Vermuthung bestimmt worden, während 
jetzt kein Zweifel dagegen aufkommen kann, dass 
vielmehr Giitfeloig zu lesen sei. Aber selbst wenn 



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212 

dort revetftotg gestanden hätte, würde die Wie- 
derholung des Artikels wVg Feysaioig xal %oXc ^E- 
7M;a(pioig eine Verschiedenheit der beiden Feste 
anzunehmen genöthigt haben. Sollte nicht auch 
das dagegen sprechen, dass der 5. Boedromion 
ein früher Tag im Jahre ist, an welchem krie- 
gerische Unternehmungen in der Regel nicht zu 
Ende sein konnten, und dass doch schwerlich die 
Athener selbst in einer Zeit, wo wenig oder keine 
Kriege mehr geführt wurden, die Feier für die 
im Kampfe Gefallenen auf einen Tag gelegt ha- 
ben werden, an dem für den Fall eines Krieges 
die Beisetzung aller in dem Jahre Gebliebenen 
nicht erfolgen konnte? 

Die zweite Vermuthung hat, wie ich angab, 
A. Mommsen in seiner Heortologie S. 278 ff. 
aufgestellt, dass die Epitaphia einen Theil der 
Theseia ausgemacht haben und zwar am 7. Pya- 
nepsion begangen worden seien. Dazu bestimmt 
ihn die auf Todtenkult hinweisende Bedeutung 
des Theseusfestes , indem dasselbe nicht nur die 
laute Klage um den Tod des Aegeus enthielt, 
sondern wesentlich ein Fest zum Gedächtniss des 
Theseus und der Heimfuhrung seiner Gebeine 
gewesen sei, welche Kimon auf des delphischen 
Apollon Geheiss in Skyros gesucht und nach Athen 
gebracht hatte. Ich will nicht tiefer in diese 
Frage eingehn, da es mich von dem Gegenstand 
der vorliegenden Untersuchung unnöthiger Weise 
ablenken würde. Nur das möchte ich bemerken, 
dass die Verbindung der Theseen mit den Oscho- 
phorien sie als ein uraltes Fest erweist', wenn 
auch die Feier in der Stadt später an Glanz und 
Ausdehnung zugenommen haben mag, namentlich 
die Fackelläufe und andere Wettkämpfe erst spät 
hinzugefügt worden sind. Sodann kann die Heim- 
führung der Gebeine des Theseus nicht in beson- 



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213 

derem Bezug zu den Theseia des Boedromion 
stehn. Denn Kimon hatte sie in den Tagen der 
grossen Dionysien, im Elaphebolion, nach Athen 
gebracht, wie die bekannte Erzählung (Plut. Ki- 
mon K. 8. Vgl. meine Abhandlung über die 
Wahl der Richter in den musischen Wettkämpfen 
an den Dionysien, in den Berichten d. Leipz. 
Ges. d. Wiss. 1855 S. 9 f.) zeigt, dass dem eben 
Heimgekehrten der Archon Apsephion das Urtheil 
über die im tragischen Wettkampf aufgetretenen 
Dichter übertragen habe. Worauf sich die An- 
nahme Mommsens S. 278*) gründe, dass Kimon 
im Anfang des Pyanepsion in Athen angekommen 
sei, weiss ich nicht. Dass übrigens auch sonst 
of^ genug Feste verwandten Charakters neben 
einander und nach einander im attischen Kultus 
vorkamen, bedarf keiner Auseinandersetzung. 
Aber ferner beruft sich Mommsen auf die häufige 
Verbindung der Theseen und Epitaphien in den 
Ephebeninschriften. Er findet S. 278 und 282 
darin den sichern Beweiss, dass die Epitaphia 
einen Theil der Theseen ausmachten. Er meint, ^ 
dass wir in der Formel ToZg vs Gfiffsiotg xal zotg 
*EmTaq)lo$g ^ein Schema xa&^ oXop xal fiiQog^ zu 
erblicken haben und dass die in der grossen In- 
schrift über die Festspiele an den Theseen ((P»- 
Uat. 2 S. 132 ff.) Z. 60 ff. aufgeführten vier Fackel- 
läufe sammt den von Z. 40 an genannten Wett- 
kämpfen der Trompeter, Herolde, der siavdqia 
und eioniia eben die Agonen der Epitaphien seien. 
Es würde nun aber schon für sehr unwahrscheinlich 
gelten müssen, dass, wenn doch die Epitaphia im- 
mer ausdrücklich als besonderer Theil der The- 
seen auch nach Mommsen bezeichnet werden, in 
diesem amtlichen Denkmal der Wettkämpfe an 
den Theseen weder Z. 5: xa» t^v ^vaiav avva- 



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214 

do^ xät %ov yVfAnxov äytavog inoiriaarö tr^v int- 
liiXstuv, noch Z. 39 in der Rubrik ""ETti Oaid^iov 
aQXOVtog olds ivixoov top dycova tcüV Giitteicov, 
noch dann bei der Aufzählung der einzelnen 
Wettkämpfe irgend eine Erwähnung der Epita- 
phia erfolgte. Ebenso wenig geschieht dies in 
der ähnlichen Inschrift OMar. 3 S. 150 ff. Z. 6. 
43 ff. (Rangabe ant. hell. 964 gehört ebenfalls 
den Theseen an — Mommsen S. 285 — , aber es 
ist aus dem Bruchstück für unsere Frage nichts 
zu entnehmen.) Ferner aber muss ich doch auch 
hier geltend machen, dass der doppelte Artikel 
TOtg Orjaslotg nai wTg ^Emia(pioig, und ebenso die 
Partikel t«, die 2 Z. 23 Totg ve Oijfrsioig xai 
^En$ta(flo$g und Z. 77 sp %b teZg Qffldfng xal 
^ Entta(fiohg j 3 Z. 20 totg ze O^aeiotg xcci totg 
""Ennatfioig^ 7 Z. 3. svxs wtg&ijffeiotg • . . steht, 
eine Verschiedenheit der beiden Feste mit gram- 
matischer Nothwendigkeit fordern. Dann müssen 
wir den Plural Aafifcdöag 6 Z. 1 1 xal mg ^«fi- 
nddag eöqctiiov %oXg ts Otjoeioig xal t^g ^Eruta-- 
(pioig mit dem Singular 1 Z. 9 Sä^ccfkop dl xal 
T^p ActiindÖM Tütg *j&7riTaylo*^ vergleichen, um zu 
erkennen, dass in jener Inschrift zwei verschiedene 
Fackelläufe gemeint sind. Ferner zeigen doch 
wol die beiden unter 9 angeführten Inschriften 
unwiderleglich, dass der Fackellauf der Theseen 
verschieden war von dem der Epitaphia. Wenn 
aber Mommsen S. 279 auch die Angabe des Ano- 
nymus Viennensis §. 2 (Ross archaeol. Aufs. 1 
S.251) ävnxQvg ds tovzoov iarl ß(io(AÖg, elg Sy «a- 
(p^g di^iovpTai oi nayxQanafXrai xal ^OkvfATttOt • ip 
m ^'OncSpteg oi QfJTOQsg lovg infnaipiovc Xöyovg dps-- 
yipwtfxop für seine Vermuthung anführt, indem 
er mit Ross (S. 259. Theseion S. 1) in dem ßia- 
fjtdg den jetzt Theseion genannten Tempel erken- 
nen zu dürfen glaubt, so wird diese wunderliclie 



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215 

Notiz durch die oben angeführten Stellen des 
Phflostratos und Heliodoros zur Genüge wider- 
legt, nach denen der Polemarch die Gräbrede im 
Kerameikos hielt. Auch was die Zeit des Jahres 
betrifft, kann ich Mommsen (S. 216) nicht bei- 
stimmen, dass am 7. Pyanepsion die Feldzüge im 
Allgemeinen zu Ende gewesen seien und deshalb 
der Tag für die Grabesfeier der Gefallenen ge- 
passt habe. Nicht selten mag es der Fall gewe- 
sen sein, aber, wie Mommsen selbst die Grab- 
rede des Hypereides anführt, die spät im Winter 
gehalten sein muss (vgl. meine Auseinanderse- 
tzung im Philolog. Suppl. 1 S. 10) , so lassen 
sich eine Menge Ton Jahren anführen, in denen 
später gekämpft wurde (vgl. Glassen Thukydides 
1 S. LXVI f.). Ich will nur an den Kampf ge- 
gen die Gallier im J. 279 v. Chr. erinnern, da 
derselbe in die spätere Zeit gehört, von der hier 
zunächst die Rede ist. 

Mir scheint es vielmehr ge^viss zu sein, dass, 
wie die frühere Grabesfeier der Kriegsjahre, so 
auch die spätem jährlichen 'ßm^ay*«, die als 
Fortsetzung und Umbildung jener zu betrach- 
ten sind, in den Mämakterion fielen, den ersten 
Wintermonat. Dafür zeugt vor allem Thukydides, 
der 2, 34 iv di tm avTfp x^'^t^^'^^ ^* ^Ab'fivaXo^ 
TM naxqioo v6fi(p XQ^l^^^o& drjfioaitf Ta(päg inoi^- 
oavto und K. 47 : totoads (liv ö rdcpog iyivsto 
iv TCO x^^l^^^'' vovTüu Denn wir sind ohne Zwei- 
fel berechtigt auch die Zeitbestimmung mit zu 
der Sitte der Väter zu rechnen. Sodann finde 
ich einen Beweis für diesen Termin in der Zeit, 
in welche die Todtenfeier zu Platää fiel. Nach 
Plutarch Aristid. K. 21 wurde sie am 16. Mä- 
makterion, d.h. am zweiten Tage des abnehmen- 
den Mondes begangen, obgleich die, für welche 
sie stattfand, die in der Schlacht bei Platää Ge- 

17 

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216 

fallenen, wol schon vor Beginn des Boedronlion 
(Boeckh Mondcyclen S. 67) den Tod gefunden 
hatten. Aber die Feier war auf den 16. Mä- 
makterion verlegt worden, weil wahrscheinlich 
längst vorher schon an diesem Tage zu Platää 
eine ähnliche Feier zu Ehren derer, welche im 
Kampfe für das Vaterland gefallen wären, statt- 
gefunden hatte. Der Termin ergiebt sich so 
einfach aus der Natur der Verhältnisse, dass 
man ihn ohne zwingende Gründe nicht verrücken 
darf. 
«». Ob die Feier, welche die Epheben nach In- 
schrift 2 Z. 26 : naQay€P6(ji,€Vo& de [elg id i(i Ma- 
qa&mvi] *) noXvavdqsXov icteqxxvcoaäp ts 9cal ivtj- 
yifSav TOtg xatd nöXcfAOP xsXsvr^tSad^v vntq riyg 
iXevd^sgiag, und Z. 69: ^yaysp (der Kosmet Dio- 
nysios) di xal inl to i(A Ma[Qa]d'd)P& nolvav- 
dqsTov, iv (S idTBtfdvoaaav xal ivrjyKtap totg xard 
nöXefiov xsXsvti^oaaiv vnig tijg iXsvO-sqiag in 
Marathon anstellten , auf denselben Tag im Mä- 
makterion oder auf den 6. Boedromion, die Feier 
der tnarathonischen Schlacht, gefallen sei, lässt 
sich nicht bestimmen. 

Auch wann die Erweiterung der früheren 
Feier und die Verwandlung in ein jährliches Fest, 
welches schon Schömann Gr. Alt. 2 S. 544 nur 
als eine Fortsetzung und Umbildung des früher 
allein in Kriegsjahren stattfindenden ansieht, 
eingetreten sei, ist nicht zu ermitteln. Jedoch 
lässt sich so viel mit ziemlicher Sicherheit an- 
nehmen, dass es etwa zu Ende des vierten, oder 
zu Anfang des dritten Jahrhunderts geschehen 

♦) Diese Worte hat dem Sinn nach Grasberger mit 
Recht unter Vergleichung von Z. 69 eingesetzt, wenn sie 
auch, wie die üebereinstimmung von Kumanudes und 
Pittakis zu zeigen scheint, schon von dem Steinmetzen 
selbst ausgelassen waren. 



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217 

sei. Damit stimmt die Zeit überein, in welche 
die Ephebeninschriften gehören: denn sie wer- 
den mit Recht von Curtius S. 331, Kumanudes, 
Grasberger S. 2 , Dittenberger S. 3 fi. überein- 
stimmend in das zweite Jahrhundert gesetzt. 
Dass aber die Einführung der Agonen nicht all- 
zulange nach Alexanders Tod erfolgt sei, dafür 
sprechen andere merkwürdige umstände, die 
hier noch näher erörtert werden müssen. 

Man wird mir einwenden, dass Alles, was 
bisher erörtert und behauptet worden ist, durch 
drei Zeugnisse völlig umgestossen werde. 1. Im 
Epitaphios, der unter den Reden des Lysias steht, 
heisst es §. 80: xal ydg to* xhdmoPTai dij/xoatqt 
xal äydopsg li&svTai, in avrotg ^dfi^g xal co^tag 
xal nXovTov. 2. Im Menexenos p. 249. B sagt 
Sokrates : adroig d^ Toig vsX^w^tfavTag TifAtatfa 
odd^noTS ixXsinst, xa^ ixaawv iviaxnöv adtij xd 
vofjn^6fi€Va noiovCa xoiv^ näciv ärtsq ldl(f sxddtto 
Xdia ylyvetaifj ngdg dl Tovtotg äytavag yvfivtxovg 
xal Inntxovg %i&eXaa xal ^ovmx^g ndfffjg, 3. In 
dem demosthenischen Epitaphios (60 §. 36) fin- 
den wir : (fffAPOP dS ye äyiJQo§g n/Actg xal (AVijfiiiv 
dgsT^g d^fioffl(f xtfjaafAipovg imdstv xal &v(fi(Sp 
xal dyosPdop ^^icofjt^povg ä&apdroap. 

Indessen ich kehre die Sache um. Ich bin 
der üeberzeugung , dass die Erwähnung der 
Wettkämpfe bei der Grabesfeier in diesen drei 
Stellen nicht nur keinen Beweis gegen die von 
nair aufgestellte Behauptung abgiebt, sondern 
dass sie vielmehr nur die Gründe vermehrt und 
wesentlich verstärkt, welche gegen die Echtheit 
der drei Reden vorgebracht worden sind, und 
dass sie zugleich einen Fingerzeig über die Zeit 
giebt, in welcher dieselben entstanden. 

üeber die dem Demosthenes zugeschriebene 
Eede bedarf es keiner Auseinandersetzung: dass 

17* 

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218 

sie nicht von Demosthenes herrühre, sondern 
als Melete eines Rhetors betrachtet werden müsse, 
darüber sind von Dionysios an so ziemlich alle 
einverstanden (vgl. A. Schäfer, Demosthenes und 
seine Zeit 3, 1 S. 33 f. L. Spengel Gel Anz. 
d. Bayer. Ak. d. Wiss. 46 S. 387 ff.) Auch Krü- 
ger (ffistor. Philol. Studien 1 S. 101 f.) bezweifelt 
doch nur eigentlich verschiedene gegen die Echt- 
heit vorgebrachte Gründe. Cafiiaux (de l'oraison 
funebre dans la Grece paienne S. 102 ff.) bringt 
für die Echtheit nichts irgend Erhebliches bei. 

Dass femer die Rede zum Gedächtniss der 
im korinthischen Kriege Gefallenen mit Recht 
längst dem Lysias abgesprochen worden sei, habe 
ich vor Kurzem in den Göttinger Gelehrten An- 
zeigen (1864 S. 824 ff.), wie ich hoffe, mit über- 
zeugenden Gründen bewiesen. Hier will ich nur 
noch auf zweierlei aufinerksam machen. Was 
soll der Ausdruck dydivsg aoqtlag xal nlovtov 
bedeuten? Dachte der Verfasser bei (Sotplag an 
musische Wettkämpfe? Aber da passt ao(fiag 
doch auch nur halb. Oder dachte er an den 
Wettkampf, den gewissermassen die Redner am 
Grabe mit den in frühem und spätem Jahren 
auftretenden bestehen, wie es §. 2 heisst: ö 
d^dyoop ov nqdq xä Tovtcav Sqy^ dkXä nqog tovg 
nqoTsqov in' avtoTg elq^xozag? Indessen wenn 
wir uns auch aotpiag gefallen lassen wollen, so 
sind doch äydovsg nkotfwv ein ganz schiefer 
Ausdruck. Was gemeint sei und wie das aus- 
gedrückt werden müsse, zeigt Isokrates 16 §.32: 
xal Toi)g "EXlijvag inidul^iV iv avt^ (der olympi- 
schen Festfeier) nowvfidvovg nXoitov xal ^w^g 
xai nmdsvaefogy oder auch Lysias 33 §. 2: 
(Herakles) äycava ^uv acafidTMV inoifine, fp&Xo" 
Tifiiav de nXovzGV, yywfAfjg d* inidsil^iv sv t(j) 
xaXXiffiM t^g 'EXXddog (Olympia). Sodann ha- 

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219 

ben sowol K. F. Hermann (Gesch. der plat. 
Philos. S. 679), als mein verehrter Freund 
Steinhart (Piatons sämmtl. Werke 6 S. 360. 404) 
gesagt, dass die Verpflichtung bei dieser Gele- 
genheit selbstgefertigte Reden zu halten sich 
nicht nachweisen lasse und dass daher Lysias 
wohl die Rede für irgend einen unbedeutenden 
Mann, der vom Volke für dies Ehrenamt gewählt 
worden war, gearbeitet haben könne. Dem darf 
man doch gewiss entgegenstellen, dass eine sol- 
che, durch andere Beispiele und Zeugnisse nicht 
erwiesene und nicht zu erweisende Behauptung, 
der die ausdrücklichsten Zeugnisse des Thukydides 
(2, 34: dy^Q y^ijfiäpog vnö r^^ nökecdg, og äv 
yvaifjifi %s doxy fjt^ d^vpsvog slvai xa* dl^masi^ 
ngo^xfi) und Isokrates (4 §. 74: n€Ql oSv ol fiä- 
Xi^ara övp^&^pzeg toop noXncop sinstp inl Tor^ 
d^fioüiqc d-amofi^POig noXXdxig slQijxaitip') , des 
Demosthenes (18 §. 285) entschieden widerspre- 
chen, eine unzulässige Ausrede sei. Wenn Stein- 
hart S. 404 den Panegyrikos des Isokrates anführt 
und sagt, dass diese Rede „doch wol nicht blos 
für Leser, sondern für ein hörendes Publikum, 
also zum Vortrage durch den Mund eines dritten 
(Isokrates redete nie öffentlich) bestimmt war", 
so beweist dies Beispiel durchaus nichts für den 
vorliegenden Fall. Allerdings trug Isokrates seine 
Rede nicht selbst vor, aber, wenn sie wirklich 
vorgelesen worden ist, so bürgt uns die ganze 
Wirksamkeit des Isokrates dafür, dass sie in 
seinem Namen vorgelesen wurde. Indessen 
ist es leicht möglich, dass sie, wie andere seiner 
Reden, nur als Denkschrift, als Pamphlet wirken, 
gar nicht vorgetragen werden sollte. Das Ver- 
hältniss des Lysias zu einem vom Volke erwählten 
Grabredner lässt sich also damit auch nicht im 
Mindesten in Vergleichung bringen. 



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220 

Ich komme endlich zum Menexenos. Eigent- 
lich ist die Frage über seine Echtheit schon ent- 
schieden, wenn der Epitaphios nicht von Lysias 
herrührt. Denn eine gewisse gegenseitige Bezie- 
hung zwischen diesen beiden Reden hat Schön- 
bom (üeber das Verhältniss, in welchem Piatons 
Menexenos zu dem Epitaphios des Lysias steht. 
Breslau, 1830) allerdings nachgewiesen (vgl. Stein- 
hart 6 S. 404). und es beweist zwar, wie Stein- 
hart ganz richtig bemerkt, noch nicht für den 
platonischen Ursprung des Menexenos, wenn die 
Rede des Lysias echt ist , da ja auch irgend ein 
'Anderer der Rede des Lysias eine bessere ent- 
gegenzusetzen sich vornehmen konnte, wohl aber 
ist es unmöglich, dass Pia ton den Menexenos 
geschrieben haben könne, wenn der Epitaphios 
nicht das Werk des Lysias, sondern dieMelete 
eines späteren Rhetors ist. Indessen triflFt es 
sich für unsere Untersuchung sehr günstig, dass, 
um alle früheren Gegner des Menexenos hier zu 
übergehn, auch Steinhart den platonischen Ur- 
sprung, trotz seines Glaubens an die Echtheit 
des Epitaphios, leugnet. Um so mehr aber fallt 
der Beweis Steinharts gegen die Echtheit des 
Menexenos ins Gewicht, weil mein verehrter 
Freund seiner in Fragen über den ürspnmg pla- 
tonischer Schriften sehr conservativen Richtung 
getreu offenbar eigentlich am liebsten auch den 
Menexenos für platonisch halten würde. Aber 
das erlaubt ihm seine genaue Eenntniss platoni- 
scher Eigenthümlichkeit und sein kritisches Ge- 
wissen doch nicht, sondern die Gründe, die er 
sehr richtig entwickelt, nöthigen ihn auch gegen 
seine Neigung die Unechtheit des Menexenos 
anzuerkennen (S. 374 ff.) Auch vieles von dem, 
was er S. 369 rhetorischer Absicht des Verf. 
zuschreibt, darf als Beweis gegen Piaton geltend 



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221 

gemacht werden, und wenn auch nur der Ana- 
chronismus da wäre, dass Sokrates im J. 387, min- 
destens zwölf Jahre nach seinem Tode, die Rede 
von Aspasia, welche noch als Freundin des Pe- 
rikles bezeichnet wird, 42 Jahre nach dessen 
Tode, vernommen haben will, so würde dies ge- 
nügen, um den Menexenos Piaton nicht zuschrei- 
ben zu dürfen. Denn die Rede selbst etwa, wie 
dies Schleiermacher gethan hat, von der Einlei- 
tung zu trennen und diese zu verwerfen, jene 
für platonisch zu halten ist mit Recht als unzu- 
lässig erkannt worden. Wenn aber die Stelle 
über die Agonen bei der Grabesfeier darauf 
schliessen lässt, dass die Schrift erst etwa im 
Anfang des dritten Jahrhunderts entstanden sein 
könne, so wird auch von dier Vermuthung Ue- 
berwegs (über die Echtheit und Zeitfolge der 
platonischen Schriften S. 143 ff.) weiter nicht 
die Rede sein dürfen, dass Glaukon, Piatons Bruder, 
ihn verfasst habe, und Ueberweg selbst neigt 
sich S. 148. 221 mehr zu der Annahme eines 
erst späteren Ursprungs. Wenn ferner, was sich 
in Aristoteles Rhet. 3, 14 S. 1415 B 30 Bk. 
findet: o ydg Xiyet ScoxQccTf^g iv tm ^Ennaiplo), 
äXfix^iq, on od xctXsnöv 'A^fjvalovg iv ^A&p'aiotg 
inatvetp, äXK iv ^axsdMfWvloiCp allerdings mit Be- 
ziehung auf MeneX. p. 235 D*) gesagt zu sein 
scheint , so sind entweder die Worte iv t« 
^EntTatplfp für späteren Zusatz zu halten oder die 
ganze Stelle ist ein Beweis mehr für die Ansicht, 
welche ich in einem früheren Aufsatze dieser 
Nachrichten (1863 S. 73 ff. vgl. Gott. G. Anz. 
1864 S. 831) andeutete, dass wir uns das dritte 

*) fl f4iy yäg dio& 'AStjyalovs fy IlfXonoyyriffiots i^ U- 
yihv Tf ntkonoyyfjaiovg iy ' Ad-tjytKio&s , ayad'ov ay ^tjroQog 
diot Tov :ifHfoyTog xat (vdoxk/A^aoyiog^ Öray di ng iy Tovrotg 
«ywv/fjyr«*, ollcntQ xctt incayd, ovdty f^iya doxii iv Uyt^y* 

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222 

Bach (der aristotelischen Rhetorik entweder als 
stark überarbeitet denken müssen oder dasselbe 
als gar nicht unmittelbar aristotelischen Ur- 
sprungs betrachtet werden dürfe. Freilicli kommt 
eine ähnliche Aeusserung des Sokrates auch 
Rhetor. 1, 9 S. 1367 B 8 vor: mifftsQ y^Q o 2m- 
xQätiig sisyey, ov xaXßnov ^A^^aiavg iv 'A^^- 
vaio^g ina$v€Ty. Aber, wie auchüeberwegS. 143 
bemerkt, zeigt schon das Imperfectum HeySj dass 
dies auf eine mündliche Aeusserung des wirkli- 
chen Sokrates zurückgehe. Dafür spricht auch 
die epigrammatische Form, die bei weitem au- 
thentischer erscheint, als die Umschreibung des 
Gedankens im Menexenos. Aber wahrscheinlich 
ist sie sowol die Quelle für den Verfasser des 
Menexenos, als für die Anführung im dritten 
Buche der Rhetorik. 

Wenn nun also auch sowol für den Epita- 
phios des Lysias, als für den Menexenos die An- 
gabe, die sich in denselben findet^ dass Agonen 
mit der Grabesfeier zu Athen verbunden gewe- 
sen seien, als neuer Beweis zu andern fiüher 
aufgefundenen ihrer Unechtheit hinzugekommen 
ist, so dürfen wir doch auch umgekehrt in die- 
sen beiden Schriften einen Anhalt für die Be- 
hauptung erkennen, dass spätestens im Beginn 
des dritten Jahrhunderts die Umgestaltung der 
Grabesfeier zu Athen eingetreten sei. Denn beide 
Schriften sind zeitig bekannt gewesen uüd zei- 
gen bei allen historischen Versehen, bei allen 
Mängeln des Gedankens imd der Sprache doch 
eine solche Bekanntschaft mit der Geschichte und 
namentlich eine solche Gewandtheit und Sicher- 
heit der Sprache, dass sie noch vor dem Beginn 
des dritten Jahrhunderts, oder doch bald nach 
demselben entstanden sein müssen. 



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223 

üeber das Färbende im Smaragd 
von F. Wöhler. 

üeber die Ursache der schönen grünen Farbe 
des Smaragds, die auch den Werth dieses Mine- 
rals als Edelstein bedingt, sind in neuerer Zeit 
Zweifel entstanden. Nachdem Vauquelin 1797 
Chromoxyd darin entdeckt hatte, erklärte er die- 
ses ganz natürlich für die Ursache der Farbe, 
wie auch seitdem bis 1858 allgemein angenom- 
men wurde, wo Hr. Lewy in einer sehr ausführ- 
lichen Abhandlung über das Vorkommen und die 
Zusammensetzung der Smaragde von Muso in Neu- 
Granada*) die Ansicht aussprach, dass die Far- 
be nicht von Chromoxyd , sondern von einer or- 
ganischen Materie herrühre, und dabei hervorhob, 
dass die Smaragde beim Glühen farblos werden. 
Da wir, G. ßose und ich, diese letztere Angabe 
bei Anwendung von Löthrohrhitze nicht bestä- 
tigt fanden, so gab diess zu den folgenden Ver- 
suchen Anlass, aus denen wir schliessen müssen, 
dass der Smaragd die grüne Farbe in der Tbat 
der darin enthaltenen kleinen Menge Chrom- 
oxyds verdankt. 

Ein ganzes Stück von einem ziemlich tief 
grünen, indessen wenig klaren Smaragd-Krystall 
ven Muso, nach dem Trocknen bei 100® 6,971 
Gramm schwer, wurde in einem Platintiegel eine 
Stunde lang in einem Windofen einer Glühhitze 
ausgesetzt, bei der Kupfer leicht schmilzt. Nach 
dem Erkalten zeigte der Stein noch vollkommen 
die ursprüngliche grüne Farbe, er war nur un- 
durchsichtig geworden. Er wog nun 6,858 Grm., 
hatte also nur 1,62 Procent an öewicht verlo- 
ren. (Lewy fand 1,66 Proc. Wasser und 0,12 
organische Materie). 

» *) Annal. ^e Chim. et de Phys. HI. Ser. T. LUX, 

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224 

Der Stein wurde fein gerieben und mit dem 
4faehen Gewicht kohlensauren Kali-jNatrons und 
etwas Salpeter geschmolzen. Bei Behandlung der 
Masse mit Wasser wurde eine gelbe Lösung er- 
halten. Sie wurde, nebst dem unlöslichen darin, 
mit Chlorgas übersättigt , zum Sieden erhitzt, 
filtrirt, mit schwefliger Säure versetzt und erhitzt, 
wobei sie die gelbe Farbe verlor und eine blass 
grüne annahm, worauf dann das Chromoxyd un- 
ter lange anhaltendem Sieden durch Ammoniak 
gefällt wurde. 

Es wurden 0,013 Grm. geglühtes Chromoxyd 
erhalten = 0,186 von einem Procent. 

Lewy fand bei seinen Analysen, zu denen 
er nur wenig über 1 Gramm Mineral anwandte, 
so wenig Chromoxyd, dass er dessen Menge gar 
nicht angibt, indem er sie nicht bestimmen konnte. 
Auch ist er der Ansicht, dass eine so kleine 
Menge unmöglich eine so intensiv grüne Farbe 
hervorbringen könne. 

Um über diese Frage Aufschluss zu erhalten, 
wurden 6,971 Grm. fein geriebenes weisses Glas 
mit 0,013 Grm. Chromoxyd, als der in der un- 
tersuchten Menge Smaragds enthaltenen Menge, 
vermischt und in einem Thontiegel, der, umge- 
ben mit Kohlenpulver in einem grösseren stand 
(um eine mögliche Bildung von chromsaurem 
Salz zu verhüten) zusammengeschmolzen. Die 
wohl geflossene klare Glasmasse hatte dieselbe 
intensiv grüne Farbe, wie der untersuchte Sma- 
ragd. Es kann also keinem Zweifel unterliegen, 
dass 13 Gewichtstheile Chromoxyd nahe an 7000 
Gewichtstheilen eines Silicats eine tief grüne Farbe 
zu ertheüen vermögen. 

Ob ausserdem der Smaragd eine aus Kohlen- 
stoff und Wasserstoff bestehende Materie enthalte, 
wie die mit grosser Genauigkeit angestellten 



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225 

Versuche von Lewy zu beweisen scheinen, las- 
sen wir dahin gestellt sein. 



Mittheilungen aus dem chemischen 
Laboratorium; 

von Dr. Rudolph Fittig. 

(Vorgelegt von dem Secretair.) 

1. üeber die Synthese von Kohlen- 
wasserstoffen, üeber die Constitution der 
organischen Verbindungen und das Verhältniss, 
in welchem sie zu einander stehen , erhält man 
ohne Zweifel am leichtesten Aufschluss, wenn 
man auf die einfachsten Verbindungen, die Koh- 
lenwasserstoffe zurückgeht und die Bildungsweise, 
sowie das Verhalten dieser gründlich studirt. 

Von diesem Gesichtspuncte aus bieten beson- 
ders die sogenannten gemischten Alkoholradicale 
hohes Interesse , weil deren Bildung durch ganz 
glatte Synthese möglich ist. Bis in die neueste 
Zeit ist aber weder das Verhältniss, in welchem 
diese Kohlenwasserstoffe zu den Substanzen ste- 
hen, aus welchen sie gebildet werden, noch wie 
sie sich zu den Gruppen von Verbindungen ver- 
halten, zu denen sie zu gehören scheinen, wenn 
man nur ihre Zusammensetzimg in's Auge fasst, 
hinreichend erforscht worden. Die schon längere 
Zeit bekannten sogenannten gemischten Alkohol- 
radicale der Fettkörpergruppe setzen der Unter- 
suchung manche Schwierigkeiten entgegen, weit 
besser eignen sich dazu die Verbindungen, welche 
durch Vereinigung eines Radicals der aromati- 
schen Reihe mit einem der Aethylgruppe entstehen. 
Im Februar d. J. theilte ich der Königl. So- 
cietät mit, dass es Herrn ToUens gelungen sei, 



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226 
zwei solcher Verbindungen, das Aethyl-Phenyl 
€2H5/ "^^ ^^^ Amyl-Phenyl ^^jj J in völlig rei- 
nem Zustande darzustellen. Herr Tollens hat 
diese beiden Verbindungen einer sorgfältigen Un- 
tersuchung unterworfen und gefunden, dass sie 
sich in jeder Hinsicht dem Benzol und seinen 
Homologen so völlig analog verhalten, dass sie 
in chemischer Hinsicht als die dem Benzol ho- 
mologen Verbindungen betrachtet werden können. 
Die Kohlenwasserstoffe der Benzolreihe von glei- 
cher Zusammensetzung sind aber entweder noch 
gar nicht bekannt -— wie beim Amyl-Phenyl — , 
oder — wie beim Aethyl-Phenyl — so mangel- 
haft untersucht, dass eine genaue Vergleichung 
mit diesen unmöglich war. Ausser dem Benzol 
ist in dieser Reihe nur das Toluol gut unter- 
sucht. Das Toluol aber hat die Zusammense- 
tzung des Methyl-Phenyls, und durch die Darstel- 
lung der letztern Verbindung war demnach die 
Entscheidung der Frage mögUch, ob durch die 
Einführung von Alkoholradicalen der Aethylreihe 
in das Benzol die diesem wirklich homologen 
oder nur mit denselben isomeren Verbindungen 
gebildet werden. 

Herr Tollens hat seitdem das Methyl-Phe- 
nyl di^rch Zersetzung eines Gemisches von Jod- 
methyl und Brombenzol mit Natrium dargestellt 
und gefunden , dass es vollständig identisch mit 
dem Toluol ist. Es besitzt denselben Siedepunct 
IIP, liefert eine bei derselben Temperatur, wie 
das Nitrotoluol constant siedende Nitroverbin- 
dung, welche bei der Reduction in eine feste, 
krystallisirende von dem Toluidin nicht ver- 
schiedene Base übergeht, und verwandelt sich, 
wie das Toluol, bei der Oxydation vollständig in 
Benzoesäure, 



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227 

Wenn es somit auch als bewiesen betrachtet 
werden konnte, dass durch die Einführung von 
Methyl an die Stelle von einem Atom Wasserstoff 
des Benzols das nächst folgende Glied der homo- 
logen Reihe gebildet wird, so war dadurch doch 
noch keineswegs entschieden, dass auch das Ae- 
thyl-Phenyl identisch mit dem Xylol des Stein- 
kohlentheeröls sei. Wenn die neuesten Angaben 
von Hugo Müller über des Xylol richtig sind, 
so unterliegt es sogar keinem Zweifel, dass das 
Aethyl-Phenyl verschieden davon ist , denn es 
siedet 7^ niedriger und Uefert in Berührung mit 
einem Gemisch^ von Salpetersäure und Schwefel- 
säure keine krystallisirende Trinitroverbindung. 

Da wir, nachdem von Frankland die Verschie- 
denheit des Methyls vom Aethylwasserstoff nachge- 
wiesen ist, nicht berechtigt sind das Aethyl CgHs 
für ein methyUrtes Methyl €(€H3)H2 zu halten, 
so war es wahrscheinhch , dass das Methyl- 

Benzyl ^'^'\ mit dem Aethyl-Phenyl |jg^| 

nicht identisch, sondern nur isomerisch und dass 
Ersteres der mit dem Xylol identische, dem Ben- 
zol und Toluol wirklich homologe Kohlenwasser- 
stoff sein würde. 

Herr Tollens war an der weitern Fortfüh- 
rung der Arbeit verhindert und es hat deshalb 
Herr E. Glinzer aus Cassel einige Versuche 
zur Entscheidung dieser Frage ausgeführt. 

Durch Zersetzung gleicher Molecüle Mono- 
brom toluol (einer bei 180° constant siedenden 
Flüssigkeit, welche sich sehr leicht durch allmäh- 
ligen Zusatz der nöthigen Menge Brom zu gut 
gekühltem Toluol darstellen lässt) und Jodme- 
thyl gelang es ihm das Methylbenzyl darzustellen. 
Die Einwirkung des Natriums auf die mit reinem 
Aether verdünnte Mischung ist aber trotz guter 



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228 

Abkühlung von aussen weit heftiger und die Re- 
action verläuft nicht so glatt, wie bei der ent- 
sprechenden Phenylverbindung. Es entwickelt 
sich ein Gas, wahrscheinlich Aethylen, und es 
wird eine nicht unbeträchtliche Menge von To- 
luol regenerirt, von der das Methyl-Benzyl nur 
durch oft wiederholte fractionirte Destillation 
getrennt werden kann. Nach den bisherigen 
Versuchen scheint es nicht identisch mit dem Ae- 
thyl-Phenyl zu sein. Der Siedepunct desselben 
liegt 60 höhey als der der Phenylverbindung, 
zwischen 139 und 140^. Dies ist der von Mül- 
ler für das Xylol des Steinkohlentheeröls angege- 
bene Siedepunct, aber in Berührung mit Schwe- 
felsäure und Salpetersäure giebt es ebenfalls nicht 
die für das Xylol characteristische rothe Trini- 
troverbindung. 

Auf dieselbe Weise wie das Methyl-Ben- 
zyl hat Herr Glinzer auch das Aethyl-Benzyl 
dargestellt. Auch hierbei verlief die Reaction 
nicht ganz glatt und es wurde ebenfalls eine 
ziemliche Quantität von Toluol gebildet, von der 
das Aethyl-Benzyl aber wegen der grossen Diffe- 
renz in denSiedepuncten sehr leicht zu trennen war. 

Das Aethyl-Benzyl hat die Zusammensetzung 
des Cumols und Mesitylens. Von den offenbar 
verschiedenen Kohlenwasserstoffen, die unter dem 
Namen Cumol zusammengefasst sind, unterschei- 
det es sich durch seinen viel höheren Siedepunct. 
Es siedet nämlich constant bei 159®, während 
der Siedepunct des Cumol's von verschiedenem 
Ursprung zwischen 139^ und 153® angegeben wird. 
VomMesitylen ist es dadurch wesentlich verschie- 
den, dass es mit Schwefelsäure imd Salpetersäure 
keine krystallisirende Trinitroverbindung liefert. 

Herr Glinzer ist mit der weitem Untersu- 
chung dieser Verbindungen noch* beschäftigt. 



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22^ 

2. üeber die Umwandlung des Ace- 
ton' s in Allylen. Nachdem durch die interes- 
santen Arbeiten von Berthelot die Aufmerk- 
samkeit der Chemiker auf das von D a v y entdeckte 
Acetylen gelenkt worden ist, hat man in kurzer 
Zeit auch drei demselben homologe Kohlenwas- 
serstoffe, das Allylen €3 EU, das Crotonylen Cjle 
und das Valerylen €5 EU dargestellt. Das fünfte 
Glied dieser Reihe scheint das schon länger be- 
kannte Allyl CöHio zu sein. Ohne Zweifel sind 
diese Kohlenwasserstoffe vieratomig und bei 
mehreren derselben sind auch bereits Verbin- 
dungen mit 4 Atomen Brom dargestellt wor- 
den , aber auffällig ist es, dass diese Bromüre 
trotz der nahen Beziehung, in welcher die Koh- 
lenwasserstoffe zu der Aethylenreihe stehen, mit 
den gleich zusammengesetzten Bromüren der 
zweifach gebromten Kohlenwasserstoffe der Ae- 
thylenreihe nur isomerisch, aber nicht identisch 
sind, wie aus einem von Ca ven ton angestellten 
Vergleich des Bromcrotonylen's mit dem Dibrom- 
butylenbromür hervorgeht. 

Da sich min noch mehrere andere Bromüre 
und Chlorüre darstellen lassen, welche alle gleiche 
Zusammensetzung mit den vom Acetylen und sei- 
nen Homologen abgeleiteten Verbindungen haben 
müssen, so war es interessant zu erforschen, 
welche von diesen mit den Derivaten der Acety- 
lenreihe identisch sind. 

Herr G. Bor sehe aus Potsdam hat meh- 
rere Versuche in dieser Richtung angestellt und 
es ist ihm gelungen, durch ganz glatt verlaufende 
Reactionen das Aceton in Allylen überzuführen. 

Nach den Untersuchungen von Friedel ver- 
hält sich das Aceton bei der Behandlung mit 
Phosphorchlorid, wie die Aldehyde, indem sich 



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230 

nur das Sauerstoffatom gegen zwei Atome Chlor 
austauscht. Es stand deshalb* zu erwarten, dass 
das Dichloraceton bei gleicher Behandlung eine 
Verbindung CsEUCU liefern würde. Der Ver- 
such bestätigte dies vollständig. Die Einwirkung 
des Phosphorchlorids findet indess nur sehr lang- 
sam statt und man muss das Dichloraceton we- 
nigstens einen Tag lang damit im Sieden erhal- 
ten, um es vollständig zu zersetzen. Die Re- 
action verläuft dann aber ganz glatt nach der 
Gleichung. 

€3H4Cl2 0+PCl5 = €3H4CU+PCl80 

Herr Bor sehe erhielt ausser der Chlorverbin- 
dung und dem leicht mit Wasser zu entfernen- 
den Phosphoroxychlorid nur geringe Mengen ei- 
ner bei 194^ siedenden Flüssigkeit, für welche die 
Analyse die Formel CsHsCls ergab und welche 
offenbar ihre Entstehung einer geringen Verun- 
reinigung des Dichloracetons mit Trichloraceton 
verdankt. 

Die Verbindung €3 H4 CU, welche wir einstwei- 
len Die hl orace ton chlor id nennen wollen, ist 
ein farbloses, in Wasser unlösliches Liquidum, 
welches constant bei 153^ siedet und bei 13^ 
das spec. Gewicht 1,47 besitzt. Es ist gänzlich 
verschieden von dem Dichlorpropylenchlorid, wel- 
ches nach Ca ho Urs zwischen 195 und 200® sie- 
det, verhält sich aber gegen alkoholisches Kali, 
wie dieses, indem es unter Abgabe von einem 
Molecül Salzsäure in eine Verbindung €3 H3 CI3 
übergeht, welche bei 115*^ siedet und das spec. 
Gewicht 1,38 bei W besitzt. 

Die interessanteste Zersetzung, welche das 
Dichloracetonchlorid erleidet, ist die mit metal- 
lischem Natrium. Dasselbe wirkt so energisch 
ein, dass heftiges Aufschäumen stattfindet und 
das Gefass zertrümmert wird, wenn man nicht 



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231 

für hinreichende Abkühlung und sehr starke Ver- 
dünnung der Chlorverbindung sorgt. Als Ver- 
dünnungsmittel wurden die über 100^ aufgefan- 
genen Kohlenwasserstoffe des käuflichen Benzols 
benutzt, welche durch wiederholte Destillation 
über metallischem Natrium vöUig gereinigt und 
entwässert waren und das Gtefass mit vielem kal- 
tem Wasser umgeben. Unter diesen Umständen 
fand eine regelmässige Gasentwicklimg statt imd 
dieses Gas wurde von einer ammoniakalischen 
Ku|)ferchlorürlösung vollständig absorbirt. Der 
dann entstandene Niederschlag hatte alle Eigen- 
schaften der von Sawitsch beschriebenen Al- 
lyleii -Kupferverbindung, war zeisiggelb, luftbe- 
ständig, explodirte bei gelindem Erwärmen wie 
Schiesspulver, zersetzte sich, auf Brom geschüt- 
tet unter Feuererscheinung imd entwickelte mit 
concentrirter Salzsäure in der Kälte, mit ver- 
dünnter beim Erwärmen reines Allylengas. 

Diese Zersetzung macht es wahrscheinlich, dass 
dasDichloracetonchlorid das wirkliche Tetrachlorid 
des AUylens ist, aber es blieb noch zu entschei- 
den, ob sich andere mit demselben isomere Ver- 
bindungen, wenn ihnen das Chlor mit Natrium 
genommen wird, nicht ebenso verhalten und das- 
selbe Gas liefern. 

Herr W. Pfeffer aus Grebenstein hat des- 
halb auf meinen Vorschlag eine solche Verbindung 
dargestellt, von der vorauszusehen war, dass sie 
nicht identisch mit dem Dichloracetonchlorid sein 
würde. 

Der von Reboul aus dem Glycerin erhaltene 
zweifach chlorwasserstoffsaure Glycidäther CsHi 
CI2 verbindet sich, wie Herr Pfeffer fand, di- 
rect und ohne dass Nebenproducte entstehen, mit 
2 Atomen Chlor. Die so erhaltene Verbindung 
CsHiCU ist in der That verschieden von dem 

18 

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232 

Dichloracetonchlorid und auch von Cahours' 
Dichlorpropylenchlorür. Sie siedet ganz constant 
bei 164^ iJso 11® höher als Borsche's Verbindung 
und 31 — 36^ niedriger als die vonCahours darge- 
stellte. Ihr spec. Gewicht ist bei 170 = 1,496. 
Mit alkoholischer Ealilösung zersetzt sie sich, 
wie das Dichloracetonchlorid, aber der Sied^- 
punot der dabei gebildeten Verbindung GsHsCls 
Hegt bei 142® also 27® höher, als der des gleich 
zusammengesetzten Chlorid's aus Aceton, und 
das spec. Gewicht wurde bei 200^ = 1,414 ge- 
funden. 

Die grösste Verschiedenheit zeigt sich aber 
bei der Behandlimg dieser Verbindung CsHdCh 
mit metallischem Natrium. Bei einem Versuche, 
der genau so, wie der mit Borsche's Verbin- 
dung ausgeführt wurde, fand in der Kälte selbst 
nach längerem Stehen keine merkliche Einwir- 
kung statt, erst beim Erwärmen bildete sich 
Ghlomatrium und es entwickelte sich ein Gas, 
welches von amoniakalischer Eupferchlorürlösung 
nicht absorbirt wurde und keinen Niederschlag 
darin erzeugte. 

Der letztere Versuch macht es sehr wahr- 
scheinlich, dass die aus dem Aceton entstehende 
Verbindung das wirkliche Chlorid des Allyl^'s 
ist und es bleibt nur noch zu untersuchen, ob 
das Dichlorpropylenehlorür mit Natrium auch 
kein Allylen entwickelt. 



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233 



VniTersität 

Mittheilungen aus dem pathologischen 
Institut zu Göttingen 

Von W. Krause. 

lieber die Endigung derDrüsennerven. 

Nachdem die Lehre von der Endigung der 
sensiblen und motorischen Nerven in ihren Grund- 
zügen festgestellt war, erschien es als nächste 
Aufgabe die secretorischen Apparate in dieser Be- 
ziehung zu untersuchen. 

Bei der Verfolgung der betreffenden Nerven 
hatte sich herausgestellt, dass die Drüsennerven 
überall Ganglienzellen in grösseren oder kleine- 
ren Haufen enthalten. Beim Menschen finden 
sie sich in den Gl. parotis, submaxillaris, subun- 
gualis, pancfeas und lacrymalis. Wenn man pri- 
märe (kleinste), secundäre (tnit blossem Auge noch 
sichtbare, in welche^ die tertiären mit dem Mes- 
ser zerlegt werden können) und tertiäre (die ohne 
Weiteres beim Betrachten der Drüse mit freiem 
Auge sichtbar sind) Läppchen unterscheidet, so 
lässt sich angebet! , dass die Ganglienzellen in 
Haufen oder einzeln nur zwischen den secundä- 
ren Läppchen vorkommen. 

Im Innern der primären Läppchen findet man 
doppelte Plexus : erstens von doppeltcontourirten, 
zweitens v&n blassen Nervenfibrillen, deren Reich- 
haltigkeit das Meiste übertrifft, was man sonst 
an den nervenreichsten Parthieen des Säugethier- 
körpers zu finden gewohnt ist. 

Die doppeltcontourirten Nervenfasern endigen 
innerhalb der primären Läppchen einer Speichel- 
drüse beim Igel in einer Art von besonderen Ap- 



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234 

paraten. Dieselben können als Endkapseln 
derDrüsen nerven bezeichnet werden. Diese 
Benennung empfiehlt sich, weil sie durchaus keine 
Hypothese über die Function der Gebilde ein- 
schliesst. 

Die Endkapsehi des Igels sind ähnlich 
wie die Vater'schen Körperchen gebaut, nur 
dass letztere etwa 8mal grösser sind. Sie bestehen 
aus einem länglichen, meist S förmig gekrümm- 
ten Innenkolben von 0,028 Mm. Länge auf 0,009 
Breite. Diese Grössen sind auffallend geringer 
als die kleinsten, irgendwo an analogen Innen- 
kolben bisher beobachteten Dimensionen. Der- 
selbe wird von 4 — 8 eng an einanderliegenden, 
mit Kernen versehenen Kapseln umhüllt. Die 
Kapseln sind durch Intercapsularräume von ein- 
ander getrennt, welche kaum dicker sind als die 
Kapselmembranen selbst. 

Die Endkapseln haben eine annähernd 
ellipsoidische Gestalt. Ihre Dimensionen be- 
tragen nach vorläufigen Messungen im Maxi- 
mum 0,114 mm. Länge auf 0,063 Breite. Im 
Minimum 0,053 Länge auf 0,032 Breite. Im Mit- 
tel 0,08 Länge auf 0,048 Breite. Die Vater'schen 
Körperchen zwischen den Vorderarmknochen ha- 
ben 0,69 Länge auf 0,34 Breite, ihr Innenkolben 
besitzt 0,38 Länge auf 0,023 Breite. Die End- 
kolben des Igels messen in der Lippenschleimhaut 
0,053 Länge auf 0,015 Breite. 

Die Endkapseln finden sich theils zwi- 
schen den Acini der primären Läppchen, theils 
neben den Ausfiihrungsgängen , die im Inneren 
der Läppchen gelegen sind. Bei 200facher Ver- 
grösserung waren einmal 5 Endkapseln im Ge- 
sichtsfelde des Microscops vereinigt. 

Die oben erwähnten sehr reichhaltigen Plexus 
von blassen Nervenfibrillen vertheilen sich eben- 



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235 

falls zwischen den Acini in einer Weise, die bis 
jetzt nicht genauer verfolgt werden konnte. Diese 
Fasern stammen übrigens aus denselben Gan- 
glien-führenden Drüsennerven wie die doppeltcon- 
tourirten ; Gefässnerven sind in den Speicheldrü- 
sen nicht häufiger als anderwärts und leicht 
durch ihren Verlauf zu unterscheiden. 

Weitere Mittheilungen und Abbildungen wer- 
den vorbehalten. 



Es ist eine schmerzliche Pflicht auch in diesen 
Blättern des schweren Vißrlustes zu gedenken, wel- 
chen die gesammte Universität und insbesondere 
die medicinische Fakultät am 13. Mai durch den 
Tod des ordentlichen Professors der Physiologie 
und Zoologie, Hofraths Dr. Rudolf Wagner, Eit- 
ters des Guelfenordens, erlitten hat. Geboren am 
30. Juni 1805 zu Bayreuth, wo sein Vater Di- 
rektor des Gymnasiums war, starb er in noch 
nicht vollendetem 59. Jahre. Einem andern Orte 
ist es vorbehalten, eingehend über die grossen 
Verdienste zu berichten, durch welche er seinem 
Namen ein bleibendes Andenken in der Wissen- 
schaft gesichert hat. Hier erwähnen wir nur, 
dass er Mich. 1840 von Erlangen hierher beru- 
fen wurde, und seit dieser Zeit nicht nur als 
Lehrer seines Fachs und Direktor der dazu ge- 
hörigen Sammlungen der Universität seine ange- 
strengte Thätigkeit widmete, sondern auch an 
allen allgemeineren Angelegenheiten derselben 
hervorragenden Antheil nahm. Vom 1. Januar 
1844 bis zum 1. September 1845 war er Pro- 
rektor. Leider erkrankte er im J. 1846 lebens- 
gefährlich und musste dann längere Zeit zur Stär- 
kung seiner Gesundheit in Italien zubringen, ganz 



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236 

sie wieder zn gewinnen war ihm nicht beschie- 
den. Aber er blieb thätig, so viel er konnte, 
bis im Anfang Oktober in Frankfurt a/M. ein 
schwerer Schlaganfall ihm die ganze rechte Seite 
lähmte. Auch davon schien er sich allmählich, 
wenn auch langsam wieder zu erholen, aber die 
Folgen einer starken Erkältung zu überwinden 
gentigten die schwachen Kräfte nicht mehr. 
So entschlief er am 13. Mai Abends nach 8 Uhr 
in stillem Frieden zum ewigen Leben. 



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Nachrichten 

von ^ei Konigl. Gesellschaft der Wissen- 
schaften und der G. A. Universität zu 
Göttingen. 



JuK 13. M 11. 1864. 



Königliche Gesellschaft der Wissenschaften« 

Sitzung am 9. Juli. 

Elinlrerfues, 1. über einen von Steinheil construierten 
neuen einspiegeligen Heilostaten. 

2. Mittheihingen über einen von ihm bearbeiteten Fix- 
stemkatalog. • 

Keferstein, über den feinem Bau der Augen der Lun- 
gen-Schnecken. 



üeber den feinern Bau der Augen der 
Lungenschnecken. 

Von Wilhelm Keferstein M. D. 

Das etwas angeschwollene Ende der oberen 
Tentakeln oder Augenstiele trägt bei den Heli- 
ceen, auf die sich (besonders auf Helix pomatia) 
zunächst meine Untersuchungen beziehen, in sei- 
nem oberen Theile das Auge, in seinem grösse- 
ren und wulstig vorspringenden unteren Theile 
ein grosses NervengangUon: jbin besonder Mus- 
kel, der sich an der Spitze dieser hohlen Tan- 
takeln befestigt, kann sie in sich und in die 
Körperhöhle zurückstülpen; durch den Andrang 
des Blutes werden sie wieder hervorgetrieben. 

ÜK, l,-UNI\r.HhlTy„,,,,GooQle 



238 

In seinem vorderen Abschnitte ist dieser Rück- 
ziehmuskel hohl, setzt sich vom im äusseren 
Umkreise an die innere Wand des Tentakelendes 
an und nimmt also das Auge und das Ganglion, 
wie auch den vom oberen Schlundganglion zu- 
tretenden Nerven in seinem Hohlraum auf. Die- 
ser vordere hohle Abschnitt des Rückziehmuskels 
ist an seiner Aussenwand durch fein verzweigte 
Pigmentzellen schwarz gefärbt und zieht sich, 
wenn der ausgestülpte Tentakel abgeschnitten 
wird, zu einer rundlichen schwärzlichen Masse 
um die Nervengebilde in der Tentakelspitze so 
sehr zusammen , dass Stiebel*). dieselbe für 
da^ eigentliche Auge, dieses selbst aber für die 
Iris, hielt. 

Dort wo der Tentakelnerv den Rückziehmus- 
kel verlässt, verliert dieser seinen Hohlraum und 
sein Pigment und wird ein starkes solides Mus- 
kelband, das sich weiter hinten an der Spindel- 
muskel des Thiers ansetzt. 

Obwohl Swammerdam^) diese Verhältnisse 
des Tentakels und seines Retactors, wie beson- 
ders auch den Bau des kleinen Auges mit be- 
wunderungswerther Genauigkeit schildert, so ent- 
ging es ihm doch, dass in der Spitze des Ten- 
takels zwei gesonderte Nervengebilde, das grosse 
Ganglion und das viel kleinere Auge, ihren Platz 
haben. Erst Job. Müller^) trennte diese bei- 
den Gebilde richtig von einander und beschrieb 
einen feinen Nerven (0,07 mm.), der sich von 

1) Ueber das Auge der Schnecken. Meckels deutsches 
Archiv für Physiologie. V. 1819. p. 206—210. Taf. V. 

2) Biblia naturae. Leydae. 1737. p. 103—107. Ver- 
handeling van de Wyngaartslak. I. Hofstuck. Tab. IV. 

3) Memoire sur la structure des yeux chez les Mol- 
lusques gasteropodes et quelques Annelides. AnnaL des 
Scienc. nat. XXU. 1831. p. 5—28. PI. 3. 4. 



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239 

dem grossen Tentakelnerven (0,18 mm.), welcher 
im Ganglion endet, abzweigt und zum Aug^ 
führt. Schon Treviranus^) hatte zu seinem 
Erstaunen bei Limax ater bemerkt, dass der Ten- 
takelnerv nicht zum Auge, sondern zu der Haut 
neben dem Auge geht, wobei er allerdings den 
dünnen Sehnerven selbst, den Joh. Müller 
zuerst erkannte, ganz übersah. 

Dies Ganglion, welches in derselbsn Weise 
auch in den Spitzen der kleinen Tentakeln vor» 
kommt, bisher aber noch nie untersucht wurde, 
ist bei Helix pomatia von ovaler Form (0,8 mm. 
lang und 0,47 mm. breit) zeigt in horizontaler 
Richtung jedoch etwas grössere Ausdehnung, wie 
in vertikaler. Nach vom, besonders ebenfalls 
in horizontaler Richtung, gehen von ihm Nerven 
aus, hauptsächlich in drei Zügen, die sich in der 
Nähe der Tentakelhaut mehrfach zertheilen. 
Das Ganglion ist im Bau sehr ähnlich denen des 
Schlundrings ^). Im Innern befinden sich die 
Nervenfasern und in der Peripherie, hauptsäch- 
lich m der linken und rechten Seite, liegen grosse 
Gruppen von Ganglienzellen, dichtgedrängt, mit 
etwa 0,008 mm. grossen Kernen. Auch in den 
nach vom ausstrahlenden Nerven sind viele Gang- 
lienzellen eingelagert und hier kann man diesel- 
ben oft im Verlauf der Nervenfasern selbst sehen, 
die .endlich fein zwischen den Cylinderzellen der 

1) Biologie. Bd. VI. Göttingen 1822. 8. p. 181. 

2) Siehe darüber G. Walter Mikroskopische Studien 
über das Central-Nervensystem wirbelloser Thiere. Bonn 
1863. 4. p. 34-47. Taf. IV; R. Buchholz Bemerkun- 
gen über den histologischen Bau des Centralnervensystems 
der Süsswassermollusken, Archiv f. Anat. u. Physiol. 1863. 
p. 234-309. Taf. VI — VUI; Salv. Trinchese Re- 
cherches sur la structure du Systeme nerveux desMoUus- 
ques gasteropodes pulmones, Comptes rendus de l'Acad. 
des Sc. de Paris. T. 68. p. 365—368, .22 fevrier 1864. 

19* 

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240 

Tentakelhaut, in nicht näher erkannter Weise, 
aufhören. Zwischen den Nervenenden liegen in 
der Tentakelspitze viele grosse birnförmige Schleim- 
drüsen mit wenigen kömigen Absonderungszellen 
im Innern und das Cylinderepithel trägt eine 
dicke Cuticula: beides Verhältnisse, welche die 
Tastfanction dieser Nerven nicht über allen 
Zweifel erhaben scheinen lassen. 

Das Auge, welches durch sein schwarzes Pig- 
ment sofort sichtbar ist, hat bei Helix pomatia 
eine Grösse von 0,31 bis 0,35 mm. und zeigt 
sich fast kugelig, vom nur ein Wenig abgeplat- 
tet. Die verschiedene Grösse der Thiere hat auf 
seine Dimensionen fast keinen Einfluss; es zeigt 
dieselben bei Helix pomatia, wie bei H. nemora- 
lis. Bei Succinea ist es nur 0,22 mm. gross. 
Swammerdam (a. a. 0.) untersuchte dasselbe 
zuerst genau und erkannte den zusammengesetz- 
ten Bau. Er beschrieb eine Sklerotika, eine 
Uvea, eitle Linse, eine wässerige Flüssigkeit, 
einen Glaskörper und eine diesen überziehende 
Arachnoidea. Spallanzani^), dermitBewun- 
drung die Beobachtungen des holländischen For- 
schers sonst bestätigt, konnte die wässerige Flüs- 
sigkeit und den Glaskörper nicht aufßnden und 
später verlor sich die Kenntniss dieses leinen 
Baues so völlig, dass Ev. Home^) sogar den 
Schnecken das Auge selbst abspricht. 

Erst Blainville^) untersuchte die Augen 

1) Risultati di esperienze sopra la riproduzione della 
testa nella Lumache terrestri, Memoire di Matematica e 
Fisica della Soc. Italiana. T. I. Verona 1782. 4, p. 683. 
584. 

2) On the iotemal structure of the human brain^ wben 
examined in the microscope as compared with that of 
ßshesj insects andworms. Philos. Transact. 1824. I. p. 4. 

3) De l*organisation des Animaux ou Principes d* Ana- 
tomie comparee. T. I. Paris 1822. 8. p. 445. 



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241 

der Schnecken (Voluta cymbium L.) von Neuem 
und erkannte im Innern der Sklerotika eine 
Chöroidea und eine Linse, welche den Hohlraum 
ganz ausfüllt. Im Wesentlichen macht darauf 
Huschke^) dieselben Angaben über das Auge 
von Helix pomatia: der von der Chöroidea um- 
schlossene Raum scheint von der Linse ganz 
ausgefüllt zu werden und obwohl er von Löchern 
hinten in der Pigmenthaut redet für den Durch- 
tritt des Sehnerven, macht er jedoch über eine 
etwa vorhandene Retina keine weiteren Angaben. 
Eine ganz ähnliche Beschreibung liefert Job. 
Müller von den Augendes Murex Tritonis, wäh- 
rend er bei Helix pomatia^) die Sache etwas 
abweichend darstellt. Den von der Chöroidea 
umschlossenen Raum fand er mit einer klaren 
halb flüssigen Substanz erfüllt, deren vorderer 
Theil etwas fester ist und als ein linsenartiger 
Körper erscheint, dennoch aber eine halbflüssige 
Consistenz zeigt. 

Durch alle diese Untersuchungen wurden also 
S wammer dam's Angaben über den so zusam- 
mengesetzten Bau der Schneckenaugen nicht be- 
stätigt: im Ganzen sah man stets den brechen- 
den Körper unmittelbar von. der Chöroidea um- 
hüllt und erwähnte vom Nerven nichts weiter, 
als dass er hinten mit der Pigmenthaut zusam- 
menträfe. Erst der so genaue Kr oh n^) brachte 
Swammerdam's Beschreibung wieder etwas zu 
Ehren, indem er das Auge von Paludina unter- 

1) Beiträge zur Physiologie und Naturgeschichte. I, 
Band, üeber die Sinne. Weimar. 1824. 4. p. 56—59. Taf. 
in. Fig. 8. 

2) a. a. 0. p. 12-16. PI. 3. 

3) üeber das Auge der lebendig gebärenden Sumpf- 
Bchnecke (Paludina vivipara), Archiv f. Anat. u. Physiol. 
1837 p. 479-485. 



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242 

suchte. Er bewies, dass die Linise keineswegs 
den von* der Pigmenthaut umschlossenen Raum 
ausfüllt, sondern dass hinter ihr und vor dem 
Pigment noch eine helle Substanz, die er als 
Glaskörper bezeichnet, Platz findet. An Wein- 
geistpräparaten erkannte er innen an der Cho- 
roidea, noch einen grauen üeberzug den er als 
Botina deutet und von alle den vielen Substan- 
zen, die Swammerdam im Auge fand, fehlte 
nur noch die wässrige Flüssigkeit über deren 
Dasein sich Krohn sehr zweifelnd ausspricht. 
Krohn^) konnte bald darauf diese Beobachtun- 
gen an mehreren Arten von Seeschnecken bestä- 
gen und auf wesentlich demselben Standpunct 
steht auch noch Lespes^) dessen Arbeit mir 
jedoch nur im Auszuge bekannt geworden ist. 
Einen Schritt weiter machte Leydig^), in- 
dem er bei Helix und Lymnaea zwischen der 
Sklerotika un^ Choroidea eine ungefärbte, zelUg- 
körnige Schicht erkannte; die er mit Recht als 
der Retina zugehörig ansieht, wie man ein ähn- 
liches Verhalten z. B. bei den Heteropoden so 
leicht wahrnimmt. Zur richtigen Erkenntniss 
des Baues der Augen war vor allen Dingen ein 
genaueres Studium des Swammerda m-K r o h n- 
schen Glaskörpers nöthig und indem ich*) bei 
Pecten diese Substanz als eine wirkliche Retina 
von faseriger und zelliger Structur, welche vom 

1) Fernerer Beitrag zur Kenntuiss des Schneckenauges. 
Archiv f. Anat. und Physiol. 1839. p. 832. 333. 

2) Recherches sur l'oeil des Mollusques gasteropodes 
terrestres et fluviatiles de France (These de Toulouse) 
Auszug im Journal deConchyliologie. II. 1861. p. 313— 318. 

3) Lehrbuch der Histologie des Menschen und der 
Thiere. Frankfurt 1857. 8. p. 253. 

4) üeber den Bau der Augen von Pecten. Zeitschr. 
f. wiss.Zool.Xn. 1862. p. 133— 136. Taf.Vü. Fig. 10-14. 



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243 

unmittelbar die Linse berührt, nachwies, durfte 
ich von einem ähnlichen Gesichtspunkte aus auch 
die Augen der Heliceen einer neuen Untersuchung 
hoffnungsvoll unterwerfen. 

So sehr das ganz undurchsichtige Pigment der 
Choroidea auch stört, kann man doch am unver- 
letzten Auge, wenn man es ohne Deckglas in 
Schneckenblut betrachtet, mehrere Verhältnisse 
klar* erkennen. Man sieht die dünne , farbige, 
feste Skier otika, die eine etwa 0,31 mm. 
grosse vom ein Wenig abgeplattete Kugel um- 
giebt und im vorderen Drittel etwas verdickt 
und ganz durchsichtig sich zur Cornea umgewan- 
delt zeigt. Hinten tritt zu ihr der 0,06 — 0,08 mm. 
dicke Sehnerv mit einer kleinen Anschwellung 
durch seine zellige Scheide an ihr befestigt, 
und vorn soweit man sie als Cornea bezeichnen 
muss, wird sie von einer Fortsetzung des Cylin- 
derepithels der Haut überzogen, welches hier 
aber aus kürzeren (^0,016 — 0,02 mm. langen), 
breiteren sehr durchsichtigen Zellen besteht. 

Im Innern liegt an der Sklerotika jene von 
Leydig zuerst beachtete blasse äussere Re- 
tinasch i cht, die an den Seiten etwa 0,02 mm., 
hinten etwa 0,035 mm. Dicke erreicht und aus 
feinen Körnern und kleinen Kugeln besteht, die 
sich oft zu radial verlaufenden Streifen oder 
länglichen Zellen zusammenordnen. Der Sehnerv 
setzt sich von der kleinen Anschwellung aus, mit 
der er an die Sklerotika stösst, unmittelbar in 
diese Schicht hinein fort, obwohl sein feinfaseri- 
ger Bau dort alsbald dem kömig-streifigen An- 
sehen Platz macht. 

Vorn gleich hinter der Comea liegt die Lin s e, 
welche im frischen Zustande, wenn man das Auge 
zerreisst, meistens zerfliesst, bisweilen aber un- 
verletzt zu Tage tritt und beim Druck mit dem 



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244 

Deckglase sich dann recht elastisch zeigt. Sie 
ist ganz structurlos und von stark brechender 
zäher Substanz. In ihrer Form nähert sie sich 
sehr der Kugelform, doch ist sie etwas in der 
Kichtung der Axe verkürzt und zwar vorn etwas 
mehr abgeplattet wie hinten. Im Durchmesser 
ist sie etwa 0,2 — 0,22 mm. gross ^ in der Rich- 
tung der Axe nur 0,16 — 0,18 mm. An Spiritus- 
präparaten kann man sie sehr leicht unverletzt 
erhalten, gewöhnlich ist i^ie dann im Centrum 
aber etwas verändert, indem sie durch die Ein- 
wirkung des Spiritus dort, wie es Leydig (a. 
a. 0. p. 260) schon bemerkt, von vielen Sprün- 
gen durchsetzt und trübe geworden ist. Sie 
ragt mit etwa ein Viertel ihrer Dicke über die 
Choroidea, welche sich an sie ringförmig und oft 
in radialen Streifen, wie ein Ciliarkranz ansetzt, 
hinaus und ist soweit also schon im herausprä- 
parirten und ungedrückten Auge zu sehen. 

Die Choroidea folgt nach innen auf die 
blasse äussere Betinansicht und bildet eine runde 
Schale von 0,27—0,28 mm. Durchmesser und 
0,18 mm. Höhe, aus deren vorderer Mündung 
die Linse hervorragt. Am hinteren Bande endet 
sie nicht scharf abgeschnitten , sondern mit vie- 
len kleinen wulstigen Hervorragungen und auf 
-der Fläche sieht man sie aus 0,1—0,16 mm. 
grossen rundlichen Massen zusammengesetzt in 
deren Zwischenräumen es hell hindurchschimmert. 
Es scheinen dies die Löcher zu sein von denen 
nachHuschke die Choroidea hinten durchbohrt 
wird. Bei in Spiritus gehärteten und durch- 
schnittenen Augen zeigt diese Pigmenthaut eine 
Dicke von 0,035—0,05 mm. 

Wenn man ein frisches Auge in Schnecken- 
blut mit dem Deckglase drückt, sodass es platzt 
und die Linse sich wurstartig hervorwindet, 



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Sp]Läi*is citer Heliostat von Steinheil . 



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245 

fliesst alsbald in Strömen das Pigment hinter- 
her und während das noch zurückgebliebene Pig- 
ment sich zu einzelnen fast radialen Streifen zu- 
sammengeordnet zeigt, bemerkt man, dass inner- 
halb desselben noch eine klare Substanz, der 
bisher s. g. Glaskörper, sich befindet, drückt man 
das Pigment soweit wie nötbig aus, wobei es 
meistens auch unter der Scheide -des Sehnerven, 
zum Zeichen, dass es ausserhalb der Hauptmasse 
der Nervensubstanz und deren Fortsetzung im 
Auge liegt, entlang strömt,, so sieht man das 
Inne des Auges von der durch den Druck aller- 
dings sicher sehr verletzten inneren Retina 
erfüllt. Man bemerkt in ihr, besonders nach 
aussen zu, eine Menge runder 0,007 bis 0,012 mm. 
grosser feinkörniger Zellen oder Kerne mit einem 
grösseren dunkleren Kern oder Kernkörper im 
Innern, zwischen ihnen eine diffuse feinkörnige 
sehr klare Substanz und bisweilen auch einige 
faserige oder streifige Massen, welche diesen 
Anschein aber recht gut auch durch das Aus- 
drücken des Pigments gewonnen haben können. 

An dem in das Schneckenblut ausgeflossenen 
Inhalt des Auges kann man noch mancherlei 
Elemente erkennen. Das meiste Pigment treibt 
als freie Körner umher, vieles aber sieht man 
auch noch zu rundhchen oder länglichen 0,012 
bis 0,02 mm. grossen Massen zusammengeballt. 
Femer bemerkt man jene feinkörnigen rundlichen 
Elemente der inneren Retina, die in einer fast 
klaren Flüssigkeit eingebettet ausfliessen und 
findet oft auch kleine stabförmige oder kolbige 
structurlose Gebilde von 0,003 mm. Dicke und 
0,0 1 2 mm. Länge, die man sicher für wirkliche Ele- 
mente der Retina halten müsste, wenn nicht der 
Druck und das Ausfliessen ihre Substanz zu 
sehr umformen könnten. 



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246 

Einige weitere Aufschlüsse über den Bau der 
inneren Retina nnd der Choroidea erhält man an 
in Spiritus gehärteten Augen. Man legt die ab- 
geschnittenen Tentakeln ein bis zwei Tage in 
absoluten Alkohol und findet sie dann so erhär- 
tet, dass man durch sie und das Auge ohne 
Schwierigkeit mit dem Messer Schnitte fuhren 
kann oder nachdem man das gehärtete Auge 
herauspräparirt hat, mit Nadeln die Linse her- 
ausnehmen und die Choroidea mit der Retina in 
Fetzen von der Sklerotika zu trennen vermag. 
An solchen Präparaten sieht man an der Innen- 
seite der Choroidea einen grauen Ueberzug, ähn- 
lich wie es Krohn von Paludina anfuhrt, die 
innere Retina, die vom direct an die Linse stösst 
ohne dass eine glaskörperartige Substanz dazwi- 
schen läge. Alle Theile sind in Alkohol etwas 
zusammengeschrumpft und man findet die Cho- 
roidea etwa 0.04 mm., die innere Retina 0,01 — 
0,015 mm. dick. 

Zerzupfungspräparate der aus dem gehärteten 
Auge genommenen Choroidea und inneren Retina 
zeigen, dass diese beiden Schichten nicht von 
einander gesondert werden dürfen, sondern ganz 
in einander übergehen und zusammen als eine 
hinten pigmentirte Retina zu betrachten sind. 
Man sieht diese Retina in lange faserige 0,008 mm. 
dicke Gebilde zerfallen, die hinten von Pigment- 
kömem und -häufen umhüllt werden, vorn etwas 
verdünnt daraus hervorragen. Vor der Pigment- 
hülle findet man oft an diesen Fasern rundliche 
Anschwellungen von zellenartigen Ansehen. Ob 
die Enden dieser Fasern nach der Linse zu eine 
besondere Bildung haben, wie die aus dem fri- 
schen Auge beschriebenen stäbchenartigen Theile 
vermuthen liessen, wurde nicht klar und ebenso 
war der Zusammhang derselben mit den zelligen 



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247 

Gebilden in der äusseren Retina nicht zu erken- 
nen, denn, stets brachen dort die Fasern, wo die 
Pigmentirung am stärksten war ab, und die äu- 
ssere Retinaschicht blieb in der Sklerotika sitzen. 

Hiemach besteht das Auge der Schnecken 
aus einer Sklerotika, welche vom sich zu 
einer durchsichtigen Cornea verdickt, aus einer 
sich der Kugelform sehr nähernden Linse und 
aus einer der Linse fast an Dicke gleichkommen- 
den Retina. Diese lässt drei Schichten unter- 
scheiden, eine äussere, blasse, feinkörnige 
und zellige, eine mittlere, stark pigmen- 
tirte, eine vor der e klare, hinten mit zelligen, 
vom mehr mit stabartigen Gebilden, und zeigt 
im Ganzen sich aus Fasern zusammengesetzt, 
in denen an bestimmten Stellen Zellen oder 
Körner eingelagert sind und die an andern 
Stellen von Pigment umhüllt werden. 

Dieser Bau der Schneckenaugen ordnet sich 
sehr schön dem Bau der zusammengesetzten 
Augen der Gliederthiere , besonders aber dem 
der einfachen Augen dieser Thiere, wie ihn Ley- 
digO beschreibt unter. Schematisch passt die 
Darstellung die dieser treffliche Forscher vom 
einfachen Auge der Spinnen (Salticus) oder der 
Homiss giebt völlig auf unsere Darstellung vom 
Auge der Schnecken. 

Die Abbildungen, welche diese Untersuchun- 
gen klarer machen, werden in der nächsten Lie- 
ferung von meiner Fortsetzung des Bronnschen 
„Thierreichs" Band HI Tafel 96 erscheinen. 

1) Zürn feinem Bau der Arthropoden. Archiv f. Anat. 
und Physiol. 1855. p. 432-444. Taf. XVI. Fig. 23 — 28. 



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248 

lieber einen von Steinheil construirten 
neuen einspiegligen Heliostaten. 

Von W. Klinkerfues. 

Herr Ministerialrath Dr. Steinheil in München 
hatte die Güte, mir seine neue und höchst sinn- 
reiche Construction eines einspiegligen Helio- 
staten, den er der Eigenthümlichkeit der Con- 
struction wegen , den sphärischen Heliostaten 
nennt, brieflich mitzutheilen, bei welcher Gele- 
genheit er mich ermächtigte, der Königlichen 
Societät der Wissenschaften eine Notiz darüber 
vorzulegen. 

Das neue Instrument besteht in seinen we- 
sentlichen Theilen: aus einem Planspiegel mit 
balbkugelförmiger Fassung (der Art, dass die 
Spiegelfläche eine grösste Durchschnittsfläche 
der Kugel vorstellt), aus zwei mit der Kugel 
concentrischen Calotten oder Kugelschaalen, dann 
aus zwei an dem Fusse des Instruments ange- 
brachten Armen und endlich aus dem Uhrwerke, 
welches den einen dieser Arme durch eine 
Schraube ohne Ende in 24 Stunden um die Welt- 
axe des Heliostaten dreht. Der bewegliche Arm 
ist, so jedoch, dass er die Kugel nicht ganz be- 
rührt, nach einem Kreisbogen gekrümmt; jeder 
seiner Punkte beschreibt während der Bewegung 
einen Parallelkreis mit dem Aequator. Die bei- 
den Calotten bilden die Verbindungsstücke, durch 
welche die Fassung des Spiegels an den beiden 
Armen angebracht ist, indem jede derselben und 
an beiden in gleichem Abstände zwei Befesti- 
gungspunkte, d. h. kurze und stets nach dem 
Mittelpunkte der Kugelflächen gerichtete Axen 
hat, von denen die eine Calotte und Arm, die 



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249 

andere Calotte und Spiegelfassung verbindet. 
Um diese Axe sind die Kugelschaalen zugleich 
drehbar , ausserdem ist es ganz wesentlich für 
pen richtigen Gang des Heliostaten, dass die 
Befestigungs-Axen an der Fassung zu dem die 
Spiegelnormale vorstellenden Radius symmetrisch 
liegen, wobei also dieser Radius den durch die 
befestigungspunkte, (welche ich die inner n nen- 
nen will) gelegten Bogen eines grössten Kreises 
halbirt. Es ist ebenfalls wesentlich für die 
Function des Instruments, dass die Verbindungs- 
stücke zwischen Spiegelfassung und den Armen 
Calotten sind, weil dadurch die nothwendige Be- 
dingung, dass der Mittelpunkt der Kugel in 
Ruhe bleiben soll, erreicht wird. Offenbar wer- 
den nämlich die Calotten dieser Bedingung ge- 
mäss in Bewegung gesetzt; die eine am beweg- 
lichen Arme befestigte, unmittelbar, die andere, 
mit dem festen Arme in Verbindung stehende 
mittelbar, und man sieht ferner ein, dass hier- 
durch die Bewegung der Spiegelnormale völlig 
bestimmt wird. Dabei wird ausserdem bei der 
symmetrischen Stellung der Calotten zur Spie- 
gelnormale, diese Bewegung so beschaffen sein, 
dass stets ein bestimmter durch dieselbe ge- 
legter grösster Kreis beide äussereii Befesti- 
gungspunkte trifft, woraus dann weiter folgt, 
dass die Spiegelnormale stets den Bogen zwi- 
schen jenen Punkten halbirt. Lässt man ferner 
den einen dieser Punkte in einem Parallelkreise 
der Sonne folgen , während der andere durch 
den festen (oder doch für gewöhnlich festste- 
henden) Arm gehalten wird, so halbirt offenbar 
nach der Einrichtung des Instruments die Spie- 
gelnormale den Bogen zwischen einem auf einem 
Parallelkreise gleichmässig bewegten Punkte und 



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250 

einem festen Punkte, wie es bei dem einspiegK- 
gen Heliostaten der Fall sein muss. 

Die beifolgende kleine Zeichnung, nach einer 
Scizze des Erfinders entworfen, wird, glaube ich, 
die Construction des sphärischen Heliostaten in 
allen wesentlichen Theilen klar machen; man 
wird auch leicht daraus entnehmen, dass die 
bewegliche äussere Axe, indem sie der Sonne 
folgt, derselben stets diametral gegenüber liegt, 
sowie ebenfalls die feste äussere Axe von dem 
Punkte, welchem man Licht senden will, 180^ 
absteht. Wie es die Zeichnung auch andeutet, 
hat der bewegliche Arm eine Eintheilung für 
die Einstellung nach der Declination der Sonne, 
der feste eine solche für die Höhe des zu be- 
leuchtenden Punktes und der Fuss des Instru- 
ments für das Apimuth. 

Der Steinheirsche Heliostat hat , wie der in 
Nr. 7 d. N. von mir beschriebene, vor andern 
den Vorzug, dass er sich leicht definitiv orien- 
tiren lässt, was bei einigen Constructionen 
durch die Bewegung des Spiegelcentrums sehr 
erschwert wird. Ausserdem ist noch zu bemer- 
ken, dass das Instrument einen sehr regelmässi- 
gen Gang der Uhr gestattet, da die Calotten 
leicht mit grosser Genauigkeit herzustellen sind 
und dann der hemmende Einfluss der Reibung 
wenig zu fürchten ist. 



lieber einen von ihm bearbeiteten 
Fixsternkatalog 

bemerkte W. Klinker fu es: 

Die Beobachtungen und Rechnungen zu ei- 

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231 

nem Fixstern - Catalog haben mich seit einigen 
Jahren vorzugsweise beschäftigt; in Folge der 
Unterstützung, welche das Königliche Universi- 
täts-Curatorium diesem viele Mittel in Anspruch 
nehmenden Unternehmen gewährt hat, indem 
mir dadurch möglich gemacht wurde, eine vor- 
theilhafte Einrichtung zu treffen, auch gute 
Hülfe bei'm Beobachten und Rechnen zu finden, 
bin ich im Stande, der Königlichen Societät der 
Wissenschaften die erste Hälfte des Catalogs, 
enthaltend 6000 mittlere Oerter von Fixsternen, 
auf 1860,0 reducirt, als zum Drucke bereit, 
anzukündigen. Andere 6000 Beobachtungen, 
für die zweite Hälfte bestimmt, bedürfen noch 
der Reduction; da aber schon längst die für 
eine rasche Reduction solcher Beobachtungen 
erforderlichen Einrichtungen getroffen sind, so 
darf ich auch die Erledigung der zweiten Hälfte 
als nahe bevorstehend, längstens noch ein Jahr 
in Anspruch nehmend, ankündigen. Das im 
Ganzen etwa 40 Druckbogen umfassende Werk 
wird zugleich eine Darlegung des Verfahrens 
enthaltend, nach welchem die Beobachtungen an- 
gestellt sind. 



Die Promotionen des Decanatsjahrs 186^4 

in der philosophischen Fakultät. 

Vom 1. Juli 1863 bis 30. Juni 1864. 

1) 13. August Adolf Hermann Alv. Pflug- 
haupt aus Beilin. Dissertation: Analysen der 
Salzsoolen von Lüneburg und Göttingen. 

2) 15. August Freiheri: Rod. Sigism. Waitz 

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252 

von Eschen aus Cassel. Dissertation: Ueber 
die chemische Constitution der Oberlausitzer 
Granite. 

3) 21. August Gotth. Beruh. Heinrich 
Kühnemund aus Kahla. Dissertation: De 
kalio atque earatione quam idem cum oxydo 
carbonico et oxygenio habeat. 

4) 27. October Heinrich Ulmann aus Wei- 
mar. Dissertation: Gotfrid von Viterbo, ein 
Beitrag zur Historiographie des Mittelalters. 

5) 20. November Heinr. Lud. Buff aus Sie- 
gen. Dissertation: Ueber die Fette und die 
Fabrikation der fetten Säurei^ und des Gly- 
cerins. 

6) 23. November Franz Martin Marx Ste* 
gemann aus Wilster, Lehrer an der polytech- 
nischen Schule in Hannover, in abs., auf Grund 
eines gedruckten Werks. 

7) 30. November Hermann August Menge 
aus Seesen. Dissertation: De praepositionum 
usu apud Aeschylum. 

8) 21. December Charles Isaac Stevens, 
Lehrer und Organist in London , in abs. , Dis- 
sertation: An essay on the theory of music. 

9) 14. Januar Carl Robert Emil Tscheuch- 
ner aus Wesel, Ingenieur in Ruhrort, in abs. 
Dissertation: Ein Beitrag zur Metallurgie des 
Eisens. 

10) 16. Januar Charles Fred. Coqper, Di- 
rector des Royal naval Establishment Belgrave 
House in Soutthsea, in abs. Dissertation: On 
the genius and ideas of Plato. 

11) 21. Januar Ferdinand Lorey aus Frank- 
furt. Dissertation: De vocalibus irrationaliter 
enuntiandis apud poetas dactylicos Latinos. 

(Fortsetzung folgt.) 



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Nachrichten 

voji der Königl. Gesellschaft der Wissen- 
schaften und der G. A. Universität zu 
Göttingen. 



August 3. M 12. 1864. 



Verzeiclmiss der Vorlesungen, die von den hie- 
sigen öffentlichen Professoren und von den Pri- 
vatlehrern auf das künftige halbe Jahr angekün- 
digt sind, nebst vorausgeschickter Anzeige der 
öffentlichen gelehrten Anstalten zu Göttingen. — 
Die Vorlesungen werden den 15, October ihren An- 
fang nehmen, u. den 15, März geschlossen werden. 

Oeffmtliche gelehrte Anstalten. 

Die Versammlungen der Königl, Societät der Wissen- 
schaften werden in dem üniversitätsgebäude Sonnabends 
ran 3 ülir gehalten. 

Die Universitätsbibliothek wird alle Tage geoffiiet: Mon- 
tags, Dienstags, Donnerstags und Freitags von 2 bis 3 Uhr, 
Mittwochs und Sonnabends von 2 bis 4 Uhr. Zur Ansicht 
auf der Bibliothek selbst erhält man jedes Werk, das man 
nach den Gesetzen verlangt; über Bücher, die man aus 
derselben geliehen zu bekommen wünscht, gibt man einen 
Schein, der von einem hiesigen Professor unterschrieben ist» 

Die Sternwarte, der botanische und der ökonomische 
Garten f das Museum ^ das physiologische Institut^ das 
Theatrum anatomicum, die Kupferstich- und Gemälde- 
sammlung ^ die Sammlung von Maschinen und Modellen, 
das physikalische Cabinet und das ehemische Laboratorium 
können gleich&Us von Liebhabern, welche sich gehörigen 
Orts melden, besucht werden. 

19 



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254 

Vorlesungen. 

Theologische Wissenschaften. 

Exegetische Vorlesungen über das Alte Testament: Hr 
Prof. Ewald erklärt die Psalinen u. andere Lieder d. alten 
Test. 6 St. wöch. mn 10 übr; Hr Hofr. Bertheau die Ge- 
nesis und ausgewäMte Kapitel aus den übrigen Büchern 
des Pentateuch um 10 Uhr. 

Die Einleitung in d, kanon, u. apohr, Bücher des A. 
u. N. T. tragt Hr Prof. Ewald 6St. wöoh.um 11 Uhr vor; 

Die krit, u. hermeneut, Einleit. in die kanonischen ti. 
apokr. Bücher des A. T. Hr Hofr. Bertheau um 11 Uhr; 

Die Einleitung in das N, T. Hr Prof. Ritschi 5 St. 
wöch. um 11 Uhr; Hr. Prof. Dr. Lünemann 4 St. wöch. um 
11 Uhr. 

Exegetische Vbrlesung9n über das Neue Testament: Hr 
Prof. "Wiesinger erklart die drei ersten Evangelien 5 St. 
wöch. um 9 Uhr; die beiden Korintherbriefe Derselbe 4 
St. wöch. um 4 Uhr; Hr Prof. Dr Lünemann Paulus' Briefe 
an die Bömer u. d. Galater 5 St. wöch. um 9 Uhr. 

Eine beurtheüende Darlegung des Hauptinhalts des Le- 
bens Jesu von Renan mit Erläuterung der Hauptstücke 
des Lebens Jesu, gibt Hr. Prof . Matthäi Donnerst.u. Freit, 
um 2 Uhr. 

Die vergleichende christliche SymboUk trägt Hr Con- 
sist-B. Schoeberlein 4 oder 5 St. wöch. um 4 Uhr vor; 
Die vergleichende Symbolik Hr Prof. Matthäi Mont. und 
Dienst, um 2 Uhr; 

Die Dogmengeschichte Hr Prof. Wagenmann 5 St. wöch. 
um 4 Uhr; Hr Lic, Dr. phil. Holzhausen 6 St. wöch. um 
11 Uhr; 

Der Dogmatik ersten Theil Hr Prof.Eitschl 5 St. wöch. 
um 12 Uhr; Hr Prof. Gess 5 St. wöch. um 12 Uhr; 

Der Dogmatik zweiten Theil (die Ponerologie, Christo- 
logie, Soteriologie u. Eschatologie) Hr Consist.-ß. Schoe- 
berlein 5 St. wöch. um 12 Uhr; 

Die vornehmsten religiösen Streitfragen der Gegenwart 
Hr Prof. Gess öffentl.; 

Ausgewählte Kapitel der bibl, Archäologie Hr Dr. phil. 
Bialloblotzky in für die Zuhörer bequemen Stunden. 

Ueber die neuesten Beiseuntemehmungen liest Derselbe 
4 St. wöch. 

Vorlesungen über Kirchengeschichte: Herr Consist.-R. 
Duncker trägt den ersten Theil der K. G, 6 St. wöch. 



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255 

um 8 Uhr vor ; die neuere Kirchengescliiclite Derselbe öf- 
fentl. 5 St. wöch. um 3 ülir; Hr Prof. Wagenmann den 
zweiten Theil der KirchengeschicJite 6 St. wöch. um 8 Uhr; 
Hr Lic. Dr. phil. Holzhausen der allg. Kirchengegeschichte 
zweiten Theil von Wiclef bis auf unsere Zeit ß St. wöch. 
um 8 Uhr. 

Die Geschichte der neueren Theologie mit besonderer 
Berücksichtigung der Culturgeschichte tragt Hr Ober-Con- 
sist.-R. Abt Ehrenfeuchter Mont. Dienst. Donnerst, u. Freit. 
4 St. wöch. um 2 Uhr vor; 

Der prakt, Theologie ersten Theil (Prolegomena , Mis- 
sionstheorie u. Eatechetik) Derselbe an denselben Tagen 
um 3 Uhr. 

Die Uebungen des homiletischen Seminars werden Hr 
Ober-Consist.-R. Abt Ehrenfeuchter und Hr Prof. Wiesin- 
ger Sonnabend von 10—12 Uhr öfPentl. leiten. 

Die katechetischen Uebungen leiten Hr Ober-Consist.-R. 
Abt Ehrenfeuchter Sonnabend um 5 Uhr; Hr. Prof. Wie- 
singer Mittwoch um 5 Uhr öffentlich. 

Die Theorie der Katechetik wird Hr Generalsuperinten- 
dent Dr. phil. Rettig im Sommersemester fortsetzen. 

Die katechetischen Ziehungen leitet Derselbe wie bisher 
in pass. St. 

Die liturgischen Uebungen der Mitglieder des praktl 
theol. Seminars leitet Hr Consist.-R. Schoeberlein Sonnab. 
um 9 Uhr öffentl.; den Kirchengesang Derselbe in Ver- 
bindung mit Hm Musikdirect. Hüle Mittw. um 6 Uhr öff. 

Eine dogmatische Societät leitet Hr Consist.-R. Schoe- 
berlein Freit, von 6 — 8 Uhr; eine theologische Societät 
für Philologie-Studirende Hr. Prof. Wiesinger; eine histo- 
risch-theologische Societät Hr Prof. Ritschi in e. pass. St. ; 
eine dogmatische Societät Hr Prof. Gess. Zu einer exe- 
getischen Societät erbietet sich Hr Rep. Hansen, privatis- 
sime und unentgeltlich. 

Zu Privatissima erbietet sich Hr Lic. Dr. phil. Holz- 
hausen. 

Die dogmatischen^ historischen u. exegetischen Conver- 
satorien werden im theologischen Stift, wie bisher, von 
den Eepetenten Mont. Ab. um 6 Uhr geleitet werden. — 
Hr Repet. Cropp wird die ethischen Lehren Schleierma- 
chers übersichtlich darstellen Mittw. um 11 Uhr öffentl. 
Hr Repet. Hansen wird die Bücher der Könige Dienst, u. 
Freit, um 11 Uhr cursorisch u. unentgeltlich erklären. 
Derselbe wird die Geschichte der Mystik des 14. u. 15. 
Jahrh. in e. passenden St. unentgeltUch vortragen. Hr 

19* 



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12^ 

Repet. KloBtennaim erklärt das Evang. 'Marci, Mont. n. 
Donnerst, um 11 Uhr cursorisch unentgeltlicli. 

Rechtswissenschaft. 

Das Völkerrecht tragt Hr Dr. E. Meier 3 St. -wöcli. tun 

9 Uhr vor; 

Die deutsche Rechtsgeschichte Hr Hofr. Kraut 5 St. "wöch. 
um 10 Uhr; 

Die deutsche Stciats- ti. Rechtsgeschichte Hr Dr. Frens« 
dorff 5 St. um 12 Uhr; 

Die Quellenhunde des Staatsrechts Hr Dr. E. Meier. 

Detitsches Bundes- u, Staatsrecht trägt Hr. Hofr. Kraut 

5 St. wöch. um 9 Uhr vor; 

Das deutsche Staats- u. Bundesrecht Hr Dr. E. Meier 

6 St. wöch. um 8 Uhr. 

Die deutsche Verfassungsgeschichte seit dem westphäli- 
schen Frieden Hr Dr Frensdorff, Mittw. um 3 Ulur un- 
entgeltlich. 

Das öffentliche Recht des deutschen Bundes u, d, deut- 
schen Bundesstaaten Hr Prof. Pemice 5 St. wöch. um 12 Uhr ; 

Die Geschichte u, den Charakter der Versuche zu Grün- 
düng, Reform und Umsturz des deutschen Bundes Der- 
selbe 2 St. wöch. um 5 Uhr öS, 

Eine Societät zum Zweck des Disputirens über Ab- 
schnitte des öffentlichen Rechts veranstaltet Derselbe pri- 
vatissime aber gratis. 

Das deutsche Bundesrecht trägt Hr Staatsrath Zachariae 
Dienst, u. Freit, um 4 Uhr öffentl. vor; 

Das Criminalrecht Derselbe 6 St. wöch. um 10 Uhr; 
Hr Dr von Bar 6 St. wöch. um 8 Uhr. 

Die Geschichte des röm, Rechts trägt Hr Creh. Justizr. 
Ribbentrop um 10 Uhr vor. 

Ein Exegeticum veranstaltet Derselbe 8 St. wöch. um 
6 Uhr Ab. u. übt diejenigen Zuhörer, welche es wollen, 
im Interpretiren u. im Antworten auf Fragen die ihnen 
vorgelegt werden. 

Exegetische Uebungen an ausgewählten Fandektensteüen 
Hr Prof. Wolff 2 St. wöch. um 6 Uhr. 

Die Institutionen des römischen Rechts trägt Hr. Geh. 
Justizr. Ribbentrop um 11 Uhr vor; Hr Dr. Maxen um 

10 Uhr; 

Die Pandekten Hr Hofr. Francke um 9 u. 11 Uhr; 
Das Erbrecht Hr Prof. Sc^esinger 5 St. wöch. um 4 
Uhr; 



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257 

Das Hypothekenrecht^ namentl. nach d. neuem deutschen 
Gesetzgebungen, Hr Dr. von Bar 1 St. wöch. um 5 Uhr 
unentgeltl. 

Die Geschichte des römischen Civilprocesses Hr Prof. 
Ubbelohde 2 St. wöch. um 12 Uhr ; Hr Dr. Maxen 2St. wöch. 

Ein Civilpracticum hält Hr Prof. Wolff 3 St. wöch. um 
5 Uhr; Hr. Prof. Ubbelohde 3 St. wöch. um 4 Uhr. 

Ausgewählte Stellen des Corpus Juris civilis interpre- 
tirt in examinatorischer Manier Hr Prof, Ubbelohde 4 St. 
wöch. um 3 Uhr. 

Das evangelische und katholische Kirchenrecht trägt Hr 
Hofr. Kraut 5 St. wöch. um 12 Uhr vor; das kathoL u. 
evangel. Kirchenrecht Hr Hofr. Herrmann 5 St. wöchentl. 
um 4 Uhr. 

Üeber Synoden in d, evang, Kirche liest Hr Hofr. Herr- 
mann öffentl. 

Üeber das VerhäUniss von Staat u, Kirche liest Hr 
Dr. E. Meier Mittw. um 3 Uhr unentgeltlich. 

Das deutsche Privat- u, Lehnrecht trägt Hr Hofr. Thöl 
5 mal wöch. um 8 u. 9 Uhr vor; 

Das Handels- u. Wechselrecht Hr Prof. Schlesinger 5 
St. wöch. um 8 Uhr; 

Das internationale Privat - u. Strafrecht Hr Dr. von 
Bar, 2 St. wöch. um 5 Uhr gratis; 

Die Rechtswissenschaft für Land- u. Forsiwirthß un- 
ter fortlaufender Berücksichtigung des Hannov. Rechts 
Hr Prof. Ubbelohde 4 St. wöch. um 12 Uhr; 

Den Straf process ^ sowohl den gemeinen als den nach 
heutigen Yerprdnungen der Strafgerichte geltenden, Hr 
Hofr. Herrmann 5 St. wöch. um 12 Uhr; 

Die Theorie des Civilprocesses Hr Prof. Briegleb 8 St. 
wöch. Mont. Dienst. Donnerst, u. Freit, um 11 u. um 3 
Uhr ; Hr Dr Grefe 6 St. wöch. um 1 Uhr ; Hr Dr. Maxen 
um 11 Uhr. 

Ein Profcess-Practicum hält Hr Prof. Hartmann 2 mal 
wöch. von 4 — 6 Uhr; 

Zu Hepetitorien u, Privatiss. erbietet sich Hr Prof. 
Ubbelohde. 

Die Yorlesungen über gerichtliche Chemie s. unter Na- 
turlehre, 

Heilkunde. 

Die Vorlesungen über Botanik und Chemie s. unter 
Naturlehr^, 



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258 

Der systematischen Anatomie ersten Theil tragt Et Hofr. 
Henle täglich um 12 ühr vor; 

l^opographische Anatomie Derselbe Mont. Mittw. u. 
Donnerst, um 2 ülir. 

Mikroskopische Ziehungen leitet Hr Prof. Kraemer pri- 
vatissime. 

Die pathologische Anatomie tragJi/Hr Prof. Krause Mont. 
Mittw. Donnerst, u. Sonnab. um 3 Uhr vor. 

Einei^ mikroskopischen Cursus der pathol. Anat. hält 
Derselbe wie bisher 4 St. wöch. um 12 Uhr im patholog. 
Institute. 

Mikroskopische üehungen veranstaltet Hr Dr. Ehlers in 
gewohnter Weise» 

Die Osteohgie u. Syndesmologie tragt Hr Hofr; Henle 
Dienst. Freit, u. Sonnab. um 11 Uhr vor; 

Die allgemeine und besondere Physiologie ^ mit Erläute- 
rungen durch Experimente und mikroskopische Demon- 
strationen, Hr Prof. Herbst 6 St. wöch. um 10 Uhr; Der 
Experimentalphysiologie zweiten Theil (die Phy8..des Ner- 
vensystems u. der Sinnesorgane) Hr Prof. Meissner 5 St. 
wöch. um 10 Uhr; 

Die Mechanik der Gelenke des menschl, Körpers Hr. 
Prof. Krause Mittw. um 4 Uhr od. zu e. and. pass.St.öff. 

Die praktischen Üehungen im physiologischen Institut 
leitet Hr Prof. Meissner töglich in pass. St. 

Die physikalische Diagnostik, vornehmlich die AuscuU 
tation und JPercussion, verbunden mit praktischen üe- 
hungen, tragt HrProf. Kraemer 4 St. wöch. um 8 Uhr vor; 

Die physikaL Diagnostik , in Verbindung mit prakti- 
schen üebungen an Gesunden und Kranken, HrDr Wiese 
4 St. wöch. in später naher zu bestimmenden Stunden; 

Den zweiten Theil der Pharmacie Hr Prof. Wiggers 
Mont, Dienst. Mittw. u. Donnerst. Morg. um 8 Uhr; 

Die Pharmacie für Mediciner Hr Dr. von Uslar in spä- 
ter zu bestimmenden Stunden. 

Die Pharmacopoea hanoverana nova erklärt Derselbe 
3 St. wöch. 

Zu Privatissima über Pharmacie erbietet sich Hr Dr. 
Stromeyer. 

Die Lehre von den Wirkungen und dem Gehrauche der 
Heilmittel (Pharmakodynamik oder Materia med.), so wie 
die Kunst Arzneimittel zu verschreiben trägt Hr Hofr. 
Marx 6 St. wöch. um 4 Uhr vor; 

Die specielle Pathologie und Therapie Hr ^Geh. Hofr. 



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259. 

Hasse 7 St. wöch. Dienst, u. Freit, um 2 Ulir und fünf- 
mal um 5 ülir; 

Die Geschichte der Chirurgie Hr Hofr. Bäum Mittw. um 
4 Uhr öfiPentl.; 

Der Chirurgie zweiten Theil Derselbe 5 St. wöch. um 
6 Uhr Ab., u. Sonnab. um 2 Uhr; 

Die Lehre von den chirurgischen Operationen Derselbe 
4 St. wöch. um 4 Uhr; 

Die Bandagenlehre ^ Hr Prof. Kraemer 3 St. wöch. in 
naher zu verabredenden St. 

Die Gehurtskunde trägt Hr Prof. Schwartz Mont. Dienst. 
Donnerst, und Freit, um 8 Uhr Morg. vor; einen gehurts- 
hülflichen Operationscursus hält derselbe Mont. u. Don- 
nerst, um 3 Uhr ; die geburtshülßich-gynähologische Klinik 
leitet Derselbe Dienst, u. Freit, von 3—5 Uhr. 

Die systematische Geburtshülfe liest Hr Dr. Küneke 
Mont. Dienst. Donnerst, u. Freit, um 8 Uhr. 

Die gehurtshülfliche Operationslehre trägt Derselbe vor 
u. leitet den Operationscursus Mittw. u. Sonnab. um 8 Uhr. 

Die gehurtshülfl. Aitscultation u, Mensuration Derselbe 
Sonnab. um 2 Ühr gratis. 

Ueber die Krankheiten der Wöchnerinnen u. d, Neuge- 
hörnen liest Hr Prof. Schwartz Mittw. um 8 Uhr öffentl. ; 

Ueber Frauenkrankheiten liest Hr Dr. Küneke Dienst. 
Donnerst, u. Freit, um 9 Uhr. 

Zu Repetitorien u. Privatiss, erbietet sich Derselbe. 

Die Psychiatrie trägt Hr Prof. Krause Mont.' u. Don- 
nerst, um 4 Uhr vor. 

Die medicinische Klinik u. Poliklinik leitet Hr Geh. 
Hofr. Hasse täglich um lOJ^— 12 Uhr. 

Die chirurgisch' augenärztliche Klinik leitet Hr Hofr. 
Baum im Emst-August-Hospital täglich von 9 — 10^ Uhr; 

Sedrühungen an Leichen leitet mit Hm Prosector Dr. 
Ehlers Hr Hofr. Henle tägl. von 9—4 Uhr. 

Hr Dr. Thiry wird nach s. Rückkehr v. e. Reise Vor- 
lesungen anzeigen. 

Die Anatomie und Physiologie der Hausthiere u, Pferde- 
u, Rindviehkunde trägt Hr Dr. med. vet. Jjuelfing 6 St. 
wöch. um 8 Uhr vor; die Theorie des Hufheschlags in 
zu verabredenden St. öffentlich. 

Den Reitunterricht ertheilt Hr Universitätsstallmeister 
Schweppe, Rittmeister a.D., Mont. Dienst. Donnerst. Freit, 
und Sonnab. des Morgens von 8 — 12 Uhr und Nachmit- 
tags ausser Sonnabend von 3—4 Uhr, 



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260 
Philosophische Wissenschaften. 

Ueber verscliiedene Weisen den organischen Zusammm- 
hang des Wissens zu versinnlichen u. die Einheit der Theo- 
rie aller Wissenschaft und Kunst darzusteUen liest Hr 
Dr. BiaUoblotzky. 

Der Geschichte der Philosaphie zweiten Theil oder Ge- 
schichte der neuern Philosophie bis auf die neuesten Zei- 
ten trägt Hr Geheime Hofr. Ritter 5 St. wöch. um 5 
Uhr vor; 

Die Logik u. Encyhlopädie der Philosophie tragt Hr 
Hofr. Lotze 4 St. wöch. um 10 Uhr vor; 

Psychologie Derselbe 4 St. wöch. um 4 Uhr. 

Die Gründe für die Unsterblichkeit der Seele entwickelt, 
unentgeltlich, Hr Assess. Dr. Moller Mittw. um 12 Uhr grati«. 

Die Religionsphilosophie tragt Hr Prof. Bohtz Mont. 
Dienst, u. Donnerst, um 3 Uhr vor; Die Religionsphüo' 
Sophie mit steter Rücksicht auf die neuesten Fortschritte 
der speculativen Theologie Hr Prof. Peip 4 St. wöch. um 
5 Uhr; 

Fragen zur ReUgionsphiL Hr »Dr, Lttugenbeck Mittw. 
u. Sonnab. um 11 Uhr gratis. 

Die Metaphysik trägt Derselbe 4 St. wöch. um 8 Uhr vor; 

Die Geschichte der Pädagogik Hr Prof. Krüger Mittw. 
u. Sonnab. um 12 Uhr; diea%em. Pädagogik Hr Assessor 
Dr. Moller Mont. Dienst. Donnerst, um 12 Uhr gratis. , 

In seiner Montags- Sacietät nimmt Hr Prof. Peip Abds 
7 — % Uhr die Grundlehren der Logik auf eine dem Be- 
dürfhiss aller Facultäten angemessene Wei«e durch; in 
der Freitags- Societ, Ab. 7 — 9 Uhr stellt Derselbe eine 
Vergleichung Spinoza's u. Schleiermacher's auf Grand ih- 
rer Philosoph. Hauptwerke an. Eine philosophische Sa- 
cietät leitet Hr Dr. Langenbeck Mont. von 6—8 Uhr. 

In dem pädagogischen Seminarium leitet Hr Hofr. Sauppe 
öffentl. die Uebungen der Mitglieder Mont. u. Dienst um 
11 Uhr. 
Hr Dr. Teichmüller wird späterhin Vorlesungen ankündigen. 



Staatswissenschaften und Gtewerbswissen- 
schaft. 

Die Einleitung in die allgemeine Statistik trägt Hr Prof. 
Wappäus Sonnab. "um 12 Uhr öffentlich vor; 



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261 

Die Politik flr Prof. Waitz 4 St. wöch. tun 8 Uhr; 

Die Finanzpolitik Hr Prof. Helferich 5 St. wöch. um 5 Uhr ; 

Die Nafionalökonomie Derselbe 4 St. wöch. um 3 Uhr; 

Die •' landwirthschaftliche Thierproductionalehre (I^ehre 
von den Nutzungen, Kacen, der Züchtung u. rationellen 
Ernährung u. Pflege der landwirthschaftlichenHausthiere) 
Hr Prof. Griepenkerl Mont. Dienst. Donnerst, u. Freit, um 
10 Uhr; 

Die landwirthachaftliche Technologie (Branntweinbren- 
nerei, Spiritusfabrikation, Molkereiwesen u.s.w.) Derselbe 
2 St. wöch. um 2 Uhr; 

Die Theorie der Organisation u. Taxation der Landgü- 
ter in Verbindung mit einem Repetitorium u. Demonstra- 
tionen auf benachbarten Landgütern Derselbe 4 St. wöch. 
um 5 Uhr od. in and. pass. St. 

ImAnschluss an die beiden ersten Vorless. werden De- 
monstrationen in praktischen Betrieben stattfinden. 



Mathematische Wissenschaften. 

Die Elementar 'Mathematik tragt Hr Dr. Hattendorff 5 
St. wöch. um 8 Uhr vor; 

Die Differential- u. Integralrechnung mit Anwendung 
auf Qeomeime Hr Hofr. Ubnch um 3 Uhr; 

Die Theorie der bestimmten Integrale Hr Dr. Enneper 
Mont. Dienst. Mittw. Donnerst, u. Freit, um 9 Uhr. 

Hr Prof. Riemann wird nach d. Kückkehr von s. Reis§ 
Vorless. ankündigen. 

Die algebraische Analgaia und die Ar^angsgründe der 
analytischen Geometrie Hr Prof. Stern 5 St. wöch. um 
11 Uhr; 

Die analytische Mechanik Derselbe 4 St. wöclu um 
10 Uhr. 

Die Theorie der Determinanten Hr Dr. Enneper Dienst. 
u. Freit, um 3 Uhr; 

Die elliptischen w. Abelschen Functionen einer com- 
plexen variabeln Quantität Hr Prof. Schering 4 St. wöch. 
um 3 Uhr; 

Die Theorie der eüipUsohen u. Abelschen Functionen 
Hr Dr. Hattendorff 5 St. wöch. um 4 Uhr; 

Ausgewählte B[apitel aus der Theorie der Gleichungen 
Derselbe Mittw. um 9 Uhr; 



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262 

Einen praktischen Cursus in der Stöchiotnetrie veran- 
staltet Hr Dr. Hasemann Sonnab. von 2 — 4 ühr. 

Die theoretische Astronomie tragt Hr Prof. Klinkerfues 
Mont. Dienst. Mittw. u. Donnerst, um 12 Uhr vor. 

Anleitung in Anstellung astronomischer u. magnetischer 
Beobachtungen ertheilt Eterselbe den Mitgliedern des ma- 
them. physik. Seminars zu e. pass. St. öffentl. 

Die höhere Mechanik tragt Hr Hofr. Ulrich um 10 Uhr 
vor; 

Die mathematische Optik Hr Dr. Pape Dienst. Mittw. 
Donnerst, u. Freit, um 12 ühr. 

Physikalisch -mathematisches Seminar s. unter Natur- 
lehre. 



Naturlehre. 

Allgemeine Naturgeschichte tragt Hr Hofr. Grisebach 
Mont. Dienst. Donnerst, u. Freit, um 5 Uhr vor; 

Allgemeine u, specielle Zoologie Hr Prof. Keferstein 5 
St. wöch. um 3 Uhr; 

Die medicinische Zoologie Hr Dr. Ehlers 3 St. wöch. 

Zoologisehe Uehungen leitet Hr Prof. Keferstein im zoo- 
log. Museum Mont. u. Dienst, v. 9 bis 12 Uhr; 

Die Anatomie u. Physiologie der Pflanzen^ mit beson- 
• derer Rücksicht auf cüe physiologischen Grundsatze des 
Ackerbaus, Hr Hofr. Grisebcu^h Mont. Dienst. Donnerst, 
u. Freit, um 4 Uhr. 

Mikroskopische Demonstrationen über die Gewebelehre 
der PßamenlQiiet derselbe privatissime Sonnab. um 10 Uhr; 

Die Naturgeschichte der Kryptogamen tragt Hr Hofr. 
Bartling 4 St. wöch. um 12 ü& vor. Die in den Ge- 
wächsMusem des botanischen 6rarfen«^ blühenden Pflan- 
zen wird Derselbe öffentlich demonstriren Mittw. um 11 
Uhr; botanische Excursionen in der bisher üblichen Weise 
machen. 

Die Physiologie u, Anatomie der Pflanzen tragt Hr 
Assess. Dr. Lantzius-Beuinga Mont. Dienst, und Donnerst, 
um 5 Uhr vor, und stellt zur Erläuterung derselben Sonnab. 
um 11 Uhr mikroskopische Beobachtungen an. EineVer- 
gleichung der kryptogam, u. phanerogam. Pflanzen stellt 
Derselbe Dienst, u. Freit, um 7 Uhr Abendui an, unent- 
geltlich. 

Die Mineralogie lehrt Hr Prof. Sartorius v. Walters- 
hausen 4 St. wöch. um 11 Uhr. 



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263 

Die Kristallographie tragt Hr Prof. Listing 4 St. 
wöch. um 4 Uhr vor. 

Praktisclie Uebungen in Bezug auf Mineralogie leitet 
wie bisher Hr Prof. Sartorius von Waltershausen. 

Die Geologie tragt Derselbe Dienst, u. Mittw. um 4 
Uhr u. Donnerst, u. Freit, um 6 Uhr vor. 

Hr Prof. von Seebacb wird eine Reise nach Central- 
america unternehmen. 

Der JExperimental-Phgsik zweiten Theil (die Lehre von 
der Elektricitat, dem Magnetismus, der Wärme und dem 
Lichte) trägt Hr Hofr. Weber Mont. Dienst, u. Mittw. 
von 5—7 ühr vor. 

üeber das Berechnen meteorologischer Beobachtungen 
handelt Hr Prof. Listing Dienst, um 6 ühr. 

Eine vergleichende Uebersicht der älteren u, neueren 
chemischen Ansichten gibt Hr Dr. Hübner Dienst, und 
Freit um 8 ühr Morg. 

Die Chemie trägt Hr Geh. Obermed.-R. Wöhler 6 St. 
wöch. um 9 Ühr vor. Derselbe leitet in Gemeinschaft 
mit den Hm Dr. v. Uslar, Dr. Beilstein u. Dr. Fittig 
Uebungen und Untersuchungen im akademischen Labora- 
torium. 

Die chemischen Uebungen im physiologisch-chemischen 
Laboratorium leitet Hr Prof. Boedeker wie bisher; Hr 
Prof. Wicke f. Landwirthschafb Studirende. 

Die organische Chemie tragt Hr Dr. Fittig vor mit 
besonderer Berücksichtigung der physiologischen Chemie 
Mont. Dienst. Mittw. u. Donnerst, um 3 Uhr; die organ, 
Chemie Hr Dr. Beilstein 4 St. wöch. Dienst. Mittw. Don- 
nerst, und Freit, um 12 Uhr; die organ, Chemie^ mit be- 
sonderer Rücksicht auf Pharmacie, Hr Dr. Husemann 
Mont. Dienst, u. Freit, um 12 Uhr. 

Die AgricuUurchemie Hr Prof. Wicke 2 St. wöch. 

Die analytische jExperimental- Chemie, sowohl quantita- 
tive als qualitative, Hr Dr. Hübner. 

Die analytische Chemie Hr Dr. Buff Mont. u. Sonnab. 
um 12 Uhr u. Mittw. um 6 Uhr; 

Einige physikalisch-chemische Erscheinungen u. Gesetze 
Hr Dr. Pape Sonnab. um 12 Uhr unentgeltfich. 

Ein Examinatorium über die theoretische und pharmu- 
ceutisch-praktische Chemie veranstaltet Hr Prof. Bödeker in 
je 5 St. 

Trivatissima in einzelnen Zweigen der theoretischen 
Chemie ertheilt Hr Dr. Stromeyer; Ein Bepetitorium der 
pharmaceutischen u, forensischen Chemie Hr Dr. Huse- 



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264 

mann Mittw. u. Freit, um 6 Uhr od. zu einer andern 
den Zuhörern bequemen St.; Ein Repetitorium über all- 
gemeine und specielle Botanik wird Hr Assess. Dr. Lan- 
tzius- Beninga in näher zu verabred. - St. abhalten. Zu 
sonstigen Privatissimis üb. theoretische u. angewandte Bo- 
tanik erbietet sich Derselbe. 

Im physikalisch-mathematischen Seminar tragt Hr Hofr. 
ühich die Theorie der einfachen Maschinen Sonnab. um 
10 Uhr vor; leitet Hr. Hofr. Weber die physik. Beobach- 
tungen von 5—7 Uhr öffentl.; Hr. Prof. Listing die phy- 
sikfidischen Uebungen Mittw. um 11 Uhr; Hr Prof. Stern 
die mathematischen Uebungen Mittw. um 10 Uhr; trägt 
Hr Prof. Schering ausgewählte Abschnitte der Lehre von 
der Elektricität Freit, um 4 Uhr öff. vor: leitet Hr Prof. 
Klinkerfues öff. die astronomischen u. magnetischen Beob- 
achtungen (s. Math, Wiss,) 



Historische Wissenschaften. 

Die Elemente der Diplomatik, in Verbindung mit pa- 
läographischen Uebungen, trägt Hr Dr. Cohn Mittw. v. 11 
bis 1 Uhr u. Sonnab. um 11 Uhr vor; 

Die Erdkunde von Amerika Hr Prof. Wappäus 4 St. 
wöch. um 12 Uhr; 

Die alte Geschichte (mit Ausschluss der römischen) Hr 
Dr. Vischer 4 St. wöch. um 10 Uhr. 

Die römische Geschichte bis zum Untergange der JB#- 
publik Hr Dr. Abel 4 St. wöch. um 12 Uhr; 

Die Geschichte des Mittelalters Hr Prof. Havemann 
Mont. Dienst. Donnerst, u. Freitag um 3 Uhr; Die Ge- 
schichte der Kreuzzüge Hr Dr. Abel Mittw. um 12 Uhr 
unentgeltlich ; 

Die Universalgeschichte von 1789 bis 1815 Hr Dr. 
Cohn Mont. Dienst. Donnerst, u. Freit, um 11 Uhr; 

Die deutsche Geschichte Hr. Prof. Waitz 5 St. wöch. 
um 4 Uhr; 

Die Geschichte der deutschen Städte Hr Dr. Vischer, 
2 St. wöch. um 10 Uhr, gratis - 

Die braunschweig- lüneburgische Geschichte Hr Prof. 
Havemann Mont. Dienst. Donnerst, u. Freit, um 11 Uhr. 

Die Geschichte Italiens seit dem Beginn des Mittelal- 
ters, Hr Assessor Dr. Wüstenfeld 4 St. wöch. Mont, Dienst. 
Donnerst, u. Freit, unentgeltl. um 10 Uhr od zu einer 
and. den Zuhörern gelegenen Zeit. 



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265 

Die Geschichte der IdevoktihnszeU von 1789 bis 1795 
Hr. Dr. üsinger Dienst, u. Freit, um 12 Uhr gratis; 

Historische TJebungen stellt Hr. Prof. Waitz 1 St. wöch. 
öffentl. an; desgl. Hr t)r. Cohn Donnerst, um 6 Uhr un- 
entgeltlich; Hr Dr. Vischer einmal wöch. um 6 Uhr Ab. 
gratis. 

Die Kirchengeschichte s. unter: Theol, Wiss, 

litterärgeschichte. 

Die Vorlesungen über d. Geschichte einzelner Wissen- 
schaften u, Künste sind bei jed. einzelnen Fache erwähnt. 

Die allgemeine Literaturgeschichte tragt Hr Hofrath 
Hoeck zu einer am schwarzen Brette anzuzeigenden St. vor. 

Die Geschichte der griechischen Literatur Hr Prof. 
Schweiger 4 St. wöch.; 

Die Geschichte der griechischen Poesie l^VvoL v.Leutsch 
5 St. wöch. um 10 Uhr; 

Die Geschichte der deutschen NationaUitteratur Hr 
Prof. W. Müller 5 St. wöcb. um 3 Uhr ; 

Dante^s Lehen u, Werke Hr Assessor Dr. Tittmann, 
Mont. u. Donnerst, um 12 Uhr gratis. 



Schöne Künste. 

Die Aesthetik trägt Hr Prof. Bohtz Mont. Dienst, und 
Freitag um 11 Uhr vor; 

Die Kunstgeschichte von Constantin dem Grossen bis 
zum 18. Jahrh, Hr Prof. Unger 4 St. wöch. um 3 Uhr 
unter Zugrundelegung seiner „üebersicht der Bildhauer- u. 
Malerschulen seit Constantin d. Gr." imd verbindet damit 
eine Erklärung der vorzüglichsten Kunstwerke in d. königl. 
Universitätssamml. 

Unterricht im 2kichnen so wie auch im Malen ertheilt 
Hr Grape. 

Die Geschichte der Musik trägt Hr Prof. Krüger Mont. 
u. Donnerst, um 12 Uhr vor; 

Harmonielehre u, Theorie der Musik lehrt Hr Musik- 
Director Hille in pass. St. Ausserdem lädt er ein zur 
Theilnahme an den Uebungen der Singakademie u. des 
Orchesterspielvereins, 

Die Harmonielehre lehrt Hr Prof. Krüger Mont. und 
Donnerst, um 8 Uhr; 



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266 
Alterthumskunde. 

Die griechischen Staatsverfassungen tragt Hr Prof. Cnr- 
tius 4 St. wöch. um 8 ülir vor. 

Die griech, M^/tfiologie ^ durcli Werke der alten Kunst 
erläutert, Hr Prof. Wieseler 4 od. 5 St. wöch. um 10 übr. 

Ueber die deutsche Heldensage liest Hr Assess. Dr Titt- 
mann Dienst, u. Freit, um 12 Uhr unentgeltlich. 

Die Geschichte der bildenden Kunst hei den Griechen 
und Römern trägt Hr Prof. Curtius Mont., Dienst., Don- 
nerst, u. Freit, um 12 Uhr vor. 

Im archäologisch-numismatischen Institut lässt Hr Prof. 
Wieseler die Mitglieder auf die griech. Heroen bezügliche 
Werke der alten Kunst Sonnab. um 12 Uhr öffentlich er- 
klaren. 

Orientalische und alte Sprachen. 

Die Vorlesungen über das Alte und Neue Testament 
s. unter: TheoL Wissenschaß, 

Eine übersichtliche Encyklopädie der Sprachwissenschaft 
gibt Hr Prof. Benfey Mont., Dienst., Donnerst, u. Freitag 
um 3 Uhr. 

Die hebräische Grammatik lehrt Hr Lic. Dr phil. Holz- 
hausen 3 St. wöch. um 2 Uhr. 

Die arabische und syrische Sprache Hr Hofr. Bertheau 
privatissime aber unentgeltlich um 2 Uhr; ' 

Die aramäischen Sprachen Hr Prof. Ewald 3 St. wöch. 
öff. um 2 Uhr; 

Die armenische und persische Sprache Derselbe 3 St. 
wöch. öffentl. um 2 Uhr; 

Arabische Schriftsteller wird Derselbe zu lesen fortfah- 
ren. Desgl. Hr Prof. Wüstenfeld ; 

Das SanÄÄnYlehrtHr Prof. Benfey Mont., Dienst., Mittw. 
um 12 Uhr: Hr Prof. Leo Meyer Dienst., Donnerst, und 
Freitag um 3 Uhr; 

D. Rigveda erklart Hr Prof. Benfey Donnerstag, Freit, 
und Sonnab. um 12 Uhr. 

Die Hermeneutik und Kritik tragt Hr Hofr. Sauppe Mont., 
Dienst., Donnerst, u. Freit, um 9 Uhr vor. 

Die vergleichende Grammatik der griech. u, lat, Sprache 
(die Lehre vom Satze) lehrt Hr Prof. Leo Meyer < St. 
wöch. um 8 Uhr. 

In dem philologischen Seminarium lässt Hr Prof. V. 



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267 

Leutsch Vergils Eklogen Donnerst, und Freitag um 11 
Uhr ö£Fentl. ; Hr Prof. Curtius Euripides' Iphigenia in Tau- 
ris Mont. u. Dienst, ran 11 Uhr erklären; leitet Hr Hofr. 
Sauppe öffentl. die schriftliclien Uebraigen der Mitglieder 
Mittw. ran 11 Uhr. 

In dem Proseminar lässt Hr Prof. v. Leutsch des Theog- 
nis üeberbleibsel Mittwoch um 9 Uhr erklären; leitet Hr 
Prof. Curtius die schriftlichen Uebungen und Disputatio- 
nen; lässt Hr Hofr. Sauppe den Dialogus de oratoribus 
Montag um 6 Uhr öff. erldären. 

Vorlesungen über die griechische Sprache und über 
griechische Schriftsteller : Hr Prof. v. Leutsch erklärt den 
Thukydides 5 St. wöch. um 3 Uhr; Hr Prof. Wieseler 
Aeschylus' dramatische Kunst und den gefesselten Prome- 
theus, 3 St. wöch. um 5 Uhr; Hr Dr Lion Plutarchs Le- 
bensbeschreibungen um 11 Uhr. — Zum Privatunterricht 
im Griechischen erbietet sich Hr Dr Lion. 

Vorlesungen über die lateinische Sprache und über la- 
teinische Schriftsteller, Hr Hofr. Sauppe erklärt ausge- 
wählte Gedichte des Horaz Mont., Dienst., Donnerst, und 
Freit, um 2 Uhr; Hr Dr Lion Cicero de Offic. um 1 Uhr. 
— Zum Privatunterricht im Lateinischen erbietet sich Hr 
Dr Lion. 

Die Uebungen der philologischen Gesellschaft des Hm 
Prof. Wieseler werden privatissime fortgesetzt werden. 

Deutsche Sprache und Litteratur. 

Die gothische Sprache lehrt und Wulßlas Bibelüberse- 
tzung erklärt Hr Prof. Leo Meyer Dienst., Donnerst, und 
Freit, um 12 Uhr. 

Ausgewählte althochdeutsche und mittelhochdeutsche 
Dichtunaen (nach Wackemagels kleinerem altdeutschen 
Lesebuche Basel 1861) erklärt Hr Prof. W. Müller Mittw. 
und Sonnab. um 9 Uhr. 

Die Uebungen der deutschen Gesellschaft und paläogra- 
phische und diplomatische Uebungen leitet Derselbe. 

Deutsche Litteratur s. oben Litterärgeschichte. 

Neuere Sprachen und Litteratur. 

Corneille s Cid erläutert in französischer Sprache nach 
einem Vortrage über Com. Leben und Dichtkunst Hr 
Prof. Theod. Müller Dienstag und Freitag um 12 Uhr. 



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968 

Pranzßsisehe Schrei- und Sprechübungen YenisMM 
Derselbe Dienstag Mittwoch Freitag und Sonnabend 8 ülir 
Morgens oder zu einer andern gelegenem Zeit. 

Zum Privatunterricht in der franzöaiachen Sprache er- 
bietet sich Derselbe und Hr Dr. Lion. 

Die Orammatik der englischen Sprache in Vwbindmig 
mit' praktischen üebungen lehrt Hr Prof. Th. Müller 
Mont., Dienst., Donnerst, und Freit, um 6 ühr Ab. 

Die engl, Orammatik lehrt und Shakespeare erklärt Hr 
Dr. Biallöblotzky. 

Shakespeares König Lear erklärt Hr Prof. Th. Müller 
Mont. und Donnerst, um 12 ühr. 

Zum Unterricht in der englischen Sprache erbietet sich 
Hr Prof. Th. Müller. 

Die üaliänische sowie die spanische Sprache lehrt Der- 
selbe. 

Die Fechtiiunst lehrt der Universitätsfechtmeister Hr 
Castropp; die Tanzkunst der Universitätstanzmeister Hr 
Höltzke. 

Bei dem Logiscommissär, Pedell Huch, können diejeni- 
gen, welche Wohnungen suchen, sowohl über die Preise 
als andere Umstände Nachricht erhalten, und auch durch 
ihn im Voraus BesteUungen machen. 



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Naehrichtcn , 

von der Königl. Gesellschaft der Wissen- 
schaften und der G. A. Universität zu 
Göttingen. 



August 10. M 18. 1864. 

K&iugliche Gesellschaft der Wissenschaftei. 

Sitzung am 6. August. 

Wicke, über das allgememe Vorkommen des Kupfers 

im Boden und in den Pflanzen. 
Derselbe, über Wurzel- Verwachsungen bei Kleepflanzen 

und ihre Folgen. 
Wohl e r, Bemerkungen über den neusten Meteorstein-Fall. 
Beilstein, über die Natur der sogenannten Salylsäure. 



lieber das allgemeine Vorkommen des Ku- 
pferoxyds im Boden und in den Pflanzen. 

Von Wilh. Wicke. 

Von den Oxyden der fixen Alkali-Metalle kom- 
men Kali und Natron, von den Oxyden der Erd- 
alkali-Metalle Kalk und Magnesia in jeder Pflan- 
zenasche vor. Dass sie für das Gedeihen der 
Gewächse nothw endig sind, ist erwiesen. Was 
die eigentlichen Erden anbetrifft, so scheinen 
diese für das Pflanzenleben ohne alle Bedeutung 
zu sein. Nur ein Fall ist bekannt, dass die 
1 hon erde von gewissen Lycopodiaceen in gro- 
sser Menge aufgenommen wird, üeber ihre phy- 
siologische Verwendung im vegetabilischen Or- 
ganismus weiss man indessen bis jetzt noch nichts. 
Aderholdt fand in der Asche von Lycopodium 
Chamaecyparissus 51.85 p. C. und 57.36 p. C. 
Thonerde (je nachdem die Pflanze mit oder ohne 

20 

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370 

Sporen untersucht wurde) und in Lycopodium 
clavatum 26.65 p. C. Wenden wir uns jetzt zu 
den Oxyden der schweren Metalle, so begegnen 
wir dem Eisenoxyd in allen Pflanzenaschen. 
Es ist für die Pflanzen, wie jene oben genannten 
Oxjde^ ein durchaus noth wendiger Bestandtheil. 
Das folgt schon aus dem Bedürfniss der Thiere, 
Eisen, als Bestandtheil des Blutes durch die ve- 
getüjiilisebeii Nahrungsmittel zu bekommen. Mi- 
neralsubstanzen aber, deren das Thier zu seiner 
normalen Ernährung mit Nothwendigkeit bedarf, 
müssen auch fiir die Pflanzen normale und noth- 
wendige Nährstofie sein. Auch das Mangan- 
oxyd ist im Pflanzenreiche ungemein, verbreitet. 
Es findet sich indessen in manchen Pflanzenaschen 
oft nur so spurenweise, dass man von seiner 
quantitativen Bestimmung absehen muss. In an- 
dern Fällen tritt es in grösserer Quantität auf 
und verleiht dann wohl der Asche eine eigen- 
thümliche dunkelbraune Färbung. So sind die 
braunen Flocken, welche man in der Buchen- 
holzasche in so aufiälliger Menge findet, nichts 
anderes als Manganoxyd -Oxydul. Hier steckt 
es namentlich in der Rinde, während das Holz 
fast frei davon ist. Ich fand in der Rindenasche 
der Buche 5.97 p. C. von diesem Oxyd. Eine 
merkwürdige Pflanze in Bezug auf den grossen 
Gehalt an Eisen- und Mangan-Oxyd ist die Trapa 
natans; denn GorupBesanez fand in der Asche 
nicht weniger als 23.40 p. G. Eisenoxyd und 
14.70 p. C. Manganoxyd-Oxydul. Ausdrücklich 
wird von demselben bemerkt, dass nicht etwa 
der anhängende Schlamm den grossen Gehalt 
an diesen beiden Oxyden in die Asche geliefert 
habe. Diese letztere war gewonnen von den im 
Juni gesammelten Hoch- und Nieder -Blättern, 
und von den Wurzeln. 



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271 

Welter ist von den Oxyden der schweren 
Metalle noch das Zinkoxyd in Pflanzen vorge- 
kommen. Aber nur in einem, von Braun beob- 
achteten Falle. Nämlich in dem sogenannten 
Galmei- Veilchen Viola calaminaria, welches in 
der Aachener Gegend als treuer Begleiter der 
Galmeihügel angetroffen wird. Nur soweit die 
Pflanze auf diesem Gebiete vorkommt trägt sie 
Blüthen von gelber Farbe: dunkelgelb, ins Dotter- 
gelbe, bald auch lichter weissgelb. An der Grenze 
des Gebiets werden die Blüthen hellviolett, bläu- 
lich oder gelb und bläulich gemischt. Um et- 
waigem Zweifel, dass das Zinkoxyd nicht wirk- 
lich in der Pflanze enthalten sei, sondern dem- 
selben nur äusserlich anhafte, zu begegnen, hat 
Bellingrodt, der die Untersuchung im Mon- 
heim' sehen Laboratorium ausführte, zuletzt noch 
in dem ausgepressten Safte das besagte Metall 
nachgewiesen. Es ist zu bedauern, dass die Un- 
tersuchung nicht quantitativ ausgeführt ist. 

Zuletzt ist nun noch das Kupferoxyd hier 
anzuführen, über dessen Vorkommen in den 
Pflanzen ich in der letzten Zeit verschiedene Un- 
tersuchungen ausgeführt habe. Die Beobach- 
tung, dass man in Pflanzen imd Thieren kleine 
Mengen von Kupfer finde, ist nicht neu. Ich 
will nur in letzterer Beziehung anführen, dass 
es in dem Blute der Ascidien und Cephalopoden, 
so wie auch in höheren Thieren, selbst im Men- 
schen, nachgewiesen ist. Sarzeau behauptete 
schon 1832 in dem Fleische sei Kupfer. De- 
vergie und Harvy machten 1838 bekannt, dass 
sie in der Asche der inneren Organe von ver- 
schiedenen Individuen Kupfer und Blei gefunden. 
Indem ich vorerst die hierher gehörigen weitern 
Untersuchungen unerwähnt lasse, will ich nur noch 
bem^ken, dass Harless das Blut der Wein- 

20* 

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27S 

"bergsschnecke Helix pomatia auffallend reich 
an Kupfer fand, so dass seinen Angaben zufolge 
die Blutasche dieses Thieres in ihrem in Wasser 
unlöslichen Theile 2.57 p. C. Kupfer enthält. Die 
bis zum Jahre 1853 bekannt gewordenen hierher 
gehörigen Resultate von Untersuchungen sind von 
Wacken roder kritisch zusammen gestellt wor- 
den. Wie es aber scheint, ist er geneigt den 
Ursprung des Kupfers in mehr zufälligen Um- 
ständen zu finden, während ich der Meinung 
bin: es muss, nach dem ganz allgemeinen Vor- 
kommen im Pflanzenreich, constant im mensch- 
lichen und thierischen Körper enthalten sein. Ob 
es aber ein nothwendiger Bestandtheil ist und 
welche Functionen es auszuführen hat — ist eine 
andere Frage, auf deren Beantwortung ich mich 
vorerst noch nicht einlasse. Somit werde ich 
jetzt zu dem Vorkommen des Kupfers in den 
Pflanzen übergehen. 

So viel mir bekannt, datiren die ersten Un- 
tersuchungen darüber aus <dem Jahre 1832. Sie 
sind von Sarzeau angestellt. Die Menge des 
Kupfers wechselte von 1 bis 5 Milligrm. auf 1 
Kilogrm. Substanz. Er hat das Metall im Kaffee, 
Krapp, Weizen, Ginster, Alant, Flachs, Opium, 
Mohn, Fingerhut, Brennessel, Münze und noch 
in anderen Pflanzen nachgewiesen. Also in den 
verschiedensten Familien. 

Eine zweite Untersuchung über denselben Ge- 
genstand liegt aus dem Jahre 1847 vonLanglois 
vor, welche den Kupfergehalt der rothen Rüben 
und des daraus bereiteten Brodes betriflt. 

Dann eine andere von Deschamps aus dem 
Jahre 1848, betreffend das Vorkommen von Ku- 
pfer im Reis, Weizen, in den Knollen und Blät- 
tern der Kartoffeln. Auch hier begegnen wir 
wieder der Vermuthung: das, Kupfer könne 



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273 

aus kupfernen oder messingnen Geräthen, wel- 
che zum Begiessen der Pflanzen gedient hätten, 
stammen. 

Aher wir haben gar nicht nöthig zu dieser 
künstlichen Erklärungsweise unsere Zuflucht zu 
nehmen. Denn das Kupfer ist ein ganz allge- 
naein vorkommender Bestandtheil des Erdbodens. 
Nach Mulder kommen kleine Mengen von Ku- 
pfer und Arsenik in jeder Ackererde vor. So 
weit meine bis jetzt in dieser Richtung ange- 
stellten Beobachtungen reichen, kann ich diese 
Behauptung bestätigen. Ich habe aus der hie- 
sigen Gegend Leineschlamm, welcher zum Theil 
aus dem bunten Sandstein , zum Theil aus dem 
Muschelkalk hervorgegangen ist, untersucht. Das 
Material habe ich dem Flusse oberhalb der Stadt, 
vor der Stegemühle, entnommen. Ferner den 
Muschelkalk sdibst; dann auch den Basalt vom 
hohen Hagen. Die jedesmalige Quantität betrug 
wenigstens 200 Grm. In allen Fällen konnte 
ich das Kupfer mit all seinen charakteristischen 
Reaktionen nachweisen. Beim Muschelkalk habe 
ich die Menge zu 0.004 p. C. bestimmt. Noch 
ein plutonisches Gestein , nämlich Porphyr von 
Ruhla, habe ich ebenfalls kupferhaltig gefun- 
den; die Menge war aber sehr gering. Es wird- 
wohl keine gewagte Behauptung sein, dass man 
in allen Gesteinen das Kupfer wird nachweisen 
können. Vielleicht finde ich später Gelegenheit 
meine Beobachtungen darüber noch zu vermehren. 

Man kann aber auch, statt den Boden selbst 
auf Kupfer zu untersuchen, die auf den verschie- 
denen Bodenarten gewachsenen Pflanzen für die 
Untersuchung benutzen und daraus dann einen 
sichern Schluss auf die grosse Verbreitung des 
Metalles ziehen. Für diesen Zweck habe ich 
ein bekanntes Unkraut: Polygonum aviculare 



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274 

Vogelknöterici von zwei versohiedenen Lokali- 
täten aus der Nähe von Braunschweig; femer 
aus Oldenburg mir schicken lassen und habe die 
nämliche Pflanze in hiesiger Gegend, sowohl vom 
Muschelkalk-, als auch vom Keuper-Boden , un- 
tersucht. Dazu kommen noch zwei andere Lo- 
kalitäten: die Rasenfläche vor der Eisenbahn 
und der Wall. Das Ergebniss der üntersuchimg 
war in so fern noch von besonderem Interesse, 
als die Quantität des Kupfers in der Asche 
fast nahezu bei allen Pflanzen dieselbe war. 
Polyg. aviculare vom Göttinger Walle, Thalboden : 
0.046 p. G. Kupferoxyd. 

„ „ von Besenhausen^ Eötit)ermergel: 

0.049 p. C. Kupferoxyd. 

„ „ von Oldenburg, Diluvialsandboden: 

0.049 p. G. Kupferoxyd. 

„ „ von Braunschweig, Sandboden 

(Fallersleber Thor) 0.032 p. G. Kupferoxyd. 

Von andern wildwachsenden Pflanzen habe 

ich noch Atrißlex patula Und Sisymbrium offi- 

cinale untersuchi. Letzterer enthielt in der Asche 

0.046 p. G. Kupferoxyd. 

Von den Gemüsepflanzen habe ich einen ho- 
hem Gehält von dem Kupferoxyd in der Salat- 
Aschegefunden : 0.086 p. G. Auch im Wurzelkraut 
(Daucus Garota) ist es enthalten. 

In der Asche von Kleeheu fand ich 0.033 p. G. 
In der Weizenkleie wurde ebenfalls das Oxyd 
nachgewiesen. 

Ferner fand ich in der Asche der Maulbeer- 
blätter 0.024 p. G., der Eichenblätter 0.096 p.C., 
der Lindenblätter 0.066 p. G., der ßuchenblätter 
0.13 p.G., der Platanenblätter 0.012 p.C., in der 
Asche der Buchenrinde 0.034 p. G., in der Asche 
von Havanna-Gigarren 0.034 p. G. 

Andere Substanzen, die ich noch untersucht 



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275 

habe, sind der Guano und die Milch. Letztere 
enthielt in der Asche, ich habe davon 7 Grm. 
genommen, 0.027 p. C, und ersterer 0.012 p. C. 
Kupferoxyd. 

üeber das Vorkommen des K\ipfers im thie-, 
rischen Organismus hoffe ich später ausführliche 
Mittheilungen machen und auch die obigen Er- 
gebnisse noch vermehren zu können. 



Ueber Wurzelverwachsungen bei Klee- 
pflanzen und ihre muthmasslichen Folgen. 

Von Demselben. 

Der hier mitzutheilende Fall ist folgender. — 
In einem sehr mergeligen Boden säete ich im 
letzten Frühjahr drei Kleesamen, um an den 
Pflanzen gewisse Wachsthumserscheinungen zu 
beobachten Die Pflanzen kamen gut auf und 
entwickelten sich normal. Nach Verlauf von 
7 — 8 Wochen aber schien bei zwei Pflanzen ein 
Stillstand einzutreten, während die dritte um so 
lippiger weiter wuchs. Trotz aller Pflege wollte 
es nicht gelingen, die zwei weiter zu bringen. 
Nach einiger Zeit ging die eine Pflanze ganz 
ein, indem sie wie vertrocknet aussah. Der Un- 
terschied im Wachsthum der beiden andern wurde 
aber immer bedeutender; die kleinere Pflanze 
verlor mehrere Blätter, welche gelb wurden und 
schrumpften, während die grosse noch neue Blät- 
ter entwickelte. Unter diesen Umständen drängte 
sich mir die Vermuthung auf, dass vieUeicht eine 
Ausnutzung der kleinen Pflanze durch die grosse 
vorliege, so zwar, dass eine Verwachsung der 
Wurzeln eingetreten sei. Um dies zu untersu- 
chen weichte ich die Erde in Wasser auf und 



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276 

wusch mit aller Vorsicht die Wurzeln rein. Ei- 
ner meiner Praktikanten, Herr Arenhold, un- 
terzog sich der Mühe das Wupzelgeflecht behut- 
sam zu entwirren. Nach stundenlanger Arbeit 
war es ihm gelungen an zwei Stellen eine Ver- 
wachsung nachzuweisen. Die eine Stelle, wo 
eine Wurzel der grossem Pflanze mit der klei- 
nen Pflanze fest verwachsen war , lag bei der 
letzteren sehr hoch, nahe dem Insertionspunkte 
der ersten Blätter; in dem andern Falle schie- 
nen die Wurzelspitzen einer längeren Wurzel 
der grossem und einer kürzern der kleinem 
Pflanze verwachsen zu sein. 

Nun sind Wurzelverwachsungen bei Pflanzen 
allerdings schon beobachtet worden; aber dieser 
Fall hat doch ^eine besondem Eigenthümlichkei- 
ten. Man hat z. B. gesehen , dass die Wurzeln 
von Melampyrum arvense zu einer gewissen Zeit 
mit den Wurzeln des Getreides verwachsen wa- 
ren. Es hat dies zu dem Schlüsse gefuhrt, dass 
jene Pflanze in der Zeit von dem Getreide 
ernährt werde, dass sie dann also schmarotze. 
Von Thesium wird ein ähnlicher Parasitismus 
behauptet. Indessen ist in diesen Fällen doch 
nicht der Stillstand oder gar Untergang der er- 
nährenden Pflanzen durch die anderen beobachtet 
und ferner sind es ja ganz verschiedene Spe- 
cies, welche die Wurzelverwachsungen zeigen. In 
den hier beobachteten Fällen sind es zwei gleich- 
artige Individuen, wovon das eine das andere 
so ausnutzt, dass dieses zu Gmnde gerichtet 
wird; denn es hätte die kleinere Pflanze sicher 
alsbald eingehen müssen. Aber gerade die Gleich- 
artigkeit mag die Ursache gewesen sein, dass 
die grösseren Pflanzen so intensiv an der kleine- 
ren zehren konnte. Die Stoffe welche sie aus 
dieser bezog entsprachen ganz ihrem Bedür&iss. 



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285 

lichkeit und Krjrstallform , wi6 diese, denselben 
Schmelzpunkt und schmolz auch , wie Nitroben- 
zoesäure, beim Erhitzen unter Wasser. (Die 
isomere Nitrodracylsäui'e zeigt bekanntlich dieses 
Verhalten nicht). Auch die nitrosalylsau- 
ren Salze, z. B. das Kalk- und Barytsalz hat- 
ten dieselbe Krystallform , Löslichkeit und den- 
selben Erystallwassergehalt wie die entsprechen- 
den benzoesauren Salze. 

2. Salylsäure aus Azo-Amidobenzoe- 
säure. Nach dem Verfahren von Griess darge- 
stellte Salylsäure kann sehr leicht durch etwas 
Nitrobenzoesäure oder Oxybenzoesäure verun- 
reinigt seini Namentlich die erstere Säure hängt 
der Salylsäure aufs hartnäckigste an. Man muss 
daher sehr vorsichtig mit dem Einleiten der sal- 
petrigen Säure verfehren. Die blosse Destilla- 
tion mit Wasser liefert hierbei nicht unmittel- 
bar eine reine Benzoesäure. Man behandelt da- 
her am besten die durch Destillation mit Wasser 
gereinigte Salylsäure mit Phosphorsuperchloiid 
lind rectifidrt das erhaltene Chlorid. 

Die zuerst übergehenden Portionien sind rei- 
nes ChlorbeaiaoyL Namentlich diejenigen An- 
theile, welche von 110^ bis zum Siedepunkte 
des. Chlorbenzoyles übergeh^i, liefern beim Ste- 
hen an feuchter Luft eine schöne Krystallisation 
gläAzender Benzoesäure. Das rectificirte Sa- 
lylsäurechlorid zeigt den Siedepunkt des 
Chlorbenzoyles, es liefert mit Ammoniak, ein in 
allen Eigenschaften mit Benzamid übereinstim- 
mendes Salylamid. 

Auch diese Salylsäure wurde nitrirt. Man 
bekam, wie vorauszusehen war, ein mit Nitro- 
iMnzoesäure vollkommen übereinsiimmendes Prä- 
parat. Fittig hat schon vor längerer Zeit ge- 
zeigt, das& kldi^ Beimengungen fremder Körper 

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286 

das äussere Ansehen der Benzoesäure total ver- 
ändern. Unsere Versuche bestätigen dieses. 
Wir haben aber auch femer noch gefunden, dass 
durch solche Beimengungen die Lösiichkeit der 
Benzoesäure und ihrer Salze ganz bedeutend er- 
höht wird. 

Benzoesäure wurde mit etwas Nitrobenzoe- 
säure in siedendem Wasser gelöst. Beim Erkal- 
ten fielen Flocken heraus. Diese Säure wurde 
mit Wasser der Destillation unterworfen. Die 
aus dem Destillate abgeschiedene Säure zeigte 
alle Eigenschaften der Griess'schen Salylsäure. 
Das Ealksalz derselben konnte nicht in gros- 
sen Krystallen erhalten werden. 1 Theil dieses 
Ealksalzes löste sich bei 9^ in 21,5 Theilen 
Wasser, während der benzoesaure Kalk \m 5^ 
38,8 Theile und bei 12« 28,6 Theile Wasser 
erfordert. Daraus erklären sich denn auch die 
Ton Otto beobachteten, so auffiEÜlenden Unter- 
schiede in der Löslichkeit der auf verschiedene 
Weise dargestellten Benzoesäure und deren Salze. 

Die Versuche beweisen daher, dass obgleich 
wir zwei isomere Nitrobenzoesäuren und drei 
isomere Chlorbenzoesäuren kennen, aus allen 
dies^i Säuren bis jetzt doch nur eine und die- 
selbe Benzoesäure abgeschieden werden konnte. 



Die Promotionen des Decanatsjahrs 186^4 
in der philosophischen Fakultät. 

Vom 1. JuU 1863 bis 30. Juni 1864. 
(Schloss.) 
12) 4. Februar Richard Bit hell, Director 
eines College zur Erziehung von Waisenkinietom 
in der Grafschaft York, in abs., auf Grund ver- 
schiedener gedruckter und handschriftlich ein* 
gereißhter Arteten über ErzidtoBj^ u. A, 



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287 

13) 24. Februar Theodor Per seh mann, 
Lehrer am Gymnasium zu Nordhausen, in abs., 
auf Grund gedruckter Abhandlungen. 

14) 1. März Eugen von Hunyady aus 
Pesth, Dissertation: üeber die fundamentalen 
Eigenschaften der algebraischen Curven. 

15) 7. März Andreas Leonh. Ant. E Osler 
aus Nürnberg, Assistent am landwirthschaftlichen 
Institut zu Halle, in abs. Dissertation: üeber 
die Oxydation einiger Kohlenwasserstoffe durch 
chromeaures Kali und Schwefelsäure. 

16) U.März Otto Heinrich Gotth. Caspari 
aus Berlin. Dissertation: Die Sprache als psy- 
chischer Entwicklungsgrund. 

17) 14. März Ludwig Adolf Stille ausStei- 
nau. Dissertation: üeber einen neuen galYani- 
schen Apparat. 

18) 14. März Ludwig Ar onstei n aus Telgte. 
Dissertation: üeber das Acrolein. 

19) Iß. März George Will. Septimus P i e s s e, 
Fabrikant in London, in abs., auf Grund ver- 
schiedener Druckschriften. 

20) 22. März Emil Joachim Berlien aus 
Altoiia. Dissertation: üeber die Trennung der 
Cerit-Oxyde. 

21) 23. März Philipp Kühner aus Frpink- 
furt* Dissertation: üeber die Einwirkung von 
Zinn und Salzsäure auf Nitrokörper. 

22) 26. März Tho9ias Davies, GeistHoher 
zu Painswick, in abs. Dissertation: On the 
diief principles in Emmanuel Kant Kritik der 
reinen Vernunft. 

23) 26. März Friedrich Otto Popp aus 
Schippenbeil. Dissertation : üeber die Yttererde. 

24) 6. April Bernhard Hannemüller aus 
Biankenburg. Dissertation: Quaestionum Euri- 
pidearum specimen I. 



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288 

25) 20. April Fried. Karl Albr. Kaiser aus 
Herzberg. Dissertation: üeber Chromcyan- Ver- 
bindungen. 

26) 6. Mai Wilh. Jacob Ferd. Moldenhauer 
aus Cassel. Dissertation: üeber die ümwand- 
lungsprodukte der Glycerinsäure. 

27) 7. Mai Bernhard Christ. Gottfr. Tei- 
lens aus Hamburg, inabs. Dissertation: üeber 
die Synthese der dem Benzol homologen Koh- 
l^iwasserstoffe. 

28) 17. Mai Georg Wehrbane aus Hildes- 
heim. Dissertation: üeber Cyanphosphor. 

29) 7. Juni Job. Karl Herm. Wagner, Leh- 
rer am Gymnasium zu Gotha , in abs. Disser- 
tation: A^assbestimmungen der Oberfläche des 
grossen Gehirns. . 

30) 8. Juni Eugen Beichenbach ans Mün- 
oheh. Dissertation: Untersuchung überlsamerie 
in der Benzoereihe. 

31) 22. Juni Ferdinand Wibel aus Ham- 
burg. Dissertation: Neue Versuche zur Eridä- 
rung des Ursprungs und Vorkommens des ge- 
diegenen Kupfers. 

32) 1. Juli Hermanik Credner aus Gotha. 
Dissertation: üeber die Pterocerassdiichten der 
Umgebung von Hannorer. 

33) (Noch nicht vollzogen). Johann Strü- 
ver aus Braui[ischweig. Dissertation: üeber die 
fossilen lösche aus dem oberen Keupersandstein 
der Umgegend von Coburg. 



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277 

Wenn nun auch die kleinere Pflanze noch Wur- 
zeln frei behalten hatte, durch welche sie ihre 
Ernährung fortsetzen konnte, so zehrte doch die 
grössere zu mächtig an ihr, als dass sie dage- 
gen sich zu behaupten im Stande war. Hatte aber 
einmal die grösere Pflanze einen Vorsprung be- 
kommen, so wuchs die Gewalt, welche sie über 
die kleinere Pflanze erlangte, immer mehr, je 
grösser und zahlreicher ihre Blätter wurden. 

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass ähnliche 
Erscheinungen auch bei den im Felde wachsenden 
Pflanzen vorkommen. Ich werde es mir angele- 
gen sein lassen, darüber Untersuchungen an- 
zustellen. Es treten hier Wachsthums -Erschei- 
nungen, die mit den eben erwähnten, beim Klee, 
grosse Aehnlichkeit haben, auf. 



Bemerkungen über den neusten Meteor- 
stein-Fall 

von F. Wöhler. 

Die Kenntniss der Elemente und Verbindun- 
gen, aus denen die Meteoriten bestehen, hat darum 
so grosses Interesse, weil sie uns eine Einsicht 
in die chemische Beschaffenheit von Körpern gibt, 
die ursprünglich unserm Planeten fremd waren 
und unzweifelhaft aus dem Weltraum stammen, 
und weil sie vielleicht eine factische Grundlage 
zu der Vorstellung bietet, die wir uns von der 
Natur der Materien machen können, aus denen 
die Weltkörper des ganzen Planetensystems be- 
stehen. Wenn wir dazu als kosmische Massen 
die Meteoriten zählen, so wird es in der That 
wahrscheinlich, dass alle Planeten aus denselben 
Elementen, welche die Masse der Erde ausma- 
chen, gebildet seien. Denn bis jetzt hat man 



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278 

in den in allen Welttheilen und zu den verschie- 
densten Zeiten gefallenen zahlreichen Meteor- 
massen noch kein Element gefunden, welches 
nicht auch der Erde angehörte, und seihst auch 
die in der grössten Gewichtsmenge und Verbrei- 
tung auf der Erde vorkommenden Elemente, 
Sauerstoff, Silicium, Eisen, sind auch stets die 
Hauptbestandtheile der Meteoriten, die überhaupt 
im AUgemeinen in ihrer chemischen und mine- 
ralogischen Constitution so grosse Aehnlichkeit 
haben, dass man sie für Fragmente von einem 
und demselben Weltkörper halten möchte. Nur 
die Steine von vier Fällen weichen sowohl hin- 
sichtUch ihrer äusseren Beschaffenheit, als hin- 
sichtlich ihrer Bestandtheile von den übrigen in 
auffallender Weise ab. Es sind diess die mit 
der gewöhnlichen Kinde überkleideten, im Innern 
aber schwarzen, erdigen, sehr weichen Steine, 
deren Niederfallen, unter zum Theil ganz ausser- 
ordentlichem Explosions- Phänomen, statt fand 
am 15. März 1806 bei Alais in Frankreich, am 
13. October 1838 bei Cold-Bokkeveld in Süd- 
afrika, am 15. April 1857 bei Kaba in Ungarn, 
und am 14. Mai 1864 bei Orgueil in Frankreich. 
Dieses letztere neuste Phänomen ereignete sich 
gegen 8 Uhr Abends und wurde über einen gro- 
ssen Theil von Frankreich gesehen und gehört. 
Die vielen, meist sehr genauen Beobachtungen 
über seine Richtung, Dauer und Höhe sind von 
Herrn Daubree, Mitglied des Instituts, in den 
neusten Heften der Comptes rendus mitgetheiit, 
und die gefallenen Steine von ihm näher be- 
schrieben worden. Fragtnente davon wurden 
von Herrn Cloez analysirt, der darin, ausser 
den gewöhnlichen Bestandtheilen , ähnliche un- 
gewöhnliche Körper fand, wie sie vorher schon 
in den drei anderen Steinen gefond^ worden 



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279 

waten , mit denen sie nun eine Gruppe ganz ei- 
genthümlicher Art bilden. 

Diese ungewöhnlichen Bestandtheile sind wun- 
derbarer Weise : Wasser, Ammoniak und organi- 
sche Materie. 

Die erste Beobachtung der Art wurde von 
Thenard und später mit grösserer Zuverlässig- 
keit von Berzelius bei der Analyse eines Frag- 
ments der Steine von Alais gemacht*). Das 
Dasein eines kohlenstoffhaltigen, wie es schien 
organischen Körpers war unzweifelhaft, nur über 
den gefundenen Wasser- und Ammoniak - Gehalt 
blieb Berzelius, wie er selbst bemerkt, der 
Zweifel, ob diese nicht später auf der Erde von 
dem Stein aufgenommen wären, da die Analyse 
erst 28 Jahre nach dem Niederfallen gemacht 
wurde. 

Die zweite Beobachtung Wurde bei der von 
mir 1858 ausgeführten Analyse des Steins von 
Kaba gemacht**). Ich fand, dass derselbe, au- 
sser den gewöhnlichen Bestandtheilen und etwas 
freiem Schwefel, amorphe Kohle und einen durch 
Alkohol ausziehbare^, farblosen organischen Kör- 
per enthält, der. mit gewissen fossilen Kohlen- 
wasserstoff-Verbindungen, den sogenannten Berg- 
wachsarten, Ozokerit, Scheererit u. s. w. grosse 
Aehnlichkeit hatte. Die aus einer sehr Meinen 
Quantität des seltenen Materials erhaltene Menge 
war zu klein, um mit Sicherheit genauen Auf- 
scbluss über die Natur dieser Substanz erlangen 
zu können.* Nur das ging aus den Versuchen 
mit Gewissheit hervor, dass sie eine in der Glüh- 
hitze unter Abscheidung amorpher Kohle zer- 
setzbare Verbindung war. Ausserdem wurde ge- 

JJ) Poggendorff's Annal. 33. p. 113. 
**) Sitzungsberichte der math. naturw. Classe der 
Wiener Akademie d. Wissenseh. 1858 und 1859. 



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280 

fanden, dass das mit Alkohol behandelte nnd in 
der Wärme wieder getrocknete Pulver des Steins 
eine ansehnliche Menge Wasser gab, als es zur 
Bestimmung des Kohlenstoff- Gehaltes in Sauer- 
stoffgas verbrannt wurde. 

Durch diese Beobachtungen veranlasst machte 
ich 1859 die Analyse von Fragmenten der dem 
vorigen so ähnlichen Bokkeveld - Steine , die ich 
theils aus der Wiener Sammlung, theils aus dem 
britischen Museum erhalten hatte*). Wie in 
dem Kaba-Stein fand ich darin amorphe Kohle, 
und zwar gegen 2 Procent, und dieselbe durch 
Alkohol ausziehbare bituminöse Substanz, leider 
ebenfalls nur in sehr kleiner Menge. Sie bestand 
aus einem halbflüssigen und einem krystallini- 
schen Theil. Bei Glühhitze zersetzte sie sich 
imter Abscheidung schwarzer Kohle und unter 
Bildung eines Oels von stark bituminösem Ge- 
ruch. Als der Stein nach dem Trocknen bei 
120^ für sich der Destillation unterworfen wurde, 
gingen 10,5 Proc. seines Gewichts Wasser über, 
stark bituminös riechend und milchig von einem 
Oele, und so alkalisch von kohlensaurem Ammo- 
niak, dass es mit Salzsäure Kohlensäure entwi- 
ckelte und Salmiak sich daraus darstellen liess. 
Nahe dieselbe Menge Wasser wurde aus dem 
Steinpulver erhalten, nachdem es mit absolutem 
Alkohol behandelt und wieder bei 120® getrock- 
net worden war, und es zeigte sich, dass dieses 
Wasser erst bei 160® wegzugehen anfing und 
erst bei Glühhitze vollständig entwich. Dieses 
Verhalten musste ganz natürlich zu dem Schluss 
führen, dass das erst über 100® weggehende 
Wasser in chemischer Verbindung mit den Sili- 
caten des Steins in diesem enthalten sein müsse. 
Ich wagte aber nicht, diese Annahme als sicher 
*) Sitzungsberichte 1859 und 1860. 



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281 

bewiesen auszusprechen; das Wasser konnte, bei 
der porösen BeschaflFenheit dieser Steine, den- 
noch nur hygroskopisches oder üherhaupt sol- 
ches sein, das sie erst auf der Erde aufgenom- 
men haben konnten, zumal die Analyse erst 21 
Jahre nach dem Niederfallen vorgenommen wurde. 
Andrerseits hatte schon Faraday 1839, also 
kurz nach dem Fall, 6,5 Proc. Wasser darin ge- 
funden, ohne indessen die organische Materie 
und die Kohle wahrzunehmen. Die Frage blieb 
also zweifelhaft ; ich hob aber hervor, wie wich- 
tig es zur Entscheidung dieser Zweifel sein würde, 
wenn bei einem neuen Fall eines ähnlichen Stei- 
nes die Umstände es gestatteten, die Prüfung 
auf einen Gehalt an Wasser und Ammoniak mög- 
lichst bald nach den Niederfallen vorzunehmen. 

Diese Gelegenheit bot sich nun glücklicher 
Weise bei den oben erwähnten, am 14. Mai 
d. J. bei Orgueil gefallenen Steinen dar, von 
denen Stücke noch in demselben Monat von ei- 
nem ausgezeichneten Chemiker, Herrn Cloez, 
mit grosser Sorgfalt der Analyse unterworfen 
wurden*). Ausser hygroskopischem Wasser, wel- 
ches schon bei 120® entwich, fand er darin fast 
8 Procent Wasser, welches erst bei einer Tem- 
peratur über 200® wegging. Er fand darin als 
Hauptbestandtheile die gewöhnlichen Silicate und 
Eisenoxjd-Oxydul, ferner Schwefeleisen, Schwefel- 
nickel und durch Wasser ausziehbare Alkali-Salze, 
darunter Salmiak ; ausserdem aber 6 Procent ei- 
ner schwarzen, amorphen organischen Substanz, 
die er als huminartigen Körper bezeichnet und 
die nach seiner Analyse aus den organischen 
Elementen Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauer- 
stoff bestand, und zwar nach Verhältnissen ganz 
ähnlich wie in den Huminkörpem aus Braun- 

♦) Comptes rendus, Juni 1864. 



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282 

kohle und Torf, als ob sich diese Steine, wie er 
sich ausdrückt, in Wasser darch Absetzung von 
schlammiger und humusartiger Materie gebildet 
hätten. 

Nach allen diesen Thatsachen scheint es also 
keinem Zweifel mehr zu unterliegen, dass da, 
woher die Meteoriten kommen, Wasser, Ammo- 
niak und organische Materien und folglich wahr- 
scheinlich organisirte Materien, Organismen, vor- 
handen sein müssen. Dass die Meteoriten durch 
Wärme verflüchtigbare und zersetzbare Substan- 
zen enthalten, damit steht das Feuei^änomen 
bei dem Niederfallen und die dadurch geschmol- 
zene Rinde in keinem Widerspruch, wenn man 
annimmt, dass diese Körper nur ganz momentan 
einer ausserordenthch hohen Temperatur ausge- 
setzt gewesen sind, die nur die Oberfläche zu 
schmelzen, nicht aber die ganze Masse zu durch- 
dringen vermochte. 



üeber die Natur der sogenannten Salyl- 
säure 

von F. Beilstein. 

Vorgelegt von dem Sekretär. 

Durch Zerlegen des Salicylsäuiechlorides mit 
Wasser hatte Chiozza eine Säure von der Zu- 
sammensetzung der gechlorten Benzoesäure er- 
halten. Da sich diese Säure aber von der ei- 
gentlichen Chlorbenzoesäure in vielen Eigen- 
schaften unterschied, so gaben ihr Kolbe und 
Lautemann den Namen Chlorsaljlsäure , um 
damit an die Entstehung dieser Säure zu erin- 
nern. Nach den Versuch^i dieser Chemiker wiid 
durch die Wirkung des Natriumamalgames der 



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ist 

Chlorsalylsäure das Chlor entzogen, und diese da- 
durch in eine Säure Yon der Zusammensetzung der 
Benzoesäure umgewandelt, welche indesa in 
vielen Punkten von der letzteren abweicht. K. 
und L. nennen sie Salylsäure. Die Salyl- 
säure konnte nicht in den charakteristischen 
Krystallen der Benzoesäure erhalten werden, sie 
zeigte einen niederen Schmelzpunkt, war inWas» 
ser viel leichter löslich als Benzoesäure. Auch 
die salylsauren Salze zeigten andere Krystallform 
und viel grössere Löslichkeit, aber allerdings 
denselben Krystallwassergehalt wie die entspre- 
chenden benzoesauren Salze. 

Kekule bestätigte diese Angaben und fugte 
denselben die Beobachtung bei, dass das Ku- 
pfersalz der Salylsäure sich amorph und das der 
Benzoesäure sich krystallinisch ausscheide. 

Griess hatte endlich noch gefunden, dass 
beim Behandeln der in siedendem Alkohol sus- 
pendirten Azo-Amidobenzoesäure* mit salpetriger 
Säure , ebenfalls Salylsäure gebildet werde , die 
er mit der Salylsäure aus Chlorsalylsäure iden- 
tisch fand. 

Nachdem es uns gelungen war, die Nitrodra- 
cylsäure in gewöhnliche Benzoesäure umzuwan- 
deln, erschien uns die Existenz einer isomeren 
Benzoesäure wenig wahrscheinlich und eine Keihe 
von Versuchen, die ich in Gemeinschaft mit Herrn 
Dr. E. He ichenbach anstellte, haben uns in der 
That den Beweis geliefert, dass alle Salyl- 
säure nur eine mehr oder weniger verunrei- 
nigte Benzoesäure ist. Wir konnten aus al- 
len diesen Salylsauren Benzoesäure, mit den be- 
kannten Eigenschaften dieser Substanz abschei- 
den. Setzt man umgekehrt der Benzoesäure 
kleine Menge einer andern Säure zu, z. B. Ni- 
trobenzo^äure u. s. w., so ändern sich allephy- 



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284 

sikalischen Eigenschaften der Benzoe- 
säure und man erhält Präparate die alle Eigen- 
schafben der sogenannten Salylsäure besitzen. 
Es ist auffallend wie gering diese Beimengungen 
zu sein brauchen, um die äusseren Eigenschaften 
der Benzoesäure zu modificiren. Diesem Um- 
stände ist es zuzuschreiben, dass die oben ge- 
nannten Chemiker sich zur Annahme einer iso- 
meren Benzoesäure haben verleiten lassen. 

1. Salylsäure aus Chlorsalylsäure. 
Die Chlorsalylsäure wurde nach dem Verfahren 
Yon Kolbe und Lauteinann durch Zerlegung des 
salicylsauren Natriums mit Phosphorsuperchlorid 
dargestellt. Mit Natriumamalgam behandelt, lie- 
ferte sie eine Säure von den oben angeführten 
Eigenschaften der Salylsäure. Sie wurde zur 
weiteren Reinigung mit einer grossen Menge 
Wasser der Destillation unterworfen. Die sämmt- 
lichen Destillate übersättigte man mit Soda und 
dampfte dieselben auf ein kleines Volumen ab. 
Mit Salzsäure versetzt schied sich eine krystal- 
linische Säure ab, die schon nach einmaligem Um* 
krystalhsiren alle Eigenschaften der gewöhnlichen 
Benzoesäure zeigte. Namentlich krystallisirte 
auch das Ealksalz dieser Säure nicht in Warzen, 
sondern in den bekannten glänzenden Nadeln 
des benzoesauren Kalkes. Offenbar bestehen 
daher die Beimengungen der Salylsäure (aus 
Chlorsalylsäure) in einer Spur Oxybenzoesäure 
oder SaUcylsäure, entstanden durch die Wirkung 
der heissen Natronlösung auf Chlorsalylsäure. 

Zur weiteren Bestätigung der Identität dieser 
Salylsäure mit Benzoesäure, wurde erstere durch 
Behandeln mit Salpeter-Schwefelsäure in Nitro- 
salylsäure verwandelt. Diese Säure zeigte 
sich in jeder Hinsicht vollkommen identisch mit 
Nitro benzo es äure. Sie zeigte dieselbe Lös- 



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Nachrichten 

von der Königl. Gesellschaft der Wissen- 
schaften und der G. A. Universität zu 
Göttingen. 



September 7. JVSi 14. 1864. 



DniTersität 

Fünfter Bericht über das pathologische 
Institut zu Göttingen, 

von 

W. Krause. 

Im Rechnungsjahre vom I. Juli 1863 bis 30, 
Juni 1864 hat sich die Anzahl der Präparate^ 
welche in der Sammlung aufbewahrt werden, auf 
5019 vermehrt. 

unter den Aufgaben des Institutes, welche in 
den früheren Berichten charakterisirt worden sind, 
haben sich die Lehrzwecke in den.^Vordergrund 
gedrängt. Es handelte sich einmal darum den 
Studirenden Gelegenheit zu kleinen selbständigen 
Arbeiten darzubieten. 

Von den im vorigen Bericht erwähnten sind 
seitdem zur VeröflfentKchung gelangt: 

Fischer aus Hannover über Spina bifida 
m der Zeitschr. f. r. Med. Bd. XX. S. 1. Mit 
1 Tafel. 

Lüning ausHomeburg über eine eigenthüm- 
Uche Geschwulst des Stirnbeins in der Zeitschr. 
f. praktische Heilkunde für Hannover. 1864. 
S. 245. 

22 



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290 

Eleinschmidt aus Duderstadt über die 
Drüsen der Conjunctiya in Graefes Archiv für Oph- 
thalmologe. Bd. IX. S. 145. Mit 2 Tafeln. 

Draie aus Echte über die Brüche des Ra- 
dius durch indirecte Gewalt. In der Prager Vier- 
teljahrsschrift. 1864. Bd. II. S. 1. Mit 1 Tafel. 

Roth aus Basel „Untersuchungen über die 
Drüsensubstanz der Niere" in der Schweizerischen 
Zeitschr. f. Heilkunde 1864. Bd. IH. S. 1. Tafel 
I und n. Zugleich als Inaugural-Dissertation. 
Bern bei Haller 1864. Die b^onnene Arbeit 
des fleissigen jungen Forschers wurde leider durch 
den Eintritt einer Pneumorhfi^e unterbrochen; 
später jedoch unter Leitung von His von Neuem 
aufgenommen. 

Nächstens veröffentlicht werden: 

Socolowsky aus Hamburg über ein verkalk- 
tes und verknöchertes Epitheliom in der Zeitschr. 
f. rat. Med. 

üffelmann aus Zeven überFettembolie der 
Lungencapillaren daselbst. 

Lueken aus Oldenburg über eine Geschwulst 
am Herzen, daselbst, sowie die gleich zu erwäh- 
nende Arbeit von Dr. Bipping. 

Im verflossenen Rechnungsjahre wurden fol- 
gende Arbeiten im Institute unter meiner Leitung 
vollendet. 

Herr Dr. Bipping, Assistent des patholo- 
gischen Institutes lieferte „Beiträge zur Lehre 
von den pflanzlichen Parasiten". Die AnreguDg 
gab ein von mir beobachteter Fall von Nagelpil- 
zen bei einem jungen Manne, der den gelehrten 
Ständen angehört. Die Veränderung der Nägel 
war entstanden während der Kranke an Favus 
litt, und der Umstand, dass zwei Schwestern des- 
selben sowohl am Kopfe, wie an den Nägeln von 
Pilzen befallen waren, schloss jeden Gedanken 



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291 

an zufälliges Zusammentreffen aus. tJebrigeüs 
war ein ähnlicher Fall schon früher (Zeitschr. 
f. rat. Med. 1858. S. 80) von mir pubKcirt wor- 
den, der eine Geisteskranke betraf. Die Nägel 
der letzteren, sowie die von dem ersten Meiss- 
ner'schen Falle konnten Herrn Ripping für die 
microscopische Untersuchimg ebenfalls zur Ver- 
fügung gestellt werden. Dieselbe ergab lieber-^ 
einstimmung der Pilze verschiedener Herkunft 
in allen wesentlichen Beziehungen sowohl unter- 
einander, als mit dem Favuspilz, abgesehen von 
den etwas geringeren Dimensionen der Nagelpilze, 
welche sich aus dem trockeneren Standort dersel- 
ben gegenüber der saftreichen Kopfhaut begreif- 
lich finden lassen. Die Identität des Favus- und 
Nagelpilzes dürfte hiermit erwiesen sein. 

In Betreff des Pilzes, der Puccinia favi ge- 
nannt worden ist, wurde mir das Vorkommen 
auf allen möglichen Substanzen, die der Luft 
ausgesetzt gelegen hatten, namentlich während 
der Monate August und September auffällig. 
Meistens zeigte sich die Puccinia aus 11 — 14 
runden Zellen und einer langgestreckten Stiel- 
zelle zusammengesetzt. Wurden solche micro- 
scopische Präparate mit feuchter thierischer Sub- 
stanz und lufthaltigem Wasser zusammen einge- 
kittet, so gelang es ein Auswachsen der Stiel- 
zelle in einen 0,004 mm. dicken, 0,5 — 1,0 mm. 
langen Faden zu constatiren. Sporenbildung 
wurde nicht wahrgenommen. 

Die von Miescher 1843 in dem Muskel- 
fleisch der Maus entdeckten Schläuche haben in 
neuester Zeit praktische Wichtigkeit erlangt, in- 
sofern sie von ungeübten Microscopikem mit 
Trichinen und Nervenknospen (Kölliker) verwech- 
selt werden können. Sie sind bei der Ratte, 
dem Reh, Hasen, Schaf, Kalb und Schwein seit- 

22* 

Digitized byVwjOOQlC 



292 

dem gesehen; ich selbst habe sie sehr regelmä- 
ssig in den Augenmuskeln sämmtlicher Haussäu- 
getiiiere gefanden und beim Schwein fehlen sie 
niemals. An den Schläuchen kann man einen 
steifen Borstenbesatz wahrnehmen, wenn man 
sie aus ihrer Muskelfaser isolirt. Es ist zwei- ' 
felhaft, ob sie den thierischen oder pflanzlichen 
Parasiten zuzurechnen sind; wahrscheinlich aber 
stehen sie den Gregarinen am nächsten. 

Das Fleisch eines Schweines zeigte sich bei 
dieser Untersuchung mit zerstreutstehenden wei- 
ssen Pünktchen von 0,5 mm. Grösse durchsetzt, 
die in Abständen von 2—10 mm. von einander 
sich überall verbreitet fanden. Sie waren unlös- 
lich in Wasser, Natron und Essigsäure, löslich 
in Salzsäure. Dabei ergab sich, dass es sich in 
der That um partielle Verkalkung kleiner Hau" 
fen von Fettzellen mithin vorwiegend um stearin- 
sauren Kalk handelte. Sowohl mit blossem Auge 
und der Loupe, als mit starken Vergrösserungen 
trat die unregelmässig rundliche Form im Gegen- 
satz zu den eUipsoidischen Trichinenkapseln un- 
verkennbar hervor. Bei oberflächlichem Betrach- 
ten aber konnte man leicht in den weissen Pünkt- 
chen verkalkte Kapseln vor sich zu haben glau- 
ben, namentlich bei Anwendung der von Virchow 
so warm empfohlenen Salzsäure. Durch Nach- 
forschungen stellte sich heraus, dass das Fleisch 
von 40—50 Schweinen auf dem betreffenden 
Landgute dieselbe Beschaffenheit gehabt hatte. 

Herr Dr. Daake beschrieb einen Fall von 
geheilter Fissur der Schädelbasis sowie das Vor- 
kommen von oxalsaurem Kalk in der Schild- 
drüse des Menschen. 

Herr Hemkes bearbeitete einen ausgezeich- 
neten Fall von Alveolarkrebs des Mastdarms. 
Der 19jährige Patient verstarb nach einjähriger 



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293 

Krankheit auf der Kliiiik des Herrn Geh. Hof- 
rath Hasse. 

Bei der Section fand sich die obere Hälfte 
des Rectum bis zum Colon transversum in eine 
21** lang6 Geschwulst umgewandelt, deren Höhle 
in der Gegend der Flexura sigmoidea 3^/2** 
Durchmesser hatte. Secundäre Ablagerungen 
zeigten sich in dem ganzen Peritonäum, den Me- 
senterial- und anderen Lymphdrüsen der Bauch- 
höhle verbreitet. 

Herr F. Kruse untersuchte einen Fall von 
Comminutiv-Fractur der Scapula. Der 64jäb- 
rige Maurer wurde, nachdem er von einem 30' 
hohen Gerüste gefallen war, auf die Abtheilung 
des Herren Hofrath Baum gebracht. 

Herr Bohn bearbeitete die pathologische Kno- 
chenneubildung mit Zugrundelegung eines Falles, 
der ebenfalls auf der chirurgischen Klinik des 
Göttinger Hospitales beobachtet wurde. 

Bei einem 11 jährigen Mädchen hatte sich 
eine totale Necrose der Clavicula spontan entwi- 
ckelt, die binnen eines Zeitraums von 4 — 5 Wo- 
chen zu einer fast vollständigen Neubildung der- 
selben Veranlassung gab. 

Herr Stisser beschrieb zwei neue Fälle von 
Macroglossie. Der erste Fall ereignete sicli in 
der Privatpraxis des Herrn Hofrath Baum und 
betraf eine übrigens gesunde Frau von 45 Jah- 
ren. Bei derselben war die Zunge selbst nach 
rechts verschoben und von dem linken Seiten- 
rande nahe der Zungenwurzel ragte eine Ge- 
schwulst nach vom und links, so dass man auf 
den ersten Blick geneigt war zu glauben die 
Zunge sei gespalten. Die Geschwulst hätte im 
Allgemeinen eine knopfiformige Gestalt, indem 
der vordere Theil breiter und flacher war, der 
hintere mit eixiem dicken, runden, kurzen Stiele 



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294 

sich in die eigentliche Zunge einsenkte. Die 
Operation war schwierig, weil das Feld derselben 
ganz hinten im Munde lag; es wurde ein Faden 
um den Stiel geschlungen, die Geschwulst mit 
einer Schere abgetragen; dabei entstand eine 
Blutung die kaum zu stillen war. Die Wunde 
heilte gut und die Zunge bekam ihre normale 
Gestalt und Lage wieder. — Die microscopische 
Untersuchung ergab, dass die fibröse Form vor- 
lag. ' In dem hintern Theile der Geschwulst fan- 
den sich viele gekreuzt verlaufende secundäre 
Muskelbündel durch Bindegewebsscheiden von 
einander abgegrenzt, die Muskelfasern waren zum 
Theil fettig entartet, ihre Nerven unverändert. 
Nach vom'zeigten sich viele isolirte, getheilte und 
spitz zulaufende Muskelfasern in ein Bindegewebe 
eingelagert welches reich an Kernen war, die 
zwischen Bündeln welliger Bindegewebsfasern 
lagen und nach Essigsäure -Zusatz anastomo- 
sirende Zellen vorzutäuschen vermochten (Vir- 
chow's Bindegewebskörperchen.) Die Papillae 
fungiformes waren stark vergrössert und ihr Epi- 
thel verdickt. Der zweite Fall betraf eine conge- 
nitale Macroglossie bei einem Mädchen. Gleich 
nach der Geburt bemerkte man, dass sich über 
die rechte Zungenhälfte von der Wurzel bis nach 
der Spitze einebläulichrothe Geschwulst erstreckte, 
während die linke Seite normal war. Eine gleich- 
artige Geschwulst befand sich an der rechten 
Seite der Unterhppe und reichte durch den Mund- 
winkel bis an die Innenfläche der rechten Backe, 
deren Aussenfläche sich etwas härtlich anfühlte 
und in Folge beträchtlicher Entwicklung eines ve- 
nösen Gefasspiexus bräunlich gefärbt war. Die 
Zungenspitze und rechte Unterlippe ragten etwas 
über die Mundspalte hinaus und nach der Ober- 
lippe in die Höhe. Das Kind war übrigens kräf- 



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295 

tig entwickelt und gedieh ganz gut, da es mit 
dem linken Mundwinkel gehörig saugen konnte. 
Dabei entwickelten sich beide Geschwülste wei- 
ter und als die Dentition erfolgt war, ruhte die 
Zunge als eine steife, bläulich-braune Masse auf 
den Zähnen des Unterkiefers vor dem Munde, 
so dass die Patientin nicht im Stande war, den 
letzteren zu schliessen und beständig der Spei- 
chel abfloss. Das Kauen der Speisen verrichte- 
ten die Backenzähne der linken Seite, wohin die 
Speisen mit den Fingern oder Löffeln geschoben 
wurden. Empfindungen von Schmerz äusserte 
das Kind bis zum 14. Lebensjahre niemals, spä* 
ter schwoll allmonatlich die Zunge periodisch an, 
bekam ein dunkelblaues Ansdien und schmerzte 
heftig, bis eine Blutung ,aus derselben eintrat, 
in deren Folge die lästigen Symptome nachlie- 
ssen. Die letzteren steigerten sich nicht selten 
zu Athem- und Schlingbeschwerden, von denen 
erst die Applidation von Blutegeln Abhülfe ver- 
schafite. Im 18. Jahre trat die Menstruation ein 
und von jetzt ab kehrten die monathchen Exacer- 
bationen nicht wieder; in ihrem Wachsthum 
hörte indessen die Zunge nicht auf und erreichte 
im 26. Lebensjahre die Länge einer Hand und 
die Dicke einer Faust. Das Zahnfleisch exulce- 
rirte, die Zähne fielen aus, nachdem sie eine be- 
trächtliche Längenzimahme erreicht hatten. Die 
Zunge wurde durch Umhüllung mit Tüchern soj^- 
föltig gegen die Einwirkung der Luft geschützt; 
trotzdem zeigten sich oft Bisse, aus denen Blut 
und Eiter floss, bis sich die ganze Oberhaut als 
trockene Kruste löste und wie ein Handschuh 
sich abziehen liess. Dann erschien die Zunge 
weich, blauröthlich gefärbt, aber einige Tage 
später begann eine abermalige Borkenbildung. 
Die Sprache der Kranken war im Ganzen ziem- 



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296 

lieh deutlich, und ihr Gesang sogar hell und laut. 
Von den Aerzten, denen die Patientin vorgestellt 
wurde, wagte Niemand zu irgend einer Zeit eine 
eingreifende Operation. Die Patientin starb im 
26. Lebensjahre wahrscheinlich am Typhus; eine 
anatomische Untersuchung konnte nicht angestellt 
werden, doch unterliegt es wohl keinem Zweifel 
dass es sich um .eine Blutgefässgeschwulst han- 
delte. 

Herr Brauer bearbeitete einen Fall von Sar- 
com des Lumbartheiles der Medulla spinalis, 
und einen anderen von grauer Degeneration der 
Hinterstränge. Beide kamen zur Section von der 
medicinischen Klinik des Herrn Geh. Hofrath 
Hasse und hatten ziemlich übereinstimmende 
Krankheits-Erscheinungen dargeboten. 

Herr Eöpke untersuchte ein Mannskopfgro- 
sses Carcinoma ossificans des linken Oberschen- 
kels bei einem 17jährigen Mädchen. Colossale 
secundäre Knochen-Geschwülste fanden sich in 
der betreffenden Inguinalgegend, sowie in der 
rechten Lunge. Die Kranke wurde auf der chi- 
rurgischen Kh'nik beobachtet. 

Herr Zenker lieferte die Beschreibung eines 
interessanten Falles von partieller Himsclerose, 
der auf der Klinik des Herrn Geh. Hofrath 
Hasse behandelt worden war. Die sclerosirten 
Stellen fanden sich in der Substanz des grossen 
Hirnes, vorzugsweise im Stabkranz und den Tha- 
lami nervor. optic; auch die Hinterstränge im 
Halstheil des Rückenmarks waren entartet. Die 
microscopische Untersuchung wies an den Capü- 
largefässen fettige Degeneration ihrer Wandun- 
gen, sowie Kemwucherungen in denselben nach, 
ebenfalls fanden sich fettig degenerirte GangUen- 
zellen^ in der OTauen Substanz der erkrankten 
Parthien. Die Hauptmasse von letzteren bestand 



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297 

aus sehr dentKch fasrigem Bindegewebe in dessen 
Maschen zahlreiche freie Kerne und concentrisch 
geschichtete Eörperchen lagen, die sich mit Jod 
und Schwefelsäure violett färbten. 

GelegentUch soll hier noch eine Beobachtung 
erwähnt worden, die sich auf das von der wis- 
senschaftlichen Medicin oft so vernachlässigte 
Gebiet der Zahnkrankheiten bezieht. Ein cariö- 
ser kleiner Backenzahn des Oberkiefers hatte bei 
einer 40jährigen Frau langdauemde Schmerzen 
verursacht, die unter dem Bilde einer Neuralgie 
auftraten. Bei der Extraction brach eine Wur- 
zel ab, das steckenbleibende Fragment wurde 
dann ebenfalls zu Tage gefördert; es hing durch 
den aus dem Zahn herausgerissenen Nervenstamm 
noch mit der Hauptmasse des ersteren zusam- 
men. Die microscopische Untersuchung ergab 
fettige Degeneration sämmtlicher. Nervenfibrillen. 

Femer kam ein Fall vor, wo bei der Section 
ein weiches, bröckliches Concrement von Bohnen- 
grösse in einem Nierenbecken gefunden wurde. 
Dasselbe bestand, abgesehen von verkittender 
stickstoffhaltiger Substanz, ausschliesslich aus 
kohlensaurem Kalk in Form von sog. Dumbbells. 

Zusendungen von Präparaten verschiedener 
Art hat das pathologische Institut folgende er- 
halten, die nach dem Datum ihres Eintreffens 
chronologisch geordnet sind. Indem den Herren 
Absendern der beste Dank dafür abgestattet 
vnrd, darf wohl die Bitte hinzugefügt werden, 
derartige Mittheilungen wo mqglich in noch grö- 
sserem Massstabe fortzusetzen. Wie oben ange- 
deutet, sind die Lehrzweck^ besonders zu be- 
rücksichtigen und ausser den selbstständigen Ar- 
beiten einzelner Studirender handelt es sich fer- 
ner darum das Beobachtungsmaterial für Zuhö- 



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298 

rer zu vermehren, die sich praktisch in patholo- 
gischer Histologie ausbilden wollen. 

Herr Dr. zum Sande, Königl. Hannov. Assi- 
stenzarzt in Hannover, übersandte eine grosse, 
im retroperitonäalen Bindegewebe eines Huhns 
entstandene Geschwulst. 

Herr Sanitätsrath Dr. Hölscher in Nort- 
heim exstirpirte Corpora mobilia* des Kniegelenks. 

Herr Dr. Land ahn in Hildesheim das Rü- 
ckenmark eines an allgemeiner Paralyse verstor- 
benen Geisteskranken. 

Herr Dr. Spangenberg in Göttingen einen 
Smonatlichen Hemicephalus. 

Herr Dr. Langen b eck in Gifhom das Bild 
einer oben erwähnten,Patientin mit Macroglossie. 

Herr Dr. Lueken aus Oldenburg ein exstir- 
pirtes Sarcom. 

Herr Dr. Küneke in Göttingen aus seiner 
Privatpraxis 22 Exemplare von Tänia solium, 
die einem Fleischergesellen gleichzeitig abgetrie- 
ben worden waren. 

HerrDr. Hy nicken in Liebenburg ein spon- 
tan entferntes Myom des Uterus. 

Herr Obergerichtsphysicus Dr. Langenbeck 
in Göttingen ein Gehirn mit vereiterten Cysti- 
cerken. 

Herr Dr. Laudahn in SalzdetAirth ein Car- 
cinoma genu. 

Herr Dr. Kugelmann in Hannover ein Prä- 
parat von einem Retröuterinal-Abscess. 

Herr Dr. Lorey aus Frankfurt a. M. ein 
Präparat von sog. Hydrops renum. 

Herr Obermedicinalrath Dr. Do mm es in 
Hannover zwei Geschwülste des Uterus. 



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299 

Herr Dr. Hennecke in Goslar ein Präparat 
von Phosphomeorose mit vollständiger Wiederher- 
stellung des Osmaxillare inferius. 

Herr Sanitätsrath Dr. Hundögger in Han- 
nover durch Hrn. stud. med. Polle ein Syphi- 
lom der Lunge. 

Herr Medicinalrath Dr. Hahn in Hannover 
ein Myxom der grossen Schamlippe. 

Herr Ohergerichtsphysicus Dr. Schuchardt 
in Nienburg eine Geschwulst der Mamma. 

Herr Dr. Wiese in Göttingen einen Echi- 
nococcus-Sack der Leber. 

Herr Sanitätsrath Dr. Hundögger in Han- 
nover eine Hufeisenniere, die am unteren Ende 
zusammengewachsen war. 

Herr Dr. Kugelmann in Hannover einen 
amputirten sechsten Finger und drei Geschwülste 
des Uterus. 

Herr Dr. Jüdell in Artlenburg exstirpirte 
Corpora mobilia des Handgelenkes* 

Herr Dr. Wiese in Göttingen eine Geschwulst 
der Mamma. 

Herr Dr. Ahrendts, Assistenzarzt Königl. 
Hannov. Garde-Husaren-Regts in Hoya, desglei- 
chen. 

Herr Sanitätsrath Dr. Hölscher in Nort- 
heim eine Drüsengeschwulst der Haut und einen 
Schleimpolyp des Uterus. 

Herr Dr. Lindemann in Hannover eine zu- 
sammengesetzte Cystengeschwidst der Mamma. 

Herr Dr. Wietfeldt in Celle verschiedene 
Geschwülste. 



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.300 

Herr Staatsrath Professor Zachariae ist für 
das Jahr vom 1. September 1864 bis dahin 1865 
zum Prorector erwählt und bestätigt. Demzufolge 
ist auf denselben das Präsidium im akademischen 
Senate, im Verwaltungsausschusse, im Rechts- 
pflegeausschusse, in der üniversitäts- Kirchen- 
deputation und im üniversitätsgerichte für Ver- 
waltungs- und Disciplinar-Sachen übergegangen. 

Herr Geheimer Justizrath Herrmann ist 
als zeitiger Exprorector Mitglied des Verwaltungs- 
und des Bechtspflegeausschusses geblieben, an 
der Stelle des bis zum 1. Sept. 1864 als Expro- 
rector fungirenden Herrn Hofraths Sauppe. 

Aus dem Verwaltungsausschusse ist Herr 
Staatsrath Zachariae als gewähltes Mitglied 
ausgeschieden, und ist an dessen Stelle Herr Ge- 
heimer Justizrath Ribbentrop pro 1 . Septem- 
ber 1864 bis 1. März 1867 erwählt. 

In den Rechtspflegeausschuss ist Herr Profes- 
sor Helferich für den am 1. Sept. 1864 aus- 
geschiedenen Herrn Hofrath Kraut pro l.Sept. 
1864 bis 1. März 1866 eingetreten. 

Der zum ordentlichen Professor der hiesigen 
theologischen Facultät ernannte Herr Professor 
Gess wird nach seiner Einführung in diese seme 
Stelle Mitglied der üniversitäts -Kirchen -Depu- 
tation werden. 



In der juristischen Facultät haben vom 1. 
Juli 1863 bis dahin 1864 folgende Promotionen, 
unter dem Decanate des Geheimen Justizraths 
Ribbentrop, statt gefunden: 

1) 1. Juli 1863. V. Araujo, Martin Anton, 
aus Brasilien; 

2) 9. Juli. Schmidt, Carl, aus Mitau. 

3) T.August. Binding,C.I.L.,ausFrankfiirt. 



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301 

4) 11. August. Grisebach, K. R. 0., aus 
Dockenhude. 

5) 5. October. Eysen, A. C. P., aus Frankfurt. 

6) 13. October. Eapanz, H* C. L., aus 
Hamburg. 

7) 17. October. Hartlaub, Carl, aus Bremen. 

8) 27. Octob. Glöckner, J. G., aus Frankfurt. 

9) 19. Januar 1864. Reck, Carl, aus Göttin- 
gen (Honoris causa). 

10) 8. Februar. Wiclimann,Fr. Job., (Ho- 
noris causa). 

1 1) 2. März. Lampe, Heinrich, aus Bremen. 

12) 31. März. Wedekind, H. G. E., aus 
Lüneburg (in absentia). 

13) 2. April. Weyland, Job. Heinr, aus 
Bremen. 

14) 9. März. Hach, Eduard, aus Lübeck. 

15) 24.^Mai. Spi es s, Wilhelm, aus Frankfurt. 

16) I.Juni. Bre hm er, Adolph, aus Lübeck. 

17) 13. Juni. Scharlach, Julius, aus Hamburg. 



Verzeichniss der bei der Kön. Gesellschaft 

der Wissenschaften eingegangenen 

Druckschriften. 

Mai 1864. 

J. G. Böhm und M. Alle, magnetische und meteorolog. 
Beobachtungen zu Prag. 24. Jahrg. Prag 1*863. 64. 4. 

Sitzungsberichte der k. böhm. Gesellschaft der Wissen- 
schaften in Prag. Jahrg. 1863. Ebd. 1863. 64. 8. 

— der k. bayer. Akademie der Wissenschaften. 1864, I, 
1. 2. München 1864. 8. 

Abhandlungen der philosophisch -philol. Classe der bayer. 
Akad. der Wiss. X, 1. Ebd. 1864. 4. 

Annalen der k. Sternwarte bei München, herausg. von 
J. Lamont. 4. Supplbd. Ebd. 1863. 8. 

L. Buhl, über die Stellung und Bedeutung der pathol. 
Anatomie. Ebd. 1863. 4. 



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402 

Jahrbach der k. k. geolog. Beidusanstalt 1864. XIY, 1. 
Wien. 8. 

Verhandlungen des naturliistor.-medizin. Vereins zu Hei- 
delberg, m, 3. 8. 

Jahresbericht des physikal. Vereins zu Frankfurt a. M. 
1862—63. 8. 

Schriften der k. physik.- Ökonom. Gesellschaft zu Königs- 
berg. IV. 1863, 2. Königsberg 1863. 4. 

Archiv des histor. Vereines von Unterfiranken und Aschaf- 
fenburg. XVn, 1. Würzburg 1864. 8. 

Flora Batava,' afbeelding en beschrijving van Nederl. ge- 
lassen door J. Kops en F. A. Hartsen. Afl. 186. 
Amsterdam. 4. 

A. Ecker, zur Kenntmss des Körperbaus schwarzer 
Eunuchen. (Sep.-Abdr.) 4. 

Th. Scheerer, über den Astrophyllit. (Sep.-Abdr.) Berlin 
1864. 8. 

— hat die Kieselsaure die Zusammensetzung SiO^ oder 
SiOj? (Sep.-Abdr.) Leipzig. 8. . 

L. Vaucher, in M. Tullu Ciceroiiis libros phiIos<^hicos 

curae criticae. I. Lausanne. 8. 
G. Cavedoni, congetture indomo ad un' iscrizione antica 

probabilmente Celtica. (Sep.-Abdr.). 4. 
J. G. Mulder, Scheikundige verhandelingen en onder- 

zoekingen lU, 3. Rotterdam 1864. 8. 
G. Gasparini, sopra la melata o trasudamento di aspetto 

gommoso (Sep.-Abdr.). 4. 

— Bulla maturazione e la qualita dei fichi dei contomi 
di Napoli (Sep.-Abdr.). 4. 

Die pharmacognostische Sammlung des Apoth. Josef Ditt- 
rich in Prag. Prag 1863. 8. 

Juni 1864. 

Mittheilungen der Gkschichts- und Alterthumsf. Gesellsch. 

d. Osterlandes. VI, 1. Altenburg 1863. 8. 
Comte-rendu de la commission imperiale archeologiqne pour 

Tannee 1862* St.-Petersbourg 1863. 4. mit Atl. in gr. Fol. 
Dollen, die Zeitbestimmung vermittelst des tragbaren 

Durchgangsinstruments im Verticale des Polarsterns. 

Ebd. 1863. 4. 
Catalogue du cabinet de monnaies et medailles de l'Aoad. 

Voy. des sc. ä Amsterdam. Amsterdam 1863. 8. 
J. Giacoletti, de lebetis materie et forma ejusque tu- 

tela iümachinis vaporis vi agentibus, carmen didascalicum. 

Ebd. 1863. 8. 



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403 

Terslagen en mededeelingen der k. Akad. v. Wetenscli. 

Afd. Letterkunde VII. Natuurk. XV. XH. Ebd. 1863. 

1864. 8. 
Jaarbock van de kon. Akad. v. Wetensch. te Amsterd. 

voor 1862. Ebd. 8. 
Verhandelingen der kon. Akad. v. Wetensch. Afd.Letter- 

knnde. 11. Ebd. 1863. 4. 
Natuurkundige Verhandelingen van de HoUandsche Maat- 

schappij d. Wetensch. te Haarlem. XVM. Haarlem 1863. 4. 
Memoires de la Soc. des anliq. de Picardie. 2e serie. IX. 

Paris nnd Amiens 1863. 8. 
Zoologischer Garten N. 2—6. Frankfurt 1864. 8. 
Monatsbericht der k. Preuss. Akad. d. Wiss. I. 11. Ber- 

Hn 1864. 8. 
Annales des mines. 6. S^rie. V. 1864, 1. Paris 1864. 8. 
Stenstrup, om skjaevheden hos flyndeme og navnlig 

om vandringen of det övre öie fra blindsiden til öiesiden 

tvers igjennen hovedet. Kjöbenhavn 1864. 8. 
Bierens de Haan, over de magt van het zoogcnaamd 

onbestaanbare in de wiskunde. Deventer 1863. 8. 
Scheerer, vorläufiger Bericht über krystallinische Silikat- 
gesteine des Fassathales und benachbarter Gegenden Süd- 

tyrols. Stuttgart 1864. 8. 
Brandis, Geschichte der Entwickelungen der griechi- 
schen Philosophie und ihrer Nachweisungen im römischen 

Keiche. 2. Hälfte. Berlin 1864. 8. 
L. Schmidt, Lebensbild von Prof. Dr. C. Claus. Bor- 

pat 1864. 8. 
Abhandlungen der naturforsch. Gesellschaft zu Nürnberg. 

B. m. 1. Hälfte. Nürnberg 1863. 8. 

JuH 1864. 
Denkscihriften der k. Akademie der Wissenschaften. Math.- 

naturw. CL Bd. XXH. Wien 1864. 4. 
Almanach der k. Akad. der Wiss. Jahrg. 13. 1863. 

Wien. 8. 
J. Vesque von Püttlingen, das musicalische Autor- 
recht. Ebd. 1864. 8. 
Fontes rerum Austriacarum 1. Abth. IV, 2. Ebd. 1864. 8. 
Archiv för Kunde öeterr. Geschichtsquellen. XXX, 1. Ebd. 

1863. 8. 
Sitzungsberichte der kais. Akad. der Wiss. Ebd. 1863. 8. 
Math.-naturw. GL 1. Abth. 47, 4. 5. 48,1—3. 

2. Abth. 47, 5. 48, 1—4. 
Philos.-histor. Cl. 42, 1--3. 43, 1. 2. 44, 1. 



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304 

Sitzungsbericlite der k. bayer. Akademie der Wifls. zu 

München. 1864. I, 3- München 1864. 8. 
W. H. Miller, a tract on crystallography. Cambridge 

1863. 8. 
N. Jeno dei Coronei, la situazione e lo steto delle 

Bussie. Napoli 1863. 8. 
Memoires de la soc. imp. des sciences naturelles deCher- 

bourg. IX. Paris et Cherbourg. 1863. 8. . 

Vierteljahrsschrift der naturforschenden Gesellschaft in 

Zürich. Jahrg. 7. 8. Zürich 1862. 63. 8. _ 

Mitiheilungen der antiqnar. Gesellschaft in Zürich. XXVI. 

XXVn. Zürich 1862. 63. 4. 
Keller, remarques sur »Trogon, habitations lacustres«. 

(Sep.-Abdr.). 4. 
Anzeiger für Schweizer. Gescjiichte und Alterthumskunde. 

X,l. Zürich 1864. 8. 
18. und 19. Bericht über die Verrichtungen der antiq. 

Ges. in Zürich. 1863. 64. 8. 
Memorias de la R. Academia de ciencias exactas, fisicas 

y naturales de Madrid. Xu. VI. Madrid 1863. 4. 
Besumen de las actas de la R. Acad. de Madrid 1861/62. 

Ebd. 1863. 8. 
Libros del saber de astronomia del rey d. Alfonso X. de 

Castilla, copilados, anotados y comentados por D. W. 

Rico y Sinobas. I. H. Ebd. 1863. Fol. 
S. Cadet, ipotesi intomo la causa del periodo glaciale 

nell' epoca quademaria del nostro globo (Sep.-Abar.). 

Rom. 4. «T ji 

Philosophical Transactions of the Roy. Society of London. 

1863. 153, 2. London 1864. 4. 
The Roy. Society. 30th Nov. 1863. 4. 
Proceedings of the Roy. Soc. XII, 57. Xm, 58—64. 

Ebd. 1863. 64. 8. 

— of the Society of antiquaries of London. 2d senes. 
1,8. n, 1— 4. Ebd. 1861— 63. 8. 

— of the Roy. Irish Academy. Vol. Vm, 1—6. Dubhn 
1863. 64. 8. 

Transactions of the Roy. Irish Academy. XXIV. Pohte 
Uter. 1. antiquities 1. sciences 3. Ebd. 1864. 4. 

Alti deir Accademia delle scienze fisiche e matematicne. 
Vol. L Napoü 1863. 4. 

Rendiconto dell' Accad. delle scienze fis. e matem. Anno 
n, 11. 12. m, 1. 2. Ebd. 1863. 64. 4. 



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Nächrlehteii 

von der Königl. Gesellschaft der Wissen- 
schaften und der G. A. Universität zu 
Göttingen. 



November 9. M. 15. 1864. 



KdHigliche Gesellschaft der Wkseischaftei« 

Sitzung am 5. November. 

He nie, weitere Beitrage zur Anatomie der Retina. 
Beilstein, über die isomeren Chlorbenzoesäuren. 
Hnsemann und Marme, über die wirksamen Bestand- 

theile von Helleboras niger und H. viridis. 
Dieselben, über das Lycein. 
Curtius, zwei attische Inschriften. 

Weitere Beiträge zur Anatomie der Retina. 

von 

J. He nie. 

Seit meiner neulichen Mittheilung (vgl. diese 
Nachr. Nr. 7) gelangte ich einige Mal in den 
Besitz frischer menschlicher Augen und habe da- 
bei die unangenahme Bemerkung gemacht, dass 
nicht nur die Retina des Menschen und der Säu- 
gethiere in wesentlichen Beziehungen von einan- 
der abweichen, sondern dass auch in der mensch- 
lichen Retina individuelle Verschiedenheiten vor- 
kommen, die es schwer machen, die gesetzmäs- 
sige Structur derselben zu ermitteln. Die absolute 
und relative Mächtigkeit der einzelnen Schiditen, 
der Umfeug , bis zu welchem die der Macula lu- 
tea eigenthümlichen anatomischen Gharactere sich 
erstrecken , die Stärke der Radialfasem, die Fe- 

23 

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306 

stigkeit, mit welcher die Limitans oder Hyaloi- 
dea an der Nervenfaserscliichte haftet, bieten auf- 
fallende Schwankungen dar; aber auch von den 
physiologisch bedeutsameren Elementen finden sich 
im Einen Falle Formen und Verbindungen, die 
in einem andern fehlen, ohne dass man die Prä- 
parationsmethode oder irgend einen andern, zu- 
fillligen Umstand dafür verantwortlich machen 
könnte. So wird die Unzulänglichkeit des zur 
Erforschung der menschlichen Retina geeigneten 
Materials doppelt empfindlich imd es wird Ent- 
schuldigung finden, wenn ich mit fragmentari- 
schen Ergebnissen hervortrete. Es geschieht, um 
die Untersuchung, die Manche für abgeschlossen 
halten, wieder in Fluss zu bringen und um mög- 
lichst zu verhüten, dass die seltene Gelegenheit, 
menschliche Augen frisch zu untersuchen, unge- 
nützt verloren gehe. 

Die characteristische Form der äussern Kör- 
ner, die ich a.a.O. beschrieb, die Abwechslimg 
stark- und schwach -lichtbrechender Schichten, 
hat sich mir seither bei allen Säugethieraugen, 
die ich darauf betrachtete, bestätigt, bei den 
Wiederkäuern, dem Hunde, der Eat^e, dem 
Pferd, Schwein, Kaninchen. Bemerkenswerth ist 
indess auch an diesen Elementen die Verschie- 
denheit der Resistenz; ich sah sie mitunter noch 
völlig unversehrt in Schafsaugen , welche weit in 
der Fäulniss vorgeschritten, deren Netzhäute völ- 
lig zerflossen waren, während sie in der Regel 
schon 12 — 24 ^Stunden nach dem Tode und frü- 
her als die Stäbchen unkenntlich geworden sind. 
Am wenigsten dauerhaft sind die Kömer der Re- 
tina des Pferdes, deren Querstreifen ich, nach 
vielen vergeblichen Bemühungen, erst dann zu se- 
hen bekam, als ich sie dem Auge eines unmit- 
telbar vorher geschlachteten Thieres entnehmen 



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konnte. Mit menschlichen Augen bin ich noch 
nicht glücklicher gewesen, als zur Zeit meiner 
ersten Mittheilung: ihre äussere Kömerschichte 
bildet an Dickendurchschnitten getrockneter oder 
in Alkohol erhärteter Augen, die man mit Was- 
ser behandelt, denselben Gegesatz zur innem 
Kömerschichte, wie die thierische und wird ebenso, 
wie diese, durch Chromsäure, Carminimbibition 
etc. der innem ähnlich; die Elemente der 
äussern Körnerschichte des Menschen sind gleich- 
falls regelmässig und reihenweise über einander 
geordnete Kügelchen, aber die grosse Mehrzahl 
dieser Kügelchen hatte in den frischesten Augen, 
die mir zu Gebote standen, eine von den be- 
schriebenen Aussenkörnern der Säugethiere ab- 
weichende Form. Es waren kugelrunde, dem 
Anschein nach mit heller Flüssigkeit gefüllte 
Bläschen, yon 0,006 mm. Durchmesser, welche 
eine Menge zerstreuter, punktförmiger, glänzen- 
der Moleküle enthielten. Die Gegend der Fovea 
centralis verhielt sich in dieser Beziehung nicht 
anders, wie die peripherischen Theile der Netz- 
haut. Immerhin waren zwischen dem Zeitpunkte 
des Todes und der mikroskopischen Untersuchung 
Stunden verflossen und meine Erwartung, dass 
man unter noch günstigem Verhältnissen die den 
Säugethieren gemeinsame Gestalt der Aussenkör- 
ner auch bei dem Menschen nicht vermissen wer- 
de, wird dadurch aufrecht erhalten, dass einer- 
seits beim Menschen unter der überwiegenden 
Mehrzahl körniger Kugeln immep einzelne sich 
finden, die in gewissen Lagen dieselben Quer- 
streifen zeigen, wie die Aussenkörner der Säuge- 
thiere, während andrerseits bei Säugethieren die 
querstreifigen Körner sich nach und nach, wie 
die Zersetzung vorschreitet, in körnige umwandeln. 
Bei Thieren sah ich die gestreiften Körner 

23* 

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308 

det beschriebenen Sehichte niemals von einer Mem- 
bran umgeben, wohl aber beim Henschen, in 
einem einzigen Falle, einem 12 Stunden nach 
dem Tode geöfiheten Augenpaar, dessen Betina 
noch glatt, dessen Stäbchenschichte wohl erhal- 
ten waren. Hier war ausnahmsweise beim Ab- 
lösen der Betina von der Ohoroidea di^ Stäb- 
chenschichte mit einer geringen Anzahl Kömer 
auf der Ghoroidea liegen geblieben und also eine 
Trennung der Betina innerhalb der Kömerschichte 
erfolgt. Die Kömer waren gerade in diesen Au- 
gen denen der Säugethiere am ähnlichsten, zum 
grossen Theil quergestreift. Aber fast jedes Korn 
lag als Kern im Innern einer hellen, feinoonturirten 
Zelle , deren Durchmesser etwa doppelt so gross, 
als der Durchmesser des Korns, hie und da auch 
bedeutend grösser war. Ausnahmsweise umgab 
eine Zelle 2 oder selbst 3 Kömer. Wenn die 
frühern Beobachter (vgl. H.Müller, Ztschr. für 
wissensch. Zool. YHI, 51) derartige Präparate 
vor sich gehabt haben, so ist es wohl begreiflich, 
warum sie die Aussenkömer für Zellen erklären ; 
aber sie haben dann für Begel gehalten, was 
nur Ausnahme ist. Ob diese einem besondem 
Entwicklungsstadium oder einem krankhaften 
Verhalten entspricht, vermag ich nicht zu sagen. 
Ja ich wage nicht einmal die Yermuthung ganz 
abzuweisen, dass die hellen Einfassungen der Kör- 
ner erst nach dem Tode entstanden und Folge 
des Austritts der Substanz sein möchten, die die 
sogenannten Glas- oder Eiweisskugeln bildet. Sol- 
che Kugeln, ungefähr von derselben Grösse, wie 
die, welche Kömer einschlössen, aber auch 
grössere imd kleinere, fanden sich in grosser 
Zahl neben den kömerhaltigen Zellen. 

In der äussern Kömerschichte von Säugethieren, 
die ich unmittelbar frisch untersuchte oder nach- 



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309 

dem die Augen frisch in Alkohol gelegt oder ge- 
trocknet und so zur Anfertigung feiner Durch- 
schnitte vorbereitet worden waren, sind mir keine 
Fasern begegnet und so konnte ich auch die Fa- 
sern, welche die Elemente der äussern Kömer- 
schichte unter sich oder mit den Elementen der 
Stäbcjien in Verbindung setzen sollten, nicht be- 
stätigen, musste vielmehr annehmen, dass diese, 
an Chromsäurepräparaten aufgefundenen Fasern 
durch die Einwirkung der Chromsäure oder des 
chromsauren Kali erzeugte Gerinnungen aus der 
homogenen Substanz seien, welche die Kömer 
umgiebt und zusammenhält. Ed wurde mir auch 
nicht schwer, durch Zusatz wenn auch sehr ver- 
dünnter Chromsäure zu Fragmenten der frischen 
Kömerschichte ähnliche feine Fasern, wie die 
Chromsäurepräparate sie zeigen, unter meinen 
Augen entstehn zu sehn, so wie zwischen den 
auseinandergezogenen Körnern Fäden auszuspan- 
nen, die, jenachdem der Zug in radiärer oder 
der Oberfläche paralleler Kichtung erfolgte, die 
über- oder nebeneinander gelegenen Körer ver- 
banden. Der Abbildung der duech einen Faden 
mit ihrem Stäbchen zusammenhängenden soge- 
nannten Stäbchenkörner, wie sie H.Müller (a. 
a.O. Taf.n. Fig. 21 bj undKölliker (Gewebel. 
Fig. 364, 2) darstellen, liegt noch ein anderes 
Zersetzungsproduct zu Grunde, eine Umwandlung, 
welche die Stäbchen in verdünnter Chromsäure 
erleiden: es verdünnt sich nämlich bald das In- 
nen- bald das Aussenglied theilweise zu einem 
feinen Faden, während ein anderer Theil dessel- 
ben Gliedes, meistens an der Spitze, zuweilen 
auch in der'Mitte zu einem Kügelchen anschwillt, 
das, so lange die charakteristische Form der 
Aussenkömer unbekannt war, leicht mit einem 
solchen Korn verwechselt werden konnte. Es sei 



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310 

sogleich bemerkt, dass dieser Vorwurf nur die 
Müller'schen Stäbchenkömer trifft; auf die an 
die Zapfen sich anschliessenden Bestandtheile der 
äussern Kömerschichte tomme ich zurück. 

Auch die Zwischenkömerschichte ist an Thier- 
augen in der Regel nicht radiärfaserig; es ist eine 
Schichte Yon meist nur geringer Mächtigkeit, ent- 
weder der Fläche nach streifig, wie auch M. 
Schnitze sie vom Frosche abbildet (de retinae 
structura. Bonn. 1859. Fig. 4 b) oder gleich- 
massig kömig. 

Legt man diese Anordnung der Schichten der 
Retina , die bei Thieren die gewöhnliche ist, der 
Beschreibung des Organs zu Grunde, so lässt 
sich dieselbe einfacher und übersichtlicher geben, 
als dies bisher geschehen ist. Man hätte zunächst 
zwei Schichten zu unterscheiden, eine äussere, 
von specifischem, der Retina eigenthümlichem 
Charakter, von der sich also annehmen lässt, 
dass sie eine besondere Beziehung zu dem spe- 
cifischen Reize des Gesichtssinnes habe, und eine 
innere, deren Elemente den in allen Theilen des 
centralen Nervensystems verbreiteten Elementen 
gleichen. Ich schlage vor, von diesen beiden 
Schichten die äussere, wegen ihrer Mosaik -ähn- 
lichen Zusammensetzung, als die musivische, 
die innere als die eigentlich nervöse zu be- 
zeichnen. Schon H. Müller erwähnt (a. a. 0. 
p. 96) und ich finde es bestätigt, dass sich zwi- 
schen diesen beiden Schichten (an der Zwischen- 
kömerschichte H. Müll er' s) die Retina leicht 
in ein äusseres und ein inneres Blatt spaltet. 
Die musivische Schichte, das äussere Blatt, ist 
insofern die wesentlichere und beständigere, als 
sie in der Form und Vertheilung ihrer Elemente 
die geringsten Schwankungen zeigt und im Cen- 
trum der Fovea centralis sich mit allen ihren 



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811 

Theilen erhält, während die nervöse Schichte fast 
vollkommen schwindet; Die musivische Schichte 
ist absolut gefasslos (schon H. Müller machte 
die Bemerkung, dass die Gefasse sich niemals 
über die Zwischenkömerschichte hinaus erstrecken); 
die nervöse Schichte ist, wiewohl nicht durch- 
gängig gleich gefassreich, doch in keinem Theil 
ganz ohne Gefasse. An der musivischen Schichte 
lassen sich zwei, durch die Membrana limitans 
ext. gesonderte Lagen unterscheiden, die Stäb- 
chen- und die Kömerschichte - (äussere Kömer- 
schichte H. Müller). Die eigentlich nervöse 
Schichte ist darin den Randwülsten des Gross- 
und Kleinhirns ähnlich, dass die Ausbreitung der 
Nervenfasern, die der weissen Substanz der Cen- 
tralorgane entspricht, von einer Lage grauer oder 
Ganliensubstanz überzogen wird. Die weisse Sub- 
stanz liegt an der innem Fläche der grauen; die 
letztere aber zerfällt in 4 Schichten dadurch, dass 
zweimal eine fein granulirte Substanz, wie sie 
an der Peripherie der Gross- und Kleinhirnwin- 
dungen vorkömmt, mit den der Ganglienmasse 
eigenthümlichen Kernen und Zellen alternirt. Die 
äussere granulirte Schichte ist in der Regel min- 
der mächtig, als die innere; ihre Mächtigkeit 
kann so gering werden, dass sie, gleich der Li- 
mitans ext., auf Dickendurchschnitten nur durch 
eine dunkle, rauhe Linie repräsentirt wird, wel- 
che die äussere und innere Kömerschichte (nach 
H. MüUer's Bezeichnung) von einander schei- 
det. Die äussere gangliöse Schichte (innere Kör- 
nerschichte H. Müller) ist mächtiger, als die 
innere ; sie enthält in der Regel mehrere Lagen ' 
kleinerer, kugliger Elemente, wahrend die innere 
gangliöse Schichte rNervenzellenschichte H.Mül- 
ler) im grössten Tneil der Retina nur aus ei- 
ner einfachen, stellenweise sogar unterbrochenen 



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812 

Reihe grösserer Zellen besteht. Die kugligen 
Elemente der äussern gangUösen Schichte sind 
theils Kerne von der charakteristischen Art^ wie 
sie in der granulirten Substanz der Hirnrinde 
eingebettet liegen, kuglig, wasserhell, mit fei- 
nem Contur und glänzendem, excentrischem Kem- 
körperchen, theils Zellen, deren Membran einen 
ei^en Saum um einen derartigen bläschenförmi- 
gen Kern bildet. Die Zellen der inriern gangUö- 
sen Schichte haben einen ähnhchen Kern, der 
aber von einer feinkörnigen, nach aussen nicht 
immer scharf begrenzten, zuweilen nach einer 
oder mehreren Richtungen in Fortsätze ausgezo- 
genen Zellsubstanz umgeben ist. Die kleinsten 
Kerne der äussern Schichte haben einen Durch- 
messer von 0,005 mm.; die Zellen der innem 
Schichte sind in einer auf die Ebene der Retina 
senkrechten Richtung abgeplattet, 0,02 nam. hoch 
und erreichen einen Flächendurchmesser von 0,05 
mm. Das Verhältniss kann sich aber einiger- 
massen umkehren: die äussere Schichte enthält 
zuweilen grössere, wenn auch nicht körnige Zel- 
len mit einem oder zwei hellen oder kömigen 
Kernen und in der innem Schichte kommen nait- 
unter mehrere Lagen kleiner, den Kern eng um- 
schhessender , runder oder birnförmiger Zellen 
vor. Häufig ist die innere gangliöse Schichte 
durch die zur Nervenfeserschidxte aufsteigenden 
Radialfasern in Fächer abgetheilt, deren jedes 
eine Ganglienzelle oder auch abwechselungsweise 
ein Blutgefäss einschliesst. Auch darin kann, wie. 
ich an der Retina des Pferdes sah, die äussere 
gangliöse Schichte der Innern ähidich werden, 
indem sich Radialfasem bis in die äussere 
Schichte erstrecken und die Elemente derselben 
in Gruppen abtheilen. Manchmal grenzt sich auf 
Dickendurchschnitten der Retina von der äussern 



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313 

gangliösen Schichte eine innere, hellere Zone ab, 
bestehend aus einer Reihe grösserer, auch wohl 
birn- oder kegelförmiger, nach aussen in Spitzen 
verlängerter Körper, die den oben erwäJmten 
bimförmigen Zellen der innem ganghösen Schichte 
durchaus gleichen* In andern Fällen zeichnen 
sich die der äussern granulirten Schichte zu- 
nächst gelegene» Zellen der äussern gangliösen 
Schichte durch Grösse und Durchsichtigkeit aus 
und oft sieht man durch die ganze Dicke der 
äussern gangliösen Schichte zweierlei Elemente 
gemischt, kleinere, die zugleich glänzend und 
eckig sind, und grössere, von mehr kugliger Ge- 
stalt und matter Oberfläche. Die erstem schei- 
nen in Beziehung zu den Radialfasem zu stehn. 
Die vorhergehende Schilderung . der Schichten 
der Retina ist nach der einfachsten und zugleich 
bei Säugethieren gewöhnhchsten Form derselben 
entworfen; sie passt in vielen Fällen auch auf 
den perpherischen Theil (das Wort im weitesten 
Sinn und im Gegensetze zur Macula lutea ge- 
nommen) der Retina des Menschen. Doch tritt 
bei den Säugethieren zuweilen, ohne dass eine 
Species oder eine Region des Auges bevorzugt 
schiene, beim Menschen häufig und im centralen 
Theil der Retina des letztern regelmässig eine 
Zwischenschichte hinzu, aus Fasern bestehend, 
welclie die musivische Schichte mit der nervösen 
verbinden. Diese Schichte, die ich äussere 
Faserschichte nennen werde, ist nur an 
Dickendurchschnitten erhärteter Netzhäute nach- 
weisbar; doch ist ihr Vorkommen unabhängig von 
der Methode der Härtung, nur dass nicht jeäe 
gleich geeignet ist, sie in ihrer wahren Gestalt 
zu zeigen. Die Fasern verlaufen in der thierischen 
und in dem peripherischen Theil der menschli- 
chen Retina radiär, d. h. durch die Dicke der 



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314 

Retina; in der Macula lutea und eine grössere 
oder geringere Strecke weit im Umfange dersel- 
ben haben sie einen flächenhaften Verlauf . Berg- 
mann (Ztschr. für rat. Med. N. F. V, 245. 3te 
R. II, 83.) entdeckte diese flächenhaften Fasern 
an dem Auge eines Hingerichteten, welches 6 
Stunden nach dem Tode in Chromsäurelösung 
gelegt worden war; demungeachtet darf ich be- 
haupten, dass Chromsäure nicht das geeignete 
Mittel ist, um sie sicher und unversehrt aufzu- 
finden; ich empfehle zu dem Ende, ein mögUchst 
kleines, hinteres Segment des Bulbus, dessen 
Retina noch vollkommen glatt sein muss, mit dem 
anhaftenden Glaskörper in absoluten Alkohol zu 
legen und die Untersuchung nach etwa 24 Stun- 
den vorzunehmen. Dabei ist die Vorsicht zu be- 
obachten, dass man das Präparat von Zeit zu 
Zeit ansehe und die Lage der Macula lutea ge- 
nau merke ; denn die gelbe Farbe schwindet bald, 
und die Fovea centraUs ist nicht inamer hinrei- 
chend markirt. 

Fertigt man aus einem solchen Präparat feine 
Dickendurchschnitte, welche in irgend welcher 
Richtung durch die Fovea centralis oder nahe an 
an derselben vorübergehn, so wird man nach in- 
nen von der (äussern) Kömerschichte eine 0,03— 
0,04 mm. mächtige Lage feiner paralleler, in der 
Ebene der Retina streichender Fasern gewahr, 
bei deren Anblick man nur darüber in Zweifel 
geräth , ob man Bindegewebsbündel oder Bündel 
feinster Nervenfasern vor sich habe. Der Habi- 
tus und der sanft wellige Verlauf der Fasern er- 
innern an Bindegewebe; die Reaciionen abet wi- 
derlegen diese Deutung, vor Allem der Umstand, 
dass die Fasern, wenn sie mittelst Kalilösung 
durchsichtig gemacht worden, durch Auswaschen 
mit Wasser nicht wieder herzustellen sind. Ab- 



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815 

gesehn von den Wellenbiegungen gleichen sie so 
vollständig den Fasern der innem, eigentlichen 
Nervenfaserschichte, dass die zerzupften Bündel 
der Einen und andern Schichte nicht mehr von 
einander unterschieden werden können. Auch 
die Veränderungen , welche auf Zusatz verschie- 
dener Reagentien erfolgen, halten in beiden ganz 
gleichen Schritt. Varicositäten zeigen an Alko- 
holpräparaten weder die Fasern der Opticus- Aus- 
breitung, noch die der äussern Faserschichte. An 
einer in dünner Chromsäure aufbewahrten Retina 
waren aber auch die isolirten Elemente der äussern 
Faserschichte varikös. Zwischen den Bündeln der 
Nervenfaserschichte finden sich häufig elliptische, 
nach dem Laufe der Fasern verlängerte Kerne; 
auch solche kommen, wiewohl nur ausnahms- 
weise, in der äussern Faserschichte vor. Aber 
auch ohne Zwischensubstanz lassen sich bündel- 
artige Abtheilungen der äussern Fasern erken- 
nen , wenn der Schnitt sie schräg auf ihren Ver- 
lauf getroffen hat; sie wenden alsdann in regel- 
mässigen Abständen die Durchschnittsflächen nach 
oben, die sich wie Gruppen feiner Pünktchen 
ausnehmen. 

Der Ausspruch, dass die Fasern der äussern 
Faserschichte in der Gegend der Macula lutea 
parallel der Ebene der Retina ziehen, ist nicht 
ganz wörtlich zu nehmen. In der That haben 
sie eine von der Kömerschichte zur äussern gra- 
nulirten aufsteigende Richtung und nur die sehr 
geringe Neigung ihres Ansteigens ist Schuld, dass 
sie lange Strecken horizontal zu verlaufen schei- 
nen. An manchen Durchschnitten bleibt es zwei- 
felhaft, ob man in der Durchschnittsebene schräg 
aufsteigende oder ein perspectivisches Bild von 
schräg durch die Dicke des Durchschnitts zie- 
henden Fasern vor sich habe. Indessen gelingt 



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316 

es zuweilen, Fragmente der musivischen Schichte 
nrit den anhaftenden Fasern so von der nervö- 
sen Schichte abzuziehn, dass der spitze Winkel, 
unter welchem die Fasern sich beiderseits inse- 
riren, in einen rechten verwandelt wird. Am 
überzeugendsten sind die Durchschnitte, an wel- 
chen die äussern Fasern einen in der Ebene der 
Betina dahinziehenden Strang darstellen, an des- 
sen Einen Rand, ungefähr so, wie dies bekn M. 
iliocostalis der Fall ist, Bündel schräg herantre- 
ten und sich anlegen, während zugleich von dem 
entgegengesetzten Bande in gleicher Bichtung 
Bündel abgehn. 

Da jeder durch die Fovea geführte Schnitt 
die äussere Faserschicht parallel dem Verlauf 
ihrer Fasern trifft, so muss man schliessen, dass 
diese von der Fovea aus radienförmig nach al- 
len Seiten ausstrahlen. So ist auch an jedem 
Schnitte, an welchem sich der schräge Verlauf 
der Fasern deutlich erkennen lässt, das äussere, 
d. h. der musivischen Schichte zugekehrte Ende 
der Fasern zugleich gegen die Fovea gerichtet 
und an einigen Schnitten, die glücklich durch 
den Mittelpunkt der Fovea gefuhrt waren, konnte 
ich von diesem Punkte aus die Fasern, wiewohl- 
gescheitelte Haare, nach zwei entgegengesetzten 
Bichtungen divergiren sehn. Aber vergeblich 
habe ich mich bemüht, den auf diese Weise er- 
mittelten Verlauf der Fasern durch tangentiale 
Schnitte zu controliren. Durchschnitte der Re- 
tina in grösserer oder geringerer Entfernung vom 
Mittelpunkt der Fovea, welche die von hier aus- 
strahlenden Fasern im Querschnitte zeigen soll- 
tefn, ergaben, wenn sie überhaupt flächenhafte 
Fasern zeigten, doch nur dasselbe Bild longitu- 
dinaler Bündel. Und noch eines andern Bäth- 
aels habe ich zu gedenken. Es kamen mir näm- 



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317 

lieh einmal an einem etwas mächtigem Dioken- 
durchschnitt je nach der Einstellang des Focus 
in rerscüiedenen Höhen Faserztige von verschie- 
denen und selbst einander kreuzenden Verlaufs- 
richtungen, die einen steil, die andern stark ge- 
neigt, zu Gesicht. 

Die Identität der in der Ebene der Retina 
streicJienden mit den radiären Fasern der Mül- 
ler'schen Zwischenkömerschichte hat schon Berg- 
mann über allen Zweifel erhoben, indem er den 
üebergang der einen in die andern nachwies. 
Die liegenden Fasern richten sich allmählig auf 
und dies geschieht rasch und in der Regel so, 
dass die Bündelchen erst eine Strecke gerade 
aufsteigen, ehe sie in die schräge Richtung um- 
beugen und sich an die nächsten schrägen Züge 
anschhessen und dass der gerade aufsteigende 
Theil im Verhältniss zum schrägen allmählig das 
üebergewicht erhält. Sind die Fasern völlig auf- 
gerichtet, so geben sie den wellenförmigen Ver- 
lauf nicht ganz auf, aber sie schliessen sich nicht 
mehr dicht an einander, wie die flächenhaffcen, 
sondern lassen (was freilich nur an recht feinen 
Durchschnitten ersichtlich) Zwischenräume, die 
häufig dadurch eine elliptische, in der Richtung 
der Fasern gestreckte Form erhalten, dass die 
Fasern sich von aussen her zu Bündelchen sam- 
meln und gegen die Insertion an die nervöse 
Schichte wieder divergiren. Sie machen den 
Eindruck eines Hebten Waldes von schlanken 
Stämmchen und zusammeimeigenden Kronen. 
Die Höhe der Stämmchen, entsprechend der Mäch- 
tigkeit der radiären Schichte, ist wechselnd und 
nicht immer genau bestimmbar, da die Grenze 
gegen die (äussere) Kömerschichte nicht immer 
deutUch ist und öfters einzelne Kömer in imd 
zwischen die Fs^serbündel vordringen. Doch be- 

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818 

trägt sie selten mehr, als die Mächtigkeit der 
liegenden Faserschichte (0,03 — 0,04 mm.). Die 
höchste Ziffer, die an einem Alkoholpräparat 
vorkam^ war 0,07 mm. Stücke desselben Auges, 
in Chrofljsäure erhärtet, zeigten freilich eine be- 
trächtlichere Mächtigkeit der äussern Faser- 
schichte; doch sprach schon H. Müller die 
Ueberzeugung aus, dass diese Dimensionei^ keine 
natürliche seien. Vielleicht bewirkt Quellung 
der in den Interstitien der Fasern enthaltenen, 
homogenen Substanz eine Verzerrung der Schichte. 
Stets finden sich im Umkreise der liegenden 
Fasern radiäre; die Ausdehnung aber, bis zu 
welcher die radiären Fasern sich peripheriscli 
erstrecken, scheint keiner Kegel unterworfen zu 
sein; in einem Auge fand ich sie noch in der 
Nähe der Ora serrata, in einem andern waren 
sie medianwärts von der Eintrittsstelle des Seh- 
nerven dicht neben derselben nicht zu finden. 
Die Grenze zu treffen, wo die äussere Faser- 
schichte sich yerliert und Kömer- und äussere 
granulirte Schichte in Berührung treten, ist mir 
bis jetzt nicht gelungen. Auch kann ich nicht 
behaupten, dass der Mangel der äussern Faser- 
schichte nur den peripherischen Partien derBe- 
tina eigen sei und dass sie nicht peripherisch 
wieder auftreten könnte, nachdem sie bereits, 
von der Macula lutea her, sich verloren hat. Es 
erreicht sogar im menschlichen Auge fast bestän- 
dig die äussere Faserschicht in der Nähe der 
Ora serrata eine monströse Entwicklung, welche 
H. Müller (p. 71) genau geschildert, Blessig 
(de retinae textura. Dorp. 1845. p. 47. fig. 3) 
abgebildet hat und welche, wie aus Hanno ver's 
Beschreibung eines colobomatösen Auges (das 
Auge. Leipz. 1852. p. 98) zu ersehen, auch an 
dem die Spalte der Betina begrenzenden Bande 



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819 

vorkömmt. ^ Die Retina nimmt plötzlich an Mäch- 
tigkeit bedeutend zu und diese Zunahme kömmt 
auf Rechnung einer äussern Faserschichte, deren 
pfeilerartige, senkrecht gegen die Fläche der 
Retina gestellte Faserbündel an beiden Enden 
büschelförmig divergirend in die ebene Schichte 
ausstrahlen. Der Durchmesser der Pfeiler be- 
trägt an der schlanksten Stelle 0,02—0,06 mm., 
ihre Höhe über 0,1 mm. Sie enthalten Blut- 
gefässe und parallele und gegen die Enden di- 
ver girende Reihen elliptischer, feinkörniger Kör- 
,perchen, welche in Essigsäure deutlicher werden 
und 0,016 mm. messen. Die Substanz der Fa- 
serbündel erblasst in Essigsäure und Kalilösung 
und lässt sich durch Auswaschen nicht wieder 
herstellen. Die weiten Räume zwischen den 
Pfeilern erfüllt eine homogene, durchsichtige Sub- 
stanz, in welcher die Ghromsäure fadenförmige 
Gerinnungen erzeugt. 

Einmal fand ich in weiter Entfernung Yom 
Umkreis der Macula lutea liegende Fasern; sie 
waren aber kurz und bildeten demgemäss nur 
eine dünne Schichte, die nur mühsam Yon der 
äussern granulirten Schichte zu unterscheiden war. 

Die Hoffnung, den Zusammenhang zwischen 
den Elementen der Stäbchenschichte und den 
Fasern des Opticus zu finden, den die Physio- 
logie postulirt, war mir durch die Erfahrungen, 
über welche meine vorige 'Mittheilung berichtete, 
wankend geworden. Der Anblick der äussern 
Faserschichte hat sie neu geweckt, und da, seit 
es bekannt ist, dass in der Fovea centralis nur 
Zapfen yorkommen, die Zapfen als ausschUess- 
liche oder wesentliche Endorgane der Opticus- 
Fasern gelten: so war es ermuthigend, dass in 
der Fovea centralis die Elemente der äussern 
Faserschichte am dichtesten liegen und dass sie 

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820 

Zwischenräume lassen, wo die Stäbchen sich zwi- 
schen die Zapfen eindrängen. 

Bergmann, der mit H. Müller und Eölli- 
ker die Zellen der innern gangliösen Schichte 
als die Vermittler de» Zusammenhangs zwischen 
den Nervenfasern und den von deu Stäbchen und 
Zapfen ausgehenden, die übrigen Schichten der 
Retina in radiärer Richtung durchsetzenden Fa- 
sern ansieht, bringt die geneigte Lage der letzt- 
fenannten Fasern an der Macula lutea mit der 
hatsache in Verbindung, dass die Ganglienzellen 
im Centrum der Macula fehlen und im Umfange 
derselben sich anhäufen, die Fasern also, ipa 
zu ihren Ganglienzellen zu gelangen, die Ridh- 
tung gegen die Peripherie der Macula lutea ein- 
schlagen müssen. So dnfach ist indessen die 
Sache nicht. Es widerspricht dieser Annahme 
zuvörderst das bedeutende Missverhältniss zwi- 
schen der Zahl der Zapfen und Ganglienzellen 
einerseits und der Fasern andrerseits, die, oh- 
wohl sie kaum den zehnten Theil des Durch- 
messers der Zapfen haben, doch ebenso gedrängt 
liegen, wie diese. Sodann ist, wie schon H. 
Müller einwandte, der Mangel der Ganghenzel- 
len im Centrum der Fovea nicht constant und 
oft nur auf einen sehr kleinen Fleck beschränkt 
und es reichen die liegenden Fasern weit über 
den Bezirk hinaus, der durch Anhäufung der 
Ganglienzellen sich auszeichnet; sie nähern sidi 
medianwärts dem Rande der Papilla n. opi bis 
auf eine Entfernung von 0,6 — 1 mm. und laterat. 
wärts überschreiten sie den Rand der Macula 
lutea noch weiter. Zuletzt ist zu bedenken, dass 
die Vorstellungen von der Textur der Retina, 
auf welche Bergmann baut, von H. Müller 
selbst nur als Vermuthung abgesprochen wer- 
den und dass sie den positiven Character erst 

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821 

beim Uebergang in die Handbücher angenommen 
haben. 

Auch ich bin, was die Verbindung der Zapfen 
mit den Fasern des N. opticus und zunächst mit 
den Ganglienzellen betrifft, noch nicht zu einem 
positiven Ergebniss gelangt. Die Aufgabe war 
zimächst, die Fasern der äussern Faserschichte 
einerseits rückwärts zu den Zapfen, andrerseits 
vorwärts durch die äussere granulirte Schichte 
und weiter zu verfolgen. Der Erledigung des 
ersten Theils dieser Aufgabe glaube ich näher 
gekommen zu sein, doch stimmten die wenigen, 
zur Untersuchung und Vergleichung geeigneten 
Objecto, deren ich habhaft werden konnte, nicht 
miteinander überein. Die Lösung des zweiten 
Theils bietet jedenfalls noch grössere Schwierig- 
keiten dar. 

Ich habe erwähnt, dass ich die Fasern, wel- 
che die Stäbchen mit den von H. Müller soge- 
nannten Stäbchenkömern verbinden sollten, für 
Kunstproducte halten muss. Die Zapfenkömer 
dagegen und die von denselben ausgehenden, die 
(äussere) Kömerschichte durchsetzenden Fasern 
habe ich so, wie H.Müller sie abbildet (a.a.O. 
fig. 21. d. Vgl. Kölliker, Gewebel. fig. 364, 1. 
365,2), an Chromsäure- imd Weingeistpräparaten 
gesehn. Auf dem breiten Ende des Zapfens sitzt 
ein bimförmiger, mit der Spitze einwärts gerich- 
teter Körper, der einen Kern umschliesst und 
dessen Spitze sich in eine cylindrische > glatte, 
glänzende Faser von 0,0015 mm. Durchmesser 
fortsetzt. Durch die genannten Eigenschaften 
zeichnet sich die Faser des Zapfenkoms entschie- 
den aus vor den kömigen, rauhen und selbst 
ästigen oder theilweise membranösen, im Durch- 
messer veränderlichen Fasern, welche die Chrom- 
säure in den Zwischenräumen der Elemente der 

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3aa\ 

Körnerschichte und um ffieselbeu erzeugt. Von 
jedem Zapfenkorn aus erstreckt sich die zuge- 
hörige Faser durch die ganze Dicke der KSmer- 
schichte hindurch bis an deren innere Grenze, 
ohne Verbindungen mit den übrigen Körnern 
einzugehn, welche reihenweise zwischen den Za* 
pfenkomfasem angeordnet sind. Was das innere 
Ende dieser Fasern betriflffc, so habe ich zweier- 
lei Typen zu unterscheiden. Das eine Mal fand 
ich es entweder ohne alle oder höchstens mit 
einer geringen kolbigen Anschwellung quer ab- 
gestutzt, so dass die dem Ange des Beobachters 
zugekehrte Endfläche wie ein glänzendes Eügel- 
chen aussah, oder in ein paar kurze Zacken ge- 
theilt, mit welchen es sich an die äussere, gra- 
nulirte Schichte anlegte. In andern Netzhäuten 
gieng jede Zapfenkomfaser in ein lebhaft glän- 
zendes, kegel- oder tütenförmiges Körperchen 
über upd diese Körperchen lagen an der äussern 
Grenze der granulirten oder der äussern Faser- 
schichte, soweit eine solche vorhanden war, in 
einer, je nach der relativen Zahl der Zapfen 
mehr oder minder gedrängten, gegen das Cen- 
trum der Fovea auch mehrfachen Reihe. Mit 
der Spitze, an welche die Zapfenkomfaser tritt, 
sind die kegelförmigen Körperchen, wie sich von 
selbst versteht, gegen die Stäbchenschichte ge- 
kehrt, mit der Axe meist senkrecht, zuweilen 
auch etwas geneigt gegen die Ebene der Retina 
gerichtet. Das Verhältniss der Höhe zur Basis 
ist verschieden xmd demnach giebt es in dem- 
selben Auge neben einander schlanke und breite 
Kegelchen; die schlanksten habeh eine Höhe 
von 0,021 mm. und sind an der Basis 0,006 mm. 
breit. Oefters ist die Spitze sanft hakenförmig 
gekrümmt und die Basis in der Profilansicht 
concav, so dass die Körperchen die Gestalt von 



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323: 

Haifisdizähhea. erbalten. Die seitlichen Gontu^ 
ren sind scharf, der CSontur aber, der die Basis 
nach innen, gegen die äussere granulirte oder 
Faserschichte abschliessen sollte, fehlt und so 
machen die Kegel den Eindruck, als ob sie hohl 
und an der Basis oflfen seien. Von den Win- 
keln nun, in welchen sich der seitliche und vor- 
dere Rand jederseits begegnen, gehen ebenfalls 
feine, fadenförmige Fortsätze aus, und diese schie- 
nen mir im Bereiche der Macula lutea mit rück* 
wärts umbiegenden Fasern der flächenhaften Fa- 
serschichte zusammenzuhängen. 

Es sind ohne Zweifel di^elben Körperchen, 
welche H. Müller (a. a. 0. p. 16, fig. 1, h) aus 
der Retina von Fischen beschreibt und abbildet. 
Auch er findet die Knötchen, wie er sie nennt, 
an ihrer innern Seite fast immer abgerissen und 
obschon er nicht zweifelt, dass sie mit weiter 
einwärts gelegenen Theilen in Verbindung stehn^ 
so hält er es doch für äusserst schwierig, die 
Art dieser Verbindung genau anzugeben. 

Aber an andern menschlichen Netzhäuten, 
die ebenso frisch und auf dieselbe Weise behan- 
delt waren, wie die eben beschriebenen, war 
weder von jenen kegelförmigen Körperchen, noch 
auch von Zapfenkörnern eine Spur zu sehn, ob- 
schon die Feinheit und Durchsichtigkeit der 
Durchschnitte die Umrisse jedes Zapfens und je- 
des Korns deutlich erkennen Hess. Es gab Stel- 
len, und zwar mitten in der Fovea centralis, .wo 
die äussere Körnerschichte nur 0,02 mm. und 
weniger mächtig war, und nur aus 3 oder 2 oder 
selbst nur aus einer einfachen Lage von Körnern 
bestand. Aber die Fasern der äussern Faser- 
scbichte, die eine Lage von 0,05 mm. Mächtig- 
keit bildeten, kamen nicht von den Körnern, 
liessen sich auch nicht mit Sicherheit bis zu den 

24* 

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824! 

Zapfen verfolgen, sondern stiegen zwischen den 
Körnern schräg auf, um an der innem Grenze 
der Eömerschichte in den flächenhaften Verlan! 
überzugehn. Und was die Kömer betrifft, so 
zeichnete sich die äusserste Beihe nicht vor den 
übrigen aus; yiehnehr hatten die innersten eine 
mehr elliptische, nach der Richtung des Faser- 
verlaufs gestreckte Gestalt und eine den Fasern 
entsprechende geneigte Lage. 

Ich habe nur wenige Worte über das Ver- 
halten der äusseren Faserschichte gegen die äussere 
granulirte hinzuzufügen. H. Müll er' s Aeusse- 
rung (p. 54), dass an der innem Grenze der von 
ihm sogenannten Zwischenkömerschichte zwischen 
den radiären Fasern der letztern eine molecu- 
läre, der granulösen Schichte ähnliche Masse 
auftrete, liesse sich dahin interpretiren , dass es 
ihm gelungen sei , die äussem Fasern durch die 
Schichte zu verfolgen, die ich als äussere grann- 
lirte aufgeführt habe. Meine Bemühungen in die- 
sem Sinne waren erfolglos. Es käme Alles da- 
rauf an, ein Reagens zu finden, welches Kömer 
und Moleküle zerstört oder erblassen macht, 
ohne die Fasern anzugreifen oder die Fasern 
durch Färbung sicherer zu verfolgen gestattete. 
Bis jetzt habe ich nur so viel ermittelt, dass die 
Garminimbibition , da sie von allen Elementen 
auf die Dauer nur die granulirte Masse unge- 
färbt lässt, sich wohl dazu eignet, die beiden 
granulirten Schichten gegen die beiden gangliö- 
sen, sowie gegen die äussere Faser- und Körner- 
schichte abzugrenzen. Da die Fasern, wenn auch 
langsamer und minder intensiv, als die Kömer, 
gefärbt werden , so hätte man , bei der verhält- 
nissmässig grossen Zahl der Fasern, die im Be- 
reich der Macula lutea zur äussem granulirten 
Schichte aufsteigen, erwarten dürfen, die letztere 



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325 

wenigstens einen Stich ins Bothe annehmen zu 
sehn. Die Art aber, wie die schrägen Fasern 
an die granulirte Schichte herantreten und die 
radiären sich gegen dieselbe büschelförmig aus- 
breiten, macht durchaus den Eindruck der In- 
sertion an eine Membran. Alles dies ist um so 
mehr der Fall, wenn die äussere granulirte 
Schichte durch einen einfachen oder nach Art 
einer Hülfslinie unterbrochenen Contur nach aus- 
sen sich abgrenzt oder, wie mir dies Einmal be- 
gegnete , zu äusserst aus einer einfachen Lage 
kleiner, platter, wie zu einem Epithelium zusam- 
mengefügter Eörperchen gebildet ist. 

Wenn weiter nach innen und namentlich in 
der äussern gangliösen und innem granulirten 
Schichte deutliche Radialfasern auftreten, so wäre 
es doch voreilig, die ünterbrechxmg , die durch 
die äussere granuhrte Schichte Statt findet, hy- 
pothetisch auszuflillen und jene Fasern mit denen 
der äussern Faserschichte in Verbindung zu se- 
tzen. Denn die radiären Fasern der innem 
Schichten sind zum grossen Theil, wenn nicht 
sämmtlich, die Ausläufer jener Fasern, welche 
mehr oder minder innig an der Membrana limi- 
tans interna haften, die Bündel der Nervenfaser- 
schichte von einander sondern und gewiss mit 
Recht als eine Art interstitiellen Bindegewebes 
betrachtet werden. 



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326 

Ueber die isomeren Ghlorbehzoesäuren; 

von 
F. Beilstein. 

(Vorgelegt vom Secretair.) 

Chiozza hatte zuerst durch Verlegen des 
Salicylßäurechlorides mit Wasser eine Säure von 
der Zusammensetzung der gechlorten Benzoesäure 
erhalten. Später beobachteten Limpricht und 
V. üslar die Bildung einer Chlorbenzoe- 
säure durch Zersetzung des Chlorides der Ben- 
zoescbwefelsäure. Es fand sich aber merkwür- 
digerweise, dass diese Säure in vielen Punkten 
von der Säure Chiozza's verschieden war. Diese 
Beobachtung wurde von Kekule, Kolbe und 
Lautemann bestätigt und namentlich gaben die 
letzteren Chemiker dem Produkte Chiozza's den 
Namen Chlors alylsäure, um an die Entste- 
hung dieser Säure aus Salicylsäure zu erinnern. 
In einer gemeinschaftlich mit Dr. Wilbrand aus- 
geführten Untersuchung erhielten wir durch Zer- 
legen der Azoamidodracylsäure mit Salz- 
säure eine neue Säure C^^CIO^, die sich von 
den beiden obigen wesentlich unterschied. Wir 
bezeichneten sie deshalb als Chlordracyl- 
säure. 

Endlich war es Otto gelungen durch Zerle- 
gen der Chlorhippursäure mit Sabssäure, sowie 
durch direktes Behandeln der Benzoesäure mit 
Salzsäure und chlorsaurem Kali Säuren CTä^Clö* 
darzustellen, die indessen vielfach von der Säure 
Limpricht und v. Uslar's abwichen, und 
welche Otto daher geneigt schien für identisch 
mit der Säure Chiozza's zu erklären. Doch 
sprach sich Otto nicht bestimmt über die Na- 
tur seiner Säuren aus. 

Bedenkt man dass ausser in den angeführten 

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827 

Fällen , noch bei melbreren ändern Reaktionen 
verschiedene Chlorbenzoesänren erhalten worden 
sind, ßo ist die Verwirrung in diesem Kapitel 
gross, und es musste in hohem Grade wünschens- 
werth ersdieinen, alle auf die verschiedenste Art 
erhaltenen Chlorbenzoesänren einer vergleichen- 
den Untersuchung zu unterwerfen , um die An- 
zahl der isomeren Säuren €TI^C10^ auf eine mög- 
lichst kleine Zahl zu reduciren. Die Versuche, 
welche Herr Dr. F. Schlun deshalb hierüber 
ausführte, haben in der That das gewünschte 
Resultat geliefert, indem es ihm gelungen iöt 
alle diese Säuren bis auf drei bestimmt von 
einander verschiedene Formen zurückzuführen, 
diese 8 Säuren sind Ghlorbenzoesäui^e (aus 
Benzoesäure), Chlorsalylsäure (aus Salicyl- 
säure) und Chlordracylsäure (Derivat der 
Nitrodracylsäure). 

Da es bei diesen Untersuchungen auf die 
Erkenntniss der feinsten Unterschiede ankam, 
so wurden alle Beobachtungen durch ujimittel- 
bares Vergleichen angestellt. Wir stellten uns 
zunächst reine Präparate der 3 isomeren Säuren 
dar und verglichen damit dann die bei den ver- 
schiedenen Reaktionen erhaltenen Präparate. 

Chlorsalylsäure. Kolbe und Laute- 
mann geben für den Schmelzpunkt dieser 
Säure 140« an, Kekule fand 137<^; Diesen 
Schmelzpunkt fanden wir audi. Das Kalksalz 
ist in Wasser sehr leicht löslich. Es hat die 
Formel C^H+ClCaO^+H'^O. Die reine Säure mit 
Wasser erbitEt, schmilzt zunächst zu einem Oele. 

Chlorbenzoesäure (aus Sulfobenzoesäure). 
L im p rieht und v. Uelar fanden den Schmelz- 
punkt dieser Säure bei 140«, Kolbe und Läute- 
rn ann aber bei 152^. Diese Abweichung erklärt 
sich durch die Anwesenheit einer kleinen V^r- 



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328 

nnreinigang , wodurch die wiederholt gereinigte 
Säure noch gelb erscheint. Die obigen Chemiker 
geben übereinstimmend an, dass es ihnen nicht 
gelungen ist, diese Säure vollkommen weiss zu 
erhalten. Sehr leicht erreicht man aber dieses 
sobald die Säure durch Papier sublimirt wird 
(nach Art der Benzoesäure). Man erhält dann 
ein blendend weisses Produkt von 152—153^ 
Schmelzpunkt. Die Säure schmilzt nicht unter 
Wasser. Ihr Kalksalz ist = €TB[*ClCaO«+ 1 V«H-0 
1 Theil desselben löst sich bei 12^ in 82,7 Thei- 
len Wasser. 

Chlordracylsäure sublimirt in Schuppen 
und nicht in Nadeln, wie die beiden vorigen. 
Sie schmilzt bei 236^ Ihr Kalksalz ist = 
€TB[^ClCaO*+lV«H*^0. Wie es scheint entsteht 
dieselbe Säure beim Zerlegen des Chlorides der 
Oxydrac vi säure mit Wasser. 

Chlorbenzoesäure aus Azo Amidobenzoe- 
säure nach Griess, zeigt den Schmelzpunkt 
153^ ihr Kalksalz warrsCH+ClCaO^+lV^H^O, 
1 Theil desselben löste sich bei 12*^ in 82,4 Theile 
in Wasser. Die Säure ist demnach, wie schon 
Griess vermuthete, vollkommen identisch mit 
der Säure aus Benzoeschwefelsäure. 

Chlorbenzoesäure aus Chlorhippur- 
säure. Wir verdanken das von uns benutzte 
Material der grossen Güte des Herrn Dr. K. Otto 
in Greifswald. Dies rohe Gemenge von Mono- 
und Dichlorhippursäure wurde zunächst mit 
Wasser behandelt um die weniger löslidie Dich- 
lorhippursäure möglichst abzuscheiden. Die 
noch sehr unreine Monochlorhippursäure wurde 
dann in einer Retorte mit Salzsäure gekocht, 
und die überdestillirte Säure wiederholt ans 
Wasser umkrystallisirt , dann in das Kalksalz 
umgewandelt und dieses so oft umkrystallisirt 



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329 

bis die daraus abgeschiedene Sänre einen con- 
stanten Schmelzpunkt zeigte. Dieser ergab sich zu 
152,5^ Das Kalksalz war G'H^ClCaO'^+lVaH^O 
und die Säure mithin vollkommen identisch mit 
normaler Chlorbenzoesäure. — ' Es ^»nirde ver- 
sucht aus reiner Chlorbenzoesäure wieder künst- 
licli Chlorhippursäure zu erzeugen und einem 
von Herrn Prof. Meissner mit grösster Be- 
reitwilliffkeit zur Verfügung gestellten Hunde wur- 
den deshalb 12 Gr. reiner Chlorbenzoesäure ein- 
gegeben. Es stellte sich aber* hierbei das uner- 
wartete Resultat heraus, dass diese Säure un- 
verändert durch den Harn wieder abgeschieden 
wurde. 

Chlorbenzoesäure aus Benzoesäure, 
a) durch Behandeln mit Salzsäure und chlorsau- 
rem Kali nach Otto. Die durch wiederholtes 
Umkrystallisiren, Binden an Kalk, ümkrystalli- 
siren des Kalksalzes schliesslich vollkommen reine 
Säure zeigte sich durchaus identisch mit norma- 
ler Chlorbenzoesäure , b) durch Behandeln mit 
Chlorkalklösung. Auch hier wurde schliesslich 
reine Chlorbenzoesäure erhalten. Die Einwir- 
kung des Chlorkalks geht aber sehr leicht wei- 
ter und man erhält dann viel Bichlorbenzoesäure. 
c) durch Behandeln mit Antimonsuperchlorid. 
Aequivalent-Mengen Benzoesäure und Antimon- 
superchlorid wurden gemengt und gelinde erhitzt. 
Man erhielt unter starker Salzsäureentwickelung 
ein dünnflüssiges Oel das beim Erkalten erstarrte. 
Mit verdünnter Salzsäure übergössen, löste sich 
die grösste Menge des Antimons, der Bückstand 
wurde in Soda gelöst und die Lösung durch 
Salzsäure gefallt. Der Niederschlag lieferte schon 
nach einmaligem Umkrystallisiren reine Chlor- 
benzoesäure. 

Durch Behandeln der Zimmtsäure mit 



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830 

Chlorkalk hatte Stenhouse eine Chlorbenzoe^ 
säure erhalten. Bei Wiederholung seiner Ver- 
suche fanden wir alle Angaben desselben bestä- 
tigt. Die leicht zu reinigende Säure erwies sich 
als vollkommen identisch mit normaler Chlorben- 
zoesäure. Obige Versuche erlauben uns zu dem 
allgemeinen Schlüsse, dass wenn eine Chlor- 
benzoesäure ausBenzoesäure oder einer 
Benzoesäure liefernden Verbindung (z.B. 
Hippursäure, Zimmtsäure) dargestellt wird, 
man immer eine und dieselbe Säure €^ 
H^CIO* erhält. Die Isomeren dieses Kör- 
pers entstehen nur wenn von andern Reihen aus- 
gegangen wird, z. B.aus Salieylsäure oder von der 
mit Nitrobenzoesäure isomeren Nitroracylsäure. 



lieber die wirksamen Bestandtheile der 

Wurzel und Blätter von Helleborus 

niger und H. viridis; 

von 

Dr. phil. A. Husemann und Dr. med. W. Marme. 

(Vorgelegt vom Secretair.) 

Die von dem einen von uns begonnene^ in ihren 
ersten Ergebnissen der K. Societät als vorläufige 
Mittheilung bereits (Nro. 7 dieser Nachrichten 
V. 11. Mai 1864) vorgelegte Untersuchung der 
schwarzen Niesswurz haben wir beide gemein- 
schafklich fortgeführt und nachstehende Resultate 
erhalten. 

Die Wurzel u. Blätter des Helleborus niger 
L. und H. viridis L. enthalten zwei wesentlich 
verschiedene, wirksame Bestandtheile: 

I. Helleborin; so nennen wir aus unten näher 
^örterten Gründen den in beiden Droguen guan- 



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831 

titativ vorwiegenden Bestandtheil. ' Seine Dar- 
stellung wurde bereits früher mitgetheilt ; sie 
gleicht im Wesentlichen derjenigen des weiter 
unten beschriebenen Lycins. Wir bemerken je- 
doch, dass wir in diesen Tagen im Tannin ein 
Fällungsmittel für das Helleborin au%efunden 
haben, welches ohne Zweifel zu einer weit vor- 
theilhafteren Methode der Darstellung führen 
vnrd. Es ist ein indifferenter, stickstofffreier 
Körper, von süssbitterem Geschmack, leicht lös- 
lich in Wasser und wasserhaltigem Alkohol, 
schwer löslich in absolutem Alkohol, fast un- 
löslich in Aether. Die wässrige Lösung rötihiet 
Lakmuspapier kaum. Aus dieser Lösung schei- 
det der völlig gereinigte Körper sich beim Ver- 
dunsten als eine weissliche, durchscheinende, har- 
zig spröde Masse ab, die gepulvert ganz weiss 
erscheint und begierig Wasser anzieht. Ebenso 
erhält man ihn bei rascher Verdunstung der al- 
koholischen Lösung. Aus letzterer krystallisirt 
er erst nach verhältnissmässig langer Zeit, etwas 
rascher nach Zusatz von wenig Aethßr, in durch- 
sichtigen rhombischen Säulen und Tafeln, die 
sich an der Luft rasch trüben. Er verträgt hohe 
Wärmegrade; bei 120 — 130^ getrocknet, verliert 
er nichts mehr an Gewicht, bei 160^ — 170^ ballt 
er sich zusammen, färbt sich bei 220 — 230^ stroh- 
gelb, wird bei höherer Temperatur teigig und 
braunroth, bläht sich auf und verkohlt endlich 
bei 280 — 300« C. Auf dem Platinblech ver- 
brennt er ohne Rückstand, mit gelberleuchtender 
Flamme. Die wässrige Lösung wird von den 
meisten Metallsälzen nicht gefällt, nur salpeter- 
saures Quecksilberoxydul bewirkt unter Ausschei- 
dung von metallischem Quecksilber einen flocki- 
gen Niederschlag. Concentrirte Schwefelsäure 
föst die Krjstalle mit brauner Farbe , die beim 



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ä32 

Stehen allmälig in Violett übergeht. Verdünnte 
Alkalien und alkalische Erden sind ohne Ein- 
wirkung, mehrtägiges Erhitzen mit Barythydrat 
in geschlossener Glasröhre liess den Körper un- 
verändert. Mit verdünnten Säuren gekocht, spal- 
tet er sich in Zucker und einen zweiten Körper, 
den wir Hellebor et in nennen wollen. Derselbe 
ist im feuchten Zustande schön veilchenblau, bei 
100® C getrocknet schmutzig graugrün imd gleich- 
falls hyproskopisch. In Wasser und Aether löst 
er sich nicht, leicht dagegen in Alkohol. Diese 
Lösung reagirt neutral. Verdünnte Säuren und 
Alkalien sind ohne Einfluss auf denselben. 

Für Helleborin ergab die Analyse die For- 
mel C^«H**0«^ 









I. 


n. 


ffl. 


52 C 


312 


62,35 


52,31 


52,23 


52,28 


44 H 


44 


7,8 


6,86 


7,10 


7,30 


30 D 


240 


40,27 


— 


— 


— 



596 100,00 
FürHelleboretin ist die Formel C^^ffW 
28 C 168 71,19 71,26 71,15 

20 H 20 8,47 8,49 8,48 

6 48 20,34 — , - 

236 100,00 
Die Spaltung erfolgt nach der Gleichung: 

Es wurden 40,007o Helleboretin und 
59,857o Zucker vom angewandten Helleborin 
erhalten, während die Rechnung von ersterem 
39,60^0, von letzterem 60,40% fordert. Die 
Spaltung erfolgt ähnlich wie beim Onospin, Gra- 
tiolin und einigen anderen Glucosiden ohneCon- 
currenz vom Wasser. 

Seiner physiologischen Wirkung nach 
characterisirt sich das Helleborin — währead 



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das Helleboretin auf de^i thierischen Orga- 
nismus selbst in grossen Dosen ohne ersichtlichen 
Einfluss bleibt — als ein eigenthümliches Nar- 
coticum. Mittlere Dosen bewirken bei Kaninchen 
nur grosse Schwäche und Mattigkeit, Yerlangsa- 
mung der Respiration und Herzaction. Grössere 
Dosen steigern die Schwäche allmälig zu vollstän- 
diger Lähmung, bis durch Herzlähmung der Tod 
erfolgt. 

Nun haben Schrofifs meisterhafte Untersu- 
chungen verschiedener Hellborusarten bereits 
gewisse mikroskopische Erystalle als Träger 
des narcotischen Princips hingestellt. Es ist 
unschwer, diese Erystalle in den officiellen Ex- 
tracten der rad. Hellebori nigri zu beob- 
achten. In ihrer Form stimmen sie mit im- 
serem Helleborin überein. Schroff hat eine 
kleine Portion derselben isolirt, indem er ein an 
Krystallen gerade sehr reiches Extract der r. 
Hell, viridis mit absolutem Alkohol und Aether 
(worin dieselben nach Prof. Schneider's Angabe 
unlöslich sein sollten) behandelte. Die Löslich- 
keitsverhältnisse und anderen wenigen Eigen- 
schaften, die er von diesen Krystallen anfiihrt, 
kommen in gleicherweise unserem Helleborin 
zu. Dass dieselben von concentrirter Schwefel- 
säure verkohlt wurden, was bei den unsrigen 
nicht der Fall ist, dürfte gegen eine vollstän- 
dige Isolirung sprechen. Ausserdem hat Schroff 
Extracte der rad. Hellebori nigri, H. orientalis 
und H. viridis mit absolutem Alkohol und Aether 
behandelt und aus jenen beiden eine „weiche, 
durchsichtige, gelbe Masse" erhalten, in welcher 
nach einiger Zeit sich die angegebenen Erystalle 
entwickelt hatten, aus dem letztem dagegen eine 
„fast weiche, gelbbräunliche, wachsglänzende, sehr 
zähe, geruchlose, süssbitter schmeckende Masse,'' 



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m 

welche keine Krystalle wahrnehmen liess. Die 
mit diesen offenbar unreinen Rückständen der 
Extracte angestellten Experimente an Thieren 
ergaben dieselben Erscheinungen . wie wir sie in 
unserer vorläufigen Mittheilung ausführlich er- 
örtert haben. Es ist uns aus allen diesen Grün- 
den nicht zweifelhaft, dass die Ton Schroff zuerst 
als principium narcoticum angesprochenen Kry- 
stalle und unser Glucosid ein und dieselbe Sub- 
stanz sind. 

Weil dasselbe in den untersuchten Hellebo- 
rusarten nicht nur viel reichlicher enthalten ist, 
als der zweite wirksame Bestandtheil , sondern 
auch die der Helleboruswurzel in Wahrheit ge- 
bührende Stellung im System der Arzneimittel 
bedingt, weil ferner das von Giese und von Vaa- 
quelin angegebene Helleborin ganz unsichere Stoffe 
sind und endlich, wie weiter unter sich ergeben 
wird, ein stickstoffhaltiges Helleborin, wie es Bastik 
gefunden haben wollte, gar nicht existirt, halten 
wir uns berechtigt, den von uns zuerst rein dar- 
gestellten und untersuchten Körper von Glucosid- 
natur Helleborin zu nennen* 

H. Hellebor acrin nennen wir den zweiten wesent- 
lichen, aller Wahrscheinlichkeit nach scharf wirken- 
den Bestandtheil des Helleborus niger und H. viri- 
dis. — Die französischen Chemiker FeneuUe und 
Capron vermutheten von dem von ihnen zuerst er- 
haltenen scharfen, fetten Oel des Helleborus eine 
dem Crotonoel analoge Beschaffenheit und vindi- 
cirten demselben eine scharfe Wirkung. Schroff, 
der das auf seinen Extracten angesammelte Oel 
an Thieren prüfte, lässt die Wirkung desselben 
durch einen dem Oele anklebenden Theil des bit- 
teren i. e. narcotischen Princips zu Stande kom- 
men und hat den nach seiner Erfahrung in die 
alkoholischen und ätherischen Auszüge überge- 



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886 

henden scharf wirkenden Stoff ans letzteren ver-' 
gebens zu isoliren gesucht. Da das fette Oel 
der Helleboreen ausser einem bitteren und ekel- 
haft ranzigen Gesdimack nach einiger Zeit ein 
anhaltendes, lebhaft brennendes Gefühl an den 
mit ihm in Berührung gekommenen Stellen der 
Lippen und Mundhöhle erregt, nach wiederhol- 
tem Schütteln mit Wasser diese Wirkung aber 
nicht mehr hat, so lag es nahe, die Gewinnung 
des scharfen Stoffs aus dem fetten Oele 2U 
versuchen. Zu diesem Zwecke behandelten wir 
das fette Oel der schwarzen und grünen Niess- 
wurzel mit viel heissem Wasser , dieses wie- . 
derholt mitAether und überliessen den letzteren 
der freiwilligen Verdunstung. Durch dieses Ver- 
fahren erhielten wir denn auch einen Körper mit 
folgenden Eigenschaften: Er bildet glänzend- 
weisse, äusserst concentrisch gruppirte Nadeln, von 
scharfem und bitterkratzendem Geschmack. Die- 
selben entzünden sich auf dem glühenden Platin* 
blech und verbrennen mit leuchtender Flamme 
ohne Rückstand ; sie sind stickstofffrei, lösen sich 
sehr schwer in Wasser, leicht in Alkohol und 
Chloroform, schwierig in Aether. Concentrirte 
Schwefelsäure färbt sie prachtvoll hochroth 
und löst sie langsam mit gleicher Farbe. In 
dem Maasse, wie die Lösung an der Luft Wasser 
anzieht, verschwindet die Färbung mehr und 
mehr. Es scheidet sich ein weisser Körper aus, 
und gleichzeitig ist Zuck^ entstanden. Auch 
das Helleboracrin ist demnach ein Glu- 
cosid, dessen Spaltung durch Kochen mit ver- 
dünnten Säuren leicht bewirkt werden kann. 

Um das Verhältniss desselben zu Bastiks 
angeblich stickstoffhaltigem Hellebo- 
rin kennen zu lernen, haben wir beide Niess- 
wurzarten nach der von ihm befolgten Methode 



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836 

behandelt und allerdings ans bdden einen or- 
ganischen Körper erhalten, der in seiner Erystall- 
form und seinen Löslicfakeitsyerhältnissen Bastiks 
Angaben entspricht. Aber dieser Körper enthält 
keinen Stickstoff und wird im weiteren Wider- 
spruch mit Bastik durch Behandlung mit yer- 
dfinnten Säuren sehr wesentlich verändert. Er 
ist eben identisch mit dem Helleboracrin. Wir 
sind mit der eingehenderen Untersuchung be- 
schäftigt. 

Leider konnten wir nur den Helleborus niger 
L. und H. viridis L. bei unserer Arbeit berück- 
sichtigen; Aus Schroff's auf mehrere Hellebo- 
rusarten ausgedehnten Forschungen lässt sich 
aber schliessen, dass wohl alle Helleborusarten 
beide wirksamen Bestandtheile enthalten. Von 
den experimentell geprüften dürfte der in fast 
allen Ländern verkelui;er Weise officinelle Helle- 
borus niger L. am ärmsten, der nicht o&d- 
nelle Helleborus orientalis Lam. mit den bei- 
den Varietäten Helleborus olympicus A. Br. und 
H. antiquorum A. Br. am reichsten an Hellebo- 
rin und Helleboracrin sein. Die Mitte zwischen 
beiden würde seines Gehaltes wegen der in der 
Vn Ausgabe der preuss. Pharmakopoe vorgeschrie- 
bene Helleborus viridis L. innehalten. Ihm zu- 
nächst, aber unter ihm, dürfte Helleborus purpu- 
rascens Waldst und Kct. stehen, während Helle- 
borus ponticus A. Br. wohl nur wenig den H. ni- 
ger übertrifft. Bei Helleborus foetidus wird 
der Gehalt an beiden Bestandtheilen sehr va- 
riiren, und zu diesen möglicher Weise noch ein 
drittes, flüchtiges Princip hinzutreten. 



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83f 

üeber Lycin; 

von 

Denselben. 

(Vorgelegt vom Secretair.) 

Seit der Entdeckung der ersten Pflanzenbase, 
des Morphins, im Anfange dieses Jahrhunderts, 
wandte sich die Aufmerksamkeit der Chemiker 
mit Eifer einer Glasse von Körpern zu, die, ab- 
gesehen von dem Interesse, welches sie auch der 
rein speculativen Chemie darbieten, eine so be- 
deutende Rolle in der Arzneiwissenschaft zu spie- 
len berufen waren. Die Zahl der gegenwärtig 
bekannten Pflanzenbasen wird nicht viel untep 
100 betragen. Vergleicht man die verschiedenen 
zu ihrer Darstellung eingeschlagenen Methoden, 
so ergibt sich, daß diese sich in der Mehrzahl 
der Fälle auf. die Schwerlöslicbkeit oder Unlös- 
lichkeit der freien Basen in Wasser gründen. 
Man war daher, wenn es sich um die Auffindung 
einer noch unbekannten Base in irgend einem 
pflanzlichen Material handelte, stets von vorn- 
herein geneigt, bei ihr ein derartiges indifieren- 
tes Verhalten gegen Wasser vorauszusetzen. 

Die nachstehenden Mittheilungen dürften ge- 
eignet sein, die Vermuthung zu rechtfertigen, 
dass ausser den schwerlöslichen Pflanzenbasen, 
die bis jetzt allein aufgefunden waren, noch eine 
vielleicht sehr grosse Anzahl äusserst leicht in 
Wasser löslicher, mit basischen Eigenschaften 
begabter Körper in den Pflanzen existirt. Wenn 
man die Eigenschaft, geröthetes Lackmuspapier 
zu bläuen, nicht als wesentliches Characteristikum 
für den Begriff einer Base ansieht , vielmehr als 
Base jede chemische Verbindung gelten lässt, die 
mit Säuren Salze zu bilden vermag, so haben 

25 

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198 

wir der Reihe desr Ffianzenbaseii zwei neue Glie- 
der hinzTizuf Uhren , dej;en auffallendste gemein- 
aame Eigenschaft die ist, dass sie in jedem Yer- 
hältniss in Wasser löslich sind, sogar an der 
Luft rasch z.^rftiossen. ü^l^^r die eine dieser 
Basen, die in den Schoten und Samen von Cy- 
tisufiLaboimiunL., der unj^- dem Namen „Crold- 
regen^^ afigemeiB) bekannten Zierf>fianze vorkommt, 
werden wir binneift Euzem Näheres berichten. 
Die andere findet sich in den Blättern' und Sten- 
geln voB l^ciutt barbarum lu, dem überall in 
Gärten sni Zäunen und Lauben veirwajidtem 
„gemeinem Teuielszwira^^ Wir n^tnen letztere 
„Lycin^^ u»d erlauben uns, der K. Societät im 
Folgenden, die Hauptresultate unserer Untersu- 
chung> vorzulegen^ 

Zur Barstälung des Lycins haben* wir- uns 
im Weeentlichen eines Yerfahrenfi bedient, welches 
vor mehreren Jahren von Sonnenschein für fo- 
rensische Zwecke zur Abscheidung giftiger Alka- 
loide au6 menschUdken Organa! empfohlen war 
und auf der Ausfällbarkeit der Pfianzeabasen 
durch phosphormolybdänsaurea Natron aus stark 
saurer Lösung beruht. £a gelang una nicht, 
diesen etwas kostspieligen Weg durch eine an^ 
dere, vortbeilhafiere Darstellungs^Methode zu er- 
setzen. 

Die passend zerkleinerten Blätter oder St^H 
gel wurden wiederholt mi^ Wasser ausgßkoebl, 
und die vereinigten Auszüge durch Ausfällen mit 
Bleiessig gereinigt. Das vom Blei befreite Fil- 
trat gab nach starken Eindunsten uigd Ansäuren 
mit Schwefelsäure auf Zusatz von phosphormoljrb« 
dänsaurem« Natron einen reichlichen hellgelben^ 
flockigen Niederschlag, den wir auspressten und 
mit einem Brei von überschüssiger geschl^-mm- 
ter Kreide auf demi Wasserbade zur Trockne 

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U9 

brachten. Der pulvrig^ Röckstand wurde tnit 
W-eingeist ausgekocht, und der beim Verduusten 
des ti^ingeistigen Filtrats bleibende Sjtuf in 
verdänuter Salzsäute au^nommeni, die einesi 
bandartigen Stoff ungelöst lässt^ Die durch 
Filtratioli getrennte FlüBsigkelt liefert bei gehö- 
riger Ot^noentration eine Kk^ystalÜsation ttm ^k^- 
saurenaLydn, da* dTwchPresBen «wischen Fy»B»- 
papier und wiederholtes ümkrystallisiiren gfenei'- 
nigt wird. 

Zur Gewinnung der freiem Base serlegben mt 
entweder das sltlzsaüre Salz in wäiE^riger Lösung 
durch SchfiUeln mit kohlensaurem Silberoxyd oder 
das schwefelsaure Sah: dui^ Icohli^Baurein Ba* 
ryt. Beim Verdunsten der Filtrate hinterbleibt 
dne äusserst zerflieBsliobe, strahKg krystallini- 
sche Mjll^Be, die aus Weingeist in kleinen^ nicht ge- 
nauer feestimmbaretl^Btfeln undPritsBi«^ ansobi^isi^. 
Das so eiiialtene reinig lujtän verändert Lacky 
muB nicht, sehmefckt s'charf und tioht bitter, 
zeriietet an der Luft in wenigen Minuten, löest 
sich also vä jedeih VerhältniiBs in Wassea*, leicht 
in Weingeist, «ber ÜRlst gar nicht in Aetber. 
Beim Erhitzen im Glaftröhrchen schmilzt ^s lind 
wird in höherer Tempemtur völlig zerst^t. S^e 
hysiologische Wiii:samkeit ist k^iae beträtht^ 
che. In Gaben bis zu einem Gran Fröschen 
subcutan applicirt^ rief es keine wahrnehmbare 
Störungen hervor, bei Anwendung kh&t ton zwei 
Gran trat Lähmung der IMl^mitälen ein, die 
im Verlauf einiger Stunden wieder verschwand. 

Aus der Analyse seiner Salze ergibt sich für 
das Lycin die einfache Formel C^^ir>Nt)\ Es 
ist demnach metamfer mit detn 1566 Von Öorüp- 
B«!^net in der Batichsfyeich^i'üse aufgewunde- 
nem Bütalanin, Von dttn es sich schön d'u'rch 
seinö ph;^ikalisch^n Eigfenschaft^n leitht ünter- 
fbheidet, und es sch^Ünt nfts niöht tm#ährscheiii- 



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t 



540 

lieh, dass es einer zweiten, der Gruppe des Gly- 
cins und Leucins (den Glycinen) parallelen Keine 
basischer Körper angehört, in welcher vielleicht 
auch das ihm in mancher Beziehung nahe ste- 
hende Saxkosin seinen Platz fände. Die dritte 
Parallelreihe der Glycine, zu welcher Glycolamid 
und Lactamid zählen, kann hier nicht in Betracht 
kommen, da diese Körper nicht mit Säuren ver- 
bindbar sind. Das Lycin stände dann in einem 
ähnlichem Verhältniss znm Butalanin, wie das 
Sarkosin zum Alanin. Leider gebrach es uns 
bis jetzt an dem erforderlichen Material, um un- 
seren Versuchen eine die Aulklärung fieser theo- 
retischen Beziehungen anstrebende Kichtung ge- 
ben zu können. Wir mussten uns auf die Unter- 
suchung nachstehender Verbindungen beschränken: 
Salzsaures Lycin. C^oH^^NOSHCl. Kry- 
stallisirt orthorhombisch , und zwar aus heisser 
gesättigter weingeistiger Lösung in langen Pris- 
men, beim freiwilligen Verdunsten der verdünn- 
ten weingeistigen Lösung in grossen, dicken, 
scharf ausgebildeten, etwas länglichen, weis- 
sen, perlglänzenden Tafeln, Combinationen von 

OOP. P. OOPOO. POO. OP. Lösst sich äusserst 
leicht in Wasser, gut in Weingeist, gar nicht in 
Aether. Beagirt und schmeckt stark sauer. 

I. n. in. IV. V. VI. 

88,77 38,95 38,66 — — — 

8,26 7,99 8,07 — ~ — 

- — - 9,24 — — 

— — — — 23,14 23,12 

C*oH"NO*,HCl 153,5 100,00 " 

Schwefelsaures Lycin. 2 (C^oH»«NO*), 
g2jj208 Krystallisirt aus Weingeist in gescho- 
benen, sehr zerfliesslichen Täfelchen, Die wäss- 
rige Lösung trocknet über Schwefelsäure zu ei- 
ner weissen Krystallmasse ein, ^ 



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IOC 60 


39,1)8 


12H 12 


7,82 


N 14 


9,12 


40 32 


20,86 


Cl 35,6 


23,12 



841 ' 

Salzsaures Lycin — Golde hlorid. 
C : OH 1 ijfo^ HCl, Au CP. Hellgoldgelbe Blättchen 
oder grosse rhombische Prismen. Ziemlich gut 
löslich in Wasser und Weingeist, schwer lösUch 
in Aether. 

Salz saures Ly ein — Platinehlorid. 
ClOHl1NO^HCl,PtC12. Dunkelorangegelbe Pris- 
men. LösliehkeitsverhäJtnisse ähnlieh. 

Salzsaures Lycin — Quecksilberchlorid. 
C«oH«JNO^HCl,HgCl. Nur durch Zusatz von 
Aether zur weingeistigen Lösung in dünnen, perl- 
glänzenden, völlig quadratischen Täfelchen kry- 
staJlisirt zu erhalten. 

Das salpetersaure und essigsaure Salz sind 
ausserordentlich zerfliesslich. Krystallisirende Ver- 
bindungen, welche wir mit Chromsäure, Ferroeyan- 
kalium und Pikrinsäure erhielten, haben wir nicht 
näher untersucht. 



Herr Professor Curtius machte der Gesell- 
schaft einige Mittheilungen aus Briefen des Herrn 
Professor Rhousopoulos in Athen. 

Am Hissos sind im Laufe des Septembers un- 
weit des königlichen Gemüsegartens mehrere Re- 
liefs von pentelischem Marmor ausgegraben 
und von der archäologischen Gesellschaft zu 
Athen angekauft worden. 

Darunter ist der Grabstein eines Knaben, 
welcher stehend dargestellt ist von der Chlamys 
bekleidet, welche den rechten Arm frei lässt; in 
der rechten Hand seheint er einen Ball zu hal- 
ten, in der linken hält er einen Vogel vor sich. 
Ein Hündchen sieht nach dem Knaben hinauf. 
Die Inschrift ist in eigenthümlicher Weise auf 
das Gesims des Steines, auf den Bogen, welcher 
sich über dem Kopfe des Knaben wölbt , und an 
die Seite des Kopfes vertheilt. 



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342 

Auf dem Sknse st^t: 
ETEAEYTBCAEMBACtCETBBENTE 
0EO0IAOCJIONYCIOYMAFAeQNIOCs 
auf dem Bogen im Sfeiltd:reise swiscAon i^ei 
Epheublättem: 

KAiaaATHPMEjmECTmCE 
und esdlkdi ia Bo^mi , ober^Ib und Hft b^den 
Seiten des £o|tfte HPSl^iCrNPE 
NEt (Kop^ ^E 

flQfoa (fvyysvsiag, 
Hen* Rhonsoponlos bemerkt, ä$Lm ^ Ge- 
stalt des Tfaeöpfailofi dem imgegebeDen Alter nicht 
entspreche, scmdeni dnen &eiaben von wenigstens 
10 Jahren darsteüe; ein Umstand, den er wohl 
mit Hecht daraus erklärt, dass meat h^ der Er« 
höhung zu einem Heros des Geschlechts ihn nicht 
als ein schwächliches Kind sondern nach Art 
eines Epheben habe darstefle^i WöUön. 

Vdn einem ändern Relief ist nnr da« Bmfch- 
stück eines weiblichen Köpföfe ferhältto mit der 
darüber befindlidien Inschrift: 

o TomcNTM^ojo rMEAirsac 

£AITHCMHTPOCMOTCTPAir)NIKHC 
rm^ETMAXO TEKKOAATTEQÜ 

TOYTOTOUEPIOPAKTONKAtOrO tlOC 
CTPATOmKHOTffC^HTPOCMO 

xui T^g li^fi^og (MV StQttwvixfjg 

Tf c EviJkixov ix KoXhiimv. 

Tovto <fd 7t§Qiq>Q€aitvotf xtii i tönog 

JStQatowixf/g 9ijg ^V^^'^ f^[v* 
M und i2 sind auf beiden Steinen ciimv ge- 
schrieben , H mid C durch einen Mittehtrich 
verbunden. 



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SA» 

YerzeichnMH» der bei Her ROft. Geseöschaft 

dex, WissemsQiiaftßii. Qi»gegang€m?n 

Druekschnftei^. 

Angast, September, Oktober 1964. 

F. PetterS) Andeutokgen BorStoffiiaiiimkmg-in d^a deut- 
schen Mundarten Böhmens« Pi«^' 16C4. 8. 

Beitrag» zur Geschichte BöknMns. Abth. I. (Hofier, 
Joh. dictas Porta de Avonniaco de eoron»tioae Caroli 

IV. 1355). Ebd. 1864. 4. 

Mittheilongen des Vereins für Gesch. der DedtsdMD in 

Böhmen. 2.Jhrg., 4^6; di.Jhrg.,1. Ebd. 18^. 64. 8. 

— des histor. Vereins für Krain. XTIll. Laibach 
1864. 4. 

Memorias de la B. Academia de ciencias exactas, ilsi- 

cas y naturales de Madrid. U. primera serie: eiencias 

exactas X, 2. Madrid 1863. 8.. 
Memorie del B. Istituto Losibardo di scienze , lottere ed 

arti. IX, 4. Milano 1863. 4. 
Atti del B. Istituto Lomb. Vol. lU, 15—20. Ebd. 1863 4. 
Zeitschrift der gesainmten Naturwissenschaften, redigirt 

von C. Giebel u. M. Siewert. Bd. 22. 23. Berlin 

1863. 64. 8. 

— der Deutschen morgeplend. Gesellschaft. XVHX, 3. 4. 
Lpzg. 1864. 8. 

Abhandlungen für die Kunde des Morgenlandes, heraus^. 

V. d. Deutschen morgenl. Gesellsch. III, 2—4. Ebd. 

1864. 8. 

Bericht über die Verhandlungen der k. Sachs. Ge^eüscji. 

dei? Wiss. zu Leipzig. Ebd. 1863. 64. 8. 
Phü.-hi8t. Cl. 1863, 1— UI. 1864, L 
Math.-phys. Cl. 1863,^ 1. U. 
W. Weber, elektro- dynamische Maassbestimmungen, 

Ebd. 1864. ß. 
P. A. Hansen, Darlegung der theorejb. Berechnung der 

in den, MondUleln angewandten Störungen^ 2. Abhdlg. 

Ebd. 1864. 8. 
M. ftaug, accomi^ of a tour in Gujarat (Sep.-Abdr.). 8. 
M. Antonio, caso orribiliedi inf^rmita spasmodica. Gre- 

mona 1864. 8. 
J. Dean, the gray substance of the medulla oblongata 

and trapezium. Washington 1864. 4. m. photogr. Atlas. 



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344^ . 

C. Gftvedoni, disamina dellä nom. GosiantiniiEuia dei 

P. R. Garruci. (Sep.-Abdr.). 8. ^ 
H. W. Dove, die Witterongserscheincingen ded uördl. 

Deutschlands. 1858—63. (Preossische Statistik YI). 

Berlin 1864. 4. 
G. Rose, Beschreibung u. Eintheilung der Meteoriten. 

Ebd. 1864. 4. 
Nova acta regiae Societatis scientiamm Upsaliensis. Se- 

riei m vol. V, 1. üpsal. 1864. 4. 
Oversigt over det Eong. danske Yidenskabemes selskabs 

forhandlinger 1862. 63. Kjöbenhavn. 8. 
Jahrbuch der k. k. geolog. Reichsanstalt. 1864. XIV, 3. 

Wien 1864. 8. 
£[leine Schriften der naturforsch. Gesellschaft in Emden. 

XI. Emden 1864. 4. 
49. Jahresbericht der naturf. Ges. in Emden. 1863. 

Ebd. 1864. 8. 
J.Kops en F.A.Hartsen,floraBatava. Afl. 187.88. 4. 
Bulletin de lo soc. imp. des naturalistes de Moscou. 1863, 

B. 4. 1864, 1. Tdoscou 1863, 64. 8. 
Transactions of the Linnean Society of London. XXIV, 2. 

London 1863. 4. 
Journal of the proceedings of the Linnean Soc. Ebd. 

1863. 64. 8. 

Botany VII, 27. 28. VDI, 29. 30. 
Zoology VII, 27. 28. VIÜ, 29. 
List of the Linnean S^c. 1863. 8. 
Adress read at the anniversary meeting of the Linn. Soc. 

1863. 64. 8. 

Smithsonian contributions to knowledge. XU. Washing- 
ton 1864. 8. 

Annual repwt of the board of regents of the Smithson. 
Institution Ebd. 1863. 8. 

Smithsonian miscellaneous coUectiotis. ' Vol. V. Ebd. 

1864. 8. 

Societe des sciences naturelles du grand-duche de Lux- 

embourg. VII. 1864. Luxemb. 1864. 8, 
41. Jahresbericht der schles. Gesellschaft für vaterl. Gul- 

tur. Breslau 1864. 8. 
Abhandlungen der schlesischen Gesellschaft. Phil.-hi8t. 

Abth. 1864j- 1; fürNaturw. u. Medicin 1862, 3. Ebd. 

1864. 8. 

(Schluss folgt.) 



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Naehrichten 

von der Königl. Gesellschaft der Wissen- 

schafteii und der G. A. Universität zu 

Göttingen. 



November 30. JVS. 16. 1864. 



KöBiglicke (lesellsckaft der WissmsekafteM. 

Sitzung am 19. November. 

Sairtorius von Waltershausen, über das Vor- 
kommen des Rhinoceros tichorinus bei Northeim. 
Beilstein, über einige Derivate^ der Brenzschleimsänre. 
F i 1 1 i g , über isomerische und homologe Verbindungen. 



Nachricht über das Vorkommen des 
Rhinoceros tichorinus bei Northeim 

von 

W. Sartorius v. Waltershausen. 

Die KönigHche Eisenbahn-Direction zu Göt- 
tingen hatte im vergangenen Monat während mei- 
ner Anwesenheit in Sicilien die Güte mir einige 
Knochen- und Zahnfragmente zuzuschicken, welche 
bei Edesheim unweit Northeim in einer seit 
längerer Zeit aufgeschlossenen Kiesgrube derDilu- 
vialformation aufgefunden worden sind. Da auch 
Herr Professor von Seebach auf einer Reise 
nach America begriffen ist, so blieben diese Kno- 
chenreete längere Zeit ununtersucht. Indess er- 
hielt ich im Anfang dieser Woche von dersel- 
ben Loc^lität einen etwa zwei ZoU langen Zahn 
mit zum Theil abgebrochenen Wurzeln, den ich 

26 



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346 

für einen Zahn votai ÖhinooesroB tichorinus er- 
kannte. Herr Professor Keferstein, dem ich 
denselben zur Untersuchung mittheiltö, bestätigte 
meine Ansicht. Zugleich wurde mir von Herrn 
Eisenbahninspector Früh die Mittheilmig ge- 
macht, dass das Thier, von welchem dieser Zahn 
abstamme, im Diluvialsande begraben liege; der 
Kopf sei zwar beim ersten Auffinden fijfertrümmert, 
das übrige Scelett aber, welches man vorläufig 
wieder mit Sand bedeckt habe, scheine vollstän- 
dig eAalten zu seiti. 

Am vergangenen Dienstag den 8. Nov. begab 
ich mich in Begleitung meiner Freunde des Pro- 
fessor Keferstein und Dr. Ehlers zugleich 
mit Herrn Eisenbahndirector Hartmann und 
einigen andern Freunden der Geologie an Ort 
und Stelle. 

Das Kieslager, welches auf dem Keuper zu 
ruhen scheint, befindet sich in der Nähe des Dor- 
fes und ist seit einer Keihe von Jahren in voller 
Benutzung. Die einzelnen Gerolle bestehen aus 
Kalk und Sandstein, zwischen denen auch öfter 
Quarzstücke bemerkt werden. In einer Tiefe von 
24 Fuss unter der Oberfläche wird das grobe 
Geröll durch feinen Sand, dem zuweilen Lehm 
beigemischt ist, ersetzt. Hier ist die Schicht, in 
welcher die Knochen und Zähne gefunden sind. 

Herr Bahnmeister Baxmann, dessen Aufinerk- 
samkeit dieser Fund zu danken ist, fährte uns 
bald an eine Stelle, an welcher nach wenigen 
Spatenstichen die Ueberreste des Rhinocefos Ske- 
letts zum Vorschein kamen. Der mit Kies ge- 
mischte, duök?eibraune Sand wurde mit Vorsicht 
bei Seite geschafflt und das Skelett, desöen Kopf 
leider schon beim ersten Auffinden zerstört war, 
nach und nach so vollständig entblösst, dass man 
sich bald in seiner Lage vollkommen orientiren 



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ur 

konnte. Di« beiden Vorderfusse , welche über 
den Kopf binausgestredkt gefunden wurden, wie 
uns Herr Bahnmeister Baxmann erzählte, exi- 
stirten jetzt nicht mehr und sind zugleich mit 
dem Kopfe zertrümmert worden. Dagegen zeigten 
sich noch 16 Rippen ohne Unterbrechung; drei 
derselben fehlten oder waren wenigstens nidit 
mehr deutlich zu erkennen. Jede Rippe war 2 
Zoll breit. Die Länge von der 16. Rippe bis zum 
Brustbein betrug 6 Fuss. Die Länge der Rip- 
pen fanden wir 4 Fuss. Das ganze Thier kann 
danach eine Länge von 10 bis 11 Fuss gehabt 
haben. Die Wirbelsäule war zum Theil verwittert 
und in ein gelblichweisses Knochenpulver \imge- 
wandelt. Wir versuchten nun die mit grosser 
Vorsicht entblössten Rippen langsam empor zu 
heben, indess zerbrachen sie in unzählige Stücke, 
aus denen sich unmöglich ein Ganzes wieder her- 
stellen liess. Auch Becken- und Beinknochen, 
die zwar vollkommen erhalten waren, hatten das- 
selbe Schicksal und zerfielen beim Herausnehmen. 

Nur die schon einige Tage früher gesammel- 
ten Zähne zeigten eine sehr vollkommene Erhal- 
tung und waren an ihren Kronen vollständig ema- 
illirt, während die Zahnwurzeln theilweise zerbro- 
chen waren. Die species Rhinoceros tichorinus 
liess sich aus ihnen auf das Bestimmteste fest- 
stellen. 

In derselben Kiesgrube sind Rhinooeroszähne 
von anderen Individuen, so wie mehrere Zähne 
von Elephas primigenius aufgefunden, von denen 
zwei gut erhalten, die anderen aber in Lamel- 
len zerbrochen sind; alle diese urweltlichen üeber- 
restte werden in unserer palaeontologischen Samm- 
lung aufbewahrt. 

Der Königlichen Eisenbahn-Direction und be- 
sonders Herrn Bahnmeister Baxmann, der bei 

26* 

Digitized byVjOOQlC 



S46 

dem Auffinden dieses merkwürdigen Skeletts mit 
grosser Umsicht verfahren ist, sprechen wir un- 
seren besondem Dank aus und geben zugleich 
der Hofifeung Baum, dass in derselben Gegend 
bei fortgesetzter Arbeit in den Kiesgruben neue 
und vielleicht noch besser erhaltene Ueberreste 
fossiler? Säugethiere gefunden werden. 



üeber einige Derivate der Brenz schleim- 
säure 

von 

F. Beilstein. 

(Vorgelegt vom Secretair.) 

Die Brenzschleimsäure ist in vielfacher Hin- 
sicht eine interessante Säure. Sie ist offenbar 
der Bepräsentant einer besondem Beihe organi- 
scher Säuren, die zwischen der aromatischen 
urd Fettsäurereihe stehen. Während sie in 
mancher Hinsicht sich eng an die Gruppe der 
ersteren Säuren anlehnt, weicht sie in an- 
dern Eigenschaften ganz bedeutend von den- 
selben ab. Obgleich sie drei Atome Sauerstoff 
enthält, ist sie doch entschieden eine einba- 
sische und einatomige Säure. Von der 
zusammengesetzten Anissäure abgesehen , wird 
sie dadurch zum einzigen Beispiel dieser Art. 
An Interesse gewinnt auch noch die Brenzschleim- 
säure durch ihre Isomerie mit der Brenzme- 
konsäure, die übrigens nur eine schwache 
Säure ist und eher 'als eine aldehydartige Säure 
(wie salicylige Säure u. a.) aufeufassen ist. Durch 
aie hier mitzutheilenden Versuche tritt die Brenz- 
schleimsäure in eine ganz bemerkenswerthe Be- 



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349 

Ziehung zu der so seltenen Mellithsäure. 
Gerhardts Vermuthung des Furfurol möchte 
der Aldehyd der Brenzschleimsäure sein, ist durch 
die Versuche von Schulze und Schwanert 
vollkommen bestätigt worden. Diese Chemiker 
erhielten beim Behandeln des Furfurols mit Sil- 
beroxyd Brenzschleimsäure. Später beobachtete 
Ulrich, dass Furfurol schon beim blossen Be- 
handeln mit alkoholischer Kalilosung in Brenz- 
schleimsäure übergehe , wahrscheinlich unter 
gleichzeitiger Bildung des Alkoholes der Brenz- 
schleimsäure : eine Eeaktion die vollkommen über- 
einstimmend ist mit dem Verhalten des Bitter- 
mandelöles gegen alkoholisches Kali. Um den 
Alkohol der Brenzschleimsäure genauer zu stu- 
dieren liess Herr Dr. H. Schmelz Natrium- 
amalgam auf Furfurol einwirken und beobachtete 
dabei eine sehr heftige Reaktion. Erst nach 
einiger Zeit entwickelte sich Wasserstoff und die 
Flüssigkeit schied dann auf Zusatz von Schwefel- 
säure einen öligen Körper aus, der nicht ohne 
Zersetzung flüchtig und offenbar der Alkohol der 
Brenzschleimsäure war. 

Aeusserst merkwürdig ist das von Herrn Dr. 
Schmelz beobachtete Verhalten einer wässiigen 
Brenzschleimsäurelösung gegen Brom. Unter 
heftiger Kohlensäureentwickelung scheidet sich 
hierbei ein Oel aus, welches durch weiteres Di- 
geriren mit Brom wieder verschwindet. Die im 
"Wasserbade eingedampfte Flüssigkeit liefert dann 
glänzende, farblose Boystallblätter von Muco- 
bromsäure €*H'^Br^O^, deren Entstehung 
durch die Gleichung ausgedrückt wird: 

CöH*G»+2H20+8Br=:€*H2Br203+CO^+6HBr. 

Die Mucobromsäure ist eine schwache Säure, 
Salze konnten picht leicht dargestellt werden, 



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850 

durch die Einwirkung der Basen treten tiefere 
Zersetzungen ein. 

Die Einwirkung des C h lor s auf Brenzschleim- 
säure ist eine ganz ähnliche, wie im oben be- 
schriebenen Falle. Man erhält kleine, scharf 
ausgebildete Krystalle ron Mucochlorsäure 

Vergleicht man die Formeln derMucobrom- 
säure C^H^Br^O» und Mellithsäure C^H'^O* 
so fallt der einfache Zusammenhang derselben 
sofort in die Augen. Durch Vertauschüng des 
Broms gegen Sauerstoff muss es möglich sein, 
die Mucobromsäure in Mellithsäure zu verwan- 
deln. Bei den bis jetzt vorläufig untersuchten 
Zersetzungen der Mucobromsäure trat indessen 
eine Spaltung im andern Sinne ein. Eöcht man 
Mucobromsäure mit Baryt so fallt nach einiger 
Zeit kohlensaurer Baryt nieder und es entwickelt 
sich an der Luft entzündliche^Brom'Acetylen. 
Zugleich enthält die Flüssigkeit das Barytsalz 
einer neuen bromfreien Säure, die wir Cumon- 
säure nennen. Die Beaktion verläuft demnach 
nach dem Schema: 

2€^H2Br»05 4. ^.iQ 

= €*H2 0» + C^HBr + 2€0« + SHBr. 

Die Cumonsäure ist ihrer Zusammen- 
setzung nach homolog mit der Brenzschleimsäure. 
Sie ist aber entschieden zweibasisch und dadurch 
von Letzterer sehr wesentlich verschieden. Eine 
ganz andere Zersetzung tritt ein, wenn man 
Mucobromsäure einige Zeit mit Silberoxyd 
kocht. Die heiss filtrirte Flüssigkeit scheidet in 
diesem Falle glänzende Krystallnadeln eines Silber- 
salzes aus, welches nach der Formel €^^Br'Ag^O* 
zusammengesetzt ist. Die Entstehung desselben 
erklärt sich durch die Gleichung: 



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851 

2€*H2Br2 05 -h 2Ag*0 
= C^H^BrS Ag'O^ ^ cO'» + AgBr + H^ O- 

Aus dem Silbersalz lässt sich durch Schwefel- 
wasserstoff die freie Säure gewinnen. Dieselbe 
zersetzt sich beim Kochen mit Baryt, nach der 
Gleichung: 

cm^Br»^^ ^ C4H»Ö3 +. c2HBr + €0«+ 2HBr 

unter Bildung von Cumonsäure. Die oben 
beschriebene Zersetzung der Mucobromsäure durch 
Baryt scheint also die endliche Zersetzung der- 
selben auszudrücken. Bei der Einwirkung von 
Silberoxyd bleibt die Reaktion auf halben nege 
stehen und man erhält die bromirte dreibasisc^e 
Säure als ein intermediäres i^rodukt. 

Ich schliesse diese Mittheilung mit der Auf- 
zählung einiger brenzschleimsaurer Salze d^reji 
genauere Kenntnis^ wir ebenfalls Herrn Dr. 
Schmelz verdanken. 

Brenzschleimsaures KaliC^H^KO» 
durch Fällen der alkoholischen Lösung desselben 
mit Aetter in glänzenden Schuppen erhalten. 

Brenzschleimsaures Natron €^H^NaO* 
weisse Krystallschuppen, wie das Kalisalz erhalten. 

Brenzschleimsaurer Kalk C^H«Ca0®, 
nach dem Trocknen über Schwefelsäure. Blen- 
dendweisses, krystallinisches Pulver. Wie das 
Kalisalz erhalten. 

Brenz seh leimsaures Kupfer €^H*CuO» 
4- H*0, nach dem Trocknen über Schwefelsäure. 
Kleine grüne Krystalle. 

Brenzschleimsaures Blei C^H^^PbO« 
-+- 7«H*^ Q. Weisse harte Krystalle , in kaltem 
Wasser wenig löslich, leichter in heissem, 



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3&2 

lieber isomerische und homologe Ver- 
bindungen 

von 

Rudolph Fittig. 

(Vorgelegt vom Secretair.) 

Vor einiger Zeit untersuchte ich gemeinschaft- 
lich mit Tollens mehrere Kohlenwasserstoffe, 
welche wir durch eine Vereinigung des Radicals 
Ce H6 im B^'ombenzol mit den Badicalen Methyl, 
Aethyl und Amyl erhielten. Das interessanteste 
Ergebniss dieser Versuche, über welche ich frü- 
her berichtete, war die unzweifelhafte Identität 
der ersteren dieser Verbindungen, des Methyl- 

Phenyls ^jg*| = CtHs mit dem Toluol des 

Steinkohlentheeröls, also mit dem Kohlenwasser- 
stoff, der allgemein als dem Benzol homolog gilt. 

Das Aethyl-Phenyl ^u*> dagegen schien uns 

bemerkenswerthe Verschiedenheiten von dem gleich 
zusammengesetzten Xylol des Steinkohlentheeröls 
zu zeigen, allein das Xylol selbst war noch so 
wenig untersucht, dass eine exacte Vergleichung 
unseres Aetiiyl-Phenyls damit nicht möglich war. 
Wir beschräukten uns deshalb auf die Darstel- 
lung nur weniger Derivate. Seitdem aber vor 
Kurzem im hiesigen Laboratorium unter Beil- 
stein's Leitung das Verhalten des Xylol's und 
seiner Derivate ausführlicher studirt worden ist, 
erschien es mir wünschenswerth, auch das Aethyl- 
Phenyl in gleicher Weise zu untersuchen. Da- 
bei hat sich nun, wie wir es früher schon ver- 
mutheten die gänzliche Verschiedenheit beider 
Kohlenwasserstoffe als unzweifelhaft ergeben. 
Der Siedepunkt des Aethyl-Phenyls liegt 6-7<^ 



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3Ö3 

niedriger, als der des Xylols. Bei der Einwirkung 
rauchender Salpetersäure in der Kälte geben beide 
Kohlenwasserstoffe flüssige Mononitroverbindun- 
gen von gleicher Zusammensetzung, aber wäh- 
rend das Nitroäthyl-Phenyl constant und ohne 
Zersetzung bei 233^ siedet, zersetzt sich das Ni- 
troxylol beim Versuch, es zu destilliren. Das 
Xylol ist dadurch characterißirt, dass es sehr 
leicht höher nitrirte Verbindungen liefert, schon 
beim Behandeln mit rauchender Salpetersäure 
in der Kälte entsteht neben der Mononitrover- 
bindung die schön krystallisirende Dinitroverbin- 
dung, beim Behandeln mit einem Gemisch von 
rauchender Salpetersäure und concentrirter Schwe- 
felsäure bildet sich sehr leicht eine in Alkohol 
schwer lösliche, ebenfalls gut krystallisirende Tri- 
nitroverbindung. Das Aethyl-Phenyl geht viel 
schwieriger in Di- und Trinitroverbindung über. 
Kalte rauchende Salpetersäure und ein kalt ge- 
haltenes Gemisch von concentrirter Schwefelsäure 
und rauchender Salpetersäure bilden nur dieMo- 
nonitro Verbindung. Erst beim Erwärmen entsteht 
die Dinitroverbindung und um diese in die Tri- 
nitroverbindung zu verwandeln, habeich sie stun- 
denlang mit dem concentrirtesten Säuregemisch im 
Sieden gehalten und darauf noch mehrere Tage 
damit in Berührung gelassen, ohne dass mi^ eine 
vollständige ümwandlimg gelang. Beide Verbin- 
dungen sind übrigens auch in ihren physikalischen 
Eigenschaften total verschieden von den entspre- 
chenden Xylolverbindungen. Es sind nicht kry- 
stallisirende, nicht ohne Zersetzung flüchtige, dick- 
flüssige, gelbe Liquida, welche deshalb der Rein- 
darstellung die grössten Schwierigkeiten entgegen- 
stellten. 

Das Xylol liefert beim Behandeln mit Brom 
eine bei 210® siedende Monobromverbindung, das 



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354 

gleidi zusammengesetzte Derivat des Aethyl-Phe- 
nyls siedet schon bei nahezu 200*^. 

Am unzweifelhaftesten zeigt sich die Verschie- 
denheit beider Kohlenwasserstoffe aber beim Be- 
handebi mit einem Gemisch von chromsaurem 
Kall und Schwefelsäure. Beide werden dadurch 
leidit oxydirt, aber während sich das Xylol ohne 
Verlust von Kohlenstoff in die , auch in heissem 
Wasser fast unlösliche Terephtalsäure Cs He O4 
verwandelt, lieferte das Aethyl-Phenyl eine in 
heissem Wasser leicht losliche Säure, welche durch 
ihre physikalischen Eigenschaften, Schmelzpunct, 
Löslichkeitsverhältnisse , Krystallform etc. sich 
sofort als reine Benzoesäure zu erkennen gab. 
Die Analyse der freien Säure sowohl, wie ihres 
in schönen concentriscb vereinigten Nadeln kry- 
stallisirenden Kalksalzes bestätigten dies. Trotz- 
dem dass chromsaures Kali, Schwefelsäure und 
Wasser genau in demselben Verhältniss, wie bei 
den Versuchen mit dem Xylol angewandt waren, 
hatte sich doch keine nachweisbare Spur von Te- 
rephtalsäure oder irgo^ eines anderen festen 
Nebenproductes gebildet, sondern die ganze Menge 
des Kohlenwasserstoffis war unter Abspaltung eines 
Atoms Kohlenstoff, welches ohne Zweifel als Koh- 
lensäure entwich, zu Benzoesäure oxydirt worden. 

Da somit die Verschiedenheit dieser beiden 
Kohlenwasserstoffe ausser allen Zweifel gestellt 
war, so machte die Identität des Methyl-Phenyls 
mit dem Toluol es wahrscheinlich, dass, wenn 
es gelang durch Vereinigung des ELadicals 
€7 H7 im Toluol mit Methyl ein Metbyl-Benzyl 

£^ TT \ 

£^^ -a) = ^ Hio darzustellen , dieses verschie- 
den von dem gleich zusammengesetzten Aethyl- 
Phenyl und identisch mit dem Xylol sein würde. 
Herr Glinzer, der auf meine Veranlassung upd 



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355 

unter meiner Leitung eine Reihe von Versuchen 
anstellte, hat in der That diese Vermuthung be- 
stätigt gefunden. Das Methyl-Benzyl, auf dieselbe 
Weise wie das Methyl-Phenyl uns Bromtoluol 
und Jodmethyl dargestellt, zeigte genau den Sie* 
depunkt des Xylol's 139^, es gab mit Schwefel- 
säure eine Sulfosäure, deren Barytsalz von dem 
aus Xylol dargestellten in keiner Eigenschaft 
Verschiedenheiten zeigte; es lieferte mit rauchen- 
der Salpetersäure neben der flüssigen Mononitro- 
verbindung schon in der Kälte eine Dinitrover- 
bindung, welche aus Alkohol in ziemlich grossen, 
ausgezeichnet schön ausgebildeten, glänzenden 
und völlig durchsichtigen Erystallen erhalten 
wurde, die/ wie es scheint, dem monoklinen Sy- 
stem angehören und deren Schmelzpunkt (93°) 
nicht verschieden von dem Dinitroxylols ist, wenn 
auch letzteres bis jetzt nicht in so schönen Kry- 
stallen erhalten worden ist. Ein Gemisch von 
rauchender Salpetersäure und concentrirter Schwe- 
felsäure verwandelt das Methyl-Benzyl eben so 
leicht und voUständig wie das Xylol, in eine 
schön krystallisirende Trinitroverbindung, deren 
Schmelzpunkt bei 137® liegt. Der Schmelzpunkt 
des von Luhmann dargestellten Trinitroxylols 
soll freilich bei 178® liegen aber trotz dieser be- 
deutenden Abweichung scheint mir, da in jeder 
sonstigen Hinsicht vollständige Uebereinstimmung 
beider Kohlenwasserstoffe stattfindet, daraus nicht 
auf die Verschiedenheit derselben geschlossen 
werden zu dürfen. Bei nochmaliger Untersuchung 
der aus absolut reinem Xylol dargestellten Ver- 
bindung wird sehr wahrscheinlich diese Differenz 
beseitigt werden. Dass die aus dem Methyl- 
Benzyl dargestellte Verbindung absolut rein war, 
kann deshalb keinem Zweifel unterliegen weil 
sie zu verschiedenen Malen, bald aus dem Koh- 



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356 

lenwasserstoflF, bald aus der Mono-, bald aas 
der Dinitroverbindung dargestellt, immer densel- 
ben Schmelzpunkt zeigte und bei mehreren Ana- 
lysen Zahlen lieferte, die mit den berechneten 
vollständig übereinstimmten. 

Beim Behandeln mit chromsaurem Kali und 
Schwefelsäure lieferte das Methyl-Benzyl ebenso 
wie das Xylol als einziges Oxydationsproduct 
Terephtalsäure , der auch nicht eine Spur von 
Benzoesäure beigemengt war. 

Diese Versuche scheinen mir nicht unwich- 
tige Aufschlüsse über das Wesen der Homologie 
und Isomerie zu geben. Wenn wir, wie dies all- 
gemein geschieht , die 3 Kohlenwasserstoffe Ben- 
zol, Toluol und Xylol als Glieder einer homolo- 
gen Reihe betrachten, so ergiebt sich, dass wir, 
vom Anfangsgliede ausgehend, im Stande $ind, 
eine ganze Reihe homologer Verbindungen durch 
successive Substitution von Methyl für Wasser- 
stoffaufzubauen, dass es uns aber nicht möglich 
ist bei diesem Aufbau ein Glied der Reihe zu 
überspringen, indem wir, anstatt zweimal nach 
einander Methyl einzufuhren, einmal ein Wasser- 
stoffatom durch Aethyl ersetzen. Aus dem Ben- 
zol €b He entsteht durch Einführung von Methyl 
CHs das Toluol €7 Hg, aus diesem durch Wie- 
derholung desselben chemischen Processes das 
Xylol Cg Hio , aber dadurch , dass wir für ein 
Atom Wasserstoff im Benzol das Radical Aethyl 
C^Hs substituiren, entsteht ein mit dem Xylol 
zwar gleich zusammengesetzter, allein in allen Ei- 
genschaften davon verschiedener Kohlenwasser- 
stoff. Diese Thatsache war um so weniger zu 
erwarten, da durch die neuem Versuche von 
Schorlemmer es bewiesen zu sein scheint, 

-f TT 1 
dasß das sogenannte Methyl r^ tj* } identisch 

« 

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867 

mit dem Aethylwasserstoff S* } und demnach 

das Radical Aethyl CsHs nur ein meihylirtes 
Methyl € H2 (€ H3) ist, aber trotzdem lässt sich 
die Verschiedenheit des chemischen Effectes ei- 
nes zweimaligen Eintritts von Methyl von dem 
eines einmaligen Eintritts von Aethyl leicht ver- 
stehen, wenn wir annehmen dass in beiden Fäl- 
len verschiedene Wasserstoffatome durch das Ra- 
dical Methyl substituirt werden. Durch 'succes- 
sive Einführung von Methyl in das Benzol erhal- 
ten wir die Verbindungen: Toluol G7H8 = ein- 
fach methylirtes Benzol Ge H5 (€ Es) und Xylol 
= zweifach methyUrtes Benzol €0 H4 (€ 0(3)2 ; 
durch die Substitution des Wasserstoft^'s im Ben- 
zol durch Aethyl €2 EU (= methylirtes Methyl 
GH2 (€ H^)) aber entsteht die Verbindimg 
€6 H5 [€ H2 (€ Hs)]. Während also im Xylol 2 
Wasse'rstoffatome des BenÄol's durch Methyl er- 
setzt sind, ist im Aethyl-Phenyl nur eins ausge- 
treten und das zweite Atom Methyl ersetzt ein 
Wasserstoffatom des ersten Atom's Methyl. 

Diese theoretischen Folgerungen werden un- 
terstützt durch das chemische Verhalten beider 
Verbindungen. Wenn die zweiten Methylatome 
in den beiden Kohlenwasserstoffen verschiedene 
Wasserstoffatome ersetzen, so ergiebt es sich als 
höchst wahrscheinlich, dass sie auch mit un- 
gleicher Festigkeit gebunden sein werden und 
dies sehen wir in der That bei der Oxydation 
mit Chromsäure. Im Xylol (Dimethylbenzol) 
bleiben sämmtliche Eohlenstoffatome in fester 
Verbindung mit einander, während beim Aethyl- 
Phenyl das zweite Methylradical ungleich loser 
gebunden ist und sich bei der Oxydation sofoi-t 
abspaltet, so dass aus dieser Verbindung dieselbe 



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868 

Säure, wie aus dem einfach xaethylirten Benzol, 
dem Toluol, entsteht *). 

Wenn diese Ansicht richtig ist, so erscheint es 
ferner als sehr wahrscheinlich , dass auch alle 
übrigen direct aus dem Benzol durch EinfuhruDg 
eines dem Aethyl homologen Alkobolradicals ge- 
bildeten KoUenwasöerstoffe bei der Oxydatioii, 
ebenso wie das Aethyl-Phenyl , nur das Kohlen- 
stoffatom des einen fester gebundenen Methylra- 
dicals Behalten, d. h. dass alle Benzoesäure lie- 
fern werden, während alle Benzylverbindungen 
den Kohlenstoff Ton 2 Atomen Methyl festhalten 
und Terephtalsäure bilden werden. So verhält 
sich in der That das von To Ileus dargestellte 

Amyl-Phenyl ^^^] = €11 Hie es liefert tei 

der Oxydation Benzoesäure. Herr Glinzer hat 
ausser dem Methyl-Benzyl auch das Aethyl-Benzyl 
dargestellt und gefunden, dass es durch Chrom- 
säure in eine Säure verwandelt mrd, welche 
alle Eigenschaften der Terephtakäure besitzt, 
während das gleich zusammengesetzte Cumol 
(wahrscheinlich identisch mit Propyl-Phenyl) he- 
kanntlich Benzoesäure liefert. 

In demselben Verhältniss wie das Aethyl- 
Phenyl zum Methyl-Benzyl scheinen eine Anzahl 
anderer isomerer Verbindungen zu stehen, für 
deren Verschiedenheit wir bis jetzt keine Ur- 
sache kannten, so z. B. die beiden is<Hiieren 
Toluylsäuren. In der der Benzoesäure homolo- 

♦) Dass das Xylol bei der Oxydation nickt die der Beo- 
zoesaure homologe Tolnylsaure, sondern Tecephtalaäure lie- 
fert hat seinen Grand, wie mir scheint darin, daw die 
Toluylsäure selbst durch weitere Oxydation sogleich in 
Terephtalsäure übergeht. Die Terephtalsäure steht ho- 
kanntlich zur Toluylsäure in derselben Beziehung, wie die 
Oxalsäure zur Essigsäure. 



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es8 

gen Tolnylsäure rind sämmtliche KohlenstofFatomG 
fest mit einander verbunden, sie lässt sich anf 
die gewöhnliche Weise in das dazu gehörige AI- - 
dehyd verwandeln und giebt bei der Oxydation 
keinen Kohlenstoff ab, die Alphatoluylsäure da- 
gegen ist verhältnissmässig unbeständig, sie ver- 
liert leicht eiü Kohlensto^tom und liefert Ben- 
zoesäure oder Derivate derselben. Auch in der 
Fettsäurereihe lassen sich viele Isomerien auf 
diese Weise erklären. 

In kurzer Zeit hoffe ich weitere Mittheilungen 
über die Kohlenwasserstoffe der aromatischen 
Säurereihe machen zu können. Um indess die 
durdi Synthese gebildeten Kohlenwasserstoffe 
mit den bis jetzt bekannten vergleichen zu kön- 
nen, sind die letzteren nicht exact genug unter- 
sucht und es scheint z. B. das Cumol von ver- 
schiedenem Ursprünge ganz verschieden^ Eigen- 
schaften zu besitzen. Die bereits begonnenen 
Arbeiten über das Cumol aus der Cuminsäure, 
das Mesitylen aus dem Aceton, das Cymol aus 
dem Campher und das Cymol im Römisch-Küm- 
melöl werden voraussichtlich zu einer genaueren 
Kenntniss dieser Verbindungen führen. 



Verzeichniss der bei der Kön. Gesellschaft 

der Wissenschaften eingegangenen 

Druckschriften. 

August, September, Oktober 1864. 

(Schluss.) 

Natuarkundige verhandelingen van de Hollandsclie maat- 
achappy der Wetensch. to Haarlem. XVIII. Haarlem 
1863. 4. 



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860 

Contzen und Heffner, die Sammlimgen des histor. 
VereinB für ünterfranken und Aschaffenburg zu Würz- 
burg. Abth. 1-3. Würzburg 1856-64. 8. 

Resume des observations recueiUies dans les bassins de 
la Sa6ne, du Rhone et quelques autres regions. (Sep.- 
Abdr.). Lyon. 8. 

Proceedings of the Califomian Academy of natural scien- 
ces. II. 1858 - 62. San Francisco 1863. 8. 

— of the American philos. Society at Philadelphia. Jan.— 
Dez. 1863. 8. 

— of the American Academy of arts and sciences at Bo- 
ston. VI, p. 97—236. 1863. 8. 

— of the Academy of natural sciences of Phi&delphia 
1863. Jan.-Dez. Philad. 1863. 8. 

— of the Boston Society of natural history. IX, :p. 
177—320. Boston. 1863. 8. 

Boston Journal of natural history. VII, 4. Bostonl863. 8. 
Report of the Superintendent of the Goast Survey sho- 

wing the progress of the survey during the year 1861. 

Washington 1862. 4. 
17. Jahresbericht der Staats- Ackerbau-Behörde von Ohio. 

Columbus (Ohio) 1863. 8. 
Address of his Exe. J. A. Andrew to the legislature of 

Massach. Jan. 8. 1864. Boston 1864. 8. 
Annual report of the trustees of the museom of compar. 

zoology. 1863. Ebd. 1864. 8. 
Bulletin of the museum of comparative zoology. Cambridge 

Mass. 1863. 8. 
The American ephemeris and nautical almanac for 1865, 

published by authority of the secretary of the navy. 

Wash. 1863. 8. 



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Nachrichten 

von der Königl. Gesellschaft der Wissen- 
schaften und der G. A. Universität zu 
Göttingen. 



December 7. JVSt 17. 1864. 



Königliche (lesellschaft der WisseBsehafteB. 

Sitzung am 3. December. 

Am 3. December feierte die K. Gesellschaft 
der Wissenschaften ihren Stiftungstag zum drei- 
zehnten Mal in dem zweiten Jahrhundert ihres 
Bestehens. Herr Hofrath Grisebach hielt ei- 
nen Vortrag über die geographische Verbreitung 
der Pflanzen Westindiens, welcher im XII. Bande 
der Abhandlungen erscheinen wird. Hierauf er- 
stattete der best^-ndige Secretair Wohl er den 
folgenden ordnungsmässigen Jahresbericht: 

Das jährlich unter den drei ältesten Mitglie- 
dern wechselnde Directorium ist zu Michaelis die- 
ses Jahres von dem Hrn Hoft*ath Weber in der 
mathematischen Classe auf Hrn Professor Ewald 
in der historisch -philologischen Classe überge- 
gangen. 

Im Laufe dieses Jahres hat die Wissenschaft 
neun Gelehrte, welche als Mitglieder oder Cor- 
respondenten der K. Societät angehörten, durch 
den Tod verloren. 

Am tiefsten hat die Societät den Verlust ihres 
wirklichen Mitgliedes, Rudolph Wagner's zu be- 

27 

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362 

klagen. Er starb am 10. Mai im noch nicht vol- 
lendeten 59. Jahre. Durch seinen Tod verliert 
die Wissenschaft den vielseitigsten Forscher, die 
Universität einen berühmten Lehrer, wir alle den 
geistreichsten und ehrenhaftesten CoUegen. In- 
dem ich es versuchen wollte, für den heutigen 
Tag ihm einige Worte des Andenkens zu wid- 
men , glaubte ich am besten von seinem ältesten 
Sohn, Professor Adolph W agner , Auskunft über 
manche mir nicht genau bekannte Umstände aus 
dem Leben seines Vaters erhalten zu können. 
Im Besitze der Tagebücher des letzteren und ge- 
trieben d^irch die Stimme kindlicher Pietät, ge- 
schah es ihm, dass die erbetenen Mittheilungen 
sich unter der Hand zu einer zusammenhängen- 
den Beschreibung des Lebens und Wirkens sei- 
nes Vaters gestalteten, die, bei möglichster Objecti- 
vität und Kürze, so vollständig und erschöpfend 
ausgefallen ist, dass ich sie weder abzukürzen 
wagen darf, noch sie für meine eigene Arbeit ge- 
ben kann und mir daher erlaube ihren unabge- 
kürzten Abdruck in diesen Nachrichten zu be- 
antragen. 

Am 27. Januar starb, im 69. Jahre, Hein- 
rich Rose, Professor der Chemie in Berlin, ei- 
ner der ältesten Schüler von Berzelius. Seit 
1856 war er auswärtiges Mitglied in der physi- 
kalischen Classe. Durch seinen Tod verliert die 
Wissenschaft den unermüdlichsten Forscher, den 
grössten Meister in der analytischen Chemie, ich 
betrauere einen Freund, mit dem ich seit fast 
40 Jahren treu verbunden war. Rose war der 
Sohn des auch als Chemiker bekannten Apothe- 
kers und Medicinal -Assessors Valentin Rose in 
Berlin und war am 5. August 1796 geboren. 
Auch er widmete sich anfangs dem Stande seines 
Vaters, wandte sich aber später den rein wis- 



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3e« 

senschaftlicben Studien zu, die ^, »acbdem er 
mit seinen beiden Brüdern 1815 den Feidzug 
mitgemadit hatte, von 1819 an über zwei Jahre 
lang unter seinem grossen Lehrer in Stockholm, 
gleichzeitig mit seinem Bruder Gustav und Mit- 
scher lieh, fortsetzte. 1821 promovirte er in 
Kiel und gleich im Jahre nachher habilitirte er 
sich an der Universität in Berlin, wo er schon 
1823 zum ausserordentlichen und 1835 zum or- 
dentlichen Professor ernannt wurde. Es würde 
die Grenzen dieser kurzen Erinnerungen an ver- 
storbene Mitglieder der Societät überschreiten, 
wollte ich nur der wichtigsten unter den zahlrei- 
chen Arbeiten gedenken, durch welche Kose, 
seit fast einem halben Jahrhundert bis in die 
letzten Tage vor seinem Tode rastlos thätlg, sei- 
nen Namen in der Wissenschaft unvergänglich 
gemacht hat. Die nähere Würdigung derselben 
macht den Gegenstand einer Gedächtnissrede aus, 
die in Kurzem in der K. Akademie der Wissen- 
schaften zu Berlin, deren langjähriges Mitglied 
er war, gehalten werden wird. Es möge hier 
nur seiner Specialität, der analytischen Chemie, 
gedacht werden, in welchem Gebiete er als die 
erste Autorität allgemein anerkannt ist. Es war 
seine Lebensaufgabe, die Eigenschaften der Kör- 
per in allen ihren Beziehungen mit der grössten 
Genaidgkeit kennen zu lernen und hierauf die 
sichersten Methoden der Auffindung, Trennung 
und quantitativen Bestimmung zu gründen. Mit 
beispielloser Beharrlichkeit verfolgte er diesen 
Zweck, und man kann behaupten, dass kein an- 
derer Chemiker das Verhalten der Elemente und 
ihrer zahllosen Verbindungen so genau gekannt 
hat wie «r, dass es auch kaum einem Andern 
möglich gewesen wäre, die Verschiedenheit der 
Säuren in den Columbiten und den Tantaliten zu 

27* 

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364 

erkennen und auf die Entdeckung des neuen Ele- 
mentes, dem er den Namen Niobium gab, ge- 
führt zu werden — eine Arbeit, mit der er, 
bevor er zu sicheren Resultaten gelangte, fast 
neun Jahre lang beschäftigt war. Seine Erfah- 
rungen hat er in seinem classischen Handbuche 
der analytischen Chemie niedergelegt, von dem 
in zwei starken Bänden die erste Ausgabe 1829 
imd die fünfte 1851 erschien, von welcher letz- 
teren von 1855 bis 1862 unter seiner Mitwirkung 
eine wesentlich verbesserte französische Bearbei- 
tung in Paris publicirt wurde. Der Tod über- 
raschte ihn, als er mit der Bearbeitung der sechs- 
ten deutschen Ausgabe beschäftigt und als erst 
der 34. Bogen gedruckt war. Sie wird nun, mit 
Benutzung des von Rose gesammelten und ge- 
ordneten Materials, von einem seiner Schüler und 
Assistenten vollendet. Die Bearbeitung einer je- 
den neuen Ausgabe dieses nicht bloss för Studie- 
rende bestimmten, sondern auch dem geübteste 
Chemiker als sicherer Rathgeber unentbehrhchen 
Werkes war für ihn, bei der raschen Entwicke- 
lung der Wissenschaft, an der er selbst so grossen 
Antheil hatte, doppelt mühsam, weil er selten 
eine Angabe, eine Methode, niederschrieb, ohne 
sie selbst experimentell geprüft zu haben, und 
dies macht gerade den grossen Werth dieses Wer- 
kes aus. Gleich wie Rose ausgezeichnet war 
als Forscher, eben so erfolgreich war seine grosse 
Thätigkeit als Lehrer; und wie er in seinem wis- 
senschaftlichen Streben frei war von Eitelkeit und 
Ruhmsucht und nur nach der Wahrheit tradi- 
tete, so war er als Mensch einfach, anspruchs- 
los, stets gerecht und wahr. 

In Turin starb am 20. Januar im 83. Jahre 
der Senator Giovanni Plana, Professor der Astro- 
nomie und Director der Sternwarte. Er war am 



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365 

8. November 1781 zu Voghera geboren und war 
seit 1837 Mitglied der mathematischen Classe. 
Unter seinen zahlreichen Abhandlungen aus den 
verschiedensten Gebieten der reinen und ange- 
wandten Mathematik, die abstractesten Doctri- 
nen nicht ausgenommen, sei hier nur seines Haupt- 
werkes gedacht, der zu Paris und London ge- 
krönten Monds-Theorie, eines Werkes, das so- 
wohl in Beziehung auf die Handhabung der Ana- ' 
lysis, als durch die zwanzigjährige Ausdauer, die 
Plana auf seine Bearbeitung verwandte, bewun- 
demswerth zu nennen und in welchem die Be- 
stimmung der Coefficienten nach dem Gravita- 
tions-Gesetz durchgeführt ist. Plana's Namen 
wird in der Geschichte der exacten Wissenschaf-, 
ten stets mit ähnlichen Ehren wie der seines 
grossen Oheims Lagrange genannt werden. 

In Marburg starb am 15. Januar 76 Jahr alt 
Christian Ludwig Gerling, Professor der Ma- 
thematik, Physik und Astronomie, seit 1830 Cor- 
respondent, seit 1861 Mitglied in der mathema- 
tischen Classe. Der Sohn eines Geistlichen an 
der Jacobi-Kirche in Hamburg widmete er sich 
im Jahre 1809 zu Helmstädt ebenfalls der Theo- 
logie, bezog aber im folgenden Jahre die hiesige 
Universität, um sich unter Gauss auch in den ma- 
thematischen Wissenschaften auszubilden. Nach- 
dem er hier promovirt und 5 Jahre lang als Leh- 
rer am Lyceum zu Cassel gewirkt hatte, trat er 
1817 in die Stellung, welche er bis zu seinem 
Tode bekleidet hat. In seiner langjährigen Thä- 
tigkeit hat sich Gerling durch seine Schriften, 
durch gediegene Lehrbücher und als akademi- 
scher Lehrer grosse Verdienste erworben. Es sei 
hier speciell nur seines Vorschlags erwähnt, auf 
der südlichen Halbkugel die Oppositionen des 
Mars und die Stillstände der Venus zum Zweck 



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366 

der genaueren Bestimmung der Sonnen-Parallaxe 
zu beobachten; so wie auch nicht unerwähnt zu 
lassen ist, dass er die Gründung der Sternwarte 
zu Santjago de Chile veranlasst hat, welche jetzt 
unter der Leitung seines Schülers Moesta der 
Wissenschaft so wesentliche Dienste leistet. Mir 
sei es noch erlaubt, dankbar anzuerkennen, dass 
ich von Gerling in Marburg den ersten gründ- 
lichen Unterricht in der Physik erhielt. 

Am 23. November starb im 72. Lebensjahre 
zu Petersburg der Staatsrath Friedr. Georg Wilh. 
Struve, der Gründer der Sternwarte zu Pul- 
kowa und deren Director bis zum J. 1858. Er 
war seit 1835 Mitglied in der mathematischen 
Classe. Geboren am 15. April 1793 zu Altona, 
widmete er sich anfangs in Dorpat der Philolo- 
gie, vertauschte aber später diese Wissenschaft 
mit der, die ihm seitdem so viele Bereicherun- 
gen verdankt hat. 1813 wurde er Observator, 
einige Jahre später Director der Sternwarte und 
ord. Professor der Astronomie an der Universität 
Dorpat. 1839 übernahm er die Direction der 
Sternwarte zu Pulkowa, die, nach seinen Ideen 
gegründet und mit kaiserlicher Munificenz aus- 
gestattet, durch ihn das grossartigste Listitut ge- 
worden ist. Nach schwerer Erkrankung im J. 1858 
seine alte Geisteskraft gebrochen fühlend, sah er 
sich veranlasst, von der Direction zurückzutre- 
ten. Ausgerüstet mit seltenem Scharfsinn, emi- 
nenter Beobachtungsgabe und vielseitiger Bildung, 
höchst scrupulös in der Erforschung aller Feh- 
lerquellen in den Listrumenten und den damit 
angestellten Beobachtungen, und streng conse- 
quent in der Durchführung der als richtig er- 
kannten Methoden, hat Struve sich um die 
Astronomie unvergängliche Verdienste erworben. 
Wir gedenken hier nur seiner Forschungen über 



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867 

die Doppelsterne und die Einrichtung unseres 
Stemsystems, und. der grossen russisch -scandi- 
navischen Gradmessung, die er mit eiserner Be- 
harrlichkeit durch länger als ein Menschenalter 
zum Ziele führte. 

Am 21. März starb zu Paris im 84. Jahre 
Carl Benedict Hase, seit 1837 Mitglied der hi- 
storisch-philologischen Classe. Geboren am 11. 
Mai 1780 zu Suiza im Grossherzogth. Sachsen- 
Weimar, gebildet auf dem Gymnasium zu Wei- 
mar und den Universitäten Jena und Helmstädt, 
ging er 1801 nach Paris. Hier erhielt er schon 
1802 durch Villoisons Verwendung eine An- 
stellung an der Bibliothek, und dieser grossar- 
tigen Anstalt, besonders den griechischen Hand- 
schriften, widmete er sein ganzes Leben hindurch, 
seit 1832 als- Conservateur administrateur, die 
umsichtigste und angestrengteste Thätigkeit. Wer 
irgend über Handschriften Auskunft wünschte, sie 
benutzen wollte, fand bei ihm unermüdliche Be- 
reitwilligkeit; namentlich hatten sich seine deut- 
schen Landsleute der liebenswürdigsten Unter- 
stützung in ihren Arbeiten zu erfreuen. Sein 
Wissen war ein ausgebreitetes, Meister war er 
in der Eenntniss der späteren griechischen Lite- 
ratur und Sprache. Seine Ausgabe des byzan- 
tinischen Geschichtschreibers Leo Diaconus (1819. 
1828), die Beiträge zu der neuen Bearbeitung 
von Henrici Stephani Thesaurus linguae graecae 
(Paris 1831 ft), eine grosse Zahl von Abhandlun- 
gen und Anzeigen in den Schriften der Pariser 
Akademie und dem Journal des Savants bezeu- 
gen das. Aber seine Wirksamkeit kam der Wissen- 
schaft in den mannichfachsten Stellungen zu gut^. 
Als Professor der griechischen Sprache an der 
Ecole des langues orientales Vivantes, der ver- 
gleichenden Sprachkunde an der Sorbonne ^ als 



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368 

Präsident der ficole des chartes, als Director der 
£cole d'Athenes, als Mitglied der Academie des 
Inscriptions, als Präsident der Commission für 
die wissenschaftliche Erforschung Algeriens gab 
er nach allen Seiten die lebendigste und frucht- 
barste Anregung. 

Die Societät yerlor femer drei ihrer Cor- 
respondenten: 

Am 22. December 1863 starb zu Amsterdam 
62 Jahre alt Wilhelm Vrolik, Secretair der Kö- 
nigl. Gesellschaft der Wissenschaften daselbst. 
Am 29. April 1801 in Amsterdam geboren, be- 
zog er 1819 die Universität Utrecht, besuchte 
noch vor der Promotion Paris, um seine medi- 
cinischen und unter Cuvier imd Blainville seine 
anatomischen und vergleichend anatomischen 
Studien fortzusetzen. 1823 liess er sich in sei- 
ner Vaterstadt als Arzt nieder, nachdem er schon 
vorher eine Preisfrage über die Anatomie und 
Physiologie des Gehörorgans gelöst hatte. Die 
Muse, welche ihm die Praxis liess, widmete er 
zootomischen Arbeiten , wozu ihm die Sammlung 
seines Vaters reiches Material gewährte. 1828 
nahm er einen Ruf als a. o. Professor nach Grö- 
^ningen an, 1830 machte er den Feldzug gegen 
Belgien mit, nach dessen Beendigung er Profes- 
sor am Athenaeum illustre in Amsterdam wurde. 
Seine Schriften enthalten gleich werthvoUe Be- 
reicherungen der Wissenschaft in den Gebieten 
der Zoologie imd der vergleichenden und patho- 
logischen Anatomie. Die letztere verdankt ihm ein 
1840—42 erschienenes, noch heute werthvoUes 
Handbuch der angeborenen Missbildungen, be- 
gleitet von einem Atlas, Tabulae ad illustran- 
dam embryogenesin hominis et mammalium, der 
in Bezug auf Auswahl und Ausführung unüber- 
troflfen ist. In einem dreibändigen Werk, Maak- 



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369 

sei en leven der Dieren, suchte er die Zoologie 
der Wirbelthiere dem gebildeten Publicum zu- 
gänglich und interessant zu machen. Ein Streit, 
in den er mit Schröder v. d. Kolk in Betreff des 
Stenops gerieth, hatte die glückliche Folge, dass 
beide Forscher sich zu einer Reihe gemeinschaft- 
licher Arbeiten verbanden. 

In Wien starb am 8. Februar 77 Jahre alt 
Vuk Stefanovitsch Karadschitsch. Seine 
Grösse lässt sich in die wenigen Worte fassen : 
er schuf die südslavische Schriftsprache. Ge- 
boren am 26. October a. St. 1787 zu Tertschit* 
schi im Jadarthai in Serbien, Sohn eines armen 
Bauern, lernte er als Knabe kaum Lesen und 
Schreiben, war dann Hirt, Schreiber der serbi- 
schen Volksfiihrer in den Kämpfen von 1804 und 
1806 , dann Secretair der Nationalregierung in 
Belgrad, und in andern Aemtem, bis 1813 Ser- 
bien wieder unter Türkische Herrschaft gerieth. 
Da kam er^ flüchtend nach Wien und blieb hier 
als Privatmann mit kurzen Unterbrechungen bis 
zu seinem Tode. Seine serbischen Volkslieder, 
zuletzt in dritter Auflage 1841 in 4 Bänden, die 
serbische Grammatik 1814, das serbisch-deutsch- 
lateinische Wörterbuch 1818 , die serbischen 
Sprichwörter 1836, die serbische üebersetzung 
des neuen Testaments 1847, die serbischen Volks- 
märchen 1853, haben den serbischen Dialect zu- 
erst in die Literatur eingeführt und so eine süd- 
slavische Schriftsprache geschaffen. Volkslieder, 
Grammatik, Sprichwörter, Märchen sind in viele 
Sprachen übersetzt, in die deutsche die Gram- 
n^Sitik von Jakob Grimm, die Volkslieder von 
der Talvj. 

In London starb am 17. Juni 56 Jahre alt 
William Cureton. Er erwarb sich als Nach- 
folger des zu früh verstorbenen F. Rosen am 



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370 

Britischen Museum schon seit dem J. 1837 eine 
genauere Kenntniss der bis dahin so wenig ge- 
kannten dortigen Handschriftenschätze und sah 
dann im Laufe der folgenden zwanzig Jahre diese 
Schätze auch durch seinen eignen Eifer sich auf 
das Unerwartetste vermehren. Durch die wissen- 
schaftliche Bearbeitung und Veröffentlichung vie- 
ler dieser seltnen Rchriftdenkmale machte er 
sich bald hochverdient ; vorzüglich aber war es 
die später fast vernachlässigte syrische Literatur, 
deren Förderung er mit grösster Aufopferung 
und herrlichstem Erfolge seine Kräfte widmete. 
Auch als er später, die Anstellung am Britischen 
Museum verlassend, in die höheren Aemter der 
englischen Kirche überging, wurde er diesen wis- 
senschaftUchen Bestrebungen nicht untreu, und 
würde sich eben durch die Ausführung weiterer 
schwieriger Unternehmungen neue Verdienste 
erworben haben, als ihn im letzten Sommer ein 
Eisenbahnunfall mitten in der Kraft seiner Jahre 
dahinraffte. 

Schliesslich ist zu erwähnen, dass Hr. Dr. 
Nöldeke, bisher Assessor der K. Sodetät, einem 
Rufe als Professor nach Kiel gefolgt ist. 



Es sind nun noch die Namen derjenigen zu 
nennen, die in diesem Jahre zu Mitgliedern, 
Correspondenten und Assessoren der K. Societät 
ernannt worden sind. 

Zu ihrem ordentlichen hiesigen Mit- 
glied für die historisch - philologisdie Classe 
wurde erwählt und von K. Curatorium bestätigt: 
Herr Professor Theodor Benfey. 

Zu auswärtigen Mitgliedern wurden er- 
wählt und von K. Curatorium bestätigt die bis- 
herigen Correspondenten; 



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371 

Carl Theodor von Siebold in München 
Heinrich Wilhelm Dove in Berlin 
August Ferdinand Möbius in Leipzig 
Johann Christian Poggendorff in Berlin 
WilKam Thomson in Glasgow. 
Femer die Herrn: 

Ferdinand Reich in Freiberg 
Samuel Birch in London 
Friedrich Diez in Bonn. 

Zu Correspondenten wurden erwählt: 
August Breithaupt in Freiberg 
Bernhard von Cotta in Freiberg 
Friedrich Adolph Römer in Clausthal 
Carl WUhelm Borchardt in Berlin 
Arttiur C ay 1 e y in Cambridge 
August Clebsch in Giessen 
Andreas von Ettingshausen in Wien 
Wilhelm Gottlieb Hankel in Leipzig 
Morit? Hermann von Jacobi in Petersburg 
Philipp Gustav Jolly in München 
Carl Hermann Knoblauch in Halle 
Heinr. Friedr. Emil Lenz in Petersburg 
Carl Neumann in Basel 
Julius Plücker in Bonn 
Georg Gabriel Stokes in Cambridge 
James Joseph Sylvester in Woolwich 
Theodor Nöldeke in Kiel. 

Zu Assessoren sind ernannt worden: 
Carl von Seebach 
Friedrich Beilstein 
Rudolph Fittig. 



Bezüglich der Preisfragen ist Folgendes zu be- 
richten: Die im December 1862 von der mathe- 
matischen Classe gestellte Preisfrage, die Prim- 



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872 

zahlen betreffend, hat zwei Bearbeiter gefanden. 
Die erste, unter dem Motto (2^^"Y + 1 est etc. 
eingereichte Schrift enthält Irrthümer bei den 
Sddussfolgemngen und den aufgestellten Lehr- 
sätzen, die den Verfasser verhindern, ,in irgend 
einer Weise einen Beitrag zur Lösung der von 
der K. Societät gestellten Frage zu liefern. Es 
kann ihr daher der Preis nicht zuerkannt werden. 
Die zweite, unter dem Motto x7 — x=:i2Q 
eingegangene Schrift lässt von>dem Verf. um so 
weniger einen Fortschritt zur Lösung der Preis- 
aufgabe erwarten, als es demselben nicht gelun- 
gen ist, den von ihm als das allgemeine Gesetz 
der Primzahlen bezeichneten, aber sonst nach 
Format benannten Satz über die Potenzreste 
allgemein zu beweisen. Es kann also auch 
dieser Arbeit der Preis nicht zuerkannt werden. 

Für die nächsten Jahre werden von der K. 
Societät folgende Preisfragen gestellt : 

Für den November 1865 von der histo- 
risch-philologischen Classe: 

Expetit Societas Regia aceuratam historiam 
urbis Damasci ab antiqoissimis temporibns 
nsqne ad eversnm Chalifaram regnom. 

,,Die K. Gesellschaft verlangt: eine aus- 
führliche Geschichte der Stadt Damascus vod 
den ältesten Zeiten bis zum Untergange des 
Chalifenreiches^^ 

Für den November 1866 von der physika- 
lischen Classe, von Neuem aufgegeben; 

Qaum eximiis Gl. Hofmeister investigatio- 
nibus Selaginellae genesis satis cognita sif, 
Lycopodii vero naturae explorandae botanici 
hueusque frustra operam navaverint, deside- 
rat R. S. ot germinatione accarate observatt 



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373 

noYis experimentis iconibasqae microscopicis 
illustretur, quaenam sit Lycopodii sporaram 
functio. et cuinam Cryptogpamorum vascula- 
riam familiae hoc genas rera affin itate jun- 
gatur. 

^,Da durch Hofineister's aasgezeichnete 
Untersuchung die Entwickelungsgeschichte 
der Selagineilen zur Genüge bekannt, eine 

Senauere Kenntniss des Wesens der Lycopo- 
len aber bis jetzt Ton den Botanikern ver- 
gebens erstrebt ist, so wünscht die K. S« 
dass nach sorgfältiger Beobachtung des Kei- 
mens durch die Mittheilung neuer Versuche 
und mikroskopischer Abbildungen die Bedeu- 
tung der Sporen von Lycopodium nachge- 
wiesen und ausgeführt werde, mit welcher 
Familie der kryptogainischen Gefasspflanzen 
diese Gattung wirklich verwandt ist^^. 

Für den November 1867 von der mathe- 
matischen Classe: 

Phaenomenis polarisationis oscillationes par- 
ticularum aethercaruin in lumine transmisso 
transversales esse sumere cogimur. Utrum 
. vero in radio rectilineariter polarisato viae 
. harum oscillationuin contlneantur in piano 
polarisationis an in piano oscillationis ad 
illud perpendiculari, ne nunc quidem theoria 
accurate defiuivit, ac quanquam pcrmulti ex- 
perimentis illud ad liquidum perducere eonati 
sunt, etiam nunc quod certum sit desideratur. 
Optat igitur Socictas Regia, ut novis experi- 
mentis via quammaxime fieri potest directa 
institutis discernatur, utrum in radio polari* 
sato ane^ulus inter plana vibrationis et pola- 
risationis nullus sit an 90 graduum. 

,^Die Polarisations- Erscheinungen machen 



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374 

4ie Annahme Iransrarsaler Sehwingiuigen 
der Aelhertbeitehen während der FortplEbin- 
- zongf des Liehts nothwendig. Die Frage 
aber , ob in eineü geradlinig polarisirten 
Lichtstrahl die Bahnen dieser Schwingnugeo 
lo der Polarisationsebene liegen oder in 
einer dazu senkrechten Schwingungsebene, 
ist yon Seiten der Theorie zur Zeit noch 
unerledigt geblieben, und trotz der yielfachen 
Bemühungen , auf dem Wege des Versuchs 
eine Beantwortung her he izu führen, steht ^ine 
endgültige Entscheidung noch immer zu er- 
warten. Die K. Societät wünscht daher die 
Anstellung neuer Versuche , geeignet auf 
möglichst directe Weise zu entscheiden, ob 
in einem polarisirten Lichtstrahl der Winkel 
zwischen der Vihratlonsebene und der Pola- 
risationsebene Null oder 90^ sei". 

Die Concurrenzschriften müssen vor Ablauf 
des Septembers der bestimmten Jahre an die 
K. Gesellschaft der Wissenschaften portofrei ein- 
gesandt sein, begleitet von einem versiegelten 
Zettel , welcher den Namen und Wohnort des 
Verfassers enthält und mit dem Motto auf dem 
Titel der Schrift versehen ist. 

Der für jede dieser Aufgaben ausgesetzte 
Preis beträgt fünfzig Dukaten. 

Die von dem Verwaltungsrathe der WedeHnd- 
Bchen Preisstiftung für deutsche Geschichte für 
den zweiten Verwaltungszeitraum bestimmten 
Aujjgaben sind in Nr. 8 der vorjährigen Nach- 
richten wiederholt bekannt gemacht worden. 



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»75 



Nekrolog toh Rudolph Wagner*). 

Am 13. Mai d. J. starb Hofrath Rudolph 
Wagner, welcher der Universität Göttingen seit 
Michaelis 1840, der K. Societät der Wissenschaf- 
ten seit 1843 angehörte. Die grossen und blei- 
benden Verdienste dieses hervorragenden Natur- 
forschers um die Zoologie, Physiologie und An- 
thropologie gebührend zu v^ürdigen, bleibt ei- 
ner ausführlicheren Gedächtnissschrift vorbehal- 
ten, in welcher auch die Bedeutung dieses be- 
rühmten Physiologen für die Universität als Lehrer 
und für die Wissenschaft und das Culturleben un- 
serer Nation als Gelehrter und als Mensch dar- 
zustellen sein wird. Wir begnügen uns im Fol- 
genden einstweilen mit einem kurzen Nekrologe, 
welcher eine Uebersicht über den äussern Lebens- 
gang und die wissenschaftliche Thätigkeit Wag- 
ners in allgemeinen Umrissen giebt**). 

*) Von Wagners ältestem Sohne, Prof. Dr. Adolph 
Wagner. 

**) Wenn ich es hier wage, als Sohn deä Verstorbe- 
nen und zugleich als Nichtfachmann diese kleine biogra- 
phische Skizze über meinen Vater zu veröffentlichen, so 
bedarf das wohl einer besonderen Rechtfertigung. Ich 
bin dabei dem Wunsche des Herrn Secretairs der Socie- 
tät nur mit einigem Wiederstreben gefolgt. Jedoch durfte 
ich mir sagen, durch ein jahrelanges ziemlich genaues 
Studium der Geschichte der Physiologie und der Fächer 
meines Vaters überhaupt mir ein begründetes und objec- 
tives Urtheil über die wissenschaftliche Bedeutung mei- 
nes erst in neuerer Zeit so vielfach verkannten Vaters 
zutrauen zu können. Dieses ürtheil ist wissenschaftlich 
competenlen Fachmännern, die keineswegs mif demselben 
philosophischen Standpunkte z. B. in der materialistischen 
Streitfrage mit meinem Vater stehen, von mir unterbrei- 
tet und von ihnen gebilligt worden. Dies ermuthigt 



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376 

• Rudolph Wagner war am 30. Juni 1805 in 
der damfJs noch preussischen Stadt Baireuth als 
der älteste von sechs Söhnen des Gymnasial-Pro- 
fessors Lorenz Heinrich Wagner geboren. Hier 
empfing er seine Schulbildung und absolvirte zu 
Ostern 1821 das Gymnasium zu Augsburg, wohin 
sein Vater kurz vorher als Director versetzt wor- 
den war. Der noch kaum 16jährige Jüngling 
widmete sich zuerst in Erlangen, darauf in Würz- 
burg dem Studium der Medicin. Auf letzterer 
Hochschule gewannen namentlich He^isinger und 
Schönlein grösseren Einfluss auf ihn. Des er- 
steren Vorlesungen über vergleichende Anatomie, 
Encephalotomie u. s. w. hatten nachhaltige Be- 
deutung für W. was dieser selbst noch' nach 30 
Jahren in der Widmung seiner „Neurologischen 
Untersuchungen" an Heusinger mit der ihm ei- 
genen schönen Pietät bekannt hat. Heusinger 
führte den jungen Mediciner auch in seiner Zeit- 
schrift für organische Physik zuerst in die schrift- 
stellerische Thätigkeit ein. Schönlein entzog ihn 
dem Einflüsse der naturphilosophischen Schule. 
Im Januar 1826 promovirteW. zu Würzburg auf 
Grund einer Dissertation über „die weltgeschicht- 
liche Entwickelung der epidemischen und conta- 
giösen Krankheiten und die Gesetze ihrer Ver- 
breitung" (Würzburg 1826), einer, wie es scheint, 
unter Schönleins Einfluss geschriebenen Abhand- 
lung, welche Wagner später in den zweiten Theil 



mich, in die Veröffentlichung dieser Skizze zu willigen. 
Als Sohn aber habe ich mich der erforderlichen Objepti- 
viUt einer solchen Skizze, glaube ich, beflissen und die 
kleinen Schwächen meines unvergesslichen Vaters nicht 
verschwiegen. Die Wärme im Ton der Darstellung 
wird wohl bei dem Sohne entschuldigt werden. 

A. Wagner. 

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377 

seiner „Naturgeschichte desMenschea" verarbei- 
tet hat. 

Die practische Medicin als Benifsfach wählend, 
hatte W. doch namentlich in Würzburg und bald 
darauf in München sich mit Eifer den naturwis- 
senschaftlichen Studien gewidmet. Eine Staats- 
unterstützung setzte ihn in den Stand im Jahre 
1827 nach Paris zu gehen, wo er im Pflanzen- 
garten und besonders im Cabinet für verglei- 
chende Anatomie, auf das Freundlichste unter- 
stützt von George Cuvier, acht Monate haupt- 
sächlich mit zootomischen Arbeiten zubrachte. 
Der junge Mann, welcher später eine so ausge- 
sprochene Vorliebe für bildende Kunst zeigte und, 
sich selbst Vorwürfe wegen seiner vielleicht zu 
grossen Neigung für allgemeine harmonische Aus- 
bildung zugezogen hat, war damals so einseitig 
specialistischer Forscher , dass er sich nicht ein- 
mal die Zeit nahm, Versailles zu besuchen. Cu- 
vier erkannte bald Wagners grosse wissenschaft- 
liche Befähigung und munterte ihn zu einer wis- 
senschaftlichen Reise an denCanal und das Mit- 
telmeer auf. Hier verweilten W. u. a. in Cagliari 
einige Zeit. Seine werthvoUen zoologischen Un- 
tersuchungen , die Früchte dieser Reise, lejikten 
zuerst die Aufmerksamkeit der Fachgenossen in 
weiteren Kreisen auf ihn. 

Trotz dieser schönen Anfänge wissenschaftli- 
cher Thätigkeit fand sich indessen W., mittellos 
wie er war, bei der Rückkehr in das Vaterland 
zu seinem Schmerze auf die gewöhnliche Lauf- 
bahn des practischen Arztes angewiesen. Wirklich 
Hess er sich als solcher im Jahre 1828 in Augs- 
burg nieder. Kurz darauf bot ihm jedoch ein 
Ruf als Prosector des Prof. Fleischmann nach 
Erlangen die willkommene Gelegenheit, die aka- 
demische Laufbahn zu ergreifen. Er begann so- 

28 

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878 

fort im Jahre 1829 Vorlesungen über vei^leichen- 
de Anatomie, welche ihm Fleischmann abgetre- 
ten hatte, zu halten. Sein bedeutender Erfolg 
als Docent und seine literarische Thätigkeit ver- 
schafften ihm bald die Ernennung zum ausseror- 
dentlichen, schon ein Jahr darauf (1832) zum 
ordentlichen Professor der vergleichenden Anato- 
mie und Zoologie und zum Director der zoolo- 
gischen Sammlungen der Universität Erlangen. 

W. entwickelte in diesen Stellungen alsbald 
eiuie wahrhaft erstaunliche, ebenso gedieg^ie, wis- 
senschaftlich selbständige wie höchst umfassende 
literarische Thätigkeit. Dieselbe erwarb ihm ver- 
dienter Massen einen glänzenden Namen in der 
Gelehrtenwelt schon in einem Alter, in welchem 
die Meisten erst beginnen, zum späteren litera- 
rischen Ruf den Grund zu legen. Wagners Blü- 
thenperiode fallt in das Alter vom 25 bis 40sten 
Lebensjahre, 1830 bis 1845. Seine Thätigkeit 
ist um so höher anzuschlagen, weil schon früh 
die schweren körperlichen Leiden sich in Vorboten 
meldeten, welche später die Arbeitskraft des un- 
ermüdlichen Forschers so häufig gelähmt haben. 
Bereits im Jahre 1831 litt er mehrfach an Blut- 
spucken, in demselben Jahre schon, in welchem 
er mit seinem ersten grössern AVerke, den 2 Bän- 
den „Naturgeschichte des Menschen" (Kempten 
1831) hervortrat*}. Später erholteer sich, vom 

*) Den Ursprung seines Brustleidens führte W. selbst 
auf einen noch früheren Zeitpunkt zurück. Auf der Na- 
turforscherversammlung in Heidelberg (1826 oder 1827?) 
bekam er nach Genuas von Wein Nachts einen Anfall 
von heftigstem Herzklopfen, welches ihn nun eine Reihe 
von Jahren heimsuchte und bis in sein spätes Alter pei- 
nigte. Irren wir nicht, so fand auch damals schon das 
erste Blutspucken bei ihm statt, üebrigens war das 
Brustleiden wohl mit angeerbt. W.s geniale Mutter, 



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87« 

Jahre 1834 an brfand er dich mehrere Jahre Iwg 
körperlich am besten. In diese Periode Büi 
audi seine intensivste wissenschaftliche Thätig- 
keit. Schon in den ersten Jahr^n des Göttinger 
Aufenthalts war seine Gesundheit oft gestört. 
Sein rastloser Eifer in jener relativ gesunden 
Epoche seines Lebens mag die späteren Brust- 
und Nerven-Leiden befördert haben. Er war in 
Momenten, wo er sich wohl befand, nur zu ge- 
neigt, seine Kräfte über dasMaass seines schwa- 
chen Körpers anzustrengen. Sein höchst precä- 
rer Gesundheitszustand erklärt auch in dem per- 
sönlichen und wissenschaftlichen Auftreten Ws. 
Manches, was ihm mitunter eine ungünstige Be- 
urtheilung zugezogen hat, z. B. bei Gelegenheit 
seiner Unpässlichkeit auf der Göttinger Natur- 
forscherversammlung, was so ungerecht gegen ihn 
ausgebeutet wurde. Auch die literarischen Ar- 
beiten W.s waren in den ersten Jahren seines 
Lehrberufs vorzüglich zoologische und vergleichend 
anatomische. Mehrfache Reisen an das Mittel- 
und adriati^e Meer und die Nordsee wurden 
für die Untersuchungen an niederen Seethieren 
unternommen. Zahlreiche Aufsätze der Fachzeit- 
schriften un<} Abhandlungen der Müncbener Aka- 
demie enthalten die Resultate dieser Forschun- 

welche för die geistige Ausbildung ihrer Söhne von gross- 
tem Einflüsse war, litt ebenfalls an den heftigsten Blut- 
stürzen, erreichte aber dennoch, bei grosser körperlicher 
Schwäche und regster Geistesfrische, ein Alter von 79 
Jahren. Zwei von W.s Brüdern starben im Alter von 
einigen 20 Jahren an der Schwindsucht. Auch die ande- 
ren Brüder besassen Jkeine kraftigen Constitutionen. Einer, 
der Pfarrer Emil W. , starb an einem schweren Ünter- 
leibsleiden schon 1848. Der einzige W. überlebende 
Bruder, zugleich der jüngste, ist Moritz Wagneir, der 
Reisende. W.s Vater war ebenfalls kein sehr kraftiger 
Mann, welcher im Alter von 66 Jahren 1841 starb. 

28* 

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880 

gen. W.s nächste selbststSndig pnblicirte Ar- 
beiten sind seine „Beiträge zur vergleichenden 
Physiologie des Bltits", besonders über Blutköm- 
chen, Blutbildung und Blutbahn (Leipzig 1832 
1833, Nachträge 1838), femer die „partium ele- 
mentarium organicarum quae sunt in homine at- 
que animalibus mensiones micrometricae" (Leipz. 
1834.) Seine zoologischen und vergleichend — 
anatomischen Studien, welche ihn mit Ehrenberg, 
Joh. Müller, E. H. Weber, Valentin, in vielfache 
Verbindung gebracht hatten, fasste W. darauf 
in dem „Lehrbuch der vergleichenden Anatomie" 
(Leipzig 2. Thl. 1834 — 35) zusammen- Dieses 
Werk zeichnete sich durch sorgfaltige Verarbei- 
tung des wissenschaftlichen Materials, weise und 
umsichtige Critik fremder Arbeiten und besonders 
durch eine Fülle von eigenen Beobachtungen und 
neuen Forschungen aus. Seiner seltenen Klar- 
heit und der gedrängten Kürze der Sprache we- 
gen entsprach es wie W.s Lehrbuch der Physio- 
logie seinem unmittelbaren Zwecke trefflich. 
Seinem Verfasser verschaffte es sofort einen her- 
vorragenden Platz unter den Zoologen seiner Zeit. 
Von diesem Werke kam im Jahre 1843 eine um- 
gearbeitete neue Aullage u. d. T. „Lehrbuch der 
Zootomie" heraus. W. hat hiervon aber nur die 
erste Hälfte, das „Lehrbuch der Anatomie der 
Wirbelthiere" selbst bearbeitet. Seine damalige 
Prorectoratsthätigkeit und seine baldige Erkran- 
kung veranlassten die Bearbeitung des 2ten Theils 
(wirbellose Thiere) durch W.s berühmte Schüler, 
Frey und Leukart. Die Anatomie der Wirbel- 
thiere übersetzte Tulk in's Englische. An das 
Lehrbuch schloss sich ein weiteres sehr wichti- 
ges Werk von W. an, seine Icones zootomicae 
(Leipzig 1841), das eine bleibende Stelle unter 
den Abbildungswerken behauptet hat. 

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381 

Wenn man die Naturforscher und die Gelehr- 
ten aller Fächer überhaupt in solche unterschei- 
det, welche es lieben, auf gewissen Gebieten nach 
Art der Pioniere vorzugehen, den Weg zu zeigen, 
sich in der Hauptsache zu orientiren , dann aber 
das Feld zur weiteren Durchsuchung Anderen zu 
überlassen, und in solche, welche jede einmal 
begonnene Arbeit bis zu ihrem letzten Punkte 
verfolgen, bei jedem Nebenpunkte verweilen. Al- 
les und Jedes bis in das Kleinste durchforschen, 
aber auch leicht über ein in Angriff genomme- 
nes Thema nicht hinauskommen, so gehörte W. 
wohl zu der ersten Classe. Diese beiden Rich- 
tungen beruhen auf verschiedenen Naturanlagen 
für die wissenschaftliche Forschung sowohl, wie 
auf verschiedenen Temperamenten. Beide zeich- 
nen sich durch eigenthümliche Vorzüge aus, bei- 
den haften aber auch Nachtheile und Mängel an. 
Im Ganzen jedoch ist die erstere Richtung wohl 
die der superioren Geister. W.s rasche Beobach- 
tungsgabe, sein intuitiver Blick, sein leicht erreg- 
bares Naturell mögen ihn mitunter etwas zu 
rasch zum vorläufigen Abschluss seiner Arbeiten 
geführt haben. Seine sich eben so sehr aus sei- 
ner Geistesanlage, wie leider aus seinem stets 
precären Gesundheitszustand erklärende Neigung, 
auf spätere speciellere Arbeiten zu verweisen, 
welche nicht immer zu Stande gekommen sind, 
haben seinen Gegnern mehr als einmal den An- 
lass zu Angriffen gegeben. Aber der billig den- 
kende wird gerade in der Art und Richtung des 
Arbeitens dem Naturell einen gebührenden Spiel- 
raum zugestehn. W. ist, wenn er ein Gebiet 
verliess, immer sofort zur Bearbeitung eines an- 
deren übergegangen und hat dadurch den anre- 
gendsten Einfluss als Schriftsteller wie als Leh- 
rer ausgeübt, ein Einfluss, welcher selbst durch 



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382 

seine subjective Schreibweise wohl vergrössert 
worden ist. 

So fanden denn auch seine zoologischen lite- 
rarischen Arbeiten in dem Lehrbuche in der Haupt- 
sache ihren Abscbhiss. Er wandte sich vorzugs- 
weise und bald mit noch grösserem Erfolge der 
Physiologie zu. In die Jahre 1835 u. f. fallen 
seine epoche - machenden Untersuchungen zur 
Physiologie der Zeugung und zurEntwickehmgs- 
geschichte, welche er in den Abhandlungen der 
Mtinchener Akademie, in dem Prodromus Itistoriae 
generationis hominis atque animaHum" (Leipz. 
1836) und bald darauf zusammenfassend in der 
zu Leipzig i. J. 1838 erschienenen ersten Abthei- 
lung seines berühmten L^buchs der spedellen 
Physiologie, „von der Zeugung und Entwicklung^' 
niederle^. 1840 und 1841 folgten diä beiden 
anderen Abtheilungeü dieses Lehrbuchs. Sdion 
ein Jahr darauf erschien eine zweite, 1845, ver- 
zögert durch andere Arbeiten und Beschäftigun- 
gen und noch während seiner schweren Erkran- 
kung im Sommer 1845 zum Abschluss gebracht, 
eine dritte Auflage. Gleich die. erste Auflage 
wurde in das Französische und zweimal in das 
Englische keinmal in Nordamerika), später auch 
in^s Kussiscne und Griechische übersetzt. Gleich- 
zeitig mit dem Lehrbuche begann und vollendete 
W. seine viel benutzten Icones physiologicae, Er- 
läuterungstafeln zur Physiologie und Entwicklungs- 
geschichte (Leipz. 18391. Mit diesen verschiede- 
ne^ physiologischen Arbeiten verschaffte sich W. 
einen der ersten Plätze unter den Physiologen 
seiner Zeit. In demselben Jahre 1839 begann er 
die üebersetzung von Prichard's „Naturgeschich- 
te des Menschen'' mit Anmerkungen und Zu- 
sätzen, gemeinschaftlich mit Will, zum Zwecke 
der Ergänzung des allgemeinen Theils seiner Plxy- 



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883 

siologie. Mitten unter diesen Arbeiten fand er 
noch Müsse zur Abfassung eines „Grundrisses 
der Encyclopädie und Methodologie der medici- 
nisdien Wissenschafken nach geschichtlicher An- 
sicht" (Erlangen 1838, u. A. in's Dänische über- 
setzt), welcher von seinem Sini^ für und seiner 
Kenntniss in der Geschichte derMedicin und der 
Naturwissenschafken Zeugniss ablegt. Femer be- 
theiligte er sich an der Herausgabe vonSömme- 
ring's berühmten anatomischem Werke durch üe- 
bemahme der Revision des ersten Bandes (Lehre 
yon den Knochen und Bändern, Leipzig 1839). 
Später besorgte er zu diesem Werke die Zusam- 
menstellung des Briefwechsels von Sömmering und 
seinen berühmten Zeitgenossen und sdirieb eine 
anziehende, von Yamhagen wohl gewürdigte 
kurze Biographie dieses grossen Anatomen, eine 
Schrift, welche W.s LiebKngaarbeit geblieben ist 
(Leipz. 1844). 

Diese umfassende und gediegene literarische 
Thätigkeit W.s war von einer nicht minder er- 
folgreichen begleitet, die er als Döcent und be* 
sonders auch als anregender Lehrer und Leiter 
strebsamer und talentvoller junger Naturforscher 
übte. W.s Name zählte bald zu den der gefei- 
ertsten Physiologen und Zoologen Deutschlands ne- 
ben dem Johannes Müllers, d^s ihm nahe stehen-^ 
den, von ihm selbst so ausserordentlich hoch ge- 
stellten grossen Forschers. So wurde W. denn auch 
im Jahre 1840 zum Nachfolger Blumenbach's 
ausersehen, eine schmeichelhaJfce Wahl, welche 
er, der mehrere Rufe kurz zuvor ausgeschlagen, 
auch annahm. Leider war es dem damals erst 
35 jährigen Manne nur 5 Jahre lang vergönnt, 
wenigstens bei einigermassen leidlichem Befinden 
seine Kräfke der Georgia Aügusta zu widmen. 
Seine Stellung in Göttingen, sein Erfolg alsLeh* 



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384 

rer und Schriftsteller waren die bedeutendsten. 
Sein Einfluss auf seine speciellen Schüler, von 
denen eine ganze Anzahl heute hervorragende 
Plätze in der wissenschaftlichen Welt einnehmen 
und mit ihrem früheren Lehrer fast ausnahmlos in 
dnem schönen persönlichen Verhältniss geblieben 
sind, war gross, wie dies in den zahlreichen Wid- 
mungen von Schriften von den Betreflenden selbst 
anerkannt worden ist. Neben seiner wissen- 
schaftlichen Seite war es besonders seine anre- 
gende Persönlichkeit und sein liebevolles Interes- 
se, welche ihm talentvolle Schüler zuführten. 
Erst später, nach trüben Erfahrungen, ist dies 
Interesse geschwunden. W. stand damals imZe- 
nith seiner äusseren Laufbahn. Die von ihm be- 
triebene Errichtung des physiologischen Instituts, 
immer noch eines der frühesten in Deutschland, 
seine Wirksamkeit an demselben, sein zweijähri- 
ges Prorectorat, 1844—1845, sein Verhältniss zu 
Hoppenstedt und König Ernst August sind Mo- 
mente, welche für die Geschichte der Universi- 
tät eine nachhaltige Bedeutung gewinnen sollten. 
Es ist hier nicht die Aufgabe, von W.s Thätig- 
keit in den üniversitäts- Angelegenheiten zu spre- 
chen, worüber später mitunter getheilte Ansich- 
ten laut geworden sind. Damals sprachen Stadt 
und Universität in dem glänzenden Empfang, wel- 
chen sie ihm bereiteten, als er leider nur schein- 
bar genesen im Juni 1847 aus Italien zurück- 
kehrte, dem verdienten Manne jedenfalls ihren 
unzweideutigen Dank aus. 

Schon in den ersten Jahren des Göttinger 
Aufenthalts wurde W.s literarische Thätigkeit 
mannichfach durch schlechte Gesundheit gelähmt. 
Ausser den bereits erwähnten Fortsetzungen der 
noch in Erlangen begonnenen grösseren Arbeiten 
beschäftigte ihn namentlich das Handwörterbuch 



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385 

der Physiologie (seit 1842). Leider sollte ihm 
zunächst durch seine administrative Thätigkeit 
an der Universität, bald durch sein andauerndes 
Siechthum nur in beschränktem Maasse eine Theil- 
nahme mit eigenen Arbeiten an diesem gross- 
artigen wissenschaftlichen Unternehmen gestat- 
tet sein. Nur ein grösserer Artikel, über den 
sympathischen Nerven, Ganglienstructur und Ner- 
venendigung, rührt neben Nachträgen und Zu- 
sätzen von ihm her. W. hat beim Abschlüsse 
des Werks (1852) seine Thäti^eit selbst nur 
als die eines Geschäftsführers bezeichnet, der die 
Capitalisten för sein grosses Actienunternehmen 
unter den bedeutenden physiologischen Capacitäten 
gewonnen habe, — eine Bescheidenheit, welche 
dennoch rohen Gegnern zum Angriffspunkt gedient 
hat. W. konnte sich mit dem guten Bewusstsein 
begnügen, dassihm seine berühmtesten Fachgenos- 
sen das Zeugniss gaben, wie er allein der Mann 
sei, die überaus schwierige Herausgabe eines 
solchen Werks zu übernehmen. Er durfte sich 
auch sagen, dass er bei seinen schwachen phy- 
sischen Kräften unter dem Druck schwerer kör- 
perlicher Leiden noch Arbeiten von bleibendem 
Werthe zu einer Zeit schüfe, in welcher Andere 
vollständig wissenschaftlich unthätig geworden 
wären. 

Die Führung des Prorectorats war übrigens in 
jeder Beziehung für W. ein Lebensabschnitt. 
Seine früher rein specialistische Richtung war 
schon in den letzten Jahren mehr in eine Rich- 
tung auf das Allgemeine übergegangen , — eine 
Entwicklung mit fortschreitendem Alter, welche 
man häufig bei Fachgelehrten, besonders bei Na- 
turforschem findet, welche aber bei W, gemäss 
seiner früheren und rascheren Geistesentfaltung, 
auch früher eingetreten ist. Mit Vorliebe wen- 



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386 

dete er sich z. B. damak dem Studium der bil- 
denden Künste und ihrer Geschichte, später der 
Literaturgeschichte und der classischen deutschen 
Literatur zu, wie dieser Mann denn, unter wel- 
chem die Parteileidenschaft später so gern sich 
einen fanatisch orthodoxen, pietistischen Finster- 
ling und Feind jeder rein menschlich schönen Ent- 
wicklung vorstellte , der grösste Verehrer Goethes 
und ein trefflicher Kenner der gesammten Goe- 
theliteratur war. Das Prorectorat führte ihn den 
Leiden und Freuden der Administration zu, eine 
Thätigkeit, deren allgemeine und fiir sein Natu- 
rell vielleicht noch grösseren Gefahren, zumal für 
einen Fachgelehrten und innerhalb von üniversi- 
tätsverhältnissen, er schon damals mcht verkann- 
te. Seine nahe und einflussreiche Verbindung 
mit Hoppenstedt, zu welcher der letztere indes- 
sen durchaus den Impuls gab, ermöglichte ihm 
einen genauen Einblick in die Verwaltungsange- 
legenheiten der deutschen Universitäten überhaupt. 
W. hat dafür immer eine gewisse Vorliebe be- 
halten, später aber auch wohl mitunter bereut, 
dass er durch jene Verbindung noch mehr für 
fremdartige, ausserhalb seines Fachs liegende 
Dinge ein Int^esse gewonnen, welches olmehin 
sdbon in seinem Naturell so bedeutungsvoll an- 
gelegt war. In seiner kleinen Biographie Hop- 
penstedt's (1858) hat er dem verehrten Gönnern 
und seinem eigenen pietätvollen Sinne ein schö- 
nes Denkmal gesetzt. Schon damals, in der Mitte 
der 40er Jahre stand W, auch in lebhaftem Brief- 
wechsel mit Fachgenössen und anderen hervor- 
ragenden Männern seiner Zeit. Oeftere Reisen 
führten den lebendigen, geistvollen imd im per- 
sönlichen Umgange höchst anregenden Mann zu 
zahlreichen persönlichen Bekanntschaften aus den 
verschiedensten Kreisen der gebildeten Stände. 



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88T 

Ein grosser Zug der Anhänglichkeit zu einmal 
gewonnenen Freunden und Bekannten Hess ihi 
Niemand so leicht wieder verlieren, dem er ein- 
mal näher getreten war. Sein Briefwechsel mit 
Personen in den verschiedensten Lebensstellun- 
gen in und ausserhalb Deutschlands hat deshalb 
Etwas von dem Character der Briefwechel in der 
clai§sischen deutschen Litferaturperiode an sich; 
Politik, Religion, Wissenschaft, Eiinst, sociale 
Lebensverhältnisse werden darin geistvoll' behan- 
delt. 

Leider trug die Proreetoratsthätigkeit auch 
dazu bei, das lange vorbereitete Brustübel W.s 
zum Ausbrüche zu bringen. Kurz nach dem 
folgenreidien Besuche des Königs in Göttingen 
erfa-ankte W. im Juli 1845 schwer am Blut- 
sturze. Die physischen Strapazen in der Hitze 
des Hochsommers . mochten das Uebel beschleu- 
nigt haben. Nach einem wirkungslosen Besudhe 
von Ems erhielt der tödthch Kranke längeren, 
schliesslich bis Mitte 1847 ausgedehnten Urlaub 
fdr einen Aufenthalt in Italien. 

Dieser Aufenthalt, bei welchem sich W. bald 
wieder verhältnissmässig erholte, wie denn der 
Schwäche seiner körperlichen Constitution nur 
deren gleiclizeitige Zähigkeit gleich kam^ war 
för W. als Menschen von grösster nachhaltig- 
ster Bedeutung. Sein reicher, stets wieder spann- 
kräffciger Geist fand überall Anregung und Nah- 
rung. Seine Neigung für allseitige, harmonische 
Ausbildung, sein Interesse an AUem^ was auch 
über das Gelehrtenthum hinaus die Menschen 
und die Welt bewegte, konnten sich in dem 
herrlichen Lande, in welchem bereits die schwe- 
ren politischen Kämpfe der aächsten Zeit kaum, 
verborgen sidi vorbereiteten ^ toirtreflflich bethä- 
tigen. W. nahm hier Eindrücke auf und bekam 



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888 

Impulse, welcl^e für seine spätere literarische 
Thätigkeit auch innerhalb seiner Fachdisciplmen 
von Einfluss gewesen sind. Sehr bald begann 
er audi in Italien wieder seine physiologischen 
Arbeiten weiter zu fuhren. Es war namentlich 
die feinere Nervenphysiologie, zu welcher er sidi 
schon in Göttingen in letzter Zeit hingewandt 
hatte , die ihn beschäftigte. Die Nähe der See, 
die Möglichkeit, leicht und oft Seethiere, beson- 
ders den Zitterrochen in frischem Zustande er- 
halten ^u können, die Bekanntschaft mit Scacchi 
und Matteucci fiihrten in Pisa und Lucca zu 
den schönen Untersuchungen W.s über die pri- 
mitiven Elemente der Nerven und ihre Function, 
die Structur der Ganglien, den feineren Bau des 
electrischen Organs im Zitterrochen« Er pubU- 
cirte diese und spätere Arbeiten meistens in 
den Abhandlungen und den Nachrichten der So- 
cietät. Diese Forschungen bildeten gleichzeitig 
den Ausgangspunkt für W.s classische neurolo- 
gische Untersuchungen, für seine , Arbeiten zur 
Revision der Histologie des Nervensystems, über 
Innervation des Herzens, seine Untersuchung der 
Endausbreitung der sensitiven Nerven, seine und 
Meissner's Entdeckung der Tastkörperchen, seine 
Studien über die Elementarorganisation des Ge- 
hirns. Diese im genauen inneren Zusammenhang 
stehenden Arbeiten wurden im Laufe der näch- 
sten Jahre (bis 1854) veröffentlicht \mä sind 
grossentheils gesammelt in W.s „neurologischen 
Untersuchungen" TGöttingen 1854). Diese For- 
schungen sind aucn von Vertretern der neueren 
physicalischen Schule unter den Physiologen „zu 
dem Bedeutendsten und Wichtigsten gezählt wor- 
den, was in neuerer Zeit in dieser Richtung ge- 
leistet ist^'. W. hat sich damit in der GescUchte 



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889 

der Nervenphysiologie einen bleibenden Namen 
erworben. 

Noch in Italien wurde W. im Jahre 1846 
von einer schweren Bronchitis befallen, eine 
Krankheit; welche ihn von nun an fast periodisch, 
wenn auch in grösseren Intervallen, heiAisuchen 
und schliesslich seiner Ahnung gemäss die mit- 
wirkende Ursache seines Todes werden sollte. 
Im Sommer 1847 nach Göttingen zurückgekehrt 
nahm er im Herbste seine physiologischen Vor- 
lesungen und praktischen Uebungen, bei welchen 
letzteren es ihm niemals an einer Anzahl be- 
gabter Schüler fehlte, mit dem früheren Erfolge 
wieder auf und führte sie, obgleich schon im 
ersten Winter und dann wiederholt sein altes 
Brustübel Störungen verursachte, so längere 
Jahre weiter. Wir heben dies gegenüber der 
Behauptung hervor, dass W.s Lehrerfolg gleich 
nach der Rückkehr aus Italien vermindert ge- 
wesen sei. Kurze Zeit, bevor Henle berulen 
wurde, hatte W. auch die anatomischen Vorle- 
sungen übernommen. 

Mittlerweile bereitete sich in W.s literari- 
scher Thätigkeit eine Wendung vor, welche ihm 
ohne Zweifel in weiteren Kreisen, namentlich bei 
Fachgenossen, geschadet hat und seinen Namen 
bald zum Gegenstande des lebhaftesten und lei- 
denschaftlichsten Parteistreits machen sollte. Es 
ist bekannt, welche hervorragende Stelle W. in 
der Fehde über den Materialismus im letzten 
Jahrzehend gespielt hat. Beurtheilte man W.s 
Theilnahme an diesem Streite nur nach den 
mancherlei bitteren Erfahrungen und den gemei- 
nen Schmähungen, welche der Hass der Feinde, 
dem die Lauheit der Freunde wenig in den Weg 
stellte, über W. ausgegossen hat, so würde man 
W.s Auftreten mindestens als ein unkluges be- 



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890 

zeichnen mfisseii, weldi^s ihm jlüsserlicli fast 
nur Schaden gebracht hat. Urtheilt man dage- 
gen nadi den sittlich edlen Motiven, welche W. 
trotz der nicht zu läugnenden Form- und sach- 
lichen Fehler, in die er gefallen ist, geleitet ha- 
ben , so wird man dagegen in W.s Theilnahme 
an dem Kampfe wider die materiaHstiscbe Auf- 
fassung dne notiiwendige Entwicklungsphase des 
Mannes erkennen und sein muthiges Hervortre- 
ten zu einer Zeit und in einer Sache, in weldier 
es ohne Menschenfurcht beliebten Tagesmeinun- 
gen zu opponiren galt, ihm nur um so höher an- 
rechnen, je mehr er selbst Unannehmlichkeiten 
davon haben sollte.* Wer wirtlich unparteiisch 
ist, wird sich diesem ürtheil anschliessen können, 
er möge sonst in der Streitfrage selbst welchen 
Standpunkt immer einnehmen. 

W.S nervenphysiologische und gehimanato- 
mische Studien fährten ihn unmittelbar von sei- 
nem Fache aus gerade im Beginn der 50er Jahre 
auf die alten ungelösten Fragen vom Zusam- 
menhang zwischen Leib und Seele, vom Wesen 
der Seele, von den psychischen Functionen. In 
den viel bekrittelten „Physiologischen Briefen" 
in der Allgemeinen Zeitung, welche trotz ihrer 
von W. sdbst bereitwillig zugestandenen Mängel 
der Form und der abspringenden Darstellung 
dennoch unläu^ar grosse Aufmerksamkeit fan- 
den und in mehrere fremde Sprachen übersetzt 
wurden, trat W. etwas unvorsichtig mit diesen 
Fragen vor ein grösseres Publikum. Auf der 
anderen Seite war, wie bereits angedeutet, W. 
damals mehr und mehr in eine Richtung auf 
allgemeine Fragen und Probleane, insbesondre 
unter dem Einflüsse seines italienischen Aufentr 
halts gekommen. Sein schwankender Gesund- 
heitszustand mag die Beschäftigung mit diesen 



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sei 

Problemen gefordert liaben, wie es ohne Zweifel 
sein von jeher streng ^äubiger christlicher Stand* 
punkt gethan hat. Angesichts der jetzt so be- 
liebten Behauptung, eine gläubige AiäPassung bei 
hervorragenden Naturforschem auf die Abnahme 
der Geisteskräfte des alternden Mannes, auf 
„Atrophie des Gehirns" zurückzufuhren, mag 
hervorgehoben werden, dass W. bereits gläubig 
war, als er mit seinen ersten Schriften hervor- 
trat, zu einer Zeit, wo- auch spätere erbitterte 
Gegner seinen Namen imter die bedeutenden 
Forscher reiheten und W. offenkundig ihre Hoch- 
achtung zu erkennen gaben. Aus den Vorreden 
zu mehreren seiner früheren Schriften ergiebt 
sich, dass W. sich dieses seines Standpunkts vor 
Fachgenossen auch früher niemals geschämt hat. 
Die angedeuteten Momente machen es begreiflich, 
dass W. damals, im Beginn des vorigen Jahr- 
zehends, in offenen Conflict mit dem sich breit- 
machenden naturwissenschaftlichen Materialismus 
vornehmlich derer, welche ihre Aufgabe in der 
Popularisirung der Naturwissenschaften und der 
Verbreitung des Materialismus unter den Laien 
suchten, bei der ersten sich darbietenden Gele- 
genheit gerathen musste. 

Diese Gelegenheit fand sich, wie bekannt, auf 
der Gtittinger Naturforscherversammlung im Herbst 
1854. W's Vortrag über „Menschenschöpfung 
und Seelensubstanz", der bald darauf im Druck 
erschien und eine ausserordentliche Verbreitung 
erlangte^ seine zweite kleine Schrift über „Glau- 
ben und Wissen", mit der sich W. nicht auf ein 
ihm nicht gehörig vertrautes philosophisches Ge- 
biet, wie er selbst später einsah, hätte begeben 
sollen, sein ein halbes Jahr später ausbrechen- 
der literarischer Streit mit C. Vogt, gaben den 
Anlass zu einen gewaltigen Bewegung unter Na- 



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S92 

turforschem und Laien und erhoben mit einem 
Schlage die uralte materialistische Streitfrage 
auf die Tagesordnung des literarischen Deutsch- 
lands des 19. Jahrhunderts. Es ist hier nicht 
der Ort, auf diesen Streit näher einzugehen. 
W. hat auch seinerseits wohl nicht immer die 
richtige Form gewahrt, und in seinen Schriften 
auch sachliche Fehler begangen. Aber jeden- 
falls ist er gegen den hauptsächlichsten Vorwurf 
in Schutz zu nehmen, dass er nämlich naturwis- 
senschaftlichen Thatsachen Zwang zum Beweise 
bibhscher Sätze anthun wollte *). W. ist nur 
gegenüber den materialistischen allzu fertigen 
Behauptungen und dem Dogmatismus der Mate- 
rialisten überhaupt mit der Gegenerklärung auf- 
getreten, dass der gegenwärtige Standpunkt der 
Naturwissenschaften in gewissen Controversen, 
z. B. über das Wesen der Seele, über die Ein- 
heit des Menschengeschlechts in Betreff der ma- 
terialistischen nicht minder wie der entgegenge- 
setzten Auffassung nur ein „non liquet" auszu- 
sprechen gestatte. Er plädirte, wie viele bedeu- 
tende Naturforscher mit ihm, für den Standpunkt 
des nescio, anstatt des nego der Naturwissen- 
schaften in diesen Dingen. Diese Ansicht ver- 
tritt er namentlich noch in seiner letzten, gröss- 
ten Schrift über diese Fragen, in dem „Kampf 
um die Seele vom Standpunkte der Wissenschaft" 
(Göttingen 1857), worin er auch seine Untersu- 
chungen über die Elementarorganisation des Ge- 
hirns zusammenfasste, — eine Schrift, deren ru- 
hige Objectivität und anständige Form zugleich 

*) Vollkommen unbegründet ist der Vorwurf, W. liabe 
gegen den Materialismus die Hülfe des Senats aufgerufen. 
Im Gegentbeil verbittet er sich jede polizeiliche Inhibi- 
tion der „Geisterschlacht" noch ausdrücklich in der Vor- 
rede der Schrift „Der Kampf um die Seele.** 



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S93 

auf das Vortheilhafteste von der Angriffsweise 
der Gegner absticht. Die wissenschaftliche Be- 
deutung von Ws Streitschriften wird, wie immer 
in solchen Fällen, nach dem Standpunkte ver- 
schieden beurtheilt werden. Sie ist von der einen 
Seite gerade so erhoben, wie von der anderen 
verlästert worden. W. selbst war sich der Män- 
gel und Lücken seiner philosophischen Bildung 
wohl bewusst, er spricht sich darüber mehrfach 
sehr bescheiden aus und suchte sie durch ernst- 
liche Studien später noch zu verbessern. Jeden- 
falls griff W» mit seinen Schriften sehr bedeut- 
sam in die geistige Bewegung des letzten Jahr- 
zehnds ein. Der von ihm angeregte Kampf für 
und wider den Materialismus bildet eine bedeu- 
tungsvolle Phase in der Literatur- und Cultur- 
geschichte der deutschen Nation im 19. Jahr- 
hundert. 

Auf W.s öffentliche Stellung und Lehrthätig- 
keit hatte dieser Streit eine Zeitlang wenigstens 
einen unläugbar ungünstigen Einfluss. Der Mann, 
welcher auf äussere Anerkennung wohl Werth 
legte, hatte manche schwere Stunde, aber doch 
niemals einen Gedanken der Reue über ein Auf- 
treten, das er für sittliche und christliche Pflicht 
gehalten. Zunehmende Körperleiden traten in 
diesen letzten 10 Jahren seines Lebens hinzu; 
zu dem alten Brustleiden, das immer wieder zum 
Vorschein kam, gesellten sich Hambeschwerden, 
allgemeine Nervenleiden, wiederholte Bronchitis. 
W. war keinen Tag seiner Gesundheit sicher. 
Dem thätigen Geiste ward die regelmässige Lehr- 
thätigkeit und die gleichmässige literarische Ar- 
beit, zumal auf einem in so rascher Umwand- 
lung begriffenen Gebiete, wie dem der Physiolo- 
gie, immer schwerer, da ihm meistens nur ein- 
zelne Stunden leidlichen Wohlseins am Tage blie- 

29 

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S»4 

ben, wo er dann so leicht sich wieder übenm- 
strengte. So trat er denn schon 1854 die Bear« 
beitung der 4. Auflage seines Lehrbuchs der Phy« 
siologie an Funke ab. ]^ach einer ausserordent* 
lieh schweren Bronchitis, der er kaum mit dem 
Leben entrann , ergriff er zu Anfang 1860 selbst 
die Initiative zur Berufung eines neuen Physiolo- 
gen. Dieser Schritt führte zu einer Trennung 
des physiologischen Instituts, W. trat die Phy- 
siologie fast vollständig ab und behielt nur die 
Zootomie und Anthropologie für sich, so am frü- 
hen Abend seines Lebens sich wieder den Ge- 
bieten zuwendend, von welchen er vor 30 Jah- 
ren ausgegangen war. 

Auch auf diesem Felde war seine Thätigkeit 
bald wieder eine sehr lebhafte, zumal mit Rück- 
sicht auf sein fast stets elendes Befinden. Seine 
neurologischen Arbeiten und die physiologischen 
Punkte in der materialistischen Streitfrage führ- 
ten ihn mit Eifer den hirnanatomischen, dieBlu- 
menbach'sche Schädelsammlung den craniologi- 
schen Studien wieder zu. Die Resultate, na- 
mentlich der ersteren, hat er in einer längeren 
Reihe „Kritischer und experimenteller .Untersu- 
chungen über die Funktionen des Gehirns" in 
diesen „Nachrichten" und in zwei grösseren Ab- 
handlungen in den Societätsschriften, „Vorstu- 
dien zu einer wissenschaftlichen Morphologie des 
menschlichen Gehirns als Seelenorgan" (1860 und 
1862) niedergelegt. Diese Arbeiten leiteten mit 
denen von Huschige und Gratiolet eine neue Phase 
in der Kenntniss der Anatomie des Gehirns ein 
und fanden auch bei Gegnern eine grosse Be- 
achtung. 

Die Darwin'sche Hypothese, die Arbeiten 
von Retzius, Bär, die persönliche Anregung des 
letztem führten W. zu verschiedenen kleinen Ar- 

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395 

beiten über Schädelbildung und Messung, ktt- 
begriff u. s. w. , (u. A. ,.Zoologisch - anthropol. 
Untersuchungen*' 1861). "W. hat auch durch diese 
Arbeiten, von denen einige schon wegen seines 
z. B. in der Speciesfrage antidarwin'schen Stand- 
punkts freilich lebhaften Widerspruch fanden, 
manche neue Anregung, durch seine Gehirnun- 
tersuchungen, wie gesagt, der Forschung einen 
bedeutenden Impuls gegeben. Namentlich mit 
französischen und englischen Gelehrten, mit der 
Pariser und Londoner anthropologischen Gesell- 
schaft knüpfte er noch am Schlüsse seines Le- 
bens den regsten wissenschaftlichen Verkehr an. 
Mit seinem noch spät gewonnenen Freunde K. 
E. von Bär in Petersburg betrieb er die Zusam- 
menkunft eines kleinen anthropologischen Con- 
gresses im September 1861 in Göttingen, welcher 
von fruchtbarem Erfolge für die Wissenschaft ge- 
worden ist. In diesen und verwandten Studien, 
z. B. über Pfahlbauten, Fundorte alter Gräber 
u. s.w. begegneten sich' sein Fachinteresse und 
seine mehr und mehr hervortretende Liebe für 
geschichtliche und naturphilosophische Fragen. 
Mancherlei weitere Pläne in dieser Richtung, wie 
namentlich die Anordnung einer internationalen 
Schädelausstellung, welche für den Herbst 1864 
in Göttingen beabsichtigt war, — ein Gedanke, 
der sich in und ausserhalb Deutschlands des gross* 
ten Beifalls erfreute — hegte W. noch. Sie wer- 
den nun wohl alle unausgeführt bleiben und ha- 
ben nur noch das historische Interesse, Zeugniss 
von der 'geistigen Lebendigkeit und von der 
grossen Gabe W's zu geben, auch eine gewisser- 
massen practische Initiative in wissenschaftlichen 
Dingen zu ergreifen. 

W's Gesundheitszustand wurde indessen im- 
mer schlechter. Hatte er früher noch gute Wo- 



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396 

eben, so jetzt kaum mehr gute Tage, wo seine 
ganze geistige Lebhaftigkeit alsdann wieder her- 
vortrat. Wer ihn in solchen Stunden sah, glaubte 
schwer an sein wirklich elendes Befinden. 
Aeussere Anregung, liess ihn sich nur zu leicht 
aufraflfen, worauf bald eine um so grössere Re- 
action erfolgte. So entschloss er sich, am Schlüsse 
des Wintersemesters 18^V«3, — ^ es sollte sein 
letztes wenigstens halbactives sein — , wo er nur 
noch ein einstündiges CoUeg über das Gehirn 
gelesen, noch einmai für den Sommer 1863 Ur- 
laub zu nehmen. Er benutzte denselben zu ei- 
nem längeren Landaufenthalte bei Münden, wel- 
cher ihm sehr gut that. Hier verwendete er 
seine Müsse zu einem edlen, aber erfolglosen 
Streben, einer würdigen populären Volksliteratur 
zum Aufschwung zu verhelfen, durch sehr hübsch 
geschriebene naturwissenschaftliche Beiträge für 
eine neue Wochenschrift „Germania." Eine Her- 
zensangelegenheit für ihn, zu deren Förderung 
er selbst etwas aufdringlich zu sein nicht scheute, 
um der Sache Interesse, Mitarbeiter und Abon- 
nenten zu erwerben, voraussichtlich ohne jede 
Aussicht auf einen äusseren Lohn seiner Mühe. 
Als er in den Herbstferien nach Göttingen zu- 
rückgekehrt war, munterte ihn das schöne Wet- 
ter noch im October zu einer Reise auf, welche 
neben dem Besuche ihm noch fast ganz unbe- 
kannter zoologischer Gärten besonders den Schä- 
delstudien galt. Er beabsichtigte über Frank- 
furt nach Bonn zur Untersuchung des Neander- 
thalschädels zu gehen und seine Reise vielleicht 
noch nach Holland und bis Paris auszudehnen. 

Aber schon zwei Tage nach seiner Abreise traf 
ihn, bei dessen Constitution man sich einer sol- 
chen Bj-ankheit am Wenigsten versehen hätte, in 
Frankfurt am Main am 6 October Mittags, nach- 



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397 

dem er den Abend vorher und zum Theil den 
Morgen noch im lebendigen fachgenössischen Ver- 
kehr zugebracht hatte, ein Schlaganfall auf 
ofiener Strasse. In's Hotel zurückgelangt, ver- 
mochte er noch zwei Treppen am Arme seines 
jüngeren Sohnes emporzusteigen. Oben im Zim- 
mer stellte sich ziemlich rasch, aber doch nur all- 
mälig völlige Lähmung der rechten Seite und bald 
auch Bewusstlosigkeit ein , nachdem er noch zu- 
vor selbst erkannt hatte , dass das Uebel, wel- 
ches er zuerst für den Vorboten eines starken 
Blutsturzes gehalten, ein Schlagfluss sei. Meh- 
rere Tage im soporösen Zustande liegend, begann 
er indessen über Erwarten rasch wieder zum Be- 
wusstsein zu kommen und sogar an sich selbst, 
z. B. in Betreff der Sehefähigkeit des rechten 
Auges zu experimentiren. Sein Zustand besserte 
sich so weit , dass er nach 9 Tagen nach Göttin- 
gen gebracht werden konnte. Hier erholte er 
sich langsam, die Sprache, welche vorzugsweise 
durch die Lähmung der Zunge gehindert gewesen 
zu sein scheint, stellte sich allmälig wieder ein 
und damit auch bald seine geistige Thätigkeit. 
Leider hat er sich geistig wohl nicht genug ge- 
schont, er dictirte Briefe, wozu er mitunter 
die Worte nicht finden konnte. Namentlich war 
und bheb das Kamengedächtniss öfters gestört, 
er vergass mitunter selbst die Namen seiner Kin* 
der. Eine abermalige heftige Bronchitis, die der 
stets bettlägerige sich im November zugezogen, 
warf ihn wieder von Neuem sehr zurück. Erst 
gegen den Ausgang des Winters trat langsame, 
aber stetige Erholung ein , der Geist war von da 
an immer klar. Die Sprache blieb bei nicht ganz 
weichender Zungenlähmung etwas fremd, aber 
verständlich. Im Beine stellte sich wieder einige 
Bewegungsfähigkeit her. Nur der Arm und die 



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898 

Hand wurden nicht besser. W. las viel, Wis- 
senschaftliches und Anderes, und dictirte täglich 
1—2 Stunden. Am 5 März d. J. Hess er der k. 
Gesellschaft der Wissenschaften noch einen klei* 
nen Aufsatz „über einige Sendungen von Schä- 
deln und über eine besondere Forderung, welche 
man an unsere Alterthums- Vereine und die Geo- 
logen stellen muss", überreichen, in welchem 
man Klarheit des Styls und der Gedanken nicht 
vermissen wird. Im Laufe des März und April 
schritt seine Besserung so weit vor , dass er am 
Stock in seinem Hause auch die Treppen wieder 
ohne andere Führung gehen konnte. Die ersten 
schönen Apriltage lockten den sieben Monate an 
das Zimmer und fast immer an das Bett Gefes- 
selten wieder hinaus in's Freie, in die geliebte 
erwachende Natur. Er fuhr mehrmals spazieren, 
noch ein letztes Mal bei etwas rauher Witterung, 
im Widerspruch mit den seinen. Ob er sich 
hier, oder sonstwo eine neue Erkältung zugezo- 
gen, wer vermöchte das zu sagen? Leider wur- 
de er Ende April abermals halsleidend, bekam 
Husten und starken Auswurf. Sein bisheriger 
guter Appetit verschwand sofort. W. selbst glaub- 
te den abermaligen Angriff nicht mehr zu über-> 
leben. Der durch die lange Krankheit vollends 
geschwächte Körper vermochte nicht mdir zu 
wiederstehen. Vom Sonntiig den 8 Mai an, wo 
der Kranke noch den Schluss eines Briefs an 
seinen ältesten Sobn unter grosser Anstrengung 
dictirte, nahm die Krankheit einen rascheren Ver- 
lauf und immer schlimmeren Gharacter an. Am 
Donnerstag Abend trat eine heftige Bronchitis 
ein, die Athemnoth ward stündlich grösser. „Jetzt 
zählt man schon nicht mehr nach Tagen, son- 
dern nur noch nach Stunden'', meinte der 
Patient. Er litt viel, Morphiumpulyer verschaff« 



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399 

ten ihm nur noch zeitweise Erleichterung. Mit 
vollkommenster Ruhe, mit wachsender Sehnsucht, 
im festen christlichen Glauben ging Wagner dem 
Tode entgegen, aber doch scheint er den Tod 
kaum schon am Freitag erwartet zuhaben. Ge- 
gen 7 Uhr Abends schlief er ein, um 8V2 Uhr 
Abends, am Freitag den 13 Mai 1864, entwand 
sich der röchelnden Brust sein letzter Athem- 
zug. Seine zu spät herbeieilenden Eander, seine 
treue Gattin hatten den besten der Väter und 
Gatten, seine Bekannten einen treuen Freund, die 
Universität einen berühmten Mann, die Wissen- 
schaft einen eifrigen hervorragenden Jünger 
verloren, dessen Gedächtniss ehrenvoll fortle- 
ben wird. 



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Register 

über die 

Naclirieliteii 

von der 

kdiigL Gesellschaft 4er Wisseiisdiafteii 

und der 

Georg- Augusts - Universität 

aus dem Jahre 1864. 



Ährendts, übersendet eine Geschwulst der Mamma 

299. 
Äronstem, über einige neue Verbindungen aus dem 

Acrolein 111. — Zum Dr. phil. promovirt 287. 
V. Araujo, zum Dr. jur. promovirt 300. 

H. Bartels und JEhrh. Schuh erhalten den ho- 
miletischen Preis 192. 

Beüstein^ über die Reduktion von Nitrokörpem 
durch Zinn und Salzsäure 41. — Üeber Ami- 
dozimmtsäure und Carbostyryl 181. — lieber 
die Natur der sogenannten Salylsäure 282. — 
lieber die isomere Chlorbenzoesäuren 326. — 
lieber einige Derivate der Brenzschleimsäure 
348. — Zum Assessor der k. Ges. der W. 
ernannt 371. 

Benfey , zum Mitglied der k. Ges. der W. er- 
wählt 370. 

Berlien^ zum Dr. phil. promovirt 287. 

Binding y zum Dr. jur. promovirt 300. 

Samuel Birch, zum ausw. Mitglied der k. Ges. 
der W. erwählt 371. 

Bithell, zum Dr. phil. promovirt 286. 

BohUj die pathologische Knochenneubildung 293. 

Borchardtj zum Correspondenten derk. Ges. der 
W. erwählt 371. 



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402 

Brauer^ Sarcom des LiimbartheileB der MeduUa 
spinalis 296. — Fall von grauer Degeneration 
der Hinterstränge 296. 

Brehmer, zum Dr. jur. promovirt 301. 

Breühaupt^ cum Conrespondcoitra dar k. Ges. 
der W. erwählt 371. 

Buff, zum Dr. phil. promovirt 252. 

Caspari, zum Dr. phil. promovirt 287. 

Cayley^ zum Correspondenten der k. Ges. der 

W. erwählt 371. 
Clebsch^ zum Correspondenten der k. Ges. der 

W. erwählt 871. 
Cooper, zum Dr. phil. promovirt 252. 
B. V. Cotta, zum Correspondenten der k. Ges. 

der W. erwählt 371. 
Credner^ zum Dr. phil. promovirt 288. 
2). Cunee^ über das Valeriansäurecvanid 114. 
William Gureton, Anzeige seines Todes 369. 
Ernst Curtitts, über die neuentdeckten Del- 

? bischen Inschriften 135. — Hält bei der 
^eisvertheilung die Festrede 191. — Zwei 
attische Inschriflien 341. — In den Rechtspfle- 
geausschuss gewählt 189. 

Daake, über einen Fall von geheilter Fissur der 
Schädelbasis sowie über das Vorkommen von 
oxalsaurem Kalk in der Schilddrüse des Men- 
sche 292. 

Davies, zum Dr. phil. promovirt 287. 

DierJcing^ Anzeige seines Todes 189. 

Fr. Die^i zum ausw. Mitglied d^r k. Qes. der 
W. erwählt 371. 

Dommes^ übersendet zwei Geschwülste des Ute- 
rus 298. 

J>Of)e, zum ausw. Mitglied der k. Ges. der W. 
erwählt 371. 



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403 

DraJce. über die Brüche des Badias durch in- 

directe Gewalt 290. 
Dtmcker, Curator in derUniversitäts-Kircheri-De- 

putation 189. 

v. EtUnghausen, zum Correspondenten der k. 

Ges. der W. erwählt 371. 
Ewalde über die grosse Karthagische und andere 

neu entdeckte Fhönikische Inschriften 179. 

Fischer, über spina bifida 289. 

Fittig, über einige Derivate des Phenyls 43. — 
Ueber sogen, gemischte Alkoholradicale 50. — 
Ueber die Synthese von Kohlenwasserstotfen 225. 
Ueber isometrische und homologe Verbindun- 
gen 352. — Zum Assessor der k. Ges. der 
W. ernannt 371. 

Gerling, Anzeige seines Todes 365. 

üesSf zum ord. Prof. der theol. Fakultät ernannt 
300. Wird Mitglied der Universität» -Kirchen- 
Deputation 300. 

Glöckner y zum Dr. jur. prolnovirt 301. 

Göttmgen. 1. h Ges. der W.: A. Feier des 
113. Stiftungstages 361. B. Jahresbericht er- 
stattet von dem Ob.-Medicinalrath Wöhler 361. 
a. Das Direktorium ist zu Michaelis 1864 von 
dem Hofrath Weber auf den Professor Ewald 
übergegangen 361. b* Verzeichniss der im 
Jahre 1864 verstorbenen hiesigen und aus- 
wärtigen Mitglieder sowie Correspondenten 361. 
c. Verzeichniss der neuerwählten hiesigen und 
auswärtigen Mitglieder sowie Correspondepten 
370. C. Verzeichniss der in^ den Versamm- 
lungen der Societät gehaltenen Vorlesungen und 
vorgelegten Abhandlungen: Hofrath Gnsebachy 
über die von Fendler in Venezuela gesammel- 



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404 

ten Bromeliaceen 1. Derselbe^ über die Wel- 
witschia 1. Prof. Wicke ^ über die Krystalle 
in der Welwitschia 1. Prof. Listing ^ über einen 
in Russland von Herrn Korsakoff beobachte- 
ten terrestrischen Sonnenhalos nebst Bemer- 
kungen über das krystallisirte Wasser 22. Ob.- 
Med.-Rath Wähler^ Verzeichniss, der in der 
Universitätssammlung zu Göttingen am 1. Ja- 
nuar 1864 befindlichen Meteoriten 30. Prof. 
Stern ^ über die Eigenschaften der negativen 

Seriodischen Kettenbrüche, welche die Qua- 
ratwurzel aus einer ganzen positiven Zahl 
darstellen 35. Dr. Marme, über die Wirkung 
des Digitalin auf die Herzthätigkeit verschie- 
dener Thiere 35. Dr. Beilstein^ über dieKe- 
duction von Nitrokörpem durch Zinn und Salz- 
säure 41. Dr. Fittig, über einige Derivata des 
Phenyls 43. Derselbe, über sogenannte ge- 
mischte Alkoholradicale 50. Prof. Waitz, über 
die Quellen des ersten Theils der annales Ful- 
denses 55. Hofr. Wagner, über einige Sen- 
dungen von Schädeln^ die in der letzten Zeit 
an die anthropologische Sammlung des phy- 
siologischen Instituts gemacht worden sind; und 
über eine besondere Forderung, welche man 
an unsere Alterthums- Vereine und die Geolo- 
en stellen muss 87. Prof. W. Keferstein^ über 
e geographische Verbreitung der Prosobran- 
chien 103. Prof. K. v. Seebach ^ über Oro- 
phocrinus, ein neues Crinoideengeschlecht aus 
der Abtheilung der Blastoideen 110. Dr. H. 
Hühner, vermischte chemische Mittheilungen 
111. Hofr. J, Henle. über die äussere Kör- 
nerschicht der Retina 119. Frot Klinkerfaes^ 
Über einen einspiegeligen Heliostäten 125. Der- 
selbe, über die Berechnung von Fixstem-Oer- 
tem 128. Dr. Marme, über ein neues giftig 



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405 

wirkendes Glycosid der Radix Hellebori nigri 
130. Prof. E. Curtius, über die neu entdeckten 
Delphischen Inschriften 135. Prof. Ewald, 
über die grosse Karthagische und andere neu- 
entdeckte Phönikische Inschriften 179. Dr. 
Beilstein, Amidozimmtsäure und Carbostyryl 
181. Prof. TT. Krame, über das Analogon 
des Collum oss. femoris am Oberarmbein 185. 
Derselbe, Beiträge zur systematischen Neuro- 
logie der oberen Extremität des Menschen 187. 
Derselbe, über das Vorkommen von oxalsau- 
rem Kalk in der Schilddrüse 188. Hofr. Sauppe, 
die Epitaphia in der späteren Zeit Athens 
199, Ob..Med.-ßath Wähler, über das Fär- 
bende im Smaragd 223. Dr. Fitiig, über die 
Synthese von Kohlenwasserstoffen 225. Prof. 
Krame, über die Endigung der Drüsennerven 
233. Prof. Keferstein, über den feinem Bau 
der Lungenschnecken 237. Prof. Klinherfues, 
über einen von Steinheil construirten neuen 
einspiegeligen Heliostat^n 248. Derselbe, über 
einen von ihm bearbeiteten Fixstemkatalog 
250. Prof. W. Wiche y über das allgemeine 
Vorkommen des Kupfers im Boden und in 
den Pflanzen 269. Derselbe, über Wurzel-Ver- 
wachsungen bei Kleepflanzen und ihre Folgen 
275. Ob.-Med.-Rath Wohler, Bemerkungen 
über den neuesten Meteoittein-Fall 277. Dr. 
Beilstein, über die Natur der sogenannten 
Salylsäure 282. Hofr. Henle, weitere Beiträge 
zur Anatomie der Retina 305. Dr. Beilstein, 
über die isomeren Chlorbenzoäsäuren 326. Dr. 
Hmemann, und Dr. Manne, über die wirk- 
samen Bestandtheile von Helleborus niger und 
H. viridis 330. * Dieselben, über das Lycein 
337. Prof. Curtius, zwei attische Inschriften 
341. Prof. Sartoritis v. Waltershamen, Nach- 



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406 

rieht über das Vorkommen des Rhinoceros 
tichorincis bei Northeim 345. Dr. Beüstein^ 
über einige Derivate der Brenzschleimsäure 
348. Dr. Fittig^ über isomerische und homo- 
loge Verbindungen 352. Hofr. Grisebiichy 
über die geographische Verbreitung der Pflan- 
zen Westindiens 361. — D. Freisaufgabenj 
Für den November 1865 von der hist-j^oL 
Klasse: eine ausführliche Geschichte der Stadt 
Damaseus v<m den ältesten Zeiten bis zum 
Untergange des Chalifenreiches 372. Für den 
November 1866 von der physicalischen Klasse, 
von neuem aufgegeben: über Lycopodium 372. 
Für den Novemb. 1867 von der matnematischen 
Ellasse: Anstellung neuer Versuche^ geeignet 
auf möglichst direkte Weise zu «atscheiden, 
ob in einem polarisirten Lichtstrahl der Win- 
kel zwischen der Vibrationsebene und der 
Polarisationsebene Null oder 90^ sei 873. — 
E. Wedekindsche Preisstiftung 374 ~ Bei 
der K. Gks. der W. neu eingegangene Druck- 
schriften 34. 53. 69. 99. 100. 102. 117. 118. 190. 
197. 301 f. 343. 359. Vom britischen Mu- 
seum gesdienkte Druckschriften 194. 
Gottingen, 2) Universität. A. Das Prorekto- 
rat ist am 1. September 1864 auf den Staats- 
rath Zachariae übergegangen 300. — B. Ver- 
zeichniss der Vorlesungen ftir den Sommer 1864. 
71; für den Winter 18«*/66 253. — C. -Fei- 
erUehkeitenj Preisvertheilung an die Studiren- 
den 191. -— D. Oeffentliche gelehrte An- 
stalten : a. Mittheilungen aus dem paiholo- 
gischen Institute von dem Prof. W. Krause, 
185 ff. 233. — Fünfter Bericht übw das 
pathologische Institut von demse^n 289. — 
b. Mittheiluneen aus dem chemischen Labo- 
ratorium von dem Dr. Fittig, 225. — E. Er- 



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407 

nennungen 300. — Personalbestand der aka- 
demischen Behörden 189. 300. — • Promotio- 
nen, die vom 1. Juli 1863 bis 30. Juni 1864 
stattgefunden haben 1) der philosophischen 
Facultät 251. 286. 2) der juristischen Fa- 
cultät 300. 

Grisehach, über die von Fendl^ in Vene- 
zuela gesammelten Bromeliaceen 1. -* Ist 
Vertreter der med. Facultät in der Direktion der 
Professoren- Wittweneasse geworden 189. — 
lieber die geographische Verbreitung der 
Pflanze Westindiens 361. 

K, E. Grrisehach^ zum Dr. jur. promovirt 801. 



Hach^ zum Dr. jur. promovirt 301. 

Hahny tibersendet ein Myxom der grossen Soham- 
liTOe 299. 

Hankely zum Correspondenten der K. Ges. der W. 
erwählt 371. 

Hannemüüer^ zum Dr. phil. promovirt 287. 

Harüaub^ zum Dr. jur. promovirt 301. 

Carl Benedict Hase^ Anzeige »eines Todes 367. 

Helferich^ ist in den Rechtspflegeausschuss am 
V September 1864 eingetreten 300. 

Hemkes^ Alveolarkrebs des Mastdarms 292. 

J, Herüe^ über die äussere Eömerschichte der 
Betina 119. — Weitere Beiträge zur Ana- 
tomie der Betina 305. 

Henneckey übersendet ein Präparat von Phoenhor- 
necrose mit vollständiger Wiederherstellung 
des OS maxillare inferius 299. 

Holscher^ übersendet exstirpirte Corpora mobilia 
des Kniegelenks 298. — Uebersendet eine 
Drüsengeschwulst der Haut und einen Schleim- 
> des Uterus 299. 

vermischte chOTaische Mittheilungen 



polyp des 
H. nubner^ 



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408 

111. — Ueber Cyanessigsaurebromid und Brom- 
easigsäurecyanid 115. 

Htmdögger, überaeadet ein Syphilom der Lunge 
299. — Uebersendet eine Hufeisenniere; ^e 
am unteren Ende zusammengewachsen war 299. 

V. Hunyady, zum Dr. phiL promovirt 287. 

Husemann Und Marme^ über die wirksamen Be- 
standtheile von Helleborus niger und H. viri- 
dis 330. ~ Ueber das Lycein 337. 

Hynicken, übersendet ein spontan entferntes Myom 
des Uterus 298. 

v. Jacobi^ zum Correspondenten der K. Ges. der 
W. erwählt 371. 

Jüdell, übersendet exstirpirte Corpora mobilia des 
Handgelenkes 299. 

Kaiser y zum Dr. phiL promovirt 288. 

Vuk Stefanovitsch Karadschitsch, Anzeige seines 
Todes 369. 

Keferstein, über die geographische Verbreitung 
der Prosobranchien 103. — Ueber den fei- 
neren Bau der Augen der Lungenschnecken 237. 

Kleinschmidt y über die Drüsen der Conjunc- 
tiva 290. 

Klinkerfues, über einen neuen einspiegeligen 
Heliostat«! 125. — Ueber die Berechnuüig 
von Fixstem-Oertem 128. — Ueber einen 
von Steinheil construirten neuen einspiegeligen 
Heliostaten 248. — Mittheilungen über einen 
von ihm bearbeiteten Fixstemcatalog 250. 

Knoblauch, zum Correspondenten der E. Ges. 
der W. erwählt 371. 

Krause, über das Analogen des Collum oss. fe- 
moris am Oberarmbein 185. — Beiträge 
zur systematischen Neurologie der, oberen Ex- 
tremität des Menschen 187. — Ueber das 
Vorkommen von oxalsaurem Kalk in der Schild- 



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409 

drüse 188. — Ueber die Endigung der Drü- 
sennerven 233. — Fünfter Bericht über das 
pathologische Institut zu Göttingen 289. 

Kruse y Comminutiv-Fraktur der Scapula 293. 

KüneJce, übersendet 22 Exemplare von Tänia 
solium 298. 

Kühnemund, zum Dr. phil. promovirt 252. 

Kühner, zum Dr. phil. promovirt 287. 

Kugelmann, übersendet ein Präparat von einem 
ßetrouterinal-Abscess 298. — Uebersendet ei- 
nen amputirten sechsten Finger und 3 Ge- 
schwülste des Uterus 299. 



Lampe, zum Dr. jur. promovirt 301. 

Langenhech, (aus Gifhom) übersendet das Bild 
einer Patientin mit Macroglossie 298. 

Langenhech, (aus Göttingen) übersendet ein Ge- 
hirn mit vereiterten Cysticerken 298. 

Laudahn, (aus Hildesheira) übersendet das Rü- 
ckenmark eines an allgemeiner Paralyse ver- 
storbenen Geisteskranken 298. 

Laudahn, (aus Salzdetfurth) übersendet ein Car- 
cinoma genu 298. . 

Lenz, zum Correspondenten der K. Ges. der W. 
erwählt 371. 

Lindemann, übersendet eine zusammengesetzte 
Cystengeschwulst der Mamma 299. 

Listing^ über einen in Russland von Herrn Kor- 
sakoff beobachteten terrestrischen Sonnenhalos, 
nebst Bemerkungen über das krystallisirte 
Wasser 22. 

Ferd. Lorey , zum Dr. phiL promovirt 252. 

Lorey (aus Frankf. a. M.) übersendet ein Prä- 
parat von sog. hydrops renum 298. 

LueJeen, über eine Geschwulst am Herzen 290. — 
übersendet ein exstirpirtes Sarcom 298. 



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410 

LmUng^ über eine eigenthümliche Geschwulst 
dei Stimbeins 289. 

Marme^ über die Wirkung des Digitalin auf 
die Herzthätigkeit verschiedener Thiere 35. — 
Ueber ein neues giftig wirkendes Glycosid 
der Radix Hellebori nigri 130. — S. Hu- 
semann. 

Menge ^ zum Dr. phil. promovirt 252. 

Möbius, aum ausw. Mitglied der K. Ges. der W. 
erwählt 371.. 

Moldenhauer, zum Dr. phil. promovirt 288. 

Neumann ^ zum Correspondenten der K. Ges. 

der W. erwählt 371. 
Theodor NSldeTce, zum Correspondenten der K. 

Ges. der W. erwählt 371. 

Ferschmann^ zun) Dr. phil. promovirt 287. 
Pflughaupt ^ zum Dr. phil. promovirt 251. 
Piesse, Äum Dr. phil. promovirt 287. 
Giovanni Plana ^ Anzeige seines Todes 364. 
Julius Plücker^ zum Correspondenten der K. 

Ges. der W. erwählt 371. 
Poggendorff^ zum ausw. Mitglied der K. Ges. 

der W. erwählt 371. 
Popp^ zum Dr. phil. promovirt 287. 

Rapa/njs^ zum Dr. jur. promovirt 301. 

Corü Beck^ zum Dr. jur. honoris causa promo- 
virt 301. 

Reich, zum ausw. Mitglied der K. Ges. der W. 
erwählt 371. 

Reichenbach, zum Dr. phil. promovirt 288. 

Ribbentrop, in den Verwaltungsausschuss ge- 
wählt 300. 



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411 

Bipping, Beiträge zur Lehre von den pflanzli- 
chen Parasiten 290. 

Romer, zum Correspondenten der K. Öee. der 
W. erwählt 371. 

Röphe, Carcinoma oosificanB de» linken Ober- 
schenkels 296. 

JB&fer, zum Dr. phil. promovirt 287. 

Heinrich Rose, Anzeige seines Todes 362. 

Roth, Untersuchungen über die Drüsensubstanz 
der Niere 290. 

Zum Scmde, übersandte eine grosse in^ retrope- 
ritonäalen Bindegewebe eines Huhns entstan- 
dene Geschwulst 298. 

Sartorim v. Waltershatisen, in den Verwaltungs- 
ausschuss gewählt 189. — Naebricht über 
das Vorkommen des Rhinoceros tichorinus bei 
Northeim 345. 

Sauppe, die Epitaphia in der späteren Zeit 
Athens 199. 

Scharlach f zum Dr. jur. promovirt 301. 

Schmidt, zum Dr. Jur. promovirt 300. 

Schuchardt, übersandte eine Gesdiwulst der 
Mamma 299. 

Ehrhardt Schuh, s. Bartels, 

K. V. Seebach, über Orophocrinus, ein neues 
Crinoideengeschlecht aus der Abtheilung der 
Blastoideen 110. — Zum Assessor der K. 
Ges. der W. erwählt 371. 

Carl Theodor v. Sieiotd, zum ausw. Mitglied 
der K. Ges. der W. erwählt 371. 

SoJcolowsky , über ein verkalktes und verknö- 
chertes EpiÜieliom 290. 

Spangenberg, übersandte einen Smonattkiien 
Hemicephsilus 298. 

SpiesSf zum Dr. jur. promovirt 301. 

Stegematm, zum ur, phiL promovirt 2ö2. 

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412 

Stern, über die Eigenschaften der negativen pe- 
riodischen Kettenbräche, welche die Quadrat- 
wunel ans einer gansec positiven Zahl dar- 
stellen 3ö. 

Stevens^ zum Dr. phil. promovirt 252. 

StiUe, zum Dr. phil. promovirt 287. 

Stisser, über zwei Fälle v<m Macroglossie 293. 

StokeSy zum Correspondenten der K. Ges. der 
W. erwählt 371. 

Strüver, zum Dr. phil. promovirt 288. 

Friedr. Georg Wim. Struve, Anzeige seines To- 
des 366. 

James Joseph Sylvester^ zum Correspondenten 
der K. Ges. der W. erwählt 371. 

I^om^on, zum ausw. Mitglied der K. Ges. der 

W. erwählt 371. 
Tollens, zum Dr. phil. promovirt 288.- 
Tscheuchner, zum Dr. phil. promovirt 252. 

Uffelmann, über Pettembolie der Lungencapil- 

laren 290. 
{TZftionn, zum Dr. phil. promovirt 252. 

Valentin, erhält den vollen Preis der ausseror- 
dentlichen Aufgabe der philosophischen Fa- 
kultät 192. 

Wilhelm VroUk, Anzeige seines Todes 368. 

Wait0 von Eschen, zum Dr. philos. promovirt 251. 

Adolph Wagner, Necrolog seines Vaters, Rudolph 
Wagner 375. 

Herrn. Wagner, zum Dr. phil. promovirt 288. 

Rudolph Wagner, über einige Sendungen von 
Schädeln, die in der letzten Zeit an die an- 
thropologische Sammlung des physiologischen 
Instituts gemacht worden sind, und über eine 



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413 

besondere Forderung^ welche man an unsere 
Alterthums- Vereine und die Geologen stellen 
muss 87. -^ Anzeige seines Todes 235. — 
Necrolog 361. 375. 

Wait0, über die Quellen des eteten Theils der 
annales Fuldenses 55. 

Wedehind, zum Dr. jur. promovirt 301. 

Wehrhane^ zum Dr. phil. promovirt 288. 

Weyland^ zum Dr. jur. promovirt 301. 

Wibel, zum Dr. phil. promovirt 288. 

Wichmann y zum Dr. jur. honoris causa promo- 
virt 301. 

Wicke ^ über die Kry stalle in der Welwitschia 
1. — Ueber das allgemeine Vorkommen des 
Kupferoxyds im Boden und in den Pflanzen 
269. — Ueber Wurzel- Verwachsungen bei 
Eleepflanzen und ihre Folgen 275. 

Wiese y übersendet einen Echinococcussack der 
Leber 299. — Uebersendet eine Geschwulst 
der Mamma 299. 

Wietfeldt^ übersendet verschiedene Geschwülste 
299. 

WÖhleTy die Meteoriten in der Universitäts- 
Sammlung zu Göttingen am 1. Januar 1864 
30. — Ueber das Färbende im Smaragd 
223. — Bemerkungen über den neuesten Me- 
teorstein-Fall 277. 

Wüstenfeld, wiedergewählt fiir die philos. Fak. in 
dieDirection derProfessoren-Wittwen-Casse 189. 

Zachariä, in den Verwaltungsausschuss gewählt 
189. — Vom 1. September 1864 an Prorec- 
tor 300. 

Zenker y ein Fall von partieller Himsclerose 296. 



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Berichtigung. 

S. 370 Z. 10 statt später fast lese man seit den 
Tagen der Ässemäni fast ganz. 



Dmek der IHeterielise^ii üniT.-Buchdrnckerei. 
W. Fr. Kaestner. 



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